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Ein Bildband mit einer fast lückenlosen Biografie von 12 Jahren

Eine Biografie aus 1980

Die 12 Jahre der Nationalsozialisten haben die ganze Welt "verdreht". So viele Tote hatte noch nie ein diktatorisches Regime zu verantworten. Hier wird in den Jahren um 1980 biografisch aufgearbeitet, wie es die "Deutschen Normalbürger" erlebt oder auch nicht erlebt hatten und vor allem, wie es dazu gekommen war. Hintergrund in 2026 ist die aktuelle Entwicklung 80 Jahre danach - nicht nur wieder in Deutschland - sondern auch in den USA und in Russland und in weiteren Ländern dieser Welt. Hier wird nichts verklärt oder beschönigt oder verniedlicht. Die Wahrheit ist daher nicht immer angenehm oder gefällig. Die einführende Seite beginnt hier.

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Frauenehre, Frauenwürde, Mutterglück

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52 Jahre alter, rein arischer Arzt, sucht arische Jungfrau .......

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  • »Zweiundfünfzig Jahre alter, rein arischer Arzt, Teilnehmer an der Schlacht bei Tannenberg, der auf dem Lande zu siedeln beabsichtigt, wünscht sich männlichen Nachwuchs durch eine standesamtliche Heirat mit einer gesunden Arierin, jungfräulich, jung, bescheiden, sparsame Hausfrau, gewöhnt an schwere Arbeit, breithüftig, flache Absätze, keine Ohrringe, möglichst ohne Eigentum.«

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Diese Zeitungsanzeige aus den »Münchner Neueste Nachrichten« vermittelt besser als jede theoretische Erörterung nationalsozialistischer Familienpolitik, welches Bild überzeugte Nationalsozialisten von der Frau hatten.

Obwohl sich Hitler (in »Mein Kampf«) und seine Epigonen lange vor der Machtübernahme zu allen möglichen Bereichen des Lebens geäußert hatten, sind die Anmerkungen der Nationalsozialisten zur Rolle der Frauen unspezifisch und wenig konkret geblieben.
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Die »deutsche Erhebung« von 1933 - ein männliches Ereignis

Die »deutsche Erhebung« vom Januar 1933 war in jeder Hinsicht ein männliches Ereignis. Bereits im Januar 1921 hatte man Frauen von der Mitgliedschaft im Parteivorstand der NSDAP ausgeschlossen.

Diese Frauenfeindlichkeit, die vielfach sogar als »sekundär rassistisch« bezeichnet wird, fand später ihren Niederschlag in zahlreichen Erlassen. So standen zum Beispiel nur maximal zehn Prozent der Studienplätze für Studentinnen zur Verfügung.

Um so erstaunlicher war die lautstarke Verherrlichung der Mutterschaft. Nicht die »tugendsame alte Jungfer«, sondern »Weiber, die wieder Kinder zur Welt zu bringen vermögen«, galten etwas.

Auch Hitler stufte den Wert der Frau allein nach ihrer Gebärleistung ein: »Was der Mann einsetzt an Heldenmut auf dem Schlachtfeld, setzt die Frau ein in ewig geduldiger Hingabe, in ewig geduldigem Leid und Ertragen. Jedes Kind, das sie zur Welt bringt, ist eine Schlacht, die sie besteht für das Sein oder Nichtsein ihres Volkes.«
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Selbständiges Denken war nicht nur nicht gewünscht .....

Folgerichtig war auch die Mädchenerziehung in ihrer Zielsetzung nicht darauf ausgerichtet, selbständig denken, handeln und sich ernähren zu können, sondern sich auf die Rolle als »kommende Mutter« vorzubereiten.

Die Ehe wurde nicht als Selbstzweck betrachtet, man pries sie vielmehr als Mittel zur »Vermehrung und Erhaltung der Art und Rasse«. Nicht zu heiraten oder gar kinderlos zu bleiben galt daher als besonders verwerflich, und die betreffenden Frauen wurden beschuldigt, dem Volk möglicherweise gesunde Kinder vorzuenthalten.

