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Das Fernsehen in Deutschland bis zum Jahre 1945
(05) Die Bildabtaster ab 1929

Die erste drahtlose Fernseh-Rundfunksendung in Deutschland führte die DRP am 8. März 1929 mit einem von der Firma Telehor AG. zum Preise von 25.000 RM gekauften Filmabtaster (Bild 23) für absatzweisen Filmtransport durch. Der Bildgeber stand im Maschinenkeller des Berliner Rundfunksenders in Witzleben.

Film-Abtaster mit AEG-Mechau-Projektor

Am 14. März desselben Jahres setzte die DRP den im Fernseh-Laboratorium des RPZ in Tempelhof gebauten und betriebenen Film-Abtaster mit AEG-Mechau-Projektor für die soeben geschaffene erste deutsche Fernseh-Norm ein. Bei beiden Geräten wurde das zu übertragende Filmbild auf die Ebene einer Nipkow-Scheibe projiziert.

Der Mechau-Projektor, der - ursprünglich nur zur Filmschonung - mit kontinuierlichem Filmvorschub arbeitete, besaß einen optischen Ausgleich der Bildwanderung:

Die in der Projektionsebene auftretende Bildverschiebung wurde durch einen mit dem Filmtransport starr gekuppelten umlaufenden Kranz von periodisch schwingenden Spiegeln in gegenläufiger Bewegung aufgehoben. Die Maschine projizierte stets zwei aufeinanderfolgende Einzelbilder des Films genau übereinander, von denen das eine mit der Zeit an Helligkeit ab-, das folgende zunahm.

Der Mechau-Projektor lieferte also bei jeder Bildfrequenz ein in seinem Rahmen stehendes Bild, dessen einzelne Punkte stetig ineinander übergeblendet wurden. Eine lichtelektrische Abtastung des Bildes erforderte infolgedessen bei diesem Ausgleichs-Projektor keinen Synchronlauf zwischen Abtastorgan und dem Film, der zu Versuchszwecken mit jeder beliebigen Bildfrequenz laufen konnte.

Durch die 1,2mm2 großen Löcher der Zerlegerscheibe fiel der helligkeitsmodulierte Lichtstrom des Filmprojektors auf eine gasgefüllte Photozelle, die den zur Modulation des Senders dienenden Bildwechselstrom lieferte. Übertragen wurden die Bilder kurzer Stummfilm-Schleifen.
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1929 - H. Bredow fährt zu J. L. Bairds

Der damalige Reichs-Rundfunkkommissar H. Bredow hielt es jedoch mit Recht für „ein großes Risiko", wenn sich der Deutsche Rundfunk zu jener Zeit bereits auf ein bestimmtes Bild-Abtastsystem festlegen würde. Er unterrichtete sich deshalb Anfang 1929 mit einigen deutschen Fernseh-Sachverständigen in London über die Arbeiten J. L. Bairds und machte dem Erfinder - im Einverständnis mit Sir J. Reith - den Vorschlag, seinen Bildabtaster ebenfalls im Berliner Rundfunk zu erproben [178].

Über die von dem Bairdschen Personenabtaster mit wanderndem Lichtpunkt gelieferten Fernseh-Bilder schrieb damals eine deutsche Tageszeitung - wohl etwas übertrieben - : „Ja, das waren keine relieflosen, flachen Bilder, sondern körperlich hervortretende Wiedergaben, die mit voller Porträtähnlichkeit und verblüffender Schärfe sichtbar wurden. . . Besonders eindrucksvoll aber war die vollendete Verbindung von Laut und Bild" [179].

BBC lehnt 1928 Bairds Bildabtaster vorerst ab

Man muß jene vom Sinn für den Wert eines gesunden Wettbewerbs diktierte Haltung Bredows um so höher werten, als kurz zuvor, am 9. Oktober 1928, die British Broadcasting Corporation (BBC) die Rundfunk-Übertragung der von einem Bildabtaster der "Baird International Television Limited" gelieferten Fernsehbilder abgelehnt hatte, weil das Bairdsche Verfahren nach Ansicht der BBC-Ingenieure „noch nicht reif für eine allgemeine Verwendung" sei [180].

Auf Grund der an Baird ergangenen Einladung Bredows gab allerdings die BBC offenbar ihre grundsätzliche Abneigung gegen die Einführung eines Fernsehbetriebes im englischen Rundfunk auf 5), so daß die englischen Ingenieure vor Beendigung ihrer technischen Vorarbeiten im Berliner Rundfunksender nach London zurückreisen mußten.

5) Am 30. September 1929 stellte die British Broadcasting Corporation den Londoner Rundfunksender 2LO der Baird Televison Company zum ersten Male für die „experimentelle" Übertragung von Fernsehbildern zur Verfügung.
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1929 - Baird Television Bildabtaster im Voxhaus

Erst am 15. Mai konnte die Baird Television Company mit ihrem im Voxhaus aufgestellten, von Baird-Angestellten bedienten Bildabtaster für 30 Zeilen bei 12,5 Bildwechseln/s ebenfalls den Berliner Rundfunksender Witzleben modulieren. Die Versuche dauerten bis zum 13. Juni 1929. Sie wurden später vom RPZ aus fortgesetzt und endeten Anfang September 1929 [181].

1929 - episkopischen Bildabtaster von Mihäly

Bereits im Februar 1929 hatte Mihäly der Presse seinen ersten episkopischen Bildabtaster vorgeführt: Das Bild einer mit 6 „Jupiter"-Kohlebogenlampen von insgesamt etwa 120 Ampere Stromaufnahme beleuchteten Versuchsperson wurde durch ein Objektiv auf eine Nipkow-Scheibe projiziert und von einer dahinterliegenden Photozelle in Bildströme umgewandelt.

Mit dieser ersten Fernseh-Kamera (Bild 24) konnte das Gesicht eines Menschen und einfache Tätigkeiten, beispielsweise das Abnehmen des Fernsprech- Handapparates, deutlich, wenn auch ohne Mitteltöne wiedergegeben werden [182].
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1929 - der „Tageslicht-Fernsehsender" von E. Roessler

Beim RPZ hatte E. Roessler im selben Jahre einen sogenannten „Tageslicht-Fernsehsender" entwickelt, bei dem der Gleichlauf zwischen Bildabtaster und Bildschreiber der Einfachheit halber durch mechanische Kupplung der beiden Nipkow-Scheiben erreicht wurde. Über den achtstufigen Gleichstrom-Batterieverstärker dieses Abtasters liegen noch einige technische Einzelheiten vor:

Er war durch Eisen-, Blei- und Kupferplatten gegen Fremdfelder dreifach geschirmt. Auch die Röhren vom Typ RE 034 hatte man durch Eisen-, Kupfer-und Bleibecher einzeln geschützt. Eine Schwammgummi-Polsterung verminderte den Mikrophon-Effekt.

