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Emil Mechau - Teil 2
Die Allgemeine Elektrizitäts Gesellschaft

Die Übergabeverhandlungen der Leitz Kinofabrik in Rastatt mit der AEG finden mit den entsprechenden Vertragsabschlüssen Ende Juni 1929 ihre Endgültigkeit.

Mechau ist sicher nicht glücklich darüber, seine bisher genossene Freiheit, alle Entscheidungen, von der Entwicklung bis hin zum Verkauf, im Alleingang treffen zu können, zu verlieren. Er wird nun wieder ein Angestellter, und zwar bei den Apparatefabriken Berlin-Treptow (AT) der AEG.

Seine neue Position ist Chefkonstrukteur, was er vergeblich zu ändern versucht. Seine Abteilung ist nun verwaltungsmäßig ein Teil der Kinofabrik und damit untersteht er deren Geschäftsführung. In einer Entgegnung der AEG auf seine Bitte um Klarstellung heißt es . . . . .

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  • Die Organisation der AEG ist im allgemeinen derart und auch in dem vorliegenden Falle [auf Mechau bezogen] so gedacht, dass die Richtlinien der Entwicklung durch direkte Fühlungnahme der leitenden Herren der Entwicklungs-Abteilungen mit der Fabriken Oberleitung, und, soweit Bewilligungen von Geldmitteln infrage kommen, unter Hinzuziehung der kaufmännischen Fabrikdirektion, getroffen werden. Die Bezeichnung Chefkonstrukteur für die Leiter der Entwicklungsabteilungen ist für die vorstehend skizzierte Stellung ebenfalls gebräuchlich.

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Mechau ist bei der AEG nur noch Chefkonstrukteur

Mechau 1930

Es ist also damit klargestellt, dass Mechau als Chefkonstrukteur lediglich verantwortlich für seine Entwicklungsabteilung ist. Nach zwanzig Jahren rastlosen Einsatzes als Erfinder und Konstrukteur seines Mechau Projektors und der für die Fertigung erforderlichen Spezial-Werkzeugmaschinen und -einrichtungen, in seiner Freizeit in Wetzlar sogar als Kinooperateur, auch maßgeblich mitwirkend bei Werbung und Verkauf seiner Projektoren und dann später Geschäftsführer und Partner im Kinowerk Rastatt, ist das ein harter Schlag. Denn bisher konnte man überall seine ‚Handschrift’ sehen, jetzt muss alles in der bürokratischen Atmosphäre einer Großfirma, nach den dort festgelegten Regeln abgewickelt werden.

Rastatt wird nach Berlin umgesiedelt

Nachdem die üblichen Schwierigkeiten einer solchen komplexen Übersiedelung von Einrichtungen und Mitarbeitern von Rastatt nach Berlin-Treptow überwunden sind bleibt ihm nichts anderes übrig, als die diktierten Bedingungen zu akzeptieren. Er ist nun Angestellter der AEG mit einem monatlichen Gehalt von RM 1.500.-, außerdem, wie es in seinem Anstellungsvertrag heißt,
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  • ... mit einem Anteil am Umsatz der Kinofabrik von 0,75%, wobei als Umsatz die Lieferungen der Fabrik an das Versandlager in Fertigfabrikaten nach Maßgabe der Zusammenstellungen der Selbstkosten (Meldepreis) gelten.


Es heißt da weiter,

  • Ihre Bedenken dürften durch vorstehende Ausführung wohl gegenstandslos sein. Sonderabkommen für einzelne Entwicklungsgebiete über die Dauer Ihres Anstellungs-Vertrages hinaus können wir nicht treffen. Um Missverständnisse zu vermeiden, machen wir ausdrücklich darauf aufmerksam, dass Sie selbstverständlich Ihre Arbeitskraft auch der Entwicklung eines Kleinkinos widmen müssen, sofern wir uns für die Entwicklung der Fabrikation eines derartigen Apparates entschließen sollten.

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Kein so richtiger Wilkommensgruß von der AEG

Der Stil, wie auch der Inhalt des Vertrags lassen keinen Willkommensgruß für Emil Mechau erkennen, sondern eher eine preußisch-harte, bürokratische Formalität.  Es ist jedenfalls ein schwerer Dämpfer für seinen bisher unentwegt sprühenden, Freiheit liebenden Erfindergeist, der sich doch durch die Großzügigkeit von Ernst Leitz in Wetzlar und Rastatt so fruchtbar entfalten konnte.

