Sie sind hier : Startseite →  Fernseh-Historie→  Wer war wer→  Mr. RCA - David Sarnoff

Die RCA und David Sarnoff sind wie ein Name gemeinsam verwoben, jedenfalls damals in 1956 . . . .

1933 Vladimir Zworkin und seine Iconoscopes

Die RCA hatte bei Funk, Radio und Fernsehen Weltbewe- gendes auf die "Schiene" gehoben.

Sarnoffs Landsmann Vladimir Zworkin (ebenfalls Exilrusse) hatte bei RCA das Iconoscope "entwickelt", dann angewendet und damit das Fernsehen eigentlich erst möglich gemacht.

Wir schreiben Nov 2009 - und dennoch, die ehemals große RCA, die "Radio Corporation of America", sie ist verschwunden. So schnell geht die Zeit voran.

Hier kommt ein euphorischer historischer Bericht über den Chef von RCA, David Sarnoff, der persönlich für diesen damaligen Erfolg der Motor war.

Passagen teilweise entnommen aus einem "sehr wohlwollenden" Artikel vom März 1956 von Peter Müller, kurz bevor der (Ostküsten-) Konkurrent AMPEX den ersten funktionierenden Videorecorder auf der NAB vorgeführte.

Es ist März 1956 - David Sarnoff ist jedem Amerikaner als "Mr. Future", also als Mr. Zukunft, ein Begriff.

März 1956 - Mister Zukunft im Princeton-Forschungszentrum

Mr. Zukunft ist nicht nur Präsident der mächtigen RCA (Radio-Corporation of America) und Präsident der National Broadcasting Company (NBC), sondern auch Direktor der Metropolitan-Oper und Brigadegeneral des amerikani­schen Signal-Corps.
Als General im Stab Eisenhowers war er es, der wenige Stunden nach dem Einmarsch amerika­nischer Truppen in Paris die zerstörten Nach­richtenverbindungen mit der ganzen Welt in­standsetzte.

Anmerkung der Redaktion zur Bedeutung des US Signal Corps.

Das US Signal Corps war auch damit beauftragt, in den bereits 1944 befreiten Gebieten Europas nach nachrichtentechnischer Kriegsbeute zu suchen und zu berichten. Sehr bekannt ist bisher nur, daß ein gewisser Jack Mullin in Paris und in Frankfurt die deutschen Magentophone "aufgetan" hatte und davon 2 Stück nach Haus in die USA "exportiert" hatte. Mit Sicherheit hat auch Brigadegeneral David Sarnoff davon gehört und sich mit dieser deutschen Technik beschäftigt. Denn als Ampex 1948 das erste 200A Studio-Bandgerät für Bing Crosby baute, hatte auch RCA etwas in den Labors. Doch damals war Ampex (auch) schneller.

Geboren als Sohn armer russischer Bauersleute

David Sarnoff wurde im Jahre 1891 in der russi­schen Provinz Minsk als Sohn armer Bauersleute geboren. Als er 9 Jahre alt ist, wandern seine El­tern mit ihm und den jüngeren Geschwistern nach Amerika aus. Doch sein Vater, der seine Gesund­heit durch Überarbeitung ruiniert hat, stirbt bald darauf. Und so wird der kleine David das Ober­haupt der Familie. Er verkauft Zeitungen, macht Botengänge und hilft seiner kranken Mutter und seinen Geschwistern, wo er nur kann.

Mit fünf Dollar Wochenlohn beginnt er als Lauf­bursche bei der Commercial Cable Company. Fasziniert von den vielen Telegraphengeräten lernt er den Morsecode und ist in kürzester Zeit ein tüchtiger Funker. Einige Monate später be­wirbt er sich um eine Telegraphistenstelle bei der Marconi-Wireless-Telegraph Company. Der ver­blüffte Chef der Marconi-Company weiß nicht, was er mit dem 15jährigen Jungen, der so meister­haft die Morsetaste beherrscht, anfangen soll.

Für 5 Dollar und 50 Cent pro Woche bei Marconi

Guglielmo Marconi 1910

Trotzdem: er stellt Sarnoff mit einem Wochenlohn von fünfeinhalb Dollar ein — wiederum als Lauf­bursche! Und die Marconi-Gesellschaft soll es später nicht bereuen. Schon zwei Jahre danach geht der Traum des jungen Sarnoff in Erfüllung: er bekommt eine eben freigewordene Telegraphisten­stelle, die niemand haben will.

