Einzelne Autoren beleuchten die Entwicklung der UFA ab 1917
Damals in 1917 mitten im ersten Weltkrieg sollte er eigentliche Grund für solch ein Film-Monopol unter versteckter staatlicher Regie geheim leiben. Die beteiligten Mitarbeiter und die reichsdeutsche Presse wußten recht wenig von den Machenschaften im Hintergrund und lobten ihre Arbeit und "ihr" Unternehmen, solange sie dabei waren. Der Koloss kam dennoch ins Trudeln und wurde beinahe amerikanisch. Erst nach dem März 1933 kam der immense Wert solch eines Monopols richtig zur Geltung, wenn auch im negativen Sinne. Die einführende Seite beginnt hier.
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Großeinkauf - "Die Bank der UFA" kauft alles .....
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Die Grundlagen des Ufa-Konzerns
Die Ufa-Gründer (besser die Hintermänner) erwerben Ende 1917 drei Filetstücke der deutschen Filmindustrie und vereinen damit Produktion, Verleih und Theaterbetrieb unter einem Dach.
Für 10 Millionen Mark - und damit ist man deutlich unter den im »Ludendorff-Brief« veranschlagten 20 Millionen geblieben - gehen am 2. Dezember 1917 folgende Tochterfirmen der dänischen Nordisk-Film Co. in den Besitz der Ufa über:
- • die Oliver Film GmbH, Berlin, die 1916 49 Filme produziert hat;
- • die Verleih-Organisation Nordische Film-GmbH, Berlin, mit Filialen in Breslau, Düsseldorf, Hamburg, Leipzig und München, die seit 1915 auch die Produktion der Union im Verleih hat;
- • 56 Theater in 13 deutschen Städten (die Angaben schwanken zwischen 30 und 60), darunter u.a. die Kammer-Lichtspiele am Potsdamer Platz in Berlin;
- • Theatergesellschaften in Zürich und Amsterdam.
Von zentraler Bedeutung für die weitere Entwicklung der Ufa-Strategie ist der Erwerb der Nutzungsrechte für alle Produktionen der Nordisk und ihrer schwedischen Tochter A. S. Svenska im Inland und im Ausland über die vormaligen Nordisk-Verleihfirmen in Wien (mit Niederlassungen in Prag und Budapest), Amsterdam und Zürich.
Später kommen die Rechte für Polen und die Balkanländer hinzu. Damit hat man Stützpunkte für die europäische Expansion geschaffen.
Seit Februar 1916 sind Importe aus dem Ausland verboten
Da seit dem 17. Februar 1916 Importe aus dem Ausland endgültig verboten sind oder einer strikten Genehmigungspflicht unterliegen - nur die Nordisk kann aufgrund guter Verbindungen noch Einfuhrgenehmigungen erwirken - fallen jetzt auch diese Rechte an die Ufa.
Die Ufa-Gründer haben für ihre Pläne einen günstigen Zeitpunkt erwischt, da der Expansionskurs der Nordisk diese vor nicht geringe Finanzierungsprobleme gestellt hat.
Die Gewinnmargen sind deutlich zurückgegangen: Die Dividenden fallen zwischen 1912 und 1917 von 60% auf 8%. Die Nordisk kann sich mit Hilfe des Verkaufs konsolidieren. Auch der deutsche Geschäftsführer der Nordischen Film GmbH, David Oliver, muß nicht darben. Die Ufa garantiert ihm 44.000 Mark Jahresgehalt und Gewinnbeteiligung.
Oskar Messter macht einen sehr guten Schnitt
Für gut 5 Millionen Mark wird der Messter-Konzern aufgekauft. Die Firma produziert 1916 100 Filme, vorwiegend im 1917 erworbenen Glashaus in Tempelhof; ein nicht zu unterschätzender >Kapitalfaktor< ist außerdem ein mehrjähriger Vertrag mit dem Star Henny Porten.
Zum Messter-Konzern zählen:
- • die Messter-Film GmbH, Berlin;
- • die Messter's Projektions Maschinenbau GmbH (Vorführgeräte), Berlin;
- • die Autor-Film Co mbH, Berlin;
- • die Meisterdirigenten-Konzert GmbH, Berlin;
- • die Messter Film- und Apparate GmbH, Wien;
- • die Sascha-Messter Filmfabrik GmbH, Wien;
- • der Hansa Film-Verleih GmbH, Berlin;
- • die Mozartlichtspiele GmbH, Berlin.
Film-Pionier und Propagandaoffizier Oskar Messter erhält als technischer Beirat der Ufa ein garantiertes Jahreseinkommen von 24.000 Mark plus Gewinnbeteiligung.
