„Führer und Verführte" - ein Buch aus dem Dezember 1945
Der Autor Hans Windisch hat nach den Aufzeichnungen seiner Vita bereits 1940 angefangen, sein Wissen um die Machenschaften der Clique um Adolf Hitler und die Publikationen in den reichsdeutschen Medien aufzuschreiben. Diese Aufzeichnungen sind den Zetteln des Albert Speer in seiner 20-jährigen Haft in Spandau wiederum sehr ähnlich. Auch die Aufzeichnungen des Dr. Eugen Kogan ein seinem Buch „Der SS-Staat" beschreiben die unbekannten Seiten des Hitler Regimes.
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HANS WINDISCH - FÜHRER UND VERFÜHRTE
Erste Auflage - FÜR DEN FRIEDEN DER WELT - GEGEN DEN GEIST DER MASSE - EINE ANALYSE DEUTSCHEN SCHICKSALS - Published under "Office of Military Government (Bavaria) Information Control-Division" - License No. US-E-107, AP0 405, U.S. Array.
Diese Zeilen wurden Mitte November 1945 geschrieben - Printed in Germany. Copyright 1946 by Heering-Verlag, Dr. Waltlier Heering, in Seebruck am Chiemsee, Oberbayern. - Ladenpreis broschiert 6.80 RM
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EINLEITUNG.......... 9
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Buch I - DER DEUTSCHE TOTENTANZ
(Kritischer Teil)
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- Geschlagenes Volk........... 27
- Der deutsche Wahn ......... 28
- Von Irrtum zu Irrtum........ 32
- Von den Wurzeln des Übels .... 51
- Unter dem Gesetz der Masse..... 70
- Frauen machen Geschichte...... 95
- Märtyrer ................ 103
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Buch II - FÜHRER UND VERFÜHRTE
(Analytischer Teil)
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- Der Retter...............109
- Unter der Hundepeitsche.......121
- Wahn wird Geschichte ........ 124
- Außen-Politik .............102
- Der Erlöser ..............134
- Die Paladine,..............108
- Das böse Prinzip............110
- Ein Mythos wird fabriziert.....145
- Die „Weltanschauung"........150
- Die „Idee" der Bewegung.......157
- Die Methoden............. 161
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Buch III - WAS WIRD WERDEN?
(Synthetischer Teil)
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- Die Lage................177
- Moloch als Erzieher..........185
- Bilanz nach innen...........190
- Der neue Mensch...........195
- Nimm Kraft aus deiner Schwäche ....203
- Freiheit? Gerechtigkeit?....... 212
- Oder nur Vernunft?......... 218
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Buch IV - VOR DER GRÖSSEREN ENTSCHEIDUNG
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- Die Atomenergie ........... 223
- Das Ende?............... 231
- Eritis sicut deus ........... 239
- Zwischen den Zeiten......... 243
- Das Ultimatum ............ 282
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Gegen die Utopien eines tragischen Wahns
setzen wir DEUTSCHLAND
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EINLEITUNG
Diese Schrift ist keine eigentlich politische Schrift. Sie ist die Analyse einer Zeit, die an die letzten Fragen der menschlichen Existenz rührt. Sie ist auch so überpersönlich zu werten wie jede nüchterne Analyse. Aber hinter ihren Seiten steht ein mächtigeres Diktat: das Leid von Millionen Menschen, in Deutschland und draußen in der Welt.
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Der "Istzustand" im Nov. 1945
Wir haben den Sieger im Lande. Er hat die Macht. Kolleklivmaßnahmen treffen Gerechte und Ungerechte. Das war nie anders. Die Heimsuchung, die dem deutschen Volke widerfährt, ist schwer. Für viele ist sie furchtbar.
Vergessen wir aber nie, wodurch es so weit gekommen ist und wem wir das danken. Vergessen wir es keine Stunde. Unsere Zukunft hängt davon ab. Was sich vor den Augen der Welt abwickelt, ist die systematische Ausmerzung einer Idee, einer Geisteshaltung. Seltsamerweise ist dies ein Versuch, der mit Machtmitteln von vornherein aussichtslos ist, wenigstens auf dem direkten Wege. Es wäre dann gut, zu wissen, was sich eigentlich und unter der Oberfläche abspielt.
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Meine Gedanken zu einer "Idee"
Denn eine Idee kann sich immer nur auflösen, sie kann absterben, sie kann aber niemals gewaltsam ausgemerzt werden. Sie weicht weder Gesetzen, noch Panzern.
Das hat mehrere Gründe:
Der erste: Ideen sind, da sie gefühlsmäßig verankert sind, Ver-nunftgründen schwer und materiellen Machtmitteln überhaupt nicht erreichbar. Das ist ein Erfahrungssalz.
