Ein Bildband mit einer fast lückenlosen Biografie von 12 Jahren
Die 12 Jahre der Nationalsozialisten haben die ganze Welt "verdreht". So viele Tote hatte noch nie ein diktatorisches Regime zu verantworten. Hier wird in den Jahren um 1980 biografisch aufgearbeitet, wie es die "Deutschen Normalbürger" erlebt oder auch nicht erlebt hatten und vor allem, wie es dazu gekommen war. Hintergrund in 2026 ist die aktuelle Entwicklung 80 Jahre danach - nicht nur wieder in Deutschland - sondern auch in den USA und in Russland und in weiteren Ländern dieser Welt. Hier wird nichts verklärt oder beschönigt oder verniedlicht. Die Wahrheit ist daher nicht immer angenehm oder gefällig. Die einführende Seite beginnt hier.
.
»Es wird einmal ein Wunder gescheht!«
.
Adolf Hitler : Die "willensmäßige Einheit unseres Volkes" ....
Der totale Staat kontrolliert alle Lebensnerven der Nation; niemand darf beiseite stehen. Alle müssen sich in den Dienst der Sache und der »Bewegung« stellen. Nur ein starker Staat, so hatte Hitler betont, garantiert »die willensmäßige Einheit unseres Volkes«.
Es könne keine Gesinnung geduldet werden, die der nationalsozialistischen entgegenstehe: »Wer sich nicht bekehren läßt, muß gebeugt werden.« Natürlich war es nicht möglich, ein ganzes Volk einzusperren oder auf seine Gesinnung hin zu überprüfen, aber die bedeutenden staatlichen, wirtschaftlichen, gesellschaftlichen und kulturellen Organisationen konnte man »gleichschalten«, was auch sofort nach der Machtübernahme in Angriff genommen wurde.
In der »organischen« Gesellschaft, die Hitler vorschwebte, waren Politik und Alltagsleben nicht voneinander zu trennen. Der Staat wachte nicht nur über die Einhaltung seiner Ideologie, über das gesamte öffentliche Leben, sondern auch über seine Bürger.
Bis in das letzte Glied mußte des Führers »gute Gesellschaft« funktionieren. Ein ganzes Netzwerk von Institutionen und Organisationen wurde geschaffen - es reichte vom gleichgeschalteten Sekretär der Deutschen Arbeitsfront bis zum Blockwart.
Für den einzelnen spielten gerade diese untergeordneten Chargen eine entscheidende Rolle, wenn es um die Nutzung des wenigen Freiraumes ging, der einem noch blieb.
.
»Es war eine ganz erbärmliche Zeit«
Cornelia Aderhold und Brigitte Nölleke haben in ihrer Studie »Es war eine ganz erbärmliche Zeit« den Alltag in einem Hamburger Stadtteil dokumentiert.
Ein Bürger berichtete ihnen: »Die da oben, die sind nicht so schlimm, am schlimmsten sind die Kleinen, die Blockwarte, die können einen triezen und bedrohen wegen jeder Äußerung. Da muß man vorsichtig sein. Der hat die Funktion, die Leute zu kontrollieren, ob sie die Fahne raushängen und so. Der ist klar 'ne Parteiinstanz.«
Es waren rosige Zeiten für übelwollende Nachbarn, Denunzianten und Karrieremacher (und vor allem für primitive Kleingeister). Im übrigen, so der Schriftsteller Hans Erich Nossack, ließ man
- »die Leute in dem Glauben, daß sie ihr kleines privates Leben weiterführten.
Hinter seinen vier Wänden durfte der Gefangene aufbegehren und Witze reißen, wenn ihn das befriedigte und über seine Unfreiheit täuschte. Die Gefangenenwärter lachten selber mit, denn auch die Wärter waren die Gefangenen des Systems.
Die furchtbare Täuschung beruhte darin, daß es unter einem totalitären Regime kein Privatleben und keinen wirklich selbständigen Gedanken gibt. Alles ist vom Bazillus der Epidemie infiziert, selbst der Gegner, der sich immun zu machen glaubt, steht schon unter ihrem Gesetz.
Wie eine Dunstglocke lagert die Ideologie der Machthaber über allem und nimmt allen menschlichen Handlungen die Wirklichkeit.«
.
Wer die innere Emigration suchte .....
Und doch gab es Nuancen. Wer die innere Emigration suchte, der fand sie auch im Reich der Braunhemden. Die ständige Berieselung durch Presse und Rundfunk, die Appelle und Mahnungen der Regierung, die Sammlungen, die Versammlungen und die Aufmärsche weckten bei vielen das Bedürfnis, sich beim Sport oder Tanz, im Theater oder im Kino vom Nationalsozialismus zu erholen.
Boxkämpfe und Fußballspiele können natürlich immer auch politisch gewertet und mißbraucht werden. Doch daran dachten damals allenfalls diejenigen, die in den Schaltzentralen der Macht saßen, kaum aber die »Schlachtenbummler« oder »Boxfans«.
.
Die Olympischen Sommerspiele von 1936
Ein krasses Beispiel dafür, wie der Sport als bewußtes Mittel der Politik benutzt werden kann, sind die Olympischen Sommerspiele von 1936, die in Berlin und Kiel stattfanden und die vom NS-Regime skrupellos für dessen ureigenste Interessen ausgeschlachtet wurden.
