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Das Fernsehen in Deutschland bis zum Jahre 1945
(19) Das Fernseh-Programm

Bei den seit März 1929 veranstalteten Fernseh-Versuchssendungen übertrug das RPZ zunächst, ausschließlich Filmszenen ohne ausgesprochenen Programm-Charakter, weil „der Lichtstrom, der von irgendeinem natürlichen Übertragungsobjekt ausgeht, um mehrere Größenordnungen kleiner ist als der Lichtstrom, der durch ein kräftig ausgeleuchtetes Filmbild hindurchtritt" [466].

1929 - Am Anfang war das Fernsehen stumm

Daß diese ferngesehenen Filmszenen stumm waren (weil die DRP keine zweite Mittelwelle für den Begleitton hätte zur Verfügung stellen können), störte im Anfang niemanden, weil der erste deutsche Tonfilm - mit nicht einmal ganz durchlaufendem Ton - erst kurz zuvor in einem Berliner Lichtspieltheater öffentlich vorgeführt worden war [467].

Das unendliche „Wochenende" als Endlos-Schleife

Ausschnitte aus einem anspruchslosen Film „Wochenende" gingen als endlose Schleife jahrelang über die verschiedenen mit Fernseh-Bildsignalen modulierten Berliner Sender. (Aus diesem Film stammte auch jenes Bild (vgl. Bild 49-52) mit zwei Mädchenköpfen, das auf fast allen deutschen Funkausstellungen teils zur Demonstration verschiedener Bildraster, teils zur Beurteilung der Fortschritte der Fernsehbilder hinsichtlich Helligkeit und Auflösungsvermögen gezeigt wurde.) Die Sendungen fanden „mit einer gewissen Regelmäßigkeit" in der Zeit von 13.45 bis 13.55 Uhr und häufig auch noch von 9 bis 10 Uhr statt [468].

1930 - Erster reiner Fersehfilm „Morgenstunde hat Gold im Munde"

Da die damals im Handel erhältlichen Theaterfilme sich für Fernseh-Übertragung nur wenig eigneten, ließ das RPZ nach einem mißglückten Versuch im August 1929 von der Commerz-Film A.G. Anfang 1930 den ersten speziell für die Fernseh-Wiedergabe bestimmten anspruchslosen Film „Morgenstunde hat Gold im Munde" unter der technischen Leitung von F. Banneitz herstellen. Die Kosten trug die RRG. Die Einstellungen mußten noch sehr lang ausgespielt werden, damit das Auge des Betrachters am Fernsehgerät Zeit fand, die Dinge überhaupt erst zu erkennen.

  • „Der Film für das drahtlose Fernkino braucht seine eigene Aufnahme-technik. Wo im gewöhnlichen Film eine schwache, künstlerisch vielleicht wirksamere und feinere Andeutung genügte, da ist beim Fernseh-Film die große, leicht verständliche Geste notwendig. Während der normale Film auch die neue, unbekannte Bewegung bedenkenlos bringen darf, fordert der Fernseh-Film die Verwendung einfacher und allbekannter Bewegungen. Einzelheiten ... kommen nicht genügend. Die Kleidung der Schauspieler ... soll möglichst kontrastreich sein ..." [469].

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1930 - Schlechter Vorschlag - Bild und Ton alternativ

Solange die Fernseh-Versuchssendungen im Mittel- und Langwellenbereich stattfanden, bei denen kein zweiter Sender zur Übertragung des zum Bilde gehörenden Tons zur Verfügung stand, stellte sich der Verfasser eines 1930 erschienenen Buches über „Technik und Aufgaben des Fernsehens" eine Fernseh-Rundfunksendung so vor:

  • „Der Ansager kündigt einen Redner oder eine Sängerin dem Rundfunkpublikum an, dann ertönt das typische Fernsehgeräusch, ein Zeichen, daß man auf Bildempfang umschalten soll - ein Druck auf einen Knopf genügt - man sieht alsdann, wie der Vortragende sich verbeugt, dann schaltet man bisweilen auf Fernsehen ein, um eine schematische Erläuterung zu erhalten, die die Skizze auf der Wandtafel ersetzen soll, oder um Lebewesen unter dem Mikroskop zu betrachten oder Diapositive zu sehen usw." [470].

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1931 - Doch die DRP war konsequent

Man muß der DRP heute dankbar sein, daß sie damals dieser Anregung nicht gefolgt ist, sondern erst systematisch die technischen Grundlagen für die gleichzeitige Übertragung von Bild und Ton schuf, ehe sie daran ging, ein kombiniertes Bild-Ton-Programm über den Sender zu geben. Mit der Erhöhung der Zeilenzahl konnte man es wagen, vom Jahre 1931 an auch gewöhnliche Theaterfilme oder Teile daraus anfangs im Kurzschlußbetrieb, später über den Kurzwellensender Döberitz oder den UKW-Sender Witzleben zu übertragen. Die für Fernsehsendungen speziell hergestellten Kopien durften nur eine maximale Schwärzung von etwa 1 aufweisen.

Copyright-Streit und Geldgier war noch nicht verbreitet

Es erscheint heute erstaunlich, daß die deutsche Film-Industrie damals für öffentliche Fernseh-Vorführungen auf den Funkausstellungen außer Wochenschauen anstandslos die nachstehenden, z. T. wertvollen Filme zur Verfügung stellte:
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  • 1931 „Wochenende". „Tanz und Gymnastik". „Ramona". „Liebeswalzer". „Nie wieder Liebe". „Im Geheimdienst". „Der ungetreue Ekkehardt".
  • 1932 „Lied einer Nacht". „Bomben auf Monte Carlo". „Quick".
  • 1933 „Kind, ich freu mich auf Dein Kommen." „FP1 antwortet nicht". „Das Flötenkonzert von Sanssouci". „Ihre Hoheit befiehlt". „Liebe muß verstanden sein". „Stern von Valencia". „Ich und die Kaiserin". „Die singende Stadt". „Der weiße Dämon". „Wie sag' ichs meinem Mann?" „Ein gewisser Herr Gran". „Die „Die Fahrt ins Grüne". „Kleiner Mann, was nun?"
  • 1934 „Viktor und Viktoria". „Des jungen Dessauers große Liebe". „Die schönen Tage von Aranjuez". „Der Störenfried". „Walzerkrieg". „Der Kongreß tanzt". „Hitlerjunge Quex". „Die Fledermaus". „Die Czardas-fürstin".

