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Einzelne Autoren beleuchten die Entwicklung der UFA ab 1917

Damals in 1917 mitten im 1. Weltkrieg sollte der eigentliche Grund für solch ein Film-Monopol unter versteckter staatlicher Regie geheim bleiben. Die Öffentlichkeit, die Mitarbeiter und die reichsdeutsche Presse wußten recht wenig von den Machenschaften im Hintergrund und lobten ihre Arbeit und "ihr" Unternehmen, solange sie dabei waren.
Die Filmfabrik UFA kam dennoch ins Trudeln und wurde beinahe von den Amerikanern übernommen. Erst nach dem März 1933 kam der immense Wert solch eines Monopols richtig zur Geltung, wenn auch nur noch im negativen Sinne. Die einführende Seite beginnt hier.

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Kon-Fusion

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1921 - Die Ufa übernimmt die Decla-Bioscop

»Die deutsche Film-Industrie arbeitete im Jahre des Heils 1920 mit einem Kapital von vier Milliarden Mark. Das verpflichtet immerhin, sich ein wenig den Sitten und Gebräuchen der Großindustrie anzupassen: in leidlich korrekten Formen mit möglichst wenig Geräusch möglichst viel Geld zu verdienen. Allein die Kino-Leute trieben ihr Gewerbe im Stil wildgewordener Schaubudensteller. Der neudeutsche Größenwahn, der in der Republik lieblicher blüht denn je, war in die Flimmermenschen gefahren.«

So bilanziert Wirtschaftsfachmann Morus (Richard Lewins Sohn) am 10. November 1921 in "Die Weltbühne" die Entwicklung der deutschen Filmindustrie. Es ist der Monat, als Decla-Bioscop und Ufa sich zusammenschließen.
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Inflation und Film-Export sind die aktuellen Themen

Zwei Faktoren bestimmen die deutsche Filmindustrie: Inflation und Film-Export. Eine 1922 in Berlin erschienene Dissertation beschreibt, welchen Einfluß die galoppierende Mark-Entwertung auf die Konzentration und Markt-Expansion hat:

Die Inflation verlockt die Banken zu enormen Investitionen in die Filmindustrie zugunsten aufwendiger, hochwertiger Produktionen, die auf den internationalen Markt zielen. Gleichzeitig schrecken die chaotischen Wirtschaftsverhältnisse in Deutschland andere Länder davon ab, Filme nach Deutschland zu exportieren.

Und so beruht der spektakuläre Aufstieg des Weimarer Films in den 1920er Jahren nicht zuletzt auf der explodierenden Inflationsrate. Für die Ufa-Direktion - und speziell für Erich Pommer, nachdem ihm die umfangreichen Produktions-Mittel der Ufa in den Schoß gefallen sind - bietet die Inflation eine machtvolle Grundlage für die Filmproduktion.
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Die Finanz-Exzesse und die Qualität der Filme

Doch die Kritik stellt auch fest, daß den Finanz-Exzessen der Filmindustrie nicht unbedingt eine hohe Qualität der Filme gegenübersteht. Hans Siemsen nennt das Ergebnis scharf züngig den

»Riesen-Pracht-Monstre-Monumental-Austattungs-Film«

und notiert ironisch, der deutsche Film

  • »sieht jetzt etwa aus wie jene Prunk- und Prachtgebäude aus der wilhelminischen Glanzepoche: mit falschen und echten Säulen, Marmor, Kapitalen, Kuppeln, Türmen, Treppen, Mosaiken - wie die Kaiser-Wilhelm-Gedächtnis-Kirche: protzig und teuer, aber langweilig und hohl. Der deutsche Film hat Geld bekommen - und das ist sein Verderben geworden. Geld ist eine schöne Sache. Aber damit allein ist nichts getan. Und wenn ich höre: Ein Film kostet zwei Millionen - dann weiß ich im Voraus: Der Film ist schlecht.«

(Die Weltbühne, 27.1.1921).