Die Funkstation ist in Siaconset, auf der kleinen Nantucket-Insel vor der Küste von Massachusetts. David bewirbt sich um die Stelle, denn er weiß, daß die Siaconset-Station eine gute technische Bücherei besitzt. Und so wird er mit 17 Jahren bei einem Monatsgehalt von 70 Dollar einer der best­bezahlten Funker der Gesellschaft.

Innerhalb zweier Jahre hat er alle vorhandenen technischen Bücher gelesen und durchgearbeitet. Kurz darauf schifft er sich auf der alten "S.S.Beothic" ein und fährt als Funktelegraphist auf Robbenfang in die Arktis. Anschließend wird er Funker auf dem Passagierdampfer "New York".

Nach einigen Atlantiküberquerungen zieht er als Telegraphist in die neuerbaute Marconi-Station auf dem Dach des Warenhauses Wanamaker in Manhattan ein.

Am 14. April 1912 - Die Titanic sinkt

Die Titanic verläßt den Hafen
mit allen Wünschen dieser Welt
und das war das Ende der Reise

Das Jahr 1912 bedeutet für David Sarnoff den Wendepunkt seines Lebens. In der Nacht zum 14. April — lange nach Feierabend — sitzt er noch an seinem Apparat. Plötzlich hört er SOS-TITA­NIC RAN INTO ICEBERG. SINKING FAST... Die "Titanic" ist mit einem Eisberg kollidiert! Sar­noff ist der einzige Funker des amerikanischen Festlandes, der den Notruf des Schiffes empfangen hat. Er setzt sich sofort mit den Marinebehörden in Verbindung. Er dirigiert alle in der Nähe der Neu­fundlandbänke befindlichen Schiffe zur Unglücks­stelle.

Präsident Taft wird geweckt. Auf seine Wei­sung wird innerhalb der USA eine sofortige Funk­stille verfugt, um die Sendungen Sarnoffs nicht zu stören.

Volle 72 Stunden sitzt Sarnoff über seiner Morsetaste. Er verläßt seinen Posten nicht, ehe er nicht die Namen sämtlicher geretteter Passagiere an die aufhorchende Welt durchgegeben hat.

An diesem Tag, am 14. April 1912, wird der Name Sarnoff ein Begriff, Sarnoff wird Telegra­pheninspektor, Chef Inspektor, im Jahre 1917 bereits Geschäftsführender Direktor. Als im Jahre 1919 die Radio-Corporation of America gegründet und die Marconi-Corporation von der RCA auf- oder gekauft wird, übernimmt Sarnoff in der neuen Gesellschaft eine leitende Stelle. Er baut diese Stellung immer weiter aus. Im Jahre 1930 wird er Präsident.

Er gründet neue Unternehmungen, so die NBC, eine Tochter- gesellschaft der RCA. Jetzt kann der mit allen Vollmachten ausge­stattete Präsident Sarnoff an die Realisierung sei­ner vielen Projekte denken. Schon lange bevor der Rundfunk zum Allgemeingut geworden war, hatte Sarnoff von den Möglichkeiten einer "Tone Box", eines "Radio-Musikkastens", geträumt.

Anmerkung der Redaktion: Das mit der RCA Tochter NBC stellte sich später als genialer Schachzug heraus.

April 1956 - NAB - Ampex VRX 1000 Premiere

Als Ampex mit der Vorstellung des ersten Videorecorders im April 1956 einen Monat nach der Ausgabe dieses Artikels hier (also vom März 1956 !!) das Wettrennen um diese Technologie beendet hatte, kaufte diese NBC, also eine direkte RCA Tochter, drei dieser damals sündhaft teuren Ampex Geräte für je 100.000.- US$ und eines davon "verschwand" unerklärlich.

Es verschwand eben nicht in einem NBC Fernseh-Studio, es "verschwand" in die RCA Fernseh-Labors von Princeton (in New Jersey / nähe New York) an der Ostküste. Eigentlich war es schon 1956 so ähnlich, wie später in den 60er Jahren einige Ampex Videorecorder in Jugoslavien einfach vom Erdboden "veschwanden" und ganz viel später in Adlershof (OSt-Berlin) leicht abgenutzt wieder "auftauchten". Darüber finden Sie etwas in unseren Geschichten über Montreux.

Sarnoff und Marconi

Sarnoff zusammen mit Marconi

Schon im Jahre 1915 richtete er an die Marconi-Gesellschaft eine Eingabe, in der er darlegte, daß man mit der Erfindung des Radios doch mehr machen könne als bloße Nachrichten- sendungen, ja, er kalkulierte sogar genau den Verkaufspreis der "tragbaren Musikkästen" und schätzte den Umsatz für die ersten Jahre: 75 Millionen Dollar.

