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Das Fernsehen in Deutschland bis zum Jahre 1945
(15) Der Fernseh-Sprechdienst

Zu Beginn des Jahres 1912 bezeichnete A. A. Campbell Swinton [428] das Fernsehsprechen als eines der Ziele der Fernseh-Entwicklung. Nach seiner Meinung sollten sich zwei Menschen, die sich über den Fernsprecher unterhalten, auch gleichzeitig sehen können, weil das Mienenspiel und die Gesten bei einer Unterredung wesentlich mitwirkten und das Verständnis erleichterten.

1929 - G. Krawinkel zeigt Fernseh-Sprechanlage

Im Sommer 1929 zeigte G. Krawinkel während der Großen Deutschen Funkausstellung in Berlin an einer im RPZ entwickelten und gebauten Fernseh-Sprechanlage (Bild 87) „erstmalig die Möglichkeit des gegenseitigen Sehens bei einem Telefongespräch".

Die Gegenseitigkeit erforderte dabei, daß bei jedem der beiden Teilnehmer des Fernseh-Gesprächs „sowohl eine Fernsehsende- als auch eine Fernsehempfangseinrichtung" vorhanden war.
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Zur Bildzerlegung und -Zusammensetzung benutzte Krawinkel eine einzige Nipkow-Scheibe mit 30 Löchern. Das Licht der Lichtquelle wurde von der schräggestellten Lochscheibe durch ein Objektiv 12,5 mal in der Sekunde rästerförmig über das Gesicht der fernzusehenden Person geführt und von da auf 4 parallel geschaltete Photozellen reflektiert. Ein netzgespeister 6stufiger Photozellen-Verstärker verstärkte die Photozellenströme niederfrequent etwa um den Faktor 3 bis 4 x 10 hoch5, so daß sie auf der Gegenseite eine räumlich um 180° gegen die Lichtquelle versetzte Flächenglimmlampe aussteuerten.

Zum Antrieb der Nipkow-Scheiben wurden Gleichstrommotoren mit auf derselben Welle sitzenden Synchron-Haltemotoren benutzt, deren Stator zur Phaseneinstellung mechanisch gedreht werden konnte [429]. Die nur als Demonstrationsobjekt entwickelte Apparatur fand 1930 ihren Platz im Deutschen Museum, in dem sie bis zum Jahre 1945 im Betrieb vorgeführt wurde.
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1934/35 - Es ging jetzt weiter mit den Fernseh-Sprechversuchen

Bei einer Erhöhung der Zeilenzahl und Rasterfrequenz hätte man die Intensität des Abtaststrahls derart steigern müssen, daß der Sprechgast geblendet worden wäre und das dunkle Glimmlampenbild nicht mehr hätte wahrnehmen können. Deshalb gab die DRP die Fernseh-Sprechversuche mit Einführung höherzeiliger Fernseh-Normen vorläufig auf.

Die Arbeiten wurden erst in den Jahren 1934/35 wieder aufgenommen, als in der Braunschen Röhre ein Bildschreiber von praktisch beliebig großer Helligkeit zur Verfügung stand und als es gleichzeitig gelungen war, den Wirkungsgrad der Photozellen durch Einführung der Sekundärelektronen- Vervielfachung um mehrere Größenordnungen zu steigern.

1935 - Berliner Funkausstellung - 2 vollständige Fernseh-Sprechzellen

Während der Berliner Funkausstellung 1935 zeigte die DRP 2 vollständige Fernseh-Sprechzellen (Bild 88) im Betrieb. Zur Abtastung des Sprechgastes dienten eine Nipkow-Scheibe mit 2 x 45 Löchern und Grob-Spiralblende in Verbindung mit einer Niedervolt-Glühlampe und zwei im RPZ entwickelten Hochleistungsphotozellen.

Diese Zellen enthielten eingebaute, von G. Weiss angegebene Prallnetz-Vervielfacher mit räumlich hintereinandergeschalteten sekundäremissionsfähigen Maschinengittern von steigendem Potential, die eine rauscharme Verstärkung der Photoströme um den Faktor 4 bis 5 je Stufe ermöglichten.

