Einzelne Autoren beleuchten die Entwicklung der UFA ab 1917
Damals in 1917 mitten im ersten Weltkrieg sollte er eigentliche Grund für solch ein Film-Monopol unter versteckter staatlicher Regie geheim leiben. Die beteiligten Mitarbeiter und die reichsdeutsche Presse wußten recht wenig von den Machenschaften im Hintergrund und lobten ihre Arbeit und "ihr" Unternehmen, solange sie dabei waren. Der Koloss kam dennoch ins Trudeln und wurde beinahe amerikanisch. Erst nach dem März 1933 kam der immense Wert solch eines Monopols richtig zur Geltung, wenn auch im negativen Sinne. Die einführende Seite beginnt hier.
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Krieg der Propagandisten - untereinander und gegeneinander
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Die Deutsche Lichtspiel-Gesellschaft (muß noch warten)
Wohl nur durch den Ausbruch des Krieges scheitert 1914 die Konstituierung eines Interessenverbandes zur kommerziellen Ausnutzung des Films. Im Juli 1914 treffen sich in den Räumen des Verlagshauses J. J. Weber in Leipzig auf Einladung von Ludwig Klitzsch Vertreter von 120 Verbänden (Industrieverbände, Kulturvereine, Vertreter staatlicher Stellen), um ein Referat des Einladenden zur möglichen Funktion des Films zu hören.
Die wesentliche Forderung des schon seit einigen Jahren mit den Möglichkeiten der Filmpropaganda befaßten Redners lautet, man solle sich mit Hilfe des Films »in der öffentlichen Meinung der fremden Nationen einen Platz erobern«.
Die anwesenden Herren sind so beeindruckt, daß man erst einmal zur Gründung des »Arbeitsausschusses zum Studium der Frage einer deutschen Film- und Lichtbildvortrags-Propaganda im Ausland« schreitet. Zum Vorsitzenden wird der jung-dynamische Manager Klitzsch gewählt.
Zehn Tage später beginnt der Krieg, dringlichere Aufgaben binden die Energien der Filmfreunde.
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1916 - Vertreter der rheinisch-westfälischen Großindustrie
Erst 1916 kommen die Interessenten auf Initiative des Vorsitzenden des Direktoriums der Krupp AG, Geheimrat Alfred Hugenberg, und dessen Vertrauten aus Verlagsgeschäften, Ludwig Klitzsch, wieder zusammen. Man trifft sich - ausgestattet mit erheblicher ökonomischer und politischer Macht und durch die ersten beiden Kriegsjahre gereift - nun auch mit klaren Zielvorstellungen.
Vertreter von Krupp und Thyssen, von Teilen der rheinisch-westfälischen Großindustrie finden sich hier ebenso wie der Reichsverband Deutscher Städte, der Messe-Ausschuß der Handelskammer, der Deutsche Landwirtschaftsrat, der Verein für das Deutschtum im Ausland u.a.
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Die DLG wird aus der Taufe gehoben
Die Deutsche Lichtspielgesellschaft e.V. (DLG) wird aus der Taufe gehoben. Man erhofft sich nunmehr - ausländische Konkurrenten haben es vorgemacht - von der Filmpropagandaarbeit eine höchst effektive Wirkung im Ausland: Deutsche Wirtschaftskraft (nicht zuletzt die der Rüstungsindustrie), deutsche Kultur, die Schönheit deutscher Städte und Landschaften sollen in eindrucksvollen Bildern dem erstaunten Ausland als vorbildhaft vorgeführt werden.
Die Bildsprache des Films scheint sich für solche Zwecke geradezu aufzudrängen, weil man, besonders interessiert an der Festigung und Ausdehnung des eigenen Einflusses auf dem Balkan, ein Publikum anzusprechen hat, das noch weitgehend analphabetisch ist: vom Bild durchs Herz zur Deutschland-Apologie.
Dazu bedarf es nach Vorstellung der Herren von der DLG nur einer ausreichenden Menge von propagandistischen Werbefilmen und Kulturfilmen; der ohnehin ideologisch suspekte Spielfilm ist da überflüssig.
Der Erfolg scheint ihnen Recht zu geben.
1917 werden 21, 1918 schon 129 Filme im Auftrag der DLG hergestellt. Hat der Anteil der 1913/14 in Konstantinopel vorgeführten deutschen Filme noch 13% betragen, so steigt er unter Federführung der DLG 1917/18 auf stattliche 60%. Auch in Schweden ist man erfolgreich tätig, baut dort einen Filmvertrieb auf und gerät somit zwangsläufig der Nordisk ins Gehege.
Die Interessenwidersprüche zwischen den Kreisen, die hinter der DLG stehen und den Gruppen der Industrie, die von der Deutschen Bank angeführt werden, werden nicht in direkter Konfrontation, sondern vielmehr über ein unterschiedliches Verhalten gegenüber dem Staatsapparat und der Obersten Heeresleitung ausgetragen.
Die DLG besteht - immanent gedacht durchaus logisch - auf einer Eigenständigkeit gegenüber dem Staatsapparat, muß man doch fürchten, die Sozialdemokratie könne eines Tages, spätestens aber nach Kriegsende, Einfluß auf diesen Apparat ausüben.
