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Ein Ausschnitt aus der FKT Zeitshrift vom August 1933

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Aufgearbeitet im Feb. 2026 - Das 3. Reich war jetzt im Aug. 1933 etwa 6 Monate alt und der neue Propagandaminister Göbbels drehte alles auf den Kopf - im nationalsoziaistischen Sinne. - Das bedeutete, alles von Wert (an Erfindungen und Entwicklungen) wurde in Deutschland von Deutschen erfunden. Ob das stimmte, wurde zu der Zeit bereits nicht mehr hinterfragt. Es war nämlich zu gefährlich, selbst solche simplen Fragen zu stellen.

Darum ist diese chronologische Liste mit Bedacht zu lesen, nicht alles war lupenrein.
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Marksteine der deutschen "Tonfilm"- Geschichte

Zusammengestellt von Dr. Hans L. Böhm. - 30 Jahre sind ins Land gegangen, seit der deutsche Physiker Ernst Ruhmer die Lichtton- Aufzeichnung erfand und Oskar Messter als erster in Deutschtand Nadeltonfilme öffentlich vorführte, 15 Jahre sind ins Land gegangen, seit die Tri-Ergon-Erfinder mit ihrer so fruchtbaren Arbeit auf dem Gebiete des Tonfilmes einsetzten. Der Zeitpunkt dürfte somit gegeben sein, die wichtigsten Ereignisse aus der Entwicklungsperiode des deutschen Tonfilmes heute einmal übersichtlich zusammenzustellen.

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  1. 1903 Ernst Ruhmer "erfindet" (??) die Lichtton-Aufzeichnung.

  2. 29. 8. 1903 Oskar Meßter führt als erster in Deutschland „Tonbilder" (Filme mit gleichlaufenden Schallplatten) öffentlich vor.
  3. 1904 Guido Seeber unternimmt mit seinem Vater Tourneen zur Vorführung von „lebenden, singenden, sprechenden und musizierenden Photographien".
  4. 1906 Sven A. Berglund stellt die erste Transversal-Tonaufzeichnung her.
  5. 1911 Sven A. Berglund kuppelt eine Bildkamera mit einer Tonaufzeichnungsvorrichtung.

