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Frühes HDTV - Das HDO - Eine Geschichte aus dem Ruhrpott.

Feb. 2009 - von Gert Redlich - Als es zu Beginn der 80er Jahre immer deutlicher wurde, daß im Ruhrpott mal die Schlote nicht mehr rauchen (werden), wurden mit aller Kraft zukunftsfähige Perspektiven oder machbare Auswege gesucht.

Eine Branche war neben dem (absehbar nicht mehr ganz so zukunftsträchtigen) Film zum Beispiel das Fernsehen. Doch wie bekommt man das Fernsehen nach Norden?

Man müsste also etwas ganz Besonderes anbieten.
Und HDTV war zu der damaligen Zeit absolut der "virtuelle" Renner. Es klang gut und progressiv. Aber Ahnung von der komplexen frühen HDTV Materie hatten die Entscheider wenig und die Verkäufer viel (wirklich viel?) und mit dieser Unkenntnis ließ sich herrlich wuchern.

Also machen wir mal ein gleich richtig großes HDTV fähiges Medienzentrum. Damit könnten wir in Zukunft auch dem Film Paroli bieten.

Man muß natürlich wissen, daß es im langsam abgewirtschafteten Ruhrpott bereits ab 1981 ein richtiges Hauen und Stechen zwischen den Nachbarn Köln, Dusiburg, Essen, Oberhausen und Düsseldorf und weiteren Anderen um die vermeintlich image- und ertragsstarken Firmen im Medienbereich gab. Kohle und Stahl war fast out, Medien waren in. Es gab da richtige Konkurrenz mit harten Bandagen. Eigentlich war sich jeder zunächst mal selbst der Nächste.

Machen wir mal ein Technologiezentrum für High Definition TV

Als 1988/89 der Planungsbeginn für das Oberhausener HDO-Technologiezentrum anfing, schien die Welt noch in Ordnung. Alle befragten und gefragten "Fachleute" waren der Meinung, ja, das ist der Renner für die nähere Zukunft.

BTS war bereits teilweise Philips
Es stand zwar überall nur vertraulich drauf, aber es war geheim.

Nach meiner Meinung hatte sich keiner dieser Fachleute, meist Politiker mit dem Geld der Bürger in der Tasche, wirklich schlau gemacht, was denn überhaupt für eine Technik in der Entwicklung war oder (erst) demnächst zur Verfügung stand. (Heute wissen wir die Wahrheit: Es war eine "analoge" HDTV Entwicklung "im Gange" !!, also noch lange nicht fertig.)

Inzwischen (2007) wissen wir von Professor Dr. Hausdörfer (dem Digital- Spezialisten) von der damaligen BTS / FESE (ab 1986 war BTS bereits eine halbe Philips Tochter), daß die ganze Fese HDTV Welt von der EU und dem BMFT (so hieß das damals) mit zig Millionen gefördert wurde, um die Machbarkeit der (überwiegend deutschen) hochauflösenden Fernsehtechnik auszuloten. Es war in allen (uns inzwischen komplett vorliegenden) Berichten an das BMFT immer von Versuchsstudien die Rede. Das Ganze war natürlich damals streng vertraulich bzw. geheim (also wirklich geheim), es sollte ja mal in richtig lukrative Patente und damit in einen Goldesel umgemünzt werden. (Das waren damals schon genau die windigen Geschäftsmodelle, bei denen nur noch Gewinne sprudeln und Geld nur noch hereingespült wird.)

Doch davon wurde den Entscheidern (und nicht nur den Oberhausenern) damals 1989/90 nichts mitgeteilt oder wenigstens mal ein Wink mit dem Zaunpfahl gegeben. Und die marschierten guten Mutes (mit ihrem volle Pulle Engagement und 100 Millionen in der Tasche) drauf los. Es gab sogar angeblich honorige glaubwürdige "Gutachten" über die Zukunftsfähigkeit von HDTV ("im Allgemeinen"). Und das war ja wiederum völlig korrekt und richtig, aber nicht mit der damals verfügbaren Technoligie. Man sieht es ja heute in 2008, was jetzt (erst) machbar ist.

Zur Erinnerung: die Randbedingungen damals 1990

Die KCH 1000 aus Darmstadt, ein absolut einmaliges Spitzenprodukt (zu seiner Zeit)

Also: das Fese HDTV war weltweit das absolut Feinste und Beste, das es jemals 1989 gab. Das ist auch so korrekt und gilt unbestritten heute noch.