Die uniformierte Perfektion dieser Spiele - bis heute, so heißt es, war keine Olympiade besser organisiert als die von 1936 - begeisterte viele und beunruhigte wenige.
Nur aus dem Ausland - vorwiegend aus den Vereinigten Staaten - waren einige kritische Stimmen zu vernehmen, und die richteten sich vornehmlich gegen eine »rein arische« deutsche Mannschaft.
Hitler konnte diese ausländischen Kritiker jedoch schnell beruhigen, indem er einige »Konzessions-Juden« in die Mannschaft aufnahm. Mit 33 Gold-, 26 Silberund 30 Bronzemedaillen wurde Deutschland vor den USA die erfolgreichste Nation dieser XI. Olympischen Spiele.
Der Amerikaner Jesse Owens, der die 100 Meter in 10,3 Sekunden lief und 8,06 Meter weit sprang, prägte mit seinen sportlichen Leistungen diese Olympiade ebenso wie der deutsche Speerwurfsieger Gerhard Stock, der Turner Karl Schwarzmann, der Hammerwerfer Karl Hein oder die Speerwerferin Tilly Fleischer, um nur einige zu nennen.
Die Spiele der Superlative - jedenfalls für 1936
Sportlich und organisatorisch waren es die Spiele der Superlative. Viele Welt- und Olympische Rekorde, die damals aufgestellt wurden, sind erst in den 1960er Jahren gebrochen oder verbessert worden.
Es kann kein Zweifel daran bestehen, daß die Olympischen Spiele das Hitler-Regime international aufwerteten, daß sie die Deutschen mit Stolz erfüllten, von inneren Schwierigkeiten ablenkten und die Identifikation mit dem »Führer« förderten.
.
Die politische Vereinnahmung von Max Schmeling
Im selben Jahr boxte Max Schmeling den farbigen amerikanischen Schwergewichtsweltmeister Joe Louis k. o. Schmeling selbst schilderte später mit kühler Präzision und Brutalität die letzten Minuten dieses Kampfes, den Millionen von Deutschen an den Volksempfängern verfolgt hatten:
- »Joe Louis wehrt sich verzweifelt und landet einen tiefsitzenden linken Haken. Jetzt wird es Zeit für mich, ein Ende zu machen! Ich schieße die Linke ab. Joe weicht ihr aus. Doch er kann mir nun nicht mehr entrinnen. Mit einer erbarmungslosen Rechten fege ich ihn an die Seile.
Noch eine Rechte! Der Bomber läßt kraftlos die Arme fallen. Sein Kinn ist ungedeckt. Der Augenblick, auf den ich elf Runden vergeblich gelauert habe, ist da: Alle Kraft, allen Ehrgeiz lege ich in den Schlag, der der letzte dieses Kampfes sein soll.
Joe wird durch den Volltreffer zur Seite gerissen. Er bricht in die Knie, versucht, sich in den Seilen festzuklammern.«
Goebbels stilisiert Schmeling daraufhin zum Nationalhelden.
.
Am Ende wird Schmeling für Hitlers Rassentheorie "benutzt"
Mit diesem Sieg über einen Schwarzen bestätigt Schmeling Hitlers Rassentheorie und repräsentiert das wiedererstarkte Deutschland. Wie geschickt es die Nationalsozialisten verstanden, aus Sportidolen Helden zu machen, bewies Goebbels einmal mehr, als Schmeling im Krieg als Fallschirmjäger eingesetzt wurde und über Kreta absprang. Mit dem Schausportler Schmeling machten die Nationalsozialisten Staat - und Politik.
.
Dann kam König Fußball - mit fast den gleichen Zielen
König Fußball blieb auch in den 1930er Jahren und zu Beginn des Krieges Volkssport Nummer eins. Nachdem es vor der Machtübernahme Hitlers einen handfesten Skandal gegeben hatte, als 16 Mitglieder des FC Schalke 04 unerlaubte Geldzuwendungen erhalten hatten, beherrschte dieser Verein zusammen mit dem l.FC Nürnberg, dem SV Fürth, dem Mannheimer SV, dem Dresdner SC und dem Hamburger SV die Fußballwelt im Dritten Reich.
Die Nationalmannschaft allerdings konnte die hochgespannten Erwartungen nicht erfüllen. Sie enttäuschte sowohl 1936, als sie Olympiasieger werden sollte, aber bereits in der Vorrunde an Norwegen scheiterte, wie auch bei der zwei Jahre darauf stattfindenden Weltmeisterschaft.
Die Parole »Deutscher sein, heißt Sieger sein«, die von höchster Stelle ausgegeben wurde, zog nicht. Auch der legendäre Sepp Herberger, seit 1936 Reichstrainer, konnte nicht verhindern, daß die Deutschen schon in ihrem zweiten WM-Spiel - das erste endete unentschieden - von den Schweizern mit 4:2 besiegt wurden.
Kurz zuvor war durch den Anschluß Österreichs für die Nationalelf eine neue Situation entstanden. Herberger mußte eine »großdeutsche« Elf präsentieren. Doch die Schweizer mit Minelli, Bichel und Amado triumphierten über Paul Janes, Fritz Szepan ...
.
1942 gab es noch zehn Länderspiele .....