  6. 1918 Das „Tri-Ergon" (Joseph Massolle, Hans Vogt, Dr. Jo Engl) beginnt mit seinen Versuchen.
  7. 3. 3. 1919 Die Tri-Ergon- Erfinder melden ihr erstes Lichttonpatent an.
  8. 1. 7. 1920 Kurt Breusing meldet sein erstes Nadeltonpatent an.
  9. 17. 9. 1922 In der Berliner Albambra werden vor geladenen Gästen Tri-Ergon-Tonfilme vorgeführt (u. a. Rose Lichtenstein: Prolog, Cornelis Bronsgeest: Bajazzo-Arie, Erwin Baron in dem Sketch "Der Brandstifter" von Hermann Heijermanns).
  10. 19. 10. 1922 Hans Vogt hält vor der Deutschen Kinotechnischen Gesellschaft einen Vortrag „Der Film als Träger von Schallwellen".
  11. 22. 2. 1923 Bei einem Bierabend im Palais des Reichspräsidenten werden Tri-Ergon-Tonfilme vorgeführt.
  12. 11. 6. 1923 Kurt Breusing führt seinen ersten Nadeltonfilm, aufgenommen mit Künstlern der „Stettiner Sänger", vor.
  13. 24. 9. 1923 Rechtsanwalt Dr. Arthur Curti aus Zürich lädt zu einer Vorführung von Tri-Ergon-Tonfilmen (,,Ein Tag auf dem Bauernhof" u. a.) in den Berliner Schubertsaal (Zahnärztehaus).
  14. 27. 9. 1923 Unter dem Eindruck dieser Vorführung kündigt die National-Film A. G. die Herstellung eines abendfüllenden Tonfilms an, und zwar nach Franz Werfeis „Spiegelmensch" mit Moissi, Krauß, Kayßler, Lina Lossen, Lucie Mannheim.
  15. 17. 1. 1924 Die Tri-Ergon-Tonfilme („Ein Tag auf dem Bauernhof" usw.) laufen im Berliner Marmorhaus als Beiprogramm zu einem Stummfilm. Die Erfinder unternehmen mit ihren Tonfilmen im Anschluß daran eine Tournee durch die deutsche Provinz.
  16. 25. 9. 1925 Bei der Eröffnung der Kino- und Photo-Ausstellung (Kipho) wird eine besonders gelungene Ansprache des Ministers Dr. Stresemann gezeigt, aufgenommen als Tri-Ergon- Tonfilm.
  17. 17. 12. 1925 Im U.T.-Mozartsaal ("Union Theater"), Berlin, läuft als Beiprogramm die von Tri-Ergon aufgenommene Tonfilm-Legende „Das Mädchen mit den Schwefelhölzern" an, muß aber nach zwei Tagen schon abgesetzt werden.
  18. 19. 12. 1925 Das Berliner Fachblatt „Lichtbildbühne" schreibt in seiner Kritik über diese Vorführung: „Wir möchten davor warnen, weitere Gelder in eine anscheinend verlorene Sache zu stecken."
  19. 30. 11. 1926 Die Phöbus-A. G. zeigt im Berliner Capitol als Nachtvorstellung ein nach dem Petersen- Poulsen- Verfahren der Deutschen Tonfilm A. G. aufgenommenes „Tonfilm-Kabarett" (u. a. Maria Ney, Wilhelm Bendow, Paul Morgan usw.
  20. 11. 3. 1927 Im „Ufa-Theater Kurfürstendamm" läuft ein Programm von „Tri-Ergon-Filmen der Ufa an (u. a, Heinrich Schlusnus, Andreas Weisgerber, Paul Graetz usw.). Professor Leithäuser hält die einleitende Ansprache.
  21. 17. 12. 1927 Im Preußischen Kultusministerium werden bei einer gesellschaftlichen Veranstaltung einige Tri-Ergon- Tonfilme vorgeführt.
  22. 21. 4. 1928 Das Berliner Fachblatt „Film-Kurier" ist immer noch skeptisch und überschreibt einen Artikel mit den Worten „Der Tonfilm, nur eine Mode?"
  23. 16. 5, 1928 Auf der „Jahresschau Deutscher Arbeit" in Dresden wird ein umfangreiches Programm von Nadeltonfilmen durch Lignose - Hörfilm, System Breusing, uraufgeführt.
  24. 26. 6. 1928 Die Berliner Funkstunde überträgt erstmalig ein Programm von Tonfilmen nach dem Tri-Ergon- Verfahren auf den Sender, darunter den Empfang der Ozeanflieger Kohl, Hünefeld und Fitzmaurice auf dem Tempelhofer Feld.
  25. 16. 8. 1928 Das D.L.S. führt im Berliner Gloria-Palast eine Reihe von Tonfilmen nach H. J. Küchenmeisters „Meisterton"- Verfahren den Interessentenkreisen vor.
  26. 25. 8. 1928 Im Berliner Lunapark findet anläßlich der Tagung des Reichsverbandes Deutscher Lichtspieltheaterbesitzer eine Ausstellung „Einige Kapitel Tonfilm-geschichtet, statt.
  27. 30. 8. 1928 Generalkonsul Dr. Heinrich Brückmann gründet unter Zusammenschluß der wesentlichen deutschen Tonfilmverfahren die Tonbild-Syndikat A.-G. (Tobis).
  28. 31. 8. 1928 Zur Eröffnung der Großen Berliner Funkausstellung wird der Tri-Ergon-Tonfilm „Tönende Welle" von Walter Ruttmann uraufgeführt.
  29. 11. 9. 1928 Zur Eröffnung der Terra-Lichtspiele im Mozartsaal, Berlin, wird das Tonfilmlustspiel „Ein Tag Film1" von Max Mack durch die Tobis uraufgeführt.
  30. 12. 9. 1928 Tobis und D.L.S. schließen einen Vertrag zur Umstellung von dessen Theaterpark auf Tonfilm und für den Verleih von tönenden Beiprogrammen.

