Einzelne Autoren beleuchten die Entwicklung der UFA ab 1917
Damals in 1917 mitten im 1. Weltkrieg sollte der eigentliche Grund für solch ein Film-Monopol unter versteckter staatlicher Regie geheim bleiben. Die Öffentlichkeit, die Mitarbeiter und die reichsdeutsche Presse wußten recht wenig von den Machenschaften im Hintergrund und lobten ihre Arbeit und "ihr" Unternehmen, solange sie dabei waren.
Die Filmfabrik UFA kam dennoch ins Trudeln und wurde beinahe von den Amerikanern übernommen. Erst nach dem März 1933 kam der immense Wert solch eines Monopols richtig zur Geltung, wenn auch nur noch im negativen Sinne. Die einführende Seite beginnt hier.
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Die UFA-Wochenschau - Vorwiegend deutsch
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Jetzt auch richtiger Ton für die Ufa-Wochenschau
Die Notiz im Vorstandsprotokoll vom 7. Oktober 1929 klingt eindeutig: »Es wird beschlossen bis auf weiteres auch fernerhin keine tönende Wochenschau herzustellen.« Die Ufa-Oberen, bekannt für ihre nicht eben glückliche Hand bei der Einschätzung zukunftsträchtiger Technologien, haben sich wieder einmal - falsch - entschieden. 1929 mißtrauen sie noch immer der Zukunft des Tonfilms.
Daß die Vorständler schon ein halbes Jahr später ihr Verdikt widerrufen, bewahrt die Herren vor einem peinlichen Flop. Längst bereitet die Konkurrenz Ton-Wochenschauen vor. So ist die im Protokoll vom 14. Mai 1930 geforderte Eile verständlich,
»die Herstellung einer tönenden und sprechenden Wochenschau (ist) so zu beschleunigen, daß ca. ab 1. Juli drei Monate hindurch alle 14 Tage eine tönende Wochenschau erscheinen kann.«
»Vorwiegend deutsch« wollen die national gesinnten Medien-Manager ihre neue Wochenschau haben. Ausländisches, da ist man eher sparsam als patriotisch, soll »möglichst im Austausch-Verfahren, ohne langfristige Bindungen« herbeigeschafft werden. Die aus Zeitnot angestrebte Zusammenarbeit mit der Fox, die mit der Ton-Wochenschau schon weiter ist, wird in der Vorstandssitzung vom 29. August 1930 verworfen,
»soll der Fox in höflicher Form mitgeteilt werden, daß die Ufa auf Grund der von Fox gestellten Bedingungen leider nicht die Möglichkeit (sieht), mit ihr ins Geschäft zu kommen und die Verhandlungen daher abbrechen (muß).«
Das ist geflunkert. Die Ufa braucht die Fox-Unterstützung für die eigene Ton-Premiere nicht mehr und Auslandsbeiträge sollen fortan von der Paramount übernommen werden. So erscheint am 3. September die erste Ufa-Tonwochenschau.
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September 1931 - Heute nach nur zweiundfünfzig Wochen
Schon ein Jahr später ist die technische Innovation voll akzeptiert. In der Ausgabe vom 4. September 1931 jubelt das Ufa-Hausblatt Kinematograph:
»Es ist heute nach nur zweiundfünfzig Wochen, in umfassender, einwandfreier Weise der Nachweis erbracht, daß man gerade auf diesem Spezialgebiete Dinge geschaffen hat, die fraglos nicht nur die kulturelle Bedeutung des Films, sondern auch die Beliebtheit des Lichtspielhauses erheblich gestärkt haben. (...) Man sah bei Ufa Hindenburg, Brüning, Dr. Curtius. Hörte von ausländischen Diplomaten bei den verschiedensten Herausgebern (gemeint sind hier die Ufa-Konkurrenten Fox, Tobis. N.Sch.) Mac Donald, Stimson, Henderson, Zamora, Hoover, Mussolini, Briand, Doumergue, Graf Bethlen. Vernahm zum Bild die Stimme des Königs Carol, des englischen, belgischen und schwedischen Königs. Elli Beinhorn, Max Schmeling, Caracciola und andere Sportko-riphäen sprachen zum Bild ihrer gewaltigen Leistungen.«
Spaltenlang werden Namen und Ereignisse aufgezählt. Der Begeisterung über die Technik und Geschwindigkeit der Nachrichtenverarbeitung fehlt jede Kritik.
Über Sinn und Zweck des wöchentlichen Mischmaschs aus Staatsoberhäuptern, Stars und Sportereignissen macht sich der Autor 1931 keine Gedanken und da ist er keine Ausnahme.