Der zweite : daß die Verwirklichung einer Idee verhindert wird, bedeutet nicht ihre Abtötung. Sie verkriecht sich lediglich, dem Zugriff entzogen glimmt sie unterirdisch weiter, frißt ungestört neue Zonen an, breitet sich aus und tritt in eine zweite Phase ein. Denn von zwei Plagen erscheint immer die gegenwärtige - hier die Fremdherrschaft - als die härtere. Früher war es „noch immer besser als jetzt".
Es braucht kaum erst bewiesen zu werden: eine Geisteshaltung ist mit materiellen Mitteln nicht zu brechen. Nur ihre sichtbaren Manifestationen kann man verhindern. Das Privileg, nicht zu fassen zu sein, haben zwei Erscheinungen: der Heilige und der Narr. Jede bewegende Idee hat von beiden etwas.
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Die Vorausetzungen
Wir setzten dabei voraus, die Idee habe noch Lebenskraft. Die Idee nun, um die es sich hier handelt, hat Deutschland vernichtet. Was sie alles möglicherweise wert gewesen wäre, ist dann ohne Belang. Sie ist somit hoffnungslos für jetzt und immer, wie sie auch beschaffen sein mag. Das schließt nicht aus, daß sie die Hartnäckigkeit aller Glaubenssätze hat und daß sie gerade unter Trümmern weiterlebt und um sich greift, als Spuk, als die seelische Krücke seelisch Lädierter.
Fassen wir zusammen: auch die Gewalt kann eine Idee nicht ausrotten - und sei sie nur noch der verbrochene Rest einer Idee. Sondern eine Idee, eine Überzeugung weicht immer nur einer a n der e n Überzeugung. Dann erst stirbt sie ab.
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Über die Machtmittel der Besatzungsoldaten
Die Tatsache, daß Machtmittel eine Geisteshaltung nicht zu brechen vermögen, ist selbstverständlich denen nicht unbekannt, deren Soldaten in Deutschland stehen. Jedoch: sie kann Urnen völlig gleichgültig sein.
Ihre Machtmittel schließen die Verwirklichung jeder Art von unerwünschter Idee aus, der geheiligtsten wie der schwachsinnigsten. Sie können sich auf fünf, auf zwanzig, auf vierzig Jahre einrichten, es berührt sie nicht. Jedoch, uns :
Das bedeutet: je eher und gründlicher die Reste einer Wahnidee der Einsicht weichen, umso eher werden die Machtmittel gegen sie überflüssig. Das heißt für uns und unsere Position:
Nationales Empfinden kann man nur Toten verbieten. Dem unseren Empfinden aber erwachsen jetzt ganz andere Aufgaben als je - eben seit die gescheiterte Idee Deutschland zugrundegerichtet hat. Fäuste, die sich in der Tasche ballen, weltfremder Idealismus, unerschütterlicher Starrsinn hinter eisernen Stirnen - alles das sabotiert die künftige deutsche Freiheit.
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Deutsch sein heißt heute .......
Deutsch sein heißt heute: das deutsche Volk frei machen dadurch, daß seine Bewachung überflüssig wird, je eher, je besser.
Es heißt somit, das deutsche Volk freimachen von den Resten einer Idee, die uns ihren lebendigen Gegenbeweis ins Land geholt hat! So bald wie möglich und so endgültig wie möglich. Wir allein regulieren zuletzt den Druck, der auf uns liegt, seine Härte und seine Dauer.
Gegen die Utopien eines tragischen Wahns setzen wir Deutschland. Denn einzig das ist uns jetzt wichtig - die Trümmer, die uns der Wahn davon übrig ließ.
Für diese deutsche Idee ist jetzt die Stunde gekommen, und gegen das deutsche Volk arbeitet, wer nicht diesen letzten Weg freimachen hilft, der uns geblieben ist.
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Alle werden gebraucht.
Wir können es uns nicht leisten, diejenigen beiseite zu stoßen, die der deutsche Totentanz zu einer späten Einsicht gebracht hat, - einmal muß Friede sein. Und jetzt können sie zeigen, wer sie sind und ob sie wirklich Deutschland meinten. Jetzt gilt nur noch der Kopf und das Herz.
Jeden Menschen guten Willens geht es an, ihm soll man goldene Brücken bauen. Was nur der Kopf, was nur die Vernunft diktiert, mag trotzdem bitter schwer werden. Aber für Gefühle ist es zu spät.
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Der Zweck dieser Schrift: Klarheit !
Klarheit und Nüchternheit ist jetzt alles. Auch die Gedanken liegen noch unter Schutt, und die Geschehnisse sind noch von giftigen Dämpfen uitischleiert. Der Schutt muß abgetragen und die Schleier müssen weggefegt werden. Klarheit und Nüchternheit ist jetzt alles.
