Einzelne Autoren beleuchten die Entwicklung der UFA ab 1917
Damals in 1917 mitten im ersten Weltkrieg sollte er eigentliche Grund für solch ein Film-Monopol unter versteckter staatlicher Regie geheim leiben. Die beteiligten Mitarbeiter und die reichsdeutsche Presse wußten recht wenig von den Machenschaften im Hintergrund und lobten ihre Arbeit und "ihr" Unternehmen, solange sie dabei waren. Der Koloss kam dennoch ins Trudeln und wurde beinahe amerikanisch. Erst nach dem März 1933 kam der immense Wert solch eines Monopols richtig zur Geltung, wenn auch im negativen Sinne. Die einführende Seite beginnt hier.
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Unser Vorwort beim Lesen und Rekapitulieren der Ereignisse vor 1914 bis zum Kriegsausbruch bis zur Gründung der UFA
Viele der folgenden Einzelartikel sind leicht oder auch stärker gefärbt. Liest man solche Atikel, verschwimmt der Hintergrund der Entstehung des ersten Weltkrieges mitsamt der damaligen Auffassung von Bürger, Gesellschaft und Staat. Drei Bücher / Zeitschriften erhellen den Blick auf diese "kaiserlichen" Zeiten vor 1914. Das erste Buch heißt "Die "Antibiographie" von Hans-Georg von Studnitz". Er beschreibt, wie er als Adliger im Kaiserreich aufgewachsen ist und wie er als kaisertreuer Bürger und Bewunderer erzogen wurde. Und dann in den vorliegenden Kriegs-Zeitschriften aus 1914 kann man sofort entnehmen, niemand hatte Großdeutschland oder den Kaiser angegriffen. Aber so wurde es "dem Volk" von der Regierung und der damaligen Presse suggeriert. Später in 1932 recherchierte der Amerikaner Knickerbocker nochmal dieses Thema, kurz bevor Hitler an die Macht kam. Alles in Allem sehr lesenswert.
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Hier beginnt der erste Artikel :
"Siegfrieden" oder Steckrüben - welche Alternative
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1917: Das Jahr der Ufa-Gründung
Das Jahr 1917, an dessen Ende die Gründung der Ufa erfolgt, soll Bewegung in die erstarrten Fronten und eine für Deutschland siegreiche Entscheidung des Weltkrieges bringen, der real angesichts der drückenden Materialüberlegenheit der Westmächte schon nicht mehr zu gewinnen ist.
Die III. Oberste Heeresleitung (OHL) mit Generalfeldmarschall Hindenburg und General Ludendorff an der Spitze tritt im Herbst 1916 mit einem gigantischen Rüstungsprogramm an. Bis zum Frühjahr 1917 soll die Produktion von Munition verdoppelt, von Geschützen und Maschinengewehren verdreifacht werden.
Gustav Stresemann, Funktionär des Bundes der Industriellen und nationaler Abgeordneter im Reichstag, fordert, daß »ganz Deutschland eine einzige Munitionsfabrik« werden müsse (Stresemann).
Nach langwierigen Verhandlungen um das »Hindenburgprogramm« zur Mobilisierung der Arbeit für Kriegszwecke stimmt der Reichstag am 2. Dezember 1916 dem »Gesetz über den Vaterländischen Hilfsdienst« zu (Reichsgesetzblatt 1916, S. 1333). Danach werden alle Arbeiter vom 17. bis zum 60. Lebensjahr zur Arbeit in kriegswichtigen Betrieben verpflichtet. Die freie Wahl der Arbeitsstelle wird aufgehoben, harte Strafen bedrohen jeden, der seiner Arbeitspflicht nicht nachkommt.
Ende 1916 - Friedensverhandlungen ???
Die Rüstungsanstrengungen werden Ende 1916 mit einer deutschen (im Namen der Mittelmächte abgegebenen) Note verbunden, in der der feindlichen Entente Friedensverhandlungen vorgeschlagen werden.
Vorausgegangen sind einige militärische Erfolge: Am 6. Dezember 1916 besetzen deutsche Truppen Bukarest und besiegen damit das zuvor auf die feindliche Seite gewechselte Rumänien; in der Schlacht an der Somme gelingt es den Westmächten trotz massiven Einsatzes von Tanks nicht, die deutschen Linien zu durchbrechen, und auch in der Schlacht um Verdun zeichnet sich ein Patt ab.
