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60 Jahre Berichterstattung über Film und Fernsehen
Norbert Bolewskis gesammelte Rückblicke von 1947 bis 2007

Neue Begriffe erscheinen am Horizont

Der Bus kam ins Fernsehen, nämlich der Begriff Bus als Datenringleitung. Mit dem "AFRA-Bus" wurde ein digitales Fernsteuersystem entwickelt, das alle Anforderungen an eine Fernbedienung, die bei der Einführung von automatisierten Betriebsabläufen auftreten, erfüllt. Auf einer Daten-Sammelleitung, an die sämtliche fernsehtechnischen Einrichtungen sowie bei Bedarf auch Prozessrechner angeschlossen werden können, werden Steuer- und Melde-Informationen zeitsequentiell übertragen. Die wahlfreie Zuordnung zu beliebigen Bedienstellen ermöglicht eine optimale Auslastung der normalerweise zentral angeordneten fernsehtechnischen Anlagen).

 

Deutschlands erste Kabelfernsehanlage für Breitbandkommunikation wurde als Versuchsmodell in Nürnberg realisiert. Es handelte sich um eine Integration von einseitig gerichteter Kabelfernseh-Verteilanlage und zweiseitig gerichteten Informationsflüssen wie Datenübertragung, Computeranschlüssen (1974!), Bildtelefon, Überwachungsaufgaben und dergleichen. Bei der Versuchsanlage Nürnberg sollen neben der technischen Erprobung vor allem Erfahrungen in wirtschaftlicher und betriebstechnischer Sicht gewonnen sowie das Teilnehmerverhalten insgesamt soll analysiert werden (Bild 116).

Montreux wird zum Herz der internationalen Fernsehwelt

U-matic lässt schön grüßen. Nein, das System gab es 1974 noch nicht, aber einen Vorläufer. Beschrieben wurde in der FKT eine neue Generation von 3/4-inch-Video-Kassettenrecordern. Sie wurden auf der fernsehtechnischen Ausstellung in Montreux im Mai 1973 erstmals von Sony vorgestellt, mit Kassetten des neuen U-Typs, die zusammen mit Japan Victor und National entwickelt wurden. Wegen der geringen Frequenzbandbreite war es nicht möglich, das gleiche Modulationsverfahren wie bei den Studiomaschinen anzuwenden.

Es wird deshalb ein Verfahren benutzt, das es erlaubt, innerhalb der zur Verfügung stehenden Bandbreite ein gutes Farbbild aufzuzeichnen beziehungsweise wiederzugeben. Das Helligkeitssignal wird von der Farbinformation getrennt, bandbegrenzt und in der bekannten Weise frequenzmoduliert. Bei einem Hub von 1,6 MHz liegt die Bezugsfrequenz für den Synchronboden bei 3,8 MHz und für Bildweiß bei 5,4 MHz. Das Chrominanzsignal mit seinem Träger bei 4,43 MHz wird durch Mischung mit einer Hilfsfrequenz in einen neuen Frequenzbereich transponiert (Bild 117).

 

Die FKT beschäftigte sich schon frühzeitig mit der Digitaltechnik, auch wenn sie für Fernsehanwendungen allgemeiner Art noch nicht ernsthaft erwogen wurde und bei den damaligen Fernsehingenieuren vollkommenes Neuland darstellte. Kein Geringerer als Prof. Dr. Broder Wendland berichtete über "Bitratenkompression von digitalen Bildern" und beschrieb ein Verfahren, das mit zweistufiger Bitratenkompression und "Run-Length"-Codierung arbeitete. Er zeigte auf, dass sich mit dem von ihm benutzten adaptiven Codec (Codierer- Decodierer) ein Kompressionsfaktor von 1:5 erreichen lässt, obwohl nur die Abhängigkeiten der Bildsignale in Zeilenrichtung für die Kompression ausgenutzt werden. Die Rekonstruktionsfehler sind für das menschliche Auge nahezu irrelevant (Bild 118).

Der Halbleiter Aufnahem Chip wirft seine Schatten voraus

Bleiben wir bei der Digitaltechnik. CCDBildspeicher gab es ja noch nicht, aber man experimentierte - in dem Falle bei Philips - mit einer vakuumlosen elektronischen Bildaufnahmeeinheit, die aus einer Matrix von 1024 Silizium-Photodioden besteht, die kapazitiv über X-Y-Leitungen abgefragt werden (Bild 119). Und zu den Ergebnissen hieß es: Die mit der Experimentierkamera gemachten Aufnahmen sind in Anbetracht von nur 1024 Bildpunkten und der geringen Graustufenzahl bei der Wiedergabe auf einem Oszillographenschirm bei der Übertragung eines Portraits schon überraschend gut (Bild 120). Naja, 1974 - das war eben der Anfang der Entwicklung neuer Bildsensoren ohne Röhre.

 

Und da wir gerade bei der Digitaltechnik sind. Über erste Versuche, das Fernsehsignal digital aufzuzeichnen, wurde berichtet, zum Beispiel von RCA (im Vertrieb Neye-Technik). Es gelang, durch wesentliche Erhöhung der Speicherdichte serielle Datenströme bis zu 240 Mbit/s durch Aufteilung in viele Parallelkanäle über 160 Spuren aufzuzeichnen (Bild 121). Die mit einem labormäßig entwickelten Verfahren - HDMR (High Density Multitrack Recording) genannt - erreichbare Aufzeichnungsdichte von mehr als 2 Mbit je Quadratinch reicht aus, um ein Fernsehprogramm von 15 Minuten Dauer auf 1370 m (4503 Fuß) 2-inch-Magnetband zu speichern. Zwar reichen - so der Autor - die bislang erzielten Bitdichten noch nicht aus, um bei ausreichend niedriger Fehlerhäufigkeit zu vernünftigen Bandgeschwindigkeiten zu gelangen. Neuere Magnetkopfmaterialien und verfeinerte Kopfkonstruktionen versprechen aber weitere Verbesserungen - und da hatte er wahrlich Recht.

Neue Emulsionen von Kodak

Aber auch in der Filmtechnik - genauer in der Rohfilmtechnik - gab es Gewaltiges von Kodak zu berücksichtigen, obwohl die meisten damals das Revolutionäre bei den neuen Farbkupplern mit der Bezeichnung DIR (Developer Inhibitor Releasing Coupler) kaum richtig würdigten. Mit diesem Farbkuppler gelang es erstmals bei der Herstellung von Filmen die zwangsweise Verbindung von hoher Lichtempfindlichkeit und deutlicher Zunahme der Korngröße zu brechen.

Bei diesem neuartigen Kuppler ist zwar das unbelichtete Filmkorn auch größer, je höher die Lichtempfindlichkeit ist, aber es wird während der Entwicklung verzögert, sich zu einem großen Silberhalogenid zu entwickeln und bleibt etwa fünfmal kleiner als bei den früheren Kupplern. Das zumindest ist die einfache und in erster Näherung verständliche Darstellung dieses höchst sonst äußerst komplexen und im Beitrag näher beschriebenen chemischen Verfahrens.

Alle späteren Farbfilme, bis zum heutigen Tag, bauen auf dieser bahnbrechende Entwicklung auf und führten dazu, dass hochempfindliche Farbmaterialien hergestellt werden konnten, die sich durch ungewöhnlich kleines Korn auszeichnen.

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