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Bei der Eröffnung des Deutschen Fernsehrundfunks am 22. März 1935 konnte Reichssendeleiter E. Hadamowsky der UFA mit Recht „für den Filmverleih" besonders danken.
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1933 - Täglich 4 Stunden Fernsehen

Die regelmäßigen stummen „Fernkino"-Versuchssendungen des RPZ mit 90 Zeilen bei 25 Bildern/s auf Ultrakurzwelle fanden im Jahre 1933 täglich von 10 bis 12 Uhr vormittags (außer sonntags und freitags) und - nach Bedarf - auch noch von 14 bis 15 und von 21 bis 22 Uhr statt. Gleichzeitig übertrug der Deutschlandsender auf Welle 1635m mit 30 Zeilen und 12,5 Bildern/s „verschiedenartige Versuchsfilme zu folgenden Zeiten , Dienstags 9.05-10.00 Uhr vormittags; Donnerstags 1.45-2.45 Uhr früh, Sonnabends 9.05 bis 9.45 Uhr vormittags" [471].

  • „Der Frage der künftigen Programmgestaltung hat die Deutsche Reichspost ebenfalls Beachtung geschenkt. Die an die bildlich zu übertragenden Personen und ihre Umgebung einschließlich Senderaum zu stellenden technischen Anforderungen wurden eingehend untersucht, so daß zu der Zeit, wenn die Aufnahme des Fernsehens in das Rundfunkprogramm geboten erscheint, unverzüglich auch mit der bildlichen Übertragung von Personen begonnen werden kann" [472].

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1934 - Immer noch Stummfilm- Versuchssendungen ohne Ansage

Die für die deutsche Fernseh-Industrie über den UKW-Sender der DRP durchgeführten Stummfilm-Versuchssendungen mit zuletzt 180 Zeilen ohne Ansage dauerten bis zum März 1934. Sie wurden nach der Eröffnung des Reichspost-Fernsehlaboratoriums Rognitzstraße im April desselben Jahres in erweitertem Umfang wieder aufgenommen. Das Repertoire enthielt, nachdem ein Bild- und ein Tonsender zur Verfügung standen, ausschließlich Spiel- und Kulturfilme. Ansage und Programm-Gestaltung, aber auch die technische Leitung des gesamten Studio-Betriebes (einschließlich der Filmpflege) lagen in der Hand des Telegraphen-Werkmeisters M. Zielinski vom RPZ.

1934 - Bild und Ton über 2 UKW Sender

Vom Juni 1934 an stellte die DRP die beiden UKW-Sender am Montag, Mittwoch und Sonnabend jeder Woche von 20.30 bis 22 Uhr der RRG für die Übertragung einer eigenen Sendefolge zur Verfügung. Nach dem untenstehenden Wochenspielplan (Juni 1934) begnügte sich die RRG allerdings vorerst noch mit reinen UKW-Musiksendungen, weil ihr Bildprogrammbetrieb noch nicht angelaufen war.

1934 - August - Ankündigung regelmäßiger Fernsehsendungen

Im August 1934 kündigte jedoch der Reichssendeleiter an, daß „demnächst regelmäßige Fernsehsendungen in das Sendeprogramm aufgenommen" werden sollten [473].

Programmverteilung

  Montag Dienstag Mittwoch Donnerstag Freitag Sonnabend
0-11 Fernkino Fernkino Fernkino Fernkino - Fernkino
11-12 - Musik - Musik - Musik
15-16 Fernkino - Fernkino - - -
20 l/2-22 Musik Fernkino Musik Fernkino - Musik

Abendprogramm immer noch ausschließlich Filmübertragungen

Die Reichspost bestritt weiter - wie bislang _- die technischen Versuchssendungen von 9 bis 11 Uhr und - am Dienstag und Donnerstag - das Abendprogramm, das immer noch ausschließlich aus Filmübertragungen bestand.

1934 - Die erste Fernsehsprecherin - Ursula Patzschke

Erst Ende 1934 verpflichtete das RPZ für diese Sendungen eine junge Schauspielerin, Ursula Patzschke, als erste Fernsehsprecherin (Bild 115). Sie mußte aus Etatgründen als Postfacharbeiterin eingestellt werden, hatte jedoch keine festen Dienststunden, sondern stand „in ständiger Bereitschaft für die vielen Versuche, die im Laboratorium - auf dem Gebiete des Fernsehens gemacht" wurden.

Zunächst sagte sie nur die Sendungen an, dann sprach sie gelegentlich Gedichte oder führte selbstverfaßte Szenen von 3 bis höchstens einmal 8 Minuten Dauer auf, z. B. „Zu Haus am Telephon". 1935 brachte sie durch ihren Hund oder durch ein paar Kinder etwas Abwechslung in ihre 11 wöchentlichen Direktsendungen. In den Sendepausen arbeitete sie im RPZ-Laboratorium noch als Film-Kleberin [474].

1935 - RRG und RPZ wechselten sich ab beim Fernseh-Programm

Nach der offiziellen Eröffnung des ersten Fernseh-Rundfunks der Welt am 22. März 1935 gestalteten RRG und RPZ das Fernseh-Programm zunächst abwechselnd. Als erste aktuelle Sendung ging am Eröffnungstage eine Tonfilmaufnahme von H. Hubmann, dem technischen Direktor der RRG, über den Sender, während die übrigen Redner aus technischen Gründen noch nicht im Bilde erscheinen konnten.