Zur Wiedergabe der 90zeiligen Bilder wurden Braunsche Röhren verwendet. Die Leitung übertrug außer den Bildsignalen die von den Zerlegerscheiben optisch erzeugten Synchronisierimpulse [430]. Diese Anlage bildete die Grundlage für den Bau der späteren kommerziellen Fernseh-Sprechverbindungen der DRP.

1936 - Freiherr von Eltz-Rübenach - Eröffnung der Leipziger Messe

Nachdem das erste koaxiale Fernsehkabel zwischen Berlin und Leipzig ausgelegt war, konnte der damalige Reichspost- und Reichsverkehrsminister, Freiherr von Eltz-Rübenach, die erste öffentliche Fernseh-Sprechverbindung am 1. März 1936 anläßlich der Eröffnung der Leipziger Messe in Betrieb nehmen (Bild 89).

Er führte dabei u. a. aus:

  • „Die Stunde, die wir jetzt erleben, ist von einschneidender Bedeutung für die Geschichte des Nachrichtenwesens. Eisenbahnen, Kraftwagen und Flugzeuge brachten uns die schnelle Beförderung über Land und Meer, Telegraph und Fernsprecher die zeitlose Übermittlung des geschriebenen und gesprochenen Wortes über beliebige Entfernungen. Die Fernseh-Unterhaltung über beliebige Entfernungen, die sich nun anschließt, erfüllt einen weiteren Traum der Menschheit: Wir können mit einer Person an weit entferntem Ort sprechen und sie dabei sehen, als stünde sie vor uns."

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1936 - Die weltweit ersten Fernseh-Sprechstellen

Die ersten Fernseh-Sprechstellen befanden sich in Berlin-Zoo in einem Gebäude an der Ecke Hardenberg- und Kantstraße (Bild 90) und im Columbushaus am Potsdamer Platz 20), in Leipzig im Postamt C1 am Augustusplatz und - nach Bedarf - im „Haus der Elektrotechnik" auf dem Messegelände. Aufteilungsstellen in den Fernämtern Berlin und Leipzig ermöglichten wahlweise den Betrieb zwischen den örtlichen Fernseh-Sprechstellen oder zwischen einer örtlichen und einer fernen Stelle.

1936 - Fernseh-Sprechstellen für alle freigegeben

Der während der Leipziger Frühjahrsmesse vom 1. bis 9. März probeweise aufgenommene Fernsehsprechdienst wurde vom 25. März 1936 an für den Publikums-Verkehr freigegeben [431]. Dabei konnte sich u. a.

  • „zum erstenmal in der Geschichte der Menschheit ... ein Taubstummer über eine weite Entfernung hin ohne Einschaltung Dritter mit einem Mitmenschen in der Lautsprache unterhalten - ein unerhörtes Ereignis ... Herr T. M. aus Leipzig-Leutsch ... der in frühestem Kindesalter ... die Hörfähigkeit beiderseits einbüßte, hat ein Fernseh-Gespräch mit einem Berliner Jugendfreund geführt,

    von dem er .... berichtete:

    „Klar und deutlich stand das Bild des Freundes vor mir . Und ich sah, was er sagte - las mühelos ab, was er fragte ... Und er verstand mich ebenso gut ... Mit der Fernseh-Sprechanlage ist das Telephon des Taubstummen geschaffen, das ihm ermöglicht, mit seinen Mitmenschen auch fernmündlich in Beziehung zu treten ..." [432].


Andere Belege für den praktischen Nutzen des Fernseh-Sprechdienstes waren im Schrifttum nicht zu finden.

1936 - Breitbandkabel von Trebnitz bis Nürnberg

Noch im Laufe desselben und des folgenden Jahres ließ die DRP das Breitbandkabel von Trebnitz über Neustadt/Aisch bis Nürnberg verlängern, wobei im Postamt2 eine Fernseh-Sprechstelle untergebracht und zu Beginn des Reichsparteitages 1937 der NSDAP in Betrieb genommen wurde.