Es ist unvermeidlich, daß der Leser - der deutsche wie der außerdeutsche - vor Probleme des präzisen, kalt abwägenden, affektfreien Denkens gestellt wird, eines Denkens aus genügend weiter Sicht und abwägend nach allen Seilen hin. Sein Urteil soll er selbst fällen.
Aber ohne die Bereitwilligkeit, zu Ende zu denken, kann er sich nicht einmal mit sich selbst verständigen - und das ist der Zweck dieser Schrift: Klarheit. Klarheit ist eine große Erlösung. Sie macht wieder zum Menschen, was willenlose Sache war.
Eine nüchterne Analyse ist notwendig. Sie muß das, was über ein Jahrzehnt lang dumpf auf den deutschen Menschen gelastet hat, bewußt und überblickbar machen - und damit auch korrigierbar.
Es ist nötig, daß Vorgänge und Strömungen, die unterirdisch im Organismus eines Volkes ablaufen, mit schonungsloser Offenheit und in voller Aufrichtigkeit bis zur letzten Konsequenz durchdacht werden. Dem Alpdruck des Gestern und der Fragwürdigkeit des Heute ist nur mit der Kälte des Gedankens zu begegnen.
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Es irrt, wer meint, es sei nur „schief gegangen".
Denn es ist nicht nur ein Krieg verloren worden, sondern die Linie einer tausendjährigen Geschichte bricht unvermittelt ab. Das bedeutet, daß eine Lebensform aus irgendwelchen Gründen gescheitert ist. Man stellt vor der unbegreiflichen Tatsache, daß sich ein altes Kulturvolk schlagartig zu Parias deklassiert sieht.
Dieser nahezu sinnlose Ablauf muß entschlüsselt werden. Denn die Werte von gestern können nicht über Nacht aus der Welt gekommen sein. Vor allem muß zwischen dem Wert dieses Volkes und seinem politischen Verhalten ein tiefer Zwiespalt bestehen, es muß, da beide sich nicht mehr decken, ein tiefer Riß durch den Organismus eines solchen Volkes gehen, ein Defekt in seiner inneren Aussteuerung.
Seiner Tradition nach muß dieses Volk gesund gewesen sein. Somit ist es nicht mehr gesund. Da es ein altes, kulturschöpferisches Volk ist, liegt der Verdacht nahe, daß der Biß durch sein Gefüge ein Verfallssymptom ist, d. h. daß es als altes Kulturvolk in das Stadium eingetreten ist, das die Lebenshöhe bereits überschritten hat und in dem es als Gesamtorganismus nach jahrhundertelangem Kraftverbrauch rein biologisch erschöpft ist. Gehen wir diesem Verdacht nach.
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Völker verfallen stets an ihren Spitzen
Völker verfallen stets an ihren Spitzen, den empfindlichen Zentralen, von denen her sie ausgesteuert werden. Diese Steuerorgane sind wertlos ohne die Substanz, auf die sie wirken können, die breiten Massen des Volkes.
Die breiten Massen ihrerseits sind wertlos ohne die Spitze einer erlesenen Minorität, eben des Steuerorgans. Erst von diesen beiden Voraussetzungen her ergibt sich ein drittes: das Kraftfeld zwischen diesen beiden Polen.
Ein Volk ist also nicht ein Sein, sondern eine lebendige Funktion: stromgeladenes Spannungsfeld zwischen Basis und Spitze.
Die Spitze jedoch ist nicht wesensfremd, sie ist Produkt, ist gewissermaßen Essenz des Gesamtvolkes. Somit: ein Volk, das einer Auslese, einer Elite nicht mehr fähig ist, muß demnach alt geworden, unfruchtbar und erschöpft sein, - es blüht nicht mehr. Schon das wertmäßige Absinken der Auslese muß automatisch das strombildende Gefälle Basis-Spitze herabsetzen: das eingeebnete System wird kraftloser.
Es bleibt nicht mehr bei Ermüdungserscheinungen, wenn das Gefälle Basis-Spitze völlig fehlt, eben da keine Spitze, keine Auslese mehr vorhanden ist. Der Gesamtorganismus wird dann nicht mehr durch die Funktion erhalten, von der er lebt. Es müssen sich dann schwere Funktionsstörungen insgesamt einstellen.
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Die steuerlose Masse als die Scheinblüte der „herrschenden Horde"
Die Masse ist dann steuerlos sich selbst überlassen. Aber auch das ist ein Lebensvorgang, daß sich jeder Organismus mit den letzten Mitteln aus sich selbst zu reorganisieren versucht, sobald er auf das äußerste gefährdet ist - die steuerlose Masse greift dann auf ihre eigene Substanz zurück und bildet eine Art Ersatzorgan: die Masse treibt die Scheinblüte der „herrschenden Horde", die nicht mehr Essenz ist, sondern Masse.