Trotzdem gelang es nicht, die Verstärkung über eine nennenswerte Zeit konstant zu halten. Wegen der für das Objekt erforderlichen hohen Beleuchtungsstärke von rund 50.000 Lux, die von der Sonne oder von zwei Jupiterlampen zu je 4x10 Ampere geliefert wurde, benutzte man vorwiegend eine Maske als Abtastgegenstand. Trotz der bis an die Grenze des Photozellenrauschens getriebenen Verstärkung befriedigten die silhouettenartigen Bilder dieses „Tageslicht-Senders" nicht.

Auf der Funkausstellung 1929 stellte ihn die DRP zwar aus, zeigte ihn jedoch nicht im Betrieb, da „die örtlichen Verhältnisse dies nicht erlaubten" [183].

1929 - der Personenabtaster mit Spiral-Lochscheibe

Besser bewährten sich ein 1929 von der neugegründeten, damals mit der Baird Television Company liierten Fernseh AG gebauter Personenabtaster mit Spiral-Lochscheibe für die RPZ-Norm und ein von Telefunken entwickelter Geber mit 48-teiligem Spiegelrad. Bei beiden Geräten wurde ein Lichtpunkt rasterförmig über das Gesicht der im Dunkeln sitzenden Versuchsperson geführt und von da auf eine Reihe parallelgeschalteter Photozellen reflektiert.

Die Frage, ob man den Bildstrom des Photozellen-Verstärkers unmittelbar, d. h. niederfrequent zur Modulation des Senders benutzen sollte oder ob man mit ihm - wie bei der Bildtelegraphie - erst einen Zwischenträger modulieren sollte, tauchte zuerst 1930 auf, ohne damals jedoch schon entschieden zu werden [184].

1930 - Fernseh-Sendelaboratorium des RPZ

Im Januar 1930 verlegte das RPZ sein Fernseh-Sendelaboratorium von Tempelhof unmittelbar zum Sender Witzleben, um bei den systematischen Fernsehversuchen alle äußeren Störungen, vor allem Bildstromverzerrungen auf der langen Modulationsleitung auszuschalten. Der Mechau-Filmbildgeber (Bild 25) wurde im Keller der "Funkhalle IV" neben dem Maschinenraum des Berliner Rundfunksenders aufgestellt.

1930 - Übertragung von Filmen und Bildern lebender Personen

Von 1930 an übertrug das RPZ nach der ersten vorläufigen Norm (30 Zeilen, 12,5 Bildwechsel/s) drahtlos nicht nur Filme, sondern auch Bilder lebender Personen mit einem von der Fernseh AG. gebauten Personenabtaster (Bild 26). Dieser enthielt eine 900-Watt-Projektionslampe, deren Lichtstrom durch eine Nipkowscheibe zeilenweise über das Bildfeld von 45 x 60cm geführt wurde. Vier auf einem Ring um das Bildfeld herum angeordnete Photozellen in Parabolspiegeln verwandelten über einen achtstufigen Verstärker das vom abgetasteten Objekt reflektierte Licht in proportionale Stromwerte.

Die ganze Zerleger-Anlage war auf einem Säulenstativ in der Vertikalen und Horizontalen verstellbar, um in gewissen Grenzen dem Objekt folgen zu können. Die nach dem von J. L. Baird angegebenen „Noctovision-Verfahren" für Infrarot sensibilisierten Photozellen erlaubten, die Abtastkabine durch kurzwelliges, die Zellen nicht beeinflussendes Licht schwach zu erhellen.

Funkausstellung 1930 - Bild- und Ton gleichzeitig

Während der Funkausstellung 1930 wurde zum ersten Male Bild- und Tonmodulation von einem Tonfilm-Abtaster des RPZ-Fernseh-Senderlaboratoriums in Witzleben über Leitungen zum Ausstellungsstand der DRP übertragen, nachdem bereits seit Januar 1929 in den Berliner Lichtspieltheatern Lichttonfilme öffentlich vorgeführt worden waren.

1930 - eine neue Vielzahl von Bildnormen

Zur Verbesserung der Bildgüte ging die deutsche Fernseh-Industrie 1930 zunächst selbständig zu höheren, willkürlich gewählten Zeilenzahlen und Bildfrequenzen über. So zeigte die Fernseh AG. u. a. einen Personenabtaster mit Nipkow-Scheibe für 67 Zeilen und 15 Bildwechsel/s (3.500 Bildpunkte) sowie einen Tonfilm-Geber für 120 Zeilen bei 25 Bildern/s, der auf dem zugehörigen Spezial-Empfänger „ein sehr gutes Bild" lieferte [185].

Die Telehor AG. führte zur selben Zeit eine Fernseh-Anlage für 42 Zeilen und 16,6 Bildwechsel/s (1764 Bildpunkte) vor. Besonderes Aufsehen in der Tagespresse erregte damals ein von Mihäly entwickelter Reportage - Bildabtaster für wahrscheinlich 900 Bildpunkte, „bei dem es nicht mehr nötig ist, das Objekt oder die Person, deren Bild ferngesandt werden soll, in starke künstliche Beleuchtung zu stellen.

Der ganze Sender ist nicht größer als ein umfangreicher photographischer Apparat (Bild 27). Er läßt sich, wie dieser, bequem in der Hand transportieren. Eine Trockenbatterie genügt, um den zum Betrieb nötigen Strom zu liefern. Damit ist es möglich, mit dem Fernsehsender auf die Straße zu ziehen und das Leben einzufangen, wie und wo es sich bietet" [186].

Nach heutigen Angaben des Erfinders gelang damit allerdings im besten Falle „die Übertragung zweier Köpfe und hie und da (wenn die Belichtungsumstände günstig waren) eines S-Bahnzuges".

1931 - ein kritisches Jahr

„Das Jahr 1931 war für die Fernsehentwicklung in gewissem Sinne kritisch, denn obwohl man es auf der Bildzerlegerseite in gewissem Sinne schon in der Hand hatte, höherzeilige Bilder zu erzeugen, versagten auf der Empfängerseite alle bis zu diesem Zeitpunkt angewendeten steuerbaren Lichtquellen hinsichtlich ihrer Leuchtdichte" [187].

Psychologische und physiologische Untersuchungen des RPZ [188] hatten ergeben, daß bei einem Raster von 5.000 Bildpunkten „ein einfaches Bild mit zwei Köpfen schon gut erkennbar wiedergegeben" werden konnte. Hingegen erschien „die Güte bei Bildern mit vielen Einzelheiten . . . noch nicht ausreichend. 10.000 Bildpunkte dürften schon höheren Anforderungen an die Bildgüte genügen.

Der große Sprung von 10.000 auf 30.000 Bildpunkte" brachte „zwar eine weitere Verbesserung, jedoch nicht in dem Maße, wie man es vielleicht erwartet. Der erforderliche Aufwand an Mitteln zur Übertragung derartig hoher Bildpunktzahlen" - heißt es in einem zeitgenössischen Bericht - „steht aber in keinem rechten Verhältnis mehr zu den erzielten Verbesserungen*" [189].