Am 5. Januar 1917 trifft die gemeinsame Antwortnote der Entente-Mächte ein. In scharfem Ton wird das »angebliche Angebot Deutschlands« als unaufrichtiges und bedeutungsloses »Kriegsmanöver« verworfen, weil der Aggressor der berechtigten »Sühne«, den »Wiedergutmachungen und Bürgschaften« listig ausweichen wolle. Diese erwartete Antwort soll Deutschland die Legitimation für den endgültigen Einsatz einer Kriegswaffe liefern, die schon zweimal nach internationalem Protest zurückgezogen worden ist.
Februar 1917 - der unbeschränkte U-Boot-Krieg
Am 1. Februar 1917 wird auf Drängen der OHL der unbeschränkte U-Boot-Krieg verkündet, der alle Schiffe in den Gewässern um England, Frankreich, Italien, Nordrußland und im östlichen Mittelmeer mit warnungsloser Versenkung bedroht.
Diese Maßnahme, die zum Kriegseintritt der noch neutralen Vereinigten Staaten führen muß, stützt sich auf Gutachten der Marine, nach denen England wegen der Unterbrechung seiner Handels- und Nachschubwege innerhalb weniger Monate um Frieden bitten müsse; in dieser Zeitspanne wiederum könnten die USA keine nennenswerten Mengen an Material nach Europa schaffen.
Der Reichskanzler Bethmann-Hollweg, der diesem Wunschdenken der Militärs skeptisch gegenübersteht, wird bei der Entscheidung vor vollendete Tatsachen gestellt.
April 1917 - Die Kriegserklärung der USA
Nur zwei Tage später brechen die USA die diplomatischen Beziehungen zum Deutschen Reich ab und drohen mit Kriegserklärung, die dann schließlich am 6. April 1917 erfolgt. Im Hauptausschuß des Reichstags, dem wichtigsten Gremium zwischen den nur noch selten stattfindenden Sitzungen des Parlamentsplenums, entwickelt sich daraufhin eine erbitterte Diskussion.
Während Sozialdemokraten, Fortschrittler und Vertreter des Zentrums die Erfolgsmeldungen über versenkte Schiffstonnage bezweifeln, beschwören die verantwortlichen Militärs und Regierungsvertreter, daß »der uneingeschränkte U-Boot-Krieg allein geeignet sei, unsere Gegner zur Vernunft zu bringen und den Krieg abzukürzen.«
Karl Helfferich, Staatssekretär im Reichsamt des Innern, der sich derart in der Sitzung des Hauptausschusses am 1. Februar 1917 äußert, schließt: »Der Würfel ist gefallen, jetzt heißt es die Zähne aufeinanderbeißen, alle Kräfte zusammennehmen, jetzt heißt es festen Tritt und >durch<.«
Und Gustav Stre-semann meint in der gleichen Sitzung, »daß er selbst den Einsatz einer Giftbombe und den Tod einer halben Million Londoner Einwohner in Kauf nehmen würde, wenn dadurch der Frieden erreicht und das Leben einer halben Million Deutscher bewahrt würde.« (Für einen Zeppelin-Einsatz mit Giftbombe gegen London hat sich im April 1916 schon Matthias Erzberger als Abgeordneter des katholischen Zentrums im gleichen Gremium ausgesprochen).
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März/April 1917 - die Februarrevolution in Rußland
Der erhoffte Erfolg des U-Boot-Kriegs, England in die Knie zu zwingen, bleibt aus, obwohl allein im April 1917 mehr als eine Million Tonnen versenkt werden. Aber auch die Pläne der Entente, im Frühjahr jenes Jahres durch koordinierte Anstrengungen an allen Fronten eine entscheidende Offensive zu entfesseln, gehen nicht auf.
Zum einen werden im März die deutschen Linien in Frankreich zwischen Arras und Soissons um 45 km verkürzt und auf eine zuvor aufwendig ausgebaute »Siegfriedstellung« zurückgenommen, zum anderen kommt es in Rußland am 12. März zur sog. »Februarrevolution« (nach russischem Kalender), so daß der östliche Verbündete der Entente vorübergehend ausgeschaltet ist.
