Die Berliner "Universum Film AG" - eine ergänzte Biografie der 1990er Jahre
Über die deutsche UFA aus Berlin lesen Sie in fast allen Filmbüchern dieser Welt jede Menge an Wahrheiten und Storys und Mythen und Legenden, die sich so langsam in Luft auflösen.
Die großen Filmbücher kommen um die UFA sowieso nicht drum rum, die kleineren und dünneren Bücher fanden nicht ganz so oft das Interesse der Öffentlichkeit. Will Tremper (geboren 1928) schreibt in seinen Memoiren eine ganz andere Wahrheit als die ganzen Film-Liebhaber, die die geschönte und teils verklärte Wahrheit bevorzugten.
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Der Begriff der Biografie bzw. der Memoiren gilt auch für die UFA
Für uns ganz wichtig ist schon mal der Begriff der Biografie bzw. der Memoiren. Denn diese Aufzeichnungen oder Darstellungen gehören zu den Ausnahmen des deutschen Urheberrechts. Juristisch definiert ist die mangelnde Schöpfungshöhe solcher Werke und damit ist die Schutzwürdigkeit nicht gegeben. - So gut wie alle Werke über die UFA und die Filme der Vergangenheit fallen unter diesen Begriff. Mehr über das Urheberrecht steht auf dieser ausführlichen Seite.
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Der Bezug des Autors Gert Redlich kommt von beiden Eltern, die beide in Berlin bei der UFA-Kinotechnik-Abteilung, der UFA Handel, gearbeitet hatten. Die UFA-Handel hatte die Aufgabe, die Filmtheater der UFA und auch der anderen reichsdeutschen Kinos zu betreuen. Die UFA-Handel war im 3.Reich und bis lange nach Kriegsende 1945 - bis 1961 - der Vertriebsarm der Zeiss Ikon Ernemann Projektoren.
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Wo bleibt die Wahrheit ?
Die UFA bzw. der Berliner UFA Konzern war mindestns 3 Male den politischen Interessen der jeweiligen Regierungen unter- geordnet. Und die Autoren der verfügbaren Film- und Kino-Bücher sehen diese Interessen aus der Sicht ihrer Zeit, so zum Beispiel aus dem Jahr 1927, 1932, 1936, 1941 und 1954.
In einem erstaunlich dicken Buch aus den 1990er Jahren haben wir eine ausführliche Art von "Zusammenfassung" - fast schon ein Mix - aus allen bis dato verfügbaren Quellen - mit den entsprechenden Referenzen - gefunden. Mehr wird sich vermutlich nicht mehr auftreiben lassen.
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Es ist viel Arbeit, die Links und Verweise einzubauen
Wie weiter oben bereits angemerkt, sind sich die Buchautoren nicht ganz einig, mit welcher kulturellen und politischen Tendenz sie ihre Texte formulieren sollten. Es gibt nämlich Firmengründungen (oder Zusammenschlüsse) mit wirtschaftlichen, kulturellen und politischen Intentionen. Bei der UFA kam so gut wie alles in den großen Topf. Wirtschaftlich stand die UFA mehrfach for dem finanziellen Zusammenbruch, ein kulturelles Engagement wurde immer von geschäftlichem Denken begleitet und die politische Ausrichtung sowohl im ersten Weltkrieg wie auch unter PROMI Minister Göbbels in den 12 Jahren des 3. Reiches wr eineutig.
Fast genauso verhielt es sich mit den Geschichten (Storys) über Künstler, Autoren, Regisseure, Schauspieler und anderen Mitarbeitern. Auch hier wurde die Bewertung je nach Sichtweise und Zielpublikum der jeweiligen Zeit angepaßt.
Ein Beispiel ist die Glorifizierung des adligen Österreichers als "deutscher" Regisseur und vormals Schauspieler in Deutschland und den USA mit genialem Können. In der einzeln herausgebrachten Biografie des Erich von Strohheim (1885-1957) aus dem Jahr 1985 relativiert sich so manche Glorie. Viele von den ehemals hoffierten und bewunderten Namen sind völlig verarmt gestorben.
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Woher kommen die ganzen Informationen ?
»Die Ufa war ein riesiges Warenhaus, in dem es alles gab, die Platitüde und das Experiment, Kitsch und Kunst«, notiert Axel Eggebrecht, in den 1920er Jahren Mitarbeiter in der Dramaturgie.
Es gab Ramschware und teure Luxusgüter, billige Konfektion und Markenprodukte. Der Kaufhaus-Flaneur hofft immer, neben den bekannten Dingen bislang unbeachtete Trouvaillen im hintersten Regal zu entdecken; er hat Zeit für die Spielwarenabteilung, die Trickkisten der Traumfabrik, und erfreut sich an Glitzer und Glamour, fragt aber immer auch nach dem Preis.
Dieses Buch sucht alle Abteilungen auf: Klassiker der Filmgeschichte und die längst vergessene billige Massenproduktion, die Trendsetter und die Ladenhüter; Kulturfilm, Wochenschau und Werbespots; die Filmpaläste und Vorstadtkinos, die Verleihorganisation und das Variete-Programm.