Aus einem Gespräch, das Vertreter der DLG mit von Haeften führen, wird die Distanz zum Bufa (Bild- und Film-Amt) deutlich: »Wie denken Sie sich eigentlich die Zukunft, wenn man ein solches Machtmittel in die Hand dieser Regierung legen würde? - Wie denken Sie sich z.B. die Niederhaltung der Sozialdemokratie und ihrer Ansprüche durch eine solche Regierung wie die gegenwärtige?«
Zudem scheinen der DLG nicht alle Vertreter des Bufa, schon gar nicht der Regierung, Garanten einer expansionistischen Politik zu sein. In der offiziösen Darstellung Traubs von 1943 - der ansonsten die Konflikte zwischen Ufa-Gründern und DLG herunterspielt, weil man sich ja inzwischen zügig aufeinanderzubewegt hat — reflektiert sich diese Skepsis gegenüber den Betreibern der Ufa-Gründung in den markigen Worten: »Man sieht nicht die Kräfte am Werk, die einen unbedingten Siegeswillen verbürgen.«
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Der Heeresleitung und der Reichsregierung ist die DLG suspekt
Der Obersten Heeresleitung (OHL) und der Reichsregierung wiederum ist die DLG suspekt, weil ihre Aktivitäten auf dem Balkan zwar nationalistisch tönend, aber zu wenig kriegspropagandistisch sind. Während sich die DLG der deutschen Sendungsarbeit hingibt und unterstellt, den zuständigen Stellen fehle es an Durchsetzungswillen nach außen und innen, weiß man bei der OHL und der Reichsregierung genauer um die festgefahrene Situation an der Westfront und die schwierige Stimmungslage im Inland.
Im Inland aber ist die DLG nur insoweit präsent, als die Hugenberg-Presse fleißig die Filmpolitik der Regierung kritisiert. Die Gruppierung um die DLG setzt ausschließlich auf Repression nach innen, während man beim Bufa auf Überzeugungsarbeit, sprich: moralische Aufrüstung, setzt.
DLG und Bufa sind völlig konträrer Meinung
Vor diesem Hintergrund mögen Schachzüge wie die geschickt eingefädelte Übernahme der Balkan-Orient GmbH durch die DLG im Jahre 1917, die gerade erst (am 1. Dezember 1916) staatlicherseits gegründet worden ist, die Vorbehalte gegen die DLG eher noch verstärken. Der Reichskanzler weist denn auch am 13. Januar 1917 alle Behörden an, nicht mit der DLG in Verbindung zu treten, das Auswärtige Amt fordert die Gesandtschaften auf, die Aktivitäten der DLG genauer zu observieren.
Verletzte Eitelkeiten sind vielleicht im Spiel, hat es doch Klitzsch General Ludendorff gegenüber abgelehnt, die ihm angetragene Leitung des Bufa zu übernehmen. Aus der OHL heißt es unmutig, man stehe »am Scheideweg und vor der Frage, ob der Staat oder die Schwerindustrie die Sache in der Hand behalten soll.«
Realistischer, wenn auch keineswegs liberal, sondern ebenfalls stockkonservativ, die Gruppe um die Deutsche Bank: realistisch bei der Bewertung staatlicher Intervention, wenn sie eben den eigenen Interessen dient; realistisch auch insofern, als man eine politische Beteiligung weiterer Bevölkerungsgruppen nach dem Krieg (Wahlrechtreform) nicht ausschließt.
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Stauß, Kolonialist aus Überzeugung und kaisertreu
Stauß, Kolonialist aus Überzeugung, kaisertreu ohnehin, braucht sich nicht zu verstellen, wenn er sich nationalistisch gebärdet. Es ist dies, im dritten Kriegsjahr zumindest, ein Nationalismus, der eine Hoffnung auf einen baldigen Frieden ohne Niederlage einschließt, damit man Geschäfte wieder ungebremst international abwickeln kann.
Die DLG ist wohl kaum willens, wie dies bei den Ufa-Gründern der Fall ist, ausländisches Kapital (Nordisk) in einem deutschen Unternehmen zu dulden; wenn man eine Firma übernimmt, dann, wie Hugenberg es 1927 tut, fest in deutsche Hände.
Anfang 1917 - nur faule Kompromissemit der Regierung
Wenn es, wie Anfang 1917, zu Kompromissen zwischen Regierung und DLG kommt, erweisen sich diese als wenig haltbar. Schon am 29. März 1917 kündigt die Regierung ein Abkommen, mit dem sie den Balkan als Einflußgebiet der DLG akzeptiert hat.
Begründung: Die DLG unternehme zu wenig im Interesse der Regierung, lediglich ihr Vertreter in Rumänien, Leutnant Erich Pommer, leiste gute Arbeit. Die DLG aber ist so nicht zu disziplinieren. Entgegen anderslautenden Absprachen mit dem Bufa produziert sie 1918 Kriegsfilme, wohl um ihr besseres Niveau zu demonstrieren.
