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Austellung im Filmmuseum Frankfurt vom 26.11 bis 31.5.2015

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Im Nov. 2014 begann in Frankfurt im Film- Museum am Schaumainkai eine besondere Fotoausstellung, die ganz seltene Aufnahmen von vergangenem Prunk und Protz zeigt. Es sind übergrpße scharfe qualitativ hochwertige Innenaufnahmen, sowohl aktuelle und als auch aus den letzten Jahren, von großen bombastischen amerikanischen Kino-Ruinen, die zu ihren Glanzzeiten zu den tollsten "Errungenschaften" der neuen Welt zählten.

Es ist vor allem eine sehr ungewöhnliche Ausstellung über die vergangene Pracht der großen amerikanischen "Kinopaläste". Zwei junge Franzosen (Yves Marchand und Romain Meffre) sind über 10 Jahre sooft wie möglich in die USA gereist und haben in den großen Metropolen die verlassenen und verfallenen "theatres and cinemas" - also riesige Kinopaläste - fofografiert . . . . von innen fotografiert. Es sind 30 große hochauflösende Fotos ausgestellt (von über 250), die den nahezu jetzigen Zustand der teils leeren Paläste von damals eindrucksvoll dokumentieren.
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Einleitung und Details

12 Megapixel reichen bei weitem nicht aus

(von Gert Redlich im Nov. 2014) - Zuerst hier etwas über die Mühe (der beiden Fotografen), solch einen Riesen-Palast, egal in welchem Zustand er sich befindet, überhaupt auf den Film zu bekommen. Ich fotografiere seit etwa 40 Jahren auf analoge Dia-Filme und etwa seit 10 Jahren nur noch digital und mit "einigermaßen" erschwinglichen Kameras. Die beste - also meine Beste - von Nikon hat echte 12 Megapixel Auflösung und das reicht sogar für ein großes DIN A1 Poster. - Doch hier haben wir 2m breite randscharfe Fotos - mit einer großen 4" by 5" Analog-Kamera aufgenommen -,  Fotos, die bis in die letzten Details eine hervorragende Qualität bezüglich der Schärfe, des Kontrasts und auch der Farben bieten.

Solch ein riesengroßer Saal muß natürlich auch professionell ausgeleuchtet werden. Und wir vom Fernsehen wissen natürlich auch, daß für vernünftige scharfe Bilder - ob Foto, Film oder Fernsehen, immer viel ganz Licht gebraucht wird. Mit einem normalen Blitzgerät - selbst einem Profi-Blitz- ist das nicht zu machen.

Die Qualität der Fotos ist extrem gut - und bestaunenswert

Paramount Theater Newark. © M&M Courtesy Polka Galerie

Sie werden staunen, wenn Sie mit etwas Abstand (ca. 4m) vor den Bildern stehen - und Sie stehen eigentlich mitten in dem verlassenen Saal - einsam neben dem Fotografen - und schaun ihm (virtuell) über die Schulter. Das ist beeindruckend. Wenn Sie dann vielleicht die Hälfte der Bilder gesehen haben, fällt im Unterbewußtsein schon etwas auf, was diese Bilder unausgesprochen aussagen wollen und vermutlich auch sollen. Die beiden Fotografen wurden zwar während der Eröffnung vorne an der Bühne über ihre Intensionen und ihre Technik befragt, doch deren Englisch war nicht immer sauber zu verstehen - das war schade.
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Ein modernes Traumkino in blauem Samt
Eine 18 Meter breite Cinemascope Leinwand im Arkarden in Wiesbaden
vom Dez. 1955 - "Capitol" baute auf 11m Cinemascope Bildwand um

Was fällt (mir) bei diesen Bildern auf ?

Die allermeisten dieser Paläste stammen aus den Zeiten des Varietes und der Zirkus-Shows von vor und um 1920 herum, als die Zuschauer noch möglichst nah an die Artisten, Sänger und Schauspieler ran rücken wollten oder mußten.

Die Zuschauerreihen der Paläste sind - bis auf das Parkett - fast immer sehr steil und haben 3 oder 5 oder noch mehr "Ränge". Die Zuschauerräume waren damit recht hoch.

Als technisch versierte Kino-Fans sehen wir, daß man die Bildwände beinahe "hilfsweise" direkt hinter dem ehemals beeindruckend pompösen Vorhang aufgehangen hatten (Bilder weiter oben und weiter unten) - wobei recht oft hinter dem jetzt offenen und meist zerlumpten Vorhang eine erstaunlich große Bühne zum Vorschein kommt. Die weißen Bildwandflächen bzw. Projektionsflächen in der eigentlichen Bühnenöffnung waren im Vergleich mit unseren deutschen (großen) Kinos viel zu klein, und damit für diese riesen Paläste untauglich.