Die Übergabe eines neuen Autos für die Wochenschaureporter, ihre Arbeit an gefährlichen Einsatzorten oder die Einführung neuer Aufnahme- und Übertragungstechniken interessieren die damaligen Kritiker der »tönenden Wochenschau« weit mehr. Daß mit Einführung des Tons die Wochenschau mit einem Mal zu einem modernen Nachrichten-Medium geworden ist, bleibt den Machern und ihren Kritikern verborgen.
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Ganz anders denkt, plant und handelt Joseph Goebbels.
Kaum ist er 1933 zum »Reichsminister für Volksaufklärung und Propaganda« ernannt worden, beginnt er mit der Neuorganisation der Filmwirtschaft. Eberhard Fangauf, seit 1931 NSDAP-Mitglied, leitet das neugeschaffene Referat für »Film-Technik und Berichterstattung«, gleichzeitig fungiert er als Verbindungsmann zur Filmstelle der NSDAP.
Der linientreue Parteimann ist für die Funktionsfähigkeit und Wirksamkeit des Apparates verantwortlich. Von der Einführung von Armbinden, Dienstausweisen und Autoaufklebern, die freie Durchfahrt garantieren und das Parken im Halteverbot erlauben, über die Erlaubnis, belichtete Filme ohne besondere Formalitäten mit Flugzeug und Bahn direkt ins Berliner Kopierwerk zu schicken, bis hin zu Spezialeinsatzstäben, für die Vorbereitung der Berichterstattung bei Großveranstaltungen, reichen Fangaufs erste Maßnahmen.
Die logistische Vorbereitung bei Großveranstaltungen
Wie so ein Stab bei Großveranstaltungen der Reichsregierung arbeitet, beschreibt der Filmhistoriker Hans Barkhausen:
- »Diesem Stab gehörten die Leiter des Bild-, des Film-, des Presse- und des Rundfunkeinsatzstabes an. Ferner der Leiter für Aufmärsche, Transporte und Absperrungen, ein Major vom Kommando der Schutzpolizei... Weiterhin ein Vertreter des Generalbauinspekteurs und ein Verantwortlicher für die künstlerische Ausgestaltung. Da diesem Stab immer die gleichen Mitarbeiter angehörten, war er nach Fangauf so eingespielt, daß es keiner langen Diskussionen mehr bedurfte. Für den Ablauf der Veranstaltung wurde von dem Polizeimajor jeweils ein bis ins Kleinste gehendes Minutenprogramm ausgearbeitet.
- Bei Veranstaltungen in geschlossenen Räumen wurden die Kameras so eingebaut oder abgeschirmt, daß das unvermeidliche Drehgeräusch nicht störte. Auch wurde darauf geachtet, daß sie durch ihre Aufstellung das Gesamtbild nicht beeinträchtigten. Die Scheinwerfer wurden meistens in die Dekoration eingebaut.«
Kein Detail bleibt unbeachtet. Eine Lichtdramaturgie ist genau festgelegt und die vorher verteilten Redemanuskripte bewahren die Wochenschauberichter vor Überraschungen und sollte es wider Erwarten mit dem Ton nicht geklappt haben, steht den Filmleuten das Radiomaterial jeder Zeit zur Verfügung. All das ist 1933 neu.
Aus der verschlafenen Menschen-Tiere-Sensationen-Revue ist ein effizientes Propagandainstrument geworden.
An der Gruft Friedrichs des Großen findet am 21. März 1933 die Generalprobe statt.
»Tag von Potsdam« heißt die Veranstaltung und in der Garnisonskirche der Stadt übernimmt es Reichspräsident Hindenburg in seiner entmotteten kaiserlichen Marschalluniform, den ehemals österreichischen Gefreiten Adolf Hitler, der im schlichten Cutaway erschienen ist, salonfähig zu machen.
»Im Geist dieser Ruhmesstätte« wollen die Beiden in Zukunft zusammenarbeiten - und die Wochenschau hat alles gesehen. Der Film-Kurier wünschte sich mehr solcher Berichte zwecks Fortdauer des nationalen Erwachens im »Vorüberzug der Lebensereignisse unseres Volkes«.
Lotte Eisner und ihr einstiger Film-Kurier-Chef Ernst Jäger sind zu dieser Zeit schon außer Landes (Anmerkung : geflohen). Im März 1933 hat das »nationale Erwachen« auch in diesem Fachblatt seine Spuren hinterlassen.
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Der »Vorüberzug der Lebensereignisse«
Den »Vorüberzug der Lebensereignisse«, die dem Film-Kurier-Autoren 1933 so am Herzen lag, gestaltet die Ufa-Woche fortan hingebungsvoll. Dem Repräsentationsbedürfnis der neuen Machthaber wird Rechnung getragen. Ein Staatsakt oder Staatsbesuch ergibt in der Regel den Aufmacher.
