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60 Jahre Berichterstattung über Film und Fernsehen
Norbert Bolewskis gesammelte Rückblicke von 1947 bis 2007

Mängel beim Fernsehen

Einer der größten Mängel beim Fernsehen war die Tatsache, dass es noch keine Geräte zur Aufzeichnung des Fernsehbildes gab. Das bedeutete, dass die Fernsehbilder entweder auf Film aufgezeichnet werden mussten oder gar live aus dem Studio übertragen wurden. Das allein waren schon erhebliche Beschränkungen. Aber in den USA kam natürlich der Zeitunterschied zwischen Ost- und Westküste hinzu, sodass der Wunsch nach einem magnetischen Aufzeichnungsverfahren stärker als in anderen Ländern vorhanden war.

1953 und vor allem 1954 wurden zwei Lösungen für die Bildaufzeichnung auf Magnetfilmbändern angekündigt. Eine stammte von der auf elektronische Geräte spezialisierten Firma Bing Crosby Enterprises in Los Angeles, die allerdings zu dem damaligem Zeitpunkt noch keine Angaben über ihr Verfahren publizierten.

1954 - Ein RCA MAZ Prototyp

Die zweite Lösung wurde von der RCA entwickelt. Bei diesem Prinzip, das im Dezember 1953 erstmalig in Princetown, USA vorgeführt wurde, läuft das Magnetband mit einer erheblich höheren Geschwindigkeit als beispielsweise bei einem Tonband, und zwar mit 900 cm/s, am Magnetkopf vorbei. Diese sehr hohe Bandgeschwindigkeit stellte erhebliche mechanische Probleme hinsichtlich Laufkonstanz, Abschliff, Bandzug und vielem anderen her. Für die Aufzeichnung schwarzweißer Bilder genügen bei diesem Verfahren zwei Magnetspuren, eine für das Bild mit den Synchronsignalen und die andere für den Begleitton. Man kam deshalb mit dem (in den USA) üblichen 6,35 mm (1/4") breitem Tonband, wie es damals bereits weltweit genormt war, aus.

 

Zu dem damaligen Zeitpunkt war die Versuchsanlage der RCA noch nicht für den Stationsbetrieb oder gar für eine ständige Einsatzbereitschaft geeignet und der Autor des damaligen Artikels aus dem Jahre 1954 ging davon aus, dass also ein bis zwei Jahre nötig werden, um ein praxisnahes Gerät anbieten zu können. Die Anlage war seinerzeit 2,10 m hoch und 1,75 m breit. Es lassen sich, wie Bild 21 rechts oben zeigt, drei Abteilungen unterscheiden. Links befinden sich die Aufnahmeverstärker und rechts die Abhör- Einrichtungen, in der Mitte erkennt man die beiden Bandtrommeln mit den verschiedenen Bandführungsrollen, die wie es in den USA üblich ist, senkrecht stehen. Bei 45 cm Durchmesser der Bandtrommeln wird eine Laufzeit von etwa vier Minuten erreicht.

Flying-Spot-Kathodenstrahlabtaster

Nach wie vor wurde also der Sendebetrieb beim Fernsehen überwiegend, abgesehen von Live-Aufnahmen, mit 16-mm-Filmen betrieben. Die Qualität der Abtastung der Filme war deshalb von besonderem Interesse. So entstanden zahlreiche Mustergeräte, um sowohl den Film als auch die sich ergebende Qualität testen zu können. Besondere Arbeiten wurden dabei von den Feinmechanischen Werkstätten Röder in Berlin-Tempelhof und der Fernsehübertragungsstätte der Deutschen Bundespost, ebenfalls in Berlin-Tempelhof, geleistet.

Der entwickelte Abtaster arbeitete als Flying-Spot-Kathodenstrahlabtaster in Verbindung mit einem optischen Ausgleich durch ein rotierendes Vielkantprisma. Auf einem fahrbaren Stativ war eine in der Höhe verstellbare Säule befestigt, die das Filmabtastgerät trug. Ein langer Tubus mit einem Anschlussflansch diente als Verbindungsstück zur Projektionsröhre des Diapositivgebers.

In diesem Tubus befand sich ein Objektiv mit einer Einstellfassung. Damit wurde der Raster der Projektionsröhre verkleinert auf dem Film scharf abgebildet. Der Antriebsmotor war stehend und um 180 Grad drehbar oberhalb des Gehäusebodens angeordnet. Diese Verstellmöglichkeit gestattete es, gewisse Bildfehler, zum Beispiel das Flimmern, durch Angleichen der Phase der Film- und Prismenbewegung an die Phase des beschriebenen Rasters zu beseitigen. Obwohl dieses entwickelte Versuchsgerät nicht in jeder Beziehung vollkommen war, wurde es zum praktischen Einsatz gebracht. Die Erfahrungen mit diesem Gerät flossen wesentlich in die Entwicklung weiterer 16-mm- Filmabtaster ein (Bild 22).

1954 - Die neue Xenon- Projektionslampe

Bereits zu Anfang des Jahres wurde von Osram für Aufnahmen im Filmatelier eine Xenon- Filmlampe entwickelt. Diese Entwicklung wurde weitergeführt für Lichtquellen für die Filmprojektion. Mit der XBO 1001 wurde eine mit Xenongas gefüllte und mit Gleichstrom betriebene Gasentladungslampe entwickelt. Sie hat eine dem Tageslicht ähnliche Lichtfarbe von 5500 K, und der Lichtstrom der nackten Xenon-Röhre betrug 22.000 Lumen.

Die Verwendung der Xenon-Lampe ohne besondere optische Hilfsmittel hätte einen sehr niedrigen Lichtstrom beziehungsweise schlechten Wirkungsgrad ergeben, da sie im Gegensatz zum Bogenkrater, der das Licht nur nach einer Seite ausstrahlt, viel stärker allseitig rotationssymmetrisch strahlt und einen sehr ungleichmäßigen Leuchtdichteverlauf hatte.

Mithilfe eines Wabenkondensors gelang es jedoch, eine völlig gleichmäßige Ausleuchtung des Bildschirms zu erreichen, indem sich in jeder Einzellinse des Sechseck-Rasters ein Bild der glockenförmigen Entladung befindet (Bild 23). Die Erfahrungen im praktischen Betrieb nach einem halben Jahr waren hervorragend. Die Vorführdauer (einer Filmrolle) war nicht mehr durch die Länge der Kohlestücke begrenzt.

Die Lichtfarbe war auch bei Änderung der Stromstärke konstant und rein weiß. Damit setzte der Siegeszug der Xenon-Lampe bei der Filmprojektion ein, die bereits kurze Zeit später alle Bogenlampen mehr oder minder vom Markt verdrängte.

Vielfältig waren die Schwierigkeiten, mit denen sich die Tonfilmingenieure auseinanderzusetzen hatten. Konnten die meisten zwar im Laufe der Entwicklung überwunden werden, so blieben doch mehrere Probleme, die den Technikern auch im Jahre 1954 noch zu schaffen machten. Dies waren insbesondere der Donner-Effekt und Störungen im Gleichlauf des Films. Dazu gesellte sich dann bei der Einführung des Farbfilms noch die schwierige Herstellung einer geeigneten Tonspur auf jeden Streifen. Es wurde deshalb sehr viel Arbeit auf diese Themen verwendet, die ihren Niederschlag in der FKT fanden.

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