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Einzelne Autoren beleuchten die Entwicklung der UFA ab 1917

Damals in 1917 mitten im 1. Weltkrieg sollte der eigentliche Grund für solch ein Film-Monopol unter versteckter staatlicher Regie geheim bleiben. Die Öffentlichkeit, die Mitarbeiter und die reichsdeutsche Presse wußten recht wenig von den Machenschaften im Hintergrund und lobten ihre Arbeit und "ihr" Unternehmen, solange sie dabei waren.
Die Filmfabrik UFA kam dennoch ins Trudeln und wurde beinahe von den Amerikanern übernommen. Erst nach dem März 1933 kam der immense Wert solch eines Monopols richtig zur Geltung, wenn auch nur noch im negativen Sinne. Die einführende Seite beginnt hier.

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Der Dawes-Plan - April 1924

Der Dawes-Plan bezeichnet das Gutachten einer Sachverständigenkommission der Reparationskommission unter Vorsitz des amerikanischen Bankiers Charles G. Dawes vom April 1924, das auf einer Konferenz in London (16.7.-16.8.1924) von allen beteiligten Regierungen, nach anfänglichem Widerstand Frankreichs, als Grundlage für die künftigen Regelungen der Reparationszahlungen akzeptiert wird.

Der Dawes-Plan schlägt eine vorläufige Regelung der Reparationsfrage vor und setzt weder eine endgültige Gesamtsumme noch die Dauer der deutschen Belastung fest, sichert dafür aber Höhe und Zusammensetzung der deutschen Zahlungen für die kommenden Jahre. Gegenüber der bisherigen Praxis der Reparationszahlungen besitzt der Dawes-Plan für das Deutsche Reich einige Vorteile.

Vor allem gönnt er dem verarmten Land eine Erholungspause. Im ersten Abschnitt 1924/25 muß Deutschland aus eigenen Mitteln nur 200 Millionen Mark leisten, 800 Millionen Mark werden durch den Erlös einer internationalen Anleihe aufgebracht. Erst 1928/29 sollen die »normalen« Jahreszahlungen von ca. 2,5 Mrd. Mark einsetzen. Ein alliierter Reparationsagent (der Amerikaner Gilbert Parker) mit Sitz in Berlin hat die Aufgabe, darauf zu achten, daß die Stabilität der deutschen Währung durch die Transfers nicht gefährdet wird.

Innenpolitisch wird der Dawes-Plan, der vom Reichstag mit einer Zweidrittel-Mehrheit gebilligt werden muß, weil er u.a. die Internationalisierung und Umwandlung der Reichsbahn in eine Aktiengesellschaft vorsieht, zum erbittert umkämpften Streitpunkt. Völkische, Deutschnationale und Kommunisten agitieren gegen die »Knechtung« durch das »neue Versailles«; aber in der entscheidenden Parlamentssitzung verhilft ein Teil der deutschnationalen Abgeordneten dem Dawes-Plan zur erforderlichen Mehrheit.

Mit der dadurch möglichen Ordnung der Reichsfinanzen wird Deutschland in den nächsten Jahren für ausländische, zumal amerikanische Investoren (wieder) interessant.

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Hugenberg ante portas

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Rationalisierung mit nationalem Besen

Anfang 1927 lassen sich die Verluste der Ufa, die bereits das Stammkapital von 45 Millionen RM übersteigen, nicht länger verschweigen bzw. vertuschen. Ein Rauschen im deutschen Blätterwald beginnt. Immer neue Meldungen, Gerüchte und Spekulationen über die Zukunft der Ufa werden in Umlauf gesetzt.

Gesammelt und kommentiert werden sie vor allem in der Film-Fachpresse. Die Lichtbild-Bühne meldet am 10. Januar 1927 unter der Schlagzeile »Kein Wechsel in der Ufa-Leitung«, der Aufsichtsrat habe einstimmig den Vorstand bestätigt und gleichzeitig die »restlose Rationalisierung« beschlossen.

Das gleiche Blatt berichtet am 21. Januar 1927 über einen Vorstoß der Paramount: Die Amerikaner beabsichtigten, alle Ufa-Theater zu erwerben. Als Quelle dieser Meldung wird das britische Fachorgan Film Daily genannt. Das Dementi der Deutschen Bank folgt auf dem Fuße, und der Film-Kurier kommentiert:

  • »Der Zweck dieser Gerüchte dürfte doch nur der sein, die deutsche Öffentlichkeit zu beunruhigen. Es ist beim besten Willen nicht erkennbar, welches Interesse die Paramount daran hätte. Aber es scheint Leute in Deutschland zu geben, die glauben, mit einem Artikel ä la Film Daily in der Tasche, besser Verhandlungen führen zu können.«


Diese Vermutung erscheint nicht abseitig.

