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Ein Bildband mit einer fast lückenlosen Biografie von 12 Jahren

Eine Biografie aus 1980

Die 12 Jahre der Nationalsozialisten haben die ganze Welt "verdreht". So viele Tote hatte noch nie ein diktatorisches Regime zu verantworten. Hier wird in den Jahren um 1980 biografisch aufgearbeitet, wie es die "Deutschen Normalbürger" erlebt oder auch nicht erlebt hatten und vor allem, wie es dazu gekommen war. Hintergrund in 2026 ist die aktuelle Entwicklung 80 Jahre danach - nicht nur wieder in Deutschland - sondern auch in den USA und in Russland und in weiteren Ländern dieser Welt. Hier wird nichts verklärt oder beschönigt oder verniedlicht. Die Wahrheit ist daher nicht immer angenehm oder gefällig. Die einführende Seite beginnt hier.

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Machtergreifung und Gleichschaltung

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Der 30. Januar 1933 - Es war der Tag des Joseph Goebbels

Aus dem Aufruf der Kommunistischen Partei Deutschlands (KPD) zum Generalstreik vom 30. Januar 1933:

»Hitler Reichskanzler - Papen Vizekanzler - Hugenberg Wirtschaftsdiktator - die Frick und Göring an der Spitze der Polizei - Stahlhelm-Seldte Arbeitsminister! Dies neue Kabinett der offenen, faschistischen Diktatur ist die brutalste, unverhüllteste Kriegserklärung an die Werktätigen, die deutsche Arbeiterklasse!«

Während Kommunisten und große Teile der Sozialdemokratie über die Ernennung Hitlers zum Reichskanzler bestürzt waren, nutzte der Propagandaleiter der Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei (NSDAP), Joseph Goebbels, den Tag geschickt: Schon am späten Nachmittag mobilisierte er in Berlin die nationalsozialistischen Kampfverbände zu gewaltigen Fackelzügen und Siegesfeiern.

Zehntausende von SA- und SS-Männern sowie Mitglieder des Stahlhelm zogen sieben Stunden lang durch das Brandenburger Tor und die Wilhelmstraße. Ihre Jubel- und Heilrufe galten dem »Führer« Adolf Hitler, der vom Fenster seines Amtssitzes den Vorbeimarsch der Braunhemden beobachtete. Der Rundfunk berichtete ausführlich.

Auch Reichsminister Hermann Göring nutzte die Gunst der Stunde

Reichsminister Hermann Göring nutzte die Gunst der Stunde, um über alle Kanäle zu verkünden, daß mit diesem Tag ein Kapitel deutscher Schmach und Schande, deutscher Not und deutschen Elends geschlossen und ein neues Kapitel aufgeschlagen werde, über dem mit ehernen Lettern die Worte stünden:

»Freiheit und Ehre sind die Unterlagen des neuen Reiches! Geben wir dem Volk, geben wir dem einzelnen Volksgenossen wieder Arbeit, worauf er ein sittliches Recht hat! Geben wir ihm Brot statt Almosen, und stellen wir für Reich und Nation wieder her Würde, Freiheit und Ehre!«

Im Hämmern der Schritte von SA- und SS-Marschkolonnen in der düsteren Feierlichkeit roter und schwarzer Fahnen, im zuckenden Widerschein der Fackeln und begleitet von den aufpeitschenden Liedern und Sprechchören aus der Kampfzeit der NSDAP ging die Weimarer Republik - oder das, was von ihr übriggeblieben war - sang- und klanglos unter.
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Hier eine kleine Korrektur der Reichsgeschichte

Hitler »ergriff« an diesem 30. Januar 1933 nicht die Macht, wie fälschlicherweise allenthalben noch zu lesen ist; sie war ihm vielmehr vom Reichspräsidenten Hindenburg gemäß den Vorschriften der Verfassung angetragen worden.

Noch am 21. Januar notierte Goebbels: »Wir stellen uns nicht zu stark auf den Erfolg ein, um keinesfalls am Ende wieder getäuscht zu werden.« Am 28. Januar waren »alle noch sehr skeptisch und freuen sich nicht zu früh«.

Und als Hindenburg den »böhmischen Gefreiten« zwei Tage darauf zum Reichskanzler berief, bedeutete das keinesfalls, daß Hitler und die NSDAP von nun an mit diktatorischen Vollmachten ausgestattet waren.

Weder die internationale Presse, die sich vorwiegend mit den Vorbereitungen zur Weltwirtschaftskonferenz in London beschäftigte, noch Hitlers konservative Gegenspieler hatten offenbar eine Vorahnung von dem, was die Zukunft bringen sollte.
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Keiner hatte offenbar eine Vorahnung von dem, as das kommt

Die Tatsache, daß die Nazis nur drei Posten im neuen Kabinett erhalten hatten, sowie die von vielen vertretene Meinung, Hitler würde sich bei all seinem revolutionären Gehabe im Alltag des Amtes die Zähne ausbeißen, beruhigte selbst kritische Gemüter.

Hugenberg und Papen behaupteten voller Stolz, daß die wichtigsten Ämter in den Händen der Konservativen seien und daß man Hitler sicher »umklammert« hätte. »Wir haben ihn uns engagiert«, soll damals Papen großspurig einem seiner Freunde erklärt haben.

Und einem anderen, der Zweifel anmeldete, warf er entgegen: »Was wollen Sie denn? Ich habe das Vertrauen Hindenburgs. In zwei Monaten haben wir Hitler in die Ecke gedrückt, daß er quietscht.«
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Hitler drängte auf baldmöglichste Neuwahlen

Mit Hitler wurde ein Mann Reichskanzler, der zuvor laut und deutlich verkündet hatte, er werde die Verfassung außer Kraft setzen, sobald er an den Hebeln der Macht sei. Die Vorstellung, dieser Mann ließe sich durch eine konservative »Einrahmung« bändigen, bestehend aus dem reaktionären Monarchisten Franz von Papen und seinen deutschnationalen Koalitionspartnern, die auf ihren Einfluß beim Reichspräsidenten, bei Wirtschaft, Armee und Beamtenkorps vertrauten, diese Vorstellung erwies sich binnen weniger Wochen als politisch naives Wunschdenken, als Schimäre.

Den ersten Sieg über seine Kabinettskollegen hatte Hitler bereits errungen, bevor er den Amtseid leistete. Mit Erfolg hatte er auf die sofortige Auflösung des Reichstages und die Ansetzung von Neuwahlen im März 1933 gedrängt.

Die konservativen Bündnispartner spielten Hilter in die Hände

In seinen programmatischen Erklärungen vermittelte Hitler immer wieder den Eindruck, je früher er und seine Partei die Möglichkeit bekämen, eine Politik eigener Prägung zu realisieren, desto besser für Deutschland.

Parallel dazu wurde die Welle der Begeisterung und Zustimmung über das »nationale Einigungswerk« planmäßig gesteuert und propagandistisch aufbereitet. Die dilettantischen Versuche der konservativen Bündnispartner mitzureden, mitzufeiern, mitzulenken, kamen allein den Nationalsozialisten zugute.

Selbst erste Anzeichen des Terrors vermochten den Jubel im bürgerlich- konservativen Lager nicht zu dämpfen. Nur diejenigen Deutschen, die sich in linksgerichteten oder kirchlichen Organisationen engagiert hatten, waren sensibel für die Veränderungen, die ebenso geschickt wie konsequent eingeleitet wurden.
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Man nannte es die »braune Revolution«

Zudem lichtete die »braune Revolution« auch die Reihen der Sozialdemokratie und der Kommunisten. Die Minderheit, die dem Neuen nicht verfiel, schmolz rasch und geriet zunehmend in die Isolation.

Schon am 4. Februar 1933 wurde die erste Notverordnung erlassen. Die Anwendung des Artikels 48 (»Notstandsartikel«) der Weimarer Verfassung gab Hitler die Möglichkeit, auf legalem Wege eine Reihe von Grundrechten außer Kraft zu setzen.

Mit der Einschränkung der Versammlungs- und Pressefreiheit begann die lange Liste von Verordnungen, mit denen das alte System ausgehöhlt und letztlich beseitigt wurde, so daß eine Diktatur an seine Stelle treten konnte.
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Das "Land Preußen" wird ausgeschaltet

Nur zwei Tage nach Erlaß der ersten Notverordnung schaltete Hitler einen weiteren möglichen innenpolitischen Gegenspieler aus, nämlich das Land Preußen mit seinem sozialdemokratischen Ministerpräsidenten Otto Braun.

Er übertrug die Macht Franz von Papen sowie dem preußischen Innenminister und früheren Kampfgenossen Hermann Göring, der seine Polizeibeamten sofort ermunterte, im Einsatz gegen »freche Elemente« von ihren Schußwaffen Gebrauch zu machen.

Noch im Februar verpflichtete Göring seine Polizei zur Unterstützung der nationalen Verbände und erklärte SS (Schutzstaffel), SA (Sturmabteilung) und den Stahlhelm zur Hilfspolizei.
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Am Tag, als der Reichstag brannte

Am 27. Februar 1933 brannte der Reichstag. Bis heute ist nicht eindeutig geklärt, wer die Hintermänner der Brandstiftung waren. Am Schauplatz festgenommen wurde ein ehemaliger Kommunist, der Holländer Martinus van der Lubbe.