Masse ist an sich nur beharrend. Die Teile aber, die das Zentralorgan ersetzen sollen, müssen zu irgendwelchen letzten Gewaltmitteln greifen, um einen Organismus noch kurze Zeit am Leben zu erhalten, dem das Entscheidende fehlt: das strombildende Potentialgefälle Basis-Spitze.
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Wenn die Masse der Masse diktiert .....
Praktisch gesprochen: Die Masse diktiert der Masse, die Gewalt herrscht.
Diese Zusammenhänge können hier nur gestreift werden. Aber es geht daraus hervor: Prozesse dieser Art können sich nur in einem alten, altgewordenen Volke auf der Höhe seiner Kultur abspielen. Die „politische Unreife" ist also in Wahrheit biologische Überreife, sie ist nicht infantil, sondern sie ist Symptom einer völligen Verwirrung und Desorganisation im Gesamtorganismus eines Volkes, mit allen Fehlleistungen und Verzweiflungsakten und schließlich der Scheingesundheit einer Euphorie, - die aber in diesem Falle schon seit der Jahrhundertwende nicht mehr täuschen konnte, der Zeit nämlich, seit der eine Wert-Aristokratie in Deutschland nicht mehr besteht. Hinzu kam das von Haus aus Künstliche eines Systems, das auf dem „Untertan" aufgebaut war.
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Die Diagnose
Die Diagnose, die wir damit stellen müssen, ist also viel deprimierender als die der politischen Unreife. Obgleich auch diese dank einer Militär- und Beamtenhierarchie in Deutschland gewissermaßen planmäßig gezüchtet worden ist. Denn überall in den Hirarchien, in denen nur befohlen wird, braucht nicht gedacht zu werden. Befohlen wiederum wird nur dort, wo keine echte Elite vorhanden ist, denn die echte Elite „herrscht" nicht, so wenig wie Hirn and Nerven über einen Organismus herrschen, sondern ihn aussteuern.
Unser Ziel ist die Suche "einer" Wahrheit
Wir haben damit etwas vorweggenommen, was noch genauer zu erörtern ist. Es sollte dadurch aber das Verfahren charakterisiert werden, das wir einschlagen werden, und es sei deshalb eine klare Feststellung eingeschaltet, die alle Mißverständnisse von vornherein abschneiden wird:
Was diese Schrift sucht, ist naturgemäß eine Wahrheit.
Jedoch nicht eine juristische Wahrheit - sie zu diskutieren wäre sinnlos, denn die Geschichte hat bereits gesprochen. Was wir suchen, ist eine biologische, fast medizinische Wahrheit und zwar für uns und gegenüber dem scheinbar plötzlichen Zerfall eines scheinbar gesunden Organismus.
Es muß sich ergründen lassen, warum dieser geschwächte, in sich schüttere Organismus notwendig und folgerichtig zerfallen mußte und warum dies unter so grauenhaften Symptomen geschehen mußte.
Urteile ?
Man wird zwar Werturteile fällen müssen - denn welches Urteil wäre kein Werturteil -, im ganzen aber sachlich sezierend und gewissermaßen zeitlos verfahren müssen. Das Ergebnis des Zerfalls ist schon zu eindeutig, als daß sich noch Verteidiger und Ankläger um einen zunächst erledigten Fall versammeln sollten.
Aber der Ablauf ist auch zu endgültig, als daß es ihm gegenüber noch eine andere Betrachtungsweise geben könnte als die: daß man in der Tragik dieses Todeskampfes die Größe und Tragik alles Menschlichen sieht. Es muß deshalb klar sein:
Kein Verstehen eines solchen Todeskampfes könnte das Geschehene ändern und aus der Welt schaffen. Und auch das „Ich klage an" von Millionen fremder Toter bleibt bestehen, es ist das Recht der Lebenden.
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Wir fragen uns, was geschah und wie es geschah.
Tun wir das, so entgegnet der Ankläger noch immer: Unsere Toten stehen davon nicht auf, - jede Diskussion bleibt eine nachträgliche Rechtfertigung.
Nicht für uns. Wir haben für uns zu untersuchen. Und wenn man finden wird, daß die letzten Zusammenhänge so tief sitzen, daß es unmöglich war, etwas um sie zu wissen, so ist dagegen zu sagen: ein gesunder Organismus braucht um diese Funktionen nichts zu wissen, aber ein kranker. Deshalb versuchen wir zu klären, was geschah. Ohne zu beschönigen und zu verschleiern.