1935 - April - 2. zweite Schauspielerin, Annemarie Beck verpflichtet

Um ihre unmittelbaren Fernseh-Sendungen etwas abwechslungsreicher gestalten zu können, verpflichtete die DRP im April 1935 vorübergehend noch eine zweite Schauspielerin, Annemarie Beck, die zusammen mit Ursula Patzschke das gesamte Programm der DRP bestreiten mußte [475].

Zu den ersten Darstellern des „Fernseh-Senders Paul Nipkow" (Bild 116) - wie sich die Fernseh-Programm-abteilung der RRG nannte - gehörten Else Elster, Johannes Heesters, Carl de Vogt, Fredy Rolf (Bild 117) u. a. Am 13. Mai 1935 ließ die RRG anläßlich der Einweihung der ersten Fernsehstelle außerhalb Groß-Berlins Otto Gebühr im Rahmen seines Films „Das Flötenkonzert von Sanssouci" in der Abtastkabine des Fernsehstudios auftreten -(Bild 118) und zur Potsdamer Bevölkerung sprechen.

1935 - Etwa folgender Wochenspielplan

Bis zum August 1935 wickelte sich das UKW-Programm des Deutschen Fernseh-Rundfunks etwa nach folgendem Wochenspielplan (Mai 1935) ab:

Wochenspielplan

  Montag Dienstag Mittwoch Donnerstag Freitag Sonnabend Sonntag
               
10-12 Fernsehen (RRG) Fernsehen (RPZ) - Fernsehen (RPZ) Fernsehen (RPZ) Fernsehen (RRG) Fernsehen (RPZ)
12 1/2 -13 1/2 Musik Musik - Musik Musik Musik Musik
15-16 1/2 Fernsehen (RRG) Fernsehen (RPZ) - Fernsehen (RPZ) Fernsehen (RPZ) Fernsehen (RRG) -
17 -2O 1/2 Musik Musik Musik Musik Musik Musik Musik
2O 1/2 -22 Fernsehen (RRG) Fernsehen (RPZ) - Fernsehen (RPZ) Fernsehen (RPZ) Fernsehen (RRG) Fernsehen (RPZ)
22-24 Musik Musik Musik Musik Musik Musik Musik [486]

1935 - Dunkelbühne von 1,5 x 1,5m mit Nipkowscheiben- Personen-Abtaster

Alle unmittelbaren Fernseh-Sendungen mußten vor dem festen Nipkowscheiben-Personen-Abtaster auf einer rings geschlossenen Dunkelbühne von 1,5 x 1,5m inszeniert werden. Wegen der starken Rotempfindlichkeit der Photozellen schminkte man die Lippen der Darsteller schwarz, die Augenlider grün. Das Haar der Schauspieler wurde mit Goldpuder bestäubt, damit es auch ohne Effektbeleuchtung Glanz erhielt. Andererseits wirkten allzu große Helligkeitsgegensätze im Bildfeld störend. Deshalb spritzte man weiße Wäsche bei dunkler Kleidung grau und versah blanke Metallteile mit einem stumpfen Überzug.

1935 - Funkausstellung - Die Halle war abgebrannt

Nach der Zerstörung der beiden UKW-Fernseh-Rundfunksender durch den Ausstellungsbrand verbreitete der auf dem Dach des Fernamtes in der Winterfeldstraße stehende 100W Ersatzsender der DRP auf Welle 7,02m „Fernseh-Versuchssendungen nach folgendem vorläufigen Plan ...:

  • 9.30-11 Uhr, werktäglich, außer Mittwoch,
  • 14.30-17 Uhr, werktäglich, außer Mittwoch und Sonnabend,
  • 20.30-22 Uhr, werktäglich, außer Sonnabend.
  • 10 - 12 Uhr sonntags." [487].

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Dezember 1935 - Die RRG macht Programm und die DRP die Technik

Als durch die Erlasse vom 12. Juli und 11. Dezember 1935 die Tätigkeit der RRG im Fernseh-Rundfunk ausschließlich auf die Programmgestaltung beschränkt und der DRP der gesamte technische Fernseh-Betrieb übertragen worden war, setzte mit der Einweihung der beiden neuen UKW-Sender am 15. Januar 1936 zwischen beiden Stellen ein Wettbewerb ein, der sich für das Programm wie für die Technik im gleichen Maße als fruchtbringend erwies.

„Ablauf-Plan des Eröffnungsprogramms"

Die Namen der im untenstehenden „Ablauf-Plan des Eröffnungsprogramms" aufgeführten Künstler lassen das relativ hohe Niveau jener Sendungen erkennen:

Fernsehbetrieb des „Paul Nipkow-Senders Berlin"
Ort: Rognitzstr. 8

Ablaufreihenfolge Quelle Ablaufzeit Kommentar  
         
1. Else Eister techn. Ansage Zelle 1 Minute Bemerkungen  
2. Böese Eröffnungsworte Zelle 2-3 Minuten Nur für 1.5. 1.1936  
3. Else Elster Ansage für Schaeffers Zelle 1 Minute -  
4. Willi Schaeffers Ansage des Films Zelle 1 Minute Achtung! Bei Schlußwort Schaeffers Umschalten auf Filmgeber.  
5. Film „Rückblick" Filmgeber 26 Minuten Achtung! Bei Schluß Umschalten auf Zelle! (evtl. länger)  
5a.Während Film läuft, Mikrofon offen für Zwischensätze Sprecher Bublitz.        
6. Willi Schaeffers sagt de Vogt an Zelle 3-5 Minuten    
7. Carl de Vogt singt zur Laute Zelle 5 Minuten    
8. WilliSchaeffers sagt Film an Zelle 3-5 Minuten Achtung! Umschalten auf Filmgeber!  
9. Film „Querschnitte" Filmgeber 11 Minuten Achtung! Umschalten auf Zelle!  
10. Willi Schaeffers sagt Elster an Zelle 3-5 Minuten Begleiter am Flügel: Albes.  
11. Else Elster Chanson Zelle 4 Minuten Am Flügel: Albes.  
12. Willi Schaeffers sagt de Vogt an Zelle 3-5 Minuten    
13. Carl de Vogt singt zur Laute Zelle 3 Minuten    
14. ElseElster Schlußabsage Zelle 2 Minuten    