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Die PAGU hat ein eigenes Glashaus in Tempelhof
Mit einer Kaufsumme von 1,11 Millionen Mark erwirbt die Ufa die Mehrheit am Stammkapital der Projektions AG »Union« (PAGU), Berlin (2,2 Millionen Stammkapital). Ihr Besitzer Paul Davidson hat es immerhin schon 1906 geschafft, Frankfurter Bankiers für seine Filmprojekte zu interessieren.
Die PAGU produziert 1916 41 Filme, u.a. im eigenen Glashaus in Tempelhof. Über diesen Kauf kommen Ernst Lubitsch, Ossi Oswalda und Fern Andra zur Ufa.
Zum Union-Konzern gehören ferner:
- • die Vitascope GmbH (seit 1914);
- • die Pax-Film GmbH, Berlin;
- • der Lichtspiel-Vertrieb des Verbandes deutscher Bühnenschriftsteller GmbH, Berlin, der sich 1917 aber schon in Liquidation befindet.
Von größter Bedeutung ist der Zugriff auf die beiden Theater-Ketten der Union mit 56 Theatern:
- • Union-Theater GmbH und
- • UT-Provinz-Lichtspielhäuser.
Davidson wird für 30.000 Mark als »Sachverständiger für die Aufnahmen« von der Ufa beschäftigt und bleibt zunächst der für die künstlerische Linie der Ufa wichtigste Mann.
Ob die Internationale Film-Vertriebs GmbH, Berlin und Wien, über die PAGU oder über die Nordisk an die Ufa kommt, ist unklar.
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Arrondierungen durch totale Übernahme, teils Majorisierung
Des weiteren werden im Laufe der nächsten Monate wichtige Arrondierungen des neuen Giganten vorgenommen, teils durch totale Übernahme, teils durch Majorisierung. Unter den Einfluß der Ufa geraten so:
- Die Produktionsfirmen Maxim-Film GmbH,
- die Gloria-Film GmbH,
- die Meinert-Film GmbH,
- der Verleih Frankfurter Film Co.,
- die norddeutsche Kinokette James Henschel GmbH, Hamburg,
- die Martin Dentler GmbH, Braunschweig (Produktion, Verleih, Theater) sowie im Juli 1918
- die Winterfeldsche Bank für Grundbesitz und Handel AG, Berlin, Besitzerin des Gebäudekomplexes »Haus Vaterland«, der ab 1919 zum Geschäftsitz der Ufa am Potsdamer Platz wird.
Vorübergehend - vom 18. Februar 1918 bis zum 14. März 1919 - gehört auch die May-Film-GmbH zur Ufa und damit die modernen Ateliers in Berlin-Weißensee sowie das Freigelände in Woltersdorf; nach der Trennung bleibt May durch Verleih-Verträge mit der Ufa verbunden.
Mit der Einrichtung der Verleihfirma Universal-Film-Verleih GmbH, der Gründung der Kulturabteilung (Lehrfilmabteilung) am 1. Juli 1918 und der Ufa-Theater-Betriebs GmbH am 10. Juli 1918 ist die Konstitutierungsphase der Ufa abgeschlossen.
Ein Artikel von Manfred Behn
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Was will die Ufa?
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Das erste Interview mit Ufa-Direktor Carl Bratz
In den weitesten Kreisen unserer Branche und darüber hinaus in der Öffentlichkeit beschäftigt man sich mit den großen Problemen, welche die Konzentration einiger unserer ersten Firmen in die Universum-Film Aktien-Gesellschaft aufgeworfen haben.
Da nun von den verschiedensten Seiten der Wunsch an uns herangetreten ist, Klarheit über Ziele und Aufgaben dieses bedeutsamen Unternehmens zu erhalten, so hat unser Schriftleiter Herr Dr. jur. Walther Friedmann, Veranlassung genommen, den Delegierten des Aufsichtsrats im Vorstand der Ufa, Herrn Carl Bratz, um eine Unterredung über schwebende Fragen zu bitten, welche ihm freundlichst gewährt worden ist und folgenden Verlauf genommen hat.
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Frage:
Welche Motive waren für die Zusammensetzung des Aufsichtsrates und des Vorstandes der Ufa leitend?
Antwort:
Wie bekannt sind im Aufsichtsrat der Universum-Film AG die ersten Kreise der deutschen Bankwelt, der deutschen Industrie, von Schiffahrt und Handel vertreten. Auf diese Zusammensetzung mußte bei Begründung der Ufa und bei dem Grundgedanken, daß sie in möglichst engem Zusammenwirken mit Reichs- und Staatsinteressen arbeiten solle, besonderer Wert gelegt werden. Denn nur diese Kreise boten die Garantie dafür, daß die Aktien nicht zu irgendeinem Spekulationsobjekt und zum flüchtigen Eigentum wechselnder Aktionäre wurden, sondern daß die Kapitalstärke der Ufa mit ihren 25 Millionen eng geschlossen in einem potenten Kreise verblieb, der fähig und willens ist, sein Programm auch bei Wechselfällen der Konjunktur durchzuführen.