Aber auch diese Klärung hätte nur akademischen Wert, wenn sich nicht die Kernfrage beantworten läßt, die das Einzelschicksal stellt: „Wodurch habe ich, das winzige Einzelwesen, das alles mitverdient - und sei es passiv mitverdient."
Hier also sitzt das Kernproblem für siebzig Millionen Einzelschicksale. Man wird es aufgelöst finden durch die schicksalhafte Doppelrolle des Individuums, das sowohl autonome Persönlichkeit und somit frei ist, - wie auch anonymes Massepartikel und damit unfrei. Oder, um das Ergebnis vorwegzunehmen:
„Das Individuum verliert die Freiheit des Handelns in dem Maße, in dem es sich den Affekten einer Masse hingibt."
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Der kollektive Wahn und der kollektive Rausch der Massen
So klingt es in nüchternen Worten. Aber verhüllt hinter dieser kahlen Feststellung sitzt das düstere Rätsel der Massenseele, eines Prinzips von überpersönlicher, unberechenbarer Dämonie. Der kollektive Wahn und der kollektive Rausch, dessen Massen fähig sind, ist über aller Vernunft.
Hier stoßen wir auf die Gewalt, die aus der Tiefe herauf alles Festgefügte zu sprengen vermag. Es sind Kräfte, die sich in Jahrhunderten ballen.
Dunkel spüren wir es alle seit langem: es muß in dem Wahnsinn, der hinter uns liegt, ein fremder Faktor, ein unbekanntes X wirksam gewesen sein, ein unheimliches Etwas, das neu in die Geschichte eingetreten ist und das blind über alle menschlichen Werte hinweg stampft, das alle Beziehungen zwischen Menschen und Völkern wegfegt und umwertet, - ein überpersönliches und außermenschliches Prinzip.
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Es ist das Prinzip der Masse und der Massenbewegungen.
Es ist volksgebunden, nicht ichgebunden, und ohne ein Wissen um dieses Über-Ich der Masse ist es zwecklos über das Geschehene zu rätseln. Hier kauert diese Sphinx.
Im Prinzip der Masse und der Massenbewegungen haben wir das überpersönliche, geschichtsformende Prinzip der weißen Kultur der Neuzeit zu sehen und zwar als ein aus der Tiefe der Zeit auftauchendes destruktives Prinzip, als die Gefahr für alle. Denn auch andere werden das Rätsel dieser Sphinx noch zu lösen haben ...... Die Lösung, die ausblieb, sollte „der Mensch" heißen.
Die Sphinx schlug zu. Jetzt wissen wir, daß es sich um „den Menschen" handelte, nämlich um eine Entscheidung für alle Zukunft, nicht um Politik, nicht um neue Ordnungen und alte Phrasen, nicht um private Freiheiten und utopistische Gerechtigkeiten, sondern um Sein oder Nichtsein des Menschheitsganzen.
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Der Blick zurück ins frühe Mittelalter
Es ist seit dem frühen Mittelalter das tragische Geschick der Deutschen, daß auf ihrem Rücken geistige Entscheidungen durch Blutbäder ausgetragen werden, - bis auf den heutigen Tag und mit dem Ergebnis eines fürchterlichen Mementos zuletzt.
Wir kennen jetzt die Gefahr. Wir vermögen heute mehr vorzubringen als etwa Entlastungen und Erklärungen in eigener Sache. Wir wissen, was sich im eigentlichen, über den Tag und über diese Jahre hinaus begeben hat, und es könnte der Welt von Nutzen sein, es gleichfalls zu überdenken:
Der ungeheure Aufwand, den diese Welt dem Ausbruch eines besinnungslosen, explosiven Machtwahns (und nicht nur in Deutschland) entgegenstellte, war ein Vorgang von überzeitlicher und übernationaler Bedeutung: es war die zu Tode erschrockene Abwehr gegen ein neu in die Geschichte eintretendes Prinzip, - gegen das dämonische, außermenschliche Prinzip der Masse und des geballten Massenwahns, gegen die Umklammerung einer tausendköpfigen Hydra, die aus den Jahrtausenden heraufkroch, langsam, zäh, unentrinnbar und schließlich ihre Gifte entladend.
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Deutschland war die Warnung, an alle.
Die Warnung heißt: Geist der Massen.
Aber wir werden auch zu zeigen haben: die Schuld in der Masse befreit nicht von der persönlichen Schuld. Jeder Einzelne, der dem Geist der Masse huldigte, huldigle in Wahrheit dem triebhaft primitiven Teil des eigenen Ich, - und das im Schutze der Masse.
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Was passierte im Organismus der Masse, des Volkes ?
Daraus erwächst die weitere Frage, was eigentlich sich im Organismus der Masse, des Volkes, abgespielt hat.