Und unser Rundgang macht auch nicht halt vor jenen Türen, wo das Schild »Nur für Personal« den Besucher abweist: Kantine, Werkstätten, Import-Export und - besonders gut abgeschirmt - die Chefetage. Zum Innenleben des Konzerns gehören Bilanzbesprechungen und Geschäftsstrategien, aber auch die Intrigen und Affären.
Die Interna stammen aus den Vorstandsprotokollen, vertraulichen Aktennotizen und streng geheimen Unterlagen des Propagandaministeriums.
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- Anmerkung : "Wir haben etwas aus streng geheimen Quellen" - das ist immer ein populistischer Aufhänger zwecks besserem Verkauf eines Buches (oder eines Films).
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Wie ist die UFA entstanden ?
Die Ufa ist eine Kriegsgründung, 1917 von Ludendorff als Propagandainstrument ins Leben gerufen und von der Deutschen Bank mit einem Kapital von 25 Millionen Mark ausgestattet. Höchste militärische Stellen und mächtige Wirtschaftskapitäne waren beteiligt - doch wer hat nun eigentlich wen über den Tisch gezogen?
Der Konzern wurde zusammengekauft, das gilt für die Kinos ebenso wie für die Ateliers und die Produktionsfirmen einschließlich der dort beschäftigten Künstler. So kamen Lubitsch, Lang und Murnau zur Ufa.
Aber Geld allein macht es nicht: Teuer eingekaufte Stars erfüllen nicht immer die Erwartungen, große Budgets sind keine Garantie für Spitzenleistungen. Der Hang zur Gigantomanie wurde gerade der Ufa oft zum Verhängnis, und über weite Strecken ist die Firmengeschichte nichts anderes als ein Taumeln von einer Krise zur nächsten.
Für die Linke in der Weimarer Republik war die Ufa ein Feindbild: Als reaktionäre Ideologie-Fabrik wurde sie pauschal verdächtigt und undifferenziert angegriffen. Bis heute wirken die polemischen Attacken der Weltbühne nach, bestimmt Siegfried Kracauers wohl doch zu simple Kausalkette »Von Caligari zu Hitler« die Diskussion.
Deutschnational eingestellt waren die Ufa-Herren gewiß, borniert und engstirnig, doch verstanden sie es, kreative Künstler an die Firma zu binden und ungewöhnliche Projekte zu initieren. Der blaue Engel, die Verfilmung von Heinrich Manns »Professor Unrat«, paßte gewiß nicht ins politische Konzept, brachte Hugenberg nur Ärger mit seinen Parteifreunden und Gesinnungsgenossen ein.
Und selbst als Goebbels die »deutschnationalen Pappköpfe« ausgeschaltet, die Ufa als reichsmittelbaren Betrieb unter seine Regie gebracht hatte, gab es noch genügend Reibungsflächen.
Zumindest was das Geld angeht, verstand man sich durchaus als eigene Firma und forderte vom Staat Entschädigung, wenn ein Film wegen veränderter politischer Lage verboten wurde.
Die Ufa, das war ihr Erfolgsrezept, agierte als Medienverbund. Produktion, Verleih und Kino lagen in einer Hand; publizistische Schützenhilfe leisteten die hauseigenen Magazine (und die Zeitungen aus Hugenbergs Presse-Imperium). Der Konzern lieferte den Filmtheatern nicht nur ein komplettes Programm, sondern auch die Apparaturen und das Gestühl.
In den großen Ufa-Palästen leistete man sich 70-Mann-Orchester, Akrobatik und eine hauseigene Girltruppe; auf den Ozeanriesen lud das Ufa-Bordkino zum Besuch ein. Die Auslandsaktivitäten, etwa in Budapest oder Amsterdam, gehörten seit den 1920er Jahren zur Konzernstrategie (und nicht erst seit Hitlers Eroberungskriegen).
Gleich mit dem Aufkommen des Tonfilms wurde der Ufa-Musikverlag gegründet; die Tantiemen fließen noch immer, heute streicht sie Bertelsmann ein. Doch selbst kleine Geschäfte wie den Schmalfilmvertrieb nahm die Ufa mit. Zudem verstand man sich schon damals im Merchandising: vom Quartettspiel bis zum Ufa-Kalender, von Filmromanen bis zu Starpostkarten.
Die Ufa-Geschichte ist 1945 nicht zuende. Das Erbe wurde geteilt: Die Geschichte der DEFA, das schwache Remake im Westen werden in diesem Buch ebenfalls abgehandelt. In der Gegenwart ist Ufa kaum mehr als ein Markenzeichen, das in den Händen von Bertelsmann und Riech viel von dem ehemaligen Glanz eingebüßt hat. Dies muß nicht so bleiben. Das Ende ist offen: Ob Babelsberg wieder zu Europas führender Filmstadt wird, steht noch in den Sternen.
Hamburg, November 1992 Hans-Michael Bock, Michael Töteberg
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