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typische historische Kamera

Zum Auffrischen und Erinnern . . . .

. . . sind diese Seiten hier gedacht, denn viele wissen nicht mehr oder noch nicht, wie es damals angefangen hat und wie das wirklich funktioniert mit dem Fernsehen, den Kameras, den Videorecordern, den Tonband- und den Magnetband- geräten aus alter Zeit. Viele Bilder können Sie durch Anklicken vergrößern.

Ferdinand Braun

Max Dieckmann war der Assistent von Professor Ferdinand Braun

Echte Forscher arbeiteten neben frechen Scharlatanen. In den Jahrzehnten um die Jahrhundertwende folgte ein Versuch nach dem anderen, das Fernsehen zu verwirklichen. In dieser Situation wurde eine Erfindung gemacht, die zunächst gar nichts mit dem Fernsehen zu tun zu haben schien. Und doch ist sie der Teil des Fernsehgeräts geworden, der noch heute die nach außen hin sichtbarste Rolle spielt: die Bildröhre, heute fast nur noch Bildschirm genannt.

 

Diese Röhre ist in der Physik als Braunsche Röhre bekannt. Ferdinand Braun (1850-1918), Professor an der damals zum Deutschen Reich gehörenden Universität Straßburg, entwickelte 1897 die sogenannte Kathodenstrahlröhre. Dabei dachte er freilich überhaupt nicht an das Fernsehen. Vielmehr wollte er mit Hilfe dieser Röhre den Verlauf und die Schwankungen bestimmter Ströme beobachten. Diese Braunsche Röhre gehört seitdem zu den selbstverständlichen Ausrüstungen eines jeden physikalischen Laboratoriums.

Max Dieckmann

Ebenso selbstverständlich aber gehört die Braunsche Röhre nun schon seit gut dreißig Jahren zu den unentbehrlichen Bestandteilen eines jeden Fernsehempfängers. Prof. Braun selber hatte fürs Fernsehen nichts übrig. Er wurde sogar regelrecht böse, als sein Assistent, der damals 23jährige Münchner Max Dieckmann, des Professors Kathodenstrahlröhre für Fernsehexperimente zu verwenden begann.

 

Es stimmte ihn auch wenig heiterer, daß eines der ersten Bilder, das Dieckmann mit Hilfe der Braunschen Röhre übertrug, der Name von Braun selbst war. Der Professor wollte keinesfalls, daß er auf irgendeine Weise mit dem "obskuren" Fernsehen in Verbindung gebracht würde. Selbst er, der vorausblickende Physiker, reihte das Fernsehen noch in eine enge Nachbarschaft zu dem Perpetuum mobile ein  eine nie erfüllbare technische Utopie. Der junge Dieckmann aber und sein Freund Gustav Glage ließen sich durch Brauns Widerstand nicht beirren.

Dieckmann und Gustav Glage hatten Spaß am Forschen

Am 8. Juni 1906 benutzten sie die Braunsche Röhre erstmals für die elektrische Wiedergabe von Bildern. Betrachtet man heute die Bilder, die die beiden jungen Leute in ihrem spielerischen Übermut übertrugen, kann man sich eines Lächelns nicht erwehren. Außer dem Namen Braun waren es die Initialen Dieckmanns und  der Münchner läßt sich nicht verleugnen  die weißen Umrisse eines echten Maßkruges mit dem Hinweis auf das Hofbräuhaus auf schwarzem Grund.

 

Noch heute kann man im Deutschen Museum in München die primitive Apparatur sehen, mit der Dieckmann zum erstenmal die Braunsche Röhre als Bildschreiber einführte. Das Gerät, das Dieckmann und Glage sich am 12. September 1906 patentieren ließen, nannte sich in der trockenen Sprache der Techniker "Verfahren zur Übertragung von Schriftzeichen und Strichzeichnungen unter Benutzung der Kathodenstrahlröhre".  Es wies neben einer Abwandlung der Nipkowschen Scheibe ebenfalls die Idee de Paivas auf, zehn Bilder je Sekunde zu übertragen. Die zur Übertragung verwendete Bildschablone konnte auf der Senderseite beliebig verändert werden. «Das durch eine einfache Leitung übermittelte Schattenbild machte sofort jede Bewegung völlig getreu und kontinuierlich mit.» So schilderte Dieckmann selbst das Ergebnis seiner Übertragung. Nur eines trennte diese Leistung noch von einem echten Fernsehen, wenn man davon absieht, daß das Bild durch Draht übertragen wurde. Es wurde dabei noch kein echtes, sich bewegendes Bild wiedergegeben, und sein optischer Gehalt wurde nicht elektrisch umgewandelt.

Zurück auf den Boden der Wirklichkeit ?

Vielmehr benützte Dieckmann eine Metallschablone, so daß die Vorlage galvanischmechanisch abgetastet wurde. Das heißt, die entsprechenden Punkte der Nipkowscheibe, die mit Metallbürsten versehen war, mußten die Vorlage jeweils wirklich berühren, damit der entsprechende Stromstoß erfolgte. Noch rund zwanzig Jahre Arbeit waren notwendig, bis die endgültige Lösung des Fernsehproblems gelingen konnte.