Die BTS KCH 1000 Hightech-Kamera konnte 1250 Linien auflösen, das war der absolute Hammer und unübertroffen. Auch das edle Fujinon HD P14x16.6 Zoom-Objektiv war vom Allerfeinsten und konnte diese Qualität wirklich bis an die 3 Plumbikon Röhren bringen. Das Bildformat war auch bereits das 16:9 Format wie Heute.

Soweit die tollen wohlklingenden Eigenschaften, die immer wieder herunter gebetet wurden. Verschwiegen wurde die für damalige Zeiten gewaltige Datenmenge, die ja von der Kamera bis zum (Video-) Mixer und dann bis zur MAZ (=Magnetbandaufzeichnung) transportiert werden mußte.

Es war aber alles analog

Der HDTV 1" Recorder, weltweit einmalig (zu seiner Zeit)

Und die Daten-Kompresssion war zum damaligen Zeitpunkt bereits fundiert angedacht, aber bei weiten (noch) nicht technisch realisierbar.

Die Fese BCH 1000 MAZ (Bandmaschine) war ein gigantisches Wunderwerk, selbst heute noch völlig unbestritten, das feinste Bandgerät auf der ganzen Welt. Was die Darmstädter Ingenieure da auf 1" Band drauf bekommen und auch wieder runter bekommen hatten, das war einfach unglaublich.

Auch die HDTV Röhren-Monitore und der (analoge) HDTV Beamer waren unglaublich beeindruckend. Ich erlebte damals eine Führung durch die Fese mit einer HDTV Vorführung der Niagarfälle in HDTV, mit ca. 6m Bildbreite samt 4 Kanal Quadrofonie. Es war absolut beeindruckend, selbst für Ingenieure.

Aber Gedanken darüber, daß das alles ein Versuchs- oder Laboraufbau war, machte ich mir (auch!!) nicht. Alles von der gezeigten Technik sah sehr beeindruckend und technisch aus, war vornehm und edel und durch Samtvorhänge repräsentativ abgeteilt.

Man kann ihnen keinen Vorwurf machen, sie wurden vermutlich "hinters Licht" geführt.

Für Laien eine absolut beeindruckende HDTV Senderegie vom wirklich Allerfeinsten aus 1993

Heute haben wir gut reden, würden die betroffenen Eingeweihten von damals sagen, denn heute ist alles das öffentlich, das damals streng geheim war. Wollte man mit der geplanten oder erträumten Vereinfachung der Spielfimproduktion (elektronischer Schnitt) richtiges Geld sparen, so hatte man damals aber noch keinen Filmbelichter (= Filmrecorder), der das "filmische" HDTV Endprodukt (vom HDTV Magnetband) in dieser Qualität noch mal zurück auf Zelluloid bringen konnte.

Und richtige dicke große leistungsfähige HDTV Kinobeamer gab es auch nicht. Somit war der Misserfolg eigentlich vorprogrammiert. Es könnte sogar sein, daß man die Initiatoren hatte ins offene Messer laufen lassen, ist natürlich nur eine Vermutung. Damals waren 100 Millionen (DM !!) noch etwas wert, heutzutage (2009) passiert unter 100 Milliarden (Euro !!) gar nichts mehr, außer Staunen und Lächeln und Merkeln.

der unverwüstliche 35mm Film
der erste HDTV Ü-Wagen 1992 in Alberville
der dicke HDTV Sattelzug 1993

Damals spielte sich im gerade wieder auflebenden Kino immer noch alles auf (oder mit) 35mm Film ab. Und im Fernsehen hatte man ja in jedem Sender und fast jedem Studio ausreichend technische (PAL) Gerätschaften, um Fernsehfilm-Produktionen zu bestücken.

Später stellte sich dann heraus, daß die HDTV Magnetband- maschinen doch recht sensible Gesellen waren, eben absolutes Hightech vom Feinsten. Die eigentlichen HDTV Generalproben fanden übrigens erst 1992 bei den beiden Olympiaden in Albertville und Barcelona statt, also nicht bereits 1991 in Oberhausen.

Es funktionierte dann 1992 auch alles nach außen hin perfekt. Richtig dickes Lob kam aus der ganzen Welt nach Deutschland, die BTS HDTV Anlagen waren absolute Weltspitze. Alle Beteiligten aalten sich und sonnten sich im vermeintlichen Glanz des Erfolges.

