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60 Jahre Berichterstattung über Film und Fernsehen
Norbert Bolewskis gesammelte Rückblicke von 1947 bis 2007

1955 - Thema: Film archivieren

Ein Cinemascope Farbtestfilm mit vielen Trailern aus dem Jahr 1955 aus dem Bestand der UFA Handel Frankfurt - abgespielt in einem Privatkino im Jahr 2011 im vorderen Taunus
Hier ein anderes Filmmaterial auch aus 1955 - nicht alle Materialien waren so Farbverschoben

Das Thema Archivierung war bislang in den Heften der FKT kein großes Thema, erst 1955 berichtete man über Probleme beim Einlagern von Filmen für Archivzwecke. In dem Zusammenhang gab es einige Anmerkungen, die im Prinzip auch heute noch gelten, und die von der National Film Library in England herausgegeben wurden. Grundbedingung ist einmal die niedrige und beständige Lagertemperatur, damals sogar sehr tief bei 1 bis 4 Grad Celsius (heute geht man in dem Bereich etwas höher weil die Kosten für eine derartige ständige tiefe Temperatur kaum vertretbar sind), konstante relative Luftfeuchte von 50 Prozent, man empfahl, die Filmdosen nicht zuzukleben und nicht hochkant zu lagern, weil das Gewicht der Rolle die Filmlagen zusammendrückt und so die Gase am Entweichen hindert.

 

Interessant vielleicht der Schlusssatz des Beitrags. Darin heißt es "Abschließend sei noch auf einige Probleme der Zukunft hingewiesen. Besondere Schwierigkeiten bereitet der Farbfilm, da bei Dreischichten-Filmen nach ungefähr fünf Jahren die Cyan-Bestandteile fast völlig ausgeblichen sind." Da hat sich doch heute Erhebliches verbessert.

 

Immer häufigeren Gebrauch findet die magnetische Tonaufzeichnung. Es war also an der Zeit sich auch mit den Lagerbedingungen dieses Materials zu befassen. Im Zusammenhang mit den sogenannten Freiluft-Kinos, die erst einige Jahre später als Autokinos bezeichnet wurden, wurden die Projektoren auf ihre mögliche Leistung für einen solchen Einsatz untersucht. Im Großen und Ganzen war man mit der Testprojektion auf eine 312 Quadratmeter große Bildwand auf dem Werksgelände von Frieseke & Höpfner zufrieden. Allerdings kamen damals für derartige Anwendungen nur Kohlebogenlampen im Lampenhaus in Frage.

Der Eidophor Projektor

Praktisch zur gleichen Zeit beschäftigte man sich auch bereits mit der Fernseh-Großprojektion. Die ersten Methoden waren, das Fernsehbild von der Bildröhre mit einer Filmkamera abzufilmen und das dann groß zu projizieren. Es wurde auf ein neues Prinzip, auf den sogenannten Eidophor-Projektor hingewiesen, dessen Idee und Entwicklung bereits 1952 kurz angedeutet war. Allerdings war wohl damals die Lichtausnutzung noch relativ gering und bei dem neuesten Eidophor-Modell der Cent-Fox wusste der Berichterstatter nur zu sagen, dass noch offen sei, wie sich das Gerät in der Praxis bewähren wird (Bild 24).

Es gab noch andere Verfahren, die man heute kaum noch kennt. So zum Beispiel das Scophony-System. Dabei wird Ultraschall entsprechend dem Videosignal moduliert und in ein Flüssigkeitsgefäß geleitet. Es erzeugt ein Schlierenbild, das von einer besonderen Optik als Lichtbild projiziert werden kann. Allerdings sind wohl nur Labormodelle und kein Projektor realisiert worden. Genau das aber ist der Fall bei dem anschließend beschriebenen Projektor mit einer speziellen Projektionsbildröhre, deren Bild über ein Projektionsobjektiv auf eine Bildwand geworfen wurde (Bild 25).

Dabei galt es, zwei wesentliche Schwierigkeiten zu überwinden, die eine war die riesige Wärmebelastung, die der Strahlleistung und der Lebensdauer der Projektionsbildröhre eine Grenze setzte. Und zum anderen war es die Entwicklung eines entsprechenden Projektionsobjektivs. Denn ein modernes lichtstarkes Projektionsobjektiv mit dem Öffnungsverhältnis von 1:2 nimmt nur ein Zwanzigstel des gesamten Lichtstroms auf, der dann von der Projektionswand wieder auf den ganzen Raum verteilt wird.