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1936 - Eine Rundfunkzeitung schrieb im Januar

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  • „Das Programm lief die ganzen zwei Stunden technisch so einwandfrei ab, als ob das eine Selbstverständlichkeit wäre." Man hoffte, daß man „mindestens die Hälfte des Fernseh-Programms als direkte Sendungen - also eigentliches Fernsehen - geben kann. Die andere Hälfte bleibt zunächst dem Tonfilm vorbehalten. Es lohnt also schon, daß Sie das Fernsehen in einer der zahlreichen Fernsehstuben Berlins und seiner Umgebung ansehen",


schrieb eine Rundfunkzeitung im Januar 1936.

Improvisieren mit kleinen Gas

Geschickt wußte die Regie (Bild 119) die von der damaligen Studio-Technik gesetzten Schranken durch kleine „Gags" improvisatorisch auszunutzen; so pflegte Carl de Vogt mit seinem eigentlichen Auftritt stets abzuwarten, bis er von einer der Fernseh-Stellen - deutlich sichtbar - den telephonischen Bescheid erhielt, anzufangen [476]. Oder es rief nach einem Auftritt von Inge Vesten „jemand am Fernsprecher an und wünscht sie zu sprechen: „Sagen Sie, Fräulein Vesten, warum tragen Sie denn nicht mehr die schöne Bluse von gestern, die stand Ihnen besonders gut?!". „Einen Augenblick", antwortete die Sängerin, „Das können Sie gleich haben." Geht in die Garderobe, zieht sich um und erscheint beim nächsten Auftreten nach dem Wunsch jenes fernen Sehers" [447].

Auch bei den schon damals beliebten belehrenden Vorträgen störte die Kleinheit des Abtastraums nicht, weil man es verstand, die Demonstrationsobjekte, Tiere, Kunstgegenstände usw. danach auszuwählen.

1936 - Angeblich war Deutschland immer noch das einzige Land mit einem öffentlichen Fernseh-Programm

Anfang 1936 war Deutschland immer noch das einzige Land, das regelmäßig ein für die Öffentlichkeit bestimmtes Fernseh-Programm verbreitete [478]. Mit Rücksicht auf die beschränkten Möglichkeiten der Studiotechnik enthielt dieses an jedem Wochentag von 20 bis 22 Uhr ablaufende Programm im wesentlichen die gleichen Darbietungen:
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  • 1. Aktueller Bildbericht.
  • 2. Künstler stellen sich vor.
  • 3. Ausschnitte aus Tonfilmen.
  • 4. Kulturfilme,. [479].


Die DRP veranstaltete nur noch in der Zeit von 9 bis 11 Uhr Fernseh- Versuchssendungen für die Industrie, die keinen eigentlichen Programm-Charakter mehr hatten. Von 17 bis 19.30 und von 22 bis 24 Uhr übertrug der UKW-Tonsender Musik aus dem Mittelwellenprogramm oder von Schallplatten [480].

Über die Künstler von 1936 gibt es viele weitere Geschichten

Zu den Künstlern, die 1936 den deutschen Fernseh-Rundfunk populär machten, gehörten u. a.:
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  1. Else Ciaron - Rezitation
  2. Erna Ernani - Gesang
  3. Hildegard Friebel - Gesang
  4. Erna Haustein - hum. Vorträge
  5. Charlotte Hasse - Gesang
  6. Käthe Jöken-König - Gesang
  7. Charlotte Kolle - hum. Vorträge
  8. Ingrid Larssen - Saxophon
  9. Lotte Luckwald Gesang
  10. Lotte Lorring - Gesang
  11. Irmgard Overhoff Gesang
  12. Charlotte Schaedrich - Doppelrollen
  13. Else Sperber - Gesang
  14. Luise Tirsch - Vorträge
  15. Ada Vogt - Vorträge
  16. Inge Vesten - Gesang
  17. Ilse Wendt - Gesang
  18. Fritz Angener - Gesang
  19. Georg Breithofer - Saxophon
  20. Herbert Bahr - Vorträge
  21. Carl Heinz Carell - Conference
  22. Berthold Ebbecke - Ansage
  23. Hugo Fischer-Köppe - Schwanke
  24. Heinz Förster-Ludwig - Gesang
  25. AlexanderFleßburg - Gesang
  26. Carl Groth - hum. Vorträge
  27. Hary Gondi - Conference
  28. Lysandro G Joannides - Gesang
  29. Mischa Ignatieff - Balalaika
  30. Hermann Ladwig - Gesang
  31. Paul Matinett - Bauchredner
  32. Arthur Mersiowsky - Gesang
  33. Norbert Norello - Bauchredner
  34. Ernst Petermann - Rezitat
  35. Edmund Pouch - Gesang
  36. Arthur Sauer - Bandonion
  37. Udo Vietz - Ansage
  38. Jose Wedorn - Gesang
  39. Willy Zimmermann - Bandonion

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1936 - Neue Fernseh-Aufnahmegeräte der DRP

Einen völligen Umschwung in der Programm-Gestaltung brachte im Sommer 1936 der Übergang der DRP zu neuen Fernseh-Aufnahmegeräten. Im Studio Rognitzstraße bot der Linsenkranzabtaster gegenüber dem älteren Personen-Abtaster ein sechsmal größeres Bildfeld und erlaubte zugleich, unmittelbare Fernseh-Aufnahmen der Darsteller mit Filmbildern oder Diapositiven durch Überblendung zu mischen.