Als Peter Panther springt Kurt Tucholsky seinem Kollegen bei und präzisiert:

  • »Der Film von zwei Millionen ist deshalb von vorn herein schlecht, weil er viel zu großes Gewicht auf das legt, was man mit Geld bezahlen kann, und viel zu wenig auf das, was kein gemietetes Tempelhofer Feld hergeben kann: auf den Charme.«

(Die Weltbühne, 10.2.1921).

Tucholsky bilanziert:

  • »Auf einen >Doktor Caligari( kommen neunhundert Kitschangelegenheiten, die undiskutierbar sind.«


Er verweist zugleich auf die Ursache der Entwicklung:

»Die Seele vons Buttergeschäft sitzt anderswo. Im Aufsichtsrat.«
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Die Banken geben den Ton an - jedoch ohne Kompetenz

Das Schwergewicht der Entscheidungen innerhalb der Filmindustrie hat sich bei zunehmender Konzentrierung und wachsendem Einfluß der Banken von den kreativen Kräften wie Regisseuren, Autoren und Schauspielern zum Management verschoben.

Der immer deutlicher werdende Trend zum Großfilm ist die Strategie der Investoren, ihre Profite abzusichern. Wie Paul Davidsons und Ernst Lubitschs aufwendige Produktionen gezeigt haben, brauchen die Großfilme die Auslandsmärkte, da der deutsche Inlandsmarkt zu klein ist, um die Kosten wieder einzuspielen. Um ihre Gewinne zu maximieren, meinen die Filmindustriellen und Banker den amerikanischen Markt erobern zu müssen.

Deshalb tendieren die finanziell potentesten deutschen Filmfirmen zunehmend zur Produktion von »Kunstfilmen«. Diese Politik drängt die Ufa in ein Wettrennen, das sie - angesichts fremder Faktoren, auf die sie keinen Einfluß hat - nur verlieren kann und das Mitte der 1920er Jahre im Desaster endet.
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Zum Ende 1921 - die Devise heißt "mehr Expansion"

Doch Ende 1921 gilt noch die Devise: mehr Expansion, wirtschaftliche Absicherung durch Konzern-Bildung, Produktion von Großfilmen und Export in die USA, erleichtert durch die Inflation in Deutschland. Die Fusion von Ufa und Decla-Bioscop ergibt die größte Konzentration von Produktion, Verleih und Kino-Ketten unter einem Dach.

Die Produktion, speziell von Filmen, die auf den internationalen Markt zielen, wird - von der Fachpresse höchst kritisch beobachtet - angekurbelt. Morus in der Weltbühne kommentiert die Filmpolitik besonders scharfzüngig:

  • »Es wurde drauflosgekurbelt, als lauerte die ganze Welt auf deutsche Filme. Aber sie lauerte nicht. Und als aus Amerika die ersten Absagen kamen und in Berlin hundert Kientöppe ihre Läden schlössen, fing es in der südlichen Friedrichstadt an zu krachen. Die Kleinen verschwanden in der Versenkung, und die Großen begannen, sich >umzugruppieren<.
  • Als Hauptopfer auf der Strecke blieb die Decla-Bioscop AG, die zweitgrößte deutsche Gesellschaft. Sie brachte es fertig, bei 30 Millionen Aktienkapital mit einer Unterbilanz von 26 Millionen Mark abzuschneiden. Diese Bilanz ist freilich eine etwas dunkle Angelegenheit.
  • Die Einen behaupten, die Aktiva seien noch viel zu hoch bewertet worden; die Andern meinen, die Verluste seien künstlich aufgebauscht worden, um eine Fusion herbeizuführen. Wie dem auch sei: die Decla war fällig.«

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(Kommentar aus der Weltbühne 10.11.1921).
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Man vermutet "Unsauberkeiten" - bei der Decla-Bioscop

Auch Presseberichte über die außerordentliche Generalversammlung der Decla-Bioscop am 11. Oktober 1921, die über die Zukunft der Firma zu entscheiden hat, deuten auf Unsauberkeiten. Während der Versammlung protestieren Anteileigner und versuchen vergeblich, die Tagesordnung zu ändern, um eine Diskussion der finanziellen Lage der Decla-Bioscop zu erreichen.