1931 - Verleihung der Oskar-Messter-Medaille

Einen Höhepunkt besonderer Art in Emil Mechaus Leben ist die Verleihung der höchsten Auszeichnung, die die Deutsche Kinotechnische Gesellschaft zu vergeben hat, der Oskar-Messter-Medaille. Diese Auszeichnung gibt ihm endlich die wohlverdiente öffentliche Anerkennung für sein bisheriges Lebenswerk, das er unbeirrt verfolgt und schließlich konkurrenzlos in die Tat umgesetzt hat, den optischen Ausgleich der Bildwandlung.

Das Vorrecht eines Genies, Eigenheiten haben zu dürfen,
beansprucht Emil Mechau in vollem Maße. Eine besonders ausgeprägte Eigenart ist seine unerbittliche Abneigung gegen Auszeichnungen jeder Art. So verweigert er schon bei Leitz in Wetzlar im ersten Weltkrieg die Annahme des zivilen Kriegs-verdienstkreuzes für seine Konstruktion eines neuen Zielfernrohrs. Seinem engeren Mitarbeiterkreis ist auch bekannt, dass er die wohlverdiente Verleihung der Würde eines Dr. Ing. h. c. einer süddeutschen Universität ausschlägt. Weniger bekannt ist, unter welchen Umständen Mechau 1931 Träger der Oskar-Messter-Medaille der Deutschen Kinotechnischen Gesellschaft wird.

Einer seiner engeren Mitarbeiter erinnert sich, als eines Tages Professor Lehmann, der Vorsitzende der Gesellschaft, Mechau in seiner Wirkungsstätte bei der AEG besucht und sich von ihm über seine Konstruktionspläne berichten lässt. Prof. Lehmann versteht es, Mechau auch für seine eigenen Entwicklungsprobleme zu interessieren und es gelingt ihm, die Zusage zu seiner Mitarbeit zu gewinnen. Nun fällt es Mechau schwer, sich vor der Annahme der Oskar-Messter-Medaille zu sträuben. Es kann Zufall sein, dass nach der Auszeichnung nie wieder von der verabredeten Zusammenarbeit gesprochen wird. Mechau hat später lächelnd zugegeben, dass er in diesem Falle von einem Gewitzteren überspielt worden ist.

Ein Festakt mit viel Lob

Am 9. März 1931 wird Emil Mechau in einem Festakt der Deutschen Kinotechnischen Gesellschaft in Berlin mit der Verleihung der Oskar-Messter- Medaille geehrt. Der Vorsitzende der D.K.G., Professor Dr. Lehmann hält die Festrede:

  • Ich habe die Ehre und Freude, Ihnen mitteilen zu dürfen, dass die Messter-Medaille, die von der D.K.G. anlässlich des 60. Geburtstages unseres verehrten Herrn Oskar Messter für besondere Zwecke um die Kinematographie gestiftet wurde, auf einstimmigen Beschluss des Vorstandes unserer Gesellschaft Herrn Emil Mechau verliehen worden ist.

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Dr. Lehmann würdigt in seinen Ausführungen das zwanzigjährige Ringen Emil Mechaus, den optischen Ausgleich in die Tat umzusetzen. Er nennt es einen merkwürdigen Zufall, dass gerade der Name Messter auch innig mit der Erfindung Mechaus verknüpft ist. Denn es war Messter, der 1909 dem jungen Mechaniker die Anregung für den optischen Ausgleich gab. Unter den vielen patentierten und nicht patentierten Erfindungen Mechaus hebt er als eines der Verdienste noch ganz besonders seine Erfindung der Spiegellampe hervor, die fortan ihren Siegeszug in der Kinoprojektion antritt. Sie bewirkt in hervorragender Weise die überraschende Helligkeit des Bildes.

Den Ausgleichmechanismus des Mechau Projektors betreffend führt Dr. Lehmann weiter aus,

  • Dass die Praxis es als notwendig erwies, entweder zwei getrennte vor und hinter dem Film befindliche ideale Ausgleichvorrichtungen zu benutzen oder bei einer einzigen vor und hinter dem Film schwingenden, durch Kurven gesteuerten und doppelt bewegten Augleichelemente anzubringen. Praktische Gründe führten zu der Durchführung der zweiten Möglichkeit, die im Modell 3 realisiert wurden, das im Jahre 1921, also gerade jetzt vor zehn Jahren, an die Stelle des Modells 2 im Lichtspielhaus Wetzlar trat, während das alte Modell in das Deutsche Museum in München wanderte.


