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60 Jahre Berichterstattung über Film und Fernsehen
Norbert Bolewskis gesammelte Rückblicke von 1947 bis 2007

1979 - langsame Erkenntnis - "analog" ist zuende

Franz-Joseph Strauss wird Ministerpräsident in Bayern. Der Schah von Persien verlässt den Iran, Khomeini gründet die islamische Republik. Am Jahresende überschatten mehrere Krisenherde die politische Szene: Wettrüsten, Energiekrise, Nord-Süd-Konflikt; Nordirland, spanisches Baskenland, Naher Osten, Iran, Afghanistan (hat sich eigentlich etwas geändert in den vergangenen 30 Jahren?). Technisch bemerkenswert ist, dass die Europa-Rakete "Ariane" nach mehrfachen Versuchen doch endlich erfolgreich gestartet werden konnte. Der erste Telefonanschluß mit Glasfaserkabel in der Bundesrepublik Deutschland und Europa wird verlegt.

 

So langsam setzt sich im dem Fernsehstudio die Erkenntnis durch, dass die zurzeit im Studio und zur Übertragung zwischen den einzelnen Sendeanstalten gebräuchlichen Analoggeräte zunehmend durch gleichwertige Digitalgeräte ersetzt werden könnten. Eine solche Umstellung - so hieß es in einem Grundsatzbeitrag - könne jedoch nicht eher ins Auge gefasst werden, als dass sich die digitale Videoaufzeichnung als ausführbar erwiesen hat. Im Beitrag werden die wesentlichen unterschiedlichen Charakteristiken von digitalen Aufzeichnungsgeräten mit denen der analog arbeitenden Geräte verglichen.

Beschrieben werden ferner die Probleme und ihre Lösungen sowie die Anforderungen, die sich ergeben, wenn eine hohe Aufzeichnungsdichte auf dem Magnetband erreicht werden soll. Das Resultat ist dann allerdings ein Digital- Aufzeichnungsgerät mit annähernd gleichem Magnetbandverbrauch wie die zur damaligen Zeit üblichen 1-inch-Helical-Analog- Recorder, womit der Beweis erbracht war, dass man die digitale Aufzeichnung weiter entwickeln sollte.

 

Während man im Bereich Video noch stark am Experimentieren mit der Digitaltechnik war, ging man in der Tontechnik aufgrund der geringeren nötigen Datenrate schon weiter in die Praxis. Vor allem auf dem Gebiet der digitalen Speicher ließ sich gegenüber den konventionellen analogen Speichern eine deutliche Qualitätsverbesserung erreichen. Aber die neue digitale Technik war damals noch relativ aufwendig, und bestimmte technische Probleme noch nicht gelöst. Das behandelte ein aus heutiger Sicht noch immer interessanter Übersichtsbeitrag, der zu der Erkenntnis führte, dass die damaligen Speicher in digitaler Technik bereits eine eindeutige Überlegenheit in den technischen Daten zeigten, die Prozessoren damals noch wenig digitalisiert waren und die elektrischen Wandler, wie der Autor Karl Otto Bäder von EMT schrieb, wohl auch in der Zukunft nur in digitaler Form realisierbar sein werden. Das war ein Irrtum, wie sich einige Jahre später zeigte (Bilder 143 und 144).

Die Fernsehmesse in Montreux 1979

Die Fernsehmesse in Montreux zeigte aber auch deutlich auf, dass die Zeit für die digitale Videoaufzeichnung langsam reif wird und man in den nächsten Jahren darauf warten konnte. In Montreux wurden gleich drei digitale Videorecorder vorgestellt, und zwar von Ampex, Bosch-Fernseh und Sony. Alle drei Recorder arbeiteten unterschiedlich; sie hatten unterschiedliche Formate, die sich durch den Rückgriff auf analoge Recorder und ihre Modifizierung zum digitalen Recorder ergaben. Ampex legte bei seinem Recorder besonderen Wert darauf, eine digitale Aufzeichnung zu erreichen, ohne Kompromisse hinsichtlich der Signalaufzeichnung vorzunehmen, das heißt, ohne Bitratenkompression. Man modifizierte für diesen Zweck eine 2-inch-Querspurmaschine.

 

Bei Bosch-Fernseh ging man den Weg der Optimierung von Bitrate und Bandverbrauch in einem ebenfalls rein experimentellen Recorder. Auf der Messe zeigte man eine modifizierte 1-inch-,,BCN"-Maschine. Das Band lief mit der halbierten Bandgeschwindigkeit von 12 cm/s. Man arbeitete mit einer Aufzeichnung von 80 Mbit/s.