Das aber begrenzt das Erlebnis "Film" gewaltig. Ich vermute, daß nach 1960 die Erwartungshaltung des Publikums an das auf den Plakaten propagierte super tolle Kino-Erlebnis (siehe die Bilder rechts) in der Konkurrenz zu Cinerama oder Cinemascope von den Betreibern einfach unterschätzt wurde.
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Projektionsentfernungen von über 100 Metern

Unser Wiesbadener Taunus Theater mit fast 70m Länge - seit 1954

Auf einigen Bildern von richtigen großen Kino-Sälen mit weit über 2.000 Sitzplätzen - also keine ehemaligen Theater-Umbauten - schätze ich die Entfernung vom Film-Projektor zur Bildwand auf gute 100 Meter (siehe das Titelbild ganz oben). Das ist für damalige Kino-Verhältnisse - aber immer noch nach 1945 und vor 1970 - verdammt viel. Die damaligen 35mm Projektoren  konnten auch mit großen Kohlebogen-Lampen die geforderte Lichtstärke nicht leisten, obwohl die Bildwände recht klein waren.

Bei uns in Deutschland West wurden so um 1955 ganze tragende Dach- und Deckenkonstruk- tionen abgerissen, damit eine die volle Breite des Saales einnehmende Bildwand (für den aufkommenden Cinemascope Film) installiert werden konnte.

Die Besucher auf den hintersten Reihen dieser alten amerikanischen Paläste - eigentlich die teuersten Kino-Plätze (jedenfalls bei uns) - brauchten fast ein Fernglas, wie damals im richtigen Theater, um das Bild angenehm groß zu sehen.

Mir als Kino- und Hifi-Stereo- Fan ist es absolut schleierhaft, wie man in diesen gigantischen Sälen zum Beispiel oben im 4. Rang die Raum- und Stereo-Effekte der ersten Cinemscope 4-Kanal Magnettonfilme rüber bringen konnte.
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Die Pracht-Bauten waren (innen) nur prunkvolle Kulissen

Paramount Theater Brooklyn. © M&M Courtesy Polka Galerie

Die wunderschönen prunkvollen Decken- und Wandver- kleidungen sind typische primitivste und billigste Filmkulissen aus Holz, Sperrholz, Pappe, Bindedraht und natürlich aus Gips - selbstverständlich kunstvoll ausgestaltet und mit viel Gold und Silber angemalt, Kulissen, die beim Film nach wenigen Monaten (oder nach dem ersten Regen) wieder abgerissen wurden.

Erinnern wir Älteren uns an die großen monumentalen Außenkulissen von "Das Gewand", einem der ersten gigantischen Cinemascope Filme ab 1955 und auch an "Cleopatra" und "Ben-Hur". Auch diese riesigen großen "Bühnenbilder" standen ja alle auf den Studiogeländen im Freien, waren alle nur aus Sperrholz, Pappe und Gips.

Auf den Bildern sieht man natürlich deutlich den grauseligen Verfall, der erschreckend wirkt. Doch diese Kulissen-Arbeiten waren nie auf Dauer ausgelegt. Es waren eben nur Kulissen. Und wenn es - nach wenigen Jahren - etwas durchregnet, fällt der Stuck eben runter und das Sperrholz bricht auf und wölbt sich und bröckelt dann auch.

Beispiele für die völlig normale allgemeine Leichtbauweise in den USA aus der jünsten Zeit sehen Sie immer wieder im Fernsehen, wenn ein Tornado durch eine amerikanische Kleinstadt gebraust war, alle Häuser und Wohnwagen platt sind und überall tonnenweise zerrissene oder geborstene Sperrholzplatten rumliegen.

Auf manchen Kino-Bildern der Ausstellung haben Sie einen Einblick in die Elektroverkabelung
, die vor 100 Jahren mal installiert wurde. In einem (zufällig gefundenen) 63-seitigen historischen Bericht über die "Albuquerque Theatres and Cinemas" (es ist ein PDF aus 2008 mit vielen Bildern) lesen Sie von vielen Bränden in diesen Kinos, die bis auf die umgebende Grundmauer abgebrannt waren. Solche Brände hatten schon ihre Gründe.
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Über den Niedergang der Kinos um 1960

Wiesbadens US Militär-Kino 1960

Es wird immer noch viel über den "Niedergang der Kinos" philosophiert, zu Teil aus Unwissenheit oder aber, weil es so bequem ist, "des Volkes Meinung" zu wiederholen und weil es gerade ins Weltbild paßt.