Durch den Transfer von Lenin und anderen Bolschewiki aus dem Schweizer Exil mit der Reichsbahn durch Deutschland nach Petrograd im Mai 1917 setzt die deutsche Seite auf eine weitere Destabilisierung in Rußland, das auch nach der Abdankung des Zaren im Lager der Entente geblieben ist.
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Der Steckrübenwinter und Meutereien in England und Frankreich
Aber auch in den anderen kriegführenden Ländern wachsen Unzufriedenheit und Friedenssehnsucht der Menschen ungleichen Maß, wie Lebensbedingungen schwieriger werden. Im französischen Heer kommt es zu ausgedehnten Meutereien, in England streiken Munitionsarbeiter.
In Deutschland verschlechtert sich im »Steckrübenwinter« 1916/17 die Versorgungslage rapide. An die Stelle von Kartoffeln und Getreide ist weitgehend die unbeliebte Rübe getreten. Sie wird für die Brot- und Marmeladeherstellung ebenso verwandt wie für die Zubereitung als Suppe, Gemüse oder Nachtisch. Andere Lebensmittel, Brot, Milch, Butter, Fleisch, werden immer knapper. Zur Mangelernährung tritt das Fehlen von Heizmaterial, der Gesundheitszustand zumal vieler Kinder und älterer Menschen ist besorgniserregend.
Die Diskrepanz zwischen den steigenden Lebenshaltungskosten und den viel langsamer folgenden Löhnen wird immer größer. Im März 1917 erreichen sie für männliche Arbeiter - gemessen am Stand vom März 1914 - real noch 76% in den Zweigen der »Kriegs«- und 58% in denen der »Friedensindustrien«.
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1916 - Exorbitante Gewinne in der Schwerindustie
Dem kontrastieren die hohen Profite vor allem in der Schwerindustie. 30% Dividende zahlt die Bismarckhütte nach Abschluß des Geschäftsjahres 1916/17, 25% der Bochumer Verein, aber auch bei Hoesch sind es noch 10,2%, bei Mannesmann 12,8% und bei Phoenix 16,7%. Propaganda-Phrasen von »Volksgemeinschaft« und »Kriegssozialismus« bewirken angesichts der »Klassengesellschaft im Krieg« (Kocka) eher gegenteilige Wirkungen.
Im Frühjahr 1917 kommt es in mehreren deutschen Städten gleichzeitig zum Streik von Rüstungsarbeitern - 300.000 sind es in Berlin am 16. April. Kurz zuvor findet in Gotha der Gründungsparteitag der Unabhängigen Sozialdemokraten (USPD) statt, die die loyale Mitarbeit von Mehrheitssozialdemokratie und Gewerkschaften im Rahmen der »Burgfriedenspolitik« bekämpfen.
Innerhalb eines Jahres gewinnt die neue Partei 100.000 Mitglieder, während die MSPD 1917 mit etwa 250.000 Mitgliedern nur noch ein Viertel der Stärke von 1914 aufzuweisen hat.
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Durchschnittlich 1000 Tote und 1000 Verwundete pro Tag
Daß mit der Verschmelzung von sozialen und politischen Forderungen angesichts von Hunger und Krieg - jeder Tag kostet durchschnittlich 1000 Tote und 1000 Verwundete - ein gefährlicher Zündstoff entsteht, ist Militärs und Regierungsvertretern bewußt.
General Groener soll »rücksichtslos gegen die Drahtzieher« der Streiks vorgehen, aber gänzlich eindämmen läßt sich die radikale sozialistische Opposition bereits nicht mehr. Seit dem Frühjahr 1917 stehen drei Kontroversen im Vordergrund der Öffentlichkeit. Umstritten sind die Form des anzustrebenden Friedens, die innere Reform des Reiches und das Verhältnis von Privatwirtschaft und Staatsinteresse.
Die öffentliche Diskussion in Deutschland um die Kriegsziele verläuft »seit dem Frühjahr 1917 unter den Parolen des Verständigungsfriedens oder Siegfriedens, des Scheidemann-Friedens oder des Hindeburg-Friedens heftiger denn je« (Fischer).