Am Anfang stehen Beiträge, mit der die internationale Anerkennung der Nazi-Politik dargestellt werden soll. Oft folgt dann die sorgfältig vorbereitete Inszenierung einer Großveranstaltung, die den innenpolitischen Teil der Wochenschau dominiert.
Die für heutige Zuschauerohren unüberhörbare Nachvertonung, läßt wichtige Redepassagen mit Publikumsreaktionen verschmelzen. In kurzen Schnitten werden begeisterte Zuschauer aus der ornamentalen Masse hervorgehoben. Emphase lautet die Spielanleitung dieser Minuten.
Ein eher nachrichtlich gehaltener Mittelteil konzentriert sich in seinen politischen Meldungen aus dem In- und Ausland auf Themen, die in der Wochenschau auffällige Umdeutungen erfahren. So wird 1935 in der Ufa-Wochenschau 233 der Abzug der alliierten Truppen aus dem Saarland zur reinen Militärparade.
Im Anschluß folgt »Der Krieg in der grünen Hölle«, so der Titel des Beitrags über den Grenzkrieg zwischen Bolivien und Paraguay. »Amerikas Jugend übt für Olympia« heißt es zu Beginn des Sportteils. Aus Deutschland gibt es Neues vom Ski-Sprung und vom Eishockey. Den Abschlußbericht mit obligatorisch positivem Schlußakkord bereitet Hans Stucks Weltrekordfahrt im vollverkleideten Auto-Union 16-Zylinder vor, dann stellt Hitler auf der Autoausstellung die neue Sensation vor - den Volkswagen.
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Die Kriegsvorbereitungen sind unübersehbar
Die Kriegsvorbereitungen sind auch bei der Wochenschau früh unübersehbar. »Propaganda-Einsatzstelle« heißt die Abteilung, als deren Leiter Eberhard Fangauf zum Regierungsrat befördert wird.
Als Sturmpionieroffizier hat PG (Parteigenosse) Fangauf schon im Ersten Weltkrieg Filmtrupps eingewiesen, jetzt soll der Schwerkriegsbeschädigte für die wirkungsvolle Darstellung des Militärs sorgen. Die Parteinähe des Regierungsrats und seiner Männer mißfällt dem Reichskriegsministerium, trotzdem gerät das Herbstmanöver 1936 zum Probelauf der neuen Propaganda-Abteilung.
Das Ergebnis ist wenig befriedigend. Neben Verständigungsproblemen zwischen Militärs und Berichterstattern, wird vor allem die mangelnde militärische Ausbildung der Propagandamänner beklagt.
Kein Wunder, daß Goebbels Wochenschau-Referent Hans Weidenmann die Ufa anregen will, ein Wochenschauteam samt Tonwagen und kompletter Ausstattung in den spanischen Bürgerkrieg zu schicken, um auf Seiten Francos Fronterfahrung zu sammeln.
Die Ufa schiebt technische und Devisen-Probleme vor, kündigt aber im Protokoll vom 6. Oktober 1936 an »zwei tüchtige Operateure« zur Verfügung zu stellen, »soweit es sich mit dem Geschäftsbetrieb in Einklang bringen läßt«.
Die Zurückhaltung der Ufa-Vorständler gegenüber eines stärkeren Engagements auf Seiten Francos ist ein kleiner aber deutlicher Verweis auf die Unabhängigkeit, die man 1936 gegenüber dem Propagandaministerium noch zu haben glaubt.
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Vorbild : Mussolinis "schwarze" italienische Berichterstatter
Auch das Erscheinungsbild der Wochenschau-Angestellten gefällt 1937 nicht mehr. Von den »Schwarzhemden-Uniformen« der italienischen Berichterstatter, die Mussolini bei seinem Besuch in Berlin begleiten, ist der Ex-Offizier Fangauf angetan. Bei Veranstaltungen von Staat und Partei wünscht sich der frisch beförderte Regierungsrat in Zukunft eine einheitliche Kleidung für seine Filmtruppe.
Deren Mitglieder wollen aber weder Braunhemd noch SA-Uniform tragen. Man einigt sich schließlich auf eine »uniformähnliche Berichterstatter-Einheitskleidung in hechtblau«.
Hitlers Gegenbesuch in Italien im Mai 1938 wird die Premiere für das neue Erscheinungsbild, in welchem, wie Fangauf befriedigt feststellt, »die deutsche Bild- und Filmberichterkolonne mit ihren achtzehn sechssitzigen Horchwagen, mit je zwei Berichtern, anerkennende Bewunderung fand«.
Ende des Machtkampfs um die Kriegsberichterstattung
Im Mai 1938 ist der Machtkampf um die Kriegsberichterstattung entschieden. Das Reichskriegsministerium hat sich durchgesetzt und Major Wentscher - ehemaliger Weltkriegs-Pilot, Ex-Lokalredakteur und ab 1933 Ausbildungsoffizier - wird in das Propagandaministerium abkommandiert zur versuchsweisen Aufstellung von Propaganda-Einheiten.