Abtreibungen wurden erschwert und gerichtlich verfolgt und alle Kliniken für Geburtenkontrolle geschlossen. Nicht in der Verhinderung von Geburten, die als »Sabotageakte gegen Deutschlands rassische Zukunft« gewertet wurde, sondern in der Förderung »erbtüchtigen« Nachwuchses sahen die Nationalsozialisten die - laut ihrer Doktrin - von der Natur vorgezeichnete Rolle der Frau.

Sie sollte - jedenfalls vor dem Krieg - nicht im Beruf ihren »Mann« stehen, sondern sich als Mutter und sorgende Hausfrau bewähren. »Heim in Küche und Kammer« hieß eine der vielen Devisen.

Goebbels hatte in seinem frühen Roman »Michael« die nationalsozialistischen Thesen mittels eines ornitologischen Vergleichs zu belegen versucht:

»Die Frau hat die Aufgabe, schön zu sein und Kinder zur Welt zu bringen. Das ist gar nicht so roh und unmodern, wie sich das anhört. Die Vogelfrau putzt sich für den Mann und brütet für ihn die Eier aus. Dafür sorgt der Mann für die Nahrung.«
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Die antifeministische NS-Ideologie

In Ansätzen war die antifeministische Ideologie der Nationalsozialisten schon vor 1933 öffentliches Gut geworden. Im Parteiorgan »Völkischer Beobachter« wurde immer wieder betont, daß Frauen aus allen Bereichen der Öffentlichkeit zu verdrängen seien und daß ihnen neben Haus und Herd allenfalls die Berufe der Lehrerin, Krankenschwester und Landwirtschaftsgehilfin offenstehen sollten.

Schon kurz nach der Machtübernahme verfuhren die Nazis getreu ihren Leitsätzen. Mit einem großangelegten Programm förderten sie Eheschließungen. Jungverheiratete konnten seit Juni 1933 ein Darlehen zwischen 600 und 1.000 Reichsmark erhalten.

Das war viel Geld, wenn man bedenkt, daß der Durchschnittslohn eines Arbeiters bei unter 100 Reichsmark im Monat lag. In den Genuß der großzügigen Darlehen kamen allerdings zunächst nur Frauen, die mit der Heirat ihren Beruf aufgaben.
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Das Ergebnis bzw. der Effekt blieb umstritten

Der arbeitsmarktpolitische Wert dieser Maßnahme, die Frauenarbeit zu reduzieren und die frei gewordenen Stellen mit Männern zu besetzen, blieb umstritten. In vielen Bereichen der Industrie und vor allem der Landwirtschaft konnte auf Frauenarbeit nicht verzichtet werden. Daher wurden die Darlehen bald an alle Jungverheirateten gezahlt.

Bevor jedoch die Behörden Ehestandsdarlehen bewilligten, mußten sich die Hochzeitspaare einer umfangreichen Prüfung ihrer politischen, wirtschaftlichen und eugenischen (etnischen) Eignung unterziehen. Bis 1938 wurden rund eine Million Ehestandsdarlehen gewährt. Wegen der starken Nachfrage mußte von diesem Zeitpunkt an das Darlehen auf 500 Reichsmark gekürzt werden. Ferner gab es ab Februar 1938 eine Regelung, nach der Ehepaare, die länger als fünf Jahre verheiratet waren und deren Ehe kinderlos geblieben war, zur Zahlung von »StrafSteuersätzen« verpflichtet wurden.
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Beamte sollten mit gutem Beispiel vorangehen.

Man versuchte sie durch Besoldungserhöhungen zur Heirat zu animieren. Die Folge war ein Babyboom, der noch bis in die Kriegszeit anhielt. Ein Hilfswerk für Schwangere wurde eingerichtet, Großfamilien mit vier und mehr Kindern erhielten Zuschüsse aus der Staatskasse. Daneben wurde das auch damals übliche Kindergeld weitergezahlt.

Schon bald jedoch mußte das Regime intern seine nach außen hin mit viel propagandistischem Aufwand betriebene Familienpolitik stillschweigend revidieren. Wirtschaft, Handel und Landwirtschaft konnten auf die Frau als billige und fleißige Arbeitskraft nicht verzichten.