1936 - Deutlich erhöhte Empfindlichkeit mit Iconoscope

Die etwa zur gleichen Zeit fertiggestellten ersten Elektronen-Kameras legten der Regie - vor allem bei Freilicht-Aufnahmen - praktisch keinerlei Beschränkungen mehr auf, wie die Übertragung der „XI. Olympischen Spiele" zu Berlin im August 1936 zeigte, jene erste repräsentative Fernseh-Übertragung einer sportlichen Veranstaltung größten Ausmaßes überhaupt.
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1936 - Ein Regieplan für den Ablauf des Geschehens

Daß man dabei bereits den Ablauf des Geschehens in einem Regieplan bis ins einzelne vorher festlegte [481], läßt der nachstehende Auszug . . . . . 24)
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24) Die noch sehr unübersichtliche Satzanordnung des damaligen Originalprogramms, die Regie-Bemerkungen, technische Anweisungen und gesprochenen Kommentar kaum auseinanderzuhalten gestattet, wurde hier beibehalten. Sie zeigt, daß der damalige Fernseh-Rundfunk sich nicht einmal bei äußeren Dingen wie der Gestaltung eines solchen Regiebuchs die Mühe machte, bewährte Muster zu übernehmen.
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aus dem „Olympia-Programm" der RRG erkennen:
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„Eröffnungsfeier 1. August 1936

Ansage aus dem Fernseh-Senderaum Rognitzstraße:
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„Achtung! Achtung!
Hier ist der ,Fernsehsender Paul Nipkow Berlin' mit Ton auf Welle 7.06 Meter und mit Bild auf Welle 6.77 Meter mit der Olympia-Sondersendung.
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Es senden gemeinsam die deutsche Reichspost,
die deutsche Fernseh-Industrie - und der Fernseh-Programmbetrieb
direktes Übertragen der wichtigsten Kampf-Phasen von den Olympischen Kampfstätten und in Abwechslung Darbietungen erster deutscher Künstler mit Tonfilmen der Film-Industrie und des aktuellen Bilddienstes des »Fernsehsenders Paul Nipkow, Berlin'.
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Am heutigen Tage der feierlichen Eröffnung der XI. Olympischen Sommerspiele beginnen wir mit einer Filmsendung von den ,Vorbereitungen der Olympischen Spiele' und werden uns anschließend auf das Maifeld umschalten, um Ihnen einen Stimmungsbericht vom Reichssportfeld zu verschaffen."
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Einsetzen des Ufa-Films „Vorbereitungen der Olympischen Spiele".
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Ansage aus dem Fernsehsenderaum Rognitzstraße:

„Achtung, Achtung!
Der ,Fernsehsender Paul Nipkow Berlin' zeigte in seiner Sondersendung den Sportfilm der Ufa, 'Vorbereitungen der Olympischen Spiele' ".
„Wir schalten nunmehr auf das Reichssportfeld um."
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Es melden sich auf der 1. Ü.-Stelle, auf dem Zwischenfilm-Wagen, der Ansager Graebke:

„Achtung, Achtung!
Hier ist der ,Fernsehsender Paul Nipkow Berlin' mit dem Beginn der direkten Übertragung von den Olympischen Kampfstätten."

Danach Einschaltung des Bildes und Bildbericht des Sprechers Graebke in Übereinstimmung mit der Fernseh-Technik.

ca. 16.00 Uhr: Ü-Stelle II. oberer Umgang im Stadion:

In dem Moment, in dem die Spitze ... erscheint, sofort Aufnahmen mit der Farnsworth-Kamera. Danach Ü-Stelle III im unteren Umgang die Aufnahmen abnehmen und kurz ein Gesamtbild bringen mit dem Fünfhunderter-Objektiv.
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An Ü-Stelle II, Farnsworth-Kamera, oberer Umgang, steht der Sprecher Marek und schildert die sich ergebenden Bilder. Marek muß sich bei Müller oder Boese genau Orientierung über Persönlichkeiten des Gefolges etc. verschaffen.

Die Schilderung des Gefolges hat demnach nicht durch den Sprecher Graebke auf dem Zwischenfilmwagen der Ü-Stelle I zu erfolgen. Leitung auf Ü-Stelle II oberer Umgang im Stadion hat Marek.

ca. 16.09 Uhr: spielt die Musik die „Olympia-Fanfare" von Herbert Windt.

16.12 Uhr:
erfolgt das Kommando: „Heißt Flagge!" Eine Abteilung der Kriegsmarine hißt auf sämtlichen Masten des Stadions die Flaggen der beteiligten Nationen. Die Olympia-Glocke läutet. All dies wird von der Ü-Stelle II, der Farnsworth-Kamera, mit Sprecher erfaßt und gesendet. Umschalten auf Ü-Stelle I,
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Zwischenfilmwagen: Beim Ausklingen der Olympia-Glocke beginnt der Einmarsch der Aktiven: Zuerst Griechenland, zuletzt Deutschland, begleitet von Militärmärschen.

Dauer des Einmarsches bis ca. 16.55 Uhr:
Dazu folgende Musikstücke:
Yorkscher Marsch,
Königgrätzer Marsch,
Kaiser-Friedrich-Marsch,
Regimentsmarsch,
Alexander-Marsch, Hellenen-Marsch,
Fridericus-Rex-Marsch.
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Der Einmarsch der Nationen wird in Ablösung von der Zwischenfilm-Ü-Stelle wechselseitig von Ü-Stelle oberer Umgang und Ü-Stelle unterer Umgang erfaßt.