Geklärt werden müssen somit die psychologischen und soziologischen Abläufe der zwölf Jahre, die mit der deutschen Katastrophe endeten. Diese Abrechnung wird die Worte des einstigen „Führers" der deutschen Nation allzu sehr bewahrheiten: „Es gibt vor der Geschichte keine Entschuldigungen."
Geklärt werden müssen die Folgen dieser zwölf Jahre: die Härte der Tatsachen, vor denen das deutsche Volk heute steht. Sie müssen mit illusionsloser Nüchternheit auf ihren Zukunftswert untersucht werden.
Dann erst kann die Analyse zur Synthese werden und es kann die Kernfrage gestellt werden: ob für ein Volk in einer solchen Lage überhaupt ein neuer Sinn, ein neuer Lebensinhalt zu finden ist, ein Ziel ohne Resignation.
Nur so kann man vom Negativen her zum aufbauenden Positiven gelangen: nach Sichtung der lebensfähigen Substanz, die dem deutschen Volke verblieben ist.
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Das sind Weg und Ziel dieser Schrift.
Sie wendet sich demnach an alle Menschen guten Willens, in Deutschland und außerhalb Deutschlands. Ihre einzige Tendenz hat das Suchen nach Klarheit zu sein, ohne Phrasen, ohne Furcht und ohne Rücksichten.
Sie ist weder eine einseitige Sammlung aller Anklagen gegen Deutschland, noch eine ebenso einseitige Entlastungsschrift für Deutschland. Beide Deutungen sind notwendig falsch, denn beide Betrachtungsweisen sind für sich allein ohne konstruktiven Wert. Beide aber sind die Elemente, aus denen sich ein Drittes ergeben soll: die Richtung, der Weg in irgendeine Zukunft.
Es gibt vor der Geschichte keine Entschuldigungen.
Der Verführte wird durch Unfähigkeit und Unreife nicht weniger gefährlich. Aber es muß versucht werden, eine Brücke menschlichen Verständnisses auch nach außen zu schlagen, denn denen, die nicht mitten unter uns gelebt haben, sind wir noch immer unbekannt, fremd, ja rätselhaft.
Wir werben um Einsicht. Das deutsche Volk ist heute für das kleinste Zeichen von Güte empfänglich. Schweigen wäre dann eine Verewigung dumpfer Schuld, wäre geistige Waffenstreckung. Es gilt hinzuzulernen, auch für die, die eine neue Verantivortung tragen: die Verantwortung, Sieger zu sein.
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Über die Generation, die beide Weltkriege erlebt hat
Noch lastender sind unsere Sorgen nach innen. Es gibt in Deutschland nur noch eine schwache lebendige Brücke in die Zukunft. Die vererbbare geistige und kulturelle Substanz des deutschen Volkes liegt in den Händen einer dünnen Schicht alternder und abgekämpfter Menschen: der Generation, die beide Weltkriege erlebt hat und die einzig berufen ist, ein reifes Urteil zu haben und den Rest des deutschen Erbes an eine junge Generation weiterzugeben, - an eine Generation aber, deren Weltbild zusammengebrochen und deren Lebensinhalt vernichtet ist, die materiell und ideell vor dem Nichts steht und die kein Wissen haben kann über die letzten tragischen Gründe unseres Versagens.
Denn wir sind es, unsere Generation (der Autor war damals 1946 um die 55 Jahre alt) ist es, die die Pflicht des Bekenntnisses hat und die Pflicht der Aufrüttelung der letzten seelischen Reserven. Um Mitleid werben wir besser nicht, aus vielen Gründen. Vergessen wir lieber niemals, wem wir unser Elend danken.
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Wir kommen zu der eigentlichen Existenzfrage
Es ist kein Zweifel mehr: jetzt erst wird die Existenzfrage gestellt. Nicht im Kriege gehen Völker zugrunde, aber danach. Der Krieg hat das deutsche Volk nicht ausgetilgt - aber der Friede könnte es tun, und es verpflichtet zu den letzten Einsichten, wenn man weiß, daß ein Volk auch assimiliert werden kann, daß es langsam oder schnell aufgesaugt, in Lösung aufgehen und verschwinden kann. Ansätze hierzu sind vorhanden, von außen und von innen her.
Dann hat es sich zu entscheiden, ob wir in der Tat ein in Lethargie dahinsterbendes Volk sind oder ob wir noch der inneren, der seelischen Dynamik einer Erneuerung fähig sind, - trotz oder dank aller politischen und wirtschaftlichen Belastungsproben. Denn in letzter Instanz werden Völker stets durch geistige Prinzipien ausgesteuert, durch eine ganz bestimmte und bestimmende Geisteshaltung.
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Hitlers Urteil über "sein" Volk .....