Dementsprechend wurde auch der Vorstand konstruiert. Es ist vorbehalten, daß bei weiterer Ausdehnung der Ufa eine Persönlichkeit in unsern Vorstand eintritt, welche im Zusammenwirken mit Reichsbehörden, Parlament und überhaupt öffentlichen Körperschaften bereits Schulung und Erfahrung besitzt. Bis dahin ist in der Haupsache zur Wahrnehmung gerade dieser Interessen aus dem Aufsichtsrat Herr Carl Bratz in den Vorstand delegiert worden.
Frage:
Sie werden sich erinnern, daß auf dem letzten Verbandstage am 13. Februar 1918 in der Handelskammer aus den hinteren Regionen die Frage gestellt wurde: »Wer ist Herr Bratz?« Es erscheint mir daher notwendig, die Filmwelt etwas mehr mit Ihnen und Ihrer Bewährung im öffentlichen Leben bekannt zu machen. Vielleicht haben sie daher die Güte, jene Frage zu beantworten, die ja öffentlich gewiß nur von einer Persönlichkeit gestellt worden ist, tatsächlich aber auch weitere Kreise interessiert.
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Antwort:
Ich ergreife mit Vergnügen die Gelegenheit, mich der Filmwelt gewissermaßen vorzustellen, und bedaure nur, daß dies nicht schon auf dem Verbandstage möglich gewesen ist. Vielleicht interessieren Sie folgende Angaben:
Ich bin der Vertrauensmann namhafter Kapitalkreise, die maßgebend an der Ufa interessiert sind, und habe im Einvernehmen auch mit staatlichen Stellen die Verhandlungen für die Begründung der Ufa in der Haupsache geführt, insbesondere die grundlegenden Verhandlungen mit dem Nordischen Konzern.
Vordem habe ich mich namentlich im Kalisyndikat und im Vorstand bekannter Kaliwerke, sowie als Geschäftsführer der »Vereinigung Deutscher Jutegroßhändler« und anderer kriegswirtschaftlicher Organisationen betätigt und auch mit den maßgebenden Kreisen des Lindström-Konzerns stets in Fühlung gestanden.
Grade letztere hat bei dem bekannten großen Auslandsgeschäft des Lindström-Konzerns in der einigermaßen verwandten Grammophonbranche dazu geführt, daß in den Vorstand der Ufa nicht zuletzt auch in Rücksicht auf das spätere Auslandsgeschäft der Direktor der Lindström-AG, Herr Max Strauss, berufen worden ist, der es bekanntlich verstanden hat, die Carl Lindström-AG aus kleinen Anfängen zu ihrer heutigen bedeutenden Höhe zu bringen.
Diese verfügte vor dem Kriege über große eigene Organisationen in London, Paris und insbesondere auch in Südamerika, sowie über eine Vertretung an allen internationalen Plätzen. Auch diese wird für die künftige Auslandstätigkeit der Ufa von Bedeutung sein. Es ist gewiß nicht unbekannt, daß sich die Lindström-AG gerade in ihren Anfangsstadien auch kinematographischen Problemen zugewandt hatte und u.a. einen »Home-Film« (Kino im Hause) herausbringen wollte. Damals war die günstige Entwicklung für die kinematographische Branche indessen noch nicht recht gegeben.
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Frage:
Würden Sie die Freundlichkeit haben, sich nunmehr etwas näher über das Arbeitsprogramm der Ufa zu äußern?
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Antwort:
Die Ufa hat bereits bei ihrer Begründung mit den Reichs- und Staatsbehörden Fühlung gehalten, von dem Gesichtspunkte ausgehend, daß in dieser Kriegszeit ein jedes großes industrielles Unternehmen mit den leitenden vaterländischen Faktoren im Einklang sein müsse, um abzuwägen, was im Ausland und im Inland der großen nationalen Sache dienen kann, die heute allem voranstehen muß.
Daneben galt es, mit diesen vaterländischen und kulturellen Aufgaben ein kaufmännisches und auf den Erwerb gerichtetes und die gute Verzinsung eines so großen Kapitals sicherndes Programm aufzustellen. Dieses wurde gefunden in der Zusammenfassung der bisher in der Kinobranche auf den verschiedenen Gebieten tätigen Faktoren Union (Fabrikation), Messter (Produktion mit Verleih), Nordischer Konzern (in der Hauptsache Theater). Auf diesen 3 Pfeilern sollte das Ufa-Programm basieren.