In München waren im Mai 1937 anläßlich der Eröffnung einer Fernseh-Sonderschau im Deutschen Museum und im Telegraphenamt am Hauptbahnhof zwei Fernseh-Sprechstellen eingerichtet worden, zwischen denen zunächst nur Orts-Fernseh-gespräche geführt werden konnten.

1938 - Fernseh-Sprechen von Berlin bis München

Am 12. Juli 1938 eröffnete die DRP den Fernseh-Sprechdienst auf der ganzen Strecke Berlin - München [433] [434], und am 13. Juli 1938 wurde die Verbindung für den öffentlichen Verkehr freigegeben (Bild 91) [435].

1938 - Dienstgespräche von Berlin nach hamburg

In Hamburg errichtete die DRP am 15. Dezember 1938 einen internen Fernseh-Sprechdienst zwischen den Postämtern Jungfernstieg und Altona1. Nachdem das Fernseh-Breitbandkabel 503 in Betrieb genommen war, wurden darauf gelegentlich dienstliche Fernseh-Gespräche zwischen Hamburg und Berlin geführt.
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Für die Öffentlichkeit gab die DRP den Fernseh-Sprechdienst zwischen den beiden Städten jedoch nicht frei. Im Juni 1940 mußte der örtliche Fernseh-Sprechdienst in Hamburg, über den maximal etwa 20 Gespräche täglich geführt wurden, zugunsten des geplanten Fernseh-Drahtfunks eingestellt werden. In anderen an das Fernseh-Breitbandkabelnetz angeschlossenen 20) Städten hatte die DRP die Einrichtung von Fernsehsprechstellen geplant und z. T. bereits die dafür erforderlichen Räume gemietet, so z. B. in Frankfurt/M. am Hauptbahnhof und an der Hauptwache. Der Krieg verhinderte jedoch die Ausführung dieser Bauvorhaben.
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1936 - Fernseh-Sprechen war exklusiv und teuer

Während der Berliner Funkausstellung 1936 richtete die DRP auf ihrem Stande eine dritte Fernseh-Sprechstelle ein, von der aus Fernseh-Gespräche mit den beiden anderen Stellen in Berlin und mit Leipzig geführt werden konnten.
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Die Gebühr für ein Fernseh-Ortsgespräch betrug 1,50 RM; für eine Weitverkehrs-Fernsehsprechverbindung wurde nur die doppelte Gebühr wie für ein gewöhnliches Ferngespräch gleicher Dauer erhoben. Obwohl die kommerzielle Ausnutzung des Fernsprechdienstes gering war, vertrat die DRP den Standpunkt:

  • „Nicht der augenblickliche Ertrag eines neuen Nachrichtenmittels ist entscheidend für seine Einführung und den Umfang des Ausbaues, sondern allein der geistige und kulturelle Wert, den es einmal für das ganze Volk haben wird" [436].

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Mit dem Fernseh-Sprechen wurde viel experimentiert

In der Technik der Fernseh-Sprechanlagen übernahm man „gewisse Verfahren vorzeitig, andere wiederum verspätet, weitere rein schematisch", wodurch „die Stetigkeit der Entwicklungslinie mehrfach unterbrochen wurde" und „die Entwicklung nicht frei von Unlogik und von Umwegen" war.
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So wurde beispielsweise „die Spiegelschraube für die Entwicklung von Fernsehsprechempfängern nicht herangezogen ... Ihre Eignung, in Verbindung mit ... steuerbaren Leuchtröhren hoher Intensität ein großes und helles Empfangsbild von begrenztem Betrachtungswinkel zu liefern, und daneben ihr ... Vorzug, selbst bei verhältnismäßig niedriger Zeilenzahl die Linienraster-struktur des Fernbildes unerkennbar zu lassen, wären ... sehr positiv zu bewertende Merkmale einer derartigen Anlage gewesen".
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Für das Fernseh-Sprechen ergaben sich im Vergleich zum Fernseh-Rundfunk unterschiedliche Arbeitsbedingungen:

