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Ein Artikel über Walter Bruch zur Einführung des PAL Farbfernsehens im Aug 1967

Wir bekamen im Aug. 2009 einen alten Zeitungsausschnitt vom 28. August 1967 übermittelt. In selbigem wird, soweit es damals im Überschwang der Gefühle, Deutschland hatte wieder etwas anzubieten, überhaupt opportun war, einigermaßen wahrheitsgetreu erzählt :

Walter Bruch, Vater des "deutschen Farbfernsehens".


Der Vater des deutschen Farbfernsehsystems PAL, Walter Bruch, Jahr­gang 1908, zitiert gern den amerikanischen Erfinder Edison: „Erfinden ist ein Prozent Inspiration und 99 Prozent Transpiration." Mit anderen Worten: Eingebung und viel Schweiß machen nach Ansicht von Walter Bruch den Er­finder aus. Trotz der Bescheidenheit, die darin zum Ausdruck kommt, wird der größte Teil der europäischen Fernsehteilnehmer nach seinem PAL-System die Farben auf den Bildschirmen emp­fangen.

Für Europa machten die Bun­desrepublik und Westberlin am 25. August auf der Berliner Funk­ausstellung den Anfang. (Unser Bild zeigt Bruch bei einer Ehrung auf der Funkausstellung.)

Als Student erlebte Bruch auf der Funkausstellung des Jahres 1929 zum erstenmal das Fernsehen. Damals waren die Fernsehbilder etwa in der Größe eines Schulheftes zu sehen, grau und unvollkommen, und die Bildchen hatten eine Zeilenzahl, die zwischen 48 und 100 lag. Heute wird Fernsehen in der Regel mit 625 Zeilen ausgestrahlt. Bruch wurde kurz danach Mitarbeiter des Ungarn Denes von Mihaly, den er heute noch mit Bewunderung einen Berufs­erfinder nennt.

Im Jahre 1935 kam Bruch zu Telefunken und arbeitete dort unter der Leitung von Prof. Fritz Schröter in der Abteilung „Fernsehen und physikalische Forschung". Die Olympischen Spiele 1936 sahen ihn als Kameramann; er stand hinter der unförmigen Ikonoskop-Kamera, die am Ende der Kampfbahn zehn Meter vor der Ziellinie aufgestellt worden war. Im Jahre 1938 installierte Walter Bruch am Berliner Reichskanzlerplatz das erste voll elektronische Fernsehstudio und steuerte eigenhändig das Fernsehspiel „Flaschenteufelchen". Es war die Fernsehfassung nach der Er­zählung „The Bottle Imp" von Robert Louis Stevenson. Wie das damals nicht anders möglich war, ging diese Sendung live über den Bildschirm.

Aus 300 Meter Entfernung beobach­tete in weniger erfreulichen Zeiten später das Teleobjektiv der Fernsehkamera den Start der ersten V-1 Raketen in Peenemünde; auf Walter Bruch mochte man auch in dieser Zeit nicht verzichten.

Die Entwicklung des Farbfernsehens und besonders die Vervollkommnung des amerikanischen NTSC-Verfahrens durch PAL brauchte vierzehn Jahre Ent­wicklungsarbeit, wie Bruch sagt, mit einer verhältnismäßig kleinen Gruppe von Mitarbeitern. Am 3. Januar 1963 war es dann soweit: Er führte sein farbstabiles System den Experten der europäischen RundfunkUnion vor; er erntete spontane Bewunderung. In zahlreichen Städten zwischen Moskau und Madrid, Warschau und Rom demon­strierte er in der folgenden Zeit sein System, das wegen der automatischen Korrektur des farbigen Bildes seine Überlegenheit bewies. Walter Bruch wurde zu „Mister Pal" oder — wie es der technische Direktor des Norddeut­schen Rundfunks, Dr. Rindfleisch, ein­mal ausdrückte — zum „Palstaff".

Wenn man den zurückhaltenden Mann, der in diesen Tagen in Berlin förmlich herumgereicht wird, fragt, was er in Zukunft zu tun gedenke, ant­wortet er: „Stellen Sie mir bitte diese Frage, wenn wir alle wieder zur Besin­nung gekommen sind." -

  • Dieser Artikel wurde im Aug 1967 von Herrn Ernst-Günther Eck geschrieben. In welcher Zeitung er erschien, ist nicht mehr herauszufinden.

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