Wenn sich in der Filmbranche angesichts des großen Kapitals alsbald der Ruf: »Achtung, Trust« (man nennt es auch Monopol) erhob, so ist die Ufa dem in ihren Kreisen nach Kräften engegengetreten. Trustbestrebungen waren und sind ihr fremd. Sie hat nicht einen Konzern zur Konkurrenz der bestehenden Filmfirmen geschaffen, sondern sie hat lediglich Gruppen zusammengefaßt, die schon an und für sich und eine jede einzeln einen starken
Machtfaktor gegenüber kleineren in der Industrie darstellten, und mit denen jeder in der Industrie rechnen mußte, nicht aber, um damit gegen die übrigen zu wirken, sondern lediglich, um aus dieser Konzentration das Rationellste in bezug auf Programm und Betrieb herauszuholen.
Allerdings hat die Ufa selbstverständlich kein Gelübde abgelegt, auf diesen drei Pfeilern stehen zu bleiben, sondern will fortfahren, sich Gutes zu sichern, sei es zur Vervollständigung der Theatergruppe, sei es zur Kräftigung des Verleihgeschäfts, sei es zur künstlerischen Besserung in Fabrikation und Regie. Von diesem Gedanken ausgehend, hat sie während der ersten zwei Monate ihrer Wirksamkeit eine Anzahl Theater erworben, so in Hamburg, Hannover, Kiel und im Industrierevier, und sie wünscht, auf diesem Gebiete auch noch einige Ergänzungen vorzunehmen.
Ihr Ziel ist, in den großen Hauptstädten und wirtschaftlichen Konzentrationspunkten vertreten zu sein, aber nicht, um dort das ganze Geschäft aufzusaugen, sondern sie wird ihre Erwerbstätigkeit in bezug auf den Theaterbetrieb für abgeschlossen erachten, wenn sie an den Mittelpunkten deutschen provinziellen oder wirtschaftlichen Verkehrs in guter Weise vertreten ist.
Das gleiche gilt insbesondere in bezug auf Regiekräfte und führende Darsteller. Aus diesem Grunde erfolgte die Angliederung der May-Film-GmbH, und aus dem gleichen Grunde wird wohl künftig noch der eine oder der andere bedeutende Star im Rahmen des Universumskonzerns wirken.
weiter
Gerade auf diesen Grundlagen hofft die Ufa, ihr eigentliches Programm durchzuführen, nämlich neben einer selbstverständlich im Vordergrund stehenden guten Verzinsung des ihr anvertrauten Kapitals gerade durch das Wachstum ihrer kapitalistischen Mittel die allgemeinen Interessen fördern zu können, also: verstärkte Heranziehung des Lichtspiels für alle Aufgaben der Volkserziehung, der Schule, der Belehrung, für Heer und gemeinnützige Zwecke und weiterhin insbesondere auch der Propaganda für den deutsch-nationalen Gedanken und für den Güteraustausch im Auslande.
Denn in diesen Punkten ist vor dem Kriege leider alles versäumt worden und gerade die Erfahrungen des Krieges drängen dazu, daß Deutschland die am Weltmarkt teils verlorene, teils gefährdete, teils in Zukunft stark bekämpfte Position wiedererobern muß, auch mit tätiger Hilfe dieses modernsten und so überaus wirksamen Machtmittels, des Films und des Kinos. Nach dieser Richtung glaubt die Ufa nicht nur im allgemeinen Interesse des deutschen Volkes, sondern damit auch im Interesse der ganzen Kinobranche vorzugehen.
Denn das, was die Ufa durch ihre Verbindungen und Aufgaben an behördlichen Anregungen, Aufträgen und Wohlwollen für die Filmindustrie heranziehen wird, das wird naturgemäß nicht allein ihr selbst, die ja schließlich nicht alles allein machen kann, sondern auch den übrigen Filminteressenten zugute kommen. Hierbei sieht die Ufa ganz davon ab, daß ja schließlich nicht sie allein zu einem Konzern zusammengefaßt ist, sondern daß auch andere Gruppen, teils abgeschlossen, teils im Werden, sich bereits konzentrieren. Auch diese anderen Gruppen haben Theater aufgekauft, haben Verleihkonzerne geschaffen, ohne daß die Ufa darin irgendeine Beeinträchtigung für sich oder die ganze Branche hätte sehen können. Schließlich ist es auch nicht die Ufa, welche ihre Arme nach den anderen ausstreckt, sondern — das muß auch einmal gesagt werden — manche von denen, die teils offen, teils im stillen ihre Angriffe gegen die Konzernbildung richten, haben teils selbst, teils durch Mittelsleute ihre Betriebe zum Anschluß an den Ufakonzern angeboten ......