Es hat sich dann zweierlei zu ergeben:
Ob das deutsche Volk in der Tat so niedrig zu bewerten ist, wie es sein einstiger Führer bewertete: „Die geistige Aufnahmefähigkeit eines Volkes ist gering und seine Vergeßlichkeit groß."
Mit anderen Worten: es soll sich ergeben, ob das deutsche Volk in der Tat und von Haus aus geistig minderwertig ist.
Und zum zweiten: ob es sich aus der Lethargie hochzureißen vermag, in der es jetzt, am Ende seines Totentanzes, liegt. Diese Entscheidungen sind unausweichlich.
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Die Analyse
Aber zunächst haben wir eine Analyse durchzuführen. Es wird gut sein, wenn man sich zuvor über den Geist und das Verfahren einigt, das dabei eingeschlagen werden soll. Am besten geschieht es wohl aus einem Geiste heraus, dem nichts Menschliches fremd ist, weder am eigenen noch am fremden Wesen.
Die Einstellung des Blicks wird vom Objekt selbst diktiert. Denn Objekt der Betrachtung ist nicht ein verlorener Krieg, - Objekt der Betrachtung ist offenbar eine der größten geistigen Niederlagen aller Zeiten, erlitten von einem Volke, das, als Kern Zentraleuropas, der Welt seit dem 19. Jahrhundert einen Großteil ihrer gesamten Kultur und Zivilisation geliefert hat.
Dieser Ablauf ist ungeheuerlich und zunächst völlig paradox. Wenn überhaupt, so kann hier nur eine Betrachtungsweise Sinn haben, die den Standpunkt nach einem räumlichen und zeitlichen Außerhalb verlegt, also eine historische Betrachtungsweise aus größtmöglichem Abstand und aus unpersönlicher, überzeitlicher Sicht. Wir dringen als nüchterne, kritische Betrachter in eine Geschichtsphase ein. Wir lesen gewissermaßen als Urenkel eine Schrift aus verworrenster Zeit.
Wir werden sezierend und zergliedernd vorgehen und Gefühle werden schweigen müssen. Wir werden nüchtern abwägen, aber das Pro und das Kontra muß sein volles Gewicht erhalten. Dieser Kühle der Betrachtung wird auch der Leser fähig sein müssen, der deutsche und der nichtdeutsche. Sie fordert oft die Abschaltung alter, in den festen Bestand, übergegangener Denkgewohnheiten und Grundwerte und ist deshalb viel schwieriger aufzubringen als dies zunächst erscheint.
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Ein wild verstrickter Knäuel verworrener Fäden
In einem Gestrüpp von Irrtümern den Weg suchend, werden wir uns vielleicht auch einmal irren. Aber das wäre kein Unheil, denn etwas anderes ist wichtiger:
Was vor und hinter uns liegt, ist, geschichtlich gesehen, ein fast unentwirrbarer Komplex menschlichen Meinens, Glaubens und Irrens - aber immer doch Teil und Ausschnitt allen menschlichen Meinens, Glaubens und Irrens. Es liegt vor uns wie ein wild verstrickter Knäuel verworrener Fäden.
Dann wird es das Klügste und Beste für jeden von uns sein: aus einem verständigen und verstehenden Geiste heraus die verwirrten Fäden zu ordnen, sie zueinander zu gruppieren und dabei zu prüfen, was sich als haltbar, was sich als fragwürdig und was sich als morsch erwiesen hat. Es sind auch die Schicksalsfäden darunter, die in die Zukunft führen, an sie werden wir wieder anknüpfen.
Jedoch: haben wir alle Geschichte erst einmal als ein unendlich kompliziertes Gespinst aus Schicksal, blindem Streben und Irrtum begriffen und versuchen wir, die Struktur dieses Gewebes zu entwirren, so werden wir auch von vornherein jedes landläufige und summierende, jedes Kollektivurteil ablehnen, sei es für uns, sei es wider uns. Denn Kollektivurteile sind die einfachste und gleichzeitig gefährlichste Form der Geschichtsfälschung.
Oft wird uns zuletzt nur eine präzise Fragestellung übrigbleiben. Sie wiegt dann mehr als eine schlechte und unpräzise Antwort.
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Klarheit ist eine große Erlösung.
Klarheit ist eine große Erlösung. Der Weg, den wir um der Klarheit willen gehen werden, ist der:
- Erstens
bewerten wir das Geschehen in Deutschland kritisch und zwar vom denkbar nüchternsten Gesichtspunkt her: dem des praktischen Erfolges oder Mißerfolges. - Zweitens
analysieren wir die inneren Ursachen des Mißerfolges, Ursachen etwa, wie sie in einer Welt der nüchternen Realitäten notwendig zum Mißerfolg führen müssen. - Drittens
versuchen wir mit den Resten dessen, was uns verblieben ist eine Synthese, eine neue Zielsetzung zu finden.
