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Das Fernsehen in Deutschland bis zum Jahre 1945

Von Gerhart Goebel im Jahr 1952/1953
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Die Frontseite des Buches
  • "Unter den großartigen Erfindungen, deren das zwanzigste Jahrhundert sich rühmen kann, unter den tausendundeinem Wundern dieses an prächtigen Entdeckungen so reichen Zeitalters, stellt das Telephonoskop wohl einen der erstaunlichsten Erfolge dar, wohlgeeignet, den Ruhm der Gelehrten zu den Sternen zu tragen.

  • Der alte elektrische Telegraph, diese kindlich primitive Anwendung der Elektrizität, ist zuerst vom Telephon entthront worden und dann von dem Telephonoskop, das die höchste Vervollkommnung des Telephons darstellt. Mit Hilfe des alten Telegraphen konnte man verstehen, was einem einer aus der Ferne sagen oder schreiben wollte; das Telephonoskop aber erlaubt, den Absender unmittelbar zu hören und zu sehen."

    vorgetragen von A. Robida, „Das zwanzigste Jahrhundert" (1893).

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Vorwort

Die Frontseite dieses Artikels von 1953

Die vorliegende Arbeit will einen möglichst umfassenden Überblick geben über eine Entwicklung, die durch den Start des neuen deutschen Fernsehens völlig in den Schatten gestellt worden ist, die man aber doch nicht ganz vergessen sollte, einmal, weil sie unstreitig die Grundlage für die heutige Technik geliefert hat, zum anderen aber auch deshalb, weil in diesem abgeschlossenen Kapitel eine Fülle von Geist, Fleiß, Können und Opferbereitschaft steckt, die niemals recht gewürdigt worden ist.

Wenn hier - abgesehen von der Vorgeschichte - die Fernseh-Entwicklung im Auslande nur am Rande gestreift wird, so geschieht das lediglich deshalb, weil andere Nationen die Geschichte ihrer Television längst geschrieben haben.

Das Fernsehen entfaltete sich in Deutschland ganz anders als der Hör-Rundfunk, über dessen Werden der Verfasser in einer früheren Arbeit [1] berichtet hat. Der Rundfunk konnte in den ersten zehn Jahren seines Bestehens auf der Grundlage des damaligen Reichsgebietes nach einem heute noch als vorbildlich geltenden Plan H. Bredows ebenso stetig wie rationell wachsen.

Die Entwicklung des Fernsehens dagegen wurde - überwiegend auf dem Boden der Reichshauptstadt - erst vorsichtig und systematisch, dann aber - unter dem Einfluß dreier rivalisierender Ministerien - aus Gründen des nationalen, innerpolitischen, kulturellen und industriellen Prestiges stürmisch und unstetig vorwärtsgetrieben.

Zitat: "Wir wissen, daß im Fernsehen ungeahnte Möglichkeiten schlummern."

Ihre Motive werden treffend gekennzeichnet durch das Leitwort der Fernseh-Schau 1938: „Wir wissen, daß im Fernsehen ungeahnte Möglichkeiten schlummern, die für viele Gebiete des menschlichen Lebens und der Kultur wichtig sind; und deshalb wollen und müssen wir unter den ersten sein, die sich seiner bemächtigen" [2].

Diese im damaligen Deutschland herrschende Tendenz erschwert die exakte Berichterstattung außerordentlich; denn obwohl noch ein umfangreiches - wenn auch verstreutes - Fernseh-Schriftum vorhanden ist, läßt sich daraus doch kein rechter Überblick gewinnen. Von 1935 an mußten nämlich alle Veröffentlichungen über das Fernsehen nicht nur die Zensur des jeweiligen Fach-Ministeriums, sondern darüber hinaus noch die des Reichs-Luftfahrtministeriums durchlaufen.

Viele Verfasser beschränkten sich deshalb entweder auf die sehr ausführliche Behandlung spezieller Teilgebiete oder auf ganz allgemeine Darstellungen geringen informatorischen Wirkungsgrades, deren Publikation erfahrungsgemäß genehmigt zu werden pflegte.

Oft mußte von der Beschreibung neuer Einrichtungen „zur Wahrung höherer Gesichtspunkte in letzter Stunde" überhaupt abgesehen werden [446], selbst wenn diese Geräte gelegentlich aus dem Auslande importiert waren. Endlich konnte über viele Arbeiten einfach aus Zeitmangel nicht berichtet werden [3].