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Frage:
Diese Erklärungen werden die Interessenten gewiß beruhigen, aber es dürfte Ihnen doch gewiß nicht unbekannt sein, daß weite Kreise von banger Sorge um die Zukunft erfüllt sind, weil sie befürchten, daß die Machtstellung der Ufa ihre Betriebe lahmlegen und vor allem in den Aufnahmemöglichkeiten (Atelierbenutzung) und in der Rohfilmversorgung beschränken oder sie von Atelier und Rohfilm überhaupt ausschließen könne.
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Antwort:
Diese Befürchtungen sind uns auch von anderen Kreisen bereits entgegengehalten worden. So sagt man, daß die Ufa mit ihrer Machtstellung in bezug auf Atelier- und Theaterzweige schädigend oder drückend wirken könnte, die bisher ein lohnendes Geschäft innerhalb der Branche ihr eigen nannten. Beispielsweise könnte der Ateliermangel, wie Sie darlegen, dazu führen, daß gewisse kleinere Betriebe den Bedingungen der Ufa ausgeliefert würden. Bisher sind uns Vorgänge dieser Art nicht bekannt geworden.
Sollten sich nach dieser Richtung aber Reibungen ergeben, so kann der Vorstand der Ufa nichts anderes tun als loyal erklären, daß er stets bereit sein werde, in solchen Fällen nach Billigkeit neben den eigenen Erwerbsinteressen der Ufa auch die Interessen der kleineren Firmen oder Gruppen zu respektieren. Mögen sich also die Herren, wenn derartige Reibungsflächen etwa vorliegen, vertrauensvoll an den Vorstand der Ufa wenden, der beweisen wird, daß er mit der Branche gemeinsam zur Hebung aller allgemeinen Interessen zusammenwirken will, und das nicht etwa nur theoretisch gesprochen, sondern auch in der Praxis!
Ähnliches dürfte sich auch für die Verleiherinteressen sagen lassen, soweit sich jene Befürchtungen auch darauf erstrecken, daß auch diese durch die Ausdehnung des Theaterkonzerns der Ufa eingeengt werden können.
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Frage:
Was können Sie mir über das Auslandsgeschäft der Ufa verraten?
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Antwort:
Darüber will ich Ihnen gern sagen, daß sich die Ufa demnächst mit den Fabrikanten und sonstigen Interessenten in Verbindung setzen zu können hofft, um eine Basis zu schaffen, auf der gemeinschaftlich mit der Ufa eine Interessengemeinschaft im Auslandsgeschäft begründet werden kann. Wir gehen dabei von dem Gesichtspunkte aus, daß im Auslande Wettbewerbe zwischen Deutschen, wenn angängig, vermieden werden müssen.
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Frage:
Und nun hätte ich noch eine letzte Frage an Sie. Ich hatte die Ehre, Sie auf dem von unserer Zeitschrift »Der Film« zum Besten der Deutschen Soldatenheime veranstalteten großen Wohltätigkeitstee zu begrüßen. Sie sind dort gewiß auch Zeuge der außerordentlichen Popularität unserer Filmkünstlerinnen und Filmkünstler gewesen. Legt diese Erfahrung nun nicht auch Ihnen den Wunsch nahe, der mich schon lange beschäftigt, daß unsere Künstlerinnen und Künstler vom schemenhaften Wesen auf der Leinwand nunmehr auch leibhaftig zu den »upper ten«, in die Salons des »tout Berlin« steigen mögen, in denen früher meist die »Nur-Bühnensterne« zu thronen pflegten? Wie kann dem Wunsche »Unsere Künstler ins Volk!« wohl Erfüllung werden, und was kann die Ufa tun, um ihm Erfüllung zu verschaffen?
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Antwort:
Diese Ihre Frage, ob es nicht im Interesse der künstlerischen Entwicklung und des Eindringens der Filmkunst auf die Massen liegt, daß die führenden Darsteller und Darstellerinnen nicht nur auf der weißen Wand, sondern auch in ihrer Person darstellend mit dem Publikum in Fühlung treten, hält der Vorstand für außerordentlich beachtenswert.
Er glaubt da auch bereits Wege gefunden zu haben, die Ihrem Gedanken nahe kommen, insofern als nämlich die Ufa an einem Theater Interesse nimmt, das, wohl in der Hauptsache auf dem Wege des Sketch, unseren führenden Filmdarstellern die Möglichkeit gibt, auch mit ihrer Person auf das Publikum zu wirken und hierdurch die Filmkunst auch in der direkten Wirkung der Darstellung auf das Publikum der Bühnenkunst nahezubringen.