Während die Nationalsozialisten alle Schuld an dem Brand den Kommunisten zuschoben und van der Lubbe im Dezember 1933 zum Tode verurteilen ließen, ist anzunehmen, daß die Nationalsozialisten selber die Täter gewesen sind.

Die politische Bedeutung liegt jedoch in der Art und Weise, wie der Brand von den neuen Machthabern für ihre Zwecke genutzt wurde. Noch in der Brandnacht ordnete Göring die Verhaftung der Abgeordneten und führenden Funktionäre der KPD an; ihre sämtlichen Publikationen wurden verboten, die Parteibüros geschlossen.

Den Sozialdemokraten entzog er für zwei Wochen die Erlaubnis jeglicher Pressearbeit, was angesichts der bevorstehenden Wahl darauf hinauslief, daß sie de facto mundtot gemacht wurden. Am 28. Februar wurde die »Verordnung zum Schutz von Volk und Staat« im Kabinett eilig beschlossen und am selben Tag von Hindenburg unterzeichnet.

Die sogenannte »Reichstagsbrandverordnung«

Die sogenannte »Reichstagsbrandverordnung« war derart abgefaßt, daß sie praktisch alle Grundrechte »bis auf weiteres« außer Kraft setzte und der Reichsregierung die Möglichkeit gab, die Länderregierungen gegen Reichskommissare auszutauschen.

Mit der schon am Vortage beschlossenen »Verordnung gegen Verrat am deutschen Volke und hochverräterische Umtriebe« konnten die Polizeiorgane ohne richterliche Kontrolle Personen auf unbeschränkte Zeit inhaftieren, Haussuchungen durchführen, Briefe öffnen, Telefongespräche abhören, Zeitungen verbieten oder zensieren, Vereine und Organisationen auflösen und Eigentum beschlagnahmen. Der offenen Willkür waren damit Tür und Tor geöffnet.
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Heute nennt man das Staatsterror

Der Terror richtete sich zunächst vor allem gegen die Kommunisten. Ihr Parteiapparat wurde zerschlagen, Tausende von Funktionären verhaftet; allein in Preußen sind im März und April 1933 rund 25.000 Personen festgenommen worden. Mit diesen beiden Verordnungen, und nicht erst mit dem »Ermächtigungsgesetz«, wurde die Basis des Rechtsstaates verlassen und das Instrumentarium für die Willkürherrschaft der Partei geschaffen.

Parallel zu den Terrormaßnahmen inszenierte die NSDAP eine geschickt angelegte Kampagne, die sich vor allem an die Gefühle der Bürger wendete. Der Aufbruch in eine stolze Zukunft wurde prophezeit, Deutschland werde bald wieder internationales Ansehen genießen; vor allem wurden die Nationalsozialisten nicht müde, »Arbeit und Brot« zu versprechen - eine Aussage, die angesichts der Zahl von etwa sechs Millionen Arbeitslosen zu Beginn des Jahres 1933 wohl am meisten Anklang bei den Massen fand.

  • Anmerkung in Januar 2026 - wie sich die Zustände in den USA unter Donald Trump gleichen. Ist das nicht verdächtig ?

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5. März 1933 die Wahl zum 8. Deutschen Reichstag

In dieser Atmosphäre wurde am 5. März 1933 die Wahl zum 8. Deutschen Reichstag abgehalten. Die Nationalsozialisten waren sich des Sieges so sicher, daß sie bereits Vorbereitungen für die Feier zum »Tag der erwachenden Nation« trafen.

Der Wahlsonntag verlief im ganzen Reich friedlich. Überall flatterten Hakenkreuzfahnen. Durch viele Straßen marschierten SA- und SS-Verbände. Autos fuhren gehbehinderte oder kranke Wahlberechtigte in die Wahllokale, und mit über 88 Prozent wurde eine Rekordwahlbeteiligung erreicht.

Trotzdem blieb der ganz große Sieg aus, den Goebbels prophezeit hatte. Nur wenig mehr als die Hälfte aller Deutschen stimmte in diesen Wahlen, die für lange Zeit die letzten halbwegs demokratischen sein sollten, für die NSDAP und die »Kampffront Schwarz-Weiß-Rot«.

Die NSDAP allein erhielt nur 43,9 Prozent der Stimmen, die Sozialdemokraten erreichten 18,2 Prozent und die Kommunisten immerhin noch 12,2 Prozent. Auch die Zentrumspartei und die Bayerische Volkspartei hatten sich behaupten können.

Nur die bürgerlichen Mittelparteien verschwanden fast völlig. Entscheidend war jedoch, daß diese Wahl der Regierung eine plebiszitäre Legitimation gab und der NSDAP auch in Süddeutschland ähnlich hohe Stimmenanteile bescherte, wie im Reichsdurchschnitt.
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Goebbels bemerkte »Wir sind die Herren im Reich und in Preußen!«

Doch selbst dieses nicht gerade schmeichelhafte Ergebnis wußten die Nationalsozialisten für sich zu nutzen. »Was bedeuten jetzt noch Zahlen?« schrieb Goebbels damals in sein Tagebuch. »Wir sind die Herren im Reich und in Preußen!«

Folgerichtig fand unter dem Vorwand, die Länderregierungen von Bayern, Württemberg, Baden, Hessen, Sachsen sowie der Hansestädte seien nicht in der Lage, die öffentliche Sicherheit zu garantieren, die Machtergreifung der NSDAP auch in diesen Ländern statt, nachdem die Nationalsozialisten in einigen kleineren Ländern bereits die Regierungsgewalt übernommen hatten.
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Aber Hitler forderte noch mehr.

Er gab sich mit der einfachen Mehrheit, mit der er den Reichstag hätte führen können, nicht zufrieden. Zielstrebig steuerte er auf ein »Ermächtigungsgesetz« hin, für das allerdings eine Zweidrittelmehrheit im Reichstag erforderlich war.

»Es gehört zu den merkwürdigsten, verhängnisvollsten und umstrittensten Geschehnissen der jüngsten deutschen Geschichte, daß es Hitler tatsächlich gelang, über die Deutschnationalen hinaus das Zentrum und die bürgerlichen Mittelparteien zu gewinnen«, schreibt der Historiker Karl Dietrich Erdmann.

Am 21. März 1933 organisierte Goebbels zur feierlichen Eröffnung des Reichstags den »Tag von Potsdam«, ein Schauspiel, das zum Markstein auf Hitlers Weg in die Diktatur werden sollte.

Nach feierlichen Gottesdiensten besuchte Hitler mit dem betagten Reichspräsidenten Hindenburg die Potsdamer Garnisonskirche. Die dort inszenierte Feier fiel nicht zufällig auf Tag und Ort der Eröffnung des ersten deutschen
Reichstags durch Bismarck.

Mit ihren Kranzniederlegungen an den Gräbern Friedrichs des Großen und Friedrich Wilhelms I, mit der Teilnahme von Prinzen und Prinzessinnen des Hauses Hohenzollern, mit der abschließenden gemeinsamen Parade von Reichswehr und braunen Verbänden sollte diese Feier aller Welt zeigen, in wessen Nachfolge der Nationalsozialismus sich sah. Hitler gelobte, sich den Werten und Traditionen der preußischen Vergangenheit verpflichtet zu fühlen.
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Am 23. März 1933 - die Zustimmung zum Ermächtigungsgesetz

Zwei Tage später verlangte er von dem in der Kroll-Oper versammelten Reichstag die Zustimmung zum Ermächtigungsgesetz. SA- und SS-Horden riegelten alle Zugänge zum Opernhaus ab und skandierten lautstark: »Wir fordern das Ermächtigungsgesetz - sonst gibt's Zunder.«

Hitler war jedoch in seiner Rede ganz darauf bedacht, die bürgerlich- konservativen Kreise und die katholische Zentrumspartei von der Lauterkeit seiner Absichten zu überzeugen.

Er versprach, von diesem Gesetz »nur insoweit Gebrauch zu machen, als es zur Durchführung der lebensnotwendigen Maßnahmen erforderlich ist. Weder die Existenz des Reichstags noch des Reichsrats soll dadurch bedroht sein... Der Bestand der Länder wird nicht beseitigt, die Rechte der Kirchen werden nicht geschmälert. ..«

Am Ende stimmten nur die noch verbliebenen 94 Sozialdemokraten - etwa 20 sozialdemokratische Abgeordnete waren bereits verhaftet oder in die Emigration gegangen - gegen das »Gesetz zur Behebung der Not von Volk und Reich«.

Den kommunistischen Abgeordneten war ihr Mandat ohnehin längst aberkannt worden. Und die Sprechchöre vor der Kroll-Oper: »Wir wollen das Gesetz, sonst gibt's Mord und Totschlag« gaben einen Vorgeschmack davon, was denen bevorstand, die sich den nationalsozialistischen Organisationen in den Weg zu stellen versuchten.
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Am Nachmittag des 23. März 1933 war Hitler der Diktator

Am Nachmittag des 23. März 1933 war Hitler zum »von der Demokratie großgezogenen und vom Parlament gewählten« Diktator geworden. Der totalitäre Staat begnügt sich nicht mit der Besetzung der offiziellen Machtpositionen.

Er ist nicht bereit, den Bürgern auch nur relative Freiheit zu gewähren, sondern verlangt von jedem zu jeder Zeit Gefolgschaft und aktive Mitarbeit. Für den unpolitischen Zeitgenossen hatte sich der Alltag vor dem 23. März 1933 zunächst nur insoweit verändert, als noch häufiger als sonst Paraden, Aufmärsche und Massendemonstrationen stattfanden.