Zwar sank in den ersten Jahren nach der Machtübernahme der prozentuale Anteil der Frauen an der Gesamtzahl der Erwerbstätigen noch von 29,3 auf 24,7 Prozent, doch die absolute Zahl der erwerbstätigen Frauen stieg. Vor allem in der Textil-, Bekleidungs- und papierverarbeitenden Industrie, in der über die Hälfte der Arbeitsplätze von Frauen besetzt war, aber auch in der feinmechanischen und der optischen Industrie ließen sich längst nicht alle Stellen beliebig auch mit Männern besetzen.

Tests bewiesen, daß Frauen in vielen Bereichen wesentlich höhere Leistungen erbrachten als Männer.
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Nur noch Männer für die gehobene Beamtenlaufbahn

Es kann also keine Rede davon sein, daß das Arbeitsbeschaffungsprogramm von 1933 die Frauen vom Arbeitsmarkt verdrängte. Mit einer Ausnahme: Beamtinnen wurden durch ein Gesetz in ihren Rechten und Berufschancen radikal beschnitten.

Die Grundlage für ein derartiges Vorgehen war schon 1932 geschaffen worden, doch nach der Machtübernahme gingen die Nazis so rigoros zu Werke, daß Innenminister Wilhelm Frick mehrfach eingreifen mußte. Trotzdem wurden seit dem 27. April 1934 alle Beamtinnen entlassen, die von ihren Familien unterhalten werden konnten. Für die gehobene Beamtenlaufbahn waren nur Männer zugelassen.

So wurden im Unterrichts- und Erziehungswesen alle Frauen aus den leitenden Positionen verdrängt. Die Bestrebungen gingen dahin, möglichst keine Lehrerinnen im höheren Schuldienst zu belassen, nicht einmal für den Unterricht an Mädchenschulen.

Nur als Volksschullehrerinnen duldete man Frauen, weil Hitler weibliche Lehrkräfte im Elementarunterricht für besonders geeignet hielt, nur dürfe man sie »nicht durch eine übertriebene Ausbildung, also gleichsam übertriebene Gehirnmassage, blödsinnig machen«.
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Dann bekamen die Ärztinnen Schwierigkeiten

Im medizinischen Bereich bekamen Ärztinnen Schwierigkeiten. Gegen Juristinnen wurde erst 1936 vorgegangen, dann allerdings um so härter. Hitler persönlich verfügte, daß Frauen weder Richter noch Anwälte sein sollten.

Um den Nachwuchs an Akademikerinnen zu drosseln, wurde schon 1933 in allen Fachrichtungen ein Numerus clausus für Studentinnen eingeführt. Von den 10.000 Abiturientinnen des Jahres 1934 wurde nur 1.500 die Studienberechtigung zuerkannt.

Spätestens seit der Verkündung des Vierjahres-lans im Herbst 1936 jedoch wurde offen zugegeben, daß eine Beschränkung der arbeitenden Frauen auf sogenannte »arteigene Berufe« nicht möglich sei.
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Die Arbeitsreserve "Frau" wird angezapft

Die forcierten Rüstungsanstrengungen und die damit verbundene Hochkonjunktur und Vollbeschäftigung machten schon bald deutlich, daß gesetzliche Maßnahmen zur umfassenden Mobilisierung und Kanalisierung der Arbeitskräfte erforderlich würden.

Zu diesem Zeitpunkt bildeten die nichterwerbstätigen Frauen die einzige noch nicht erfaßte Arbeitsreserve. Darum wurde die Koppelung des Ehestandsdarlehens an ein Beschäftigungsverbot ab Oktober 1937 aufgehoben.

Um wenigstens für die Arbeit auf dem Lande und in kinderreichen Familien den Mangel an Hilfskräften einigermaßen zu beseitigen, erließ Hermann Göring im Februar 1938 eine Anordnung über das »Pflichtjahr«, das ab dem 23. Dezember desselben Jahres obligatorisch wurde.