Man verwendete deshalb eine Spiegeloptik, die sich bereits in der Astronomie bewährt hatte, und die als wesentliches Element einen sphärischen Hohlspiegel enthielt, dessen Abbildungsfehler durch eine Korrektionsplatte korrigiert wurde. Neben seiner hohen relativen Öffnung von 1:1 oder gar 1:0,8 hatte er den Vorteil, nur aus zwei optischen Elementen zu bestehen.

Der erste Philips-Fernseh- Großprojektor dieser Art war für eine Bildgröße von 3×4m vorgesehen. Man stellte weitere Großprojektoren mit höherer Anodenspannung und größerem Objektiv in Aussicht, und zwar mit Bildröhren von etwa 18 bis 21 cm Durchmesser mit Anodenspannungen bis 80.000 Volt. Die zu verwendenden Schmidt-Spiegel hatten dann einen Durchmesser von etwa 60 bis 70 cm und man erreichte Bilder von etwa 6×8m Größe.

8mm und 16mm Schmalfilm haben noch große Bedeutung

Da es Videokameras für Amateure noch nicht gab, entwickelte sich der Schmalfilm sowohl im Amateurbereich als auch im professionellen und semiprofessionellen Bereich als ein großer Wirtschaftsfaktor. Themen zu Kameras und Bearbeitungsgeräten für 16- mm-Film nehmen die ganzen nächsten zwei Jahre einen relativ großen Raum in der FKT ein.

 

In den Filmstudios beginnt die Tricktechnik neu Einzug zu halten. Insbesondere die Rückprojektion wurde damals propagiert. Allerdings verlangt dies eine genaue Planung der Kameraführung und bietet wenig Möglichkeiten einer trickfilmischen Änderung.

 

Vom 11. bis 16. Juni 1955 fand in Stockholm eine Tagung der International Organization Standardisation (ISO) statt, an der zehn Nationen mit insgesamt 48 Delegierten teilnahmen. Die deutsche Delegation war mit vierzehn Personen relativ groß und auch ihr Einfluss wurde bei der Festlegung der internationalen Normen weitgehend berücksichtigt. Deutschland spielte auf dem Parkett der internationalen Normung wieder eine wichtige Rolle, und es wurde, so heißt es wörtlich, "der Geist internationaler Zusammenarbeit lobend anerkannt, der wesentlich zur Verständigung auf den Normengebieten beitrug." Die aktive Beteiligung der deutschen Delegation fand allgemeine Anerkennung und den Dank der schwedischen Standards Association.

Der Strom für die Schweinwerfer wird ein Kostenfaktor

Besonderen Raum nahmen auch lichttechnische Neuheiten in der Berichterstattung ein. Und damit im Zusammenhang gab es auch viele Fragen des Strombedarfs und der Stromversorgung. Da es damals noch üblich war, bei den Filmaufnahmen als wichtigste Beleuchtungseinrichtungen Kohlescheinwerfer, Glühlichtscheinwerfer und Leuchtstoffbeziehungsweise Gasentladungslampen zu verwenden, waren grundsätzlich zwei Stromarten, nämlich Gleich- und Wechsel- bzw. Drehstrom erforderlich. Die Planung zur Strom- und Spannungsversorgung in einem Atelier war deshalb keine leichte Aufgabe. Bild 26 zeigt zum Beispiel die Dreh- und Gleichstromzähler zum Ablesen der verbrauchten Stromleistungen für jedes Atelier bei der Bavaria Filmkunst in München.

 

Das Jahr 1955 und auch spätere Jahre waren gekennzeichnet durch relativ viele Kino- Neubauten. Dabei ging es darum, bei diesen Kinos auch die neuen Filmverfahren zu berücksichtigen, die, so war man der Meinung, Form und Gestalt der Lichtspieltheater beeinflussen. Dabei galt 1955 die Gestaltung des Europapalastes in Duisburg als Filmtheater, bei dem in besonders gelungener Form die technischen und ästhetischen Forderungen zusammen kamen (Bild 27).

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