Ein erster Orientierungslehrgang für Offiziere umreißt im August 1938 die zukünftige Aufgabenstellung der Propagandasoldaten:
- »Propaganda sollte eingesetzt werden zur geschlossenen Wehrwilligkeit des eigenen Volkes, zur Erhaltung der Opferfreudigkeit, sie sollte über das Leben des eigenen Volkes aufklären, Unruhe und Erregung im eigenen Volk, die durch feindliche Einwirkung erzeugt werden, überwinden und sie sollte schließlich die eigenen militärischen Absichten tarnen, verschleiern und irreführen«,
so der spätere Kommandeur der Einheit, Hasso von Wedel. Beim Überfall auf die Tschechoslowakei werden erstmals Propagandakompanien eingesetzt, was bei den Militärs Anerkennung findet, wenn auch die mangelhafte soldatische Ausbildung der Agitprop-Spezialisten bemäkelt wird.
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Wochenschau-Produzenten Tobis und Ufa "vereinigt"
Die noch immer konkurrierenden Wochenschau-Produzenten Tobis und Ufa werden im Oktober 1938 zur Finanzierung eines Dispositionsfonds bei der winklerschen Filmtreuhand-Gesellschaft gezwungen. Der »Verbesserung der Wochenschauen« soll der Geldtopf dienen. Einen Monat später übermittelt das Propagandaministerium konkrete Vortschläge, wie eine Verbesserung zu erzielen ist:
- »In der Ufa-Wochenschau und in der Presse sind letzthin Bilder erschienen, welche desillusionierend wirken. (...) daß derartige Aufnahmen in Zukunft nicht mehr gebracht werden dürfen«,
beeilt sich der Ufa-Vorstand am 8. November 1938 zu Protokoll zu geben.
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Am Ende sind beide "gleichgeschaltet"
Die bestehende Konkurrenz zwischen Tobis und Ufa täuscht leicht über die allmähliche Synchronisierung der beiden Firmen. Verknüpft in ein umfangreiches Netz von Abhängigkeiten, diskret verbunden über das Büro Winkler, ist es weder inhaltlich noch kommerziell mit der Unabhängigkeit weit her.
Mit Kriegsbeginn Herbst 1939 fällt auch der letzte Deckmantel dieser nicht mehr existierenden Eigenständigkeit der ewigen Konkurrenten. Der Inhalt wird vereinheitlicht und nachdem noch einige Monate die alten Titelvorspanne beibehalten werden, findet am 21. November 1940 die Gründungsversammlung der »Deutschen Wochenschau GmbH« statt, deren martialischer Vorspann - zu den Klängen von Lizst - fortan vor dem Hauptfilm zur propagandistischen Ertüchtigung auffordert.
Ein Artikel von Nicolaus Schröder
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Nachsatz oder "Extrablatt"
Die Ufa feiert 1939 ihr 25jähriges Wochenschau-Jubiläum und beruft sich dabei auf die 1914 gegründete Messter-Woche. Zwar ist mit Gründung des Filmkonzerns auch die Messter-Woche zur Ufa gekommen, doch besonderes Interesse an dieser Mitgift des Filmpioniers hat man nicht: Bereits zum Jahresende 1919 geht das Aktualitäten-Magazin an die Deutsche Lichtbildgesellschaft. Die DLG produziert ab Januar 1922 eine eigene Wochenschau, die Deulig-Woche, und stellt vier Monate später die Messter-Woche ein.
Die erste Ufa-Wochenschau wird am 17. September 1925 zensiert
Erst mit der Übernahme durch die Hugenberg-Gruppe engagiert sich die Ufa stärker auf dem Wochenschau-Markt. Nach der Fusion wird ab 1927 auch der Marktführer Deulig-Woche von der Ufa produziert. Zudem kauft man kleinere Konkurrenz-Objekte mit dem Ziel, den Markt zu bereinigen. Am 23. Juli 1928 übernimmt die Ufa die Trianon Wochenschau und die Opel Woche; nach einer gewissen Schamfrist werden beide im nächsten bzw. übernächsten Jahr eingestellt. Ähnlich ergeht es der DLS-Wochenschau.
Bei der tönenden Wochenschau hat die Ufa die Nase vorn und baut damit ihre inzwischen dominierende Position weiter aus: In zwei Drittel aller deutschen Kinos laufen jetzt die Deulig- und die Ufa-Wochenschau. Für die kleineren Kinos, die nicht gleich auf Ton umstellen, produziert die Ufa weiterhin parallel die stumme Wochenschau; die letzte Ausgabe erscheint am 23. März 1933.
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