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60 Jahre Berichterstattung über Film und Fernsehen





1965

Die militärischen Auseinandersetzungen in Vietnam nehmen im Februar zunehmend die Form eines regulären Krieges an. In Deutschland wird Ludwig Erhard Bundeskanzler. Der amerikanische Nachrichtensatellit Early Bird bezieht seine geostationäre Laufbahn und bietet somit 24 Stunden Fernsehübertragungsmöglichkeiten nach Europa und umgekehrt. Die Programmiersprache BASIC (Beginners All-Purpose Symbolic Instruction Code) wird erfunden.

 

Und: Der Super-8-Film wird erfunden. Am 1. Mai1965 stellte ihn Kodak in New York vor. Das ganze restliche Jahr über wird in Beiträgen über weitere Einzelheiten berichtet. Der neue Film selbst kommt erst im Herbst 1965 auf den europäischen Markt und aufgrund des etwas größeren Formats als beim Normal- 8-mm-Films und der verbesserten Filmqualitäten denkt man ernsthaft über eine Einführung auch im professionellen Bereich nach. Und über neue Kameras und Projektoren für Super-8-Film wird bereits in der Juni-Ausgabe ausführlich berichtet, auch wenn die Modelle noch nicht im Handel waren. Im Umfeld dieser Einführung des Super-8-Formats werden auch Themen wie "das kinematographische Bildformat im Wandel der Zeit" aufgegriffen, und es finden sich interessante historische Abhandlungen darüber in diesen Jahrgang (Bild 65 und Bild 66).


Das additive Farbfilmkopierverfahren hatte in den USA während der letzten Jahre die subjektive Methode weitgehend verdrängt. Nun wird man auch in Europa darauf aufmerksam und sieht die Vorteile, die sich aus dieser Technik ergeben. Hans Christian Wohlrab von Bell & Howell beschreibt ein solches automatisches additives System. Farblichtwerte können mechanisch von einem gelochten Programmband gesteuert werden. Selbst Auf-, Ab- und Überblendungen, deren Länge ebenfalls im Programmband festgelegt ist, werden während des Kopiervorgangs hergestellt. Eine vollautomatische Additiv-Durchlaufkopiermaschine mit Interferenzspiegeln zur optischen Strahlenteilung wird in Einzelheiten beschrieben. Die Einfachheit und Robustheit des additiven Lichtsteuerelements und die automatische Lichtsteuerung durch das gelochte Programmband mit 49 Lichtstufen vereinfachen die Kopiertechnik wesentlich und lösen bald die bisherigen Kopiermaschinen für Massenkopierung ab (Bild 67).


Wer glaubt, dass das 3-perf-Filmformat etwas Neues sei, der irrt. Kein geringerer als Arnold selbst von Arnold & Richter berichtete 1965 aus Anlass des Super-8-Formats darüber nachzudenken, ob nicht auch eine Verbesserung des 35-mm-Films möglich wäre. Verzichtet man nämlich auf die Perforation auf der einen Seite des Films und schaltet man nur um drei Perforationslöcher statt wie bisher um vier Löcher weiter, so lässt sich auf dem Film ein Breitbildformat unterbringen, dessen Fläche größer ist als die der bisherigen Systeme. Für das Filmtheater, so schrieb er, entstehen beim Umbau nur geringe Kosten. Bild 68 zeigt ein solches Breitbildformat mit dem Bildseitenformat 1:2 auf einseitig perforiertem 35-mm-Film. Im Beitrag wurde aufgerufen, Zuschriften für den Vorschlag an die Deutsche Kinotechnische Gesellschaft zu schicken, um auf der nächsten Jahrestagung darüber zu diskutieren. Wie man allerdings unschwer bemerken kann, ist es nicht zu einer Weiterführung dieses Formats gekommen.

 

Im gleichen Jahr erblickt wohl die berühmteste 16-mm-Schmalfilmkamera, die "Arriflex 16 BL" das Licht der Welt. Sie hat ein so geringes Laufgeräusch, dass sie auch bei synchronen Tonaufnahmen ohne Blimp benutzt werden kann. Man spricht von einer so genannten selbstgeblimpten Kamera. Das wurde dadurch erreicht, dass alle geräuscherzeugenden mechanischen Bauelemente gegen das Gehäuse schallisoliert montiert sind. Die Bedienungsgriffe werden nur während der Betätigung eingekuppelt. Als Objektiv ist ein Vario-System vorgesehen, das ebenfalls schallisoliert mit dem Gehäuse verbunden wird. Die Objektiveinstellungen werden mittels Gummielementen übertragen. Vor dem Objektiv befindet sich eine aufklappbare Filtertür mit auswechselbarem Halter (Bild 69).


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