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60 Jahre Berichterstattung über Film und Fernsehen





Die Bildplatte


Der 24. Juni 1970 war Weltpremiere in Berlin, und der Öffentlichkeit wurde zum ersten Mal das neue Video-System Bildplatte vorgestellt. Es entstand in Teamarbeit von Ingenieuren der Firmen AEG-Telefunken und Teldec (Bild 89). Die Bildplatte war in der Lage, Informationen mit mindestens 500.000 bit/mm2 aufzuzeichnen und mit Hilfe der Druckabtastung auszulesen. Die neu entwickelte sogenannte Dichtspeichertechnik in Tiefenschrift ermöglichte es, frequenzmodulierte Signale mit 120 bis 140 Rillen je Millimeter Speicherbreite aufzuzeichnen (Bild 90). Der Ton war als Impulsfolge in der Zeilenaustastlücke gespeichert. Bei der Bildplattenherstellung lässt sich ein Verhältnis von Spielzeit zu Vervielfältigungszeit von etwa 1000:1 erreichen; die reinen Speicherkosten lagen unter 10 DM je Stunde. Auch bei diesem System war die ingenieurmäßige Leistung enorm - die Vermarktung indessen scheiterte.

 

Für die Fernsehstudiotechnik ein wichtiges Ereignis war die Entwicklung von Entladungslampen für das Farbfernsehen, den sogenannten HMI-Lampen (Halogenmetalldampflampe) (Bild 91). Es handelte sich um Lichtquellen, die für Beleuchtungszwecke bei Farbfernsehaufnahmen sowohl für Farbfilmals auch für Fernsehkameraaufnahmen entwickelt worden war und in den Jahren danach zu einem festen Bestandteil nicht nur der Studiobeleuchtung sondern vor allem auch bei Außenaufnahmen wurden. Die erste Lichtquellenentwicklung hatte bei 575 W Leistungsaufnahme eine Lichtausbeute von etwa 80 lm/W, eine Lichtfarbe von etwa 6000 K und den enorm hohen allgemeinen Farbwiedergabeindex von 90.


Schaut man sich Bild 92 an so könnte man glauben, es ginge jemand mit einem Ofen auf dem Rücken gebunden spazieren. Doch es handelte sich um eine erstaunliche Entwicklung, um ein Intersynchronisationssystem für Fernsehreportagen. Mit Hilfe dieses Systems für Fernsehaußenaufnahmen mit einer tragbaren Fernsehkamera war es den Laboratoirs d'Electronique et de Physique Appliquee in Frankreich gelungen, die Reportagemöglichkeiten wesentlich zu verbessern. Es besteht aus einem sehr kompakten, in der Aufnahmeeinheit untergebrachten Synchronisations-Signalgenerator, der aus integrierten Schaltungen in DTL-Technik aufgebaut ist. Mit einem regelbaren Untersetzer kann man Dauer und Phase der benötigten Zeilensynchronimpulse alle 20 ms um maximal 100 ns und die Phase der Bildfrequenz um 2 Zeilen je Bild korrigieren. Auch unter den ungünstigsten Bedingungen kann man die Synchronisation damit bis auf einen Bildpunkt genau regeln.

 

In der Amateurfilmtechnik, im Super-8- Bereich, gab es die Innen-Belichtungsmessung schon längere Zeit. Aber kein professioneller Filmkameramann hätte so etwas benutzt. Der an einem Band um den Hals gehangene Belichtungsmesser war nicht nur ein wichtiges Messinstrument, sondern gewissermaßen auch äußeres Statuszeichen aller Kameramänner. Und so war es dann fast mutig zu nennen, dass ARRI ein CdS-Nachführbelichtungsmesssystem zur Messung durch das Aufnahmeobjektiv für die "Arriflex 16 BL"-Kamera entwickelte (Bild 93). Kein geringerer als der Chefkonstrukteur E. Kästner stellte es in einen ausführlichen Fachbeitrag vor und erläuterte das Prinzip einer stabilen Temperaturkompensation, dass das eigentliche Problem war, um präzise Messungen zu erreichen.

