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60 Jahre Berichterstattung über Film und Fernsehen
Norbert Bolewskis gesammelte Rückblicke von 1947 bis 2007

Die Einröhren-Farbfernsehkameras kommen

Es gab die ersten Untersuchungen über eine Einröhren-Farbfernsehkamera mit einem Streifenfilter-Vidikon. Bei der beschriebenen Kamera werden die Luminanz-, Rot- und Blauanteile so voneinander getrennt, dass am Röhrenausgang bereits ein codiertes Signal erscheint. Die Decodierung zur Wiedergewinnung der Einzelanteile geschieht in der Kameraelektronik, so dass über entsprechende Coder- und Matrix-Verstärker ein NTSC- oder PALSignal zur Verfügung steht. Um die Farbsignaltrennung auf optischem Wege zu realisieren wurde vor dem Vidikon ein dichroitisches Gelbfilter angeordnet, das alle Blauanteile ausfiltert, die Grün- und Rotanteile aber nahezu ungedämpft passieren lässt. Ein zweites, direkt hinter das erste gesetzte Cyanfilter reflektiert dagegen alle Rotanteile, lässt also nur Grün und Blau passieren. Beide Filter wurden in ganz schmale Streifen unterteilt, die abwechselnd transparent und gelb- beziehungsweise cyanfarben sind. Die Helligkeitswerte der aufzunehmenden Szene gelangen durch beide Filter, nämlich durch die transparenten Streifen. Ebenso gelangt das Grünsignal durch die Gelb- und Cyanstreifen (Bild 97).

 

Auch die Filmtechnik hatte noch ihre Probleme. Wer von ihnen kennt wohl noch den Begriff des Donnereffekts. Er entsteht durch die Zuschüttung der schmalen Täler bei der Lichttonaufzeichnung hoher Frequenzen, und der Effekt beim Negativs muss durch das Positivmaterial wieder kompensiert werden, damit sich keine donnernden, besser grummelnden, Tonverzerrungen ergeben. Dafür wurden Messfilme entwickelt, um die Schwärzung korrekt messen zu können, denn nur der Schwärzungsgrad war für die Ursache ausschlaggebend und musste strengstens kontrolliert werden (Bild 98).

Cinespacial - noch ein Projektionssystem

Cinespacial nannte sich ein neues Projektionssystem in einem Kino in Brasilien, zu dessen Entwicklung aber ganz andere interessante Gründe führten. Das Kino hatte einen zylinderförmigen Zuschauerraum mit je drei Sektoren von 120°, und ein Projektor projizierte denselben Film gleichzeitig auf drei Bildwände. Das Besondere war, dass sich eine erheblich bessere Ausnutzung der Grundfläche des Kinos ergab. Gab es bei den üblichen Kinos immer einen größeren Leerraum zwischen der ersten Sitzgruppe und der Bildwand, so konnte hier der Raum optimal ausgefüllt werden, und es ließen sich bei sehr guten Projektionsbedingungen deutlich mehr Zuschauer im Kino unterbringen als bei normaler Projektion (Bild 99).

 

Bereits Ende 1968 wurde mit der neuen Bolex-Kamera "Pro 16" eine Entfernungseinstellautomatik vorgestellt und ausführlich 1971 beschrieben. Das AIR (Automatic Infrared Rangefinder)-System beruht darauf, dass ein enges Bündel modulierter Infrarotstrahlung auf das Objekt fällt, auf dessen Entfernung eingestellt werden soll. Ein Teil dieser Strahlung wird vom Objekt diffus reflektiert. Der Infrarotstrahlungsfleck auf dem Objekt wird zu einer Art "Ersatzobjekt", das der eigentlichen Entfernungsmessung dient. Man braucht also nur das Objekt zu orten, um die Objektentfernung zu bestimmen. Diese Bildortung wurde vorzugsweise mittels zweier axial verschiebbarer Photowiderstände vorgenommen, deren Auslenkung ein Signal für die Objektiveinstellung bot (Bild 100).