  • 1. Die Rasterung des Bildes brauchte nicht so fein zu sein.
  • 2. Starke axiale Sammlung des vom Bildschreiber ausgehenden Lichtes war vorteilhaft.
  • 3. Das Empfangsbild mußte wegen der Blendung des Auges durch den Abtastlichtstrahl wesentlich heller sein.
  • 4. Dies erforderte des Flimmerns wegen eine erhöhte Rasterzahl/s.
  • 5. Mangels schneller Bewegungen im Bilde genügte für die Übertragung vom Bildgeber zum Bildschreiber eine niedrigere Bildzahl/s [437].

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1935 - Geforderte abzutastende Fläche von etwa 45 x 45 cm

Gefordert wurde 1935 von der DRP im Fernseh-Sprechdienst die Übertragung eines Brustbildes, d. h. eine abzutastende Fläche von etwa 45 x 45 cm bei einer Tiefe des Abtastraumes von rund 30cm, damit der Sprechgast genügend Bewegungsfreiheit erhielt. Besonderer Wert mußte also auf entsprechende Tiefenschärfe des optischen Systems und auf eine möglichst tonwertrichtige Wiedergabe der Farben gelegt werden.

„Bei der Einführung des Fernsehsprechens im Jahre 1935 wurde die Norm des seinerzeitigen Fernseh-Rundfunks übernommen, die eine Zeilenzahl von 180 pro Bild bei 25 Bildern pro Sekunde vorsah."

Die Gleichlauf zeichen wurden gemeinsam mit dem Bildinhalt durch Nulltastung eines modulierten Trägers für 10% der Zeilendauer am Ende jeder Zeile und für die Dauer von 9 Zeilen am Ende jedes Bildes übertragen. Als Schwarzwert galten 30% des Maximal-Aussteuerbereichs. Zur Übertragung diente ein Träger von 1,3 MHz mit einer Bandbreite von etwa 0,5 MHz [438].

1936 - damals schon auf Kompatibilität bedacht

„Als geberseitige Zerlegungsorgane traten auf der Strecke Berlin-Leipzig zwei grundverschiedene Systeme miteinander in Wettbewerb:

Der Lichtstrahlabtaster der Fernseh A.G. mit Mehrfach-Nipkow-Scheibe und der von Telefunken nach dem Trommelprinzip entwickelte und gebaute Linsen-kranzabtaster. Die im luftverdünnten Raum rotierende Lochscheibe des erstgenannten Gerätes (Bild 92) erforderte nur etwa 50 Watt Antriebsleistung; ihr Trägheitsmoment konnte infolge Herstellung aus 1/10mm starkem Aluminiumblech sehr gering gehalten werden. Von ihren 4 Lochspiralen zu je 45 Öffnungen wurde durch eine ... umlaufende Abdeckblende in zyklischem Wechsel jeweils nur eine einzige freigegeben. Die Zerlegerscheibe machte 6.000 Umdrehungen/min.

Sowohl die Abdeckscheibe als auch die über ein zwischengeschaltetes 100-Perioden Aggregat angetriebene Zerlegerscheibe hatten Motoren mit im Vakuum rotierenden Synchron-Kurzschlußläufern. Als Abtastlichtquelle diente eine Bogenlampe mit etwa 120 21) Ampere Stromstärke; zum Auffangen der vom Übertragungsobjekt zurückgeworfenen Strahlen waren 2 Großflächen-Fotozellen mit mehrstufiger Sekundärelektronen- vervielfachung vorgesehen" [437].

21) Nach Angaben der Fernseh A.G. nur 60 bis 80 Ampere.

