Sie sind hier : Startseite →  Fernseh-Historie→  60 Jahre Fernseh-Geschichte→  Fernsehhistorie 38 (1984)

60 Jahre Berichterstattung über Film und Fernsehen
Norbert Bolewskis gesammelte Rückblicke von 1947 bis 2007

1984 - Jetzt wird alles digital werden

Es hat kaum ein Jahr wie 1984 gegeben. in dem eine solche Fülle langer - über mehrere Folgen gehender - Beiträge in der FKT erschienen ist. Der Grund war die doch unverkennbar deutliche Zunahme der Digitaltechnik in allen fernsehtechnischen Bereichen. Das verlangte ausführlichere, grundsätzlichere Darstellungen.

Und ein ganz wichtiges Datum: Im Januar 1984 kam mit Sat.1 und RTL das private Fernsehen in die Bundesrepublik Deutschland.

Jürgen Heitmann - noch heute gern gelesener Autor der FKT - schrieb eine vierteilige Folge über die Grundlagen der digitalen Videoaufzeichnung, ihrer Standardisierung und Entwicklung (Bild 165). Die Grundlagen und Verfahren der digitalen Audiotechnik wurden gar in 12 Teilen behandelt. Immerhin auf zwei Teile brachte es der Aufsatz über Timebase- Korrektoren und Frame-Synchonizer.

Die Anwendungen zur Kompensation von Laufzeitfehlern in Videosignalen wurde über derartige Timebase-Korrektoren oder Frame- Synchronizer gesteuert und hier zeigte sich, dass sie aufgrund neuentwickelter, hochintegrierter Schaltkreise auch für weitere Anwendungen herangezogen wurden. Durch die PAL-8- er-Sequenz ergaben sich sehr komplexe Codierungen, die eingehend beschrieben wurden.

An bemerkenswerten Neuentwicklungen gab es die erste, moderne Generation von Kinoprojektions-Objektiven, Cinelux-Ultra. Diese Baureihe setzte wesentliche Qualitätsmaßstäbe für die 35-mm-Filmprojektion (Bild 166).

1984 - Das ZDF legt in Mainz los

Und zum Jahresende, genau zum 6. Dezember 1984, gab es einen großen Bericht über das nach sechsjähriger Bau- und Einrichtungszeit in Betrieb genommene ZDF-Sende- betriebsgebäude. Es gliederte sich in den Produktionskomplex, den Bearbeitungs-, Aufzeichnungs- und Wiedergabekomplex, so wie den Sendekomplex und die Rechnersteuerung (Bild 169).

Schließlich wurde das Betacam-Verfahren vorgestellt und ebenfalls in mehrteiliger Folge in den Grundlagen und der Übersicht beschrieben.

1985 - analoges HDTV kontra D2-MAC ?

1985 ging es so richtig los mit dem (inzwischen sogenannten 1250-) HDTV, natürlich nur in der Forschung und Entwicklung. Trotzdem dachte wohl niemand daran, dass wir heute, fast ein Vierteljahrhundert später, immer noch darüber reden werden. Zahlreiche Artikel zu Bildverbesserungsmaßnahmen und bei HDTV (vorzugsweise analog) durchziehen die Ausgaben dieses Jahres.

Prof. Schönfelder, Prof. Wendland, Dr. Schröder, Dr. Reimers waren in der FKT die Protagonisten, die sich mit dem Thema aus unterschiedlichsten Blickrichtungen, seien es Kamera- oder Mischerentwicklungen oder ähnlichem beschäftigten.

Anmerkung der Redakation: Warum Professor Hausdörfer da nicht genannt wurde, ist rätselhaft geblieben.