1931 - Nipkow-Scheiben für 48, 60, 84, 90 und 100 Zeilen

Im Jahre 1931 herrschte der mechanische Bildgeber mit Nipkow-Scheibe für 48, 60, 84, 90 und 100 Zeilen vor, obwohl dabei der Lichtstrom mit der 4. bis 6. Potenz der Zeilenzahl abnahm. Die Bildwechselzahl betrug mit Rücksicht auf die Übertragung von Tonfilmen allgemein 25/s. Bei einem mechanischen Personenabtaster, der 80zeilige Bilder bei 162/3 Bildwechseln/s lieferte, wurde zur tonwertrichtigen Wiedergabe die hohe Rotempfindlichkeit der Cäsium-Photozellen durch Abtastung mit kurzwelligem Licht kompensiert [190].

1931 - G. Krawinkels Kreislochscheibe

Einen gewöhnlichen mechanischen Filmbildabtaster ohne optischen Ausgleich der Bildwanderung rüstete G. Krawinkel 1931 erstmalig mit einer Kreislochscheibe zur Zeilenabtastung aus, während er für die Zeilenvorschubkomponente die kontinuierliche Bewegung des Films benutzte. Er gewann dabei etwa 15 bis 20 Prozent an Bildhöhe.

Über die Technik der Bildverstärkung

Für die Verstärkung des von den Bildabtastern gelieferten Photozellenstroms gab es grundsätzlich zwei Möglichkeiten: Ursprünglich verstärkte man die niederfrequenten Ströme unmittelbar in sechs- bis zehnstufigen Gleichstrom- oder Widerstandverstärkern, wobei die Photozelle mit ihrem Arbeitswiderstand unmittelbar an den Verstärkereingang angekoppelt wurde. Gleichstromverstärker erforderten jedoch nicht nur einen erheblichen Aufwand an getrennten Spannungsquellen (Bild 28), sondern es genügten schon geringfügige Änderungen der Betriebsspannungen oder der Röhrendaten in den Anfangsstufen, um den Arbeitspunkt der Endröhren zu verlagern. Reine Widerstandsverstärker, die sich wesentlich wirtschaftlicher und betriebssicherer bauen ließen, reichten nach Untersuchungen von F. Kirschstein [184] zur unmittelbaren Verstärkung der Bildsignalströme aus, sofern sie die tiefe Bildwechselfrequenz noch genügend verstärkten und solange die verstärkten Ströme nur über Entfernungen von wenigen Metern übertragen zu werden brauchten.

Das Verfahren wurde für Kurzschluß-Bildübertragungen bis 1934 beibehalten. Es versagte jedoch, als die Aufgabe entstand, die Bildströme über ein Kabel von einigen hundert Metern Länge zu übertragen, weil sich der Ausgang des Breitband-Bildsignalverstärkers nicht an den Wellenwiderstand des Kabels anpassen ließ und weil etwaige Kabelzwischenverstärker die tiefsten Bildfrequenzen nicht hätten übertragen können.

Man mußte deshalb zu dem zweiten, bereits für die langsamen Impulse der Bildtelegraphie mit Erfolg angewandten Verfahren der Einführung einer Hilfs-Trägerfrequenz übergehen, deren konstante Amplitude mit den Bildpunktsignalen moduliert wurde. Dadurch erreichte man einen doppelten Vorteil: Die tiefen Frequenzen, deren Verstärkung Schwierigkeiten bereitete, verschwanden, und außerdem wurde die zu übertragende relative Bandbreite bei gleichbleibender absoluter Breite um so mehr eingeengt, je höher die Trägerfrequenz gewählt wurde. Sie konnte sowohl auf optischem Wege - z. B. nach der von B. Rosing [102] angegebenen Methode der Zerhackung des Abtast-Lichtstroms durch eine rotierende Lochscheibe oder durch Speisung einer trägheitsfreien Lichtquelle mit Hochfrequenz - als auch rein elektrisch über ein in die Photozelle eingebautes Steuergitter [191] oder endlich durch Betrieb der Photozelle mit einer der Gleichspannung überlagerten Hochfrequenzspannung eingeführt werden.

1932 - Brückenschaltung nach A. Karolus

Hierzu bediente man sich etwa von 1932 an einer von A. Karolus angegebenen Brückenschaltung [192]: In einem Zweig der Brücke lag die Photozelle, im anderen eine Kompensationskapazität; die beiden übrigen Zweige bildeten reelle Widerstände. In der Diagonalen lag der Arbeitswiderstand, an die beiden anderen Eckpunkte wurde die als Träger dienende Hochfrequenzspannung von 1300 kHz gelegt [193].

1931 - Flying Spot Diapositiv- oder Filmabtaster von Ardenne

1931 verwirklichte M. v. Ardenne als erster in Deutschland den von V. M. Zworykin in seiner amerikanischen Patentanmeldung Nr. 683 337 vom 29. Dezember 1923 [133] alternativ angegebenen elektronischen Diapositiv- oder Filmabtaster nach dem Flying Spot System. Er schrieb zu diesem Zweck auf den hochbelastbaren Bildschirm einer Braunschen Oszillographenröhre (Bild 29) mit extrem geringer Nachleuchtdauer einen Raster von 100 Zeilen bei 20 Bildwechseln/s und projizierte diesen durch ein Objektiv auf das zu übertragende transparente Bild.

Zur Umwandlung der Bildhelligkeitswerte in Bildströme diente - wie bei den mechanischen Bildabtastern - eine Cäsium-Photozelle, mit Argon-Füllung (Trägheit kleiner als 10"5 Sek.) in Verbindung mit einem neunstufigen Loewe-Mehrfachröhren- Breitbandverstärker für 10 hoch1 bis 10 hoch6 Hz. Ein von der Verschlußwelle des Projektors betätigter Kontakt löste den Bild-Ablenkvorgang aus [194].

1932 - jetzt mit 90 Zeilen und 25 Bildwechseln/s

Der gleiche elektronische Filmbildgeber wurde 1932 - entsprechend der neuen Fernseh-Norm des RPZ - mit 90 Zeilen und 25 Bildwechseln/s vorgeführt, während im übrigen auch 1932 noch die mechanischen Bildabtaster mit Mehrfach-Spirale und Grob-Blendenscheibe für 90 bis 120 Zeilen bei durchweg 25 Bildwechseln/s vorherrschten.

1932 - immer noch schlechter als die Nipkow-Scheibe

Ein Vergleich zwischen diesen und der Braunschen Abtaströhre ergab noch 1932, „daß die mit ihr erzielbare Bildschärfe hinter derjenigen einer Nipkow-Scheibe zurückbleibt. Es liegt dies in dem natürlichen Nachleuchten aller bekannten Schirmpräparate, welches zur Folge hat, daß man es in jedem Augenblick gar nicht mit einem wohl definierten leuchtenden Punkt, sondern mit einem Lichtschweif zu tun hat" [195].
(Dieser Text ist nicht ganz plausiebel - was war die "Braunsche Abtaströhre" ??

