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Dokumente aus dem Nachlass des Günter Bartosch (2013†)

von Gert Redlich im Dez. 2015 - Günter Bartosch hatte sie alle aufgehoben, die Dokumente von vor über 70 Jahren, die belegen, so war es 1945 wirklich: "Der Weg aus 12 Jahren Diktatur in die Freiheit." Und sie stimmen überein mit den Geschichten des Wolfgang Hasselbach, Michael Hausdörfer, Eduard Rhein, Artur Braun, Herrman Brunner-Schwer und auch Max Grundig. Doch wohin damit ? Wo passen diese Zeitzeugen- Geschichten und -Bilder hin ?

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Kurze (Original) Erläuterung zu den 79 Bildern

Fotos von Wolfgang Grimm - (Text Egon Artlich, Bonn) - Anmerkung : Manche Bilder sind so unscharf bzw. von nicht erkennbarer Qualität, daß sie hier nicht abgebildet wurden.

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1: Stellung Tegel südlich der Maxim-Gorki-Str., nordöstlich S-Bhf. Blick nach Süden. Ende Januar 1944 nach Eintreffen des Jahrgangs 1928 werden die Geschütze und Meßgeräte zum Transport mit unbekanntem Ziel vorbereitet.

2: Ein 10,5cm Geschütz ist abfahrbereit. Die 4 Rohrringe = 4 Abschußbeteiligungen.

3: Eine Zugmaschine fährt das Geschütz aus der Stellung Tegel.

4: Im Hintergrund der Borsig-Verwaltungsturm.

5: Ein Geschütz (insgesamt 4) wird an die Zugmaschine angekoppelt.

6: Das letzte Geschütz verläßt die Flaktstellung Tegel und die 15-,16-jährigen Luftwaffenhelfer verlassen ihre Heimat. Eltern nicht zugegen, da Termin geheim. Im Hintergrund die Wohnzeilen der Gorki-Strass und einige Baracken der Stellung. Links (hinter dem Unteroffizier) Eingang zur Stellung von der Straße aus.

7: Abends Ankunft auf dem Güterbahnhof Putlitzstraße. Geschütze, Meßgeräte, Munition werden auf/in Güterwagen verladen. Spät am Abend Abfahrt, Ziel uns unbekannt.

8: Auf unserer Fahrt nach Süden, hier hinter Dresden (Elbe).

9: Der Zug passiert Prag am Vormittag. Hinten der Hradschin.

10: Der Zug hält auf einem Abstellgleis. Kanonenofen im Waggon, dicht belegt, Strohunterlage. Warme, knöchellange Wachmäntel wurden vorher ausgeteilt.

11: Der Batterie-Koch (zugleich Geschützführer) zerlegt Fleisch für die Gulaschkanone.

12: Die Stammsoldaten beim Warten auf das Essen vor der Gulaschkanone.

13: Stammsoldaten mit den Kochgeschirren beim Essenfassen.

14: Das Essen (Suppe) dampft in der kalten Luft.

15: Der Hauptwachtmeister prüft das Essen.

16: Der Hauptwachtmeister - der Spieß - ist mit dem Essen zufrieden.

17: Nach 2,5 Tagen Bahnfahrt Ankunft in Marburg/Drau.

18: Beim Dorf Fraustauden jenseits der Drau soll die neue Batteriestellung entstehen. Im Hintergrund das Bachergebirge. Weinberge.

19: Ein Geschütz wird auf durchweichtem Boden in Stellung gebracht.

20: Die Schule in Fraustauden als vorläufige Unterkunft für LwH und Mannschaft. Die russischen Hilfswilligen (Hiwis) müssen in kalten Zelten übernachten.

21: Schlafstätte in der Schule.

22: Die vorläufige Unterkunft. Nachts mußten auch die LwH je 2 Stunden mit MP Wache stehen. Partisanen-Gefahr (Tito).

23: Nach einiger Zeit stehen die ersten Mannschaftsbaracken, tief gelegt mit Wall.

24: Luftwaffenhelfer bei erster Sonne vor der Baracke.

25: Baracke hinter Schutzwall am Waldstreifen.

26: Putz- und Flickstunde im Freien.

27: Beim Bau der Unterstände (incl. Wall, Munitionskammern) für ein Geschütz Febr. 1944.

28: Der Batteriechef, Oberleutnant Odebrecht, überwacht den Ausbau der Stellung am Dorfrand

29: Die Geschützwälle werden geschaufelt. Boden z.T. gefroren.

30: Wälle schaufeln zum eigenen Schutz. Von der Dringlichkeit dieser Arbeit ist jeder LwH nach den im November 1943 in Tegel erlebten nächtlichen Großangriffen überzeugt.

31: Die fertigen Geschützstände werden inspiziert.

32: Batteriechef, Spieß und Geschützführer (Uffz.) innerhalb des Geschützwalles.

33: Das "friedliche " Panorama: Dorf, Kirche, Bachergebirge. Bewohner überwiegend deutsch.

34: Besprechung des Batteriechefs mit zwei Geschützführern

35: Blick auf die 10,5 cm Geschütze (4) der Batterie.
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37: Feldwebel Muschallik der Geschützstaffel.

38: Unteroffiziere (Geschützführer) der Geschützstaffel.
39: """
40: Geschützführer Cziza (Wien) am Geschützstand.
41: Einer der beiden Offiziere der Batterie.
42: Blick auf zwei Funkmeßgeräte (Radar) und das Kommandogerät (optische Messung).
43: Blick auf die Schutzwälle der Meßgeräte.
44: Blick auf die Meßstaffel-Geräte. Vor dem Höhenzug fließt die Drau.