1942 fanden noch zehn Länderspiele statt, doch die Gegner waren nicht mehr die alten, denn der Kreis jener, die noch gegen die deutsche Mannschaft antraten, beschränkte sich auf besetzte und verbündete Staaten sowie einige umliegende neutrale Länder.
Während des Länderspiels gegen Italien im November 1939 hatten die 70.000 Zuschauer in der Pause noch lauthals in das Lied » ... denn wir fahren gegen Engelland« eingestimmt, doch je mehr der Krieg auf Deutschland übergriff, um so mehr Sportveranstaltungen fielen aus und um so weniger siegesgewiß wurden die Fans, denn viele Aktive waren bereits zum Wehrdienst eingezogen.
.
Dann wurden alle Wettkämpfe und Meisterschaften abgesagt
Im Winter 1941/42 wurde sogar der Skisport verboten, sämtliche Wettkämpfe und Meisterschaften abgesagt. Die gesamte Skiproduktion mußte an die Wehrmacht abgeliefert werden, die Bevölkerung hatte sämtliche Skier und Rodelschlitten zur Verfügung zu stellen.
Zwar blieb der Oberliga-Fußball weiterhin als attraktivste Sportart erhalten, doch die großen internationalen Wettkämpfe und Meisterschaften waren seit Anfang 1943 verboten.
1942 wird die »Friedensmannschaft« von Schalke 04 mit einem 2:0-Sieg über Vienna Wien zum sechstenmal deutscher Meister, aber schon ein Jahr später, als im Endspiel um die Kriegsmeisterschaft der Dresdner SC den FC Saarbrücken mit 3:0 besiegt, sind von den 22 Spielern 16 Soldaten, einer hatte nur einen Arm, zwei waren extra aus dem Lazarett geholt worden.
Die letzte Kriegsmeisterschaft findet 1944 im vollbesetzten Berliner Olympiastadion vor über 75.000 Zuschauern statt - der Dresdner SC gewinnt mit 4:0 gegen den Hamburger Luftwaffen-Sportverein.
Es war das letzte deutsche Großsportereignis, danach empfahl die Sportführung nur noch Schneeballschlachten, Querfeldeinrennen, Gesundheitsläufe und Kameradschaftsabende - der Sport war dem totalen Krieg zum Opfer gefallen.
.
In den letzten Friedensjahren ....... die großen Autorennen
Auch Sechstagerennen und die großen Automobilveranstaltungen waren in den letzten Friedensjahren außerordentlich populär. Im Motorsport kämpften drei Firmen um die höchsten Trophäen: Mercedes Benz, Auto Union und Alfa Romeo. In Deutschland waren der Nürburgring und die Berliner Avus Schauplatz großer Grand-Prix-Rennen.
Manfred von Brauchitsch, Bernd Rosemeyer, Hans Stuck, Hermann Lang und Rudolf Caracciola lieferten sich spannende Duelle mit den Italienern Alberto Ascari und Tazio Nuvolari.
Am 26. Juli 1936 fuhr Bernd Rosemeyer auf dem Nürburgring einen Rekord, der rund 20 Jahre Bestand haben sollte. Er blieb unter der »Schallmauer« von zehn Minuten und rückte mit dieser Rundenzeit endgültig unter die Großen im Automobilsport auf.
In einem Wagen der Auto Union mit 6,3-Liter-Motor erreichte er als erster Fahrer der Welt auf einer ganz normalen Straße eine Geschwindigkeit von mehr als 400 km/h.
Am 28. Januar 1938 konnte Rudolf Caracciola auf dem Autobahnstück zwischen Frankfurt und Darmstadt diesen Rekord auf 432,7 km/h verbessern; am selben Tage gegen 11 Uhr startete Rosemeyer mit einem noch stromlinienförmigeren Auto Union. Bei Tempo 440 erwischte ihn eine Windbö. Er hatte keine Chance mehr.
Noch populärer als Bernd Rosemeyer, der so tragisch ums Leben kam, war Rudolf Caracciola - das Idol der sportbegeisterten Jugend. Ihm räumten selbst die Machthaber des Dritten Reiches Sonderrechte ein, die sonst niemandem gewährt wurden: Sogar während des Krieges wohnte Caracciola in der Schweiz.
.
Die Kompensationsfunktion des Sports im Dritten Reich
Noch mehr als in »normalen Zeiten« hatte der Sport im Dritten Reich eine Kompensationsfunktion. Ihren Idolen jubelten die Massen nicht zu, weil sie die Erfolge des Regimes repräsentierten, sondern weil sie den grauen Alltag vergessen ließen.
Die Sonderrechte, die dem Sport und seinen Idolen lange Zeit gewährt wurden, standen den Stars von Film und Bühne nicht zu. Sportliche Meisterschaften und Wettkämpfe konnten kaum von oben gesteuert werden, Schlagerkomponisten, Filmregisseure und Schauspieler hingegen waren dem Regime von Anfang an suspekt, denn sie zogen täglich Millionen in ihren Bann - eine Möglichkeit, auf Massen einzuwirken, die der NS-Staat gerne für sich nutzen wollte.
Die »Reichskulturkammer« - gegründet im November 1933
Mit der Bildung der »Reichskulturkammer« (RKK) am 15. November 1933 wurde das gesamte kulturelle Leben dem Kontrollapparat der Goebbelsschen Propagandamaschinerie unterstellt.