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Nachsatz der Redaktion von "Der Film" in 1918
Dies kann gewiß auch meiner Meinung nach nur ebenfalls dazu dienen, den wünschenswerten Kontakt der besten geistigen Kräfte unseres Volkes mit dem Film- und Kinowesen zu verstärken.
Diese Erklärungen des Herrn Bratz bzw. der Ufa werden von der ganzen Branche gewiß mit großem Interesse aufgenommen werden. Zweifellos werden sie dazu beitragen, über Wesen, Ziel und Aufgaben der Ufa, sowie über ihr Arbeitsprogramm einige Aufklärung zu verbreiten. Wir hoffen insbesondere, daß diese Erklärungen auch geeignet sein werden, die unzweifelhaft vorhandene große Beunruhigung weiter Kreise zu mildern, welche sich, sei es aus der bisherigen Wirksamkeit der Ufa oder vielmehr richtiger aus den Möglichkeiten einer großen Expansion der Ufa herleiten. Wir geben dem Wunsche Ausdruck, daß dieser schöne Geist des Suchens nach Verständigung, nach Vereinigung oder doch Anpassung der Ufa-Interessen mit denen bzw. an die der Gesamtheit auch durch die Tat bewiesen werden möge.
Mit erfreulicher Deutlichkeit ist die Ufa von allen Trustbestrebungen abgerückt. Wir haben keinen Grund an der Verwirklichung all' dessen zu zweifeln, was Herr Bratz, ihn und die Ufa bindend, programmatisch hier verkündet hat. Dann, aber auch nur dann werden uns Kämpfe erspart bleiben, die gewiß zwar das belehrende Element im Gleichmaß unserer Tage bilden, die gewiß notwendig und unvermeidlich sind, die andererseits aber auch schwere Erschütterungen in sich bergen, welche naturgemäß alle diejenigen minder leicht ertragen können, denen Macht und Einfluß nicht in dem auch ihnen erwünschten Maße zur Seite stehen. Auf der anderen Seite möge man aber auch mit Angriffen gegen ein doch immerhin bedeutsames Unternehmen zurückhaltender sein, dessen Tätigkeit unseres Erachtens doch nur im Rahmen der Gesetze sich vollzieht.
So geben wir denn der Hoffnung Ausdruck, daß das Wirken der Ufa allen denen, die im eisernen Ringen durch Fleiß und Geist zu einer Existenz es gebracht haben, Dasein und Entwicklungsmöglichkeiten in keiner Weise verwehren werde. Insbesondere wertvoll erscheint uns der Gedanke des Herrn Bratz, zur Erreichung dieses im Interesse der Branche liegenden einträchtigen Nebeneinanders u. Miteinanderwirkens zwischen Ufa und den außerhalb ihres Millionenbereiches stehenden Firmen den Weg vertrauensvoller Aussprache zu erschließen.
Und wenn in einer solchen Aussprache, wie sie ja demnächst stattfinden soll, eine Einigung in bezug auf den Auslandsmarkt erzielt werden sollte, wie das Herr Bratz bedeutungsvoll oben angekündigt hat, so wird hoffentlich der Inlandsmarkt nicht den Schauplatz wilder Kämpfe oder gar einer Erdrosselung zahlreicher kleinerer und mittlerer Betriebe bilden, wie das, nach den Erklärungen des Herrn Bratz gewiß mit Unrecht, Gegenstand so lebhafter Befürchtungen in unseren Reihen ist.
Ein Artikel aus : Der Film, 2.3.1918
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Der Komentar zu dem Interview
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Was Herr Bratz leider nicht gesagt hat
Eine Zuschrift des Filmjournalisten und Regisseurs E. A. Dupont (Die Geierwally, 1921))
Die Ausführungen des Herrn Bratz über die Bestrebungen der Ufa in der letzten Nummer des »Film« haben in den Interessentenkreisen ein lebhaftes Echo geweckt. Aus den Ausführungen, die Herr Bratz dem Redakteur des »Film«, Herrn Dr. Friedmann, gemacht hat, spricht das offenkundige Bestreben, mit der deutschen Industrie eine möglichst gangbare Form des Zusammenarbeitens zu finden und für die oft gegeneinander- stehenden Interessen, wo nur irgend angängig, einen Ausgleich zu schaffen.
Dieses Bemühen des Herrn Bratz muß auch von denen anerkannt werden, die sich mit der sachlichen Seite seiner Ausführungen zu identifizieren nicht vermögen. Die Angelegenheit ist wichtig genug, um einmal in bezug auf das Gegenwarts- und Zukunfts-Programm der Ufa ein offenes Wort zu reden, und wenn die Ufa wirklich ein so warmes Interesse auch an der Entwicklung der Kreise nimmt, die ihr nicht angeschlossen sind, so wird sie selbst Stimmung und Bemerkungen aus dem anderen Lager dankbar begrüßen müssen.
