Ein Bildband mit einer fast lückenlosen Biografie von 12 Jahren
Die 12 Jahre der Nationalsozialisten haben die ganze Welt "verdreht". So viele Tote hatte noch nie ein diktatorisches Regime zu verantworten. Hier wird in den Jahren um 1980 biografisch aufgearbeitet, wie es die "Deutschen Normalbürger" erlebt oder auch nicht erlebt hatten und vor allem, wie es dazu gekommen war. Hintergrund in 2026 ist die aktuelle Entwicklung 80 Jahre danach - nicht nur wieder in Deutschland - sondern auch in den USA und in Russland und in weiteren Ländern dieser Welt. Hier wird nichts verklärt oder beschönigt oder verniedlicht. Die Wahrheit ist daher nicht immer angenehm oder gefällig. Die einführende Seite beginnt hier.
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Im Anhang des Bildbandes ist eine Zeitschiene dokumentiert
Das ist quasi die biografische Kurzfassung der ganzen Artikel der vorangegangenen Seiten - jetzt mit dem Datum als Überschrift.
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1933 - Politik
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- 4. Januar. Besprechung Hitlers mit Papen im Haus des Bankiers Schröder in Köln.
- 20./21. Januar. NSDAP und DNVP lehnen die Unterstützung der Schleicher-Regierung ab.
- 22. Januar. Aufmarsch der SS und SA unter Polizeischutz vor dem Karl-Liebknecht-Haus in Berlin.
- 22. Januar. Verhandlungen zwischen Papen, Meißner, Oskar von Hindenburg und Hitler über die Regierungsbildung im Haus Ribbentrops in Berlin.
- 28. Januar. Rücktritt Schleichers. Hindenburg hatte eine Erklärung des Notstands, Auflösung des Reichstags und Verzicht auf Neuwahlen abgelehnt.
- 30. Januar. Hindenburg beauftragt Hitler mit der Regierungsbildung. Bildung der Hitler-Hugenberg-Papen-Regierung. Vizekanzler und Reichskommissar in Preußen: Papen (bis Juni 1932 Zentrum); Äußeres: Neurath (parteilos); Inneres: Frick (NSDAP); Reichswehr: Generalleutnant von Blomberg (parteilos); Finanzen: Schwerin von Krosigk (parteilos); Post und Verkehr: Eltz von Rübenach (parteilos); Wirtschaft, Ernährung, Landwirtschaft und Reichskommissar für Osthilfe: Hugenberg (DNVP); Arbeit: Seldte (Stahlhelm, ab April 1933 NSDAP); Minister ohne Geschäftsbereich, Reichskommissar (ab April Reichsminister) für die Luftfahrt: Göring (NSDAP); Justiz: Gürtner (DNVP) seit 1. Februar; Volksaufklärung und Propaganda: Goebbels (NSDAP) seit 13. März.
- 30. Januar. Aufruf der KPD zur Einheitsfront und zum Generalstreik.
- 31. Januar. Aufruf der SPD zum »Kampf auf dem Boden der Verfassung«.
- 31. Januar. Hitler verkündet im Rundfunk den Aufruf des Kabinetts der »nationalen Erhebung«.
- 1. Februar. Hindenburg löst auf Drängen Hitlers den Reichstag auf und setzt für den 5. März Neuwahlen fest.
- 2. Februar. Demonstrationsverbot.
- 3. Februar. Hitler trägt der Reichswehrführung sein »Lebensraum«-Programm vor.
- 4. Februar. Verordnung des Reichspräsidenten »zum Schutz des deutschen Volkes«: drastische Einschränkung der Ver-sammlungs-, Rede- und Pressefreiheit.
- 5. März Neuwahlen
- 8. Februar. Kabinettsbeschluß über die Vorrangigkeit der Bedürfnisse der Reichswehr vor denen für zivile Maßnahmen bei der Vergabe von Mitteln.
- 17. Februar. »Schießerlaß« Görings bei Zusammenstößen zwischen »nationalen Verbänden« und Antifaschisten.
- 20. Februar. Krupp, Schacht, Vogler, Flick, v. Schnitzler und andere Industrielle und Bankiers zu Gast bei Hitler und Göring. Wahlspende der Krupp AG, IG-Farben, Vereinigten Stahlwerke u.a. in Höhe von drei Millionen Mark zur Finanzierung des Reichstagswahlkampfes und zur »Abwehr des Kommunismus«.