Aber die Aktionäre der Marconi-Gesellschaft wußten zu je­ner Zeit nichts mit der "phantastischen Idee" ihres Lieblingsfunkers anzufangen. Später, als die ersten Apparate dann tatsächlich auf den Markt kamen — im Jahre 1922 — stellte sich heraus, daß Sarnoffs Schätzungen gerade­zu unheimlich präzise gewesen waren. Der Umsatz der Gesellschaft betrug allein in den ersten drei Jahren die runde Summe von 83,5 Millionen Dollar!

Als die Radio-Corporation of America im Jahre 1919 gegründet wurde, war sie erst nur eine Verkaufs­organisation der General Electric und der Westinghouse-Corporation. Unter Sarnoffs Leitung wurde die RCA aber eine unabhängige Gesell­schaft, die sich einmalige Verdienste bei der Ent­wicklung des Radios und des Fernsehens erwor­ben hat. Eine neue Industrie mit eigenen riesigen Fabrikanlagen, Forschungszentren, Laboratorien und mit eigenen Lehrwerkstätten wurde aus dem Boden gestampft.

Sarnoff bemächtigt sich des Fernsehens

Deutsche Fernsehkamera 1936 in Berlin

So, wie Sarnoff den Siegeszug des Rundfunks schon Jahrzehnte vorher prophezeit hatte, so sagte er auch bereits im Jahre 1923 dem Fernsehen eine große Zukunft voraus. Seit dieser Zeit beschäftigt er sich intensiv mit dem Fernsehen. Im Jahre 1935 konstruierte er ein Versuchsgerät. Er inve­stierte Unsummen in seine Idee und er hatte auch mit dieser Idee Erfolg. Bei einem Treffen der RCA-Aktionäre im Jahre 1940 führte Sarnoff sein Gerät vor. Er zeigte ein gemischtes Programm: Musik, ein Schauspiel, Wochenschau und politi­sche Kommentare. Sarnoffs Traum war in Erfül­lung gegangen ... allerdings zu einer Zeit, da in Berlin schon seit rund vier Jahren regelmäßig Fernsehprogramme zu sehen waren.

Anmerkung der Redaktion : RCA, AMPEX, die BBC und Andere arbeiten seit 1952 an einem "Tonbandgerät" für Fernsehbilder.

In fast allen Artikeln (nach 1970) über die Historie der Videorecorder etwa ab 1952 wird die Entwicklung der RCA auf diesem Gebiet von den Lobeshymnen für die Californischen Ampex(er) erdrückt. Doch die Historie erzählt es auch anders. Die RCA Laboratorien lagen fast alle in der Nähe der Eliteuniversität von Princeton südwestlich von New York und zwar lange, bevor man von einem Silicon Vally südlich von San Franciso sprach.

In Princeton waren die Koriphähen dieser Welt engagiert, auch Albert Einstein lehrte dort und verbrachte den Rest seines Lebens dort. Und dort gab es den Elite-Nachwuchs, von dem Amerika sehr lange profitiert hatte. Die Ingenieure von RCA müssen sehr gut gewesen sein, denn die "Anderen" hatten einen großen Respekt vor deren Labors. Die Legenden und Gerüchte sprechen von den vielen großen schwarzen AMPEX-Kisten, die zu jeder Broadcast- Messe oder Exebition oder Show jener Zeit des Nachts geschleppt oder transportiert wurden, falls einer von "den Anderen" auch schon so weit hätte sein können. Die Legende sagt auch, daß diese Kisten Tag und Nacht von Sicherheitsleuten bewacht waren und dann doch nicht geöffnet worden seien.

Dieser Arikel hier ist vom März 1956 !!
Denn am Ende konnte Ampex auf der NAB am 14. April 1956 den ersten wirklich reifen funktionsfähigen Videorecorder dieser Welt präsentieren und alle Anderen wußten, das Rennen war damit zuende.

Sarnoff und seine Ideen

1956 - MR. SARNOFFS Wunderband, auf dem Fernsehbilder aufge­nommen werden

Der Präsident der RCA ruht sich aber auch jetzt nicht aus. In seiner Wohnung - er bewohnt vier Etagen eines Wolkenkratzers am Rockefeller-Square in New York City - sind mindestens 20 Fernsehgeräte aufgestellt. Es sind keine ge­wöhnlichen Fernsehempfänger, sondern lauter Versuchsmodelle.