Er fährt fort,

  • Wenn wir Ihnen, Herr Mechau, heute die Messter-Medaille als Zeichen der höchsten Anerkennung, das unsere Gesellschaft zu vergeben hat, überreichen, so können Sie auf ein abgeschlossenes Werk von zwanzig Jahren zurückblicken, das durch Arbeit und Kampf zu einer technischen Lösung geführt hat, die trotz der vielen gleichlaufenden Bestrebungen bisher nirgends und von keiner Seite übertroffen worden ist.

    Und wenn es auch in der Technik keinen Stillstand gibt, und wenn auch vielleicht über kurz oder lang Sie selbst     oder ein Anderer uns den theoretisch idealen Ausgleich in der Praxis bescheren wird, so werden Sie, Herr Mechau, stets derjenige gewesen sein, der - allen anderen um Jahrzehnte voraus - unserer Technik neue Wege gewiesen und gerade im Zeitalter des Tonfilms und der Bestrebungen zum Fernübertragen von Laufbildern [Fernsehen] unübersehbare Möglichkeiten eröffnet hat.


Dr. Lehmann schließt seine Festrede mit den Worten,

  • Ich bitte Sie, die Medaille aus der Hand des Herrn Messter entgegennehmen zu wollen und Ihnen meinen herzlichsten und aufrichtigsten Glückwunsch aussprechen zu dürfen.

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Eigentlich ist Emil Mechau ganz oben angekommen

Mechau (weißer Pfeil unten Mitte) im Kreis seiner Rastatter Mitarbeiter

Die Verleihung der Messter-Medaille wird nicht nur in der einschlägigen Fachpresse publiziert, sondern auch im Rundfunk und in der Tagespresse verbreitet.

Mir Genugtuung kann Emil Mechau feststellen, dass keiner seiner zahlreichen Mitbewerber um die Lösung des Filmausgleichs bei der Kinoprojektion bisher über den vorführtechnischen Status seines ersten Modell 3 Projektors hinausgekommen ist, das er bereits vor nunmehr zehn Jahren in Münster persönlich aufstellte. Unter zweihundert deutschen Patenten für optische Ausgleichssysteme ist seine Maschine die einzige geblieben, die sich in der Wiedergabepraxis bewährt hat.

Wie aus Patentveröffentlichungen zu entnehmen ist, wird von einigen Seiten immer noch versucht, gegenüber der Mechau’schen Kompromisslösung, wie er sie selbst in seiner Bescheidenheit bezeichnet, den wirklich idealen Ausgleich zu finden. Zurückblickend stellt er 1931 in seinen Aufzeichnungen fest: Vielleicht kommt der ideale Ausgleich einmal auf dem Wege über einen rechnenden Optiker zustande.

Im Kreis seiner Mitarbeiter, von den 38 sind 34 alte Rastatter, feiert Emil Mechau am folgenden Sonnabend die Ehrung im Hotel Rodower in Niederschönewalde. Er übernimmt selbstverständlich alle Kosten für die Feier, einschließlich Reise und Unterkunft für seine Gäste.

Mechau war ein wirklicher "Team-Worker"

Mechau Projektor „Modell 13“

Da sind sie nun alle noch einmal beisammen, die in jahrelanger Gemeinschaft den Mechau Projektor zu dem gemacht haben, wofür sein Erfinder diese öffentliche Anerkennung erhalten hat. Jeder der Anwesenden hat mit seiner Arbeit zum Gelingen beigetragen, das bringt Mechau nicht durch lange Reden, sondern durch das kameradschaftliche Beisammensein an diesem Abend zum Ausdruck. Obwohl der Projektor seinen Namen trägt, lässt er keinen Zweifel daran, dass jeder der Anwesenden auf seinem Platz zu diesem schönen Erfolg beigetragen hat.

Epilog zum Thema Mechau Projektor

Obwohl es etwas verfrüht erscheint, schon jetzt ein Schlusswort zum Mechau Projektor zu schreiben - denn dieser Projektor überlebt seinen Erfinder noch für mehr als zwei Jahrzehnte - wie wir noch sehen werden. Mit der Verleihung der Messter Medaille kommt das Thema jedoch zu einem gewissen Abschluss, und das ist die rechte Zeit, Emil Mechaus ausführliche und leicht zu verstehende Funktionsbeschreibung seiner Erfindung als Paraphrase hier einzufügen.

