Sie sind hier : Startseite →  Fernseh-Historie→  Fernsehen in D bis 1945→  Fernsehen bis 1945-Wirtschaftsfragen

Das Fernsehen in Deutschland bis zum Jahre 1945
(29) Wirtschaftsfragen des deutschen Fernsehens

Die Kosten für die Entwicklung des Fernsehens in Deutschland mußten bis zum Jahre 1928 ausschließlich von den Erfindern oder den beteiligten Industriefirmen selbst getragen werden.

Ein Vorteil für die Großfirmen

Dabei waren natürlich Großfirmen, die ohnehin jährlich große Summen für technische Entwicklungsarbeiten aufwandten und die Ausgaben für das Fernsehen leicht auf andere Verbuchungsstellen umlegen konnten, den Einzelerfindern und Fernseh-Spezialfirmen gegenüber im Vorteil.

Ausgleichender Eingriff der DRP ab 1929/30

Es gehört zu den großen Verdiensten der DRP, daß sie hier finanziell ausgleichend eingriff, indem sie von 1929 an der deutschen Fernseh-Industrie entsprechend ihrer Kapazität in steigendem Maße Aufträge über die Lieferung von Fernseh-Einrichtungen erteilte: In den Jahren 1929/30 wandte die DRP für diese Zwecke rund 200.000 RM auf [547].

Auch die RRG erteilte kleinere Aufträge

Neben der Post trat auch die RRG - allerdings in viel geringerem Maße - als Auftraggeber in Erscheinung, solange sie auf dem Gebiet der Aufnahmetechnik noch selbständig mit der Fernseh-Industrie entwickelte. Die von der RRG erteilten Aufträge umfaßten im wesentlichen zwei Filmgeber, einen Zwischenfilm-Reportagewagen und eine Anzahl Empfangsgeräte für die verschiedenen Zeilenzahlen.

1934 - Null-Serie von Fernseh-Empfängern mit 180 Zeilen

1934 waren die von verschiedenen Firmen in einer Null-Serie gefertigten Fernseh-Empfänger mit Braunscher Röhre für das 180-Zeilen-Bild so weit durchgebildet, „daß eine Vervielfältigung der Geräte in einer Standardausführung bereits möglich" erschien. „Mit dem Beginn der Fabrikation wurde beabsichtigt, alle Herstellungsfragen genau zu studieren, um späterhin die Lieferungen zu billigen Preisen und in ganz einwandfreier Güte durchführen zu können".

Man konnte "sie" nicht kaufen.

Da ein freier Verkauf der Geräte jedoch noch nicht in Frage kam, sollten „die Empfänger dazu benutzt werden, nun auch in einem größeren Umkreis um den Sender systematisch Empfangsversuche anzustellen und Betriebserfahrungen zu sammeln" [200]. Daß bedeutete, daß die DRP, die ja in erster Linie diese Empfangsversuche durchführte, damals einen großen Teil der jährlichen Fernseh-Geräteproduktion aufkaufte und die Empfänger prominenten Persönlichkeiten, aber auch ihren eigenen Beamten, Angestellten und Arbeitern, soweit sie auf dem Fernseh-Gebiet arbeiteten, für Versuchszwecke unentgeltlich zur Verfügung stellte.

Die alljährliche Berliner Funkausstellung "bescherte" Aufträge

Ausgesprochene Entwicklungsaufträge auf dem Fernseh-Gebiet erteilte die DRP - schon wegen der damit verbundenen Verbuchungsschwierigkeiten - nur in einigen wenigen Fällen, und auch dann nur über verhältnismäßig geringe Beträge bis zu etwa 30.000 RM.

Die Regel bildeten Aufträge über die Fertigung bestimmter Fernseh- Einrichtungen, die gewöhnlich kurz vor oder während der alljährlichen Berliner Funkausstellung geliefert und von der DRP abgenommen wurden.

Häufig beanspruchte freilich die Herstellung derartiger Geräte so viel Zeit, daß inzwischen die Ergebnisse einer anderen Entwicklung vorlagen, auf die man bei der DRP mehr Wert legte.

Gewöhnlich hatte aber in solchen Fällen die Firma zur Erfüllung des ersten Auftrages bereits so erhebliche Kosten aufgewandt, daß die DRP diese Bestellung nicht zu annullieren oder abzuändern pflegte, sondern die Apparatur nach der Fertigstellung zwar abnahm, sie jedoch nicht mehr für den Fernseh-Betrieb einsetzte, sondern sofort abschrieb und ganz oder teilweise im Laboratorium für Versuchsarbeiten verwertete.