 

Kein Wunder, daß der schnelle Erfolg Dieckmann veranlaßte, auch weiterhin wissenschaftliche Fernsehexperimente zu machen. Dazu gehörte schon etwas Kühnheit, denn 1911 hatten die damals besten Kenner der Materie, A. Korn und B. Glatzel, ihr «Handbuch der Phototelegraphie und Telautographie» veröffentlicht, und beide stellten ziemlich kategorisch fest, daß alle bekannten und in dem Buch genau beschriebenen Fernsehprojekte noch nicht reif seien. «Kehren wir nun aber», so schrieben sie, «wieder auf den Boden der Wirklichkeit zurück, so kommen wir doch zu dem Resultat, daß mit den uns zur Zeit bekannten Hilfsmitteln das Fernsehen in einer praktisch ausführbaren Form nicht gelöst werden kann.»

 

Das war richtig und falsch zugleich. Richtig, weil es in der Tat trotz der vielen Bemühungen noch immer nicht zu einem befriedigenden Ergebnis gekommen war. Falsch, weil das Handwerkszeug schon bereit lag: die Nipkowscheibe, die Braunsche Röhre, die drahtlose Telegrafie. Es mußte nur richtig angewendet werden. «Es fehlte damals nur jene Stelle»,schrieb mit Recht Cerhart Goebel in seiner «Geschichte des deutschen Fernsehens bis 1945», «die sowohl technisch wie finanziell in der Lage gewesen wäre, die heterogenen, oft für andere Zwecke entwickelten Bauelemente sinnvoll zu einer Lösung des Fernsehproblems zusammenzufassen.»

Max Dieckmann, der pfiffige Optimist

Einer so optimistischen Auffassung muß auch Max Dieckmann gewesen sein. Er war inzwischen Dozent an der Technischen Hochschule in München geworden. 1913 wollte er für seine Studenten eine Vorlesung über das Thema «Drahtloses Fernsehen» halten. Doch hatte er nicht mit dem Dekan der Fakultät gerechnet. Dieser ließ ihn kommen und bat ihn nachdrücklich - schließlich gab es ja in der Theorie so etwas wie eine Lehrfreiheit -, das Thema fallenzulassen.

 

Die Begründung hörte sich kaum anders an als das, was sieben Jahre zuvor Ferdinand Braun zu den Fernsehexperimenten gesagt hatte. Auch der Dekan siedelte das Fernsehen in der Nähe des Perpetuum mobile an und hielt die Beschäftigung mit solcher Scharlatanerie für unwissenschaftlich. Nicht immer, möchte man folgern, sind die Stätten der Wissenschaft auch Stätten der Weisheit. Dieckmann war erfreulicherweise weit davon entfernt, sich entmutigen zu lassen. Er gab dem Dekan großzügig recht und kündigte eine andere Vorlesung an: «Fernübertragungseinrichtungen von hoher Mannigfaltigkeit». Dagegen hatte der Dekan keine Bedenken mehr. Dieckmann sprach unter diesem streng wissenschaftlichen Thema allerdings über nichts anderes, als was er auch unter dem ersten Thema in der Vorlesung seinen Studenten hatte vermitteln wollen.

Am 14. Juni 1924 prophezeite Dr. Hans Bredow, das Fernsehen kommt.

Dr. Hans Bredow

Aber dieses Beispiel, wie der Ablauf der ganzen Fernsehentwicklung, läßt erkennen, daß es keineswegs in erster Linie die "berufenen" Wissenschaftler oder von Amts wegen eingesetzten Forscher waren, die das Fernsehen vorantrieben. Immer wieder fanden sich unter den Pionieren der neuen Erfindung typische Außenseiter. Sie hielten sich nicht an die strengen Vorschriften akademischer Gewissenhaftigkeit. Sie verzichteten nicht auf ihre Phantasie. Und sie fühlten sich nicht an Fachrichtungen gebunden.

 

Chemiker standen neben Physikern, Ingenieure neben Theoretikern, Amateure neben Professoren. Der erste Weltkrieg hatte in allen Ländern zwangsläufig den Gedanken an das Fernsehen zurücktreten lassen. Die Arbeiten der Techniker waren, wie der Funkfachmann Eugen Nesper es gegenüber Denes von Mihäly feststellte, «auf die für die Landesverteidigung wichtigeren Dinge gerichtet». Aber nachdem der Krieg die bedeutende Weiterentwicklung der drahtlosen Telefonie, der Vorstufe des Rundfunks, gebracht hatte, setzte danach eine gesteigerte Aktivität auf dem Fernsehgebiet ein.

 

Skeptiker und Optimisten standen sich mit ihren Meinungen über die Zukunftsaussichten des Fernsehens unerbittlich gegenüber. Zu den Optimisten gehörte der Mann, der als «Vater des deutschen Rundfunks» bekannt geworden ist: Dr. Ing. Hans Bredow (1879-1959). Schon am 14. Juni 1924 prophezeite er bei der Eröffnung des Rundfunksenders Königsberg:

 

"Wenn bislang das Ohr der Vermittler ist, so wird es die Technik in kurzer Zeit dahin gebracht haben, daß auch das gedruckte Wort auf diesem Wege übermittelt werden kann. In absehbarer Zeit werden wir auch die Bewegungen der Darsteller als Bilder auf beliebige Entfernungen übertragen können. Die Möglichkeit, seine eigene Zeitung und seinen Kinematographen im Hause haben zu können, ist für die Weiterentwicklung der Menschheit von geradezu ungeheurem Wert."

 

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