Zwangsmitglied in der RKK mußte sein, wer in Deutschland »bei der Erzeugung, der Wiedergabe, der geistigen und technischen Verarbeitung, der Verbreitung, der Erhaltung, dem Absatz oder der Vermittlung des Absatzes von Kulturgut« mitwirken wollte.
Der totale Staat erfaßte konsequenterweise auch den Kulturbereich total - das blühende Kulturleben der Weimarer Republik, das innerhalb Europas als einmalig galt, sollte auf die Bedürfnisse des Dritten Reiches zugeschnitten werden.
Die »Reichsmusikkammer« betreute Schlagerkomponisten und Dirigenten, Maler und Bildhauer waren in der »Reichskammer der bildenden Künste« erfaßt, Schauspieler, Drehbuchautoren und Regisseure, Intendanten und Komödianten standen unter dem Kuratel von »Reichstheater-« und »Reichsfilmkammer«, Autoren und Verlage wurden von der »Reichsschrifttumskammer« kontrolliert.
.
Alle weg ? Die Öffentlichkeit merkte fast nichts davon
Für die Öffentlichkeit machte sich die totale Kontrolle des kulturellen Lebens nicht sofort als gravierender Einschnitt bemerkbar. Goebbels bemühte sich, im kulturellen Bereich einen möglichst gleitenden Übergang in die neue Zeit zu schaffen.
Schließlich war man sich auch im Propagandaministerium über die Freizeitbedürfnisse der breiten Massen im klaren und versuchte, diese auf zunächst traditionelle Weise zu befriedigen - immerhin war die Loyalität der Mehrheit des Volkes einer der Grundpfeiler, auf die das NS-Regime in den ersten Jahren bauen mußte.
Aber der Weg, den man zu gehen gedachte, war von vornherein vorgezeichnet: Die staatliche oder parteiamtliche Kulturführung bestimmte, was dem Volk nutzen oder schaden würde, der »Dienst am Volksganzen« hatte nach Hitlers Worten »hygienischen Erfordernissen« und der »Sanierung des Volkskörpers« Rechnung zu tragen - allein diesen Zielen sollte die Kulturlenkung dienen.
.
Ab jetzt auch im Visier - die kritischen Schriftsteller
Die Schriftsteller traf die neue Kulturpolitik als erste und am härtesten. Wer nicht gleich am Anfang wegen pazifistischer, sozialistischer oder einfach nur aufrechter demokratischer Gesinnung aus der Preußischen Dichterakademie ausgeschlossen und ins Exil vertrieben worden war (Alfred Döblin, Heinrich und Thomas Mann, Franz Werfel, Jakob Wassermann, Rene Schickele und viele andere), mußte nun seinen Ariernachweis erbringen und sich schriftlich verpflichten, dem NS-Staat treu zu dienen.
Und Tausende von Verlegern, Schriftstellern und Lektoren paßten sich an. 1941 unterstanden der Reichsschrifttumskammer 5.000 Schriftsteller, 5.000 Verleger, 7.000 Buchhändler, über 3.200 Buchvertreter, 1.500 Bibliothekare sowie Tausende von Angestellten dieser Branche.
.
Und es gab neue Namen, die keiner kannte
Die neuen Namen kannte bis dahin fast niemand: Hanns Johst und Werner Beumelberg, Erwin Kolbenheyer und Hermann Stehr sowie Will Vesper waren nun Repräsentanten deutscher Literatur. Nachdem Hitler im März 1933 im »Börsenblatt für den deutschen Buchhandel« verkündet hatte, daß »Theater, Kunst, Literatur, Kino, Presse, Plakat und Auslagen ..... von den Erscheinungen einer verfaulenden Welt zu säubern« seien, wußte jeder, was die Stunde geschlagen hatte. Über 250 der bedeutendsten deutschen Schriftsteller emigrierten, annähernd 12.500 Buchtitel kamen zwischen 1933 und 1945 auf den Index.
»Volkhafte Dichtung« war verlangt, und die wurde dann auch in großen Auflagen vertrieben - während des Krieges in Form der »Feldpostbücher«, die zunächst nur für die Frontsoldaten bestimmt waren, dann aber auch über den normalen Markt verkauft wurden.
Daneben blieben harmlose, unpolitische Bücher dem breiten Publikum erhalten: Waldemar Bonseis »Biene Maja« verkaufte sich bis 1938 über 750.000mal, Rilkes »Cornet«, Felix Dahns »Kampf um Rom« und der »Werwolf« von Hermann Löns erreichten Auflagen von jeweils über einer halben Million.
.
Gefördert wurden Kriegsliteratur und Heimatromane
Die Parteigliederungen förderten insbesondere Kriegsliteratur und solche Geschichts- und Heimatromane, die der Blut-und-Boden-Mystik und dem Rasse-Denken des NS-Regimes entsprachen: Hans Grimms Epos »Volk ohne Raum« kam diesen Vorstellungen ebenso nahe wie »Hitlerjunge Quex« von Karl Aloys Schenzinger; Manfred von Richthofens »Der rote Kampfflieger« (750.000 Exemplare in drei Jahren) und »Sieben vor Verdun« von Josef Magnus Wehner waren mindestens so beliebt wie die »nordischen« Romane der Norweger Knut Hamsun und Trygve Gulbranssen (»Das Erbe von Björndal«; »Und ewig singen die Wälder«).