Die Überzeugung von der strategischen Bedeutung des Films

Seit durch den Dawes-Vertrag von 1924 amerikanisches Kapital nach Deutschland strömt, dient die Warnung vor dem »Ausverkauf nationaler Interessen« und der Gefahr einer »Überfremdung« der Wirtschaft als Druckmittel auf die Reichsregierungen.

Im Fall der Ufa ist dies angesichts der Parufamet-Vereinbarungen von Ende 1925 besonders plausibel. Die Aufnahme der Deutschnationalen in das »Bürgerblock-Kabinett« von Wilhelm Marx, die in diesen Tagen ausgehandelt wird (seit dem 29. Januar 1927 bilden Zentrum, DNVP, DVP, DDP und Bayerische Volkspartei die Regierung), scheint Empfänglichkeit der Reichsspitze für solche Argumente zu signalisieren.

Im Hintergrund steht dabei jedoch weniger der Drang zur Verteidigung deutscher Kultur als die Überzeugung von der strategischen Bedeutung des Films. In Traubs Ufa-Rückblick von 1943, man befindet sich bereits mit den USA im Krieg, wird die Sanierungsphase 1927 infolgedessen zu einem Teil des nationalen Schicksalskampfes verklärt: »Amerika und Deutschland kämpften um die Ufa. Es war ein Ringen um Sein oder Nichtsein des deutschen Films.«
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Weitere lancierte Nachrichten in der Presse

Drei Tage nach den Meldungen über das Interesse der Paramount fällt in der Lichtbild-Bühne ein neuer Name: Die Ufa führe »sehr aussichtsreiche« Kreditverhandlungen mit den IG Farben (Lichtbild-Bühne, 24.1.1927).

Im Frankfurter Montag Morgen, der davon zuerst berichtet hat, ist gleichzeitig über Gespräche der Ufa mit einem »Berliner Großverlag«, der »außerordentlich große Geldmittel« zur Verfügung stellen wolle, die Rede. Dies wiederum verweist der Film-Kurier »ins Reich der Fabel«.

Immerhin aber, schreibt das Blatt, seien »die letzten Pressemeldungen dazu angetan, eine Interessiertheit von Kreditgebern gegenüber der Ufa feststellen zu können, die es der Ufa möglich macht, ihre Verhandlungen mit einer gewissen taktischen Überlegenheit zu führen.« (Film-Kurier, 24.1.1927)

In den folgenden Tagen bleiben öffentlich vor allem die IG Farben und das nun namentlich genannte große Verlagshaus Ullstein als Verhandlungspartner der Ufa im Gespräch (Lichtbild-Bühne, 25.1.1927; Film-Kurier, 29.1.1927).

Spekulationen über Gegensätze zwischen einer »deutschen« und einer »amerikanischen« Richtung in der »Ufa-Deutsche-Bank-Gruppe« werden in diesem Zusammenhang vom Film-Kurier zurückgewiesen. Das Interesse der Paramount an Ufa-Theatern werde gerade durch eine von deutscher Seite erfolgreich durchgeführte Sanierung erhöht. Außerdem gebe es im Unterschied zu den eiligen Verhandlungen, die ein Jahr zuvor zum Parufamet-Vertrag geführt hätten, keine Gespräche
unter Zeitdruck (Film-Kurier, 26.1.1927).

Worauf es jenseits finanztaktischer Differenzen allein ankommt, faßt die Lichtbild-Bühne zusammen: »Wenn die Ufa einmal saniert werden muß, dann sollte die Sanierung so vor sich gehen, daß das Unternehmen nach dieser Maßnahme bereinigt und so gekräftigt dasteht, daß die Ufa wirklich der Konkurrenz des Auslandes in Deutschland gewachsen ist.« (Lichtbild-Bühne, 31.1.1927)
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Generaldirektor Siegmund Jacob muß gehen

Erstes Opfer des Verhandlungspokers wird Anfang Februar Generaldirektor Siegmund Jacob, dessen Ausscheiden von der Ufa zunächst »totgeschwiegen« (Film-Kurier, 12.2.1927) wird. Die Aufmerksamkeit der Presse konzentriert sich in dieser Phase auf die Frage, ob allein die Ufa in den Genuß einer Reichshilfe kommen solle, oder ob nicht vielmehr die gesamte Filmindustrie subventioniert werden müsse.

