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über HDTV (19.9.1989)

Der Westdeutsche Rundfunk Köln (WDR) erklärt in einer Technischen Information vom 18. August 1989 den Begriff HDTV wie folgt: High Definition Television (Hoch-Auflösungs-Fernsehen). Fernsehen mit großer Bildschärfe. Statt mit 525 Zeilen (in Amerika) beziehungsweise 625 Zeilen (in Europa) überträgt es das Bild mit der doppelten Zeilenzahl. Wegen des erhöhten Auflösungsvermögens sind die Bilder auch noch in Großprojektion scharf.

Seit der ersten Demonstration Anfang der 80er Jahre in Japan ist eine Reihe von konkurrierenden Systemen entwickelt worden. Der Weg zu einer einheitlichen Norm wird durch wirtschaftliche, politische und technische Unverträglichkeiten erschwert.

Sept. 1989 - Hauptausschuß informiert sich auf Funkausstellung über Fernsehen der Zukunft - Mit 60cm-Schüsseln Programm von Moskau bis Malaga empfangbar

Bis der normale Konsument auf einer Flachbildröhre 1,80 m x 1 m fernsehen und dabei den Ton in Stereoqualität, mehrkanalig und umschaltbar (mehrsprachig) empfangen, und bevor er dieses auch bezahlen will und kann, werden noch einige Jahre vergehen. Dies verdeutlichte die diesjährige Internationale Funkausstellung (es war die Ifa 1989), deren Besuch im Berlinprogramm des Hauptausschusses stand. Unter der Leitung des Vorsitzenden Professor Dr. Friedhelm Farthmann (SPD) und der Begleitung durch den Präsidenten des Landtags Karl Josef Denzer führten Mitarbeiter des Westdeutschen Rundfunks Köln (WDR), dessen Intendant Friedrich Nowottny den Ausschuß bei seiner Ankunft auf dem Messegelände begrüßte, zu den wichtigsten Ständen und Präsentationen der neuen Techniken.

Nur Kenner der Materie vermögen treffsicher mit den Bezeichnungen für zukünftige Produktions- und Sendenormen umzugehen. Nachdem jeder Konsument inzwischen Begriffe wie Pal oder Secam kennt, verwirren ihn jetzt die Kürzel D-Mac, D2-Mac, HD-Mac und HDTV ebenso wie die Bildformate 4:3,16:9 und die Ziffern 525, 625, 1125, 1250 (Zeilen) bei 50 bzw. 60 Hz. Es geht dabei um die technisch beste Lösung, im Fernsehen durch hohe Auflösung gestochen scharfe und flimmerfreie Bilder zu erhalten. Bei der Übertragung kommt die Bedeutung der Tonqualität und der Umschaltmöglichkeiten (bei mehrsprachigen Sendungen) hinzu.

Doch vor Sendung und Empfang steht die Produktion, und hier geht es um hohe Investitionskosten, die von den Rundfunkanstalten und der Industrie gerne aufgebracht werden, wenn die Aussichten auf eine Teilhabe an den zukünftigen Märkten gesichert scheinen. Noch gibt es aber keinen Kompromiß zwischen den Wirtschaftsblöcken Europa, Japan und den USA, die auf dem Wege zum hochauflösenden Fernsehen und dessen Übertragung via Satellit zur Zeit getrennte Wege gehen.

1989 noch keine befriedigende Antwort

Eine Antwort auf die Frage, ob die Welt des Fernsehens zukünftig geteilt bleiben wird, erhielten die Mitglieder des Hauptausschusses ebensowenig wie die sonstigen Teilnehmer des ersten Funkschau-Forums zum Thema HDTV.

Zur Diskussion über Wunsch und Wirklichkeit bezüglich einheitlicher Produktions- und Sendenormen standen Professor Dr. Broder Wendland (Leiter des Instituts für Nachrichtentechnik der Universität Dortmund), Dr. Albrecht Ziemer (Technischer Direktor des ZDF), Mitsuo Kurashina (Panasonic Deutschland GmbH), Dr. Ron Sommer (Vorsitzender der Geschäftsführung der Sony Deutschland GmbH), Johann van Tilburg (Vorstandsvorsitzender der Grundig AG), Cornelius Bossers (Vorsitzender des Vorstandes der Allgemeinen Deutschen Philips Industrie GmbH) und Diplom-Ingenieur Klaus Hummel (Ministerialdirigent des Bundesministeriums für das Post- und Fernmeldewesen) zur Verfügung.

Television im neuen HDTV-Format 16 zu 9

Der zuständigen internationalen Stelle CCIR (Internationaler Beratungsausschuß für den Rundfunk) liegen unterschiedliche Standardisierungsvorschläge der oben genannten Wirtschaftsblöcke vor. Unter den Teilnehmern des Funkschauforums herrschte jedoch Einigkeit, daß es sich bei dem von EUREKA präsentierten HDTV-System um das wahrscheinlich beste HDTV-Konzept handelt und ein gemeinsamer Produktionsstandard gefunden werden muß.

Hinsichtlich des Übertragungsstandards, der in Europa einheitlich sei, wurde darauf hingewiesen, daß der Konsument unbesorgt Empfangsgeräte kaufen kann, ohne befürchten zu müssen, zukünftige Produktionen nicht mehr empfangen zu können. Jürgen Büssow, medienpolitischer Sprecher der SPD-Fraktion im Hauptausschuß, schlug vor, die Normen der beiden deutschen Satelliten Kopernikus und TV-SAT zu wechseln, also D2-MAC vom TV-SAT auf den Kopernikus zu legen und mit Pal-System vom TV-SAT2 zu senden.