Vor ein paar Jahren (Anmerkung der Redkation: der Bericht ist von 1956 !!) beauftragte er seine Tech­niker und Ingenieure, sich drei Projekten zu wid­men: einer geräuschlosen elektrischen Klimaan­lage, die ohne Motor oder sonstige mechanische Teile arbeitet; einem Magnetophon-Band, das Fernsehprogramme (Bild, Ton, Farbe - denn auch das farbige Fernsehen ist Sarnoffs Lieblings­idee) aufnehmen und konservieren soll; und einer besonderen Elektronen-Verstärkerröhre, die für die künftige Radar- und Fernsehtechnik revolu­tionierend sein soll. An allen diesen Projekten, die zur 50-Jahr-Feier der RCA serienreif sein sollen, wird fieberhaft gearbeitet, und es ist anzunehmen, daß diese Träume ebenso wie alle anderen Träume der Technik, wie Radio und Fernsehen, verwirk­licht werden.

Fleiß und Disziplin

Sarnoffs Tag beginnt um 7 Uhr früh. Wenn er gegen 18 Uhr heimkommt, schläft er zuerst eine Stunde. Erst dann nimmt er sein Abendessen zu sich. Wenn keine gesellschaftlichen Verpflichtun­gen auf dem Programm stehen, zieht er sich in sein Arbeitszimmer zurück. Technische Spielereien sind sein Steckenpferd. Auf seinem Schreibtisch ist eine Anlage installiert, die fast so kompliziert ist wie das Instrumentenbrett in einer Flugzeugkan­zel. Telefon, Fernschreiber, Fernsehapparate, Radios und sogar die Lichtschalter können von hier aus bedient werden. In der Westentasche trägt er ein selbstkonstruiertes Kleinstradio, das lei­stungsfähiger ist als manches moderne Großgerät.

Sarnoff ist einer der wenigen Mäzene der USA. Er, der niemals Gelegenheit hatte, ein College zu besuchen, ermöglicht jetzt vielen minderbemittel­ten Studenten das Studium. Der vielseitige Mann ist Ehrendoktor von 15 Colleges und Universi­täten. Sein Hobby ist die Musik. Viele beliebte NBC-Programme sind Sarnoffs Schöpfung. Zusammen mit dem Leiter der Metropolitan organi­siert er die wöchentlichen Matineen der Oper, die von sämtlichen Rundfunk- und Fernsehstationen der USA übernommen werden. 1937 engagiert er Arturo Toscanini und gründet das weltberühm­te NBC-Orchester.

Eine einmalige Karriere

Sarnoff ist mit einer Französin verheiratet und hat drei Söhne. Als der junge Mann 1917 um die Hand seiner Braut anhielt, amüsierte er seine Schwiegereltern mit seinen phantastischen Er­zählungen über die "Zukunft des Radios". Seine Braut war in ihn verliebt - seine Ideen nahm sie mehr oder weniger als Marotte. Später aber hat sie vor den Prophezeiungen ihres Gatten doch mehr Respekt bekommen.

Sarnoffs Karriere als amerikanischer Industriel­ler ist einmalig. Seine Karriere in der US-Army ist genau so atemberaubend wie die als Industrie­kapitän. 1924 tritt er dem Signal-Corps bei. 1931 ist er Oberst der Nachrichtentruppen und 1944 trägt er die Uniform eines hochdekorierten Bri­gadegenerals. Im Umgang mit seinen Mitarbei­tern ist er äußerst liebenswürdig und niemals über­heblich. Er respektiert jedermanns Ansicht, wenn sie fundiert und logisch ist. Er haßt es, wenn man ihn beim Sprechen unterbricht. Er läßt jeden Men­schen aussprechen, auch den kleinsten Angestell­ten seines Konzerns. Auch dann, wenn er nicht dessen Meinung teilt. Und das gleiche Recht ver­langt er für sich.

Die Welt wartet mit Spannung auf die wei­teren technischen Ideen von "Mr. Zukunft".

Soweit der Artikel aus 1956, kurz bevor der erste Videorecorder (aber von Ampex) die Welt veränderte.

Genau einen Monat nach diesem Artikel stellte Ampex im April 1956 den ersten Videorecorder vor. Damit veränderte sich die Kultur dieser Welt. Man konnte nach der Sprache jetzt auch die bewegten Bilder mitsamt der Sprache auf Magnetband festhalten und aufheben.



- Werbung Dezent -
Zur Startseite - © 2007 / 2017 - Deutsches Fernsehmuseum Wiesbaden - Copyright by Dipl. Ing. Gert Redlich - Privatsphäre - Redaktions-Telefon - zum Flohmarkt
Bitte einfach nur lächeln: Diese Seiten sind garantiert RDE / IPW zertifiziert und für Leser von 5 bis 108 Jahren freigegeben - kostenlos natürlich.