In diesem Zusammenhang wird betont, daß die Ufa 1926 nur 7% aller deutschen Filme hergestellt und die Parafumet 19% aller Filme in Deutschland verliehen haben. Jede staatliche Bevorzugung der Ufa sei deshalb abzulehnen (Film-Kurier, 17.2.1927).
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Die Lustbarkeitssteuer ist an den Verlusten Schuld

Die gleiche Tendenz verfolgt ein äußerst kritischer Artikel des Journalisten Felix Pinner im Berliner Tageblatt, der im Film-Kurier nachgedruckt wird. Pinner wendet sich gegen die Rechtfertigung des Ufa-Vorstands für die Verluste.

Die immer wieder angeführte Lustbarkeitssteuer könne nicht verantwortlich für die Krise des Unternehmens sein, denn die Filmtheater hätten nicht die höchsten Verluste erwirtschaftet. Schuld trage vielmehr die teure Produktion (Stichwort "Metropolis"), die falsche und schwerfällige Organisation und die Ausgabenhäufung an verschiedenen Stellen:

»Die Filmleute bei der Ufa machten sich über die Finanzleute lustig, die Finanzleute sahen die Filmleute über die Achsel an. Der >Generalstab<, der in der Innenorganisation Zucht und Disziplin aufrechterhalten sollte und bei jedem Abbau fast als einziger unangetastet blieb, trennte die widerstrebenden Elemente mehr, als er sie verband. Alle drei verstanden sich nicht und vertrugen sich nur schlecht. Kurzum, es fehlte der Tropfen Genie, der eine derartige Fusion zwischen geschäftlich-organisatorischer Nüchternheit, militärisch-vaterländischem Schneid und phantasievollem Individualismus vielleicht zu einer Einheit hätte zusammenschmelzen können. Und während jetzt wie früher die geniale Geschäftspersönlichkeit fehlt, (...) soll wieder einmal Geld helfen.« (Film-Kurier, 21.2.1927)
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Geheimrat Alfred Hugenberg und der Scherl-Konzern

Der demokratische Journalist hatte wohl kaum jene »geniale Geschäftspersönlichkeit« als Gewährsmann für »Zucht und Disziplin« vor Augen gehabt, die am Tag des Abdrucks seines Artikels im Film-Kurier von der Lichtbild-Bühne genannt wird: Geheimrat Alfred Hugenberg, Inhaber des Scherl-Konzerns und Vertreter des alldeutschen Flügels der DNVP, der ein Jahr später zum Vorsitzenden dieser Partei »mit diktatorischen Vollmachten« aufsteigt.

Die Möglichkeit einer Sanierung durch den Geheimrat wird in der Lichtbild-Bühne sorgenvoll kommentiert, denn die Ufa werde durch »einen unter solchen Umständen herbeigeführten Kapitalzufluß zu teuer bezahlen, da sie ihre politische Neutralität unter dem Einfluß Hugenberg-Scherl naturgemäß aufgeben müßte und leicht ein Instrument deutschnationaler Interessen werden könnte.« (Lichtbild-Bühne, 21.2.1927)
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Zunächst erscheint nur ein neuer Name im Käuferkarussell

Hugenberg-Scherl ist zunächst nur ein neuer Name im Käuferkarussell. Die Buchprüfer des Scherl-Konzerns sitzen zwar bereits seit etlichen Wochen über den Unterlagen der Ufa. Doch am 22. Februar meldet die Lichtbild-Bühne, die »Scherl-Kombination« sei auf Verlangen der Regierung gescheitert. Der Rücktritt des Ufa-Aufsichtsratsvorsitzenden, Emil Georg von Stauß, stehe bevor. Angeblich befinden sich Verhandlungen der Ufa mit dem Reich kurz vor dem Abschluß. Das Unternehmen solle nun doch einen »Sonderkredit« erhalten (Film-Kurier, 22.2.1927).

Ein Regierungs-Kommunique dementiert umgehend. Der Film-Kurier schreibt daraufhin triumphierend, nur die Wachsamkeit der Presse habe offenbar eine exklusive Reichshilfe für den Ufa-Konzern verhindert.
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März 1927 - Die Ufa-Generalversammlung

Am 14. März 1927 findet die langfristig angesetzte Ufa-Generalversammlung statt, auf der grünes Licht für die Verhandlungen mit Hugenberg gegeben wird, für »neue Männer in der Ufa« (Lichtbild-Bühne, 15.3.1927), für die »Gruppe nationaler Männer«. Zwei Wochen später gibt es erste Meldungen über die Bildung eines Konsortiums, das aus nationalem Interesse an der »Aufrechterhaltung einer starken deutschen Filmindustrie« handle (Film-Kurier, 26.3.1927).