Wie der Mechau Projektor funktioniert

Damit ein Wandelbild zustande kommt genügt es bekanntlich, wenn dem Auge in schneller Reihenfolge ruhende Bilder vorgeführt werden, von denen jedes ein Objekt in einer etwas veränderten, der vorhergehenden zeitlich und räumlich folgenden Stellung zeigt. Die zeitlichen und räumlichen Unterschiede dürfen nur nicht zu groß werden. Es genügt erfahrungsgemäß zur guten Wiedergabe von Bewegungsvorgängen des gewöhnlichen Lebens, wenn das Geschehen einer Minute in etwa tausend Momentbildern festgehalten wird. Das Produkt dieses Vorgangs ist unser heutiger Film.

Auf diesem geschilderten Grundgedanken beruhen bekanntlich alle Kinoprojektoren zur Darstellung von Wandelbildern. Die beiden Hauptgruppen unterscheiden sich voneinander zunächst durch die Fortbewegung des Films im Bildfenster. Man könnte sie kurz als „Intermittierende“ und „Permanent Projektoren“ bezeichnen. Bei Apparaten der ersten Gruppe werden die aufeinander folgenden Bilder des Films in einer wirklichen Ruhestellung dem Auge dargeboten, der Übergang von Bild zu Bild, d.h. der Bildtransport bleibt dem Auge vollkommen verborgen.

In Malteserkreuz und Flügelblende hat dieser Vorgang heute (1924) allgemein technische Verwirklichung gefunden. Bei den Permanent Projektoren dagegen werden die Bilder nicht mehr in der Ruhestellung des Films, sondern während einer ununterbrochenen Fortbewegung projiziert. Eine teilweise oder vollständige Abdeckung dieses ständigen Filmtransports durch eine Flügelblende hat daher keinen Sinn mehr. Dagegen wird eine optische Einrichtung erforderlich, die von den ununterbrochen wandernden Bildern ruhende Abbilder auf dem Projektionsschirm erzeugt. Denn ohne eine derartige Einrichtung würde auf dem Schirm ebenfalls eine fortwährende Bildwanderung auftreten, wie sie z. B. bei Lichtbildvorträgen im langsamen Lauf während des Diapositivwechsels zu beobachten ist.

Eine solche Vorrichtung zum optischen Ausgleich der Bildwanderung soll der Kürze halber von jetzt an im Text „Kompensator“ bezeichnet werden. Die Arbeitsweise beruht auf der Eigenschaft optischer Teile wie Spiegel, Prismen, Linsen, Lageveränderungen eines Lichtbüschels, auch solche, die ein von einem Objektiv erzeugte Bilder hervorzurufen, wenn den optischen Teilen selbst eine Lageveränderung erteilt wird. Das einfachste Beispiel hierfür ist ein hin- und herbewegter Taschenspiegel, mit dem Sonnenstrahlen auf eine Wand projiziert werden. Der Ausgleichsvorgang lässt sich auf einfache Weise mit Abbildung 1 erklären.

Nimmt ein beliebiger Punkt eines Filmbildes in der Filmbahn a der Reihe nach die Lagen 1, 2, 3 und der Spiegel c in Abhängigkeit von dieser Wanderung die Stellungen 1’, 2’, 3’ ein, so liegt das Abbild dieses Bildpunktes unbeweglich auf dem Projektionsschirm bei f, die Bildpunktwanderung ist optisch aufgehoben. Dasselbe gilt auch für ein ganzes Filmbild.

Um die Wanderung des nächsten Bildes auszugleichen, ist es nahe liegend, den Spiegel c schnellstmöglich in die Ausgangslage zurückzubringen und ihn dann die gleiche Drehung wie beim vorhergehenden Bild ausführen zu lassen usw. Das Ziel des optischen Ausgleichs wäre jedoch hierdurch nur halb erreicht, denn es müsste der Rückweg des Spiegels wegen des in diesem Augenblick vollständig aufgehobenen Ausgleichs der Bildwanderung wiederum durch eine Blende verdeckt werden. Richtiger, wenn auch schwieriger, ist es deshalb, den Spiegel nach erfolgtem Ausgleich ebenso wie das Filmbild aus dem Strahlengang zu entfernen und zugleich mit dem zweiten und dritten Bild einen zweiten und dritten Spiegel usw. in der Anfangslage an seine Stelle treten zu lassen, von denen jeder dann dieselbe Bewegung wie der erste auszuführen hätte.