Hierfür sorgt das Reichspost-Zentralamt im Einvernehmen mit Oberingenieur Beckmann von der Reichsrundfunk-Gesellschaft, Mikrofonanschließung zur Erfassung der Musik unter gleichzeitiger Anschaltung eines Mikrofons zur Erfassung der Vorgänge am Rednerpult der Ansprachen und der Eidesleistung.

ca. 16.55 Uhr: Rede Coubertins,

Ansprache des Präsidenten des O.K., Excellenz Lewald.

17.04 Uhr: Anschließend wird die Olympische Flagge " gehißt.

Achtung, dies erfaßt die Ü-Stelle II, die Farnsworth-Kamera. mit Erklärung des Sprechers Marek.

Die Artillerieabteilung schießt Salut. Tausende von Brieftauben werden abgelassen.

17.05 Uhr: Olympische Hymne von Richard Strauß. Bitte an Postrat Härder, Mikrofon an den Rundfunk anzuschließen, damit das Fernsehen die Tonführung erhält.

17.11 Uhr: Wichtig für die Sprecher:
Eintreffen des Fackelläufers am Osttor.

17.11 Uhr: Erfassung durch Ü-Stelle III im unteren Umgang:
Der Fackelläufer läuft über die südliche Aschenbahn zum Westtor.
Achtung, Erfassung durch Ü-Stelle II,
Kamera im oberen Umgang: Der Fackelläufer erscheint an der Olympia- Feuersäule und entfacht das Feuer.
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17.15 Uhr: Der Marathon-Sieger Olympia, 1896, Louis, überreicht ... einen Ölzweig von Olympia. Ü-Stelle II muß versuchen, das zu erfassen.
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17.20 Uhr: Ü-Stelle III im unteren Umgang hat 500er- oder 900er-Objektive auf die Rednerkanzel gerichtet, die nunmehr Ismayer als Eidessprecher betritt.
Ismayer spricht den Eid. Die Mannschaften leisten den Eid.
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17.21 Uhr: Musik spielt das Halleluja von Händel.
Anschließend beginnt Ausmarsch der Teilnehmer durch den Marathon-Tunnel. Sprecher erklären die Vorgänge. Umschalten auf Zwischenfilmwagen Ü-Stelle I.
Sprecher Graebke schildert das Bild das Zurückfluten der Mannschaften die Auflösung und sagt abschließend:
„Achtung, Achtung! Der Fernsehsender Paul Nipkow Berlin brachte versuchsweise zum ersten Male in Deutschland und als gewaltigstes Ereignis in der Welt die direkte Fernsehübertragung der feierlichen Eröffnung der XI. Olympischen Sommerspiele ... Wir beenden nunmehr die heutige direkte Übertragung von den Olympischen Kampfstätten und schalten in die Fernsehsenderäume um. Sie hören und sehen in Wechselfolge künstlerische Darbietungen und Tonfilme."
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Danach Umschalten auf Rognitzstraße.
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In Rognitzstraße meldet sich der Ansager Bublitz:

„Der Fernsehsender Paul Nipkow Berlin setzt das Sonderprogramm Olympia durch direktes Senden von Künstlern fort. Sie sehen und hören den griechischen Tenor Lysandro Joannides. Er singt .... "
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1936 - Telefunken ein pausenloses Fernseh-Programm

Während der 13. Großen Deutschen Funkausstellung zeigte die Telefunken G.m.b.H. auf einer in der Fernseh-Halle errichteten Kunstlicht-Innenbühne viermal täglich ein von Künstlern der Telefunken-Platte bestrittenes Kabarett-Programm, das aus „Gesangsstücken, Tanznummern und Rezitationen bestand.

In den Zwischenpausen lief der Film, oder es wurden, wenn es nicht gerade regnete, Übertragungen aus dem Freien gemacht". Man hatte „von vornherein den Wunsch", dem Ausstellungsbesucher ein pausenloses Fernseh-Programm vorzusetzen, um allen Zweifeln an der Betriebssicherheit der Fernsehkamera sowie auch „aller Skepsis gegenüber der Brauchbarkeit und Fortschrittlichkeit" des Zeilensprungverfahrens zu begegnen [446].

Diese auf einer erhöhten Bühne nicht so sehr für die Fernseh-Kamera als vielmehr für das schaulustige Ausstellungspublikum gezeigten Werbe-Darbietungen haben auf Jahre hinaus die Gestaltung des Fernseh-Programms beeinflußt und die Entwicklung einer arteigenen Fernseh-Dramaturgie verhindert.

1937 - Noch musste man auf den Linsenkranz-Abtaster Rücksicht nehmen

Das im Jahre 1937 von der RRG im Studio der DRP Rognitzstraße täglich gestaltete zweistündige Fernseh-Programm mußte noch auf die technischen Möglichkeiten des Linsenkranz-Abtasters Rücksicht nehmen.

Die eigens für den Fernseh-Sender geschriebenen Stücke waren meist Einakter von selten mehr als 6 Minuten Dauer mit 2 bis 3 Darstellern, die in einer bereits von einem Bühnenbildner gestalteten Dekoration spielten.

„Die Speisekarte" (A. Weber), „Frau Matschke greift ein" (A. Weber), „Die Fundunterschlagung" (A. Weber) sind einige Titel jener anspruchslosen Fernseh-Spiele, die gelegentlich zum Wochenende auch zu einer längeren Sendung unter einem Gesamttitel zusammengefaßt wurden, z. B. im „Fernsehbild des Urberliners", das aus 5 solchen Einzelszenen bestand. Daneben brachte das Programm den täglichen, aus Film-Wochenschauen zusammengestellten „Aktuellen Bildbericht", einen abendfüllenden Spielfilm oder mehrere Kultur- und Kurzspielfilme.

Musik von Schallplatten überbrückte die unvermeidlichen Pausen.
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Damals wie heute - Wiederholungen füllen Lücken

Wenn die Spielfolge die zur Verfügung stehende Zeit von 2 Stunden nicht ausfüllte, wiederholte man die eine oder andere Filmsendung.