Gesendet aber wurde diese Superqualität weltweit in den vorhanden NTSC, Secam und PAL Normen (mit dem sogenanntem Downconverter auf SDTV), denn "keiner" hatte HDTV Sender und "keiner" wollte "es" kaufen, das deutsche Super-HDTV, denn "keiner" hatte das Geld für diese europäische Vision zusammen bekommen bzw. genehmigt bekommen.

Und trotzdem ! - Es war ein(en) Versuch . . . . (wert !)

Forschungsprojekt Eureka'92
HDTV Bildregie 1992

Also: das (ca. 100 Milionen DM) Projekt scheiterte bereits kurz nach Beginn kläglich. Heute wissen wir (immerschlauen) Techniker, es mußte scheitern. Denn mit der damaligen Technik war die HDTV Spielfilm-Produktion nicht günstiger als eine 35mm Film-Produktion, oft sogar teurer und dazu viel komplizierter.

Der jeweilige "politische" Gegner suchte natürlich kramfphaft (und wie fast immer auch dillettantisch) nach Wahlkampfmunition gegen die damalige SPD Landesregierung. Aber was sind schon 100 Millionen DM (= 50 Millionen Euro), wenn in 2008 / 2009 in München mal locker 110 Milliarden Euro durch die Münchner Hypo Real Estate Bank verbrannt worden sind. Für einen Teil der 100 Millionen wurden wenigstens massenweise Leute beschäftigt, die nicht mal einen Bonus für besonders schnelles Baggern, Buddeln, Mauern oder Tischlern bekommen haben.

Selbst in 2001 werden über das HDO an den Unis im Ossiland immer noch dumme (also sehr schlecht recherchierte) Pamphlete mit "vergeudet" und "verschwendet" vorgtragen. Von der über Jahrzehnte verplemperten Ossiabgabe von "missverwendeten" mehreren 100 Milliarden Euro redet von da drüben natürlich Keiner.

Spieglein Spieglein an der Wand, wer verplempert das meiste Geld in unserem Land ?

Warum diese Technik noch nicht reif war

die erste Auslieferung einer BCH 1000 in 1988
die erste Auslieferung einer KCH 1000 in 1988
KCH 1000 Kamerakabel Buchse mit 6 Coax Leitungen innerhalb des kabels
absolutes Hightech, das Kopfrad des Gigabit Recorders DCR 6000 - Dieses Kopfrad hat insgesamt 34 aktive Köpfe (16xRecord, 16xPlay, 2xErase) und 2 Dummy-Köpfe
und hier "nur" 18 Magnetköpfe auf einem Kopfrad

Sicher hat sich diese HDTV Hochleistungstechnik als nicht so handhabbar gezeigt, wie es den Ingenieuren (und Künstlern z.B. Michael Pfleghar) gerne vorgeschwebt hatte. Die Verkäufer hatten das sowieso in ganz anderem (schillernden) Licht vorgetragen. Die Parallelen zur Magnetschwebebahn (und anderen Flops) sind absolut zutreffend. Super Technik, aber nicht ganz ausgereift und so eigentlich nicht verkaufbar.

Im Nachhinein (späte 90er Jahre) hatte man ja heraus- gefunden,
daß zur damaligen Zeit mit dem damaligen Super-HDTV auch gar keine Zuschauer hätten erreicht werden können. Denn: Wie bekomme ich (im Jahr 1992-98) einen analogen Gigabit HDTV Stream in dieser Qualität an die zig Millionen Fernseher der Bevölkerung ?

Heute redet jeder Hobby Camcorder Besitzer von seinem Gigabit Netzwerk Zuhause, über das er seine Hobby Filmchen auf seinen Gigabyte NAS Server kopiert. Da sind aber etwa 20 Jahre dazwischen und alle haben gelernt.

Für dieses analoge unkomprimierte HDTV
brauchte man 1992 Gigabit Glasfaserleitungen. Selbst das bundesweite Kabelfernsehnetz hätte diese Menge damals nicht verkraftet. Heutzutage werden die HDTV Bilder mit modernsten mathematischen Methoden (alle patentiert) digital komprimiert, die auch alle erst so ab 1998 reif wurden und zwar um den Faktor 10 und höher. Auch die Chip-Technologie war für diese Echtzeitkomprimierung und die zwingend erforderliche Dekomprimierung noch gar nicht verfügbar.