Dann ist eine Blende nicht mehr erforderlich, denn ein jeder Spiegel kann in diesem Fall lückenlos dem vorhergehenden folgen und den Rückweg in die Ausgangslage außerhalb des Strahlenbüschels zurücklegen. Der Rückweg kann auf sehr verschiedene Weise stattfinden und im Beispiel gemäß Figur 1 etwa in der Art erfolgen, dass mehrere Spiegel c um eine gemeinsame Achse h ohne Zwischenräume gruppiert und dann um diese Achse gedreht werden. Alle Spiegel würden dann neben der Rotation auch noch eine Kippbewegung ausführen.

Wie leicht einzusehen ist, tritt bei jedem Bildwechsel einmal der Fall ein, dass eine Zeitlang Teile von zwei Spiegeln, und zwar von einem eintretenden und einem austretenden, sich zugleich im Lichtbüschel befinden.

Das hat zur Folge, dass dann auch zwei Filmbilder abgebildet und beleuchtet werden müssen, denn zu dem eintretenden Spiegel gehört auch ein eintretendes und analog zu dem austretenden Spiegel auch ein austretendes Filmbild oder umgekehrt.

Hier steht der Konstrukteur vor einer Entscheidung, die für seine weitere Arbeit bestimmend ist. Er muss sich entscheiden, ob er seinen Projektor so bauen will, dass beim Bildwechsel benachbarte Filmbilder räumlich und zeitlich nacheinander oder gleichzeitig auf dem Projektionsschirm gesehen werden sollen. Den ersten Fall zeigt Figur 2, den zweiten Fig. 3. Beide Figuren stellen den Projektionsschirm dar, und zwar soll die senkrechte Schattierung das Abbild des in das Bildfenster tretenden, die waagerechte das des austretenden Filmbildes bedeuten.

Bei einem Bildübergang nach Fig. 2 liegen die Abbilder von Teilen benachbarter Filmbilder in gleicher Helligkeit auf dem Projektionsschirm nebeneinander und bei jedem Bildwechsel wandert eine horizontale, beide Teile trennende Linie l-m über den Projektionsschirm, so dass die Höhe des eintretenden Abbildteils allmählich zu-, die des austretenden dagegen um genau den gleichen Betrag abnimmt. Die einzelnen Bildhöhen sind veränderlich, aber ihre Summe und die Helligkeit jedes einzelnen Abbildes bleiben konstant.

Bei einem Bildübergang nach Fig. 3 dagegen tritt eine die Bilder trennende Kante auf dem Projektionsschirm nicht auf. In diesem Fall überlagern sich das Abbild des eintretenden und das des austretenden Filmbildes in voller Ausdehnung so, dass z. B. die Abbilder unbewegter Gegenstände genau auf ein und dieselbe Stelle des Projektionsschirms fallen, während die Abbilder bewegter Objekte sich nicht vollkommen überdecken, sondern um den Bewegungsunterschied zwischen zwei Zeitmomenten verschieden sind. Das Abbild des austretenden Filmbildes verliert hierbei während des Bildübergangs an Helligkeit so viel, wie das eintretende gewinnt. Im Gegensatz zu vorhin ist die Helligkeit und die Höhe jedes Abbildes konstant.

Daraus ergibt sich für den Betrachter zwischen beiden Übergangsarten folgender Unterschied: Nach Fig. 2 erfolgt der Wechsel zwischen aufeinander folgenden Bildpunkten vollständig plötzlich, ähnlich wie bei den Blendenapparaten,  weil in dem Augenblick, wenn die Trennkante über einen betrachteten Bildpunkt hinweg gegangen ist, der nächste sofort an seine Stelle getreten ist. Nach Fig. 3 dagegen werden aufeinander folgende Bildpunkte während einer gewissen Übergangszeit, die der Konstrukteur bestimmen kann, gleichzeitig gesehen, wobei durch Helligkeitswechsel ein allmähliches Übergehen, ein Verschwimmen des einen Bildpunktes in den anderen stattfindet, etwa so, wie es langsamer bei Darstellungen von Traum Erscheinungen im Wandelbild erfolgt, bei denen das Traumbild allmählich im anderen erscheint und dann wieder allmählich verschwindet (Transition).