- 24. Februar. SA, SS und Stahlhelm werden »Hilfspolizei«.
- 27. Februar. Reichstagsbrand wird als Vorwand für eine Terrorwelle gegen Antifaschisten und insbesondere Kommunisten benutzt.
- 28. Februar. Hindenburg erläßt die »Verordnung zum Schutz von Volk und Staat«: Aufhebung der Grundrechte der Weimarer Verfassung, verschärfte Strafbestimmungen, Einführung der »Schutzhaft«.
- 3. März. Verhaftung des Vorsitzenden der KPD, Ernst Thälmann.
- 5. März. Letzte Reichstagswahlen: NSDAP 288 Sitze; SPD 120 Sitze; KPD 81 Sitze; DNVP 53 Sitze; Zentrum 73 Sitze; BVP 19 Sitze. Erste »Einzelaktionen« gegen jüdische Bürger.
- 7. März. Verbot von Reichsbanner und Eiserner Front.
- 9. März. Die Faschisten erklären die Mandate der KPD für ungültig und erlassen Haftbefehle gegen alle kommunistischen Abgeordneten. Dadurch erhalten sie die absolute Mehrheit im Reichstag. Kein Protest der bürgerlichen Parteien.
- 12. März. Hindenburg erklärt die schwarz-weiß-rote und die Hakenkreuz-Flagge anstelle der schwarz-rot-goldenen zu offiziellen Reichsfarben.
- 17. März. Schacht wird Reichsbankpräsident.
- 20. März. Errichtung des Konzentrationslagers Dachau. Erste offizielle Mitteilung über KZs.
- 21. März. Tag von Potsdam.
- 24. März. Der Reichstag beschließt das »Gesetz zur Behebung der Not von Volk und Reich« (Ermächtigungsgesetz) gegen die Stimmen der SPD-Fraktion, die durch Verhaftungen bereits geschrumpft ist. Die Hitler-Regierung wird ermächtigt, ohne den Reichstag Gesetze zu erlassen.
- 31. März. Das Gesetz zur Gleichschaltung der Länder mit dem Reich wird erlassen: Umbildung der Länderparlamente entsprechend der Reichstagswahl.
- 1. April. Boykott aller jüdischen Geschäfte.
- 4. April. Bildung des geheimen »Reichsverteidigungsrates« .
- 7. April. »Gesetz zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums« und Entlassung von »politisch unzuverlässigen« und »nichtarischen« Beamten.
- 10. April. Der 1. Mai wird zum »Tag der nationalen Arbeit«, Nationalfeiertag mit allgemeiner Arbeitsruhe, erklärt.
- 26. April. Errichtung des »Geheimen Staatspolizeiamtes« (Gestapo) in Berlin.
- 28. April. Wiedereinführung der seit 1920 abgeschafften Militärgerichtsbarkeit.
- 1. Mai. Programm des »Unternehmens Reichsautobahn«.
- 1. Mai. »Tag der nationalen Arbeit«.
- 2. Mai. Zerschlagung der Gewerkschaften, Besetzung der Gewerkschaftshäuser, Verhaftung von Gewerkschaftsführern, Beschlagnahme des Gewerkschaftsvermögens.
- 10. Mai. Bücherverbrennungen.
- 17. Mai. Die sogenannte »Friedensrede« (außenpolitisches Programm) Hitlers vor dem Reichstag wird auch von der SPD gebilligt.
- 22. Juni. Verbot der SPD.
- 27. Juni-5. Juli. Selbstauflösung der übrigen Parteien.
- 3. Juli. Hitler erklärt die »Revolution« für beendet.
- 14. Juli. »Gesetz gegen die Neubildung von Parteien«. - »Gesetz über die Verfassung der deutschen evangelischen Kirche« als Einordnung in das faschistische System, gegen die sich nach einem Aufruf Martin Niemöllers die Opposition im Notbund der evangelischen Pfarrer, später in der Bekennenden Kirche, sammelt.
- »Gesetz zur Verhinderung erbkranken Nachwuchses « (» Erbgesundheitsgerich-te«, Zwangssterilisationen).
- »Gesetz zur Widerrufung von Einbürgerungen und Aberkennung der deutschen Staatsbürgerschaft«.
- 20. Juli. Konkordat zwischen Hitler-Regierung und Vatikan.