Weite Bevölkerungskreise empfanden es jedoch als ungerecht, daß nur »arbeitspflichtige« Mädchen, nicht aber die Töchter »besserer« Familien »dienstverpflichtet« wurden.
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Neu : Das Pflichtjahr für Mädchen

Für Mütter mit vielen Kindern und für überlastete Bäuerinnen bedeutete diese Maßnahme allerdings eine echte Hilfe. Schon 1938 leisteten rund 80.000 Mädchen ihr Pflichtjahr, ein Jahr darauf waren es bereits mehr als 210.000.

Mit dem Ausbruch des Krieges verschärfte sich die Arbeitsmarktsituation drastisch. Eigenartigerweise konnte sich das Regime trotzdem nicht entschließen, die vorhandenen Instrumente der totalen Diktatur einzusetzen.

Das Millionenheer von jungen Mädchen und Frauen, die nie gearbeitet hatten, blieb auch weiterhin unangetastet. Die überwiegende Mehrheit der in der Kriegswirtschaft tätigen Frauen gehörte zum Kreis der »Arbeitsbuchpflichtigen«.

Sie waren auf den Verdienst aus eigener Arbeit angewiesen. Da nun auch noch als Norm die 60-Stunden-Woche eingeführt wurde - zur Arbeitszeit hinzu kamen die oft sehr langen Anfahrtswege und die Betreuung der Familie -, nahm die Arbeitsmoral in den Kriegsjahren sogar ab.

Krankmeldungen und unentschuldigtes Fehlen an Samstagen und Montagen waren vor allem in den Rüstungsbetrieben sehr verbreitet. Die Gestapo versuchte dieser Entwicklung durch Bestrafungen entgegenzuwirken. Frauen blieben jedoch in der Regel straffrei.
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Die Haltung der Nazis und der Wirtschaft war inkonsequent

In keiner Phase des Krieges, noch nicht einmal nach Verkündung des »totalen Krieges«, griff das Regime konsequent auf das Arbeitskräftereservoir der Frauen zurück.

Die Haltung der Nazis wie auch der Wirtschaft blieb ambivalent. Noch 1943 und 1944 schmiedeten Himmler und Bormann Pläne zur Vermehrung des deutschen Volkes: »Volksnotehen« sollten jeden kampferprobten und erbgesunden Mann berechtigen, zwei oder mehr Frauen zu heiraten und mit ihnen Kinder zu zeugen.

Die Generalmobilisierung der Frauen fand aber nicht statt. Industrie und Regime setzten mehr auf den Einsatz von Kriegsgefangenen, Deportierten und KZ-Insassen. Deren Arbeitskraft wurde rücksichtslos ausgebeutet - meist auf Kosten ihrer Gesundheit und ihres Lebens.

Die Familie war und blieb den Nationalsozialisten bis zum bitteren Ende ein heiliges Gut, die Keimzelle des Volkes. Die Frau sollte »Wächter der Familie, Mutter ihrer Kinder und gehorsame Helferin ihres Mannes« sein. Magda Goebbels, blond und großgewachsen, Mutter zahlreicher Kinder, wurde als die ideale arische Frau gepriesen.

  • Anmerkung : Bis Josef seine arischen Kinder und seine arische Frau umgebracht hatte und dann sich selbst.

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Ein wichtiges Prinzip arischer Schönheit

Einfachheit galt als ein wichtiges Prinzip arischer Schönheit. Die Nationalsozialisten verdammten Lippenstift, Puder und anderes Make-up. Schon im August 1933 ordnete die Kreisleitung der NSDAP in Breslau an, daß geschminkte Frauen Parteiveranstaltungen nicht mehr besuchen dürften.

Dieser Puritanismus ging so weit, daß die Nationalsozialistische Betriebszellenorganisation ins Auge faßte, alle Frauen auszuschließen, die in der Öffentlichkeit, in Gasthäusern, Cafes und auf der Straße rauchten.

Moderne Tänze galten als schädlich, weil ihr Rhythmus als offene Aufforderung zur sexuellen Promiskuität empfunden wurde. Das Tragen von Männerhosen war verpönt.