1932 - Filmabtaster für die UKW-Versuchssendungen des RPZ

Ein Mitte 1932 von der DRP im Haus des Rundfunks in der Masurenallee neu aufgestellter Filmabtaster mit absatzweisem Filmtransport (Bild 30) für die UKW-Versuchssendungen des RPZ ermöglichte durch einfache Umstellung eine Zerlegung der Bilder in 60, 90 und 120 Bildzeilen.

Bei diesem Bildgeber, der aus einem Ernemann-III Projektor entwickelt war, verstärkte man die Photozellenströme noch rein niederfrequent über einen sechsstufigen Verstärker, dessen Ausgangswiderstand durch Parallelschaltung von vier Röhren mit geringem innerem Widerstand (RE 604) in etwa dem Wellenwiderstand des als Modulationskabel für den Sender benutzten konzentrischen Antennenkabels von 60 Ohm angepaßt war.

Als Anpassungswiderstand diente ein Ohmscher Widerstand in Reihe mit einer aus Widerstandsdraht gewickelten Drossel, deren Induktivität mit der Kabelkapazität von 25.000 pF einen Resonanzkreis mit einer Eigenfrequenz von etwa 200kHz bildete. Dadurch erreichte man für die höchsten Bildfrequenzen einen Abfall des relativen Modulationsgrades beim Sender von nur 40% gegenüber der Rasterfrequenz.

Auf der Senderseite war das Kabel rein ohmisch mit seinem Wellen-widerstand abgeschlossen und an den Modulationsverstärker angekoppelt. Diese Modulationsschaltung hatte den Nachteil, daß es damit nicht gelang, den Sender mit der Frequenz 0 zu modulieren. Man war sich bei der DRP schon 1932 darüber klar, daß dieser Mangel „unter Umständen in Zukunft eine Abänderung der Modulationseinrichtung notwendig machen" werde [196].

1932 - G. Krawinkel und K. Ziebig beim RPZ erforschen

Da bei einem 90zeiligen Bild die Breite des im Photozellen-Verstärker niederfrequent zu verstärkenden Frequenzbandes sich von 25 bis zu etwa 115.000 Hz, d.h. über 5000 Oktaven erstreckte, gingen G. Krawinkel und K. Ziebig beim RPZ Mitte 1932 dazu über, mit den Bildsignalströmen einen Hilfsträger von 300kHz zu modulieren. Sie erhielten dadurch ein hochfrequent zu verstärkendes Band von weniger als einer Oktave.

Die Zelle wurde dabei in der bereits erwähnten Brückenschaltung an den aus Loewe-Zweifach-Hochfrequenzröhren bestehenden Achtfach-Verstärker angekoppelt, in dessen Ausgangskreis die Flächenglimmlampe des Bildschreibers in Gleichrichterschaltung lag. Die Trägerfrequenz wurde durch einen Röhrengenerator erzeugt. Durch die so ermöglichte Verstärkung auch der tiefsten Bildfrequenzen erfuhr das Fernseh-Empfangsbild im Kurzschlußbetrieb „eine merkliche Verbesserung" [197].

1932 - G. Schubert (Fernseh A.G.) nutzt Zwischenfilm Technik

Bis 1932 war es noch nicht gelungen, einen brauchbaren „Tageslichtsender" oder „Bühnensender" für die unmittelbare Übertragung beliebiger aktueller Ereignisse mit einem Bildraster von mehr als 3.000 Punkten zu bauen. Deshalb wählte damals G. Schubert (Fernseh A.G.) den bereits früher vorgeschlagenen, aber bis dahin nicht verwirklichten Umweg über die Abtastung eines Zwischenklischees [198]:

Die zu übertragende Szene wurde mit einer handelsüblichen Normalfilmkamera aufgenommen. Der Spezialfilm lief dann aus der Kamera (Bild 31) unmittelbar durch einen lichtdichten Kanal in die Entwicklungseinrichtung, in der er in etwa 85sek, im Extremfalle sogar in 15 Sekunden fertig entwickelt wurde.

Das Negativ, das „photographisch hochgestellten Ansprüchen" entsprach, durchlief noch naß einen Filmgeber mit 160 Watt Lampe für 90 Zeilen und kontinuierlichen Filmvorschub. Nach der Abtastung wurde es auf eine Trommel aufgerollt und unter Wasser aufbewahrt, bis es (für Archivzwecke) getrocknet werden konnte. Die durch die Abtastung des Negativs erhaltenen Impulse kehrte man in einem achtstufigen Bildstrom-Verstärker auf elektrischem Wege in Positiv-Werte um [199].

An Stelle der empfindlichen, aber trägen gasgefüllten Photozellen benutzte die Fernseh-Technik 1932 bereits vereinzelt Hochvakuum-Zellen.

1933 - 180 Zeilen auf der (10.) Jubiläums-Funkausstellung

Während die DRP über den UKW-Sender Witzleben auch 1933 noch das 90zeilige Bild (= 10.800 Bildpunkte) mit der Bildfrequenz 25/s ausstrahlte, wurden auf der (10.) Jubiläums-Funkausstellung vom RPZ und von fast allen Fernseh-Industriefirmen mechanische Filmabtaster für 180 Zeilen (= 40.000 Bildpunkte) bei 25 Bildwechseln/s gezeigt. Als Bildzerleger-Organ diente die Loch-
Scheibe mit einem konzentrischen Kranz von 90 oder 45 Löchern bei 3.000 oder 6.000 U/min.

Zur Verminderung der Luftreibung ließ die Fernseh A.G. die Zerlegerscheibe erstmalig im Vakuum rotieren. Die Photozellenströme wurden bei den verschiedenen Ausführungsformen in Gleichstrom-, Niederfrequenz- oder Trägerfrequenz Verstärkern mit 10 bis 5 Stufen verstärkt.

1933 - Personenabtaster für 90 Zeilen

Beim Personenabtaster der Fernseh A.G. für 90 Zeilen konnte der optische Wirkungsgrad dadurch verbessert werden, daß sich das fernzusehende Objekt in einer geschlossenen Kabine befand, deren Boden und Wände das Licht des abtastenden Punktes diffus reflektierten, so daß die früher störenden Schlagschatten gemildert wurden. Zur Umwandlung der Helligkeitswerte in Stromimpulse dienten 2 Großflächen-Photozellen von je 450 cm2 Oberfläche.

1933 - Filmgeber mit Spiegelrad und 96 Zeilen

Eine Sonderstellung unter den 1933 gezeigten Filmgebern nahm eine Konstruktion von A. Karolus ein, bei der ein Raster von 96 Zeilen mit einem nur 24teiligen Spiegelrad über 4 getrennte Übertragungskanäle erzeugt wurde. Am Verstärkereingang führte Karolus eine von einer Lichtsirene gelieferte Trägerfrequenz von 100 kHz ein. Das Verfahren brachte einen erhöhten optischen Wirkungsgrad und eine Verringerung des je Kanal erforderlichen Frequenzbandes. Es kann als Vorstufe zu dem späteren Zellenraster-Fernseher von Karolus gelten.

1934 - 180zeilige Bilder

Unter den 1934 gezeigten Filmabtastern zeichnete sich eine Apparatur aus, die von der Fernseh A.G.für den Fernseh-Sendeversuchsbetrieb der DRP gefertigt worden war und dementsprechend eine besonders hohe Betriebssicherheit aufwies.