Die Feiern anläßlich des Wahlsieges am 5. März 1933 erstreckten sich über eine Woche. In kleineren Ortschaften blieben sie auf das Wochenende beschränkt. Marschkolonnen, Aufmärsche, Reden und Kampflieder - »Die Fahne hoch! Die Reihen fest geschlossen!« - bestimmten das Bild auf den Straßen.

Millionen verfolgten den Tag von Potsdam im Rundfunk. In den Schulen wurden Radioapparate aufgestellt, Geschäftsleute machten früher Feierabend, sämtliche öffentlichen Dienststellen hatten geschlossen.

Nach Einbruch der Dunkelheit wurden allerorten die obligatorischen Fackelumzüge veranstaltet, an denen auch Sportvereine, Schützengesellschaften und Feuerwehren teilnahmen. Durch den Propagandatrick des Tages von Potsdam ließen sich viele Deutsche von den wahren Absichten der Nazis hinters Licht führen.
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Der Angriff auf Staat, Wirtschaft und Gesellschaft

Mit dem »Gesetz zur Behebung der Not von Volk und Reich« und der »Verordnung zum Schutz von Volk und Staat« waren den Nationalsozialisten Instrumente an die Hand gegeben, mittels derer sie umgehend die Veränderung von Staat, Wirtschaft und Gesellschaft in Angriff nehmen konnten.

Daß sie sich in vielen Bereichen zunächst noch abwartend verhielten, war zum Teil auf innerparteiliche Schwierigkeiten, in erster Linie jedoch auf taktische Überlegungen zurückzuführen. Das deutsche Volk sollte nicht durch Gewaltmaßnahmen vor den Kopf gestoßen werden.

Nur gegen erklärte Gegner ging man daher radikal vor. Anfangs waren es, wie bereits erwähnt, vor allem Kommunisten und Sozialdemokraten, die man verhaftete und in die bereits seit März 1933 bestehenden Konzentrationslager (KZ) verschleppte. Ursprünglich als »wilde Lager« von der SA eingerichtet und überwacht, wurden die KZs seit 1934 von der SS geleitet und systematisch ausgebaut.
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Der 1. April 1933 - der Kampf gegen alle Juden

Eine weitere Etappe auf dem Weg zum Terrorstaat markierte der 1. April 1933, als zum Boykott gegen alle jüdischen Kaufleute, Ärzte und Rechtsanwälte aufgerufen wurde. Vor den Geschäften, Warenhäusern, Arzt- und Anwaltspraxen patrouillierten uniformierte Mitglieder von SA und SS.

Wenige Tage darauf wurde ein Gesetz verabschiedet, das es erlaubte, Beamte nichtarischer Abstammung in den Ruhestand zu versetzen. Das war der Beginn der Verbannung der Juden aus dem öffentlichen Leben.

Die zunächst nur für Beamte geltende Forderung nach einem »Ariernachweis« wurde bald auch auf andere Berufsgruppen ausgedehnt. Ein wesentlicher Schritt auf dem Wege zum »Holocaust« der etwa 500.000 in Deutschland lebenden Juden war das »Gesetz zum Schutz des deutschen Blutes und der deutschen Ehre«, das die Eheschließung zwischen Juden und Nichtjuden unter hohe Strafen stellte.

»Vor Juden und Taschendieben wird gewarnt«, prangte seit 1936 von großformatigen Schildern. Viele Juden zogen es vor, angesichts der Verleumdungskampagnen in der Presse und im Rundfunk aus Deutschland zu emigrieren - bis zum Oktober 1941 waren es etwa 270.000.

Seit November 1938 hatte sich die Lage der Juden dramatisch verschlechtert. Mit der sogenannten »Reichskristallnacht« vom 8. bis 10. November 1938 begann ihre systematische Verfolgung. Rund 7.500 jüdische Geschäftshäuser wurden in jenen Tagen geplündert oder demoliert, 190 Synagogen in Brand gesteckt und rund 25.000 Juden verhaftet.

Einen Monat darauf wurde allen Juden der Führerschein entzogen und ihre Bewegungsfreiheit durch Bannmeilen und Ausgangsbeschränkungen drastisch begrenzt. Trotzdem blieben viele Juden in Deutschland.
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Und das war ein großer Fehler ......

Als am 1. Oktober 1941 die Auswanderung verboten wurde, war ihr Schicksal besiegelt. Es begann die »große Abrechnung«, die Hermann Göring schon nach der Kristallnacht angekündigt hatte.

Im Januar 1942 fand in Berlin am Großen Wannsee die Besprechung über die »Endlösung der Judenfrage« statt. Etwa elf Millionen Juden lebten mittlerweile im Machtbereich des Dritten Reiches. Die genaue Zahl der getöteten Juden ist heute nicht mehr festzustellen. Die Schätzungen schwanken zwischen vier und sechs Millionen.
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Einer der größten Völkermorde in der Geschichte der Menschheit

Was am 1. April 1933 mit dem Boykott jüdischer Geschäfte noch relativ harmlos begonnen hatte, endete mit einem der größten Völkermorde in der Geschichte der Menschheit. Hitlers Satz in »Mein Kampf«: » ... Indem ich mich des Juden erwehre, kämpfe ich für das Werk des Herrn...« war grausame Wirklichkeit geworden.
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Alle Parlamente, Provinz-, Stadt- und Gemeinderäte wurden aufgelöst

Die erste Etappe auf dem Weg zum »Führerstaat« war gekennzeichnet durch die Ausschaltung der Länder als Gegenspieler des Reiches - sie galt mit dem Inkrafttreten des »Zweiten Gesetzes zur Gleichschaltung der Länder mit dem Reich« vorläufig als abgeschlossen.

Zunächst wurden die Länderparlamente sowie alle Provinz-, Stadt- und Gemeinderäte aufgelöst und gemäß den Ergebnissen der Reichstagswahl vom 5. März neu gebildet - die für die KPD abgegebenen Stimmen wurden nicht berücksichtigt.

Dann setzte die Regierung Reichsstatthalter ein, deren Aufgabenbereich sich darauf beschränkte, die Durchführung der von Hitler erlassenen Anordnungen zu überwachen. Am 30. Januar 1934 wurden die Länderparlamente auch formell aufgelöst.
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Nach der ersten Etappe kam die zweite Etappe .....

Die Beseitigung aller politischen Organisationen kennzeichnet die zweite Etappe. Nachdem es den Nazis gelungen war, mit Hilfe des brutalen Straßenterrors der SA und des Verbots durch die Reichsregierung die Kommunisten in die Illegalität oder die Emigration zu treiben, machten sie auch vor den anderen Parteien nicht Halt.

Obwohl die Sozialdemokraten sich als loyale Opposition zur Regierung zu profilieren versuchten, blieben auch sie nicht verschont. Am 22. Juni 1933 wurde die SPD unter dem Vorwand verboten, sich nicht vom »landesverräterischen Verhalten« einiger ihrer Mitglieder im Ausland distanziert zu haben.

Wenige Tage darauf drohte den noch verbliebenen Parteien ein ähnliches Schicksal, dem sie sich freilich durch Selbstauflösung zu entziehen suchten: am 28. Juni 1933 die Deutsche Staatspartei, am 4. Juli 1933 die Deutsche Volkspartei sowie die Bayerische Volkspartei und am 5. Juli 1933 das Zentrum, alles Parteien, die Hitlers Ermächtigungsgesetz noch mitgetragen hatten.
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Dann wurden die Gewerkschaften »gleichgeschaltet«

Bereits am 2. Mai 1933 wurden die Gewerkschaften als größte Massenorganisation »gleichgeschaltet«. Nach der Ernennung Hitlers zum Reichskanzler hatten die Gewerkschaften mehr taktiert als agiert. Zum Generalstreik fehlte der Mut, vor allem aber ein klarer Kopf, um die Gefährlichkeit der Situation überhaupt zu erkennen. Sogar auf ihre Verbindungen zur Sozialdemokratie waren die Gewerkschaften bereit zu verzichten.

Und auch Hitler schien zunächst zu Zugeständnissen bereit. Der 1. Mai 1933 wurde zum »Tag der nationalen Arbeit« erklärt. Dieser Tag sollte festlich begangen werden und die Einheit des ganzen Volkes demonstrieren. Betriebsleiter, Eigentümer und Arbeiter nahmen gemeinsam an den Umzügen teil.

Die großartige Schau mag bei vielen Arbeitern nicht ohne Wirkung geblieben sein. Als am nächsten Morgen die SA in ganz Deutschland sämtliche Büros, Banken und Redaktionen der freien Gewerkschaften besetzte, regte sich kaum Widerstand. Viele Funktionäre wurden festgenommen und in Konzentrationslager verbracht.

Nicht übersehen werden darf dabei, daß die Kraft der Gewerkschaften durch die schon seit Jahren anhaltende Wirtschaftskrise geschwächt war und daß viele ehemalige Mitglieder sich an den Nationalsozialismus klammerten wie Ertrinkende an einen Strohhalm.