Während die Sozialdemokraten um Ebert und Scheidemann - auch angesichts des Massendrucks - einen »Frieden ohne Annexionen und Kontributionen« (Ebert im Hauptausschuß) fordern, argumentieren die Vertreter der Reichsregierung, eben dies werde von der Entente nur als Zeichen der Schwäche gedeutet werden.
Im Hintergrund dieses taktischen Einwands stehen Rücksichten auf die OHL, schwerindustrielle Interessenvertreter und nationalistische »alldeutsche« Kreise, die nach wie vor umfangreiche Gebietsforderungen gegenüber Frankreich, Belgien und Rußland vertreten.
Die parlamentarischen Gewichte neigen sich in dieser Diskussion zunächst auf die Seite der Befürworter eines Verständigungsfriedens, auch deshalb, weil der zuvor annexionistisch denkende Zentrumsabgeordnete Erzberger seine Auffassung unter dem Eindruck des Kriegsverlaufs umkehrt und zu einem der gewichtigsten Propagandisten für einen Verständigungsfrieden wird.
Frühjahr 1917 - die Friedensdebatte
Die Friedensdebatte hängt eng zusammen mit der Diskussion um die Parlamentarisierung des Reiches, die nicht zufällig im Frühjahr 1917, mit der Revolution in Rußland, verstärkt einsetzt. Die Verteidigung gegen den politisch reaktionären und militärisch aggressiven Zarismus war im August 1914 nicht zuletzt für die Sozialdemokraten eine wichtige Begründung für die Zustimmung zu den Kriegskrediten gewesen, die nun entfällt.
Dagegen steht die Propaganda der Westmächte gegen das autoritäre Regime der preußischen Hohenzollern. In dieser Situation tritt Kaiser Wilhelm II. mit einer »Osterbotschaft«, einem Erlaß an den Reichskanzler, vor die Öffentlichkeit.
Darin wird für die »Zeit der Heimkehr unserer Krieger« versprochen, das preußische Dreiklassenwahlrecht abzuschaffen. Die vagen Versprechungen einer Demokratisierung sind vor allem als »große Geste« zur Unterstützung der »loyalen Haltung der Mehrheitssozialdemokratie« gedacht (Fischer), werden aber von den Konservativen scharf kritisiert.
In einer parteiamtlichen Erklärung schreiben sie, das gleiche Wahlrecht entspreche »nicht den Eigenarten und der historischen Vergangenheit des preußischen Staates« und werde diesen der »völligen Demokratisierung« ausliefern. Die Sozialdemokraten wiederum fordern, bereits im Krieg erste Schritte der Reform zu gehen.
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Die Produktion von kriegswichtigen Rohstoffen und Kriegsmaterialien durch Staatsbetriebe
Die dritte Kontroverse wird während des Jahres 1917 mit wachsender Schärfe in politischen Gremien erörtert, dringt allerdings weniger an die Öffentlichkeit. Seit Kriegsbeginn hat der Staat versucht, die Produktion von kriegswichtigen Rohstoffen und Kriegsmaterial durch entsprechende Auftragserteilung, eigene Unternehmungen, vor allem aber durch Kredite an private Firmen zu fördern.
Angesichts der ehrgeizigen Ziele des Hindenburgprogramms, die nicht im entferntesten erreicht werden, fordern vor allem einflußreiche Militärs, die Rolle des Staates zu erhöhen. In einer Denkschrift fordert General Groener eine Revision der bestehenden Lieferverträge, um die Wucherpreise der Rüstungsproduzenten zu drücken; weiter soll die Kriegsgewinnsteuer stark heraufgesetzt und ein Zwangsgesetz geschaffen werden, mit dem für bestimmte Betriebe Arbeitslöhne und Unternehmergewinne festgesetzt werden können.
