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60 Jahre Berichterstattung über Film und Fernsehen
Norbert Bolewskis gesammelte Rückblicke von 1947 bis 2007

1997 - Das Fernsehen braucht immer noch Licht

Die gesamte Ausgabe der Ausgabe 1-2/1997 befasste sich mit dem Thema Lichttechnik - insbesondere im Studio. Sieht man von den modernen LED-Leuchten heute ab, so kennzeichnet dieses Heft eigentlich auch heute noch im Wesentlichen den Stand der Technik, denn die "großen" Entwicklungen waren so in den Jahren 1994 bis 1996. Vernetzte Lichtstellanlagen - "Bluepinch"-Halogen-Studiolampen für Außenaufnahmen - "Lightstudio", ein Computer-Simulationsprogramm für Lichtstimmungen - Produktionssimulationen - Lichttechnik für TV-Produktionen in Konzertsälen - Beleuchtungs-Steuerungssysteme - Steuerbare Scheinwerferbügel usw., waren nur einige Überschriften der technischen Beiträge.

Am 1. Januar 1997 startete der öffentlichrechtliche Rundfunk mit dem Programm "ARD/ZDF-Kinderkanal" sein erstes Spartenprogramm. In der thüringischen Landeshauptstadt Erfurt wurde im Jahr 1996 in sehr kurzer Zeit die bauliche und medientechnische Infrastruktur für Produktion und Betrieb dieses Vorhabens bereit gestellt. Konzeption, Ausstattung, Inbetriebnahme und anfängliche Probleme wurden im Bericht Anfang des Jahres 1997 vorgestellt. Bemerkenswert war eine automatische Sendeabwicklung. Für die Sichtung, Übernahme und Bearbeitung von analogen und digitalen Bandvorlagen wurden ein digitaler Hardschnittplatz, zwei nonlineare Schnittsysteme und Graphikarbeitsplätze installiert (Bild 222).

IBC - Völlig neue Gesichter aus der Computertechnik

Das Jahr 1996 brachte auf der IBC eine beeindruckende Anzahl an neuen Möglichkeiten, die die Netzwerk- und Computertechnik bei der Bearbeitung von Videosignalen bietet. Einige Firmen, die dort ihre Produkte vorstellten, waren in der professionellen Videotechnik bis dahin weitgehend unbekannt. Für diese neuen Anwendungen war allerdings die bestehende Infrastruktur im heutigen Studio nur bedingt geeignet. Es wurde - man kann sagen vor rund zehn Jahren schon - klar, dass es hier nicht allein um neue Anwendungen ging, sondern dass sich in naher Zukunft die Art und Weise, wie Video- und Audiosignale im professionellen Umfeld verarbeitet werden, grundlegend ändern wird.

Das Thema Netze und Interfaces auf der Grundlage des FKTG-Seminars in Wiesbaden (Heft 6/1997) entwickelte sich praktisch zu einem Themenheft, das die wichtigsten dort gehaltenen Vorträge enthält. Ein großer Teil der Mitarbeiter in den Rundfunkanstalten war damals der Ansicht, dass man mit Computertechnik nie eine Videobearbeitung würde durchführen können. Uns schien aber, dass die Geschwindigkeit der Innovationen bei der Rechnertechnik sehr hoch war und sie sich in wenigen Jahren durchsetzen würde.

Heute ist das gar keine Frage mehr, heute haben das schon alle vorher gewusst. Und doch waren dieses Seminar und die dazugehörende FKT ein Meilenstein und das Heft wurde auch später noch häufig abgefragt.

Die USA bereitet den Weg in das digitale TV-Zeitalter

Als der Berichterstatter nach einem langen Flug zur NAB 1997 in Las Vegas landete, fiel sein erster Blick auf die Titelseite von "America today". Dort konnte man lesen, dass am 3. April 1997 die FCC (Federal Communications Commission), zuständig für die Frequenzvergabe in den USA, bekannt gab, wie die USA in das digitale TV-Zeitalter eintreten wollten. Im Gegensatz zu Europa, wo zig Staaten ihr Hoheitsrecht und somit die Frequenzvergabe und den Übertragungsstandard vorgeben, hatten es die USA natürlich leichter, denn man spricht fast kontinentweit mit einer Stimme, wenn auch trotzdem nicht immer verständlich. Die Verfügung der FCC sah damals - erst einmal nur für die terrestrische Abstrahlung - die komplette Umstellung auf die digitale Übertragung bis zum Jahre 2006 vor.

In diesen noch verbleibenden neun Jahren sollten die 1500 amerikanischen TV-Stations den Sprung ins Digitale machen - oder ihre Lizenz abgeben. Übereinstimmend war bei allen Fachleuten auf der NAB zu hören, dass diese Entscheidung den wohl dramatischsten Fortschritt im Fernsehbereich seit Einführung der Farbe in den 1950ern darstellt und dies, obwohl noch viele Dinge unklar waren. Aber immerhin: eine klare Anweisung; es gab ein Ziel und so fanden sich dann unter diesem Druck auch die Europäer zusammen, um ein gemeinsames System - nämlich DVB - festzulegen. Manchmal zieht eben das eine das andere nach.

Der Schwerpunkt in der Ausgabe 7/1997 war die Messtechnik für DVB. Ihre Verfügbarkeit stellte eine wichtige Voraussetzung dar, die erfüllt sein musste, um die Möglichkeiten der neuen Technik schnell nutzen zu können. Messgeräte wurden für die Entwicklung der Übertragungssysteme genauso benötigt wie für die Entwicklung der Set-Top-Boxen und der übrigen Konsumergeräte; natürlich auch für die Überwachung der Netze, für die Aufrechterhaltung der Qualität und der Verfügbarkeit. Die 'Measurement Guidelines' schafften schließlich eine gemeinsame Basis. Diese Empfehlungen erlaubten eine Vergleichbarkeit der Messergebnisse und damit eine wesentliche Bedingung für effektives Arbeiten (Bild 223).