Viele haben den Eindruck, daß diese Diskussion ein sehr viel günstigeres Bild der Situation zeigen könnte - und damit das Angebot der Ufa als unangemessen disqualifizieren würde. Nach dem Beschluß der Versammlung (mit 22723 gegen 3199 Stimmen), durch einen Aktientausch - eine Ufa-Aktie für zwei Decla-Bioscop-Aktien - die Fusion mit der Ufa zu vollziehen, bestätigt Erich Pommer indirekt die Bilanz-Manipulationen, stellt sich aber voll hinter den Beschluß:

  • »Auch heute noch steht das Interesse der Gesellschaft den früheren Vorstandsmitgliedern der Decla-Bioscop-Aktiengesellschaft über den eigenen. Diese Auffassung bestimmt sie, der in Aussicht genommenen Neuregelung der Verhältnisse der Gesellschaft keine Schwierigkeiten zu bereiten und die glatte Abwickelung der Angelegenheit durch die sonst erforderlichen Maßnahmen nicht zu stören. Die der Generalversammlung vorgelegte Bilanz und die Gewinn-und Verlustrechnung, die die Grundlage für die inzwischen gescheiterte Fusion mit der National-Film-AG bilden sollte, wird nach Annahme der gestellten Verwaltungsanträge nur noch historischen Wert haben. Die Aufstellung dieser Vorlagen erfolgte unter irrigen Gesichtspunkten. Unter Berücksichtigung der tatsächlichen Verhältnisse der Gesellschaft würde die Bilanz ein ganz anderes Bild ausweisen.«

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(aus dem Film-Kurier, 11.10.1921).
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Die Wahrheit nach mehreren Jahrzehnten .......

Jahrzehnte später erklärt Pommer, die Decla-Bioscop habe tatsächlich zu wenig Kapital gehabt, um mit der Ufa zu konkurrieren, und sei deshalb in den Konzern "eingebracht" worden.

Die Ufa hat zum Zeitpunkt der Fusion - die im November 1921 durch Zustimmung der Ufa-Generalversammlung vollzogen wird - ihre eigenen Probleme bei Finanzen und Produktion. Rahel Lipschütz schreibt 1932 in ihrer Dissertation

»Der Ufa-Konzern«:
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  • »Unter den verheerenden Wirkungen der Inflation hatte die Ufa schwer zu leiden. Die Filmproduktionstätigkeit bringt es mit sich, daß große Investitionen auf lange Sicht notwendig sind, während beim Filmverleih häufig feste Preise für die zeitweilige Überlassung (Vermietung) des Filmstreifens vereinbart werden, Tatsachen, die die Wirkung der Inflation auf das Grausamste unterstützen.
  • Durch den an und für sich lebhaften Geschäftsgang der Gesellschaft angeregt, suchten mehrfach vorgenommene Kapitalerhöhungen der Entwertung der Mark nachzufolgen.«

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Im März 1921 wird das Grundkapital von 25 auf 100 Millionen Mark erhöht, bereits im November auf 200 Millionen, schließlich im Oktober 1923 auf 300 Millionen Mark.
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Schwierigkeiten mit der UFA Tochter - der Union-Film

Zu diesen finanziellen Problemen kommen die Schwierigkeiten der Ufa mit ihrer wichtigsten Produktions-Firma, der Union-Film. Dabei spielen vor allem zwei Faktoren eine Rolle: Zum einen wirkt sich hier der ökonomische Druck erhöhter Personal- und Rohfilm-Kosten besonders stark aus.

Zum anderen hatte die Firma unter dem Nachfolger Paul Davidsons, Arthur von Gerlach, kein eigenes künstlerisches Profil gewonnen. Der letzte Union-Film des Erfolgsteams Davidson-Lubitsch-Pola Negri, "Die Bergkatze", hatte im April 1921 Premiere, ihr nächster Film, "Das Weib des Pharao", entsteht im Sommer 1921 bereits als EFA-Produktion.

Die künstlerischen Probleme lassen den Film-Kurier sogar verkünden, die Ufa habe jede Bedeutung in der Filmproduktion verloren.