Grundlage für die Erstellung eines experimentellen digitalen PAL-Recorders war bei Sony die 1-inch-Maschine "BVH-1000", die nach dem C-Standard arbeitete. Vor der Überlegung stehend, die Band-Kopf-Geschwindigkeit zu erhöhen, oder auf Zwei-Kanal-(Vierkopf-)Aufzeichnung überzugehen, entschied man sich für das Letztere, sodass die Grund-Parameter der Maschine gleich bleiben konnten und nur eine Reduzierung der Spurbreite vorgenommen werden musste. Mit dieser Methode ergab sich ebenfalls ein Datenstrom von 80 Mbit/s.

Besondere Mühe wandte man bei Sony auf die Methoden der Fehlererkennung und -korrektur an. Die dabei erreichten hervorragenden Ergebnisse wurden durch die Wiedergabe einer fünfzigsten Generation im Vergleich zu einer Aufnahme der zweiten Generation aufgezeigt.

 

Der Film musste wieder punkten gegenüber dem Fernsehen, statt 3D kam Stereophonie als neueste Technik im Spielfilm. Dolby entwickelte sein Stereo-Verfahren für Lichttonfilmkopien, das beschrieben wurde. Dabei werden auf dem Film zwei Doppelzackenschriften mit getrennter Modulation aufgezeichnet. Eine bei Aufnahme und Wiedergabe angewandte Matrixtechnik ermöglicht über die zweispurige Aufzeichnung hinaus auch die Wiedergabe von besonderen Effekten zur Erzeugung eines starken Raumeindrucks.

Die Internationale Funkausstellung 1979

Die Internationale Funkausstellung 1979 stand vor der Tür und für zwei neue Amateur- Aufzeichnungssysteme war das die Premiere: und zwar das von Grundig und Philips entwickelte "Video 2000"-System (Bild 145) und das ,,LVR"-Verfahren von BASF (Bild 146). Bei ,,Video 2000" handelte es sich um ein Schrägspurverfahren. Besonderheit war, dass erstmals bei einem Heim-Aufzeichnungsverfahren das Prinzip der dynamischen Spurführung mit den sich daraus ergebenden Vorteilen angewandt wurde.

Beim seit längerem bekannten, aber nun erstmals dem Fachhandel vorgestellten ,,LVR"-System erfolgt die Aufzeichnung in Längsspur, und das Verfahren unterschied sich somit vollkommen von allen bisher vorgestellten Video-Aufzeichnungssystemen, weil am Ende des 8 mm breiten Bandes auf eine neue Spur der insgesamt 72 Spuren gewissermaßen im Rücklauf umgeschaltet werden musste. Und das war der Schwachpunkt, den man praktisch nie richtig (sprich verzögerungsfrei - ohne Bildspeicher damals) in den Griff bekam.

"Video 2000" indessen war ein ingenieurmäßig hochwertiges System mit 1/4-inch-Schrägspuraufzeichnung (!) auf 1/2-inch-Band, aber es haperte an der Vermarktung und der bereits ja schon kräftigen Betamax- und VHS-Konkurrenz der (damals noch) preiswerten Japaner.

 

Der erste Aufsatz in einer deutschsprachigen Filmfachzeitschrift über Computerfilm stammt von Hans-Joachim Andree. Er berichtete über das für die Fachwelt völlig neue Thema, wie mit Hilfe der Computertechnik sich bereits damals nach Eingabe der Anfangs- und Endphasenbilder die Zwischenphasen automatisch ausrechnen und auf einem Sichtgerät darstellen. Viel spannender aber war es, dass besondere Computerprogramme die Herstellung rein synthetischer Bilder ermöglichten, ohne an irgendeine Vorlage gebunden zu sein. Es wurden in dem damaligen Aufsatz Entwicklung, Anwendung und Möglichkeiten der Computer-Bilderzeugung (Computer Graphics) im Film- und Fernsehbereich beschrieben, die heute noch die Grundlagen dieser Technik bilden.

Anhand zahlreicher Beispiele wurde der Stand der Technik bei den Geräten und Programmen dargestellt. Nur schwerlich ließ sich damals erahnen, welch eine rasche Entwicklung durch diese Computer-Graphics- (CG-)Technik kommen sollte. Damals waren es wenige Freaks und Mathematiker, vorzugsweise in den USA, die mit den einfachsten damals verfügbaren ersten Computern die heute kaum noch wegzudenkende Computertechnik im Film schufen (Bilder 147 und 148).

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