Damit könnten aus seiner Sicht die Programme, die über den TV-SAT2 mit Pal abgestrahlt werden, mit 60cm-Schüsseln von Moskau bis Malaga und von Spitzbergen bis Sizilien empfangen werden. Damit wäre ein Konzept von Satellitenfernsehen verwirklicht, wie es stets propagiert worden sei.

Der Kopernikus dagegen, ein Fernmeldesatellit, habe eine Abstrahlkeule, die nur die Bundesrepublik und die DDR in etwa abdeckt. Um eine gleiche Qualität zu erhalten, wäre für den Empfang eine Schüssel bis zu 1 Meter Durchmesser erforderlich. Sein Vorschlag hätte den zusätzlichen Vorteil, die Pal-Programme auch in der DDR empfangbar zu machen.

Büssow verband damit den Vorwurf gegenüber der Deutschen Bundespost, durch technische Vorgaben massiv in die kulturpolitischen Zuständigkeiten der Länder einzugreifen.
Professor Dr. Friedhelm Farthmann ließ sich am Stand der Deutschen Bundespost noch einmal über die Anwendungsmöglichkeiten der hochauflösenden Fernsehnorm informieren, nachdem er Zweifel an der Wirtschaftlichkeit der Investitionen mit dem Ziel eines neuen Bildformats bekundete und Befürchtungen äußerte, die nach den jetzigen Verfahren produzierten Sendungen mit den Geräten der Zukunft nicht mehr empfangen zu können.

Im Übertragungswagen der französischen Firma Thomson wurde demonstriert, wie mit Hilfe der Digitaltechnik eine bildschirmfüllende Darstellung beider Formate auf der Grundlage einer nur einem Format entsprechenden Software möglich wird. Vizepräsident Jacque Sabatier erläuterte den Stand der Entwicklung der Bildröhre zum Empfang von Fernsehsendungen im Kinoformat. Er rechnet damit, daß eine solche Bildröhre für den Verbraucher Mitte der 90er Jahre zur Verfügung steht.

Über neue Entwicklungen auf dem Gerätemarkt unterrichtete sich der Ausschuß am Stand der Firma Philips (digitaler Satelliten-Hörfunk), der Firma Sony (kleinster Camcorder) dem Gemeinschaftsstand von ARD und ZDF (Standbildübertragung mittels ISDN-Technik) sowie bei dem für Sonderentwicklung zuständigen Mitarbeiter der Firma Grundig, der das Prinzip der Frequenzverdoppelung zum Erhalt eines ruhigen Fernsehbildes erläuterte.

In einer schon zur Tradition gewordenen Begegnung zwischen dem Hauptausschuß und Mitgliedern des Rundfunkrates auf Einladung des Intendanten des Westdeutschen Rundfunks Köln (WDR) berichteten Gerd Rüge, Fernsehkorrespondent in Moskau und Wolfgang Hauptmann, Hörfunkkorrespondent in Ost-Berlin, über die Entwicklung in diesen Staaten.

Intendant Friedrich Nowottny nutzte die Gelegenheit, noch einmal auf die Bedeutung einer einheitlichen Produktions- und Sendenorm im Rundfunkbereich hinzuweisen. Es sei sonst zu befürchten, daß die in Europa produzierte Software in den Bereichen der anderen medienwirtschaftlichen Blöcke nicht mehr abgesetzt werden kann.

An der Mischfinanzierung der Stiftung Preußischer Kulturbesitz und ihren Einrichtungen in Berlin ist das Land Nordrhein-Westfalen überproportional beteiligt. Hierauf wies ihr Präsident Professor Dr. Knopp anläßlich des Empfangs des Hauptausschusses an seinem Amtssitz hin. Er fügte hinzu, daß es sich um den höchsten Anteil an den Betriebskosten handelt. Demgegenüber trüge Berlin die Last der Baukosten, deren Gesamtvolumen im Laufe der Zeit den Betriebskostenanteil selbstverständlich übertreffen werde.

Rückblick

Beim ersten Hearing nach seinem Besuch der Berliner Funkausstellung hat sich der Hauptausschuß des Landtages unter der Leitung seines Vorsitzenden Professor Dr. Friedhelm Farthmann (SPD) als erstes parlamentarisches Gremium in der Bundesrepublik mit der Entwicklung von HDTV (Hoch-Auflösungs-Fernsehen) befaßt. Dabei wurde deutlich, daß bis zur Empfangsreife noch Jahre vergehen werden. Zahlreiche Expertenaussagen unterstrichen aber die große Bedeutung eines baldigen Einstiegs in die Produktion bei Film und Fernsehen, damit sich entsprechendes Know-how und „Manpower" für HDTV an Rhein und Ruhr heranbildet. Nur auf diesem Wege kann Nordrhein-Westfalen nach allseitiger Einschätzung den Rang eines hervorragenden Medienstandortes in der Bundesrepublik wie auch im künftigen Europa ausbauen.

Die Anhörung förderte ferner zutage, daß die Zwischenstufe D2MAC für den Endverbraucher keine Verbesserung beim Bild gegenüber dem herkömmlichen PAL-System darstellt. Einige Experten befürworteten, gleich den Entwicklungsschritt zu HD MAC zu unternehmen. Große Skepsis herrschte beim Westdeutschen Rundfunk (WDR), warum die ARD einen Kanal auf dem direkt abstrahlenden Satelliten TV SAT bei wenig Zuschauern und einem jährlichen Endpreis von 25 Millionen Mark nach fünf Jahren anmieten sollte, dagegen für Benutzung des Fernmeldesatelliten Kopernikus nur rund elf Millionen Mark aufbringen müßte.

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