Der Geber für 180zeilige Bilder (Bild 32) benutzte wieder eine im Vakuum mit 6.000 U/min rotierende Kreislochscheibe von 45 Löchern, deren jedes eine Kantenlänge von nur 0,15 mm besaß. Die Scheibe trug gleichzeitig die Synchronisierungsschlitze für Zeilen- und Bildfrequenz. Für den kontinuierlichen Filmtransport wurde eine „Ernemann VII"- Kinomaschine mit einer 75-Ampere-Bogenlampe und mit wassergekühltem Filmfenster benutzt, auf der sowohl Spielfilme bis 1.500m Länge als auch kontinuierliche Filmschleifen bis zu 250m für den Versuchsbetrieb vorgeführt werden konnten.

1934 - Vierfach-Spirallochscheibe mit 6.000 U/min im Vakuum

Ein 1934 für die DRP entwickelter Personenabtaster der Fernseh A.G. (Bild 33) für 180-Zeilen Bilder arbeitete mit einer Vierfach-Spirallochscheibe von 6.000 U/min im Vakuum. Als Lichtquelle diente eine 150 Ampere-HI-Lampe, die einen Lichtstrom von 25.000 Lumen lieferte. Verschiedene Objektive im Revolverkopf ermöglichten die Abtastung eines Bildfeldes von 40 x 50 bis 100 x 130cm mit einem Lichtstrom von 1/300 Lumen.

Die DRP setzte beide Bildgeber nach der Funkausstellung 1934 im Fernseh- Laboratorium des RPZ in der Rognitzstraße für den praktischen Sendebetrieb ein. Die Bildströme wurden dabei mit einer Trägerfrequenz von 1,3 MHz auf einem 750 m langen Modulationskabel zum Sender übertragen [201] [202].

1934 - Bildabtaster aus den Vereinigten Staaten

Ende 1934 gelangten die ersten Veröffentlichungen über betriebsfähige elektronische Bildabtaster aus den Vereinigten Staaten auf dem Wege des Patentaustausches nach Deutschland. An Hand dieser Unterlagen und einer durch Telefunken von der RCA beschafften Muster-Iconoscope-Röhre begann sowohl bei der deutschen Fernseh-Industrie als auch bei der DRP die selbständige Weiterentwicklung dieser Geräte.

1935 - Zeilensprungverfahren für 180zeilige Bilder

Im Jahre 1935 führten Telefunken, TEKADE und Loewe gleichzeitig das Zeilensprungverfahren für 180zeilige Bilder mit 25 vollen Bildwechseln/s ein.

Dadurch, daß man bei zwei aufeinanderfolgenden Abtastungen des Bildes jeweils wechselnd nur jede zweite Zeile übertrug, erzielte man eine scheinbare Bildwechselzahl von 50/s und konnte dadurch - ähnlich wie im Lichtspieltheater durch mehrfaches Abdecken [202] des projizierten Filmbildes - das Flimmern der Fernsehbilder weitgehend unterdrücken.

1935 - Linsenkranz-Abtaster für 2x90 Zeilen

Telefunken hatte 1935 für die Kurzschluß-Vorführung der ersten Fernsehbilder nach dem Zeilensprungverfahren einen von E. Mechau entwickelten Linsenkranz-Abtaster für 2x90 Zeilen herausgebracht (Bild 34). An Stelle der Löcher bei den bis dahin vorherrschenden Nipkowscheiben-Abtastern enthielt dieser Bildgeber korrigierte, durch die Fliehkraft nicht dejustierbare Mikro-Objektive (F:1,1), die zur Zerlegung eines kontinuierlich laufenden Films ringförmig, zur Abtastung von Personen in Form einer Doppelspirale in die Peripherie einer schweren, von einem Synchronmotor mit 3.000 U/min angetriebenen Stahltrommel (Bild 35) eingesetzt waren.

Mit nur 6 Ampere Lampenstrom erreichte Mechau im Abtastpunkt eine etwa 20- bis 30mal höhere Leuchtdichte als bei einem gewöhnlichen Lochscheibenabtaster. Damit war „bei einem durch die Vervollkommnung der Optik stark erhöhten Wirkungsgrade zum erstenmal eine völlig saubere und gleichmäßige Übertragung sämtlicher Zeilen gewährleistet", und der Linsenkranzabtaster mit seinem Gewicht von 750 kg „erbrachte eine unerwartete Steigerung der Bildgüte" [203].

1935 - Zeilensprung-Bilder mit Spiegelschraube

Die Firma TEKADE löste 1935 für die Wiedergabe von Zeilensprung-Bildern mit der Spiegelschraube das Problem des mechanischen Filmabtasters dadurch, daß sie in den Lichtweg der mit verdoppelter Drehzahl umlaufenden Lochscheibe einen mit 25 U/s rotierenden planparallelen Glassektor von 180° als „Wobbler" einfügte. Dadurch wurde jedes zweite Bild um eine Zeilenbreite verschoben, und es ergab sich die erwünschte Abtastung mit gegeneinander versetzten Zeilen [204].

1935 - In Deutschland erste elektronische Bildabtaster

Im Jahre 1935 wurden in Deutschland die ersten elektronischen Bildabtaster gebaut. Die Fernseh A.G. arbeitete mit dem im Prinzip bereits 1925 von Dieckmann und Hell angegebenen, aber erst 1934 von Ph. T. Farnsworth durch Einführung der elektronenoptischen Abbildung zu einer brauchbaren Form [205] [206] entwickelten Bildsonden-Abtaster (Dissector-Tube) (Bild 36).

Bei dieser Anordnung wurde das auf eine durchsichtige Photokathode projizierte Bild des fernzusehenden Gegenstandes in seiner Gesamtheit in ein Elektronenbild übergeführt und dann nach elektronenoptischer Abbildung durch 2 Magnetfelder rasterförmig über eine Bildsonden-Öffnung (Zerlegerblende) von der Größe eines Bildelements geführt.

Der durch die Blende durchtretende Elektronenstrom konnte bei der von der Fernseh A.G. vervollkommneten Bildsondenröhre [207] durch Sekundäremission in einem Prallnetz-Vervielfacher nach G. Weiß etwa um den Faktor 10 hoch 8 verstärkt werden [208].

1936 - Grenzen der Farnsworth Röhre erreicht

„Obwohl man die Übertragungen mit der Farnsworth-Kamera" (Bild 37), die während der XL Olympischen Spiele zum ersten Male praktisch eingesetzt wurde, „als durchaus gelungen bezeichnen mußte, erkannte man doch gleichzeitig, daß dieses Gerät bei Anordnung höherer Zeilenzahlen den gestellten Anforderungen nicht mehr genügen konnte" [209].

Man benutzte deshalb die Farnsworth-Bildsondenröhre später nur noch zur Abtastung hell beleuchteter Zwischenklischees, weil jedes Störsignal fehlte und die Gleichstromkomponente mit übertragen wurde [207].