  • »Kein anderer Konzern unserer Industrie hat so mächtige Mittel zur Verfügung wie die Ufa. Wie kommt es, daß es ihr bisher noch immer nicht wieder gelang, ein Standardwerk hervorzubringen, auf das sie, wie die deutsche Filmindustrie, mit Stolz verweisen könnte?
  • Was sie in ihrer neuen Ära an Leistungen zeigte, waren qualitativ gewiß höchst achtungswerte Arbeiten. Aber das imponierende, das gewaltige, das ihrer finanziellen Stärke entsprechende, ganz große Filmwerk ist sie uns und ihren Geldgebern bisher leider schuldig geblieben.«

(6.5.1922).
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Ein schwerer Verlust für die Union-Film

Die Gründung der Europäischen Film-Allianz unter Davidsons Leitung ist ein schwerer Verlust für die Union-Film und damit für das künstlerische Profil der Ufa. Der Aufkauf der Decla-Bioscop wird so beinahe praktisch unumgänglich. Entsprechend deutlich ist die Einschätzung der Ufa durch die Fachpresse:

  • »Die Union gehört zu denjenigen Firmen, die den deutschen Film groß gemacht haben und die Produkte geliefert hat, mit denen für Deutschland der Weltmarkt erobert werden konnte. Das diesjährige Resultat kann nur dazu führen, daß die Marke >Union< in Vergessenheit gerät und daß man sich abgewöhnt, es als eines der ersten oder das erste Filmfabrika-tions-Unternehmen anzusehen.«


(Film-Kurier, 24.11.1921).
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Die Ufa war in einer Zwangslage und mußte die Decla-Bioscop kaufen

Die Ufa ist also gezwungen, einen neuen Produktionschef der Union-Film zu finden sowie das durch die Abwanderung zur EFA dezimierte künstlerisch-technische Team aufzufüllen. Die Decla-Bioscop kann mit beidem dienen. Zugleich ist die Decla-Bioscop der einzige noch verbliebene ernsthafte Konkurrent der Ufa in Deutschland.

Gleichzeitig erreicht das künstlerische Renommee der Decla-Bioscop einen neuen Höhepunkt: »Die besten Filme der Saison. Decla-Bioscop an der Spitze« verkündet der Film-Kurier am 19. November 1921.

Die Filme der produktivsten Decla-Regisseure sind Erfolge bei Publikum und Kritik. Dazu gehören Fritz Langs "Der müde Tod", Ludwig Bergers "Der Roman der Christine von Herre" und Johann Guters "Zirkus des Lebens". Gleichzeitig wird ein dreiteiliger Abenteuerfilm unter der Regie von Friedrich Wilhelm Murnau, der seit Januar 1921 bei der Decla-Bioscop unter Vertrag steht, nach einem Drehbuch von Thea von Harbou angekündigt.

Die Tochtergesellschaften der Decla-Bioscop, Russo-Film und Uco-Film, sind ebenso erfolgreich. Die Russo-Film kündigt zwei Filme an - Johannes Guters "Die schwarze Pantherin" und Fritz Wendhausens "Die Intriguen der Madame de la Pommeraye", während die Uco-Film die Leinwand-Version des Romans "Dr. Mabuse, der Spieler" plant, der gleichzeitig in der Berliner Illustrirten Zeitung erscheint.

Dazu kommen im Verleihprogramm der Decla-Bioscop schwedische und amerikanische Filme. Insgesamt bietet die Decla-Bioscop mit diesem Erfolgs-Programm einen künstlerischen Köder für die Ufa, deren Union-Film-Produktion dramatisch nachgelassen hat.
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Auslöser für diesen Deal waren am Ende die Amerikaner

Die Verhältnisse in der Ufa erzwingen somit das Zusammengehen mit zwei Firmen. Beide Fusionen werden durch Paul Davidson ausgelöst und - bei gründlicher Analyse - schließlich durch Amerikaner.