Das ist schade, denn das mit dem Fernsehen als Kino-Killer stimmt wirklich nicht. Das war wirklich nur ein ganz kleines Fragment der wirklichen Gründe. Rechts sehen sie ein ganz seltenes rares Bild des einzigen amerikanischen Kinos in Wiesbaden von 1960 (eines von 4 US Militär-Kinos in Europa), sogar eine ganz rare Luftbildaufnahme. Die Amerikaner brauchten damals dafür natürlich keine Genehmigung.

Bei genauerem Hinsehen erkennen sie die großen amerikanischen Blechkarossen, die 8-Zylinder Super-Schlitten, mit denen die oberen militärischen Ränge bereits rumkutschierten und wir Deutschen durften damals nur zuschaun und die Karossen bestaunen. Die Amerikaner staunten damals wiederum, daß wir Deutschen unsere wenigen - deutlich kleineren - Autos sogar waschen, zwar nur Sonntags, aber immerhin.

Der Wohlstand kam bei uns eben einige Jahre später, aber er kam ebenso gnadenlos ungebremst wie etwa 4 bis 5 Jahre früher in den USA. Und das war schlecht für die Kinos. Inzwischen fahren sehr sehr viele US-Amerikaner hier in Wiesbaden einen BMW, oh Wunder.
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Soll man jetzt (mit-) trauern oder eher nachdenken ?

Nur ein ganz kleiner Teil der Alt-EDV Entsorgung in 2008

Wie oben bereits gesagt, der so prägnant dokumentierte Verfall des ehemaligen Prunks erschreckt uns und gruselt ein wenig. Doch das ist "unser" initiales Denken.

Als ich bei uns hier in Wiesbaden technische Computer- und Netzwerkgeräte im Neuwert von mehreren Millionen Dollar teils mit Ansätzen von Tränen in den Augen entsorgt hatte, tröstet mich ein befreundeter Lufthansa-Pilot. In den USA wurden vor Jahren die 4 großen Raumfähren (Space-Shuttles) für jeweils ca. 24 Milliarden !! Dollar Neuwert ($ 24.000.000.000.-) auch quasi für (nur) 1 Dollar entsorgt und die damals beteiligten Ingenieure hatten bestimmt richtige Tränen in den Augen. Und von den abgeschalteten Kernkraftwerken hier bei uns wollen wir gar nicht erst anfangen.
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Das Wiesbadener Caligari nach der Renovierung

Auch "Kultur" - und sei sie noch so unnatürlich gigantisch und protzig - ist vergänglich und der Aufwand, sie leidlich zu erhalten, kostet viel Geld.

Das Caligari Kino in Wiesbaden ist da ein schönes Beispiel. Es ist im alten Stil mit einem Aufwand von mehreren Milionen Euro restauriert worden, ebenso wie das Filmmuseum in Frankfurt und auch das Museum für Kommunikation nebenan. Doch bereits bei dem in der gleichen Straße befindilichen Städl (ein bekanntes Frankfurter Kunstmuseum) kommen bei uns Film- und Kino-Fans bereits Zweifel auf.

Die Ausstellung ist sehens- und erlebenswert . . .

Das umgebaute Museum in 2015
und der Haupteingang

Das Frankfurter Filmmuseum ist sowieso einzigartig in Deutschland - zusammen mit der Murnau Stiftung, dem Filminstitut und mehreren verbundenen Kinos (auch in Wiesbaden). Darum lohnt ein Besuch wirklich. Man kann ihn nämlich mit dem Besuch im Architekturmuseum, dem Kunstmuseum, dem Museum für Kommunikation und natürlich der Frankfurter Innenstadt verbinden. Und auch große Kinos gibt es noch viele im Frankfurt von Heute.

Diese Ausstellung "FILMTHEATER"
wird bis Ende Mai 2015 dauern und bei entsprechenden Besucherzahlen vielleicht sogar verlängert.

Vom Frankfurter Hbf fahren mehrere U-Bahnen
ziemlich dicht ran ans Museumsufer. Etwas spazieren müssten Sie dennoch. Spekulieren Sie bitte nicht mit einem Parkplatz, das wird sehr schwierig (oder teuer).

Öffnungszeiten und weitere Informationen finden Sie auf deren Website:

www.deutsches-filminstitut.de


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