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Dies alles würde genügen, uns eine Aufgabe zu erleichtern, die wir täglich zu lösen haben: von allen Völkern der Erde das einsichtsvollste sein zu müssen. Leid schult... Wir wissen freilich noch nicht, wofür.
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Gesucht : Der Blick über das Ganze, die Zusammenhänge
In der Aufgabe, vor der wir stehen, sitzt gleichzeitig eine Warnung. Es ist eine Aufgabe des Denkens in großen, oft in größten Zusammenhängen.
Zunächst stehen wir vor einem ungeheuren Gewirr von Tatsachen und Beziehungen, Argumenten und Gegenargumenten. Es würde dann zu völliger Sinnverdrehung und zu einem gänzlich falschen Bilde führen, wollte man einzelne dieser Tatsachen und Argumente zusammenhanglos herausgreifen und isoliert bewerten.
Soll ein Gesamtbild entstehen, so kann man nicht den Ankläger, den Verteidiger und die Geschworenen gleichzeitig sprechen lassen. Was etwa der Ankläger vorzubringen hat, mag erst viel später vom Verteidiger in ein neues Licht gestellt werden und sein Gegengewicht finden oder sogar seine Entkräftung. Dieses methodische Verfahren ist das einzige, das Aussicht auf eine Klärung bietet. Dann erst ergibt sich zuletzt der Blick über das Ganze, über die großen Zusammenhänge.
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Nichts geschieht im luftleeren Raum.
Was hinter und vor uns liegt, ist ein Menschheitsproblem, und erst aus der Sicht über die letzten Zusammenhänge wird sich zeigen, daß das, das wir isoliert und vorläufig in sich abgeschlossen sahen, nur Episode war, nur Phase in einem Geschehen von viel größerer Konzeption, weder isoliert, noch abgeschlossen und ein Ablauf, der, jenseits aller Politik, keinem Einfluß mehr zugänglich ist.
Erst der Blick über dieses Ganze gibt den Schlüssel zu der Episode, die hinter uns liegt. Und von da ab richten sich die entscheidenden Fragen nicht mehr an uns allein.
Denn es ist keine Frage mehr und von allen Seiten her wird der Gedanke immer zwingender: die Entwicklung der weißen Menschheit ist an einem Punkte angelangt, an dem alle ihre Seinsgrundlagen in Frage gestellt sind.
Natürlichen Abläufen entfremdet, hat sie sich eine Zivilisation geschaffen, die mehr und mehr zur künstlichen Grundlage des Seins wird, die in ihrer Überspitzung zum offenbaren Widersinn geworden ist und sich gegen den Menschen richtet: sie führt zu immer verzweifelteren Aktionen der Selbstvernichtung.
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Die Symptome eines seelischen Zusammenbruchs
Es ist aber gegen den Sinn des Lebens und es ist ein düsteres Memento, wenn ein Wesen gegen sich und gegen die eigene Art wütet. Ohne Frage sind alle diese Ausbrüche einer nie dagewesenen Grausamkeit und Vernichtungswut Symptome eines seelischen Zusammenbruches.
Was um uns geschehen ist und geschieht, zeigt eindeutig die Formen einer Angsthysterie, die keinen Ausweg mehr sieht, die am Menschen verzweifelt und sich dämonischen Mächten preisgibt.
Wir können keineswegs sagen, ob diese Dämonie, von der die Menschheit erfaßt ist, sich schon ausgerast hat oder vielleicht noch unwahrscheinlichere Formen annehmen wird. Denn selbstverständlich ist die Atombombe kein Zufall, sondern sie ist die Krönung eines Prinzips, das Ende eines Wegs.
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Die Erkenntnis vom Dezember 1945
Wir können auch nicht sagen, ob diese an sich selbst verzweifelte Menschheit noch fähig sein wird, einen neuen und gänzlich anderen Weg von vorn zu beginnen oder ob sie, als gescheitertes Experiment, für das Ende reif ist.
Ihrem Weg voran leuchtete das Primat des Intellekts. Das Primat und die Vergottung des Intellekts aber bedeutet gleichzeitig das Primat der Skepsis, des Zweifels, - der Zweifel wird zur Seinsgrundlage.
Vom Zweifel als Prinzip führt ein gerader Weg in die Verneinung und von dort in das Chaos.
Auf dem Höhepunkte ihrer Krisis zeigt unsere Zeit diese drei Etappen der Auflösung gleichzeitig, hier stärker, dort schwächer.
Aber schon von der ersten Etappe her ist zu sehen: dieser Weg ist gleichzeitig ein Ende, er war eine Sackgasse. Es wird ein neuer gefunden werden oder keiner mehr.
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