Viele dieser Beiträge führten zur Sonderpublikation der FKT mit dem Titel "Techniken für Fernsehsignale erhöhter Bildqualität", mit insgesamt 14 ausgesuchten Veröffentlichungen, über Bildabtastung Verarbeitung im HDTV-Studio, Schaltungstechnik für hochauflösende Bildschirmsichtgeräte und vielem mehr. Diese Sonderpublikation wurde noch viele Jahre später immer wieder nachgefragt. Mit der von vielen Seiten beeinflussten Entscheidung der Bundesregierung für D2-MAC/Paket im Juni 1985 fand eine lange und schwierige Diskussion ihren Abschluss.

Anmerkung: Es war im Nachhinein gesehen leider unerfogreicher Abschluß.

Es wurde das Übertragungssystem für die direkt empfangbaren Satelliten. Das System wurde eingebettet in die Europäische MAC-Familie und in die damals zumindest so gesehenen Möglichkeiten in Richtung EDTV (Enhanced Definition-TV) und HDTV. Eine dezidierte Darstellung über die Fernsehnormen der Rundfunksatelliten insbesondere D2-MAC gab Prof. Dr. Ulrich Messerschmid, damals Direktor des Instituts für Rundfunktechnik in München.

Der Computerfilm entwickelte sich mit atemberaubender Geschwindigkeit weiter. Nach den rudimentären Entwicklungen ging man jetzt daran, selbst optische Effekte, wie Bewegungsunschärfe, und entsprechende Programmteile zu entwickeln (Bild 170). Die Grundlagen für die Produktion von Computerfilmen wurde nochmals sehr ausführlich in der Ausgabe Nr. 2 der FKT 1986 auch anhand eindrucksvoller Photos dargestellt (Bild 171).

Im Visier - der Filmabtaster

Große Wichtigkeit bei einem Fernsehstudio hatte auch 1986 noch der Filmabtaster. Bei der Überspielung von Film auf Band, über das letztlich gesendet wurde, wurde versucht, gleichzeitig eine Farbkorrektur durchzuführen.

Eine bemerkenswerte Entwicklung 1986 war deshalb der Film-Reproduktions-Programmierer "FRP 60" der Robert Bosch GmbH, Geschäftsbereich Fernsehanlagen, der vorzugsweise zum automatischen farbkorrigierten Überspielen von Film auf Videoband entwickelt wurde (Bild 172). Er gestattete völlig neue Wege der Filmnachbearbeitung für das normale Standard-Farbfernsehen.

Japanisches HDTV

In Japan arbeitete man bereits mit HDTV-Videoanlagen, natürlich analog. Aber dort ergab sich der Wunsch, die elektronische HDTVAufzeichnung auf Film zu überspielen, um diese Filme dann auch im Filmtheater zeigen zu können. Eine der interessantesten Entwicklungen dieses Jahres war deshalb der Electron- Beam-Recorder von Sony, der den Transfer von (japanischen 1100 Zeilen) HDTV-Aufzeichnungen auf 35-mm-Film gestattete (Bild 173). Dabei wurde der Film in einer Vakuumkammer belichtet, was einerseits ein großer Vorteil, wie sich Jahre später aber zeigte auch einer der großen Mängel war. Allerdings ließen sich mit dieser Methode erstmals auch umgekehrt elektronisch Filmtricks erzeugen, die man dann wieder auf den Film zurückbrachte.

Die 16. Vollversammlung des CCIR, die im Mai 1986 in Dubrovnik, dem damaligen Jugoslawien, stattfand, stellte einen Meilenstein in den Standardisierungsbemühungen für ein hochauflösendes Fernsehsystem dar. Ein weltweiter und einheitlicher HDTV-Produktionsstandard wurde angestrebt und auch gefunden. Es ist nachzulesen, welche Bewertung ein Rückblick auf diese Vollversammlung gegeben wurde. Eine Reihe von Grundsatzdaten finden sich bereits in der Darstellung, die auch heute noch Gültigkeit haben, andere Parameter gelten heute nicht mehr, denn es handelte sich um ein analoges System.