Die Nationalsozialisten als die Sittenwächter der Moral

Besonders gefielen sich die Nationalsozialisten in ihrer Rolle als Sittenwächter, wenn es um die Institution der Ehe ging. Die Einehe, so hieß es, erhebe den männlichen Eros aus den Niederungen des rein Animalisch-Triebhaften zu den Höhen einer sittlichen Beglückung.

Zugleich befreie sie das Weib aus der »unsittlichen und unwürdigen Stellung als Lustobjekt des Mannes, dem sie damit als gleichberechtigter Ehepartner an die Seite gestellt« wird.

  • »Frauenehre, Frauenwürde und Mutterglück«, so fährt Hermann Pauli in seinem damals weit verbreiteten Buch »Ehe, Moral und Besitz« fort, »verdanken dieser Fesselung des männlichen Eros durch die Einehe ihr Dasein«.


Während also die Einehe eine Herausbildung erkennbarer biologischer Erbstämme der menschlichen Vernunft, eine Zusammenführung hochwertiger Erbstämme zur Menschenerzeugung sowie eine Ausmerzung minderwertiger Erbstämme überhaupt erst ermöglicht, ist bei der freien Liebe »der gegenseitige Antrieb zur Vereinigung lediglich in erotischen Gefühlen enthalten« und »das Zusammenströmen der keimplasmatischen Anlagen beider Eltern lediglich dem Zufall überlassen«.

  • Anmerkung : Die Moral im 3. Reich war wirklich nur geheuchelter Schein. In den Kriegszeiten kam dann heraus, wie moralisch die Frauen der gehobenen Bevölkerung mit der Treue umgingen. Denn uneheliche Kinder bzw. den Ehemännern auf Kriegsurlaub untergeschobenen Kinder gab es zur Genüge. Ein sehr autentischer Roman wurde in Episoden in jeweils mehreren Dreiteilern verfilmt und zumindest die ersten 6 Filme waren sehr beeindruckend. Schaun Sie mal nach Kudamm 56 und Kudamm 59.

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Die Gleichschaltung der Frauenverbände

Von der Gleichschaltung, der sich die Nationalsozialisten direkt nach der Machtübernahme mit soviel Hingabe widmeten, blieben auch die bestehenden Frauenverbände nicht verschont. Nach wochenlangem Hin und Her und heftigen Meinungsverschiedenheiten innerhalb der NS-Führung wurden sie schließlich in der »NS-Frauenschaft« und im »Deutschen Frauenwerk« zusammengefaßt. Bis 1939 konnten diese beiden Verbände rund 3,3 Millionen Mitglieder vorweisen.

Doch ihr Einfluß in Partei und Staat war und blieb gering. Die NS-Frauenschaftsführerin Gertrud Scholtz-Klink verkörperte mit ihrer hochgeschlossenen Hemdbluse, mit Haarkranzfrisur und ihren elf Kindern genau den Typ von Frau, den das Regime wünschte. Allenfalls diese Vorbildfunktion machte die Organisation politisch bedeutsam.

Ihre eigentlichen Verdienste und Aktivitäten lagen mehr auf dem sozialen Sektor. Eine der Hauptaufgaben der NS-Frauenschaft war der Unterricht für werdende Mütter. Neben der »seelischen« Betreuung der Schwangeren, die in Form einer intimen Beratung erfolgte, wurde mit Ernährungsbeihilfen, Plätzen in Mütterheimen und Kindertagesstätten sowie mit Haushaltshilfen Unterstützung geleistet.

Auch im Rahmen der Autarkiebestrebungen des Reiches erfüllte die NS-Frauenschaft die ihr zugedachte Aufgabe. Die Hausfrauen wurden in der Verwendung von Resten sowie im Einkochen von Obst und Gemüse beraten.
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»Das Frauenbild der germanischen Frühzeit«

Mit Vorträgen über »Das Frauenbild der germanischen Frühzeit«, über Heimatdichter und die Notwendigkeit der Nürnberger Gesetze zur Reinhaltung der Rasse sollte den Frauen daneben auch politisches Bewußtsein vermittelt werden.