Ein Mini-Fernseh-Übertragungswagen

Vorgestellt wurde ein Fernseh-Übertragungswagen für Kurzreportagen. Bereits 1968 hatte Philips den Prototyp einer tragbaren Fernsehkamera gezeigt, bei der die gleiche Elektronik wie bei den großen Studiokameras verwendet wurde. Allerdings ließ sich die mechanische Ausführung deutlich verringern, wenn man mit 5/8-inch-Plumbicon-Aufnahmeröhren arbeitete. Der Kamerakopf entsprach gewichtsmäßig etwa einer 16-mm-"Arriflex". Er enthielt nur die unbedingt in der Nähe der Aufnahmeröhren benötigten elektronischen Baugruppen. Alle übrigen Schaltungen waren in einem Tornister, der auf dem Rücken getragen werden kann, untergebracht. Die Verbindung mit dem Kamera-Kontrollgestell erfolgt über das normale Kamerakabel. Da das Verbindungskabel zwischen Kamerakopf und Rucksack bis zu 10 Meter lang sein konnte, war es ohne weiteres möglich, diesen von einem zweiten Mann tragen zu lassen, so dass der Kameramann seine volle Bewegungsfreiheit erhielt (Bild 101).

Das EVR-Verfahren

Das EVR-Verfahren wurde in den 60er Jahren in den USA von CBS entwickelt. Der Name "EVR" ist die Abkürzung von "Electronic Video Recording and Reproduction und bedeutet "Elektronische Aufzeichnung und Wiedergabe von Bildinformationen. Charakteristisch für das Verfahren sind drei Eigenschaften:

  • a) Speicherung von Farbbildinformationen auf Schwarzweiß-Film,
  • b) wahlweise sofortige Zugriffsmöglichkeit zu zwei verschiedenen Schwarzweiß-Programmen während eines Filmdurchlaufs (ermöglicht die Anwendung von programmierten Instruktionen),
  • c) zeitlich nicht begrenzte Standbildwiedergabe beliebiger Filmstellen beziehungsweise Einzelbildbetrachtung von maximal 90.000 Bildern/Filmspur. Die EVR-Filme wurden in handlichen Kassetten mit 1/2-stündigem Farbprogramm oder einstündigem Schwarzweiß-Programm gespeichert.




Die Wiedergabequalität erreichte dabei vom System her die Grenzen handelsüblicher Farbfernsehempfänger. Wegen der Verwendung vergleichsweise preisgünstiger Schwarzweiß-Filme bei einer Einzelbildgröße von etwa 2,5 mm ??3,5 mm schien das Verfahren auch vom Preis her als kommendes audiovisuelles Verfahren geeignet. Als Programmträger wurde ein normaler Silberfilm verwendet, dessen Basismaterial aus einer etwa 70 ?m dicken Triazetatfolie bestand. Auf dem 8,75 mm breiten Film waren nebeneinander zwei voneinander unabhängige Bildspuren aufgezeichnet (Bilder 102 und 103).

 

Zwischen den beiden Bildspuren enthielt der Film an Stelle einer mechanischen Perforation je Bild eine elektronisch aufgezeichnete Synchronmarke, die zur elektronischen Regelung der Filmlaufgeschwindigkeit und zur Synchronisierung der Filmabtasteinrichtung verwendet wird. Am linken und am rechten Filmrand waren je eine etwa 0,8 mm breite Magnetspur zur Aufzeichnung des Begleittons auf dem Film aufgebracht. Die Filmlaufgeschwindigkeit von 12,7 cm/s resultiert aus der Abtastung von 50 B/s, das heißt, jedem Fernseh-Teilbild ist ein Filmbild zugeordnet. Das Verfahren, das im Prinzip auch heute noch sehr interessant ist, hat sich aber entgegen allen damaligen Erwartungen nicht durchgesetzt und wurde ein wirtschaftlicher Misserfolg.

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