Hitlers SA fand eine zwar noch intakte, aber nicht zum äußersten Widerstand entschlossene Organisation vor.
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Am 2. Mai 1933 - die neue »Deutsche Arbeitsfront« (DAF)

Am selben Tag gab Robert Ley, der die Aktionen am 2. Mai geleitet hatte, die Bildung einer »Deutschen Arbeitsfront« (DAF) bekannt, die eine Woche später in Berlin gegründet wurde. In dieser Organisation faßte man zunächst die gleichgeschalteten Verbände der Arbeiter und Angestellten zusammen.

Nachdem am 19. Mai staatliche »Treuhänder der Arbeit« eingesetzt wurden, die »rechtsverbindlich für die beteiligten Personen die Bedingungen für den Abschluß von Arbeitsverträgen« aushandelten, degenerierte die »Gewerkschaft« zum politischen Schulungsklub, und ihre Arbeit beschränkte sich auf die soziale Betreuung in den Betrieben, die Sorge für die hygienische und ästhetische Verbesserung der Arbeitsstätten sowie die Freizeit- und Reisebetreuung durch die NS-Gemeinschaft »Kraft durch Freude« (KdF).
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Danach kamen die Bauern dran

Den Bauern erging es nicht anders als den Arbeitern. Dem von Hitler eingesetzten Agrarspezialisten Walter Darre gelang es schon im Mai 1933, die Leitung des größten Bauernverbandes, des Reichslandbundes, unter nationalsozialistischen Einfluß zu bringen.

Als Darre dann nach dem Rücktritt Hugenbergs Ende Juni Landwirtschaftsminister wurde, vereinigte er im »Reichsnährstand« kurzerhand die Verbände der Klein- und Großbauern, die sich zum Teil schon vorher selbst aufgelöst hatten.

Im Januar 1934 erfolgte die Ernennung Darres zum Reichsbauernführer.
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Der »Reichsstand des deutschen Handwerks« wird aufgelöst

Auch Handel, Handwerk und Industrie wurden gleichgeschaltet. Während jedoch dem »Reichsstand der deutschen Industrie« eine gewisse Unabhängigkeit erhalten blieb, wurden die kleinen Betriebe weit weniger bevorzugt behandelt.

Als die im »Reichsstand des deutschen Handwerks« zusammengeschlossenen Gruppen die so oft versprochene Abschaffung von Warenhäusern und Konsumgenossenschaften forderten, ließ Hitler die Organisationen des Mittelstandes, deren Mitglieder zu den eifrigsten Anhängern Hitlers gehörten, durch Robert Ley kurzerhand auflösen und in die Deutsche Arbeitsfront eingliedern.
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Zum Sommer 1933 war "alles" »gleichgeschaltet« samt der Medien

Bis zum Sommer 1933 hatten die Nationalsozialisten das ganze Volk »gleichgeschaltet«. Die politischen Parteien waren aufgelöst, Verbände verschmolzen und Vereine und Innungen verboten - doch damit nicht genug: Selbst Sportklubs und Kegelvereine blieben nicht verschont. Ohne viel Aufhebens wurde das deutsche Volk Parteigänger Hitlers.

Mit besonderer Intensität wurde die Gleichschaltung auf dem kulturellen Sektor betrieben. Neben der von Beginn an überwachten Presse und dem für damalige Zeiten perfekt eingesetzten Medium Rundfunk wollten die Nationalsozialisten ihren Einfluß auch in den Bereichen Kunst und Wissenschaft geltend machen. Alle modernen Kunstrichtungen und zahlreiche Gebiete der modernen Wissenschaft wurden als »entartet« und »undeutsch« diffamiert, unterdrückt und verboten.
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Die erste öffentliche Bücherverbrennung am 10. Mai 1933

Mit dem symbolischen Akt einer öffentlichen Bücherverbrennung am 10. Mai 1933 auf dem Opernplatz in Berlin fanden die Aktionen gegen andersdenkende und -schreibende Literaten ihren ersten Höhepunkt.

Berliner Studenten warfen »zersetzendes Schrifttum« auf einen Scheiterhaufen und übergaben es, begleitet von »Feuersprüchen«, den Flammen: »Deutsche Studenten, wir haben unser Handeln gegen den undeutschen Geist gerichtet. Übergebt alles Undeutsche dem Feuer! Gegen Klassenkampf und Materialismus, für Volksgemeinschaft und idealistische Lebensauffassung. - Ich übergebe dem Feuer die Schriften von Karl Marx und Trotzki .....

Gegen Dekadenz und moralischen Verfall, für Zucht und Sitte in Familie und Staat. - Ich übergebe dem Feuer die Schriften von Heinrich Mann, Ernst Gläser, Erich Kästner .....

Gegen seelenzersetzende Überschätzung des Trieblebens, für den Adel der menschlichen Seele. - Ich übergebe dem Feuer die Schriften der Schule Sigmund Freud .....

Gegen literarischen Verrat am Soldaten des Weltkrieges, für Erziehung des Volkes im Geiste der Wahrhaftigkeit. - Ich übergebe dem Feuer die Schriften des Erich Maria Remarque... Gegen Frechheit und Anmaßung, für Achtung und Ehrfurcht vor dem unsterblichen deutschen Volksgeist. - Verschlinge, Flamme, auch die Schriften der Tucholsky und Ossietzky.«
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Goebbels und die »wahren Künstler« -das bestimmte nur er

Für die Nazis waren »Künstler« nur diejenigen, »die wirklich etwas können und deren außerhalb der Kunst liegendes Wirken nicht gegen die elementaren Normen von Staat, Politik und Gesellschaft verstößt«.

Diese »wahren Künstler« würden, so Goebbels am 10. April, auch in Zukunft Unterstützung und Förderung finden. Doch was Kunst war und wer als Künstler arbeiten, ausstellen und veröffentlichen durfte, bestimmten die Reichskulturkammer und der Minister für Volksaufklärung und Propaganda, Joseph Goebbels.

Nachdem aus der Sektion für Dichtung der Preußischen Akademie der Künste so bedeutende Schriftsteller wie Alfred Döblin, Thomas Mann, Jakob Wassermann und Franz Werfel ausgeschlossen worden waren, legte am 7. Mai der 86jährige Max Liebermann das Ehrenpräsidium nieder.

Über den Geist der »neuen« Zeit prägte er den berühmt gewordenen Ausspruch: »Ich kann gar nicht so viel essen, wie ich kotzen möchte.«
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Wer gehen konnte oder so mutig war, der emigrierte

Doch alle bitteren Bemerkungen und engagierten Proteste bleiben ohne Erfolg. Tausende von Künstlern werden ihrer materiellen Grundlagen beraubt. Sie können in Deutschland nicht mehr schreiben, malen, musizieren - jedenfalls nicht öffentlich. Viele gehen ins Ausland, viele bleiben. Denen, die bleiben, stehen schwere Zeiten bevor. Für nicht wenige ist das KZ die Endstation.

Auch die Hochschulen bleiben nicht verschont, sie geraten zunehmend unter den Einfluß gesinnungstreuer Professoren. Nach und nach wird die Wissenschaft von der Nazi-Ideologie absorbiert.

Wer sich zum Beispiel habilitieren will, muß nicht nur sein Treuebekenntnis zum neuen Staat ablegen, sondern darüber hinaus seit dem 21. Oktober 1933 u. a. längere Zeit Geländesport getrieben und am Reichsarbeitsdienst teilgenommen haben. Wer den neuen Geist nicht akzeptieren und praktizieren will, wird gezwungen, seinen Lehrstuhl zu räumen.

Widerstand bei der Gleichschaltung der christlichen Kirchen

Bei der rücksichtslosen Ausdehnung ihres Einflusses auf alle Bereiche des öffentlichen und auf viele Bereiche des privaten Lebens stießen die Nationalsozialisten nur bei der Gleichschaltung der christlichen Kirchen auf nennenswerten Widerstand.

Zwar gelang es ihnen, einen Teil der Protestanten in die »Glaubensbewegung Deutsche Christen« und damit auf ihre Seite zu locken, doch viele Gläubige schlossen sich nicht dem zum »Reichsbischof« beförderten Pfarrer Ludwig Müller an, sondern scharten sich immer enger um den von Pastor Niemöller geführten »Pfarrernotbund«.

Aus ihm entwickelte sich später eine Gemeinschaft, die als »Bekennende Kirche« dem Nationalsozialismus konsequenten Widerstand entgegensetzte. Die katholische Kirche hatte vor 1933 dem Nationalsozialismus ablehnend gegenübergestanden. Sie verbot ihren Mitgliedern den Eintritt in die NSDAP, verurteilte die Rassenideologie und verwarf die einschlägigen Punkte des Parteiprogramms als Irrlehre.

Da Hitler jedoch scheinbar großzügig auf Belange der Kirche einging und da sich im Frühjahr 1933 die Machtverhältnisse grundsätzlich verändert hatten, begannen die Bischöfe allmählich, sich mit Führer und Staat zu arrangieren. Der Abt des Benediktinerklosters Maria Laach, Idefons Herwegen, ließ sich sogar zu positiven Urteilen über den autoritären Staat hinreißen:

»Auf den Glauben des Führers an das Volk antwortet die
Gefolgschaft des Volkes. Die treue Gefolgschaft aller gegenüber dem einen schafft ein neues Gemeinschaftserlebnis, das unser Volk zurückfinden läßt zu den letzten Wurzeln seiner Gemeinsamkeit: zu Blut, Boden und Schicksal.«

Juli 1933 - Hitlers Vertrag (Konkordat) mit dem Vatikan

Mit dem Konkordat, das am 20. Juli 1933 zwischen der Reichsregierung und dem Vatikan abgeschlossen wurde, sicherte sich die Kirche bedeutende Rechte im Schulwesen und im kirchlichen Gemeinde- und Vereinsleben. Dafür mußte der Vatikan das Hitler-Regime öffentlich anerkennen.

