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Eine Laudatio aus der KINO-TECHNIK Nr. 4/1952
"Zur Erinnerung an Emil Mechau"

Emil Mechau links

Am 19. April 1952 wäre Emil Mechau 70 Jahre alt geworden. Ein tragisches Schicksal hat seinem erfolgreichen Leben ein vorzeitiges Ende gesetzt. Im Juli 1945 verunglückte Mechau bei dem Versuch, eine russische Handgranate zu entschärfen, tödlich, überlebt hat ihn sein Werk, der Mechau-Projektor mit optischem Ausgleich der Bildwandemng.

Unter 200 deutschen Patenten für optische Ausgleichssysteme ist seine Maschine die einzige geblieben, die sich in der Wiedergabepraxis bewährt hat. Obgleich der Mechau-Projektor durch die Verbesserung der Malteserkreuzmaschinen nicht mehr seine ursprüngliche Bedeutung für die Kinotechnik besitzt, erfüllt er noch heute wichtige Aufgaben in der Fernsehtechnik, da er für diese Zwecke durch seine Projektion eines ununterbrochenen und intensitätskonstanten Bildes immer noch konkurrenzlos ist.

In Anerkennung seiner Verdienste um die deutsche Kinotechnik wurde Mechau im Jahre 1931 von der DKG geehrt durch die Verleihung ihrer höchsten Auszeichnung: der Meßter-Medaille. Weitere Schöpfungen Mechaus, die seinen Namen in die Geschichte der Optik und Kinotechnik eingehen ließen, sind der Fernsehlinsenkranz-Abtaster und die Olympiade-Fernsehkamera mit Objektiven mit Brennweiten bis zu 1500mm.
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Anmerkung : Auch hier kein Wort von Walter Bruch, der von Telefunken später als der Erfinder der Olympia Kamera "promotet" wurde. Wie auch an anderer Stelle geschrieben, kam der Name Walter Bruch von 1958/1960 - wenn überhaupt - nur sporadisch und in ganz anderen Zusammenhängen vor.

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Auszug aus seiner Biographie

Im Gedenken an diesen großen Kinopionier bringen wir aus seinem Nachlaß die erste Veröffentlichung eines Auszuges aus seiner Biographie.

„Ich wurde am 19. April 1882 in Seesen/Harz geboren. Von 1889 bis Ostern 1896 besuchte ich die Dorfschule in Brottewitz b. Mühlberg a, d. Elbe. Mein Vater, der als Siedemeister in der dortigen Zuckerfabrik tätig war, bestimmte mich zum Lehrer. Ich weigerte mich und begann Ostern 1896 in Liebenwerda die Mechanikerlehre bei der Firma Robert Maibuhr, später R. Reiss, die geodätische Instrumente herstellte. 1900 ging ich als Gehilfe nach Jena in die Astro-Versuchswerkstatt zu Carl Zeiss.

Drei Jahre später wurde ich mit dem wissenschaftlichen Mitarbeiter der Zeiss-Werke,
Prof. Dr. Siedentopf, bekannt und siedelte kurz darauf in sein Labor für optische Sonderaufgaben über. In ständiger Zusammenarbeit mit Prof. Siedentopf suchte ich jetzt die Lücken in meinem Wissen zu schließen. 1905 entließ mich mein Lehrer mit dem Zeugnis: In Mathematik und Physik reif für die Universität. Im Herbst 1905 wurde diese als Hörer bezogen. Versäumte Arbeitszeit bei Zeiss wurde abends nachgeholt. Am 31. Dezember 1909 verließ ich nach fast 10jähriger Tätigkeit das Zeiss-Werk.

Zur abgeschlossenen Beendigung meines Studiums fehlten mir noch je eine Vorlesung über Zahlentheorie und Differentialgleichungen. Im Januar 1910 begann dann meine Arbeit bei Ernst Leitz in Wetzlar als wissenschaftlicher Mitarbeiter, zunächst ohne festes Arbeitsgebiet. Ich wandte mich bald wieder meiner Lieblingsidee zu. Die erste Lösung gelang 1911.

Der Mechau-Projektor Modell I

Weihnachten 1912 lief das Modell I im Kaiserkino in Wetzlar, und von da an ununterbrochen bis Weihnachten 1913. Dieses Modell enthielt vier mit der Rotationsachse fest verbundene Spiegelpaare zum Ausgleich der Bildwanderung. Die ablenkende Wirkung war leider nicht dem Drehungswinkel der Rotationsachse, sondern dem Sinus desselben proportional. Aus diesem Grunde wurde der Film während einer Bildwanderung ungleichförmig gezogen. Die Anwendung der Spiegellampe wurde als nicht patentfähig angesehen, desgleichen die horizontale Lage der Filmtrommeln, die Bildeinstellung durch Drehung der Schaltrolle um ihre Achse, eingesetzte gehärtete Zähne in den Transportrollen, die Ausbildung des Kühlers als Linse und manche andere Einzelheit.

Beim Modell II betrug die relative Öffnung des Hauptobjektivs f : 2,1. Es wurde 1914 wieder im Kaiserkino aufgestellt. Ich spielte etwa 1 1//2 Jahre lang selbst den Vorführer, lernte den Theaterbetrieb und gewisse Mängel der Maschine kennen. Während des Krieges reiften neue Ideen heran. Mit ihnen wurde die Forderung des idealen optischen Ausgleichs fallengelassen, eines Ausgleichs, der nur rotierende, aber keine schwingenden Teile kennt.

Der Mechau-Projektor Modell III

Auf dieser neuen Grundlage entstand während des Krieges Modell III. Am 10. November 1918 zog ich den ersten Strich zur Konstruktion des sogenannten Spiegelwerkes. Kurven-, Schleif- und Kontrollmaschinen wurden gebaut. Justiergeräte und Spezialmaschinen zum Schleifen der Zahnräder entstanden. Am 14. Oktober 1921 erfolgte die Aufstellung des ersten verkauften Musters in der Schauburg in Münster in Westfalen.

Am 19. April 1922 wurde die Ernst Leitz Kinowerk GmbH., Rastatt, gegründet. Eine fabrikatorisch arbeitsreiche schwere Zeit begann. Die Inflation machte die Lage nicht besser. Ein überaus scharfer Konkurrenzkampf setzte ein, wobei immer wieder die Ausführungsmängel der ersten Maschine von der Konkurrenz angeführt wurden. Das Modell III war z. B. nur für etwa 30 Bildwechsel maximal vorgesehen. 50 wurden aber gefahren. Es lag auf der Hand, daß dadurch Fehler auftreten mußten. Am 29. November 1925 fuhr ich mehrere Monate nach USA. Die beiden mitgenommenen Maschinen wurden den dortigen Erfordernissen angepaßt und verkauft.

Nach meiner Rückkehr Mitte August 1926 wurde Modell III in Modell IV umgebaut. Das Spiegelwerk wurde auf schwache Stellen systematisch untersucht und abgeändert. Die Zahnrolle unter dem Bildfenster wurde höhergelegt und ein wesentlich besseres „Stehen" des Bildes erzielt. Endlich hörten die berechtigten Beanstandungen, die das Prinzip des optischen Ausgleiches hätten in Frage stellen können, auf. Die gestellte Aufgabe konnte als gelöst betrachtet werden. Eine andere Frage war es freilich, ob sich die Aufgabe nicht billiger lösen ließe."

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