Bedenken wegen des »ausgesprochen politischen Charakters« der Hugenberg-Beteiligung (Lichtbild-Bühne, 28.3.1927), die eine Subventionierung durch das Reich erschwere, werden vom Film-Kurier zurückgewiesen. Den Kritikern antwortet man:

»Angeboten waren allen führenden Verlagshäusern die Sanierungsprojekte. Nun hat Hugenberg zugegriffen - und das Geschrei ist groß.« (Film-Kurier, 28.3.1927)

Nachdem die Ufa ein Kommunique über den Stand der Sanierungsverhandlungen veröffentlicht hat, ist sogar von einer »glücklichen Lösung« die Rede: »Die Gefahr einer Überfremdung durch amerikanisches Kapital ist durch die Bildung dieses deutschen Konsortiums überwunden.« (Film-Kurier, 31.3.1927)
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Allerdings bleiben Fragen bis heute (1992) im Dunklen

Allerdings bleiben Fragen offen, die bis heute nicht beantwortet sind: Welche Gründe haben z. B. die Leitungen der immer wieder genannten Verlagshäuser Mosse und Ullstein bewogen, von der Übernahme der Ufa abzusehen? Wie hat das Angebot an sie ausgesehen? Hat es überhaupt die Möglichkeit gegeben, »autonom« über eine Finanzierung zu verhandeln?

Welche Banken sind im Spiel gewesen? Aus welchen wirtschaftlichen und geschäftspolitischen Gründen haben sie sich zurückgezogen? Denn auch Hugenberg ist nicht in der Lage gewesen, allein aus seinem Portefeuille die Sanierungskosten zu begleichen, ohne die Kooperation der Deutschen Bank.

Für diese wiederum darf wirtschaftlich »natürlich die Bedeutung des Ufa-Geschäfts nicht überschätzt werden«, wie der Film-Kurier richtig anmerkt (30.3.1927).

In der Generalversammlung der Deutschen Bank einen Monat (April 1927) später führt Direktor Oskar Wassermann im Anschluß an Darlegungen zur Sanierung der Automobilfirma Daimler aus:

  • »Anders liegt der Fall Ufa. Hier handelte es sich um ein nicht für die Wirtschaft, sondern für das nationale Prestige ungemein wichtiges Unternehmen, das aber, wie sich immer mehr zeigte, innerlich ungesund geworden war. Die Verantwortung, eine solche Gesellschaft von gar nicht zu berechnender Bedeutung für das deutsche Volk durch Kreditverweigerung zu Fall zu bringen, wollte die Deutsche Bank nicht auf sich nehmen. (...) Hätte die Deutsche Bank nur ihr eigenes Interesse im Auge gehabt, so hätte sie längst Schluß gemacht.«


(Film-Kurier, 27.4.1927).

Zu diesen Ausführungen passen Berichte, nach denen Stauß bis zuletzt mit den »Boten der Wallstreet« geliebäugelt habe, die ein lukrativeres Angebot als das »nationale Konsortium« vorgelegt hätten, daß aber die Deutsche Bank schließlich doch vor diesem »Landesverrat« zurückgeschreckt sei.
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Details der eigentlichen finanziellen Transaktion

Die eigentliche finanzielle Transaktion ist in ihren Grundzügen rasch beschrieben: Das Aktienkapital wird zunächst von 45 auf 16,5 Millionen RM herabgesetzt, anschließend wieder auf die gleiche Summe erhöht - die Mittel dafür werden vor allem durch die Veräußerung wertvoller Immobilien (Haus Vaterland am Potsdamer Platz) und durch den Verzicht der Deutschen Bank auf 6,25 Millionen RM an Zinsen und Provisionen aufgebracht.