45: Der Parabolspiegel eines Funkmeßgerätes. Nachts konnten die Flugzeuge nur radartechnisch nach Richtung u. Entfernung geortet werden. Bei Wolken und Flughöhen von 7 bis 10 km waren Scheinwerfer wirkungslos.

46: LwH am Flak-Fernohr (ständig tags besetzt wegen Überraschnungsangriffen).
47: LwH am Kommandogerät. 4m langes Basisrohr für Vorwärtseinschnitt des feinlichen Flugzeuges. Nur bei Sicht einsetzbar.

48: Das Kommandogerät. Gutes räumliches Sehen war erforderlich.
49: Übung am Kommandogerät. Die Daten wurde elektrisch zu den Geschützen übertragen. Es waren mehr LwH in der Meßstaffel als in der Geschützstaffel.

50: Geschützrohr Berta (B). Jetzt 5 Abschußringe. Es wurden tags die nach Wien (Stadt) und zu den Erdölfeldern bei Wien und in Rumänien von Italien fliegenden US-Bomber sowie die nachts zu den Tito-Partisanen fliegenden britischen Versorgungsflugzeuge beschossen. Versehentlich wurde auch eine deutsche Maschine abgeschossen.

51: LwH als Höhenrichtkanonier am Geschütz Cäsar. Rechts Seiten-Richtstand. Die vom Kommandogerät oder Radar vorgegebenen Richtwert-Zeiger der Uhren mußten mit dem Folgezeiger des Geschützes durch entsprechende Geschützdrehung mittels elektrischer Motore (oberes Steuerrad) oder Hand (seitliche Kurbelräder) - bei Stromausfall - zur Deckung gebracht werden.

52: Wie Nr. 51. Stahlhelm bei Alarm.
53: LwH in Ausgeh-Uniform mit Hakenkreuzbinde links ähnlich Flieger-Hitlerjugend.
54: Beim Geschützreinigen.
55: LwH in Pose als Geschützführer mit Mikrofon, Meldung an Batteriechef: Geschütz feuerbereit. Die Salven aller 4 Geschütze wurde beim Klingelzeichen ausgelöst.

56: Geschützreinigen. Im Wall ein Munitionsbunker, den die russischen Hiwis bedienten.
57: LwH in 2. Garnitur (Dienstuniform), nur Schirmmütze statt "Schiffskäppi" wie bei den Älteren.
58: LwH in Pose als Ladekanonier. Geschoß wird elektrisch in Rohr eingeführt.
59: Geschützstand säubern. Dahinter eine Lafette.
60: Reinigen eines Geschosses. Granate u. Patrone zum schnellen Schießen fest verbunden. Bis zu 100 Granaten wurden bei schweren Angriffe je Geschütz verschossen.
61: LwH (ab Mai 1944 nur noch Jahrgang 1928 in Marburg) im Einsatz.
62: Voralarm. Warten auf den evtl. Hauptalarm am Geschütz.
63: Geschützführer beim Voralarm. Die Richtwerte konnten auch von anderen Stellungen - mit dem Malsi-Gerät koordinatenmäßig umgeformt - per Kopfhörer übernommen werden.
64: Reinigen des Geschützrohrer unter Einsatz der russischen Hiwis.
65: Rohrreinigung.
66: Frau mit Sammelbüchse für das "Winterhilfswerk".
67: Ruhepause mit Musik. Jetzt 6 Rohrringe.
68: LwH beim Brotrösten im Freien. Das Leben in der Stellung, in den Baracken war triste. Kaum Ausgehurlaub (Partisanengefahr), 2-wöchiger Heimaturlaub angesichts der Frontlagen in Rußland, Frankreich und Italien gestrichen, Essen mäßig, kaum Schulunterricht durch fremde Lehrer. Nur Post bringt Abwechslung.
69: Verbesserung der Stellung, zugleich Beschäftigungstherapie.
70: " "
71: Gruppenfoto. Aushub für neue Baracke.
72: Die Batterie ist im Dorf zum Appell angetreten. Vorn die Stammsoldaten, hinten die Luftswaffenhelfer Jahrgang 1928 im Spätsommer 1944. 20. Juli?
73: LwH in neuer, "schmucker" Sommeruniform.
74: """
75: LwH Rauhut (später Dr.-Chemiker, Leiter Papierfabrik in Neustadt/Weinstraße.
76: Beim Schuß Ohren zuhalten am Geschütz. Schallschützer gab es nicht!
77: Zielübung manuell mit Richt-Höhengradbogen. Bild 55: Nr. 12 am Wall = Norden.
78: Winter 1944/45. Zeitvertreib beim Feuermachen im Schnee.
79: Zwei zum Essenholen eingeteilte LwH.
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Nachsatz :

Bis Februar 1945 Entlassung der LwH, Sprengung der Geschütze danach, Vormarsch der Russen auf Wien, Anrücken der Tito-Kämpfer.

Was wurde aus den Stammsoldaten? Fronteinsatz, russische Gefangenschaft, Tod?

Was wurde aus den russischen Hiwis? Gefangengenommen, deportiert oder erschossen von den Russen? Oder zu den Amerikanern in Italien/Österreich geflohen? Dann evtl. den Russen als Verräter übergeben?

Was mußten die deutschstämmigen Dorf- und Stadtbewohner bei Marburg auf der Flucht, bei der Vertreibung erleiden?

Was erwartete die entlassenen Luftwaffenhelfer, Jahrgang 1928, in Berlin? Bombenangriffe, tags, nachts, Volkssturm, Russen-Einmarsch?

(Text Egon Artlich, Bonn)
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