  • „Die sprunghafte Entwicklung der Fernsehtechnik", schrieb 1935 ein Vertreter der Industrie, „ist ein Beweis für die befruchtende Wirkung, die von einer staatlichen Initiative ausgehen kann, indem sie das Risiko der Entwicklung verringert und es in dieser Weise der Industrie ermöglicht, die Forschung nicht auf das labor-not-wendige Minimum zu beschränken, sondern sogleich praktische Erfahrungen zu sammeln, die für eine spätere Periode der Entwicklung von grundlegender Bedeutung sein werden" [356].

.

1935 - Die Kosten fürs Fernsehen stiegen stark an

Im Rechnungsjahr 1935 sah sich dieDRP gezwungen, ein besonderes Kapitel,„VI" der Ausgabe für „Instandhaltung, Erneuerung und Erweiterung der Fernseh-Anlagen" anzulegen, weil die Kosten für das Fernsehen, die bis dahin bei Kapitel III bis V verbucht worden waren, diese Verrechnungsstellen unzulässig stark belasteten.

Für die technischen Einrichtungen des Fernsehens verausgabte die DRP bei Kapitel VI an Anlagemitteln:
.

  • 1937 18 Millionen RM
  • 1938 23 Millionen RM
  • 1939 22,6 Millionen RM
  • 1940 16,2 Millionen RM
  • 1941 18,2 Millionen RM
  • 1942 3,7 Millionen RM
  • 1943 2,9 Millionen RM

.
Der Rückgang der Anlage-Ausgaben in den letzten beiden Jahren erklärt sich einmal daraus, daß man von 1942 an die Kosten für das Fernseh-Leitungsnetz, auf dem während des Krieges fast ausschließlich Vielband-Sprechverkehr abgewickelt wurde, auf Kapitel IV c III (Fernkabel) übernahm und daß anderseits die Industriefertigung von zivilen Fernsehgeräten während des Krieges fast gänzlich eingestellt worden war.

1941 - Rückblick auf durchschnittlich 19,8 Millionen Ausgaben pro Jahr

Vergleicht man diese bis zum Jahre 1941 von der DRP für das Fernsehen aufgewandten Anlagemittel von durchschnittlich 19,8 Millionen jährlich mit dem am 31. März 1942 ermittelten Fernseh-Anlagevermögen (Investitionen auf dem Gebiet der Fernseh-Technik) von 90,6 Millionen, so ergibt sich, wenn man - wie bei Funkanlagen - eine Abschreibungsfrist von fünf Jahren zugrunde legt, ein Jahresabschreibungswert von 18,3 Millionen, der mit den oben angegebenen Kassenzahlen gut übereinstimmt.

Gegenüber diesen Anlage-Ausgaben waren die Ausgaben für den Fernseh-Betrieb verhältnismäßig gering. Sie betrugen:

  • 1935 0,4 Millionen30; IBM
  • 1936 0,7 Millionen30 RM -
  • 1937 0,78 Millionen RM
  • 1938 0,7 Millionen30 RM
  • 1939 1,2 Millionen RM
  • 1940 1,8 Millionen RM
  • 1941 3,9 Millionen RM
  • 1942 3,7 Millionen RM
  • 1943 3,0 Millionen RM [548].


Die Zunahme der Ausgaben vom Rechnungsjahr 1939 an erklärt sich dadurch, daß am 1. September 1939 zu den rein sächlichen Betriebsausgaben des deutschen Fernsehens die Kosten für den gesamten Etat der Reichspost-Fernseh-Gesellschaft hinzukamen. Sie erhöhten sich vom Rechnungsjahr 1942 an noch um die Aufwendungen für den Zweigbetrieb der RFG in Paris.

Die DRP kaufte meist nur Geräte mit Verwendungsmöglichkeit

Es darf aus der vorstehenden, notgedrungen summarischen Darstellung nicht der Eindruck entstehen, als ob die DRP vor 1940 zur Förderung der deutschen Fernseh-Industrie deren gesamte Jahresproduktion aufgekauft hätte. Das war keineswegs der Fall.

Die DRP beschaffte vielmehr nur diejenigen Geräte und Anlagen, für die im praktischen Fernsehdienst - zumindest im Zeitpunkt der Auftragserteilung - eine Verwendungsmöglichkeit gegeben erschien. Technisch interessante Entwicklungen, für die diese Voraussetzung nicht zutraf, z. B. die Zellenraster-Großbildanlagen von Telefunken u. a., mußten ausschließlich von der Industrie selbst finanziert werden.