  31. 8. 10. 1928 A.E.G., Siemens & Halske und Polyphon gründen die Klangfilm G.m.b.H.
  32. 16. 1. 1929 Das D.L.S. zeigt im Berliner Tauentzien-Palast den stummen Spielfilm ,,Ich küsse Ihre Hand, Madame" mit einer von Harry Liedtke gesungenen Tonfilmeinlage.
  33. 8. 2. 1929 Die Klangfilm G.m,b.H. führt im Berliner Universum vor Interessenten die ersten Proben ihrer Tonfilmaufnahmen und einige amerikanische Aulnahmen der R.C.A, vor.
  34. 13. 3. 1929 Im Berliner Mozartsaal bringt die Tobis den gemeinsam mit der Hapag hergestellten Tonfilm „Melodie der Welt" von Walter Ruttmann zur Uraufführung.

  35. 13. 3. 1929 Tobis und Klangfilm schließen einen langjährigen Gemeinschaftsvertrag.
  36. 8. 4. 1929 Die Ufa stellt sich durch Abschluß eines Vertrages mit der Klangfilm G.m.b.H. auf den Tonfilm um.

  37. 3. 6, 1929 Der erste amerikanische Groß-Tonfilm „Der singende Narr" mit AL Jolson erscheint im Berliner Gloria-Palast.
  38. 25, 7. 1929 Deutsche Tonfilme werden auf dem Musikfest in Baden-Baden gezeigt.
  39. 30. 9. 1929 „Das Land ohne Frauen" mit Conrad Veidt, der erste deutsche Film mit durchgehendem Ton und zahlreichen Dialogszenen, wird im Berliner Capitol uraufgeführt.

  40. 16. 12. 1929 „Melodie des Herzens", der erste Ufa-Tonfilm, erscheint im Ufa-Palast am Zoo.
  41. 20. 12. 1929 „Die Nacht gehört uns", Regie Carl Froelich, wird als erster 100%iger deutscher Tonfilm im Capitol uraufgeführt.
  42. 31. 3. 1930 Tobis und Klangfilm schließen ein weitgehendes Vertragsabkommen mit dem französischen Konzern Gaumont-Radio-Cinema.
  43. 22. 7, 1930 In Paris wird zwischen den europäischen und amerikanischen Tonfilmgruppen der sogenannte internationale Tonfilmfrieden geschlossen.
  44. 10. 9. 1930 Die Ufa bringt die erste deutsche tönende Wochenschau heraus.
  45. 8. 7. 1932 Die Tobis gliedert die Lignose- Breusing- Gesellschaft ihrem Konzern ein.

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Diese Liste ist nach aktuellem Wissen unvollständig

Die gesamten Ausgaben dieser Zeitschrift mußte in der neuen Kultur-Aufsichts-Behörde - der neuen "Reichsfilmkammer" - zur Genehmigung vorgelegt werden.

Alle Namen von bedeutenden Menschen (Erfindern) mit jüdischen Wurzeln wurden ab sofort gestrichen.
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Wie ich in weiteren Zeitzeugenberichten gelesen hattte, bekam der Autor Dr. Oskar Kalbus im Jahr 1936 erhebliche Probleme mit Göbbels, als in seinen beiden Foto-Bänden so gut wie alle diese Schauspieler mit jüdischen Wurzeln aufgeführt waren, sogar mit Farbbildern.

Und diese beiden Bücher waren mit 200.000 gedruckten Exemplaren bereits bei den Volksgenossen verteilt und konnten nicht mehr eingesammelt werden.
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