Die Hugenberg-Gruppe erhält zwar nicht die nominelle Aktienmehrheit, aber neben der Übernahme von 10,5 Millionen RM an einfachen Aktien ein Paket von Vorzugsaktien über 3 Millionen RM, das mit zwölffachem Stimmrecht ausgestattet ist, so daß, wie es in einem internen Bericht des Scherl-Konzerns heißt, »uns die Majorität bei Abstimmungen unbedingt zur Verfügung steht. Es erhellt hieraus, daß die wirtschaftliche Führung dieses Unternehmens vollständig in den Händen unseres Konzerns liegt.« (zit. nach Wrernecke/Heller).
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Es gab aber noch mehr neue Anteilseigner der UFA

Allerdings haben sich neben Hugenberg auch andere Finanzgruppen bei der Sanierung der Ufa engagiert. In der Aufsichtsratssitzung vom 30. März nennt Stauß neben der »Gruppe Scherl oder Wolff« mit 17 Millionen die Glanzfilm-AG (IG Farben) mit 5 Millionen RM an Aktien, während weitere 8 Millionen »von Freunden der Deutschen Bank gezeichnet« würden (Protokoll dieser Sitzung bei Mühl-Benninghaus).

Die umstandslose Verbindung der Namen von Hugenberg und Otto Wolff zeigt, daß der Wechsel bei den Aktionären weniger als parteipolitisches denn als generelles Engagement westdeutscher Schwerindustrieller im Filmgeschäft gewertet wird.

Auch unter den »Freunden der Deutschen Bank« sind diese vertreten. Da die Übernahme der wirtschaftlichen Führung des Unternehmens durch den Scherl-Konzern zur Verabredung mit der Deutschen Bank gehört, unterbreitet Stauß dem Aufsichtsrat den »Vorschlag, in corpore zurückzutreten«.

Diese Bedingung, der einstimmig entsprochen wird, entspringt nicht nur politischen Machtinteressen, sondern auch betriebswirtschaftlichen Erwägungen. Der intime Kenner des Hugenberg-Imperiums, der Berliner Professor Ludwig Bernhard, schreibt 1928: »Hugenberg war sich darüber klar, daß, wenn die Sanierung nicht einheitlich geleitet werde, das Wagnis seinen ganzen Pressekonzern schwer schädigen, ihn vielleicht sogar bedrohen könne.« (Bernhard).
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Das Übergewicht der Hugenberg-Gruppe im Aufsichtsrat

Betrachtet man die Liste der Mitglieder des neuen Aufsichtsrates, so wird zwar das Übergewicht der Hugenberg-Gruppe deutlich, gleichzeitig aber findet man die Namen der neu eingetretenen Fritz Thyssen
(Aufsichtsratsvorsitzender der Vereinigten Stahlwerke), Paul Silverberg (Generaldirektor der Rheinischen A.G. für Braunkohlenbergbau und Brikettfabrikation, Präsidiumsmitglied des Reichsverbandes der deutschen Industrie und Mitglied der DVP) und Otto Wolff (Inhaber des gleichnamigen Konzerns).

Im Aufsichtsrat verbleiben ausserdem die Vertreter verschiedener Banken, an erster Stelle Emil Georg von Stauß als Repräsentant der Deutschen Bank. Insofern wäre es unrichtig, den »Rechtsruck« allein auf Hugenberg beschränken zu wollen. Seine Gruppe erhält lediglich die Geschäftsführung bei der im gemeinsamen Interesse liegenden Ausrichtung der Ufa, die dem Zeittrend folgt:

der Hinwendung nahezu des gesamten Bürgertums zum Gedanken des nationalen und autoritären Führerstaates am Vorabend der Weltwirtschaftskrise.
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Wir kommen ins Jahr 1930 - die politischen Richtungen

Als 1930 mit der Aufrichtung des Präsidialregimes ein gemeinsames Etappenziel erreicht worden ist, verfolgen die im Aufsichtsrat der Ufa vertretenen »nationalen Männer« sehr unterschiedliche Konzeptionen:

Silverberg unterstützt zunächst Heinrich Brüning und fordert im Sommer 1932 eine Reichskanzlerschaft Hitlers; Otto Wolff setzt Ende 1932 Hoffnungen auf den Versuch General von Schleichers, »vernünftige« Teile der NSDAP mit den national geläuterten Freien Gewerkschaften als Massenbasis einer Militärdiktatur zusammenzufassen; Thyssen, obwohl Mitglied der DNVP, sympathisiert frühzeitig mit der Nazipartei - und Emil Georg von Stauß, der als Element mäßigender geschäftlicher Vernunft erscheinen könnte, läßt sich bereits 1930 auf der Liste der NSDAP in den Reichstag wählen.

Der Versuch Hugen-bergs im Januar 1933, Hitler durch ein Kabinett von Fachleuten der »nationalen Konzentration« zähmen zu wollen, bildet in diesem Zusammenhang nur eine weitere illusionäre Variante des Verhaltens konservativer Industrieller und Bankenvertreter gegenüber dem Nationalsozialismus.