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1917 - Geheimrat Alfred Hugenberg erhebt die Stimme
Gegen die Forderungen nach einer Beschneidung privater Profite und Vorwürfe, Großindustrielle hätten aus eigennützigen Motiven ein Interesse am Krieg, wendet sich 1917 pikiert auch der Chef der Krupp-Werke, Geheimrat Alfred Hugenberg: »All dies Blut und Elend persönlichen Vorteils halber wollen? Es gibt keine größere Gemeinheit als diese Zumutung gegenüber Männern, die immerhin bewiesen haben, daß sie nicht zu den geistig verkümmerten Gestalten des deutschen Volkes gehören.«
Juni/Juli 1917 - den Reichstag entmachten
Die heftigen Diskussionen um Frieden und Parlamentarisierung kumulieren in der »Julikrise« des Jahres 1917. Der Kronrat vom 9. Juli 1917, an dem die preußischen Minister und die Staatssekretäre des Reichs teilnehmen, entzweit sich über dem Vorschlag von Reichskanzler Bethmann-Hollweg, das gleiche Wahlrecht für Preußen zu verkünden.
Nachdem Wilhelm II am 11. Juli Bethmann-Hollweg seine Unterstützung erklärt, treten fünf Minister zurück. Die Vertreter der OHL, die nun offen davon sprechen, daß man sich auf einen vierten Winterfeldzug einzustellen habe, verstärken den Druck der Konservativen auf den Kaiser.
General Ludendorff reicht am 12. Juni sogar sein Abschiedsgesuch ein. Am gleichen Tag fordert Generalfeldmarschall Hindenburg in einem Fernschreiben vom Kaiser in scharfem Ton, die Regierung zu veranlassen, eine im Reichstag von der Mehrheit aus SPD, Linksliberalen und Zentrum geplante Resolution für einen Verständigungsfrieden zu verhindern.
Am 13. Juli gibt Bethmann-Hollweg auf und tritt zurück; sein Nachfolger wird der Unterstaatssekretät im Preußischen Finanzministerium und Staatssekretät für Volksernährung Michaelis, ein farbloser Ressortbeamter, der als Strohmann Ludendorffs gilt.
Auch Michaelis kann zwar nicht verhindern, daß im Reichstag eine Woche später die Friedensresolution von nahezu zwei Dritteln der anwesenden Abgeordneten angenommen wird - der reaktionäre Philosoph Oswald Spengler bezeichnet dies später als den »Staatsstreich des englischen Elements«, aber eine größere Wirkung
bleibt aus.
Das amtliche Wolffsehe Nachrichtenbüro meldet das Ereignis eher beiläufig und räumt den Argumenten der Resolutionsgegner zwei Drittel des Platzes ein.
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Sept. 1917 - Die Deutsche Vaterlandspartei von Wolfgang Kapp
In den nächsten Monaten folgt eine innenpolitische Verhärtung. Während an der Westfront, in Flandern und wieder bei Verdun, verlustreiche Schlachten toben, wird im August eine Rebellion in der Hochseeflotte brutal niedergeschlagen - fast 400 Jahre Gefängnis und Zuchthaus sowie 10 Todesurteile werden verhängt.
Ein Schreiben des Papstes Benedict XV. an die kriegführenden Mächte mit einem Appell zum Frieden vom 1. August, in dem auch die Rückgabe besetzter Gebiete gefordert wird, erhält von deutscher Seite eine ausweichende Antwort.
Am 2. September gründen Admiral Alfred von Tirpitz und der preußische Generallandschaftsdirektor Wolfgang Kapp (er macht als Anführer eines antirepublikanischen Putsches 1920 von sich sich reden) die Deutsche Vaterlandspartei, in der sich die Anhänger eines »Siegfriedens« sammeln.
Hemmungslose, antisemitisch unterlegte, nationalistische Tiraden gegen den »angloamerikanischen« Kapitalismus sollen dem bedrängten monarchistisch-militaristischen Regime eine opferbereite Massenbasis schaffen.
Die Gründung der Vaterlandspartei, sie sammelt in den folgenden Monaten Hunderttausende von Anhängern, zeigt, daß nun - angesichts der objektiv immer schlechteren Kriegslage - »Propagandamethoden einer massiven psychologischen Kriegführung nach innen« (Fischer) zunehmende Beachtung finden; schon im Juni 1917 fordert Mathias Erzberger »eine Art geistiges Kriegsernährungsamt«.
Bei der Suche nach Mitteln, innen wie außen, vor allem in den neutralen Ländern, die deutsche Regierungspropaganda zu verstärken, findet auch das Filmwesen starke Beachtung. Für den Kriegsausgang hat dies allerdings schon keine Bedeutung mehr.
Ein Artikel von Axel Schildt
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