Darüber hinaus wurden Volkslieder erlernt und gesungen und Tischschmuck für das »Julfest« oder Stickereien gefertigt.
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Der »Bund Deutscher Mädel« war bedeutender

Von größerer Bedeutung waren dagegen der »Bund Deutscher Mädel«, in dem die jungen Mädchen vom 14. bis zum 18. Lebensjahr geistig und körperlich geschult wurden, und der sich daran anschließende »Arbeitsdienst«.

Arbeitsdienst war nach nationalsozialistischer Definition »Ehrendienst«. Im NS-Frauenbuch war festgeschrieben, daß dem Arbeitsdienst die Aufgabe zukomme, »die Menschen zur Arbeit zu führen und auch die Frau bereit zu machen, ihr Leben ganz in den Dienst des Volkes zu stellen ..... Durch diese Arbeit wird den Mädels die richtige Einstellung zum Leben vermittelt, denn sie erleben durch ihren Dienst, daß jede Arbeit befriedigend ist, wenn wir uns damit in die Notwendigkeiten der ganzen Volksarbeit eingliedern.«

1936 zunächst auf freiwilliger Grundlage gegründet, wies der Arbeitsdienst erst 1940, als allen Mädchen unter 25 Jahren ein »Pflichtjahr« auferlegt wurde, nennenswerte Mitgliederzahlen auf. Er sollte »der Land- und Hauswirtschaft, besonders der überlasteten Bauersfrau und den kinderreichen Familien, die notwendigen Hilfskräfte zuführen«.
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Der BDM war das weibliche Pendant zur Hitler-Jugend.

Unter dem Motto »Straff, aber nicht stramm - herb, aber nicht derb« wurde neben der politischen Schulung vor allem der körperlichen Ertüchtigung große Wichtigkeit zugemessen. Seinem Selbstverständnis nach bildete der BDM die »Brücke« zur »Familie von morgen«.

Angeblich konnte jedes Mädel hier seinen seelischen Wurzelgrund finden:

  • »Das Wissen um die Bedeutung des Blutes und die Rassenerkenntnis, die zugleich an Körper, Seele und Haltung den Maßstab legt, weckt notwendig den Willen zu einer gesunden, dem Volke wertvollen Ehe und gibt den Mädeln die Kraft, auf den Menschen zu warten, der in seiner Haltung dem besten Teil ihres Wesens, also ihrer Art entspricht. - Unterstützt durch das Errichten einer ganz neuen Ordnung, durch das unumschränkte Gelten der Leistung und der Kameradschaft in dem Bund, der sie erzieht, erwächst ..... der jungen Mädelgeneration eine neue Wertung des Mannes, eine Wertung, die notwendig zu einer Volksgesundung und der Familie von morgen hinführen muß.«

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Was blieb davon am Ende übrig ?

Praktisch erschöpften sich jedoch die Pflichten eines BDM-Mitglieds in der regelmäßigen Teilnahme am Gruppenleben, im Auswendiglernen des Horst-Wessel- und des Deutschland-Liedes, im Aufzählen der Bestimmungen des Versailler Vertrages und in Kenntnissen über die Auslandsdeutschen.

Eine Umrißkarte des Deutschen Reiches mußte skizziert werden können. Für viele Mädchen brachte das Gruppenleben eine willkommene Abwechslung in ihren häuslichen Alltag. Nur die wenigsten empfanden es als unangenehme Belastung, an den Wanderungen und Veranstaltungen teilnehmen zu müssen.

Und das »Pflichtjahr«, auch »Landjahr« genannt, bot vielen die erste Möglichkeit, aus dem häuslichen Alltag auszubrechen und fremde Gegenden kennenzulernen. Nicht selten haben die im BDM geknüpften Kontakte die Zeit des Dritten Reiches und die Nachkriegszeit überdauert.
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1938 - Das BDM-Werk »Glaube und Schönheit«

Um junge Mädchen noch gezielter auf die Ehe vorbereiten zu können, wurde 1938 das BDM-Werk »Glaube und Schönheit« gegründet; es sollte vor allem der Vermittlung von Kenntnissen in Hauswirtschaft, Schönheitspflege, Gesundheit und Weltanschauung dienen.