1935 - Telefunken und RPZ setzen Iconoscope ein

Im Gegensatz zur Fernseh A.G. griffen Ende 1934 die Telefunken G.m.b.H. und das RPZ den 1931 von Zworykin als erstem praktisch verwirklichten Gedanken eines Bildspeicherrohr-Abtasters [210] [211] (Iconoscope) auf (Bild 38).

Anmerkung:
Eigentlich handelt es sich um ein Ladungsspeicherrohr, nicht um ein Bildspeicherrohr !!


Wie ein Iconoscope funktioniert :

Das fernzusehende Bild wurde dabei optisch auf eine Vielzahl kleinster Cäsium-Photokathoden von 3 bis 10u (mü) Durchmesser projiziert, deren Dichte je mm2 etwa 18mal größer war als die Dichte der die Netzhaut des menschlichen Auges bildenden Stäbchen und Zäpfchen.

Sie stellten - voneinander durch Sinterung isoliert - die Gegenelektroden einer homogenen „Signalplatte" dar. Alle diese Elementar-Photokathoden saßen auf einer hochisolierenden Glimmerplatte und bildeten mit dieser als Dielektrikum und der Signalplatte Kondensatoren von je etwa 0,01 pF. Das auf diesem Photozellen-Mosaik erzeugte optische Bild rief durch die partielle Auslösung von Photo-Elektronen helligkeitsproportionale Ladungsänderungen der Elementarkondensatoren hervor, die bei der Abtastung an einem zwischen Signalplatte und Erde liegenden Arbeitswiderstand die Bildsignale lieferten.

Da das Licht nicht nur während der Abtastdauer eines Rasterelements, sondern während einer ganzen Bildperiode auf die Photo-Mosaikschicht einwirken konnte, ergab sich gegenüber den bis dahin verwendeten Abtastern infolge der Ladungsspeicherung eine um mehrere Größenordnungen höhere Empfindlichkeit [212] [213].

Durch die sägezahnförmige Abtastung der Mosaikelektrode entstand allerdings ein, örtlich verschiedenes Gleichgewichtspotential auf den Mosaik-Elementen, das dem Nutzbildstrom ein die Bildhelligkeit ungleichmäßig beeinflussendes „Störsignal" überlagerte und die Ausnutzung des Speicherprinzips auf etwa 5 bis 10% des theoretisch möglichen Effekts begrenzte.

Erster Einsatz bei Olympischen Spielen in Berlin 1936

Mit dem ersten beim RPZ gebauten Bildspeicherrohr konnte im März 1936 das Bild eines gegen den hellen Himmel aufgenommenen Fensterkreuzes übertragen werden. Erst nachdem es den deutschen Entwicklungsstellen gelungen war, einen noch vorhandenen grundsätzlichen Fehler in der Apparatur zu beseitigen, gaben die in Deutschland gebauten Speicherrohr-Abtaster auch Halbtöne befriedigend wieder, so daß auch sie zum ersten Male während der Olympischen Spiele in Berlin 1936 für den praktischen Fernseh-Übertragungsdienst eingesetzt werden konnten.

1936 - Über die Olympia Iconoscope-Kamera von Telefunken

Dabei verwendete Telefunken eine speziell für die Übertragungen aus dem Olympia-Stadion gebaute Iconoscope-Kamera (Bild 39), die am Rande der Kampfbahn - 10m von der Ziellinie der Laufbahn und 70m von der Mitte des Stadions entfernt - aufgestellt war.

Sie arbeitete wahlweise mit 3 Objektiven von 25, 90 und 160cm Brennweite bei einer relativen Öffnung von F:5. (Das Leitz-Objektiv von 1,60m Brennweite besaß einen Linsendurchmesser von 40cm und ein Gewicht von 45kg.) Die Gesamtlänge der Kamera bei eingesetztem Teleobjektiv betrug 2,20m.

Der Kameramann konnte das optische Bild über einen Winkelspiegel parallaxenfrei auf der Mosaikkathode betrachten und scharf einstellen [214] [215].

Zur Bedienung der Olympia-Kamera waren 5 Personen erforderlich, von denen zwei ständig an der Kamera tätig waren, zwei die Verstärkeranlage überwachten und einer beim Objektivwechsel half.

Die Kamera war mit dem zugehörigen Speisegestell durch ein 30m langes Kabel verbunden. Bild- und Gleichlaufzeichen wurden über eine Trägerfrequenz von 1,3MHz zum Mischpult der Übertragungsstelle weitergeleitet.

„Durch die schlechten Witterungs- und Lichtverhältnisse der Leichtathletik-Woche wurde der erste betriebsmäßige Einsatz der Elektronenstrahlkamera gewiß nicht erleichtert. Trotzdem darf als Gesamtergebnis verzeichnet werden, daß dieser Bildfänger bereits einen großen Fortschritt auf dem Gebiet des Fernsehens bedeutet" [216].

1936 - Die Iconoscope-Kamera des RPZ

Das RPZ setzte während der Spiele eine im eigenen Laboratorium gebaute Iconoscope-Kamera im Schwimmstadion ein, in dem sie allerdings recht ungünstig auf der Publikumstribüne stand.

1936 - Erstmalig Straßenszenen vor der Fernseh-Halle

Während der Rundfunk-Ausstellung 1936 nahm die Olympia-Kamera von Telefunken zum ersten Male Straßenszenen vor der Fernseh-Halle auf, während die Iconoscope-Kamera des RPZ (abwechselnd mit dem für die Olympischen Spiele gebauten neuen Zwischenfilmwagen der DRP) die Darbietungen auf einer Freilicht-Schaubühne des „Fernsehsenders Paul Nipkow" aufnahm.

1936 - Bilder mit 375 Zeilen von Telefunken

Unabhängig von diesen über den UKW-Sender Witzleben gehenden 180-Zeilen-Bildern zeigte die Telefunken-G.m.b.H. im Inneren der Fernseh-Halle auf einer kleinen Kunstlichtbühne Kurzschlußbilder mit 375 Zeilen nach dem Zeilensprung-Verfahren, die mit 2 Versuchskameras aufgenommen wurden.

Zur selben Zeit benutzte die Firma nach einem Vorschlag von F. Schröter und R. Urtel das Speicherrohrprinzip zur Abtastung der von einem Mechau-Projektor gelieferten Filmbilder. Dabei konnte man auf den Gleichlauf zwischen Filmvorschub und Abtastvorgang verzichten und die Darbietungen des Filmgebers mit denen einer Iconoscope-Kamera für Freilichtaufnahmen ohne Unterbrechung und Phasennachregulierung mischen.

1937 - neuer elektronischer Personen- oder Filmabtaster

1937 entwickelten M. Knoll und H. Elstermann bei Telefunken nach einem 1923 von Zworykin gegebenen Prinzip einen neuartigen elektronischen Personen- oder Filmabtaster:

Der von einer Braunschen 40kV-Röhre mit sehr hellem Fluoreszenzfleck geschriebene Raster konstanter Helligkeit wurde durch eine Optik auf das fernzusehende Objekt oder Filmbild abgebildet. Zwei Cäsium-Antimon- Photozellen mit Sekundärelektronen-Vervielfachern verwandelten das von den einzelnen Bildpunktendes Objekts reflektierte oder - beim Film - durchgelassene Licht in proportionale Bildströme.