Die Auflage der Bildbandreihe des »Reichsbildberichterstatters« Heinrich Hoffmann über den »Menschen«, »Feldherrn« und »Befreier« Adolf Hitler überschritt bis 1940 schon die Zwei-Millionen-Grenze:
»Das Antlitz des Führers« (230.000); »Hitler, wie ihn keiner kennt« (400.000); »Hitler befreit Sudetentland« (160.000) oder »Mit Hitler in Polen« (300.000) waren die Bestseller jener Unkultur; bei einzelnen Titeln war die Nachfrage so groß, daß sie kaum befriedigt werden konnte.
.
Daß die Anderen "weg" waren, merkte zuerst keiner
Daß zur selben Zeit Hunderte deutscher Dichter und Schriftsteller ihr Land verlassen mußten, wurde von der breiten Masse kaum bemerkt, denn auch schon damals befaßte sich lediglich eine gebildete Minderheit mit anspruchsvoller Literatur.
Auch ausländische Autoren kamen auf den Index, doch gelang es einer Reihe von schöngeistigen Verlagen, mit anspruchsvollen Werken aus dem Ausland die Klippen eines Verbots zu umschiffen: Ausgewählte Titel von zwar offiziell »unerwünschten«, tatsächlich aber geduldeten Autoren konnten weiterhin erscheinen, so etwa Werke von William Faulkner und Ernest Hemingway, Thomas Wolfe und D.H. Lawrence.
Auch Hermann Melville, Somerset Maugham und William Saroyan blieben mit einigen wenigen Titeln einer treuen Gemeinde von Lesern erhalten.
Die Werke jüdischer Autoren und Künstler durften seit 1933 nicht mehr verbreitet werden. Nur innerhalb des im Sommer 1933 gegründeten »Kulturverbandes Deutscher Juden« war es bis 1938, teilweise sogar bis 1941, jüdischen Kulturorganisationen gestattet, mit annähernd 2000 Künstlern in etwa 100 deutschen Städten Symphonieorchester, Schauspielensembles und eine Oper zu unterhalten sowie Kunstausstellungen, Vorträge und Lesungen zu veranstalten.
.
Und auch hier bemerkte der Normalbürger fast nichts
Der Normalbürger bemerkte auch kaum das Fehlen der großen Bühnenregisseure, Komponisten und Interpreten: Zwar gingen Otto Klemperer und Richard Tauber, Bruno Walter, Alban Berg, Paul Hindemith und Arnold Schönberg, Max Reinhardt und Erwin Piscator, doch es blieben genug:
Werner Egk und Carl Orff, Herbert von Karajan und Wilhelm Furtwängler, Richard Strauss und Hans Pfitzner erlagen den Verlockungen des Regimes ebenso wie viele ungenannte Bühnendarsteller und Interpreten, denen zwar keine großen Staatsehren zuteil wurden wie dem erfolgreich angepaßten Opportunisten Gustaf Gründgens, denen aber trotzdem das Hemd näher war als der Rock und die keine Möglichkeit sahen, in der Emigration weiterhin erfolgreich zu wirken.
.
Arische Kultur für die Flucht aus dem Alltag
Und das Regime bot genug Entfaltungsmöglichkeiten: Rührstücke und »Volkskomödien«, klassische Lustspiele und nazistische Heldenepen, ob »Der Etappenhase«, »Krach im Hinterhaus« oder klassische Dramen von Goethe, Schiller und Kleist - alles war darauf abgerichtet, dem normalen Bürger die Flucht aus dem Alltag zu ermöglichen.
Das Publikum nahm das Angebot dankbar an, und abgesehen von eindeutig nationalsozialistischen Stücken waren die Vorstellungen ausverkauft - die Steuerung von oben funktionierte perfekt, und Millionen von Menschen wurden erfolgreich bevormundet.
Operettenmusik blieb erlaubt, denn sie »erheiterte den Volkscharakter«, und harmlos war ihr Inhalt allemal. Melodien von Nico Dostal (»Nofretete«) oder Fred Raymond (»Maske in Blau«) plätscherten aus dem Volksempfänger; nicht mehr zu hören war hingegen der »Nigger-Jazz«, der als dekadente Produktion von »Untermenschen« nicht länger die Grundlagen der deutschen Kultur »zersetzen« sollte.
.
Mit Tricks und Ausnahmen jonglieren
Dennoch ließ es das Regime zu, daß vor allem in den großen Städten auch weiterhin englische und amerikanische Jazz-Bands auftraten - bis zum Ausbruch des Krieges gab es regelmäßig Gastspiele in Deutschland; die deutschen Orchester umgingen ein Jazz-Verbot, indem sie ihre Musik »Swing« nannten, der offiziell noch nicht verpönt war.
Bis 1939 konnte das interessierte Publikum sogar noch Aufnahmen von Tommy Dorsey, Artie Shaw, Count Basie, Duke Ellington und Louis Armstrong kaufen, doch regionale Verbote gegen »Swing- und Niggermusik« schränkten zunehmend den Kreis der Fans ein.