Von dieser neuen Regelung profitierte in erster Linie Hitler. Er hatte nicht nur einen außenpolitischen Prestigeerfolg errungen, sondern setzte sich in den folgenden Monaten auch rücksichtslos über bestimmte Zusicherungen hinweg, die er gegeben hatte; so löste er die kirchlichen Jugendverbände kurzerhand auf, ohne daß die Katholiken etwas dagegen hätten ausrichten können.

Alle Appelle an den Reichskanzler und Führer fruchteten nun nicht mehr. Der Kirche blieb nur noch ein zähes Ringen um ihren Einfluß in den Gemeinden und Schulen.
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Als so langsam die Dämmerung bei den Deutschen einesetzte

Im Spätsommer 1933, als vielen Deutschen erst langsam dämmerte, was eigentlich vor sich ging, war die »braune Revolution« bereits eine vollendete Tatsache. Alle politischen Organisationen der Weimarer Republik hatten ihre Handlungsfähigkeit verloren. An organisierten Widerstand auf breiter Basis war nun nicht mehr zu denken.

Anläßlich der Eröffnung der Reichskulturkammer am 1. November 1933 beschrieb Goebbels treffend die politische und gesellschaftliche Landschaft im nationalsozialistischen Deutschland:

»Die Revolution, die wir gemacht haben, ist eine totale. Sie hat alle Gebiete des öffentlichen Lebens erfaßt und von Grund auf umgestaltet. Sie hat die Beziehungen der Menschen zum Staat und zu den Fragen des Daseins vollkommen geändert und neugestaltet...«

In Deutschland gab es von nun an nach den Worten Robert Leys, des Führers der Deutschen Arbeitsfront, »keine Privatsache mehr«.
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Der Peis für die gleichgültige Haltung zur »Machtergreifung«

Während zu Beginn des Jahres 1933 der größte Teil des deutschen Volkes der nationalsozialistischen »Machtergreifung« noch eher gleichgültig gegenüberstand und allenfalls auf eine positive Veränderung der miserablen Situation auf dem Arbeitsmarkt hoffte, kam es hinter den Kulissen bereits zu Verhaftungen von Regimegegnern.

Von Anfang an trieb die NSDAP ein Doppelspiel: Für die Bevölkerung war sie eine um Vertrauen werbende Partei, die eine bessere Zukunft für Volk und Vaterland versprach und die Mehrheit der Deutschen nicht durch leere Worte, sondern durch Taten überzeugen wollte.

Die Kehrseite war ein weitverzweigter Apparat von SA- und SS-Leuten, von Mitgliedern der Geheimen Staatspolizei (Gestapo) und von Teilen der Polizei, die mit äußerster Skrupellosigkeit zu Werke ging, und für den die Ausschaltung des politischen Gegners, mit welchen Mitteln auch immer, oberstes Gebot war.
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Und alles war "gesetzeskonform" - jedenfalls scheinbar

Die gesetzlichen Voraussetzungen hatte Hitler sofort nach seinem Amtsantritt und in den darauf folgenden Wochen und Monaten geschaffen. Für die innenpolitische Verunglimpfung des Gegners sorgte die nationalsozialistische Propagandamaschinerie.

Bereits in seinem Buch »Mein Kampf« hatte Hitler auf die Bedeutung der Propaganda hingewiesen: »Der größte Erfolg einer Revolution des Weltbildes wird sich immer dann einstellen, wenn diese neue Weisheit soweit wie möglich allen Leuten nahegebracht wird und später, falls notwendig, ihnen aufgezwungen wird, während die Organisierung der Idee - nämlich die Bewegung - nur jeweils so viele Leute erfassen muß, wie absolut notwendig sind, um die Schaltstellen des Staates zu besetzen.«
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Es zählte nur noch Indoktrination und Propaganda

Getreu dieser Erkenntnis ihres Führers ließen die Nationalsozialisten während der zwölf Jahre ihrer Herrschaft nichts unversucht, um die Massen in ihrem Sinne zu beeinflussen. Direkt nach der Machtübernahme erwarb Propagandaminister Goebbels alle Rechte an der Reichsrundfunk- gesellschaft und kontrollierte über die Zwangsmitgliedschaft in der Reichsrundfunkkammer nicht nur die Sender, sondern auch die Hersteller von Geräten.

Ohne Probleme setzte er durch, daß billige Radios produziert und daß diese sogenannten »Volksempfänger« so billig konstruiert wurden, daß damit auch keine ausländischen Sender empfangen werden konnten. In den ersten zwei Jahren nach der »Machtergreifung« wuchs die Zahl der Deutschen, die einen eigenen Radioapparat hatten, um über eine Million.

1936 konnten an die 30 Millionen Deutsche über das Radio erreicht werden. Virtuos verstand es Goebbels, mit diesem nicht neuen, in seiner Wirkung aber bis dahin unterschätzten Medium umzugehen.
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Hitler: »Die große Masse des Volkes .... ist dumm«

Die Nationalsozialisten gingen dabei nach einem einfachen, aber wirksamen Schema vor: Sie richteten ihre Appelle in Rundfunk und Presse weniger an den Intellekt des einzelnen als vielmehr an seine Gefühle.

Hitler: »Die große Masse des Volkes besteht weder aus Professoren noch aus Diplomaten. Mit ihrem geringen abstrakten Wissen richtet sie ihre Sinne eher auf die Welt der Gefühle.«

Ständige Berieselung, allgegenwärtige Propaganda, unermüdlich wiederholte Ermahnungen und die permanenten Massenveranstaltungen peitschten die Begeisterung hoch und lenkten von den eigentlichen Problemen ab.
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Ein latent vorhandenes Bedürfnis nach Mittelmäßigkeit

Die Nazi-Kultur traf deshalb auf eine so breite Unterstützung und ließ ihren Gegnern so wenig Chancen, weil sie sich an ein latent vorhandenes Bedürfnis nach Mittelmäßigkeit anlehnte, weil sie neue und unkonventionelle Ideen in Kunst und Literatur verwarf und dem Spießertum der breiten Masse huldigte.

In einer Rede, die Joseph Goebbels 1937 anläßlich der Jahrestagung der Reichskulturkammer und der Organisation »Kraft durch Freude« hielt, lobpreiste er den Massengeschmack und stellte ihn dem elitären Geschmack der Gebildeten und der Besitzenden gegenüber.

Der Geschmack der breiten Masse, so sein Resümee, sei immer derselbe geblieben. Ihr fehlten die Vergleichsmöglichkeiten, so daß es
ihr nicht passieren könne, daß sie am Ende nicht mehr wisse, ob das Gute gut und das Minderwertige minderwertig sei.

»Sie sind auch nicht so überfüttert, als daß sie vor lauter Mangel an geistigem Hunger am Ende auf die tollsten Verirrungen und Entartungen des primitiven und damit klaren und reinen künstlerischen Empfindens verfielen. Ihre Freude am Gesunden und Starken ist noch naiv, unbeschwert und sinnlich bewegt. Sie fühlen noch mit dem Herzen, und dieses Herz steht nicht im Schatten eines alles wissenden, alles kennenden und damit am Ende auch alles zersetzenden und anzweifelnden Verstandes.«
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Ja, die Masse der Volksgenossen unterstützte Hitler

Die Nazi-Herrschaft wurde darum von so vielen Deutschen unterstützt, weil man es hier mit einer Bewegung zu tun hatte, deren Ideologie gefühlsbetont und einheitlich war, die scheinbar die Alltagsprobleme zu lösen verstand und die ihre Zähne erst zeigte, als es schon längst kein Zurück mehr gab. Denn das Alltagsleben des einzelnen veränderte sich zunächst nicht wesentlich.

Abgesehen von den Aufmärschen, Kampfgesängen und SA-Truppen war das beherrschende Thema am Arbeitsplatz, während der Freizeit und in der Familie die wirtschaftliche Situation. Und genau an dieser Stelle setzten die Nationalsozialisten ihre Hebel an, um nicht nur den Staat, sondern auch die Herzen der Deutschen zu erobern.

Immer wieder hatten sie versprochen, nach der Machtübernahme die Arbeitslosigkeit zu beseitigen und die Wirtschaft zu sanieren. Mit dem Schlagwort »Arbeit und Brot« hatte die NSDAP Millionen von Stimmen gewonnen.
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Doch die Versprechen mußten auch eingelöst werden

Nun mußte sie ihr Versprechen einlösen, wenn sie nicht unglaubwürdig werden wollte. Der Erfolg der Nationalsozialisten hing vor allem vom Erfolg ihrer Wirtschaftspolitik ab.

An Plänen zur Verbesserung der katastrophalen Lage der deutschen und internationalen Wirtschaft hatte es auch zu Zeiten der Weimarer Republik nicht gefehlt, woran es jedoch mangelte, waren Möglichkeiten und Fähigkeiten, derartige Konzepte auch in die Tat umzusetzen.