1938 - Neue Technik - kleinere technik

Die Einführung der Sekundärphotozelle ergab neben der Empfindlichkeitssteigerung - die Vervielfachung der Elektronen entsprach einer lOOprozentigen Modulation des Ausgangsstromes - als weiteren Vorteil die Einsparung des mehrstufigen Niederfrequenzverstärkers. An den 17 Gittern trat eine 10 hoch5 - bis 10 hoch6 fache Gesamtverstärkung auf.

1938 entwickelte die Fernseh A.G. für Werbevorführungen auf Ausstellungen oder für Fernseh-Sprechverbindungen, die nur für kurze Zeit eingerichtet werden sollten, eine besonders leicht zu bedienende „kleine Fernseh-Sprechstelle" (Bild 93), die von der DRP erstmalig im Februar 1938 während einer Demonstration des Fernseh-Sprechens auf dem Berliner Presseball eingesetzt wurde.

Nipkow-Scheibe mit 50cm Durchmesser und 1.500 U/min und 0,03mm Löchern

An Stelle der im Vakuum rotierenden Zerlegerscheibe diente bei dieser Anlage eine massive, abgedeckte Scheibe von 50cm Durchmesser, die mit 1.500 Umdrehungen/min in Luft lief. Die Abtast-Löcher von 0,03mm Durchmesser waren auf einer einzigen Spirale angeordnet, so daß das Bild bei einer Scheibenumdrehung abgetastet wurde. Die verbesserten Sekundär-Photozellen ermöglichten es, die frühere mit Gleichstrom gespeiste Bogenlampe mit wassergekühltem Bildfenster durch eine wechselstromgeheizte Niedervolt-Glühlampe für 750 Watt zu ersetzen.
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Die Schlitze zur Erzeugung des phasenstarren Gleichlauf-Impulsgemisches mußten als besonderer Lochkranz in die Zerlegerscheibe eingestanzt werden; die in einer zweiten Sekundärphotozelle gewonnenen Synchronisier-Impulse wurden an die zweiten, die Bildsignalströme an die ersten und die von einem quarzgesteuerten Generator gelieferte Trägerfrequenz von 1,3 MHz an die vierten Gitter einer Gegentakt-Hexoden-Mischstufe gelegt. Das so entstehende Einkanal-Gemisch ging dann über eine weitere Verstärkerstufe auf das Fernkabel.

Telefunken hatte den Linsenkranz-Abtaster von Mechau

Der von der Telefunken G.m.b.H. in den Fernseh-Sprechstellen verwendete Linsenkranz-Abtaster entsprach dem für den Fernseh-Rundfunkdienst gefertigten Trommelgeber. Für die Wiedergabe der Fernseh-Bilder benutzte man, um eine möglichst wirklichkeitsgetreue Wiedergabe des Empfangsbildes zu erreichen, nach einigen Vorversuchen Braunsche Röhren mit einem Schirmdurchmesser von 50cm.

1938 - Fernseh AG entwickelt das kleine Fernseh-Sprechgerät

Bei dem 1938 von der Fernseh A.G. entwickelten „kleinen Fernseh-Sprechgerät" (für versuchsweise 150 Zeilen bei 50 Bildwechseln/s) wurde eine Braunsche Röhre mit nur 18cm Schirmdurchmesser verwendet, deren Bild durch eine Vergrößerungslinse betrachtet werden mußte.

Dadurch erreichte man neben einer Verkleinerung der ganzen Anlage, daß sich der Sprechgast unbewußt in die Mitte des abtastenden Strahlenkegels setzte, weil er dann das Empfangsbild am besten erkennen konnte. Bei dieser Anlage gewann man eine diffuse Zellenbeleuchtung dadurch, daß das Licht der Abtastlampe durch einen auf der Zerlegerscheibe - in der für den Strahlrücklauf vorgesehenen Lücke zwischen den Abtastöffnungen - angebrachten Spiegel gegen die Zellendecke reflektiert wurde, wobei man gleichzeitig die Sekundärelektronen-Photozellen austastete.