Es ist also (damals) richtige "schwarzgrüne" (jetzt sind wir wieder bei der Politik) Scheinheiligekit gewesen, dem damaligen Ministerpräsidenten Clemet (SPD) Vergeudung und Verschwendung von Steuermitteln vorzuwerfen. Die 500 Millionen DM, mit denen nämlich das gesamte Eureka HDTV Projekt europaweit von der EU gefördert wurde, sieht man geflissentlich nicht oder man veschweigt sie einfach.

Auf jeden Fall hat es (vielleicht auch nur anfänglich) seinen Zweck erfüllt
, das Machbare zu erkennen und andere weit teurere Fehlschläge zu vermeiden. Erfreulich für uns Hessen war, ein recht großer Teil dieser Summe ist in die Fernseh- Forschung der deutschen Darmstädter Fese/BTS Labors geflossen und natürlich auch zur Philips Mutter nach Breda in Holland.

Andere Mittel (der HDO Förderung) in offensichtlich nicht unerheblichen Größenordnungen
(also mehrere 10 Millionen) sind später schlichtweg versackt oder von angeblichen Rettern aus den USA und Israel abgezweigt (andere Quellen sagen geklaut) oder unterschlagen worden. Den NRW Landesrech- nungshof und die Finanz-Gerichte kann das vielleicht doch noch mal beschäftigen. Der Leiter, Initiator und Sponsor Michael Pfleghar hatte es auch nicht überlebt, er hatte sich - völlig verausgabt, von seinen politischen "Freunden" verlassen und damit finanziell und auch psychisch ruiniert - das Leben genommen. Bereits 1994 wurde zum ersten oder bereits zum zweiten Male Konkurs angemeldet (oder abgewendet?) und die BTS HDTV Technik wurde quasi ausgemustert und steht seitdem irgendwo in Oberhausen in einer Garage (sagt die Buschtrommel).

Mehr über das alte und neue HDTV findenSie im Bereich Technik und Wissen.
.

Wie man es auch sehen kann . . . .

Aus den sogenannten "gewöhnlich gut unterrichteten Kreisen" flossen natürlich alle Informationen jeweils mehr oder weniger wahrheitsgetreu an die Medien. Inzwischen ist das bei vielen Firmen dieser Art wie auch 2008 bei der TV-Studiofirma, der Magic Media Company (MMC) in Köln Gang und Gäbe. Da wird auch immer nur das lanciert, das gerade opportun die Auflage (oder die Quote) steigert.

So schreibt ein FOCUS-Korrespondent Karl-Heinz Steinkühler - ich zitiere einen kleinen Auschnitt:

"Nach der 100-Millionen-Pleite im Sommer 1998 (FOCUS 32, 51, 52/98 und 4, 26/99) ist der Neuanfang wieder nur durch Millionen-Spritzen der nordrhein-westfälischen Landesregierung möglich. Um neue Investoren in die Investitionsruine im Ruhrgebiet zu locken, schnürten die Düsseldorfer ein über 50 Millionen Mark schweres Paket: durch Verzicht auf Rückzahlung alter Fördergelder, Gewährung von außergewöhnlichen Bankbürgschaften und Zusicherung weiterer Fördermittel."

Im Januar 2010 stand der Artikel noch hier:
www.focus.de/kultur/medien/standort-nrw-geldmaschine-staatskanzlei_aid_178444.html

Schreibt er auch etwas genauso Negatives über die 110 Milliarden der Münchner Banken im Jahr 2009
und die 3 Milliarden der Nordischen Landesbank aus Schleswig Holstein oder die 8 Milliarden der IKB ?? Zumindest über die damalige HDTV Hightech Industrie berichtet ("schreibt") er meiner Meinung nach nichts fachlich Kompetentes bzw. nur Standardsprüche.

Fakt ist, daß dieses Zentrum entgegen allen Beteuerungen der Politiker und Betreiber den gestellten Aufgaben nicht (eigentlich nie) gerecht wurde oder (fairer Weise) nie werden konnte und weder einen Ertrag noch irgendwelche Gewinne gemacht hatte. Im Gegenteil sind mehrere Konkurse angemeldet worden. Selbst der Rechnungshof konnte 1993 außer den verlorenen Millionen keine juristisch verfolgbare Schuld(igen) finden. Und es gab da später bei den Heuschrecken sicherlich welche.
.

Facit bzw. Schlussfolgerung: Der Spruch der Sprüche .....

Gab es da nicht auch mal den klugen, aber provozierenden Spruch:

  1. Wer denkt, macht Fehler,
  2. wer arbeitet, macht auch Fehler.
  3. Wer also weder denkt noch arbeitet,
  4. der ........


Fatal.

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