 

DVD-R und DVD-RAM werden genormt

Während die Wandlung der professionellen Fernseh-Produktionstechnik von analog zu digital 1997 schon längst recht gut von den Sendeanstalten und Produktionsbetrieben in Europa aufgenommen worden war, blieb der Sendeablauf weitestgehend analog, mit PAL als akzeptiertem und funktionellem Format für die Signalverteilung zum Verbraucher. Doch wurden jetzt die Weichen für den nächsten Schritt der Digitalisierung im Fernsehen gestellt. Vor allem die Möglichkeit, mehr Fernsehkanäle auf der gleichen Bandbreite anzubieten, schuf für die Fernsehproduzenten neue Märkte, auch im Hinblick auf Werbezeit, die innerhalb von Spartenprogrammen teurer verkauft werden kann. Neue Möglichkeiten im Sendeablauf mit digitaler Mehrkanal-Übertragung wurden behandelt, zum Beispiel mit dem neuen Sendeablaufmischer M-2100 von Grass Valley in einem solchen Umfeld (Bild 224).

Im Mittelpunkt des Heftes 11/1997 stand die DVD, deren letzte Varianten DVD-R und DVD-RAM im Juli bzw. September soweit waren, dass sie als Norm eingereicht werden konnten. Es war schon zu Beginn der Markeinführung vorhersehbar, dass die DVD die Welt der Unterhaltungsindustrie in den nächsten Jahren nachhaltig prägen wird. Man erwartete damals aber auch einen großen Einsatz im Produktionsbetrieb bei den Rundfunkanstalten, was aber nicht so eintraf, weil die anderen Speichermedien einen derartigen Schritt nach vorne machten, den damals noch keiner erahnte.

 

1998 - Was ist das - Internet-TV ?

Anfang 1998 tauchte in der FKT erstmals der Begriff Internet-TV auf. Man erkannte, dass Fernsehen, Computer und Telekommunikation zusammenwachsen. Kaum ein späterer Beitrag zum Thema Multimedia, der sich nicht auf diese Vision stützte. Die Informationstechnik drängte auch immer zentraler in das persönliche Umfeld des Konsumenten. Und das Thema Multimedia in seinen verschiedensten Facetten drang auch in die technisch-wissenschaftliche Berichterstattung der FKT ein, zum Beispiel gleich mit einem ganzen Themenheft 1-2/1998.

Das Thema Displaytechnik explodierte förmlich, zig neue Ideen und Techniken wurden entwickelt und die FKT versuchte, einen Überblick über den Stand der Technik zu vermitteln. LCDs, PDPs standen im Vordergrund, das sind ja auch die heute dominierenden Displaytechniken. Aber wer kennt noch die Entwicklungen eines FLCDs, eines PDCLs (Bild 225) oder PECVDs. Sie sind in der Versenkung verschwunden.

Durch das Zusammenwachsen des Special- Effects-Bereichs mit dem nonlinearen Schnitt entstand eine Form der Postproduktion, die eine neue Bildersprache ermöglichte. Das bedeutete zum Beispiel viele Bildebenen komplex miteinander verbinden zu können, kurze Schnitte, hochwertige graphische Gestaltung und verstärkter Einsatz von Schriften. Das war die Stunden von "Fire" und "Smoke", die 1997 erstmals auf der IBC gezeigt 1998 ausgeliefert werden konnten (Bild 226).

 

WM'98: Fußball Total - Fernsehen Total - Gigantomanismus

1998 war auch das Jahr der Einführung verschiedener Systeme für den "Digitalen Newsroom". Zu den Vorteilen zählten und zählen die Zeit- und Kostenersparnisse, sicher auch eine verbesserte Effizienz des Produkts, denn es fiel gewissermaßen die Grenze zwischen dem Schreiben der Nachricht und dem Editieren von Video und Audio. Der Journalist konnte nicht nur das Manuskript zusammenstellen, sondern gleichzeitig auch die dazugehörigen Bilder und Töne editieren. Editing und Maschinensteuerung waren dann auch erwartete Merkmale eines Newsroom-Automationsprozesses. Auf der anderen Seite gab es ein großes Fragezeichen, ob die Redakteure und Journalisten die neuen Möglichkeiten akzeptieren würden, und es wurde auch die Frage behandelt, ob unter der Möglichkeit einer digitalen Nachbearbeitung die Objektivität der Berichterstattung leiden könne.

Ein Großereignis war die WM'98: Fußball Total - Fernsehen Total. Am 10. Juni 1998 begann in Paris die damals größte Fußballweltmeisterschaft aller Zeiten. Zum ersten Mal waren 32 Mannschaften beteiligt, die in insgesamt 64 Spielen den neuen Champion ermittelten. Für den WDR, der für die deutschen öffentlich-rechtlichen Sender die technische Umsetzung organisierte, war das eine technisch höchst anspruchsvolle Leistung.

Der 24. August 1998 ist als historischer Tag im Fernsehgeschehen der Bundesrepublik Deutschland anzusehen: denn an diesem Tag gab das Bundeskabinett in Bonn grünes Licht für die vollständige Umstellung von einer analogen auf eine digitale Technik bis zum Jahr 2010. In der Folge wurde das Thema DVB in all seinen Ausprägungen in der FKT in technischwissenschaftlicher Darstellung behandelt.

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