In zehn Geboten wurde der ideale Gatte beschrieben: Während der Zeit der Partnerwahl galt es vor allem, den eigenen Körper und die Seele »rein« zu halten; nur ein Gatte nordischen Blutes kam in Frage, als erstes mußte man sich also nach den Vorfahren erkundigen; bevor eine Heirat ins Auge gefaßt wurde, sollte man sich ärztlich auf Ehetauglichkeit untersuchen lassen. -

Das galt selbstverständlich auch für den (zukünftigen) Gatten; da die Ehe eine dauerhafte Bindung ist, sollte man sich keinen »Gespielen« suchen, sondern einen Gefährten; der Sinn der Ehe ist das Kind und die Aufzucht der Nachkommenschaft, und nur bei großer Nachkommenschaft werden die in der Sippe vorhandenen Anlagen in möglichst großer Zahl und Mannigfaltigkeit in Erscheinung treten.
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Jedes Jahr im August - die »Hüterinnen des Erbstromes«

Alljährlich am 12. August, dem Geburtstag der Mutter Hitlers, und am Muttertag wurden die »Hüterinnen des Erbstromes« geehrt. Schon Tage vorher kündigte sich das Ereignis in seiner ganzen Bedeutung an. Mutter und Kind wurden als »Unterpfand für die Unsterblichkeit eines Volkes« gepriesen.

Kinderreiche Mütter erhielten das »Ehrenkreuz der deutschen Mutter«, das in drei Klassen verliehen wurde: in Bronze für vier und mehr Kinder, in Silber für mehr als sechs und in Gold für mehr als acht Kinder.

Die Inschrift auf dem sogenannten »Mutterkreuz« lautete: »Das Kind adelt die Mutter.« Entsprechend dem Kult, den die Nazis mit den Ordensträgerinnen trieben, wurden diese auch in der Öffentlichkeit behandelt.

In Straßenbahnen und Bussen räumten Männer ihre Sitzplätze und ließen Schwangeren und Dekorierten den Vortritt. Die Hitler-Jugend wurde angewiesen, Mutterkreuzträgerinnen zu grüßen.
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Selbst bei den Frauen gab es deutliche Unterschiede

Während kinderreiche Mütter umhegt und umpflegt wurden, galt die Frau außerhalb des Hauses und am Arbeitsplatz nur wenig. Sie wurde schlechter bezahlt als ihre männlichen Kollegen, bekam minderwertige Arbeit und hatte nur geringe Aufstiegschancen.

Viele Positionen in Wirtschaft, Politik und Verwaltung blieben ihr gänzlich verwehrt. Und während die prüden Nazis sogar den sonntäglichen Tanztee verbieten wollten, feierte ein Teil ihrer Elite rauschende Feste, auf denen leichtbekleidete »Liebesgöttinnen« tanzten und Jazz-Orchester für die musikalische Unterhaltung sorgten.
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Rauschende Partys unter Ausschluß der Öffentlichkeit

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Ein Bericht aus der Zeitschrift des Propagandaministeriums »Der Angriff« vermerkt:

  • »Liebesgötter aus dem 18. Jahrhundert in verschiedener Gewandung mit bunten Flügeln flatterten als zierliche Porzellanfigürchen, die nach ältesten Modellen aus der friderizianischen Zeit hergestellt waren, als Damenspenden auf die Tische ..... Zu später Stunde fand ein prächtiges Feuerwerk den besonderen Beifall und die Bewunderung der vielen Gäste.«

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Eingefügt : Das Bild 101 rechts ist aus 1938 - Hier feiern im Atelier der Tobis-Filmgesellschaft die Schauspieler ihre Uraufführung. Mehr darüber auf Seite 7.

Hinzufügen muß man allerdings, daß die »Liebesgöttinnen«, die bei diesem Fest am Vorabend der Olympischen Sommerspiele 1936 auftanzten, bekleidet waren, wenn auch nur leicht. Ähnlich rauschende Partys gab Propagandaminister Goebbels auf Schwanenwerder, seinem luxuriösen Landsitz.
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  • Anmerkung : Die Kommentatoren ausserhalb des NS-Einflußbereiches der Reichsfilmkammer sprachen viel zu oft vom "Bock von Babelsberg", dem sich keines der jungen Mädels entziehen konnten, hatte Göbbels schon mal ein Auge auf sie geworfen. Alleine Zara Leander weigerte sich standhaft, in sein Bett zu schlüpfen - jedenfalls angeblich.