Voraussetzung für diese Art der Abtastung waren Leuchtschirme mit einer Nachleuchtdauer von 5 x 10 hoch-7 Sekunden und weniger, wie sie auf Anregung von F. Schröter durch A. Schleede und B. Bartels in Form reiner Zinkoxydschirme mit einem Emissionsmaximum im Gelbgrün (550 m u) entwickelt worden waren. Die zur Verstärkung erforderliche Trägerfrequenz von 8,4 MHz wurde über den Kathodenstrahl eingeführt.

Dieser „Leuchtschirmgeber" (Bild 40) oder - wegen der Farbe des Fluoreszenzschirms - „Grünlichtabtaster" und die damit abgetasteten Bilder eines Redners oder eines von einem Mechau-Bildwerfer projizierten Films zeichneten sich „durch orthochromatische Reproduktion der Grauskala, große Schärfe, gute Halbtonwiedergabe, großen Kontrastumfang und das Fehlen jeglichen ,Störsignals' ... aus" [217] [218].

1937 - Iconoscope-Kamera mit 441 Zeilen

Für die Übertragung von Freilicht- und Bühnenszenen mit 441 Zeilen setzte sich 1937 die Ladungsspeicherrohr-Kamera endgültig durch. Ihr Gewicht betrug bei Abmessungen von 62 x 63 x 28 cm rund 50kg. Die Telefunken-Kamera arbeitete 1937 noch mit unmittelbarer, parallaxenfreier Beobachtung und Scharfeinstellung des aufzunehmenden Bildes auf der Mosaikkathode, während die Fernseh A.G. eine 1862 von Disderi für photographische Kameras angegebene Form mit zwei mechanisch gekuppelten Objektiven benutzte, von denen eins nur zur Scharfeinstellung und zur Bildausschnittbeobachtung diente (Bild 41).

Über die Bedienbarkeit der damaligen Kameras

In aufnahmetechnischer Hinsicht waren die Fernsehkameras recht primitiv ausgeführt. Sämtliche in der Kinematographie selbstverständlichen Einrichtungen fehlten, weil der Hersteller des „inneren", hochvakuum- und verstärkertechnischen Teils auch den „äußeren" optisch-mechanischen Rahmen mitbaute [219].

„Die äußere Form und die Gesamtausführung" schrieb 1941 einer der ersten Fernseh-Kameraleute, „waren als reine Laboratoriumsausführung anzusprechen. Die ausschließlich von vorn zu bedienende Blende führte jedesmal zu Schwierigkeiten bei der Einstellung durch den Kameramann, da der Konstrukteur dieser Geräte nicht berücksichtigt hatte, daß die Blendeneinstellung jederzeit griffig bei plötzlich eintretender Änderung der Lichtverhältnisse während der Aufnahmen vorgenommen werden muß" [220].

Diese so nachlässig behandelte äußere Bildaufnahmetechnik verursachte jahrelang - wenigstens zum großen Teil - die oft unbefriedigenden Bilder bei unmittelbaren Fernseh-Aufnahmen.

1937/38 - Über elektronische Einzelprobleme

Die Forschungsanstalt der Deutschen Reichspost (RPF) behandelte 1937/38 vorwiegend elektronische Einzelprobleme. Dazu gehörten u. a. Arbeiten zur Klärung der Wirkungsweise und Steigerung der Empfindlichkeit von „Bildfängerröhren" - wie man bei der DRP die Zworykinsche Bezeichnung „Iconoscope" verdeutschen zu müssen glaubte. Man fand, daß für die Wirkungsweise des Iconoscops nicht so sehr die Entladung der durch Belichtung aufgeladenen Mosaikkondensatoren als vielmehr die durch den Strahl ausgelösten Sekundärelektronen maßgebend waren, die zum Teil unter Bildung einer Raumladung als Rückstrom auf das abgetastete Element und dessen Nachbar-Elemente zurückflössen und dadurch die Steuersteilheit verringerten [215], [221].
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Um den Anteil des Rückstroms auf die jeweils nicht abgetasteten Mosaik-Elemente möglichst klein zu halten, hoffte man bei der RPF, in Speicherrohr-Bildfängern mit hochisolierendem Dielektrium „unter sinnfälligen Voraussetzungen theoretisch eine das Bildsignal erzeugende Elektronenausbeute von nahezu 100% der zu einer Speicherung zur Verfügung stehenden Photoelektronen" zu erreichen, während Zworykin und Mitarbeiter 1937 nur einen Wert von 5 bis 10% erzielt hatten [222].

„Ob solch hohe Ausbeuten praktisch erreichbar" waren, d. h. „ob die bei der Herleitung gemachten Voraussetzungen in ausreichendem Maße zu verwirklichen" waren, ließ sich Ende 1938 noch nicht entscheiden [223].
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1938 - Verbeserung der Empfindlichkeit der Abtaströhre

Einen anderen Weg, die Empfindlichkeit der Bildspeicher-Abtaströhre zu erhöhen, wählten G. Krawinkel und Mitarbeiter (RPF), indem sie die Absaugfeldstärke für die signalerzeugenden Elektronen dadurch zu erhöhen suchten, daß sie den Mosaik-Elementen über ein halbleitendes Dielektrikum ein negatives Potential gegen die Absaugelektrode erteilten. Die Querleitfähigkeit des Halbleiters machte allerdings einen Teil der Speicherung wieder zunichte, und es ergab sich für die Zeitkonstante der Speicherkapazität ein optimaler Wert, bei dem im günstigsten Falle 80% aller ausgelösten Photoelektronen an der Erzeugung des Bildsignals mitwirkten, so daß Fernsehbilder mit einer Beleuchtungsstärke von nur 1 bis 2 Lux an der Signalplatte erzeugt werden konnten.

Das entsprach einer 3- bis 10 fachen Empfindlichkeits-Steigerung gegenüber Bildspeicherröhren mit hochisolierendem Dielektrium.

Dieser Vorteil wurde allerdings dadurch erkauft, daß bei einer einmaligen Abtastung das Ladungsbild nicht vollständig beseitigt wurde und störende Nachbilder auftraten, die man wieder nur durch Verzicht auf einen Teil des Halbleitereffektes hätte unterdrücken können,[224],[225].

Das Verfahren wurde wegen der Schwierigkeit, Halbleiterschichten von genügender Homogenität herzustellen, damals industriell nicht ausgewertet.

1938 - Das Super-Iconoscope

Stattdessen gelang es, die Empfindlichkeit der Bildspeicherröhre im Jahre 1938 durch Einführung der Vorabbildung um etwa eine Größenordnung zu erhöhen. Man projizierte das optische Bild dabei auf eine durchsichtige, zusammenhängende Photokathode, bildete „es durch die entstehenden Photoelektronen elektronenoptisch" - und zwar nach einem Vorschlag von F. Schröter meist vergrößert [226] - „auf einen ladungsspeichernden, zur Abgabe von Sekundärelektronen geeigneten Prallschirm ab und tastete es mit einem scharf gebündelten Strahl schneller Elektronen in normaler Weise rasterförmig ab" [227], [228].