Mit der umfassenden Reorganisation der Ufa wird ein erfahrener und energischer Kader beauftragt: Ludwig Klitzsch, ein als »gemütlich« beschriebener Saale-Sachsener, 1927 im 45. Lebensjahr stehend, hat schon zehn Jahre zuvor die Deutsche Lichtbild-Gesellschaft e.V. geleitet und ist mittlerweile zum Generaldirektor des Scherl-Konzerns avanciert.
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Die Reorganisation auch auf moralische Dinge ausrichten

Bei der Reorganisation des Betriebs durchdringen sich verwaltungstechnische Maßnahmen und - wie es in Traubs Ufa-Rückblick von 1943 heißt- Schritte zur »einheitlichen Ausrichtung«, der Schaffung einer »gemeinschaftlichen inneren Haltung«.

In einem »Bericht No.1« über die »Umstellung des Betriebes der Ufa« an Klitzsch vom 16. Juni 1927 wird betont, daß sich die Revision »nicht nur auf materielle, sondern auch auf moralische Dinge« richten solle, wie »beispielsweise, Pünktlichkeit, Ordnung, Ehrlichkeit«.

Mit Stolz wird von zahlreichen fristlosen Entlassungen wegen derartiger
»Mängel« berichtet und als Anfangserfolg ein »Abbau von 171 Personen« gemeldet. Zahlreiche Mitarbeiter hat man »überzeugt«, sich in »angemessene«, d.h. niedrigere Tarifgruppen einstufen zu lassen.

Der »absolut ungeordnete und unorganische Zustand« der Registratur wird beseitigt und nach den Mustern des Scherl-Konzerns eine Zentral- Rechnungsstelle sowie eine effektive Hauspost eingerichtet.

Politische Disziplinierungen begleiten den Reorganisationsprozeß. In einem Vorstandsbeschluß vom 22. Februar 1928 heißt es: »Anläßlich verschiedener Vorkommnisse wird beschlossen, von einer Anstellung oder sonstigen Beschäftigung oder Weiterbeschäftigung von Personen, insbesondere auch des künstlerischen Herstellungspersonals abzusehen, die öffentlich persönliche Angriffe gegen Herrn Geheimrat Hugenberg in gehässiger Form erhoben haben oder erheben werden oder sich an solchen Angriffen beteiligt haben oder beteiligen werden.«
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Effektivierung und Ausrichtung der Verwaltung

Der Effektivierung und Ausrichtung der inneren Konzernverwaltung entspricht die Straffung des Gesamtaufbaus. Von 111 Tochtergesellschaften des unübersichtlichen Ufa-Konzerns werden bis 1932 54 liquidiert oder verkauft, 16 neue kommen hinzu. Zur Effektivierung und Zentralisierung der Verwaltung zählt vor allem die nun vorgeschriebene exakte Vorkalkulation jedes Films - es gibt dafür den neuen Beruf des »Produktionsleiters«.

Während 1927/28 weniger als die Hälfte der Filme unter eigener Leitung hergestellt worden sind, gibt es 1929/30 bereits fast ausschließlich »reine Ufa-Filme«. Gleichzeitig senkt man die Zahl der Produktionen: Gegenüber 36 langen Spielfilmen 1927/28 stellt die Ufa 1928/29 lediglich 24 her. Die Produktionsverluste gehen von 3,2 auf 1,4 Millionen RM zurück.
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Modernisierung und Hebung der technischen Qualität

Die Senkung der Produktionszahl ist verbunden mit einer Hebung der technischen Qualität. Dem dient u. a. die Modernisierung des Atelierbetriebs. Durch die Erweiterung des Geländes in Neubabelsberg, die Verdoppelung des technischen Personals, die Einrichtung eines eigenen Fundus für Requisiten - sie sind zuvor leihweise beschafft worden - entsteht allmählich die Filmstadt als Voraussetzung hochwertiger Produktionen.

Der noch unter der vorherigen Leitung begonnene "WELTKRIEG-Film" wird mit großer Werbung als Signal des Neuanfangs verkauft und avanciert zum Kassenerfolg. Der Reinertrag der Erstaufführung, auch dies symbolisch, wird der Hindenburg-Spende überwiesen.
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Jetzt folgt die einseitige politische Ausrichtung der UFA

Zum neuen Stil der Ufa gehören die Verbannung von Werbefilmen linksliberaler Tageszeitungen aus den eigenen Theatern, die Verweigerung des Ateliers für die Synchronisation des US-Films "Im Westen nichts Neues" und der strikte Boykott sowjetischer Produktionen. Kurt Tucholsky polemisiert: »es kommt nichts auf die Leinwand, wenn es Herr Generaldirektor Klitzsch nicht versteht, und so sieht es dann auch aus.« (Die Weltbühne, 17.4.1928).