Im folgenden Jahre verlegte der „Fernsehsender Paul Nipkow" jene kurzen, unterhaltsamen Einakter mit oft aktuellem Einschlag an den Anfang des Programms, um den Kontakt mit den Zuschauern zu schaffen.
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„Vor der Haltestelle" (A. Weber), „Ein netter alter Mann" (H. Härtung), „Hinein, hinein" (W. Rinke) u. ä. lauteten die Titel solcher einleitenden Kurzszenen von 4 bis 5 Minuten Dauer. Neben den auch 1938 noch vorherrschenden Kultur- und Spielfilmen erschienen die ersten großen Sendungen mit belehrendem oder kulturellem Inhalt, z. B. „Musik aus unseren, vier Wänden" mit verbindenden Worten von H. v. Benda (L. Hainisch), „Bauernmusiken" (H. Steinbock), „Achtung, rotes Licht", eine aus unmittelbaren Aufnahmen und Filmsendungen gestaltete Sendung zur Bekämpfung von Verkehrsunfällen, u. a.
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1938 - Inzwischen anspruchsvollere Fernsehspiele

Die rein unterhaltenden Fernsehspiele wurden anspruchsvoller und dauerten bis zu einer Stunde, z. B.-„Schneeflocken. Ein winterlicher Spuk voll Heiterkeit und Frohsinn." (H. Förster-Ludwig), oder „Das Fernseh-Kabarett zum frohen Samstag-Nachmittag" (L. Hainisch). Anfang 1938 brachte die RRG die ersten Jugendsendungen, z. B. „Fritz Genschows Fahrt durchs Kinderland".

Im Jahre 1939 nahmen der „Aktuelle Bildbericht", die „Zeitdienst"-Sendungen und aktuelle Interviews, z. B. „Die Kriminalpolizei warnt", „Das geht auch dich an" u. ä., etwa die Hälfte der Programmzeit ein.

Die Möglichkeiten, die das neue Studio im Deutschlandhaus mit seinen 5 Spielflächen und 3 entfesselten Kameras bot, führten zu einer starken Bevorzugung großer, etwa einstündiger Fernsehspiele mit mittlerem Orchester und 6 bis 10 Darstellern, z. B. „Sommerreigen" (L. Grünberg), „Ein Traum im Puppenladen" (E. Molkow), „Ewige Melodien" (H.H. Uhlendahl), „Italienische Nacht" (T. Mühlen), „Ingeborg" (C. Goetz), „Die Opernprobe" (Lortzing) u.v.a.

1940 - Kritik über die "nur sichtbar" gemachten Hörspiele

„Die meisten im bisherigen Versuchsbetrieb übertragenen sog. Fernsehspiele", schrieb allerdings 1940 die TFT, „waren nicht viel mehr als sichtbar gemachte Hörspiele, denen man auch mit geschlossenen Augen bequem hätte folgen können . Im Gegensatz zum Filmschriftsteller war der Autor eines Fernsehspiels in der Auswahl der ihm zur Bildgestaltung zur Verfügung stehenden Mittel sehr stark beschränkt. Nicht einmal das älteste, immer noch wirksamste Mittel zur Bildbelebung, die Großaufnahme ... konnte er vorschreiben ... ebensowenig bestimmte Beleuchtungseffekte oder lebende Hintergründe, sinngemäße Szenenübergänge u.a.m. Angesichts dieser starken Beschränkung bleibt die Programmgestaltung des Fernsehsenders recht anerkennenswert" [482].
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1939/40 - Abendfüllende Spielfilme nur noch an einem oder zwei Tagen der Woche

Abendfüllende Spielfilme übertrug man 1939/40 nur noch an einem oder zwei Tagen der Woche, obwohl die Bildqualität der Filmsendungen damals vom Publikum im allgemeinen als wesentlich besser empfunden wurde als die der Direkt-Sendungen. Im Gegensatz zum Hörrundfunk, bei dem sich infolge der Verbesserung des magnetischen Schallspeicherungsverfahrens [484] seit 1940 eine immer steigende Tendenz von der unmittelbaren (Live-) Sendung zu der - vom Publikum auf Grund einer geschickten Propaganda sogar als Fortschritt statt als Surrogat empfundenen - Wiedergabe von Schallkonserven bemerkbar machte, verzichtete der „Fernsehsender Paul Nipkow" grundsätzlich auf eine Konservierung ganzer Fernsehspiele auf Film, selbst wenn diese innerhalb eines Jahres mehr als 25mal wiederholt werden mußten, wie z. B. „Ali und die Lausejungs" (L. Weth).

Es wurden mannigfaltige Gründe - wie die Unmittelbarkeit des Fernsehens, die Unmöglichkeit spielgemäßer Überblendungen im Film u.v.a. - für diesen Verzicht angeführt, in Wirklichkeit war dafür aber - abgesehen von einer gewissen Freude an der Improvisation - offenbar nur das Unvermögen maßgebend, mit den vorhandenen Kräften und Mitteln etwas den Erzeugnissen der damaligen Spielfilm-Industrie Gleichwertiges zu schaffen.

1940 - Man konnte Fernsehsendungen immer noch nicht speichern

Das Problem, gerasterte Fernsehbilder unmittelbar vom Schirm der Braunschen Röhre auf Film aufzunehmen, war vor 1945 - von Laboratoriumsversuchen abgesehen - noch nicht gelöst. Spätere Versuche H. Englers, den Stoff einiger Fernseh-Spiele zu Spielfilmen zu gestalten, hatten mit einer Konservierung des Spielablaufs auf Film nichts zu tun.