Hitler holte diese Pläne teilweise aus den Schreibtischen der alten Ministerialbürokratie und machte sich daran, sie zu verwirklichen. Zudem berief er mit Hjalmar Schacht einen Mann an die Spitze der Reichsbank, der bei der Kreditschöpfung neue Wege ging, um auf diese Weise die notwendigen Finanzmittel zu beschaffen.

Die Hoffnung auf Arbeit und die Hoffnung auf einen besseren Lebensstandard waren sicherlich die entscheidenden Beweggründe, die die Deutschen in die Arme der Nazis trieben.
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Das Hemd war vielen Deutschen näher als der Rock.

Darüber hinaus übten aber auch die Großveranstaltungen, die im wesentlichen aus Rezitationen, Treueschwüren und Kampfgesängen bestanden und stark an die christliche Liturgie erinnerten, eine beträchtliche Faszination aus, vor allem auf die Jüngeren. Der »Zauber« von Feuer und Fackel, von Aufmärschen und prächtig inszenierten Illuminationen zog viele in seinen Bann. Aktivismus war wichtiger als Intellektualismus.

Appelliert wurde an die Seele, das Gefühl, den Instinkt und an den Willen, ein neues Zeitalter zu gestalten. Hitler 1938: »Wir leiden heutzutage an einem Zuviel an Erziehung. Außer Wissen wird nichts geschätzt. Die Neunmalklugen aber sind die Feinde des Handelns. Was wir brauchen, sind Instinkt und Wille.«
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Der Nationalsozialismus als Ersatzreligion?

Die mythisch verklärten Feiern, die Aufmärsche, die Kraft der »Bewegung«, die anfängliche Begeisterung der Massen - all das trug dazu bei, auch jene Deutschen, die zunächst noch zögerten, kontinuierlich in die Bewegung mit einzubeziehen. Wer wollte schon abseits stehen, wenn alle jubelten, und wer wollte nicht an der Begeisterung teilhaben, wenn alle sich freuten?

Daß dabei zahlreiche Werte auf der Strecke blieben, daß die Demokratie binnen weniger Wochen zur Diktatur geworden war, merkten viele erst, als die Weichen längst gestellt waren, einige erst im Krieg oder nach dem Zusammenbruch 1945.
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Als 1933 rund 500.000 Deutsche in die NSDAP eingetreten sind

Getragen von dieser Welle der Begeisterung, traten in den ersten Monaten des Jahres 1933 rund 500.000 Deutsche in die Partei ein. Am 21. August 1933 zählte die NSDAP 1.930.000 Mitglieder, dazu kamen über zwei Millionen Aufnahmeanträge, die auf Grund des Mitgliederansturms nicht sogleich bearbeitet werden konnten.

Dieser ungeheure Zulauf war vor allem auf die Figur des »Großmagier Hitler« zurückzuführen. Nicht der Partei, sondern Hitler huldigten die Deutschen. Daß sich in seiner Person taktisches Geschick und ein sicherer Instinkt für Massen auf einzigartige Weise vereinigten, ist in den Augen Joachim Fests dafür verantwortlich, »daß die NSDAP innerhalb eines Jahres nicht nur nahezu vollständig die Macht, sondern auch die Mehrheit des deutschen Volkes eroberte und in einen Erregungszustand versetzte, der aus Selbsttäuschung, Idealismus, Furcht, Opferbereitschaft und Gläubigkeit seltsam gemischt war und als >Wunder deutscher Volkswerdung< überschwenglich gefeiert wurde«.
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Hitler sah den Erfolg und "handelte" - am besten mit Angst

Aus diesem Gefühl des persönlichen Sieges leitete Hitler dann auch das Recht ab, den Staat nach seinem Gutdünken gründlich umzukrempeln. Kaum an der Macht, schuf er die gesetzlichen und organisatorischen Voraussetzungen zur Ausschaltung seiner innenpolitischen Gegenspieler.

Während der ganzen Jahre des Dritten Reiches wurde gegen Andersdenkende rücksichtslos vorgegangen. Vor allem Kommunisten und Sozialdemokraten waren Hitler ein Dorn im Auge. Persönlich und unter Eid hatte er als Zeuge vor einem Reichsgericht angekündigt, daß nach seinem Amtsantritt die Köpfe der »Novemberverbrecher« rollen würden.

Ehe er jedoch zu dieser letzten Konsequenz schritt, versuchte er zunächst, seine Gegner mit wüsten Drohungen einzuschüchtern, dann wurden auf der Grundlage der inzwischen geschaffenen gesetzlichen Möglichkeiten Zeitungs- und Versammlungsverbote ausgesprochen und durch einzelne, teilweise willkürliche Verhaftungen eine Atmosphäre der Unsicherheit und Angst geschaffen.

Presse und Rundfunk wurden gnadenlos "benutzt"

Diese Maßnahmen wurden in Presse und Rundfunk mit der »Bedrohung von links« und mit angeblichen »Korruptionsskandalen« gerechtfertigt. So ließ sich das radikale Vorgehen taktisch geschickt als eine »Säuberungsaktion« im Namen des deutschen Volkes verbrämen.

Einige Presseschlagzeilen aus jenen Tagen: »Neue Enthüllungen über den Millionendiebstahl preußischer Steuergelder«. - »Neue Mordtaten unter den Augen des Sozialdemokraten Leuschner in Hessen«. - »Der rote Korruptionsskandal in Preußen«.

Hermann Göring, dem die preußische Polizei unterstand, erklärte:
»Meine Maßnahmen werden nicht angekränkelt sein durch irgendeine Bürokratie. Hier habe ich keine Gerechtigkeit zu üben, hier habe ich nur zu vernichten und auszurotten, weiter nichts.« Allein in Preußen wurden im März und April 1933 rund 25.000 Personen verhaftet, und eine amtliche Meldung vom 10. Juli 1933 besagt, daß in Deutschland zu diesem Zeitpunkt insgesamt 18.000 »Schutzhäftlinge« (politische Gefangene) registriert waren.
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Und alles geschah vor den Augen der Öffentlichkeit

All das spielte sich vor den Augen der Öffentlichkeit ab. Aber nicht immer verliefen Verhaftungen so spektakulär, wie Jan Petersen (Hans Schwalm) es in seinem Beitrag »Die Straße«, der im Prager Exil geschrieben wurde, schildert:

»So war es, als sie Franz holten. Als der Lastwagen mit den braunen Uniformen kam, setzte der Pulsschlag der Straße, jener Pulsschlag, der die Papierschmetterlinge flattern ließ, blitzschnell aus. Vor den Haustüren standen die Weiber und gestikulierten, die Männer ballten die Hände in den Taschen, daß sie prall, wie vollgestopft, abstanden. Ein Haus war besetzt und abgeriegelt worden. Einige Stunden schon wurde vom Keller bis zum Boden alles umgedreht, die Ofenröhren wurden abgenommen, Dielen angehoben, ja selbst die Kleidersäume wurden durchleuchtet. Die Straße blieb stumm; doch die Köpfe in den Fenstern, die Gruppen vor den Türen sprachen für den, der zu hören wußte, die stumme Sprache der Solidarität. Die Braunen fanden nichts, trotzdem brachten sie Franz heraus, einfach, weil er als früherer Funktionär bekannt war... Es war das letzte Mal, daß wir Franz sahen ... Nur daß kurze Zeit darauf ein Schreiben ins Haus flatterte: >Gestorben im Staatskrankenhaus. Todesursache: Lungenentzündung. Besichtigung nicht gestattet. Zur Beerdigung freigegeben .. .<«
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SA-Terror und GESTAPO hatten ihre eigenen Methoden ....

Viele Kommunisten und Sozialdemokraten versuchten, sich diesen willkürlichen Verhaftungen durch ständigen Wechsel des Aufenthaltsortes zu entziehen. Häufig war jedoch die Folge, daß dann ihre Familien und Bekannten unter Druck gesetzt wurden. Wer sich seiner Verhaftung nicht entziehen konnte, mußte damit rechnen, in eines der seit März 1933 eingerichteten Konzentrationslager verschleppt zu werden.

Das erste wurde in Dachau bei München gebaut und konnte 5.000 Personen aufnehmen. Die Insassen waren brutalen Mißhandlungen ausgesetzt, mußten harte Arbeit verrichten und konnten nie sicher sein, ob sie den nächsten Tag noch überleben würden.

Neben den Verhaftungen, die meist nachts vorgenommen wurden und die auf jene Stadtviertel beschränkt waren, in denen Funktionäre der beiden großen Arbeiterparteien lebten, prägten die Terrorakte der SA die Alltagserfahrung der betroffenen Bevölkerung. Dabei war die Dosierung dieser Einschüchterungsmaßnahmen in den einzelnen Städten und auf dem Lande sehr unterschiedlich.
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Über den SA-Terror in der Industriestadt Wuppertal

Ulrich Klein hat in seiner Studie »SA-Terror und Bevölkerung in Wuppertal 1933/34« exemplarisch das Ausufern von Willkürakten, Einschüchterung und Gewaltanwendung seitens der SA-Verbände festgehalten.

Naturgemäß war die Arbeiterbewegung in der Industriestadt Wuppertal stark verankert. Mit dem 30. Januar begannen die Nationalsozialisten, blutige Rache für die in vorangegangenen Straßen- und Saalschlachten erlittenen Niederlagen zu nehmen, bei denen es auf beiden Seiten Tote und Verletzte gegeben hatte. In dem Buch des Amerikaners Knickerbocker wird dies ausführlich beschrieben.