Die Ufa ist ein 25 Millionen Mark Koloss
Die Ufa ist, wie bekannt, eine mit 25 Millionen Mark ausgestattete Aktiengesellschaft, die, vorsichtig ausgedrückt, eine »Konzentration« der deutschen »Filmindustrie« bezweckt und - zur Ehre ihrer Organisatoren sei es gesagt - diese in überraschend kurzer Zeit durchgeführt hat. Heute bereits ist sie die unumstrittene Beherrscherin des deutschen Filmmarktes, und wenn sie ihre Arbeit in dem gleichen Sturmschritt wie bisher fortsetzt, so werden in ganz kurzer Zeit die deutsche Filmindustrie und die Universum-Film-A.-G. ein Begriff sein.
Was man heute auf deutsch »konzentrieren« nennt, bezeichnete man früher mit einem fremdländischen Ausdruck, »vertrusten«. Die Ufa, die als Trust gedacht war, ist als Trust ins Leben getreten und hat m.E. im Sinne und in der Art eines Trustes bisher gearbeitet.
Daß sie selbst heute so überaus eifrig das Gegenteil behauptet, ändert an dieser Tatsache, die jeden Moment einwandfrei zu beweisen ist, nicht das geringste, sondern zeigt nur, daß sich die Ufa des peinlichen Beigeschmacks, den der Begriff »Trust« (= Monopol) nun einmal hat, vollkommen bewußt ist.
Die Ufa ist bereits ein "Trust"
Auch Herr Bratz bestreitet in seinen Ausführungen energisch, daß es sich bei der Ufa um einen Trust handle. »Wenn sich in der Filmindustrie«, so äußert er, »angesichts des großen Kapitals alsbald der Ruf >Achtung Trust!< erhob, so ist die Ufa dem in ihren Kreisen nach Kräften engegengetreten.«
Das ist an sich richtig. Die Ufa hat denen, die von einem Trust sprachen, widersprochen, aber sie ist bei diesem Widerspruch den Beweis schuldig geblieben, daß es sich tatsächlich um keinen Trust handelt.
Die Dinge liegen bereits heute so, daß sich jeder Fabrikant und Verleiher, der nicht der Ufa angeschlossen ist, in einer Zwangslage befindet. Heute schon ist die Ufa mit Leichtigkeit in der Lage, auf die Preisregulierung im Filmmarkt entscheidend einzuwirken, ganz abgesehen davon, daß durch die überaus großen Ankäufe, die die Ufa in der letzten Zeit gemacht hat, ganze Verleihbezirke, wie Norddeutschland, für den freien Verkehr nahezu gesperrt worden sind.
Da Norddeutschland in überwiegendem Maße von der Ufa beherrscht wird, so ist es für Fabrikanten nicht mehr möglich, nach Norddeutschland ihre Kopien zu höheren Preisen abzusetzen, da die Verleiher dieses Bezirks keine Möglichkeit mehr haben, diese Filme in der nötigen Anzahl von Theatern zu plazieren.
So hat z.B. in Bremen die von der Ufa eingeleitete »Konzentration« bereits den Erfolg gezeitigt, daß andere als Ufa-Filme dort nicht mehr gespielt werden können. In Berlin liegen die Dinge nur wenig besser, denn es ist ja bekannt, daß den Fabrikanten außerhalb des Ufa-Konzerns nur zwei Erstaufführungs-Theater zur Verfügung stehen. Man wird nun gewiß zugeben, daß das für eine Millionenstadt und für eine Millionen-Industrie ein wenig erbaulicher Zustand ist.
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Der durch die Ufa erheblich verstärkte Ateliermangel
Am bedenklichsten jedoch ist der durch Gründung der Ufa noch erheblich verstärkte Ateliermangel. Die Ufa hat bei ihrer Gründung zunächst diejenigen Fabriken aufgekauft, die im Besitze möglichst großer und modern eingerichteter Betriebsanlagen (Ateliers, Kopieranstalten usw.) waren.
Die wenigen Fabrikanten, die der Ufa nicht angehören, sind auf die Benutzung einiger kleiner Ateliers angewiesen, welche für die Herstellung großer konkurrenzfähiger Films kaum in Frage kommen. Zu diesem Punkte hat sich nun Herr Bratz Herrn Dr. Friedmann gegenüber, wie folgt, geäußert:
- »Beispielsweise könnte der Ateliermangel, wie Sie darlegen, dazu führen, daß gewisse kleinere Betriebe den Bedingungen der Ufa ausgeliefert würden. Bisher sind uns Vorgänge dieser Art nicht bekannt geworden. Sollten sich nach dieser Richtung aber Reibereien ergeben, so kann der Vorstand der Ufa nichts anderes tun als loyal erklären, daß er stets bereit sein werde, nach Billigkeit neben den eigenen Erwerbsinteressen der Ufa auch die Interessen der kleinen Firmen oder Gruppen zu respektieren. Mögen sich also die Herren, wenn derartige Reibungsflächen vorliegen, vertrauensvoll an den Vorstand der Ufa wenden, der beweisen wird, daß er mit der Branche gemeinsam zur Hebung aller gemeinsamen Interessen zusammenwirken will, und das nicht nur etwa theoretisch gesprochen, sondern auch in der Praxis.«
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Meine Gegenrede ....