Das alles geschah unter Ausschluß der Öffentlichkeit. Dem Volk wurde ein nationalsozialistisches Frauenideal und eine asketische und moralische Lebensweise vorgegaukelt, der nur wenige in der Führungsclique um Hitler gerecht wurden.
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Wie die NS-Ehefrau sein sollte ...

Die Rolle der Frau im Dritten Reich umschrieben die Nationalsozialisten mit »Wächter der Familie, Mutter ihrer Kinder und gehorsame Helferin ihres Mannes«.

Daß große Teile der weiblichen Jugend und auch der erwachsenen Frauen mit fliegenden Fahnen ihrem Idol Hitler huldigten (Bild 74) und sich nahtlos in die Organisation »Jungmädel« und den »Bund deutscher Mädel (BdM)« integrieren ließen, lag vor allem an ihrer traditionellen Erziehung in Elternhaus und Schule zur sorgenden Mutter.

Auf viele übte wohl die Möglichkeit, sich zeitweilig dem Druck der Eltern zu entziehen, eine Faszination aus. Schon früh lernten die »Jungmädel« den Hitler-Gruß (Bild 76).

Auf einer Führerinnen-Schule in Freiburg an der Unstrut konnten die Mädchen dann allmorgendlich bei der Flaggenparade zeigen, was sie gelernt hatten (Bild 75).

Nicht immer wanderte man mit Flagge und Wimpel durch Felder und Wiesen (Bild 77). Das machten nur die »Hundertfünfzigprozentigen«.

Unter dem Motto »Straff, aber nicht stramm - herb, aber nicht derb« wurde im »Bund deutscher Mädel« die körperliche Ertüchtigung großgeschrieben.
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Das Ziel für Frauen war nur noch die Ehe und die Kinder

Die Texte zu den einzelnen Bildern :

Das bereits genannte BdM-Werk »Glaube und Schönheit« sollte junge Mädchen noch gezielter auf die Ehe vorbereiten, in dem neben Sport (Bild 78/79) auch Kenntnisse in Hauswirtschaft, Schönheitspflege, Gesundheit und Weltanschauung vermittelt wurden.

Die auf unseren Fotos abgebildeten Frauen kommen dem Idealbild der Nazis schon sehr nahe - blonder Zopf und Gretchenkranz. Viele sahen jedoch den BdM ganz anders. Im Volksmund gab man dieser Organisation bald die Beinamen »Bedarfsartikel deutscher Männer« oder »Bald deutsche Mutter«.
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Während kinderreiche Mütter vom Staat umhegt und gepflegt wurden und alle möglichen Auszeichnungen und Vergünstigungen erhielten (Bild 80), galt die Frau am Arbeitsplatz nur wenig. Sie wurde schlechter bezahlt und hatte nur geringe Aufstiegschancen. Einige Berufe waren ihr ganz verwehrt.

Willkommen war sie allerdings im Arbeitsdienst, weil sie hier lernte, »ihr Leben ganz in den Dienst des Volkes zu stellen«. Vor dem Beginn der Arbeit wurde am Morgen die Fahne gehißt (Bild 81).

Mit der Aktion »Lebensborn« sollten »rassisch und erbbiologisch wertvolle Mütter« betreut werden und »wertvolle« Kinder zur Welt bringen. Bis 1944 wurden 13 Heime eingerichtet.

Die »Gebärmaschinen« leisteten auch eine vormilitärische Ausbildung (Bild 82). Ihre Kinder wurden nach einem Jahr an kinderlose oder kinderarme Familien hoher SS-Funktionäre verteilt. Das Frauenideal der Nationalsozialisten: »nordisch«-schön, blond, blauäugig (Bild 83).
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Bild 80
Bild 81
Bild 82
Bild 83
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