Der Gauleiter von Pommern etwa hatte schon 1938 kein Verständnis mehr für »Narren, die Urwaldsitten nach Deutschland verpflanzen wollen ..... Jaulende Orchester und >swingende< Paare gehören in den Urwald, aber nicht in unsere Unterhaltungslokale.«
.
Mit Beginn des Krieges wurde alles anders
Der Krieg brachte dann erhebliche Einschränkungen für die großen Tanzorchester, denn auch hier wurden die Reihen durch Einberufungen gelichtet. Bei den Plattenfirmen erschien zunehmend die Gestapo und beschlagnahmte Aufnahmen »nichtarischer« Musik und jüdischer Textdichter und Komponisten.
Die »Original Teddies« unter der Leitung von Teddy Stauffer im Berliner »Delphi« und das Orchester Max Rumpf erreichten zwar noch Hunderttausende, doch die klassischen Big Bands von Michael Jary und Willy Berking waren nicht mehr gefragt in einer Zeit, die das typische »Deutsche Tanz- und Unterhaltungsorchester« forderte und sogar simple Schlagermelodien zu monströsen Arrangements aufbauschte.
.
Göbbels installierte das Wunschkonzert für die Heimat
Das am 1. Oktober 1939 vom »Großdeutschen Rundfunk« erstmalig übertragene »Wunschkonzert für euch an allen Fronten« wird zum Erlebnis für Millionen, bereits nach einer Woche liegen fast 30.000 Briefe und über ein Zentner Postkarten mit Musikwünschen vor.
Gespielt wird, was gefällt, und es sind meist die Schlager aus den großen Filmen, die ganz oben auf der Wunschliste stehen: »Der Wind hat mir ein Lied erzählt« von Zarah Leander aus dem Film »La Habanera«, »Das kann doch einen Seemann nicht erschüttern« von Heinz Rühmann, Josef Sieber und Hans Brausewetter - der größte »Hit« des ersten Kriegsjahres - oder »Heimat, deine Sterne«, das meistgewünschte Wehrmachts-Wunschkonzert-Lied.
.
Kaum einer von den erpressbaren Künstlern verweigerte sich
Nach dem Kriegseintritt der USA hatte Goebbels in seinem Tagebuch notiert: »Die gute Laune muß erhalten bleiben« - Schlagerkomponisten, Textdichter und Interpreten waren aufgerufen, dieser Forderung mit entsprechenden Produkten nachzukommen, und kaum einer verweigerte sich.
Ob Ilse Werner mit »Wir machen Musik« aus dem gleichnamigen Film, Marika Rökk mit »In der Nacht ist der Mensch nicht gern alleine« oder die junge Evelyn Künneke mit ihrem ersten Schlager »Sing, Nachtigall, sing« - alle schufen jene Überlebenswelt, die amtlich gefordert wurde.
Johannes Heesters, der holländische Charmeur, äußerte rückblickend:
- »Unsere Arbeit war die verlogenste, die es in jener Zeit gab. Wir spielten heile Welt in Frack und Abendkleid. Aber andererseits gab es noch immer ein riesiges Publikum, das inmitten der Not und des Elends in den Kinos Vergessen und Zerstreuung suchte und von uns ..... nichts anderes als Gesang und Tanz und Heiterkeit erwartete.«
.
Goebbels, die Reichsfilmkammer und die UFA
Die größte Filmgesellschaft der Weimarer Zeit, die Ufa, ließ Goebbels zusammen mit einigen kleineren Produktionsfirmen einfach aufkaufen - bis 1942 hatte er sämtliche Filmgesellschaften unter nationalsozialistische Leitung gebracht.
Die beliebtesten Stars, die großen Mimen der zwanziger Jahre, waren bis auf wenige Ausnahmen auch weiterhin mit von der Partie - kaum einer verweigerte die Mitarbeit, wie etwa Max Pallenberg oder Fritz Kortner. Alles was Rang und Namen hatte, versammelte sich unter der Schirmherrschaft der allmächtigen »Reichsfilmkammer«.
Ganz und gar nationalsozialistisch ausgerichtete Filme konnten sich freilich nicht durchsetzen, Streifen wie »S.A.-Mann Brand« oder »Hitlerjunge Quex« blieben die Ausnahme, denn das Publikum äußerte sein Ge- oder Mißfallen durch den Kauf der Eintrittskarte, und die filmische Dramatisierung von Leitartikeln, die einen schon allmorgendlich beim Frühstück langweilten, wollte niemand sehen.
Was das Publikum wollte, wußte man im Propagandaministerium nur zu genau: Musikfilme mit Zarah Leander, Tanzfilme mit Marika Rökk, Abenteuerszenen mit Hans Albers, Lustspiele mit Luise Ullrich und Victor de Kowa, klassische Liebesfilme mit den Stars Johannes Heesters und Willy Birgel, Brigitte Horney oder Heidemarie Hatheyer.
.
Die reichsdeutschen Kostüm-Filme - zwar kein Hitler-Gruß - dafür indirekt die Ideologie des NS-Regimes
In den Unterhaltungsfilmen des Dritten Reiches kamen zwar äußerliche Nazi-Merkmale wie der Hitler-Gruß nicht vor, dafür schlich sich aber die Ideologie des NS-Regimes immer stärker in die Streifen ein.
