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60 Jahre Berichterstattung über Film und Fernsehen
Norbert Bolewskis gesammelte Rückblicke von 1947 bis 2007

1962 - Nur der TELSTAR überwindet die Mauer, Ampex hat 1000 VCR ausgeliefert

Seit dem 13. August 1961 stand in Berlin die Mauer. Die Kuba-Krise führte 1962 an den Rand des Weltkriegs, die "Spiegel"-Affäre in Deutschland sorgte für die Umbildung der Regierung, der ganze Umfang der Contergan- Schädigung ungeborener Kinder wird in seinen Ausmaßen erkennbar. Und technisch: Der Fernseh- und Nachrichtensatellit "Telstar" ermöglicht die ersten "Fernsehübertragungen USA - Europa.

 

Filmtechnisch gesehen war das Jahr 1962 nicht so sehr interessant. Es standen mehr die Verbesserungen bereits bestehender Systeme und Anlagen im Vordergrund. Im April wird in der FKT eine neuartige Filmreinigungsmaschine beschrieben, in der zur Reinigung des Films in Verbindung mit einer Speziallösung Ultraschall angewendet wird. Der damalige Berichterstatter schrieb, "die erzielten Resultate sind so überzeugend, dass man geneigt ist, von einem ganz neuen Standard hinsichtlich der Sauberkeit der Negativmaterialien zu sprechen". Vor allem die Geschwindigkeit der Reinigung ist mit rund 2000 m/h gegenüber den Nassreinigungsmethoden deutlich schneller. Sollte es sich um eine hartnäckige Verschmutzung handeln, so kann der Film ein zweites Mal durch die Maschine geführt werden (Bild 50).

 

Ampex lieferte die tausendste Maschine am 5.2.1962 aus. In die Bundesrepublik Deutschland wurden laut Unternehmensangaben damals 39 Ampex-Anlagen geliefert. In den USA standen 643, in Dänemark immerhin 44 und in England 70.

Glasfaser, Polyester und Autokinos

Im Jahre 1960 wurden die ersten Glasfaserbündel und entsprechende Anwendungen in der Praxis bekannt. 1962 berichtet man in der FKT über die so genannten "Lichtleiterstäbe" und "Fiberoptiken". Die theoretischen und praktischen Fragen der Bildwiedergabe sowie technische Einzelheiten und Hinweise auf Anwendungen, insbesondere bei der Technik der Bildröhren, werden behandelt.

 

Wegen seiner hervorragenden Eigenschaften setzt sich Polyester als Unterlage für wertvolle Magnetbänder in zunehmendem Ausmaß durch. Als erste deutsche Firma brachte Agfa ein Dreifachspielband auf vorgereckter Polyesterfolie, das Magnettonband PE65 Tripel Record auf den Markt. Dazu kam das Studioband PER, ebenfalls ein neues Band auf Polyesterunterlage.

 

Im Mai gab es die dritte filmtechnische Konferenz in Budapest. Interessant die damaligen Themen aus den drei Schwerpunkten Verbesserung und Einheitlichkeit der Filmtechnik für die Filmtheater, neue Filmgeräte und Messverfahren sowie Fernseh-Filmtech- nik. Probleme waren damals, dass die Beleuchtung der Panorama- und Breitwand-Projektionsflächen eine enorm hohe Leuchtdichte erforderten. Es wurde über verschiedene Maßnahmen zur Verbesserung der Gleichmäßigkeit der Ausleuchtung des Bildfensters berichtet. Großen Raum nahm die Vorstellung neuer Bild- und Ton-Testfilme ein.

 

Zahlreiche Artikel ranken sich um die Technik des Kinos. Insbesondere das Thema Autokino war von besonderem Interesse und führte zu einer mehrteiligen Serie über die Gesichtspunkte zur Planung solcher Außenkinos.

Kritische Bemerkungen zu Programmproduktionen

Zu damaliger Zeit waren vier Verfahren für die Fernseh-Programmproduktion im Gebrauch: die Live-Sendung, die Filmaufnahme, die Fernsehaufnahme mit Speicherung auf Magnetband und die Fernsehaufnahme mit Bildaufzeichnung auf Kinefilm. Kein geringerer als der spätere Direktor des Instituts für Rundfunktechnik, Professor Dr. Theile, widmete sich mit kritischen Bemerkungen diesen vier verschiedenen Methoden der Programmproduktion.

Der Autor kommt zu dem Ergebnis, dass die photographische Filmaufzeichnung an Bedeutung verlieren wird, weil die Anzahl der Umwandlungsprozesse allzu hoch ist, was sich deutlich als Qualitätsminderung bemerkbar macht. Die magnetische Signalaufzeichnung auf Band wird die Aufzeichnung weitgehend ersetzen, weil die Qualitätsverluste sehr viel geringer sind und man deshalb die photographische Aufzeichnung nur noch in Ausnahmefällen anwenden wird.

 

Kodak stellte seine neue "Reflex Spezial"- Kamera für 16-mm-Film vor. Es handelt sich um eine Stativ-Kamera mit 120-m-Kassette und einer Aufnahme-Bildfrequenz von 8 bis 64 Bilder/s. Besonders betont werden der Reflexsucher mit 10-facher Vergrößerung des Motivs und die genaue Begrenzung des Bildfensters (Bild 51). Im gleichen Jahr vorgestellt wird die moderne und von der Form her sehr eigenwillige 16-mm-Handkamera von Eclair, die sich durch einen besonders geräuscharmen Lauf auszeichnet (Bild 52).

 

Das Electronic-Cam-Verfahren, in Deutschland erstmals eingeführt von den Bavaria Studios in München, wird nun auch von anderen Ateliers eingesetzt. Hans Orlich berichtet in der FKT über die Elektronik-Cam-Anlage der Ufa in Berlin. Er geht auch auf gewisse Probleme dieses Verfahrens ein, zum Beispiel die Schwierigkeit der Beleuchtung beim Einsatz mehrerer Kameras, kommt aber zu dem Ergebnis, dass eine Bildqualität erreicht werden kann, die sich mit der mancher Spielfilme nach der herkömmlichen Weise hergestellt messen kann (Bild 53).

 

Je höher die Bearbeitungsgeschwindigkeit von Filmen im Kopierwerk insbesondere ist, desto größer wurde das Problem der statischen Entladungen auf Kinofilm. In einem Beitrag werden derartige Entladungen im Bild aufgezeigt, und es werden Empfehlungen zu ihrer Verhinderung gegeben.

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