Die Ufa muß dringend die künstlerische Lücke füllen, die durch den Abgang des Produktionschefs Davidson und seines erfolgreichsten Regisseurs, Ernst Lubitsch, gerissen worden ist. Das erklärt das Interesse an der Decla-Bioscop, einer Firma, deren Stärke seit jeher auf ihren künstlerischen und technischen Teams beruht, zusammengebracht und geleitet durch ihren Produzenten Pommer.

Doch die Ufa muß auch den Status der Union-Film durch eine »offizielle« Fusionsmaßnahme klären, da Davidson versucht, die Kontrolle über die Union-Film, seine ehemalige Firma, durch ein Kaufangebot wiederzuerlangen.

Beide Fusionspläne sind taktische Manöver der Ufa beim dringenden Versuch, ihre künstlerische Produktions-Kapazität zu sichern, wieder auszubauen - und den notwendigen Anteil am amerikanischen Markt zu garantieren. Die Umstände beider Fusionen, bei denen Pommer im Zentrum steht, machen die Verletzlichkeit der Filmindustrie und die brüchige Firmenkontrolle deutlich.

Diese zeigen sich in der Kritik von Dr. Wolffsohn, der auf der Generalversammlung der Union in Bezug auf die ursprünglichen Fusions-Pläne der Decla-Bioscop bemerkt:

»Auch bei der Fusion der Decla-National sei dauernd die Auffassung in der Presse vertreten worden, daß die getroffenen Maßnahmen von der Filmindustrie selbst ausgingen, und nicht, wie es tatsächlich der Fall war, von den Bankengruppen«
(Film-Kurier, 1.1.1922).
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Erich Pommer mußte dem Diktat der Banken folgen

Erich Pommer, Chef der Decla-Bioscop, ist gezwungen, dem Diktat der Banken zu folgen und seine eigenen Präferenzen zurückzustellen. Die Deutsche Bank wird öffentlich kritisiert, weil sie ihren Einfluß auf die Filmindustrie in der gleichen Weise ausübt wie in anderen Branchen der deutschen Wirtschaft - ohne Rücksicht auf die kulturelle Bedeutung.

Die enge Verknüpfung von Deutscher Bank und Ufa wird allein dadurch offensichtlich, daß die Generalversammlungen der Ufa im Gebäude der Bank stattfinden, deren neuer Konferenzraum wiederum mit Ufa-Technik zur Filmprojektion ausgestattet ist.

Zwar liegt die Entscheidung über die Zukunft von Ufa und Decla-Bioscop juristisch bei den jeweiligen Generalversammlungen, doch gleichzeitg muß man erkennen, daß die Exekutiven der Firmen - der Vorstand und der Aufsichtsrat - mit Vertretern der großen Banken bevölkert sind, die die Interessen ihrer Häuser zu sichern versuchen.

September 1921 - Generalversammlung der Decla-Bioscop

Die Generalversammlung der Decla-Bioscop tritt am 20. September 1921 zusammen. Bei diesem Treffen wird ein Fusionsversuch mit der National-Film bekannt, mit dem 1920/21 die finanziellen Engpässe überwunden werden sollten.

Die National-Film hat am 26. August 1921 der Decla-Bioscop ein Angebot gemacht. Die Generalversammlung der Decla-Bioscop lehnt dies Angebot ab, akzeptiert jedoch ein entsprechendes Angebot der Ufa. Am 19. September, einen Tag vor der entscheidenden Generalversammlung, erhöht die National-Film ihr Angebot, das jedoch ignoriert wird; die Fusion der Decla-Bioscop mit der Ufa wird als "fait accompli" angesehen.

Hans Traub schildert die Vorgänge in seiner offiziellen Ufa-Geschichte (1942) so:

  • »Die Decla litt unter erheblichen Geschäftsschwierigkeiten, und man beschloß, ihr Vermögen der National-Film AG zu übergeben. Bevor dieser Plan durch die Generalversammlung genehmigt war, zogen bereits die neuen Herren der National-Film ein. Die Banken jedoch, die die Decla-Bioscop bisher gestützt hatten, waren inzwischen mit der Nationalbank vereinigt worden, die an der Ufa beteiligt war. So wurde in letzter Minute die Decla-Bioscop mit der Ufa vereinigt und außerdem versucht, auch die National-Film einzugliedern, was die Ufa ablehnte.«

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Ein Gestrüpp von Spekulationen und Falschmeldungen

Um diese Transaktionen rankt sich in der Fachpresse ein Gestrüpp von Spekulationen und Falschmeldungen. Der Film-Kurier meldet zum Beispiel am 31.10. und 1.11.1921, daß die Verbindung zwischen der fusionierten Decla-Bioscop-National-Film und der Ufa bereits von den Banken vollzogen sei.

