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60 Jahre Berichterstattung über Film und Fernsehen
Norbert Bolewskis gesammelte Rückblicke von 1947 bis 2007

1964 - was gab es Neues außer "Alexis Sorbas" mit A. Quinn

Für die Deutschen begann das Jahr mit Bestürzung und Freude in einem Wechselbad. Gut einen Monat vor Jahresanfang, am 22. November 1963, wurde John F. Kennedy erschossen, und zum Jahresanfang 1964 konnten endlich die Rentner aus der DDR jährlich eine Reise zu Verwandten in die Bundesrepublik Deutschland unternehmen. An erwähnenswerten Filmen gab es "Alexis Sorbas" mit Anthony Quinn in der Hauptrolle. Und erst in diesem Jahr gelang es zwei Amerikanern die Absorption der Sehfarbstoffe in den Zapfen des menschlichen Auges zu messen und damit die altbekannte Drei-Komponenten-Theorie (blau-, grün- und rotempfindliche Stoffe) aus dem Jahre 1866 zu unterstützen.

 

Für die FKT begann das Jahr mit einer großen Darstellung über die Tricktechnik bei Film und Fernsehen. Der damalige Leiter der Trickabteilung der Bavaria in München, Theodor Nischwitz, schrieb über Gestaltung und Wirkung. Die Rückprojektion, die Maskentechnik, der Spiegeltrick und die so genannten Vorsatzmodell- Verfahren (Bild 59) waren die wichtigsten Tricktechniken, mit denen man heute kaum glaubliche Tricks ausführte. Bei den Trick-Kopierarbeiten war die Oxberry 1200, eine Kopiermaschine nach dem Baukastensystem, eine der bedeutendsten Neuentwicklungen und eroberte sich in kürzester Zeit ihren Platz in der Kopierwerktechnik (Bild 60).

Magnetische Speicherung von Bildern auf rotierender Folie ?

Die FKT hatte es sich von jeher zur Aufgabe gemacht, über die allerneuesten Entwicklungen zu berichten. Dazu gehörte auch ein hochinteressanter Aufsatz über die magnetische Speicherung von Einzelbildern auf einer rotierenden Folie. Diese rotierende und luftstabilisierte Magnetfolie ermöglichte es, zehn einzelne Fernseh-Vollbilder oder 20 einzelne Fernseh-Halbbilder zu speichern. Die Wiedergabezeit der gespeicherten Bilder war faktisch unbegrenzt, eine Archivierung der gespeicherten Information möglich. Die erreichte Bildqualität war sehr gut. Herz der Anlage war ein mit 3000 Umdrehungen/min umlaufendes Speicherelement. Die Magnetfolie hatte 400 mm Durchmesser und wurde über einen Synchronmotor angetrieben. Die Aufzeichnung erfolgte natürlich analog. Man sah bei Siemens in Karlsruhe, die dieses Verfahren entwickelt hatten, ein großes Anwendungsgebiet im Bereich des Industriefernsehens und in der Fernseh-Studiotechnik, zum Beispiel in der Tricktechnik oder zum Festhalten bestimmter Bewegungsphasen, beispielsweise beim Sport (Bild 61).

 

Zu den neueren Verfahren gehörte auch die Elektrophotographie. Bei ihr werden keine photochemischen Reaktionen an Silberhalogeniden benutzt, sondern sie beruht im Wesentlichen auf zwei physikalischen Effekten, der Photoleitung in dünnen Halbleiterschichten und der elektrostatischen Anziehung. Als lichtempfindliches Aufnahmematerial wird eine Photohalbleiterschicht verwendet. Durch elektrostatische Anziehungskräfte auf ein so genanntes Entwicklungspulver wird das elektrophotographische Bild entwickelt. Dieses Verfahren kam natürlich nur für Einzelbildaufnahmen als Photographie in Frage. Auf dieser Entwicklung resultierte später der Bürokopierer.

Völlig neue Ideen

Eine weitere originelle, neuartige Methode zur elektrophotographischen Herstellung von projizierbaren Bildern, in Zukunft meinte man sogar von Kinofilmen, beruhte darauf, dass dünne thermoplastische Filme mit einer sehr feinen runzelartigen Struktur erstarren, wenn sich auf ihrer Oberfläche elektrische Ladungen befinden. In dieser Ausführungsform wird eine Photoleiterschicht mit einem thermoplastischen Film überschichtet. Das Runzelbild (Bild 62) wird im reflektierten Licht sichtbar gemacht. Dieses Verfahren hat aber in der späteren Praxis keine Anwendung mehr gefunden.