Telefunken war 1924/25 die erste Fernseh-Firma in Deutschland

Die erste Firma der deutschen Fernmelde-Industrie, die sich mit Fernseh-Problemen befaßte, war die Telefunken G.m.b.H. Sie hatte bereits 1924/25 zusammen mit der Siemens & Halske AG. und A. Karolus ein neuartiges Bildtelegraphensystem für episkopische Abtastung beliebiger Bildvorlagen entwickelt. Es lag für die Firma naturgemäß nahe, die für bildtelegraphische Zwecke bewährten Konstruktionselemente bereits in den Jahren 1925/28 zum Bau einer relativ hochwertigen Fernseh-Einrichtung zu verwenden.

Der Anteil Telefunkens an der Entwicklung des deutschen Fernsehens ist in den vorstehenden Abschnitten geschildert worden. Die Firma beschäftigte unter der Führung von F. Schröter bei Beginn des 2. Weltkrieges allein auf dem Fernseh-Gebiet rund 350 Kräfte. Die Aufwendungen Telefunkens für die Fernseh-Entwicklung, die nicht durch Postaufträge kompensiert werden konnten, beliefen sich in den Jahren 1929 bis 1939 auf rund 15 Millionen RM [549]. Von 1940 an stellte Telefunken die Arbeiten auf dem reinen Fernseh-Gebiet im wesentlichen ein.

1928 - Mihäly mit Partner gründet die Telehor AG

Im Sommer 1928 hatte D. v. Mihäly zusammen mit P. Kressmann die Telehor AG. zur Entwicklung und Fertigung von Fernseh-Geräten nach den Mihälysehen Patenten gegründet. Das Stammkapital von 50.000 RM befand sich zu 75% in der Hand von Mihäly, zu 25% in den Händen der Aktionäre. Die Gesellschaft arbeitete mit 8 Kräften. Bereits ein Jahr nach der Gründung gab die Telehor AG. einen gedruckten, illustrierten Verkaufskatalog ihrer Erzeugnisse heraus. Im Jahre 1930 gingen die englischen und amerikanischen Rechte der Telehor AG. auf die International Television Corporation Ltd. in London über, während in Deutschland die Firma TEKADE als Rechtsnachfolgerin das Entwicklungslaboratorium und den Patentbesitz der Telehor AG. übernahm.

Eine 1933 in Berlin mit englischem Kapital gegründete Mihäly-Fernseh-Apparate-G.m.b.H., die u. a. den Mihälyschen Bildschreiber mit feststehendem Spiegelkranz baute, bestand zwar noch bis zum Beginn des Krieges, trat aber nach 1934 nicht mehr in Aktion.

1935 - Über die Fernseh-Abteilung der TEKADE

Die Fernseh-Abteilung der TEKADE, deren Leitung bis zum Jahre 1936 in den Händen von F. v. Okolicsäny lag, umfaßte im Anfang 9, bei Kriegsausbruch etwa 20 Kräfte. Die Aufwendungen der Firma für Fernseh-Zwecke beliefen sich 1939 auf über eine Million RM. Ende 1940 mußte die TEKADE ihre gesamte Fernseh-Entwicklung zugunsten kriegswichtigerer Aufgaben einstellen.

1929 - 4 Firmen gründen die „Fernseh A.G."

Am 11. Juni 1929 hatten die Firmen Robert Bosch AG., Stuttgart, Radio AG. D. S. Loewe, Berlin, Zeiß-Ikon A.G., Dresden, und Baird Television Company Limited, London, auf Betreiben von Dr. S. Loewe eine Firma gegründet, deren ausschließliche Aufgabe „der Erwerb und die Verwertung von Schutzrechten auf dem Gebiete des Fernsehens sowie die Herstellung und der Vertrieb von Fernseh-Geräten aller Art" war.

Sie wurde unter dem Namen „Fernseh A.G." am 3. Juli 1929 handelsgerichtlich eingetragen. Das Stammkapital betrug 100.000 RM. Geschäftsführer waren R. Möller und G. Schubert. Die fernsehtechnischen Arbeiten begannen in drei kleinen Räumen im obersten Stockwerk des Goerz-Werkes der Zeiß-Ikon A.G. in Berlin-Zehlendorf mit drei Mitarbeitern.