Aus verschiedenen Gründen hat sich Mechau schon bei seinem ersten Modell im Jahr 1911 für einen Übergang gemäß Fig. 3 entschieden. Daraus ergibt sich nun ein Bildfenster, in dem mindestens zwei Filmbilder beleuchtet und abgebildet werden können. Würde dies nun in der bisher üblichen Weise geschehen, so müsste die verfügbare Lichtmenge auf eine mehr als doppelt so große Fläche als bei Blendenapparaten verteilt werden und damit ein erheblicher Lichtverlust eintreten, der den Lichtgewinn infolge der weggefallenen Flügelblende wieder aufheben würde. Außerdem müsste das Lichtbüschel im Bildfenster an allen Stellen, die ein beliebiger Filmbildpunkt durchwandert, von genau gleicher Helligkeit sein, denn im anderen Fall erscheinen die einzeln betrachteten Lichtpunkte auf dem Schirm in schnell wechselnder Helligkeit und die Folge wäre ein Flimmern.

Diese Nachteile ließen den Gedanken aufkommen, das zu beleuchtende Lichtbüschel im Bildfenster ebenso zu bewegen wie den Film, weil dann nur eine Fläche von der Größe eines einzigen Filmbildes beleuchtet zu werden braucht, d. h., ein Lichtgewinn gegenüber vorher von etwa 100% die Folge ist. Für diesen Zweck konnte ebenfalls ein so genannter „Kompensator“ benutzt werden, denn er braucht zwischen Film und Lichtquelle nur umgekehrt eingeschaltet zu werden. Diese zweite Vorrichtung wird zum Unterschied von der anderen zweckmäßig als „Analysator“ bezeichnet. Analysator und Kompensator sind daher ganz allgemein ähnliche, nur entgegengesetzt wirkende optische Einrichtungen; die eine erzeugt vor dem Film eine Bildwanderung, die andere hebt eine solche Bildwanderung auf der anderen Seite des Films wieder auf.

Es bedeutet jedoch eine wenig wirtschaftliche Verwendung technischer Mittel, Kompensator und Analysator als getrennte Einrichtungen verwenden zu müssen, umso mehr, da jede dieser Einrichtungen naturgemäß nur unwirtschaftlich benutzt werden kann, insofern nämlich, als die optischen Teile sich nur ganz kurze Zeit im Strahlenbüschel befinden können und den größeren Teil der Zeit zum Rückweg in die Anfangsstellung brauchen. Dies ließ den Gedanken aufkommen, die von Analysator und Kompensator zu erfüllenden Aufgaben einer einzigen Vorrichtung mit bewegtem optischem Teil zuzuweisen. Eine solche Zusammenfassung bereitet jedoch erhebliche Schwierigkeiten. Beim Mechau Projektor z. B. ist sie durch die Verwendung einer achtteiligen Spiegelscheibe mit neuartiger Spiegelrückführung gelungen.

Trotz größter Sparsamkeit und Wirtschaftlichkeit in der Verwendung technischer Mittel ist jedoch das Prinzip des kontinuierlich bewegten Films und des dazu gehörigen optischen Ausgleichs nicht in der einfachen und verhältnismäßig billigen Weise, wie das des ruckweise bewegten Films, zu verwirklichen. Man muss sich daher bei diesen Maschinen leider mit höheren Herstellungskosten abfinden, zumal die Lösung eine Präzision der Herstellung verlangt wie sie bisher in der Kinematographie nicht üblich war. Vollkommenere Lösungen bedingen eben einen größeren Aufwand technischer Mittel. Um den Preis jedoch erträglicher zu gestalten, ging das Streben beim Mechau Projektor dahin, mit geringen Mehrkosten eine wesentlich höhere Lebensdauer der Maschine zu erzielen, als sie bisher bei ruckweisem Filmtransport erreicht werden konnte. Dies war um so leichter möglich, als ruckweise bewegte, stark dem Verschleiß unterworfene Teile nicht verwendet werden brauchten und es gelungen war, beim Mechau Projektor alle Bewegungen auf langsame Drehungen zurück zu führen.