 

Ganz anders der so genannte Kalvar-Prozess. Dabei handelt es sich um ein mit Wärme entwickelbares Material der Firma Kalvar Corp., das auf der Erscheinung der Lichtstreuung im Gegensatz zur Lichtabsorption in üblichen photographischen Materialien basiert. Das einfallende Licht wird von den Silberkörnern der entwickelten Bildschicht absorbiert, während es die lichtstreuende Kalvar-Schicht teils reflektiert, teils streut, die aus nur etwa 0,012 mm dicken Schichtkristalliten besteht. Der Brechungsindex in diesen Blasen unterscheidet sich daher vom Medium der Umgebung, so dass an Ihnen das Licht zum Teil reflektiert, zum Teil gestreut wird. Kalvar war kein Aufnahmematerial und hatte eine verhältnismäßig geringe Empfindlichkeit. Das Material kam tatsächlich eine Reihe von Jahren allerdings überwiegend in den USA zur Anwendung, konnte sich letztlich aber nicht gegenüber den modernen Mehrschichtenfilmen durchsetzen.

 

1964 gelang es Arnold & Richter einen zahnkranzlosen Antrieb für Filmentwicklungsmaschinen herzustellen. Bei den neuen Maschinen wird nur die untere Rollenachse der Filmrahmen im Bäderteil angetrieben. Eine dritte Achse im oberen Rahmenbereich erlaubt es, den Film auch unter der Flüssigkeitsoberfläche umzulenken. Die Filmrahmen selbst werden mittels übereinanderliegender Kunststoffzahnräder angetrieben, wobei ein Zahnrad am Filmrahmen und das andere am Maschinenlaufwerk angebracht ist. Derartige Entwicklungsmaschinen konnten eine Stundenleistung bis zu 4000 m Film reißsicher erreichen.

Damals war es in der Kopieranstaltspraxis noch üblich, die Labors als Dunkelkammer zu gestalten. Die modernen Entwicklungsund Kopiermaschinen kann man aber so aufbauen, dass sie lichtdicht sind. Damit wird ihre Wartung und Instandhaltung wesentlich erleichtert. Gleichzeitig ist das soziale Klima in der Betriebsstätte günstiger als bei Dunkelkammerbetrieb. Der Übergang vom Dunkelkammer- zum Tageslichtbetrieb ist auch ohne weiteres und ohne Störung der Arbeit kontinuierlich möglich. Ein erstes Kopierwerk dieser Art für Tageslichtbetrieb war die schwedische Firma Film-Teknik AB, über die ein Mitarbeiter berichtete (Bild 63).

der erste Schrägspurrecorder, der Philips Videorecorder 3400

Eine Sensation war der von Philips für semiprofessionelle Anwendungen entwickelte Videorecorder 3400, das erste Gerät, das mit einem rotierenden Videokopf jedes Fernsehhalbbild als schräg verlaufende Spur von etwa 465 mm Länge auf das mit 19 cm/s laufende 1 inch breite Band aufzeichnete. Bei über 40 dB Rauschabstand wurden Frequenzen bis über 2,5 MHz aufgezeichnet. Die Abtastgeschwindigkeit für das Videosignal war 23,6 m/s. Die Spielzeit des auf offener Spule durch das Gerät ziehenden Bandes war 45 Minuten.

Auf der deutschen Industrieausstellung Berlin wurde es von Philips erstmals der Öffentlichkeit gezeigt, und zwar ein bereits aus laufender Produktion lieferbares Gerät. Es ermöglicht in Verbindung mit einem normalen Fernsehempfänger die Aufnahme und Wiedergabe von Fernsehprogrammen, ist aber bei Verwendung einer Fernsehkamera und eines Mikrophons ebenso für die direkte Aufzeichnung von Programmen geeignet. Dieses Gerät war gewissermaßen der Vorläufer für alle späteren Schrägspur-Bildaufzeichnungsanlagen (Bild 64).

 

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