Bei diesem Super-Iconoscope kam man infolge der elektronenoptischen Vergrößerungsmöglichkeit mit Lichtbildern von 2 x 2,4 bis 2,4 x 3,6cm und dementsprechend Objektiv-Brennweiten von 5cm gegenüber 15 bis 20cm bei den bis dahin verwendeten gewöhnlichen Iconoscope-Kameras aus.

1938 - Neue Optiken mit kürzeren Brennweiten

Im Zusammenhang mit der Verkürzung der Brennweiten konnte die Lichtstärke der Objektive von F:3,5 auf F:1,5 gesteigert werden [229]. Die Super-Iconoscope- Kameras für ein 441-Zeilen-Bild wurden im August 1938 zum ersten Male für die Aufnahme von Freilicht-Bühnenszenen eingesetzt und lieferten „vorzügliche Bilder selbst bei Beleuchtungsstärken, die den im Filmatelier gebräuchlichen unterlegen waren" [230].

Die für die damaligen Fernseh-Kameras angegebenen Empfindlichkeiten beruhten allerdings offenbar auf Remissionsmessungen, bei denen das Reflexionsvermögen des Aufnahmeobjekts in die Messung einging, so daß sie keine Rückschlüsse auf die tatsächlich erforderlichen Beleuchtungsstärken mehr zulassen [231].

1937/38 - Faktisches Ende der Farnsworth Bildsondenröhre

Die Bildsondenröhre nach Farnsworth behauptete sich nach 1937 nur noch für die Abtastung hochzeiliger Filmbilder und Diapositive, weil sie außerordentlich leichte Abtaster zu bauen gestattete, die mit den mechanischen Zerlegern in erfolgreichen Wettbewerb traten.

1938/39 - Immer noch mechanische Bildgeber

Trotz aller Fortschritte der elektronischen Bildabtaster entwickelte die Fernseh AG. „in Erkenntnis der Tatsache, daß auf mechanischem Wege gerasterte Fernsehbilder bezüglich Sauberkeit in der Geometrie" bis dahin „unerreicht" waren, 1938/39 noch mechanische Bildgeber für 441-Zeilen-Bilder. Um den teuersten Teil eines solchen Bildgebers, die Zerlegerscheibe, möglichst weitgehend ausnutzen zu können, baute die Firma damals einen Universal-Abtaster für die gleichzeitige Übertragung des Bildes eines Vortragenden, eines Diapositivs und eines Films.

Die aus 0,3mm starkem Leichtmetall gefertigte Nipkow-Scheibe für alle drei Übertragungsformen lief mit 10.500 U/min im Vakuum von 5mm Quecksilbersäule. Der Lochdurchmesser betrug 0,05mm. Durch gemeinsame Anordnung der Bildfelder für die drei Abtaster auf einer Zerlegerscheibe erreichte man für alle Bilder zwangsläufig gleiche Zeilen- und Bildphasenlagen. Da auch die Synchronisier- und Austastimpulse optisch von der Zerlegerscheibe geliefert wurden, konnten die drei Bilder ohne Phasensprung pausenlos ineinander übergeblendet werden.

Personen Abtastung von mit einer 750W-Lampe

Zur Abtastung von Personen genügte der von einer 750W-Lampe gelieferte Lichtstrom. Während der Bildrücklaufzeiten wurde die Abtastkabine fünfzigmal in der Sekunde durch Lichtblitze von je 1/1000 Sekunde Dauer erhellt, wobei die Photozellen-Sekundärelektronen- Verstärker automatisch ausgetastet wurden.

1939 - Zwillings-Filmabtaster für 441 Zeilen

„Die Bildschärfe und die Bildauflösung reichten sehr nahe an die theoretisch überhaupt mögliche Bildqualität heran" [232]. Da dieser technisch interessante Universal- Abtaster - im Gegensatz zu dem älteren, dieselben Möglichkeiten bietenden Linsenkranzabtaster für 180 Zeilen - noch eine Abtastkabine erforderte, konnte er im deutschen- Fernseh-Rundfunk nicht mehr eingesetzt werden.

Mit der gleichen Nipkow-Scheibe rüstete die Fernseh AG. ihren im Herbst 1939 an das Fernseh-Studio der Reichspost gelieferten Zwillings-Filmabtaster für 441 Zeilen zur pausenlosen Übertragung mehraktiger Spielfilme aus. Der doppelt vorhandene Photozellenverstärker war mit einer vollständigen Einkanal- Modulationseinrichtung ausgerüstet, so daß man mit dem Zwillingsabtaster ein Programm für sich übertragen konnte.

Für die Abtastung von 5x5cm Diapositiven baute die Fernseh AG. 1938 einen einfachen Bildwerfer mit Sondenröhren-Abtaster [233].

1939 - Deutlich kleinere Kameraköpfe

Im selben Jahre gelang es, das Volumen der Speicherrohr-Kamera, des „Kamera-Kopfs", gegenüber der Ausführungsform von 1938 auf etwa die Hälfte zu verringern (42 x 32 x 35cm). Das Gewicht betrug nur noch 25kg. Die Optik mit Parallaxenausgleich des Sucherbildes ließ sich von oo bis auf 1m entsprechend einem kleinsten Bildfeld von 0,30 x 0,36m scharf einstellen.

1939 - Immer noch große Schwächen bei der Bedienbarkeit

Trotzdem standen bei der Konstruktion der Kamera auch 1939 noch „für den Fernsehtechniker die Probleme hochvakuumtechnischer und hochfrequenztechnischer Art im Vordergrund" [234], und die besonderen Erfordernisse des Fernseh-Studios wurden praktisch kaum berücksichtigt, weil es einmal noch an speziellen Fernseh-Aufnahme- Erfahrung mangelte und weil man es anderseits nicht verstand, die Erkenntnisse der Filmaufnahmetechnik sinngemäß auf das Fernsehen zu übertragen. Erst dem praktischen Studio-Betrieb blieb es vorbehalten, diese konstruktiven Mängel der Kameras nach und nach zu beseitigen.

1940 - Erster elektronischer Sucher

1940 verwirklichte die Fernseh GmbH, den bereits früher [235] diskutierten Gedanken eines elektronischen Suchers in Gestalt einer an der Kamera angebrachten Braunschen Empfängerröhre von etwa 6cm Durchmesser, auf deren Schirm der Kameramann das wirklich aufgenommene Fernseh-Bild unmittelbar beobachten konnte [236], [237].

Die während des Krieges geschaffenen Kameras für Sonderzwecke sollen an anderer Stelle behandelt werden.
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1940 - Die zivile Kameraentwicklung wird weitgehend eingestellt.

Alle verfügbaren Kapazitäten mussten jetzt für den Krieg herhalten.
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