Frühjahr 1918 - DLG und UFA arrangieren sich
Im Frühjahr 1918 immerhin kommt es zwischen den Kontrahenten Ufa und DLG zu einem Agreement. Die Ufa kann es sich aus einer Position der Stärke heraus leisten: sie verzichtet auf die Herstellung von Wirtschaftspropagandafilmen.
Die DLG und die Ufa gründen zusammen die Auslandsfilm GmbH. Die Ufa verpflichtet sich darüber hinaus, Filme der DLG in ihren Theatern zu zeigen, die DLG erklärt sich bereit, eventuelle Verluste mitzutragen.
Und 1918 entdeckt die DLG gar ihr Herz für den Frieden: Sie dreht "Der Friedensreiter" - Ein Zeitbild aus dem 30jährigen Krieg mit Werner Krauß. Ufa und DLG gelangen aber auch nach dem Krieg nicht zu einer symbiotischen Beziehung, nicht einmal, als die DLG seit Oktober 1920 Deulig heißt. Hugenberg verwahrt sein Kind lieber unter dem Dach des eigenen Pressekonzerns.
Ein Artikel von Manfred Behn
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Die Filmpropaganda für die deutsche Sache im Auslande
Von Dr. Gustav Stresemann, Mitglied des Reichstages
Wenn sich heute der Deutsche oft verwundert fragt, woher es denn komme, daß dieses Deutschland in der Welt so wenig Sympathien genieße, und wie es denn kommen konnte, daß dieses Deutschland, das 44 Jahre hindurch stets die Politik des Friedens getrieben und sich bestrebt hat, der Welt den Frieden zu erhalten, eine so geschlossene Phalanx von Feinden allüberall im Erdenrund, und wie die jüngsten Tage wieder gezeigt haben, bis hinauf in den fernsten Osten sich erwerben konnte, wenn er die Ursachen rückblickend wägt, die zu dieser Weltkatastrophe geführt haben, dann übersieht er neben anderen meist die außerordentlich wirkungskräftige Film-Propaganda, welche unsere Feinde sehr im Gegensatz zu uns überall in der Welt getrieben haben.
Sehr im Gegensatze zu Deutschland, wo man das Kino nur mehr unter dem Gesichtswinkel eines Vergnügungsmittels würdigte und mehr in dessen Bekämpfung als in seiner Förderung sich erschöpfte, haben unsere Feinde, namentlich England und Frankreich, schon frühzeitig den Film als eines der machtvollsten Werbemittel der Gegenwart erkannt.
Die Saat, die England und Frankreich in der Verbreitung deutschfeindlicher Stimmungen allüberall in der Welt gesät haben, ist jetzt aufgegangen. Planmäßig sind England und Frankreich seit vielen Jahren daran gegangen, das Ausland in ihrem Sinne zu beeinflussen, und noch ganz besonders verschärft haben sie diese Anstrengungen im Weltkriege. Tausende und Abertausende von Kilometern Ententefilms sind auf die Neutralen losgelassen worden, Films, die dazu bestimmt waren, eine deutschfeindliche Stimmung zu verbreiten und die noch neutralen Länder zum Eintritt in den Weltkrieg an der Seite der Entente zu verleiten.
Daß in diesen Films nicht immer die reine Wahrheit sich behauptet hat, dieser Feststellung bedarf es bei dem Charakter unserer Feinde ja wohl nicht erst. (...) Leider muß man ihnen bestätigen, daß ihr heiß' Bemühen nicht ohne Erfolg war. Die suggestive Kraft des Bildes, des Kinobildes zumal, bringt es zuwege, daß derlei Lügen, und mögen sie auch noch so ungeheuerlich erscheinen, oder vielmehr gerade je ungeheuerlicher sie sind, desto leichter Glauben finden. (...)
Wie man bereits durch die Filmpropaganda den Boden zu dem künftigen Wirtschaftskrieg vorbereitet, zeigt die Tatsache, daß beispielsweise vor Monaten ein französischer Filmtheaterunternehmer nach Südamerika abgereist ist, um in ganz Brasilien, Argentinien und den übrigen führenden südamerikanischen Staaten französische Films vorzuführen.
Auch hier wird eine doppelte Wirkung versucht. Einmal soll durch diesen Film die Erregung gegen Deutschland geschürt und der Haß zum Abneigungsfaktor gegen künftigen Bezug deutscher Waren gemacht werden, andererseits versucht man positiv durch Darstellung französischer Industrieunternehmungen Frankreich als die geeignete überlegene Produktionsstätte für den Bezug von Waren hinzustellen. (...)
Die »Deutsche Lichtbild-Gesellschaft« ist kein Erwerbsunternehmen, sondern sie ist von Organisationen der deutschen Industrie und der deutschen Landwirtschaft, von den deutschen Bäder- und Verkehrsvereinigungen geschaffen worden, um das, was Deutschland bietet an landschaftlichen Schönheiten, an wunderbarem Fleiß seiner Städte, an der gewaltigen Leistung seiner Industrie usw. im Auslande vorzuführen. (...) Das deutsche Lichtspiel aber soll hinausziehen in die Welt, um eine Propaganda zu sein des neuen Deutschland!
Artikel aus Der Film, 7.4.1917
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