 

Und auch damals stand bereits die Automatisierung von vielen abzuspielenden Spots bei der Übertragung im Vordergrund. Davon zeugt ein Beitrag über den Video-Kassettenrecorder "TCR-100" von RCA (Bild 94). Analog zum Mehrfach-Kassettengerät in der Hörfunktechnik wurde ein Video-Kassettenrecorder für den Fernseh-Studiobetrieb entwickelt. Er war vorgesehen für Bandkassetten mit herkömmlichen 2-inch-Bändern und arbeitet mit der im Studiobetrieb üblichen Vierkopf-Aufzeichnung. In der Regel wurde jeder zu sendende Spot auf einer Kassette aufgezeichnet, wobei Vorgänge, die länger als drei Minuten dauern, auch auf zwei oder mehr Kassetten verteilt werden konnten. Ist der "TCR-100" einmal mit seinen maximal 22 Kassetten bestückt, so erlaubt er die automatische sequenzielle Abspielung gemäß vorher eingegebenem Programm.


1971

Willy Brandt erhält den Friedensnobelpreis, in der Bundesrepublik Deutschland werden 555 Terror-und Gewaltakte registriert, Walter Ulbricht in der DDR tritt als 1. Sekretär des ZK er SED zurück., das sind einige innerdeutsche Kennzeichen des Jahres 1971. Der Film "Uhrwerk Orange" von Stanley Kubrick zeigt eine bis dahin nie gesehene Verrohung der Gesellschaft auf, im Gegensatz dazu steht der melancholische Film "Der Tod in Venedig" von Lucino Visconti. Beides sind heute Kultfilme. Die USA starten mit "Intelsat IV" den bislang größten kommerziellen Nachrichtensatelliten für gleichzeitig 6000 Ferngespräche oder vier Fernsehprogramme, und die Internationale Funkausstellung in Berlin bringt den Start verschiedener Audio-Video-Verfahren und der Quadrophonie.

 

Die Aufzeichnung von Fernsehsignalen erfolgt nach wie vor überwiegend auf 2-inch- Bänder nach dem so genannten Quadruplex- System. Problematisch war dabei immer noch das Schneiden, für das es zwar elektronische Hilfen gab, die aber nicht befriedigten. Einer der ersten Beiträge 1971 behandelte deshalb die Beschreibung einer elektronischen Schnittbearbeitung von Videobändern mithilfe des Timecode-Editing. Basis dieses Systems war ein Zeitcode, der auf der Cue-Spur des Videobands aufgezeichnet wurde. Wesentlich war die Zuordnung eines Zeitcodes zu jedem Fernseh-Einzelbild. Der Editor steuerte dann automatisch und mit den entsprechenden Vorlaufzeiten den elektronischen Schnitt anhand der Zeitcode-Angaben (Bild 95).

 

Aufsehen erregte auch ein neuer Eidophor- Projektor für die Projektion von Farbfernsehbildern bis zu etwa 12 m ??9 m Größe. Die grundsätzliche Arbeitsweise war unverändert geblieben, das heißt, man benutzt das Prinzip der durch einen modulierten Elektronenstrahl gesteuerten Ölschicht (Steuerschicht), die in Verbindung mit einem System von Spiegelstreifen wie ein "Lichtventil" den Lichtstrom einer sehr hellen Lichtquelle entsprechend dem Informationsinhalt des Fernsehsignals steuert. Diese "Nachleuchtdauer" des Bildes hängt dabei von der Viskosität des Öls ab. Der sich dadurch ergebende Speichereffekt kann maximal die Zeitdauer eines Teilbildes erreichen, und durch diesen verlängerten Effekt erklärt sich zum Teil die bemerkenswert große Lichtausgangsleistung des neuen Eidophor- Projektors 5070 (Bild 96).


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