Die Optik im Mechau Projektor

Der Krater der positiven Kohle wird vom Metallhohlspiegel c und dem   Wasserkondensor d zunächst auf dem Vorfenster e entworfen, und wird dort rechteckig begrenzt und dann in die Filmbahn abgebildet. Das Bild des Vorfensters bedeckt hier gerade ein Filmbild. Von Beiden erzeugt das Projektionsobjektiv e zunächst ein Bild im „Unendlichen“ und des Teleobjektiv m dann ein Bild auf dem Projektionsschirm.

Das Projektionsobjektiv ist immer dasselbe, das Teleobjektiv dagegen erhält verschiedene Brennweiten zur Herstellung verschiedener Vergrößerungen. Die verschiedenen Neigungen des Lichtbüschels bei höher oder niedriger liegenden Projektionsschirmen werden durch entsprechende Einstellung des Projektionsspiegels n erzielt. Um Diapositive zu projizieren, wird der Tauchspiegel r und das Hohlglas s in die Wasserküvette eingeklappt und der Projektionsspiegel n ganz umgelegt. Werden die Sektorenspiegel g um q in Drehung versetzt, so schalten sie sich einmal unten auf der Analysatorseite und einmal oben auf der Kompensatorseite in den Strahlengang ein und dann wieder aus.

Dabei werden die Sektorenspiegel unten in den Kugelgelenken gerade noch so gekippt, dass das Abbild des Vorfensters in der Filmbahn genau mit dem Filmbild von oben nach unten wandert. Oben dagegen ist die Kippung in den Kugelgelenken eine umgekehrte, so dass die Wanderung beider Bilder wieder aufgehoben ist. Außerhalb des Strahlengangs erfolgt die Kippung der Spiegel so, dass sie vor dem Eintritt in den Strahlengang wieder in der Ausgangsstellung stehen.
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Die Bildübergang beim Mechau Projektor

Es bedeuten:

Fig. 5A — 8A: Die achtteilige Spiegelscheibe in verschiedenen Stellungen. Die schraffierten Ellipsen bezeichnen die auf der Analysatorseite vom Strahlenbüschel getroffenen Stellen. Die Punkte in den Spiegeln bedeuten die hinter den Spiegeln liegenden Kugelgelenke p.

Fig. 5B — 8B: Das Bildfenster mit den Abbildern des rechteckigen Vorfensters, hinter denen Filmbilder anzunehmen sind.

Fig. 5C — 8C: Die achtteilige Spiegelscheibe in verschiedenen Stellungen. Die schraffierten Ellipsen bezeichnen die auf der Kompensatorseite vom Strahlenbüschel getroffenen Stellen. Die Punkte in den Spiegeln bedeuten die hinter den Spiegeln liegenden Kugelgelenke p.

Fig. 5D — 8D: Projektionsschirm. - Das Lichtbüschel trifft die dargestellten Teile in der Reihenfolge von oben nach unten.

Erste Phase.

Fig. 5A — 5D: Es befindet sich auf jeder Seite des Films nur ein Spiegel im Strahlenbüschel, und der Bildwechsel hat noch nicht begonnen. Im Bildfenster wird daher nur ein Filmbild beleuchtet und infolgedessen ist auf dem Projektionsschirm auch nur einziges Bild zu sehen. Die Bildhelligkeit auf dem Bildschirm hat den Wert J = 1.

Zweite Phase.

Fig. 6A — 6D: Infolge der Drehung der Spiegelscheibe tritt auf jeder Seite des Films noch ein zweiter Spiegel in das Strahlenbüschel ein. Der Bildwechsel beginnt. Im Bildfenster ist dann außerdem noch ein zweites Filmbild beleuchtet. Beide Bilder wandern etwas nach unten und werden, sich überlagernd, auf dem Projektionsschirm abgebildet. Die Bildhelligkeit des ersten Bildes hat jedoch nur noch den Wert J1 = 3/4, die des neu eintretenden Bildes dagegen erst J2 = 3/4  . Ihre Summe ergibt J = 1.

Dritte Phase.

Fig. 7A — 7D: Der Bildwechsel schreitet weiter fort. Vor und hinter dem Spiegel befinden sich je 2 Spiegel zur Hälfte im Strahlengang, das Abbild des Vorfensters und die beiden Filmbilder mitten im Bildfenster. Die Helligkeit auf dem Projektionsschirm hat jetzt bei jedem den Wert J = 1/2.