Helmut Käutners großartige Regieleistungen »Romanze in Moll« (1943) und »Große Freiheit Nr! 7« mit Hans Albers (1944) oder »Unter den Brücken« (1945) waren wegen ihrer friedlichen, das Private umfassenden Perspektive zwar noch geduldet, entsprachen aber längst nicht den Anforderungen des Propagandaministeriums.
»... reitet für Deutschland« mit Willy Birgel verkörperte schon eher die Klischees und Wertvorstellungen der Nazis, und in den Filmen, in denen das »Sterben für Deutschland« vorbildlich dargestellt wurde, etwa in dem U-Boot-Film »Morgenrot« oder dem Erster-Weltkriegs-Streifen »Unternehmen Michael«, versagte das Ministerium auch nicht seine Unterstützung.
Ausgesprochene Kriegsfilme mit »bewährten« Schauspielern und perfekten Regieleistungen (»Stukas«, »Pour leMerite«, »Kampfgeschwader Lützow«) standen in der Gunst des Publikums ebenso hoch wie der unter der Regie des Altmeisters Josef v. Baky mit Hans Albers gedrehte Farbfilm »Münchhausen«, zu dem ein gewisser Berthold Bürger, besser bekannt unter dem Namen Erich Kästner, das Drehbuch geschrieben hatte.
Auch der antienglische Film »Ohm Krüger«, in dem dem deutschen Publikum mit eindeutiger Tendenz die KZs vorgeführt wurden, die die Engländer im Burenkrieg eingerichtet hatten, sollte ein Erfolg werden - der großartige Schauspieler Emil Jannings gab sich für die Hauptrolle her (und bezahlte später dafür teuer).
.
Die reichseinheitlich gezeigte »Deutsche Wochenschau«
Die seit 1940 reichseinheitlich gezeigte »Deutsche Wochenschau« wurde zu einem Hauptanziehungspunkt des Vorprogramms. Wöchentlich erlebten rund 20 Millionen Kinobesucher in den technisch hervorragend gemachten Dokumentationen »hautnah« die scheinbar immerwährenden Erfolge - Sige - der deutschen Truppen mit. Niederlagen wurden systematisch verschwiegen, die Lügenpropaganda perfekt inszeniert.
Untersuchungen ergaben, daß wegen der blendenden Qualität der Wochenschauaufnahmen von den Kriegsschauplätzen Europas allein im Sommer 1940 ein um 90% höherer Kinobesuch verzeichnet werden konnte als im gleichen Zeitraum des Vorjahres.
In den Jahren der großen Siege erfreuten sich sowohl eindeutige Propagandafilme wie scheinbar harmlose Liebesklamotten, Unterhaltungsfilme mit politischer Tendenz wie auch einfältig harmlose Komödien großer Beliebtheit.
Ob der erste Farbspielfilm »Frauen sind doch bessere Diplomaten«, Willi Forsts Ausstattungsoperette »Wiener Blut«, der rassistische Veit-Harlan-Streifen »Jud Süß«, Rabenalts »... reitet für Deutschland« oder Kurt Hoffmanns »Quax der Bruchpilot«:
Millionen von Deutschen blieb der Film eine willkommene Ablenkung vom zunehmend trister werdenden Alltag.
.
Ganz dunkle Wolken und das heraufziehende Debakel
Angesichts des heraufziehenden Debakels entwickelt das Publikum ein Bedürfnis nach Ausgleich, Frieden und Harmonie, das durch die größten Filmerfolge am weitgehendsten befriedigt wird:
In »Wunschkonzert« wird das magische Band zwischen Front und Heimat geschlungen, der Film bietet für jeden etwas: »Gute Nacht Mutter« läßt das Publikum mitschluchzen, Marika Rökk schmettert flotte Schlager, die Berliner Philharmoniker spielen auf, der Weiß Ferdl trägt vorgeblich gewagte Witze vor.
Und dann der Film »Die große Liebe«, in dem der Krieg schon näherrückt und auch die elegante Primadonna im Luftschutzkeller in die Reihen der Volksgemeinschaft findet. Die Durchhaltelieder des Films sind exemplarisch für ihre Zeit - Zarah Leander hatte sich mit »Ich weiß, es wird einmal ein Wunder geschehn« und »Davon geht die Welt nicht unter« endgültig in die Herzen einer nach Millionen zählenden Anhängerschaft gesungen.
Das Publikum schmolz dahin, wenn die ungekrönte Diva des deutschen Films mit erotisch-rauchiger Stimme den Durchhaltewillen und die Hoffnung aller auf eine schönere Zukunft beschwor:
- »Ich weiß, es wird einmal ein Wunder geschehn, und dann werden tausend Märchen wahr.« Die Schlußzeile »... und ich weiß, daß wir uns wiedersehn!«
ließ ausgestandene Ängste verblassen - es war ja alles gar nicht so schlimm:
- »Davon geht die Welt nicht unter, sieht man sie manchmal auch grau. Einmal wird sie wieder bunter, einmal wird sie himmelblau! Geht's mal drüber und mal drunter, wenn uns der Schädel auch raucht: Davon geht die Welt nicht unter, die wird ja noch gebraucht!«
.