Die Rundfunkanstalten der ARD und des ZDF hatten die Entwicklung auf der 16. CCIR-Vollversammlung in Dubrovnik als bedauerlich empfunden, weil Sie nach sorgfältiger Überlegung ihrer eigene Interessenlage, die revolutionäre Strategie einer HDTV-Einführung frei von irgendwelchen Zwängen der Kompatibilität oder existierender Dienste als angemessener ansahen.

Die CCD Halbleiter-Chips waren noch nicht reif

Die Entwicklung von Fernsehkameras mit Halbleiter-Chips ging aufgrund der nicht ganz so hohen Qualität zögerlich vor sich. Das war auch der Grund mehrerer Beiträge in der FKT, in der man die Interline-, XY- und Frame-Transfer- Konzeption behandelte und deren Vor- die Nachteile gegenüberstellte. Damals gab es eine Reihe von neuen Videokameras mit sehr unterschiedlichen Halbleitersensoren (Bild 174).

Noch heute gültig ist die Fassung der Empfehlung 601, verabschiedet vom CCIR, die alle notwendigen Parameter des digitalen 4:2:2-Standards beschreibt. Horst Schachlbauer vom Institut für Rundfunktechnik berichtete über dieses parallele und das serielle Interface für den digitalen Studiostandard in großer Ausführlichkeit.

1986 entwickelte Rune Ericson sein 35- mm-3-Perf-Format, nach dem er bereits das Super-16-Format kreiert hatte. Es wurde vorgerechnet, dass sich mit diesem Filmformat, das eigentlich dem 35-mm-Bild in der Breite und in der Höhe über 3 Perforationslöcher gehend entsprach (Bild 175), über 400 Millionen Dollar an Filmmaterial und Kosten weltweit pro Jahr sparen können. Da der Schaltschritt in der Kamera ja nur drei Perforationslöcher war, musste also eine modifizierte Kamera verwendet werden, so dass sich das Format nicht so voll durchsetzen konnte, obwohl auch heute noch einige Filme mit diesem Breitwandformat hergestellt werden.

Ein Jumbo-Bildschirm aus "Trinilites"

Die Trinitron-Röhre von Sony für den Fernsehzuschauer gab es bereits schon. Nun kamen für Großbildsysteme die sogenannten "Trinilites". Ein solcher Jumbo-Bildschirm war aus vielen Einzelsegmenten, einzeln ansteuerbaren Licht emittierenden Zellen, zusammengesetzt, die nebeneinander in den Farben, Rot, Blau und Grün angeordnet waren. Sie boten selbst bei hellem Tageslicht noch aus einer Entfernung von 500 m ein deutliches erkennbares (Bild 176).

Wer sich technisch-wissenschaftlich mit der 3D-Aufnahme und Wiedergabe beschäftigt, kommt an den vielen hervorragenden Veröffentlichungen von Reinhard Börner vom Heinrich-Hertz-Institut in Berlin, die in den Jahren seit 1985, vor allem 1987 entstanden, nicht vorbei.

Später folgten Berichte über realisierte autostereoskopische Verfahren, die ebenfalls größtes Interesse fanden. Neue Diskussionen über HDTV mit 60 Hertz als Weltnorm waren ebenfalls ein heißes Thema des Jahres. Prof. Dr. Messerschmid vom Institut für Rundfunktechnik veröffentlichte den auch heute noch bemerkenswerten Artikel über "HDTV und 3-DTV", worin er sich damals schon damals sehr interessiert mit der Frage beschäftigte, ob HDTV mit oder ohne Zeilensprung besser wäre.

- Werbung Dezent -
Zur Startseite - © 2007 / 2017 - Deutsches Fernsehmuseum Wiesbaden - Copyright by Dipl. Ing. Gert Redlich - Privatsphäre - Redaktions-Telefon - zum Flohmarkt
Bitte einfach nur lächeln: Diese Seiten sind garantiert RDE / IPW zertifiziert und für Leser von 5 bis 108 Jahren freigegeben - kostenlos natürlich.