1939 zählte die Firma 180 Arbeiter und 140 Angestellte. Die Fernseh A.G., die sich in den ersten zehn Jahren ihres Bestehens mit Telefunken in der Führung auf dem Gebiete der deutschen Fernseh-Technik abwechselte, war im Anfang naturgemäß ein Zuschuß-Betrieb, weil sie die Entwicklungskosten für die von ihr gefertigten hochwertigen Fernseh-Anlagen nicht auf andere Arbeitsgebiete abwälzen konnte.

Hier kommt 1953 eine absolut verdrehte Falschaussage:

Die Folge war, daß in den Jahren 1933 bis 1939 drei Viertel der Gesellschafter ausschieden und die Firma 1939 in eine G.m.b.H. umgewandelt werden mußte, deren Gesellschaftsanteile sich ausschließlich in den Händen der Robert Bosch A.G. befanden.

Anmerkung: Das stimmt so überhaupt nicht.  Mehr steht hier.

Die Fernseh G.m.b.H. erhielt in den Jahren 1929 bis 1939 Post- und Exportaufträge im Werte von 8 bis 10 Millionen RM. Während des zweiten Weltkrieges arbeitete die Fernseh G.m.b.H. als einzige deutsche Firma auf dem Gebiet der reinen Fernseh-Technik intensiv weiter. 1945 beschäftigte sie etwa 800 Kräfte, von denen allerdings ein Teil für Aufgaben der Meßfunk-Technik eingesetzt waren.

1930 - Radio A.G. D. S. Loewe stieg in die Fernseh-Forschung ein

Die Firma Radio A.G. D. S. Loewe begann um 1930 mit eigenen Fernseh-Entwicklungsarbeiten auf dem Gebiete der elektrischen Bildfeldzerleger, die sie zusammen mit dem Laboratorium von M. v. Ardenne durchführte. Der Gesamtauf wand, den die Firma bis zum Jahre 1939 auf dem Gebiete der Fernseh-Forschung trieb, belief sich auf etwa zwei Millionen RM. Die Fernseh-Arbeiten wurden 1940 eingestellt.

Anmerkung: Die Brüder Loewe waren Juden und wurden von den Nazis enteignet.
.

1933 - C. Lorenz A.G. arbeitete bis 1940 im Bereich Fernsehen

Die C. Lorenz A.G., die sich Ende der zwanziger Jahre um die Erforschung der UKW-Sendertechnik verdient gemacht hatte, begann erst 1933, mit drei Kräften auf dem Gebiet der eigentlichen Fernsehtechnik zu arbeiten. 1939 waren in der Fernseh-Empfänger- und Röhrenentwicklung von Lorenz etwa 45 Mann beschäftigt. Die Gesamtaufwendungen der Firma auf dem Fernseh-Gebiet werden mit etwa 5 bis 10 Millionen RM angegeben. Auch hier ruhten die zivilen Arbeiten von 1940 an.

Anmerkung des Verfassers : Das alles sind Schätzungen

Diese Zahlen aus der Industrie beruhen notgedrungen auf Schätzungen, weil alle Firmen ihre Unterlagen nach dem Zusammenbruch ganz oder teilweise verloren haben. Hinzu kommt, daß ein Teil der Fernseh-Entwicklungsarbeiten auch anderen Aufgabengebieten zugute kamen, während anderseits die Produktionskapazität anderer Fertigungszweige für Fernseh-Zwecke ausgenutzt wurde.

Die Zahlen können deshalb nur ein Bild von der Größenordnung des damals in Deutschland für Fernsehzwecke getriebenen Aufwandes geben, das ergänzt wird durch die auf exakten Unterlagen beruhenden Angaben über die Ausgaben der DRP für das Fernsehen.


.

Nachwort :

Die Arbeit behandelt das erste Kapitel deutscher Fernseh-Geschichte, das mit dem Beginn des Jahres 1945 endet. Wenn es ihr gelingt, diejenigen, die heute am deutschen Fernsehen arbeiten, davon zu überzeugen, daß sie eine 25jährige Tradition zu wahren haben, dann hat sie ihre Aufgabe erfüllt.
.

- Werbung Dezent -
Zur Startseite - © 2007 / 2017 - Deutsches Fernsehmuseum Wiesbaden - Copyright by Dipl. Ing. Gert Redlich - Privatsphäre - Redaktions-Telefon - zum Flohmarkt
Bitte einfach nur lächeln: Diese Seiten sind garantiert RDE / IPW zertifiziert und für Leser von 5 bis 108 Jahren freigegeben - kostenlos natürlich.