Die Verbesserung der „äußeren" Fernseh-Aufnahmetechnik in den Jahren 1940 bis 1943 und die Beschäftigung von technisch routinierten Autoren führte allmählich zu Sendungen, bei denen „in wohlausgewogener Verwendung von Spielszenen, Filmstreifen und Stehbildern sowie Erläuterungen durch einen Sprecher ein trockenes Thema ansprechend gestaltet" wurde. „Sparsamkeit des Spielplatzwechsels, der Dekorationen, die Beschränkung auf wenige Mitwirkende usw." [483] waren kennzeichnende Merkmale der späteren - im Stil vorbildlichen - Fernsehspiele, von denen einige dem Titel nach oder sogar als Spielbuch erhalten geblieben sind, z. B.

„Der Bezwinger des Hungers - Eine Fernseh-Sendung zur Erinnerung an den großen deutschen Chemiker Justus Liebig von Hugo Landgraf - Gesendet in Berlin
Spielleitung:, Hanns Farenburg."

1943 - Immer noch täglich 6 Stunden Programm

Daß es trotz des Krieges gelang, auch das 6-stündige tägliche Programm aus dem Deutschlandhaus bis 1943 auf einem beachtlichen Niveau zu erhalten, zeigt der wahllos herausgegriffene Sendeplan (Fahrplan) für Dienstag, 20. Apr. 1943
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  • 15.51 Zu Bildvorspann von Dia Schallplatten
  • 16.00 Sender-Ansage Bild des Tages - 125. Geburtstag von Heinrich Goebel, dem Erfinder der elektr. Glühlampe (Leit. S. A. Szymanski)
  • 16.01 Ansage „Dame Kobold" Regie: H. Küpper (1)
  • 17.01 Absage-Ansage „Wunder der Kugel" (Ufa) (2)
  • 17.12 „Die Lyriaden-Sternschnuppen - Sprecher: Dr. Wegener Zeichner: Axel Jäger Leitung: Sylvester Albert Szymanski (3)
  • 17.26 „Die schöne Mark" (RRG) (4)
  • 17.43-18.00 „Die Sieger von Charkow" Sprecher: Hugo Landgraf Leitung: Sylvester Albert Szymanski (5)
  • 18.52 Programm-Vorschau - Zu Bildvorspann von Dia Schallplatten (6)
  • 19.00 Ansage - „Das Übermikroskop" Sprecher: Prof. Bodo v. Borries, Prof. Ernst Ruska, Prof. Helmut Ruska Leitung: Sylvester Albert Szymanski (7)
  • 19.30 „Nante" (RRG) (8)
  • 20.08-21.26 „Zwei in einer großen Stadt" (Tobis) (9)
  • 21.27 Programmvorschau
  • 21.35 Senderabsage
  • Abendregie: Annelies Kuhnke"

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Anmerkungen des Verfassers:
(1) Fernsehspiel mit 3 Darstellern.
(2) Kulturfilm.
(3) Wissenschaftlicher Vortrag mit Trickzeichnungen.
(4) Heimatkundliche Filmsendung.
(5) Interview mit Film und Dias.
(6) Sprecherin mit Bildern aus kommenden Filmen.
(7) Wissenschaftlicher Vortrag.
(8) Filmausschnitte aus einem RRG-Fernsehspiel.
(9) Spielfilm.

1941 - Mitten im Krieg - 240 KW nur für die Beleuchtung

Von März 1941 an übertrug die RRG ein- bis zweimal wöchentlich aus dem Kuppelsaal des Olympia-Stadions zweistündige Variete-Darbietungen für 2000 Zuschauer. Zur Ausleuchtung der Bühne mit einer Grundfläche von 12 x 9m war eine Leistung von 240kW erforderlich. Die Sendungen, die bis zu 32 Programm-Nummern umfaßten, wurden mit einer fahrbaren und zwei feststehenden Kameras aufgenommen. Kürze Einstellungen aus dem Publikum sollten „dem Fernsehbetrachter eine bildliche Raumdynamik (?)" vermitteln, „die bisher nur über die Aufnahme-Mikrophone annähernd wiedergegeben wurde" [456]. Durch Überblendung am Mischpult konnten auch „gleichzeitig die von zwei Kameras aufgenommenen Bilder im Empfänger überlagert werden, wodurch sich bei geschickter Regie effektvolle (?) Fernsehbilder" ergaben [464].

1940 - Mangelnde Fernseh-Dramaturgie ??

Mit dem Problem einer eigenen, neu zu schaffenden Fernseh-Dramaturgie setzte man sich leider nur recht oberflächlich auseinander. „Im Grunde genommen ist es ganz gleichgültig, was ich sende. Für die dramaturgischen Erfordernisse bleibt einzig und allein der Wert der heutigen Zeit bestimmend (?)", schrieb 1940 H. Engler, der Intendant des „Fernsehsenders Paul Nipkow",

und er fuhr fort: „... Das rein formalistische Können muß selbstverständlich vorausgesetzt werden. Dieses rein formalistische Können ist aber nur das Ergebnis des Lernens bzw. der Erfahrung. Dazu ist es nicht erforderlich, irgendwelche bis ins einzelne gehenden Untersuchungen über dramaturgische Gesetze anzustellen [485]."

1943 - Zerstörung des Berliner UKW- Fernsehsenders auf dem Amerika-Haus

Nach der Zerstörung des Berliner UKW-Fernsehsenders auf dem Amerika-Haus am 23. November 1943 lief der Programmbetrieb im Deutschlandhaus noch eine Zeitlang weiter. Die Empfänger in den Fernseh-Stellen und Lazaretten wurden - soweit dies technisch möglich war - über das Berliner Breitbandkabel- und Drahtfunknetz versorgt.

Außerdem veranstalteten Angehörige des „Fernsehsenders Paul Nipkow" 1944 auf eigene Faust eine Verwundetenbetreuung in Gestalt von Variete-Darbietungen und Vorführungen früherer Fernseh-Filme. Das Studio im Deutschlandhaus wurde Ende 1944 von der „Mars-Filmgesellschaft" zur Herstellung militärischer Filme belegt.
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