Hier wieder ein Blick auf die vielen Bilder und Fotos
Die »willensmäßige Einheit des Volkes«, wie Hitler sie sich vorstellte, war nur durch die totale Erfassung des einzelnen möglich.
Durch die Gleichschaltung aller bedeutenden staatlichen, gesellschaftlichen und kulturellen Organisationen schien dies auch zunächst zu gelingen, obwohl es Freiräume gab.
Künstler von Bühne und Film konnten sich noch am ehesten dem direkten Zugriff des Regimes entziehen, denn was über die Leinwand flimmerte, sollte sich möglichst unterhaltsam und propagandafrei anhören und -sehen.
Am Silvesterabend 1938 feiern im Atelier der Tobis-Filmgesellschaft die Schauspieler Irene von Meyendorf f, Victor de Kowa, Dorothea Wieck (auf dem Tisch), Olga Tschechowa und Karl Mar-tell scheinbar unbeschwert in das Kriegsjahr 1939 hinein (Bild 101).
Für den normalen Bürger war der Alltag jedoch viel stärker im Sinne der nationalsozialistischen Ideologie ausgerichtet: Die Kleinen durften sich während öffentlicher Demonstrationen der Wehrmacht im Tarnen von Fahrzeugen üben (Bild 102),
Für den »Gemeinschaftsempfang« war ebenfalls gesorgt: Während einer offiziellen Führer-Rede wagte niemand, den »Deutschen Gruß« zu verweigern - hier in den Warteräumen einer Münchner Behörde (Bild 103).
Millionen von Volksempfängern sorgten für eine ständige Berieselung der Erwachsenen (Bild 104)
Die Olympischen Sommerspiele von 1936, die in Berlin und Kiel stattfanden, wurden vom NS-Regime für dessen ureigenste Interessen ausgeschlachtet. Die perfekte Organisation, die offiziell verordnete Festlichkeit und die ehrliche Gastfreundschaft vieler Bürger begeisterte auch die ausländischen Teilnehmer.
Die Wettkämpfe zogen fast vier Millionen Zuschauer an, die enthusiastisch die großartigen sportlichen Leistungen eines Jesse Owens oder Lutz Long (Bild 105), des Speerwurfsiegers Gerhard Stock oder des Hammerwerfers Karl Hein feierten.
In den letzten Friedensjahren war der Automobilsport besonders populär geworden und das Rennfahrer-Kleeblatt Hans Stuck, Hermann Lang, Rudolf Caracciola und Bernd Rosemeyer heimste die großen nationalen und internationalen Preise ein.
Caracciola nach einem Sieg mit einem Mercedes-Benz-Zwölfzylinder (Bild 106).
Die Olympischen Winterspiele 1936 fanden in Garmisch-Partenkirchen statt. Auch hier regnete es für die Deutschen Medaillen:
Gold für Christi Cranz und Franz Pfnür in der Alpinen Kombination sowie für die Publikumslieblinge Maxie Herber und Ernst Baier im Paarlauf (Bild 107).
Im selben Jahr feierte Max Schmeling, hier mit seiner Frau, der Schauspielerin Anny Ondra (Bild 108), seinen größten sportlichen Triumph:
Am 19. Juni boxt Schmeling den farbigen amerikanischen Schwergewichtsweltmeister Joe Louis k.o. Millionen von Deutschen verfolgen diesen Kampf an den Volksempfängern,
und die nationalsozialistische Presse feierte diesen Sieg als Beweis für die Überlegenheit der weißen Rasse.
Goebbels telegraphierte an Schmeling:
»Ich weiß, Du hast für Deutschland gekämpft, es war ein deutscher Sieg. Wir sind alle stolz auf Dich. Heil Hitler!«
.
Und noch mehr Fotos
Der Normalbürger hatte den Exodus einiger Schauspieler, Regisseure und Interpreten kaum bemerkt .....
- Anmerkung: Es durft über solche Aussiedler - allermeist mit jüdischer Abstammung oder mit kommunistischer Gesinnung - nichts und nirgendwo veröffentlicht werden.
..... und die Goebbelssche Reichskulturkammer "bemühte" sich, den Bühnenbetrieb, soweit es in den Rahmen der offiziellen Propaganda paßte, so wenig wie möglich zu reglementieren.
- Anmerkung : Das stimmte leider überhaupt nicht. Es wurde überall und alles durch die Reichskulturkammer - deren Zwangsmitglied jeder bei Film oder Theater Beschäftigte sein mußte - reglementiert.
Klassische Dramen und »Volksstücke«, Lustspiele und Rührstücke standen weiterhin auf dem Programm.
Bernhard Minetti, Käthe Dorsch und Gustaf Gründgens feierten unter der Regie von Jürgen Fehling (Bild 109) ebenso Triumphe wie das zunächst noch geduldete
»Kabarett der Komiker« (Bild 110) in Berlin.
Viele Ufa-Filmgrößen ließen sich in die von Goebbels kontrollierte Filmindustrie einspannen:
Werner Krauss und Ferdinand Marian im antisemitischen Hetzstreifen »Jud Süß« (Bild 111),
Paul Hörbiger und Zarah Leander im Kassenschlager »Die große Liebe« (Bild 112) oder
Willy Birgel in ». . . reitet für Deutschland« (Bild 113).
.


