Über die Quellen der Informationen (Stand von 1950)

In allen diesen Fällen mußte sich der Verfasser auf das Gedächtnis der an der Entwicklung Beteiligten verlassen, wobei wiederum dadurch Schwierigkeiten entstanden, daß seinerzeit oft nur ein einzelner über den Zweck der durchgeführten Arbeiten genau unterrichtet war oder daß in der Erinnerung Erreichtes und Geplantes miteinander verwechselt wurde.

Bei Widersprüchen zwischen persönlichen Erinnerungen und Angaben im Fachschrifttum
wurden die letzten bevorzugt, selbst dann, wenn sie nach Mitteilung der Verfasser auf redaktionellen Änderungen beruhten. Die Angaben moderner Biographien wurden als Quelle nur an den Stellen verwertet, an denen sie von Zeitgenossen bestätigt werden konnten (was selten der Fall war).

Das sonst so reichhaltige Postarchiv enthält über das deutsche Fernsehen fast nichts mehr (fast alles ist verbrannt), so daß exakte zeitliche Daten gewöhnlich Tageszeitungen entnommen werden mußten, die in dieser Beziehung zuverlässiger waren als die seltener erscheinenden Fachzeitschriften.

Wo immer es stilistisch möglich erschien, hat der Verfasser zeitgenössische Urteile oder Meinungen wörtlich zitiert, um dem Leser die Nachprüfung zu erleichtern.
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Über die Gliederung der Themen

Aus Gründen der Übersichtlichkeit wurde der Stoff nicht - wie es in den heutigen Zeittafeln üblich ist - chronologisch, sondern systematisch gegliedert.

In den sich dadurch zwanglos ergebenden Abschnitten, die alle in sich abgeschlossen sind, wird dann die Entwicklung des jeweiligen Gebiets chronologisch geschildert, wobei sich mit Rücksicht auf den historischen Charakter der Arbeit eine weitere systematische Unterteilung erübrigte.

Die Ausführlichkeit der Darstellung steht im direkten Verhältnis zur Seltenheit des Quellenmaterials. Deshalb glaubte der Verfasser, der Vorgeschichte der Fernsehtechnik mit ihren ebenso genialen wie unausführbaren Projekten einen über das übliche Maß hinausgehenden Raum geben zu dürfen. Aus demselben Grunde hat er Einzelheiten, soweit sie für die Entwicklung charakteristisch erschienen, in die Arbeit aufgenommen.

Danksagungen:

Der Verfasser ist wiederum von so zahlreichen Stellen unterstützt worden, daß es ihm unmöglich ist, allen einzeln zu danken. Vor allem schuldet er der Schritfleitung des „Archiv für das Post- und Fernmeldewesen" Dank, von der die Anregung zur vorliegenden Arbeit ausging.

Zu besonderem Dank verpflichtet ist er
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  • Herrn Präsident Dr. E. h. Herz, Darmstadt, der ihm die Bearbeitung des Themas ermöglichte,
    ferner den Herren
  • Prof. Dr. Brüche, Moosbach (Oberpfalz),
  • Prof. Dr. Busch, Darmstadt,
  • Prof. Dr. Dieckmann, München,
  • Dipl.-Ing. Federmann, Stuttgart,
  • Prof. Dr. Gundlach, Darmstadt,
  • Chef-Ingenieur Prof. Dr. Dr. E. h. Gladenbeck, Frankfurt (Main),
  • Prof. Dr. Heimann, Wiesbaden,
  • Intendant a. D. K. Hinzmann, Paris,
  • Prof. Dr. Karolus, Zürich, dem leider kürzlich verstorbenen
  • Postamtmann Kette, Bad Harzburg,
  • Prof. Dr. Kirschsteih, Darmstadt,
  • Ministerialdirigent Dr. Krawinkel, Frankfurt (Main),
  • Direktor Mallein, Paris,
  • D. v. Mihäly, Berlin,
  • Ministerialrat Preßler, Frankfurt (Main),
  • Prof. Dr. Schröter, Madrid,
  • Direktor Stumpf, Landstuhl,
  • Dozent Dr. Wagenführ, Hamburg,
  • Dr. Zworykin, Princeton,

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und endlich der Abteilung Zentraltechnik des NWDR, Hamburg, und den Firmen der deutschen Fernseh-Industrie, die ihm Fachliteratur, Patentschriften, persönliche Aufzeichnungen und Photogramme zur Verfügung gestellt haben.
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Dank schuldet er aber vor allem denen, die bei der ehemaligen Reichspost und der Reichs-Rundfunkgesellschaft am Aufbau des deutschen Fernsehens aktiv mitgearbeitet haben und die ihn durch Erinnerungen, Ratschläge und persönliche Unterlagen bereitwilligst und unermüdlich unterstützt haben. Ihnen soll diese Arbeit gewidmet sein.
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