Klitzsch brüstet sich noch mit seiner Ignoranz: »Ich habe nur zwei Bücher gelesen. Das eine war >Kubinke<, der Roman eines Friseurlehrlings im Berliner Milieu. Das zweite habe ich vergessen!« Eben deshalb traut er sich allerdings auch kein Urteil über Filmstoffe zu.

Klitzsch holt - ungeachtet der Warnungen der Vorstandsetage - Erich Pommer schon sehr bald aus Hollywood zur Ufa zurück. Die Verstärkung des nationalistischen Trends geschieht nicht ruckweise, sondern allmählich, abgestimmt mit den Verkaufsinteressen.

Sie zeigt sich weniger bei der Spielfilmproduktion, die wie zuvor in erster Linie den kommerziellen Gesetzmäßigkeiten der Unterhaltungsindustrie unterliegt; hier beschränken sich politische Eingriffe der Geschäftsleitung auf wenige Ausnahmen.
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Die einseitige politische Ausrichting der UFA-Wochenschaun

Eher zeigt sich die neue Linie der Ufa, als Einheit von nationalistischer Ausrichtung und ökonomischer Monopolisierung, bei der Wochenschauproduktion. Neben der Ufa-Woche und der Ufa-Auslandswoche wird seit Juli 1927 auch die Deulig-Woche des Hugenberg-Konzerns vom Ufa-Verleih vertrieben.

Nachdem zeitweise, um 1930, einige weitere Wochenschauen von der Ufa herausgebracht werden, bleiben diese beiden Produktionen bis zu ihrer Vereinigung 1939 auf dem Markt übrig.

Das Gewicht der Ufa erhöht sich durch die Sanierung erheblich. Das zeigt sich in der Wahl von Ludwig Klitzsch zum Präsidenten der Spitzenorganisation der Deutschen Filmindustrie (SPIO) im Mai 1927.
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Die Umstellung der UFA vom Stummfilm auf den Tonfilm

Großen Anteil daran hat die konsequente Umstellung vom Stummfilm auf den Tonfilm, nachdem erste Versuche aufgrund der Ufa-Krise 1926 ausgesetzt und von Klitzsch 1927 noch einmal ausdrücklich untersagt worden sind.

Erst ein Jahr später, im Juli 1928, setzt die Ufa eine »Studienkommission für Tonfilm« ein, um verschiedene Abspielsysteme in den eigenen Theatern zu testen. Alle wichtigen Verhandlungen in dieser Frage werden allerdings von der Elektroindustrie geführt.

August 1928 - die Tobis und die Klangfilm werden gegründet

Am 30. August 1928 bilden sich als Aktiengesellschaft das Tonbild-Syndikat (Tobis), eine Gründung, an der der niederländische Küchenmeister-Konzern führend beteiligt ist. Einige Wochen später, am 8. Oktober 1928, folgt die Klangfilm GmbH als gemeinsame Tochterfirma der Elektrokonzerne AEG und Siemens.

Durch einen sogenannten »Freundschaftsvertrag« vom 13. März 1929 erhält Tobis den Bereich der Tonfilmherstellung sowie des Vertriebs der Aufnahmegeräte zugesprochen, die wiederum von der Klangfilm hergestellt werden sollen. Diesem Kartell schließt sich die Ufa durch einen Vertrag mit der Klangfilm einen Monat später an.

Neu - Vier Tonfilmateliers in Babelsberg

Gleichzeitig beschließt der Vorstand die Errichtung von vier Tonfilmateliers in Babelsberg, die bereits im Oktober 1929 fertiggestellt sind. Bis 1931 hat die Ufa sämtliche Ateliers auf die Tonfilm-Technik umgestellt. Den entscheidenden Anstoß für die energisch betriebene Umstellung soll der persönliche Eindruck des amerikanischen Vorsprungs gegeben haben, den Klitzsch und einige ihn begleitende Experten auf einer Studienreise nach New York Anfang 1929 gewonnen haben:

  • »Hier wurden sie auf dem Broadway Augenzeuge einer fast unumschränkten Herrschaft des Tonfilms. Sie konnten sich der Überzeugung nicht verschließen, daß dieser neuen Entwicklung der Filmtechnik die Zukunft gehören werde. Das mußte die große Sorge wachrufen, wie Deutschland solchen Anforderungen international begegnen könne. Da wurde ein kleines Erlebnis maßgebend für die zuversichtliche Haltung, welche den nun folgenden schweren Entschlüssen ihre innere Berechtigung verlieh. In der Halle des Hotels lag das Musikprogramm der Unterhaltungskapelle aus. Es zählte dreizehn Musikstücke. Von ihnen waren neun deutschen oder österreichischen Ursprungs; und plötzlich zeichnete sich ein Zukunftsbild auf, in dem die deutsche Musikalität mit dem Tonfilm die Welt erobern werde.«

(Traub)
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Die Umrüstung aus den Tonfilm war sehr teuer

Die Umrüstung des Atelierbetriebs und der Theater erforderte hohe Abschreibungsmittel, um sich der in der Anfangszeit besonders raschen Verbesserung der technischen Basis für die Tonfilmherstellung und -wiedergäbe anzupassen. Innerhalb eines Jahres, bis Ende Mai 1930, sind 19 Millionen RM in diese Umstellungen investiert worden.
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1927 - Insgesamt mehr als 10.000 Musiker wurden entlassen

Allerdings stehen dem im gleichen Zeitraum Einsparungen von 4 Millionen RM durch die Entlassung von 800 Kinomusikern gegenüber. 1927 haben mehr als 10.000 Musiker in Deutschland ihr Brot auf diese Weise verdient. Für die Ufa bedeutet es nur geringe Kosten, aus diesem arbeitslos gewordenen Heer Anfang 1932 ein ausgezeichnetes Sinfonieorchester zu rekrutieren.

Auch zahlreiche deutsche Stummfilm-Stars kehren arbeitslos aus Hollywood zurück und können unter günstigen Umständen für die Ufa eingekauft werden. Und schließlich sinken die Lohnkosten für die Arbeiter und Angestellten in der Weltwirtschaftskrise und unter den Rahmenbedingungen der restriktiven Lohnpolitik der autoritären Präsidialregierungen.

Der erste reine Ufa-Tonspielfilm, die Puszta-Schnulze "Melodie des Herzens", ursprünglich als Stummfilm begonnen, feiert am 16. Dezember 1929 in Berlin Premiere. Die weitere Entwicklung verläuft in raschem Tempo.
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Ab März 1933 keine stumme Wochenschau mehr

Im Spieljahr 1929/30 produziert die Ufa bereits 30 längere und kürzere deutsche und fremdsprachige Tonfilme gegenüber 54 stummen Filmen - schon zwei Jahre später werden in Deutschland überhaupt keine Stummfilme mehr hergestellt.

Mit dem Übergang zum Tonfilm kann die Ufa ihren Marktanteil an den in Deutschland produzierten Spielfilmen von 6% (im Durchschnitt der Jahre 1926 bis 1928) auf 13% (1931) verdoppeln! Im September 1930 gelangt erstmals die Ufa-Tonwoche in die deutschen Kinos. Die parallele Herstellung der stummen Wochenschau-Fassung wird im März 1933 eingestellt.
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Deutsche Spielfilme sind gefragt

Für die Ufa als kapitalkräftigstes deutsches Filmunternehmen bringt die Umstellung auf den Tonfilm auch in der Konkurrenz mit Hollywood zunächst erhebliche Vorteile.

Der US-Marktanteil an langen Spielfilmen in Deutschland sinkt von 38,4% 1928 auf 27,9% 1930, der deutsche Anteil steigt von 38,4% 1928 auf 51,5% 1930. Mangelnde Synchronisationsmöglichkeiten halten die US-Filme nicht nur vom deutschen Markt weitgehend fern, sondern stärken auch die Position der Ufa im europäischen Ausland.
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1931 - Mit der Deutschen Bank im Rücken - geht das alles

Der gute finanzielle Rückhalt durch die Deutsche Bank, die als einzige Großbank 1931 nicht in die Strudel der Bankensanierung gerät, die energische Rationalisierung des Konzerns durch qualifizierte Medien-Manager und der Glücksumstand der Tonfilm-Umstellung, der in Deutschland den Kinobesucherschwund verlangsamt und die internationalen Wettbewerbsbedingungen verbessert, sorgen dafür, daß die Ufa gestärkt aus der Weltwirtschaftskrise hervorgeht und die zentrale Bastion der nationalsozialistischen Filmpolitik werden kann.

Ein Artikel von Axel Schildt
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