1938 - Akustische Rückkopplungs-Unterdrückung nach F. Gladenbeck

Die Benutzer der Fernseh-Sprechstellen sprachen im Anfang über gewöhnliche Mikrotelephone miteinander. Da diese immer das Gesicht beschatteten, rüstete die DRP 1938 einen Teil der Anlagen mit Gegensprech-Einrichtungen aus, wobei die akustische Rückkopplung nach einem von F. Gladenbeck angegebenen Verfahren [439] kompensiert wurde.

1938/39 - Erster Kathodenstrahl-Personenabtaster von Telefunken

In den Jahren 1938/39 entwickelte Telefunken für Fernseh-Sprechzwecke einen Kathodenstrahl-Personenabtaster, dessen Röhre mit einer Anodenspannung von 30 kV arbeitete. Der auf den Schirm geschriebene Raster von 7 x 8cm wurde durch ein Abbildungsobjektiv mit dem Öffnungsverhältnis F:1,4 in einer Größe von 50 x 57cm auf den Sprechgast projiziert.

Die optisch erzeugte Bildträgerfrequenz von 1,3 MHz führte man als Hochfrequenz-Wechselspannung an der Steuerelektrode des Kathodenstrahls ein. Drei abgeschirmte Großflächen-Photozellen lieferten die den Träger modulierenden Bildsignalströme. Zur Bildwiedergabe diente eine Braunsche Röhre mit 35cm Kolbendurchmesser und einem Bildfeld von 24 x 27 cm.

Die Kabinen-Anlage für ein 150zeiliges Bild mit 50 vollen Bildwechseln, die von Telefunken „für behördliche Vorführzwecke konstruiert und hergestellt" war, wurde „von der Deutschen Reichspost der nationalspanischen Regierung zur Verfügung gestellt".

Deutsches Fernseh-Sprechgerät in Buenos Aires

Die von der DRP bei der Tagung des Weltpostkongresses in Buenos Aires vorgeführte Anlage (Bild 94) unterschied sich von der vorher beschriebenen nur durch die Verwendung von zwei Sekundär-Photozellen und durch Projektion des Bildes einer 30kV-Röhre auf eine Mattscheibe von 50 x 60cm. Der einfache, übersichtliche Aufbau fand „bei den eindrucksvollen Vorführungen des beschriebenen Gerätes in Buenos Aires den Beifall aller Fachleute [437].

1939 - Fernseh-Sprechanlagen mit 441-Zeilen

Nach der Einführung der 441-Zeilen-Norm stellte Telefunken auch die Fernseh-Sprechanlagen auf diese neue Norm um. Gleichzeitig wurde eine Nachleucht-Entzerrung durch Einfügen einer Zeitkonstanten-Kompensation in die von der Photozelle gesteuerte Direktverstärkerschaltung und eine Kabelübertragung im Einseitenbandbetrieb eingeführt. Diese Geräte konnten jedoch für den praktischen Fernseh-Sprechdienst nicht mehr eingesetzt werden.

1938 - Trägheitslose elektronische Speicherung der Modulation

Die Möglichkeit einer trägheitslosen elektronischen Speicherung der Modulation zur Herabsetzung der Rasterfrequenz und damit des zu übertragenden Frequenzbandes im Fernseh-Sprechdienst wurde zwar von G. Krawinkel und Mitarbeitern bereits 1938 experimentell nachgewiesen, konnte a aber wegen des Krieges ebenfalls nicht mehr eingeführt werden.

1940 - Ende des Fernseh-Sprechdienstes

Im Jahre 1940 gab die DRP auf der Strecke Berlin-Leipzig-München den Fernseh-Sprechdienst endgültig auf, weil die Bildsignalspannungen den Verkehr auf dem inzwischen auf 100 Sprechkanäle erweiterten Vielbandbündel störten.

12 Jahre später, am 27. August 1952, zeigte die Londoner Radio-Ausstellung ein „neues" Fernseh-Telefon mit Handapparat (Bild 95).

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