Andere Artikel berichten von Schwierigkeiten, die von der Verschuldung der Decla-Bioscop bei anderen deutschen Filmfirmen herrühren. Am 5.12.1921 spricht eine Schlagzeile von »Konfusion« statt »Fusion«, und schließlich, fast einen ganzen Monat nach dem Vollzug der Vereinigung, meldet die Film-Beilage des Berliner Lokal-Anzeigers, die ganze Transaktion sei gescheitert.
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Die Fusion kommt die Ufa teuer zu stehen.

Eine Generalversammlung der Ufa enthüllt sieben Monate später, daß 66 Millionen Mark investiert worden sind, teils um die Bankschulden der Decla-Bioscop abzubauen, teils für die Produktion. Nach dieser Elefanten-Hochzeit besteht die deutsche Filmindustrie in den frühen 20er Jahren aus einem großen vertikal-strukturierten Konzern ("immer noch" unter Einfluß des Staats, der Industrie und der Banken) und mehreren neugegründeten, unabhängigen Firmen.

Dabei kommt der Ufa auf dem Binnenmarkt ein Fast-Monopol zu, während zugleich das Vordringen der Amerikaner nervös beobachtet wird. Rahel Lipschütz erklärt, daß die Ufa aufgrund ihrer neuen Machtposition neue Strategien plant:

»Gegen die von Seiten der amerikanischen Produktion drohende Überschwemmung mit ausländischen Filmerzeugnissen suchte sich Deutschland seit jeher durch staatliche Einfuhr- Kontingentierungsmaßnahmen zu schützen. Die Ufa suchte einen eigenen Weg, um mit der amerikanischen Konkurrenz fertig zu werden. Unter ungeheuerem Aufwand stellt sie, vor allem in den Produktionsperioden 1924/25, 1925/26 und 1926/27, Monumentalfilme her, in dem Glauben, der amerikanischen Konkurrenz nur mit solchen Filmen begegnen zu können.«
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Erich Pommer ist ganz oben angekommen

Kein anderer Produzent kann diese ehrgeizigen Großfilm-Pläne der Ufa kompetenter und wirksamer in die Realität umsetzen als Erich Pommer. Bei der Ufa bleibt Pommer weiterhin Direktor der Decla-Bioscop, die unter dem alten Namen weitergeführt wird, und übernimmt im Februar 1923 zusätzlich die Direktion der Union-Film und Messter-Film. Er hat damit die »Oberleitung der gesamten Produktion« und tritt in den Vorstand der Ufa ein.

Der Film-Kurier feiert am 8. Februar 1923 die Personalentscheidung in einem Kommentar:

»Es ist eine anerkannte Tatsache, daß es nach dem Zusammenbruchs der Decla Herrn Erich Pommer gelungen ist, in der kurzen Zeit von kaum einem Jahre die Produktion wieder zu heben, und zwar in solchem Maße, daß heute der Decla-Film als führende Marke auf dem internationalen Filmmarkte auftritt. Wohl in dieser Erkenntnis und Würdigung der Persönlichkeit Pommers hat sich die Ufa zu dem (...) für die gesamte Industrie bedeutungsvollen Schritte entschlossen, (...) gilt doch Pommer als eine jener Persönlichkeiten, die stets wissen, was sie wollen, und einem einmal gefaßten Ziele mit einer heute schon selten gewordenen Energie zustreben. Dieser Energie und seiner persönlichen Beliebtheit dankt Pommer internationale Verbindungen, wie sie wohl kaum noch eine Persönlichkeit der deutschen Filmindustrie aufzuweisen hat.«

Ein Artikel von Ursula Hardt
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