- 1. August. Erste Todesurteile der faschistischen Justiz (gegen vier Kommunisten) vollstreckt. Bis Ende 1933 werden 66 Todesurteile vollstreckt.
- 13. September. Winterhilfswerk gegründet. Reichsnährstandgesetz.
- 21. September. Beginn des Reichstagsbrand-Prozesses.
- 29. September. »Reichserbhof«-Gesetz.
- 1. Dezember. »Gesetz zur Sicherung der Einheit von Partei und Staat«, NSDAP wird zur Staatspartei.
- 19. Dezember. Der evangelische »Reichsbischof« Müller überführt die Evangelische Jugend »geschlossen« in die HJ.
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1933 - Wirtschaft/Soziales
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- 24. März. Dankadresse des Präsidiums des Reichsverbandes an Hitler für die Sicherung der Wirtschaft gegen »Störungen« und »politische Schwankungen«.
- 4. April. Das »Gesetz über die Betriebsvertretungen und über wirtschaftliche Vereinbarungen« ermächtigt die Landesregierungen - nach einer Wahlniederlage der Faschisten -, die Betriebsrätewahlen bis zum September auszusetzen.
- 7. April. Die Unternehmer erhalten die gesetzliche Möglichkeit, Arbeiter und Angestellte bei »Verdacht staatsfeindlicher Tätigkeit« zu entlassen.
- 19. April. Der ADGB ruft zur Teilnahme an der faschistischen Maifeier auf.
- 25. April. Vorlage eines Planes des Reichsverbandes der Deutschen Industrie zur Neugestaltung der Wirtschaft bei der Regierung.
- 3. Mai. Krupp erhält sämtliche Vollmachten zur Reorganisation des industriellen Verbandswesens nach dem »Führerprinzip«.
- 16. Mai. Gründung der »Deutschen Arbeitsfront« (DAF) als Zwangsorganisation für Arbeiter und Angestellte.
- 1. Juni. »Gesetz zur Verminderung der Arbeitslosigkeit«: Darlehen des Reiches für Arbeitsbeschaffung bei »volkswirtschaftlich wertvollen« Arbeiten der Länder, Gemeinden, öffentlichen Organisationen, Hausbesitzer u.a., Steuerbefreiungen als Investitionsanreiz, Kampagne gegen das sogenannte Doppelverdiener-tum und für das Ausscheiden besonders der verheirateten Frauen aus dem Arbeitsprozeß. Weibliche Berufstätige werden z. B. vom Empfang des Ehestandsdarlehens ausgeschlossen.
- 2. Juni. Beginn der »Adolf-Hitler-Spende« der deutschen Industrie, die in 12 Jahren 700 Millionen Reichsmark an die Nazis zahlt.
- 20. Juni. Einrichtung der »Kasse L« (Geheimfonds zum Aufbau der Luftwaffe).
- 21. Juni. Köpenicker Blutwoche. 91 Opfer des SA-Terrors.
- 15. Juli. Einberufung des »Generalrats der deutschen Wirtschaft« (u.a. Krupp, Thyssen, Vogler, Bosch, Siemens, Diehn, Reinhart, Schröder). Das »Gesetz zur Errichtung von Zwangskartellen« ermächtigt die Regierung zu Zwangszusammenschlüssen von Unternehmen, Verbot von Erweiterungen, Eingriffen in die Produktionskapazitäten.
- 14. September. Feder-Bosch-Abkommen: Erster Musterbenzin-Vertrag zwischen dem Reich und dem Ammoniakwerk Merseburg GmbH, Leuna, über den vom Reich gewährleisteten Absatz von jährlich 300 000 Tonnen synthetischen Benzins über 10 Jahre.
- 13. Oktober. Die Deutsche Bank legt Hitler ihr Kolonialprogramm vor. (»Die Möglichkeit für das deutsche Volk, im Osten Raum zu schaffen, ist nicht so schnell zu verwirklichen, als daß man nicht an andere Gebiete denken sollte, die auch dann noch erwähnenswert bleiben, wenn ein Teil unseres Volkes im Osten neue Heimstätten gefunden haben wird.«)
- 27. November. Gründung von »Kraft durch Freude« als Unterorganisation der »Deutschen Arbeitsfront«.
