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1962 erschien ein Buch von Werner Rings
Die 5 Wand: Das Fernsehen

Feb. 2011 - Wieder ist ein Buch aus den 60ern in der Redaktion gelandet. In diesem Buch wird mit dem Wissens- und Informationsstand vom Frühjahr 1962 "Das Fernsehen", die Technik und die Psychologie des Fernsehens samt der Beteiligten auf fast 400 Seiten beschrieben. Die vielen vielen Bildseiten und Fotos sind nicht mit durchnummeriert, sodaß das Buch auf insgesamt mehr als 500 Seiten kommt.

Und sie kommen alle vor, die am Fernsehen irgendwie und irgendwann beteiligt waren. Der Index ist sehr ausführlich und auch die Texte sind erstaunlich qualifiziert. Es war 1962 und es gab noch kein Fax und schon gar kein Internet und erst recht kein Google, mit dessen Hilfe ja fast alles zu finden ist. Die Autoren mussten schon über eine gesunde Menge an Recherchen verfügen und das waren die Publikationen der Printmedien. Sie mußten sich all das Wissen aneignen, um  bei diesem moderen hochkomplizierten Thema mitreden zu können.

Der Index von Seite 388

In dem Index dieses Buches von 1962 haben wir den Namen Bruch, W. mit Verweis auf Seite 211 gefunden. Es ist eines der wenigen Male in der (uns zugänglichen) Literatur vor der ganzen Telefunken PAL Marketing-Kampagne, die etwa 1964 einsetzte.

Zitat von Seite 200 ff. im Kontext, um das Vorkommen des Names Walter Bruch korrekt zu positionieren.
Kapitel 5 - Teil4 - Das Farbfernsehen

Der Autor Werner Rings schreibt 1962: Wir haben uns unter einem anderen Aspekt noch mit einer Konkurrenz zu befassen, der das Fernsehen zweifellos unterlegen ist: Der Fernseher hat dem Farbfilm noch keine farbigen Bilder entgegenzusetzen.

Andererseits ist sie dem Hörfunk insofern unterlegen, als ein direkter Fernsehempfang über große Entfernungen noch nicht möglich ist. Diese Schwächen sollen durch das Farbfernsehen und durch die Satellitenvision ausgemerzt werden.

Farbfernsehen in der Welt von 1962

In den USA sind mehr als 400 Fernsehsender in der Lage, farbige Programme auszustrahlen. Dennoch hatte das amerikanische Farbfernsehen im Jahre 1961 wöchentlich lediglich 31 Programmstunden anzubieten. 1962 konnte die Produktion nur unbeträchtlich erhöht werden.

Die zu Beginn des Jahres 1962 in den USA geschätzte Zahl der Farbempfänger betrug 700.000; das macht nur etwa 1,2% aller Empfangsgeräte aus. Davon sind 275.000 Geräte erst im Laufe des Jahres 1961 von einem Dutzend Fabriken auf den Markt gebracht und verkauft worden.

Die Ursache dieser schleppenden Entwicklung ist im hohen Anschaffungspreis des Empfangsgeräts zu suchen; er lag 1962 zwischen 2.000 und 6.000 DM.

In Japan, in dem im September 1960 zehn Fernsehgesellschaften ermächtigt wurden, Farbprogramme auszustrahlen, waren im Jahre 1961 pro Woche nur 5 Stunden lang Programme in Farben zu sehen. Hier liegt der Preis eines Geräts bei 6.000 DM.

Auf die Frage, wie der Preis, der von abschreckender Wirkung ist, herabgesetzt werden könnte, ist noch keine befriedigende Antwort gefunden worden. Selbst unter den denkbar günstigsten Umständen würde trotz äußerster Rationalisierung und Verbesserung der Produktionsmethoden der Preis eines Farbempfängers den eines herkömmlichen Fernsehers noch um mindestens 230 Prozent übersteigen.

Wo die Schwierigkeit der Preisherabsetzung liegt, wird wohl auch dem technisch nicht versierten Leser einigermaßen verständlich, wenn er bedenkt, daß das farbige Fernsehbild in die Komponenten der drei Grundfarben Blau, Grün und Rot zerlegt und im Empfänger wieder zusammengefügt werden muß. Dabei müssen 1Million Leuchtstoffpunkte auf dem Bildschirm zum Aufleuchten gebracht werden.