Vierte Phase.

Fig. 8A — 8D: Der eine Spiegel ist im Begriff auszuscheiden. Damit nähert sich die Beleuchtung des ersten Filmbildes und somit der erste Bildwechsel seinem Ende. Die beiden beleuchteten Filmbilder im Bildfenster sind inzwischen ganz nach unten gewandert. Die Bildhelligkeit des ersten Projektionsschirm hat nur noch den Wert J1 = 1/4, die des zweiten Bildes dafür einen Wert von J2 = 3/4.
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In der nächsten Phase wiederholt sich der in 5A — 5D beschriebene Prozess von neuem usw.

Um den Strahlenverlauf der einzelnen Teilbüschel deutlicher zu machen, wurde Zusammengehöriges gleichgerichtet schraffiert. Um die verschiedenen Helligkeiten besser hervortreten zu lassen, wurde die Dichtigkeit dieser Schraffierung verschieden gewählt. Größere Dichte und somit größere Schwärze sind gleichbedeutend mit größerer Strahlendichte, d. h. mit größerer Lichtintensität.

Das eigentliche Projektorwerk, d.h. das große runde Gehäuse mit allen Anbauten, nimmt im Rahmen der ganzen Maschine dieselbe Stelle ein, wie der Mechanismus bei den Blendenapparaten mit Malteserkreuz. Es bildet den wichtigsten Teil und ist auswechselbar.

Im Projektorwerk ist beim Mechau Projektor das so genannte Spiegelwerk untergebracht. Es ist diejenige Einrichtung, die den Sektorenspiegeln die erforderlichen Bewegungen erteilt. Die einzelnen Spiegel der achtteiligen Scheibe besitzt aus Gründen der besseren Haltbarkeit Rückflächenversilberung; sie mussten deshalb als Planparallelspiegel ausgebildet sein. Die Spiegel sitzen in Kugelgelenken an einem sternartigen Körper, der auf einer mit der Gehäusemitte ungefähr zusammenfallenden Rotationsachse befestigt ist. Letztere ist oben im Deckel und unten im Gehäuseboden sicher gelagert.

Am Boden des Gehäuses befindet sich ein weiterer sternartiger, ebenfalls rotierender Körper mit acht Kurven. Jeder der Spiegel steht durch ein Gestänge mit einer solchen Kurve in Verbindung und erhält dadurch außer der Rotation um die gemeinsame Achse noch eine zweite, schwingende Bewegung, die sowohl die Wanderung des Vorbildes in der Filmbahn als auch den Ausgleich der Bildwanderung herbeiführt, und zwar wegen der Verschiedenartigkeit der einzelnen Filme zunächst nur für ein einziges Filmfabrikat.

Um dem Ausgleich für alle Fabrikate Rechnung zu tragen, lässt sich die Größe der Schwingung der Spiegel mit dem Regulatorhebel durch einfache Drehung um ausreichende Beträge mikrometrisch verändern. Die Einrichtung wird deshalb nötig, weil der Bildabstand infolge ungleicher Perforation oder Schrumpfung nicht bei allen Filmen der gleiche ist und sich dieser Mangel bei normalem Gang der Maschine in einem schnellen senkrechten Zittern oder Pulsieren des Gesamtbildes auf dem Schirm äußern würde. Eine einfache Drehung des Regulatorhebels bei gleichzeitiger Beobachtung des Projektionsschirmes genügt, um die Korrektion zu bewirken, ohne den Film besonders vorher auf Perforationsdifferenzen untersuchen zu müssen.

Eine gleichförmige Filmschaltung im Bildfenster, unterstützt durch eine verhältnismäßige große Schaltrolle, die auf jeder Seite mit etwa acht Zähnen in die Perforation eingreift, erzielt schon eine wesentlich erhöhte Feuersicherheit. Filmrisse und ein Steckenbleiben des Films im Bildfenster kommen nur äußerst selten vor. Für die wenigen Fälle, wo dies trotzdem geschieht, sorgt ein enger 11cm langer Führungsschacht, der den Brand im Bildfenster nachweislich sofort erstickt. Außerdem ist noch eine besondere Brandschutzeinrichtung vorgesehen worden. Es wurde dabei vornehmlich daran gedacht, einen Brand im Bildfenster auf den Projektionsschirm nie sichtbar werden zu lassen, um der Möglichkeit einer Panik vorzubeugen.
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