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60 Jahre Berichterstattung über Film und Fernsehen
Norbert Bolewskis gesammelte Rückblicke von 1947 bis 2007

Eine Filmaufzeichnungsanlage

Obwohl die neue Bild-Aufzeichnung nach dem Ampex- Verfahren mit 2" Band im Fernsehen bereits bekannt und auch angewendet wurde, scheint es noch einen größeren Bedarf an Filmaufzeichnung direkt vom Bildschirm gegeben zu haben. Als Begründung wird genannt, dass in Europa die Übertragung von Sendungen ausländischer Stationen häufig auf Schwierigkeiten trifft, weil die verwendete Fernsehnorm nicht in allen Ländern gleich ist.

Die (man bedenke schwarzweiße) Zwischenaufzeichnung der Sendung vom Bildschirm auf Film macht unabhängig von der Norm und stellt gewissermaßen eine vereinfachte Form der Normwandlung dar, für das der aufgezeichnete Inhalt wiederum unter Verwendung unterschiedlichster Fernsehnormen wiedergegeben werden kann. Die Konstruktion einer solchen Filmaufzeichnungsanlage war nicht gerade trivial, und nahm in der Berichterstattung des Jahres einen entsprechenden Rang ein.

 

Bei Außenaufnahmen zu Spielfilmen wurde an die Qualität der Aufnahmen die gleichen Ansprüche gestellt wie bei der Arbeit im Studio, gleichgültig, ob es sich dabei um Auf- nahmen in der näheren Umgebung des Studios oder in größeren Entfernungen handelte. Es wurden deshalb immer wieder neue Tonfilmwagen konstruiert, mit denen Außenaufnahmen in jedem beliebigen Ort vorgenommen und in höchster Qualität auf perforierten Magnetfilm aufgezeichnet werden konnten. Bild 31 zeigt einen derartigen Tonfilmaufnahmewagen der Arca-Filmproduktion.

 

Die Tonfilmtechnik und auch die Tonaufnahme beim Fernsehen verlangten auch vom Filmtechniker Kenntnisse der modernen Mikrophontechnik. So fanden sich denn auch immer mehr tontechnische Themen in der FKT. Insbesondere versuchte man die Skepsis gegenüber den ersten Kondensatormikrophonen abzubauen, und empfahl auf Grund der günstigen Qualitätseigenschaften den Einsatz bei Film und Fernsehen, nicht ohne allerdings auf die sorgsame Behandlung der Mikrophone hinzuweisen, damit sie genügend betriebssicher sind.

 

Für den Betrieb des Kondensatormikrophons war damals ein Speisegerät erforderlich, das in nicht allzu großer Entfernung vom Mikrophon aufgestellt werden musste, da die Länge des Speisekabels durch den Speisespannungsabfall begrenzt war. Bild 32 zeigt ein solches Kondensator- Standmikrophon mit Raumkapsel und federndem Halter für das Mikrophon.

Der Todd-AO-Film auf 70mm

Die deutsche kinotechnische Industrie hat sich schneller und organischer als die deutsche Spielfilmproduktion wieder in die internationale Filmarbeit einblenden können. Dabei wurde der Export als überzeugender Beweis dafür herangezogen. Für insgesamt fast 19 Millionen D-Mark konnte die deutsche kinotechnische Industrie 1955 exportieren. Als der wichtigste Exportartikel zeigten sich Projektionsgeräte, wobei die Normal- und Schmalfilmgeräte im Vergleich stark gefragt waren. Weit mehr als 7 Millionen D-Mark betrug der Erlös dafür.

 

Für über 7 Millionen DMark wurden auch deutsche Filmaufnahmegeräte im Ausland eingeführt. Es sind zumeist Schmalfilmgeräte. Die deutschen Filmbearbeitungsgeräte mit einem Exportwert von über 4,5 Millionen D-Mark bewährten sich ebenfalls als gute Devisenbringer. Nicht weniger groß am Export war der Anteil von unbelichtetem Kinofilm aus Deutschland. Wichtigste Abnehmer für kinotechnische Geräte waren die Vereinigten Staaten von Amerika, Großbritannien, Italien, Österreich und Belgien.

 

Auf der Photokina 1956 wurde zum ersten Mal das Todd-AO-Verfahren in Europa vorgestellt. Die deutsche Philips GmbH hatte auf dem Messegelände in Köln ein eigenes Filmtheater mit einer 16 m breiten und 7m hohen Bildwand aufgebaut, in dem sie das Verfahren demonstrierte. Zwar wurde in der FKT bereits schon mehrere Male auf dieses Verfahren hingewiesen, aber in Ausgabe 10/1956 wird die gesamte Problematik der Projektion umfangreich dargestellt. Der neue Todd-AO-Universalprojektor gestattete es, außer 70 mm breiten Filmen auch alle anderen zur Zeit verwendeten Formate zu projizieren.

Die 70-mm-Filme haben mehr Masse und deutlich mehr Bildfläche als 35-mm-Filme. Sie sind nicht nur zweimal so breit, sondern das Einzelbild ist auch höher. Auf ein Bild entfallen statt der üblichen vier Perforationsflächer beim Todd-AO-Film fünf. Die Bildfrequenz beträgt beim 70-mm-Film 30 Bilder/s.

Die Electronic Cam

Im Jahre 1956 gab es einen bemerkenswerten Beitrag, der ein kombiniertes Film und Fernseh- Aufnahmeverfahren beschrieb, das sich Electronic Cam nannte und in Deutschland und Europa auch im Filmatelier später zur Anwendung gelangte. Denn immer mehr setzte sich insbesondere in den USA, bei denen das Fernsehen ja schon weiter verbreitet war, die Erkenntnis durch, dass ein Konkurrenzkampf zwischen Film und Fernsehen sinnlos sei. Der Film wird sich des Fernsehens, auch mit Breitwand- und anderen Techniken, nicht erwehren können. Eine vernünftige Lösung ist es deshalb, nicht gegeneinander, sondern miteinander zu arbeiten.

 

Deshalb entwickelten die Leute aus den Dumont Laboratorien eine Kamera, die sowohl der Fernseh- als auch der Filmtechnik dienen kann. Jede Doppelkamera enthält einen Film- und einen Fernsehteil mit gemeinsamem Objektiv. Das durch das Objektiv fallende Licht wird durch eine teildurchlässige optische Einrichtung zu je 50 Prozent auf den Film und 50 Prozent auf die Videokameraröhre gelenkt. Damit wird es nach Aussagen des damaligen Berichterstatters möglich, dass man Live-Sendungen des Fernsehens zeitgleich auf Film in hoher Qualität aufnehmen kann. Es zeigte sich allerdings später, dass es viel interessanter im Filmstudio war, dass der Regisseur einen ganzen szenischen Ablauf mit einem Mal aufnehmen und beurteilen konnte. Dieses Verfahren wurde später insbesondere bei der Bavaria Film technisch bis zur Perfektion verfeinert.

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