Auf diese Ausführungen läßt sich einiges erwidern. Zunächst liegen »derartige Reibungsflächen« nicht »nur etwa« vor, sondern sie sind ganz bestimmt vorhanden, und daran ändert sich auch dadurch nichts, daß »Vorgänge dieser Art« der Leitung der Ufa bisher nicht bekannt geworden sind.
Wenn Herr Bratz heute nicht im Vorstand der Ufa säße, sondern das zweifelhafte Vergnügen hätte, von einer anderen Interessentengruppe mit der Gründung einer großen, kapitalkräftigen Filmfabrik betreut zu werden, so würde er seinen Auftraggebern das Geld wahrscheinlich zurückgeben müssen, da es ihm einfach unmöglich ist, außerhalb des Ufa-Konzerns - zumindest für die Dauer eines Jahres - große, künstlerisch wertvolle Films herzustellen.
Herr Bratz spricht von »gewissen kleineren Betrieben«, die den Bedingungen der Ufa ausgeliefert würden. Dem ist entgegenzuhalten, daß nicht nur kleinere, sondern auch sehr große Betriebe den Bedingungen der Ufa ausgeliefert sind. Die Begriffe »klein« und »groß« sind in der Filmindustrie sehr imaginär. Es gibt zwar gewiß keinen Fabrikanten und keinen Regisseur, der sich für »klein« hielte, aber man darf doch wohl nicht vergessen, daß der Film ja nicht nur eine geschäftliche, sondern auch eine künstlerische Seite hat, und aus diesen Gründen können kleine Firmen unter Umständen sehr groß sein, und es gibt andererseits viele große Firmen, die in künstlerischer Beziehung nur einen sehr kleinen Machtfaktor darstellen.
Wenn ich mich heute als Fabrikant selbständig machen würde, und ich würde mir Asta Nielsen, Olaf Fönss und Erna Morena engagieren und mit jedem dieser drei Künstler nur drei Films im Jahre machen, so würde ich ja einerseits in gewissem Sinne nur ein kleiner Fabrikant sein, da ich ja nur eine Produktion von neun Films habe, aber ich glaube, daß ich mit diesem Dreigestirn mindestens genau dieselbe Berechtigung hätte Films aufzunehmen, wie eine andere Firma, die im Jahre 25 Purzel- und Knurzel-filme macht.
Sich »vertrauensvoll« an den Vorstand der Ufa wenden ???
Herr Bratz wird vielleicht der letzte sein, der mir diese Berechtigung abspräche, aber hierauf kann ich ihm nur erwidern, daß ich die Möglichkeit nicht besitze, weil es mir einfach nicht gelingen wird, brauchbare Ateliers zu erhalten. Dieser Zustand birgt, abgesehen davon, daß er die Gewerbefreiheit in erheblichem Maße beschränkt, die Gefahren in sich, daß unter Umständen wertvolle künstlerische Kräfte, sofern es ihnen nicht gelingt, Anschluß an die Ufa zu finden, brachgelegt werden.
Herr Bratz fordert auf, sich vertrauensvoll an den Vorstand der Ufa zu wenden, der beweisen werde, daß er mit der Branche gemeinsam zur Hebung aller gemeinsamen Interessen zusammenwirken will. Ich unterstreiche diese Aufforderung des Herrn Bratz ausdrücklich und kann den augenblicklich so atelierarmen Fabrikanten nur empfehlen, die Probe aufs Exempel zu machen und sich »vertrauensvoll« an den Vorstand der Ufa um leihweise Überlassung eines ihrer fünf Ateliers zu wenden. Wenn die in Frage kommenden Herren der freundlichen Aufforderung des Herrn Bratz wirklich Folge leisten, so dürfte die Leitung der Ufa überrascht sein, welch' zahlreichen Besuch sie in den nächsten Tagen empfangen wird.
Es sollte mich außerordentlich freuen, wenn durch diese »vertrauensvollen Aussprachen« mein Mißtrauen beseitigt würde.
Mit vorzüglicher Hochachtung E. A. Dupont
Dieser Leser-Brief übernommen aus Der Film, 9. 3. 1918
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