  • »Am folgenden Tag marschierten diese [die Nationalsozialisten], unterstützt von Polizei, durch die Arbeiterviertel; dann wurden politische Gegner von Polizei und SA, der polizeiliche Funktionen zuerkannt worden waren, in >Schutzhaft< genommen. Die Verhaftungen waren für die Betroffenen meist mit Mißhandlungen in den Polizeirevieren und SA-Sturmlokalen verbunden, einige wurden ermordet.«


Bald darauf übernahm die SA selbst Polizeifunktionen. Im Mai wurde eine Kommission zur Säuberung der Polizei gebildet, die bis August etwa 2.400 Polizisten überprüfen ließ. Polizeibeamte, die früher Nationalsozialisten dienstlich verfolgt hatten, wurden umgehend in Schutzhaft genommen und in das Wuppertaler SA-KZ Kemna eingeliefert:

  • »Während des gesamten Jahres 1933 wurden von der SA politische Gegner mißhandelt und ermordet; nur ein verschwindend geringer Teil der Fälle wurde damals der Staatsanwaltschaft bekannt... Viele SA-Leute konnten so ungestraft alte Rechnungen aus der Kampfzeit begleichen und sich an den politischen Gegnern rächen.«

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Die Machtübernahme auf dem Lande ging anders

Auf dem Lande war die Machtübernahme weniger durch Übergriffe seitens der SA oder SS gekennzeichnet, als vielmehr durch eine Umgestaltung der politischen Institutionen und durch eine »Gleichschaltung« des gesamten sozialen Lebens. Die braune Revolution verlief in den Dörfern und kleinen Gemeinden noch reibungsloser als in den Großstädten.

Nur in Einzelfällen manifestierte sich nennenswerter Protest gegen Terrormaßnahmen. Zudem wurden gezielte Gewaltaktionen fast nie von Ortsansässigen durchgeführt, um gewachsene Beziehungen nicht unnötig zu belasten - eine Vorgehensweise, die taktisches Geschick und Kenntnis der Dorf strukturen durchblicken ließ.

So gelang es den Nationalsozialisten, ihr System in verhältnismäßig kurzer Zeit dem Großteil der Gemeinden aufzuzwingen. Die eigentliche »Revolution« des dörflichen Lebens bestand jedoch im Aufbrechen der traditionellen Autoritätsstrukturen des Dorfes und vor allem der Großfamilie.
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Kurt Wagner und Gerhard Wilke über "Das Dorfleben im Dritten Reich"

»Die Politik der Gleichschaltung«, so Kurt Wagner und Gerhard Wilke in ihrer Untersuchung über das »Dorfleben im Dritten Reich: Körle in Hessen«, »bedeutete für den nationalsozialistischen Volksgenossen< unter anderem eine weitgehende >Befreiung< von den traditionellen Loyalitätsgefühlen gegenüber dem Haushalt und der Dorfgemeinschaft.«

Die Mitgliedschaft der Jüngeren in den verschiedenen NS-Organisationen, die daraus resultierende ideologische Schulung und die Begeisterung für die »Bewegung« bewirkten »eine tiefgreifende Veränderung der Autoritätsstrukturen in den Haushaltungen. Nach Aussagen von Informanten bedeutete diese Zeitperiode >Krieg in jedem Haushalt<, wobei es zu starken Generationskonflikten und zu Autoritätsverlusten der älteren Generation kam.«

Die Konflikte innerhalb der Hausgemeinschaft, und dort vor allem zwischen Jung und Alt, schwelten während der gesamten Dauer des Dritten Reiches. Allerdings mit einer Einschränkung - letztlich kam es allen darauf an, den »Ruf« des Hauses gegenüber den anderen Bewohnern des Dorfes zu wahren:

»Die ökonomische Basis der Haushaltsstrukturen konnte so trotz der Politisierung des Alltagslebens und der Sprengkraft der immanenten Konflikte erhalten werden.«
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Es gab keine »Nacht der langen Messer«

Weder in den Städten noch auf dem Lande hatte die von der SA vor der Machtübernahme angekündigte »Nacht der langen Messer« stattgefunden.

Heute ist es kaum vorstellbar, daß seinerzeit mancher, der dem NS-Regime kritisch gegenüberstand, über das »vorsichtige« Vorgehen der Nationalsozialisten erleichtert war. Viele hatten Schlimmeres befürchtet und waren auf Pogrome gefaßt gewesen. Statt dessen gab es am 1. April »nur« einen Boykott jüdischer Geschäfte.
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Sebastian Haffner schreibt in seiner Biografie über das Denunziantentum

»Im ganzen«, so Sebastian Haffner, »muß man die Handhabung und Dosierung des Terrors in den ersten sechs Jahren - erst Furchterregung durch wüste Drohungen, dann schwere, aber hinter den Drohungen doch etwas zurückbleibende Terrormaßnahmen und danach allmählicher Übergang zu einer Beinahe-Normalität, aber ohne völligen Verzicht auf ein wenig Hintergrund-Terror - eine psychologische Meisterleistung Hitlers nennen.«

Und in dieser geschickten Dosierung des Terrors gedieh das Denunziantentum. Unbedachte Äußerungen, ein zweideutiger Witz über den Reichskanzler oder die NSDAP am feuchtfröhlichen Biertisch konnten im Handumdrehen ein Verhör oder eine Verhaftung nach sich ziehen. Das sprach sich herum. Man wurde in der Öffentlichkeit vorsichtiger und begann, seine Worte auf die Waagschale zu legen.
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Ab dem 5. Juli 1933 waren die Machtkämpfe beinahe zuende

Mit der »freiwilligen« Auflösung des Zentrums am 5. Juli 1933 und dem am 14. Juli folgenden Verbot, andere Parteien zu gründen, saßen die
Nationalsozialisten endgültig fest im Sattel - Machtkämpfe fanden von da ab nur noch intern statt. Ohne nennenswerte Gegenwehr hatte Hitler sein System errichten können.

Weder die bürgerlichen Parteien noch die zahlreichen Arbeiterorganisationen hatten es vermocht, dem revolutionären Elan der Nazis etwas entgegenzusetzen. Mehr oder weniger tatenlos sahen sie zu, wie die letzten demokratischen Institutionen beseitigt oder zu einem Schattendasein verurteilt wurden und wie der Rechtsstaat nach und nach zu einem Unrechtsstaat verkam.

Seit dem 30. Januar hielt Hitler alle Trümpfe in der Hand. Er verfügte nicht nur über einen funktionierenden Parteiapparat, der ihm blindlings gehorchte, über eine perfekt eingespielte SA und eine Propagandaabteilung, die reibungslos funktionierte, sondern er stieß auch beim überwiegenden Teil der Bevölkerung auf ein breites Wohlwollen. Man hatte ja am eigenen Leibe erlebt, wohin die Demokratie führte.
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Das "gemeine Volk" erinnerte sich

Das »Parteiengezänk« der Weimarer Republik schien nur Arbeitslosigkeit und Elend gebracht zu haben. Hitlers neue Parolen und Versprechungen fanden daher bei vielen offene Ohren und übten bald eine Anziehungskraft aus, die heute unbegreiflich erscheint, wenn man nicht den ganzen Hintergrund der Entstehung des Nationalsozialismus und den Boden, auf dem er gewachsen ist, mitberücksichtigt.

Zwar mißbilligten viele die Terrormaßnahmen der ersten Monate, doch so ganz unglücklich darüber war man auch nicht. Es traf ja vor allem die ewigen Querulanten, die Emporkömmlinge aus der Sozialdemokratie (die »vaterlandslosen Gesellen«), und die Kommunisten -also "die Anderen".

Das eigene schlechte Gewissen ließ sich zudem leicht beruhigen. Hatte Hitler nicht Wort gehalten und sich tatkräftig den Problemen der Wirtschaft und Arbeitslosigkeit gewidmet? Und zeitigte sein Einsatz nicht sogar schon die ersten Erfolge? Es ging wieder aufwärts mit Deutschland, und da wollte man dabeisein.
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  • Anmerkung : Das zeigte sich auch 1938, als Hitler sein Geburtsland Österreich "heim ins Reich" holte. Auch die Österreicher wollten "dabei" sein.

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Bild 17
Bild 18

Die Etappen der Machtergreifung und ihre Kehrseiten:

Mit dem »Tag von Potsdam« vom 21. März 1933 ist Hitler am Ziel. Während er sich unter den Augen des greisen Reichspräsidenten von Hindenburg den Traditionen und Werten der Vergangenheit verschreibt (Bild 18), verlangen die getreuesten seiner Getreuen, die SA (Bild 17) und die SS, zwei Tage später vom Reichstag das »Ermächtigungsgesetz«.

Nur die 94 Sozialdemokraten stimmen dagegen, obwohl oder gerade weil viele aus ihren Reihen längst verhaftet worden sind; den Kommunisten hatte man zuvor ihr Mandat entzogen.

Sofort nach der Machtergreifung vom 30. Januar begannen SA-Trupps die ihnen seit Jahren bekannten Gegner von SPD und KPD zu verhaften. In Kellern und alten Fabriken entstanden sogenannte »wilde Lager«, in denen es zu grauenhaften Folterungen und zahlreichen Ermordungen kam.