Das aber setzt voraus, daß drei Kathodenstrahlen, die durch etwa 350.000 winzige Löcher einer sogenannten Lochmaske gelenkt werden, ebenso viele eng nebeneinanderliegende Dreiergruppen von farbigen Leuchtstoffpunkten mit größter Genauigkeit treffen müssen.

Versuche, Röhren von einfacher Bauart zu entwickeln, die billiger hergestellt werden könnten, haben noch keine überzeugenden Resultate gezeitigt.

Keine Koordination der Farb-Systeme

Eine andere Schwierigkeit, welche der allgemeinen Verbreitung des Farbfernsehens entgegenwirkt, kann nur mittels einer internationalen Einigung auf eines von zwei ausgereiften Systemen der Farbbildübertragung beseitigt werden. Die Frage, welchem System der Vorzug gegeben werden soll, wird vom Internationalen beratenden Ausschuß für das Funkwesen (CCIR), einem Organ des Internationalen Fernmelde Vereins, im Jahre 1963 zur Diskussion gestellt werden.

Bei den beiden Systemen handelt es sich um das von der RCA entwickelte amerikanische NTSC-System und um das in Frankreich von Henry DeFrance im Auftrage der Compagnie Francaise de Television ausgearbeitete SECAM-System.

Eine technische Beschreibung dieser komplizierten Systeme fällt nicht in den Aufgabenbereich dieses Buches. Technisch interessierten Lesern sei der bloße Hinweis gegeben, daß beide Systeme ein Helligkeitssignal und zwei Farbinformationen übertragen; sie unterscheiden sich insofern, als die beiden Farbinformationen im NTSC-System simultan, im SECAM-System alternierend übertragen werden, so daß der für das SECAM-System verwendete Empfänger eine Vorrichtung zur Speicherung der Farbinformationen für die Dauer einer Zeile, also für ein 64millionstel einer Sekunde, nötig macht.

Beide Systeme haben das Problem der sogenannten Kompatibilität zufriedenstellend gelöst, das bedeutet: die Farbbilder können auch auf einem herkömmlichen Fernseher als Schwarzweiß-Bilder empfangen werden.
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  • Die Wahl wird noch dadurch erschwert, daß beide Systeme gleichermaßen den verschiedenen Fernsehnormen angepaßt und auch erfolgreich variiert und kombiniert werden können. Arbeiten von R. Theile (Institut für Rundfunktechnik, München) und W. Bruch (Telefunken, Hannover) haben dies erwiesen.

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Über die Zukunft des Farbfernsehens

Indessen gehen die Experimente in allen bedeutenden Fernsehländern weiter. In England plant die BBC, im Laufe des Jahres 1963 beide Systeme in einer Reihe von Versuchssendungen praktisch zu erproben. Auf dem europäischen Kontinent werden die in den verschiedenen Ländern gewonnenen Erfahrungen von einer Internationalen Arbeitsgemeinschaft für Farbfernsehen ausgewertet, die auf Betreiben des Schweizer Fernsehexperten Walter Gerber schon im Jahre 1957 gegründet wurde. Mitarbeitern dieser Gemeinschaft ist es im Herbst 1961 gelungen, Farbprogramme über eine 1.500km lange Kabelstrecke von Rom nach Darmstadt zu übertragen, wo im Fernmelde-Technischen Zentralamt der Bundespost intensiv an dieser Entwicklung gearbeitet wird. Weitere experimentelle Farbübertragungen über eine Entfernung von 5.000km sind vorgesehen.

Kommentar dazu:

Von Paul Nipkow über Baird bis Zworkin und Farnsworth und Dr. Fritz Schröter kommen sie alle in der einleitenden Historie von vor 1945 vor, die bekannten internationalen Erfinder. Von den Aktionen mit der Fernsehkanone 1936 und dem Erfinder Walter Bruch ist auch hier (noch) keine Rede. Daher suchen wir weiter. Es sind inzwischen noch weitere Bücher aus den Jahren 1949 bis 1960 im Anflug.

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