Als Teile der Öffentlichkeit protestierten, beauftragte Hermann Göring den ersten Gestapo-Chef, Diels, diesem Treiben durch Errichtung staatlicher KZs ein Ende zu setzen. Dieses Foto (Bild 20) wurde Anfang 1933 im Kellereines SA-Sturmlokals aufgenommen und zeigt einige Opfer der Verhaftungswelle.

In aller Öffentlichkeit müssen verhaftete Sozialdemokraten im März 1933 Wandparolen beseitigen (Bild 19), der berühmte Publizist Carl v. Ossietzky (Bild 21), der 1936 mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet wurde, gehörte ebenso wie Erich Mühsam zu den rund 25.000 Personen, die allein im März und April 1933 in Preußen verhaftet wurden. Er starb 1938 an den Folgen der KZ-Haft.
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Bild 19
Bild 20
Bild 21

Auch Künstler und Intellektuelle wurden verhaftet

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Bei ihrer rücksichtslosen Gleichschaltungspolitik aller politischen und gesellschaftlichen Organisationen machten die Nazis auch oder gerade vor Künstlern und Intellektuellen nicht Halt.

Die Verfemung aller »entarteten« oder »undeutschen« Schriften, Gemälde oder Gedanken begann symbolisch mit der öffentlichen Bücherverbrennung am 10. Mai 1933 auf dem Opernplatz in Berlin (Bild 22) und anderen deutschen Städten.

Mit »Feuersprüchen« warfen Berliner "Studenten" !!! die Werke von Autoren wie Karl Marx, Leo Trotzki, Heinrich Mann, Erich Kästner, Sigmund Freud, Erich-Maria Remarque, Kurt Tucholsky und Carl v. Ossietzky auf den Scheiterhaufen.

Doch dabei blieb es nicht. Schriftsteller, Maler, Journalisten und Intellektuelle wurden verhaftet, teilweise in KZs eingeliefert. Unser Bild (Bild 23) zeigt (v. 1. n. r.) den Fraktionsvorsitzenden der SPD im Preußischen Landtag, Ernst Heilmann, den Sohn des ehemaligen Reichspräsidenten Ebert, den bekannten Rundfunksprecher Alfred Braun und andere Mitglieder der Reichsrundfunkgesellschaft bei der Einweisung in das KZ Oranienburg bei Berlin am 10. August 1933.
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Sechs Millionen Arbeitslose hatten zumindest wieder Hoffnung

Mit dem Schlagwort »Arbeit und Brot« hatten die Nationalsozialisten Millionen von Stimmen und die Macht gewonnen.

Hitler hatte den sechs Millionen Arbeitslosen wieder Hoffnung gegeben - sie jubeln ihm zu, als er im Frühjahr 1934 zu Beginn des Autobahnbaus München-Salzburg im Hofoldinger Forst zu ihnen spricht (Bild 24).

Nur wenige sahen, daß en passant der Rechtsstaat auf der Strecke geblieben war.

Im Januar 1934 erhalten dieser SS-Mann und seine Frau den kirchlichen Segen (Bild 25).

Bis 1935 konnte man allerdings in evangelischen Kirchen SA-Kameraden in Uniform und mit gesenkten Hakenkreuzfahnen bei Gedenkgottesdiensten sehen (Bild 26). Auch Trauungen wurden in »vollem Wichs« durchgeführt.


Auf nennenswerten Widerstand stießen die Nationalsozialisten nur, als sie auch die christlichen Kirchen »gleichschalten« wollten.

Zwar gelang es ihnen, einen Teil der Protestanten in der »Glaubensbewegung Deutsche Christen« auf ihre Seite zu ziehen, doch viele Gläubige schlossen sich nicht dem zum »Reichsbischof« beförderten Pfarrer Ludwig Müller (Bild 28 weiter unten) an, sondern engagierten sich in dem von Pastor Niemöller geführten »Pfarrernotbund«.

Die katholische Kirche, die zunächst dem Nationalsozialismus und seiner Rassenideologie ablehnend gegenüberstand, arrangierte sich schon im Sommer 1933 mit Führer und Staat.

Bei der Heiligsprechung des Mönchs Konrad von Parzham heben Generalvikar Steinmann und Bischof Bares am 21. November 1934 die rechte Hand zum »deutschen Gruß« (Bild 27).
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Die Reichsstraßensammlungen und der Eintopfsonntag

Ein alltägliches Bild im Dritten Reich: Mit großem Aufwand wurde in allen Medien für Sammlungen aller Art geworben.

Nicht immer gelangten die gesammelten Geldbeträge und Sachspenden auch in die Hände derjenigen, die sie eigentlich erreichen sollten.

An den Reichsstraßensammlungen für das Winterhilfswerk beteiligten sich auch kinderreiche Väter (Bild 29) und Prominente.

Die Künstlerin Luise Ullrich wirbt am Potsdamer Platz in Berlin zugunsten der Winterhilfe (Bild 30).

Einmal im Monat war Eintopfsonntag - zu Hause und in den Gaststätten oder auf öffentlichen Plätzen (Bild 31).

Zugelassen waren Gemüsekost mit Fleischeinlage, Löffelerbsen mit Einlage oder Nudelsuppe mit Rindfleisch.

Wenn man mehr als 50 Reichspfennig bezahlte, ging der Differenzbetrag auf das Konto des Winterhilfswerks, das im Herbst 1933 gegründet wurde und Notleidenden zugute kommen sollte.
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Umzüge, Aufmärsche, Festzüge und Paraden - Pflicht für alle

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Die Außendarstellung der Nationalsozialisten gegenüber den »Volksgenossen« erfolgte durch die massenhaft abgehaltenen öffentlichen Kundgebungen, Versammlungen, Umzüge, Aufmärsche, Festzüge und Paraden, die vorzugsweise zu abendlicher Stunde abgehalten wurden.

14 offizielle Feiern umfaßte der nationalsozialistische Jahreslauf. Neben dem 1. Mai als dem »Nationalen Feiertag des deutschen Volkes« war einer der Höhepunkte des »Feierjahres« der Reichsparteitag in Nürnberg.

Auf dem Zeppelin- und dem Märzfeld marschierten jährlich Hunderttausende von SA- und Reichsarbeitsdienstmännern (Bild 33 rechts), BDM- und HJ- Angehörigen und Pimpfen auf und verharrten unbeweglich während der von Hitler vorgenommenen Totenehrung der »Gefallenen der Bewegung«.
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In jedem Jahr der 9. November - Hitlers 1923er Gedenktag

Dagegen war der 9. November mehr ein parteiinterner Gedenktag, der an den gescheiterten Putschversuch der NSDAP von 1923 erinnern sollte und an dem HJ-Mitglieder in die NSDAP aufgenommen sowie der SS-Nachwuchs in einer nächtlichen Vereidigung auf das System eingeschworen wurden.

  • Anmerkung : Auch hier wieder ein Seitenblick auf die Erlebnisse des Amerikaners Knickerbocker, der diese Zeit um 1922-1923 während seines Philiosophie- Studiums an der Maximilian-Universität in München miterlebte.


An diesem Tag trafen sich auch Hitler, Göring, Streicher und andere »alte Kämpfer« in München vor dem Bürgerbräukeller, um in einem langen Marsch zur Feldherrnhalle, der dem von 1923 nachempfunden war, der »Gefallenen« zu gedenken und sich ihrer zu erinnern (Bild 32).

Im 3. Reich hießen diese Putschisten bzw. Aufrührer nur "die Gefallenen".

Ganz im Kreis der ihren fühlten sich an diesem Tage auch Göring und Himmler (Bild 34). Und als endlich Hitlers Flugzeug erscheint, jubeln die »alten Kämpfer« und biederen SA-Gesellen ihrem Idol zu (Bild 35).
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Für fast 500.000 Juden ging es jetzt um Leben oder Tod ....

Für die fast 500.000 Juden in Deutschland war die Rassenideologie des Nationalsozialismus eine tödliche Bedrohung. Bereits am 1. April 1933 kommt es zu einem organisierten Boykott aller jüdischen Kaufleute, Ärzte und Rechtsanwälte (Bild 37).

In Etappen geht die Diskriminierung weiter: In der sogenannten »Reichskristallnacht« vom 8. bis 10. November 1938 werden 7500 jüdische Geschäfte demoliert, etwa 190 Synagogen in Brand gesteckt (Bild 39) und rund 25 000 Juden verhaftet.

In Wien müssen jüdische Einwohner die Straßen scheuern, während »Pimpfe« ihre Arbeit beaufsichtigen (Bild 36). Bald müssen alle Juden an ihrer Kleidung einen Stern tragen, der sie zu Bürgern »minderer Rasse« degradiert (Bild 40). Seit dem Beginn des Krieges kommt es zu Deportationen (Bild 38) und Massenvernichtung (also Massen-Ermordung) von Juden.

Die »Vernichtung der jüdischen Rasse in Europa« ist das Ziel Himmlers und Hitlers. Millionen von Juden werden bis zum Ende des Krieges ermordet. Geradezu makaber nimmt sich dieser kleine Junge aus, der in SA-Uniform auf dem Reichsjugendtag in Potsdam 1934 mit Hitler-Gruß posiert (Bild 41).

Er und seine Altersgefährten werden am Ende des Krieges zum »letzten Aufgebot« gehören und elendig für ein Regime »verrecken«, das bereits 60 Millionen von Menschen auf dem Gewissen hat.
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