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1933 - Kultur
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- 2. Februar. Demonstrative Anwesenheit Hitlers, Hugenbergs, Papens u. a. bei der Aufführung des Ufa-Films »Morgenrot« (Regie: Gustav Ucicky), der den deutschen U-Boot-Krieg während des Ersten Weltkriegs verherrlicht.
- Ende Februar. Aufruf zur Bildung einer Einheitsfront von SPD und KPD von Käthe Kollwitz, Heinrich Mann u. a. unterzeichnet.
- Februar bis März. Ausschluß von Heinrich Mann, Käthe Kollwitz, Alfred Döblin, Leonhard Frank, Georg Kaiser, Alfred Mombert, Alfons Paquet, Rudolf Pannwitz, Rene Schickele, Fritz von Unruh, Jakob Wassermann und Franz Werfel aus der Akademie der Künste. Ricarda Huch erklärt unter Protest ihren Austritt. Käthe Kollwitz, Max Liebermann, Bruno Taut, Heinrich Mann zum Austritt aus der Preußischen Akademie der Künste gezwungen.
- George Grosz emigriert. Otto Dix seines Lehramtes enthoben, Karl Hofer, Paul Klee, Oskar Moll »beurlaubt«.
- Nazi-Ausstellung »Kultur-Bolschewismus«.
- Paul Klee emigriert.
- E. Hadamovsky, »Der Rundfunk als politisches Führungsmittel«. Film: »Hitlerjunge Quex« (Regie: Hans Steinhoff).
- Seit dem 1. April erscheinen »schwarze Listen« von Autoren und Büchern in der deutschen Presse.
- 20.-25. April. Beschluß über die Einrichtung der »Nationalpolitischen Erziehungsanstalten« und »Gesetz gegen die Überfüllung deutscher Schulen und Hochschulen«. Es schränkt u.a. den Hochschulbesuch jüdischer Mitbürger ein, Faschisierung des Bildungs- und Erziehungssektors, Heranbildung einer faschistischen »Elite«.
- 10. Mai. Der »Nationalsozialistische Deutsche Studentenbund« führt eine Aktion »Wider den undeutschen Geist« (Bücherverbrennungen) durch.
- 20. Mai. Allein in Berlin werden 500 Tonnen Bücher beschlagnahmt.
- Juli. Der Schutzverband Deutscher Schriftsteller (SDS) wird im Exil neugegründet. Er versucht seine in Deutschland verbliebenen Mitglieder »vor der physischen Vernichtung durch den Faschismus« zu retten.
- August. Das »Braunbuch über Reichstagsbrand und Hitlerterror« erscheint in 16 Sprachen. Es wird im Kleinformat als Tarnschrift in Deutschland verbreitet. Einrichtung der »Nationalpolitischen Bildungsanstalten« (Napola).
- 22. September. »Reichskulturkammergesetz«: Unterordnung von Kunst, Presse, Rundfunk unter das faschistische System, Abschaffung der autonomen Universitätsverfassungen.
- 15. Oktober. Reichskulturkammer unter Goebbels gegründet.
- 9. November. Gründung eines Literaturpreises der Stadt Hamburg für die Mitarbeit an der »Erneuerung des deutschen Geistes«.
- 19. Dezember. Gründung der »Nordostdeutschen Forschungsgemeinschaft« zur Vorbereitung der »Heim-ins-Reich«-Ideologie.
- Film: »Hans Westmar« (Regie: Franz Wenzler).
- Film: »SA-Mann Brand« (Regie: Franz Seitz).
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1934 - Politik
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- 20. Januar. Gesetz zur »Ordnung der nationalen Arbeit«.
- 27. Januar. Treuebekenntnis evangelischer Bischöfe für Hitler; Beginn verstärkten Widerstandes von Geistlichen gegen die Kirchenleitung.
- 30. Januar. »Gesetz über den Neuaufbau des Reichs«; Auflösung der Länder und zentralistische Organisation.
- 16. Februar. Grundlegung der Idee der Hitler-Jugend durch Schirach.
- 20. Februar. Das Hakenkreuz wird zum Abzeichen an der Uniform der Reichswehr.
- 27. Februar. Dimitroff nach dem Freispruch im Reichstagsbrand-Prozeß freigelassen.
- 20. April. Himmler wird Chef der Gestapo.
- 24. April. Errichtung des »Volksgerichtshofs«.
- 31. Mai. Synode der Bekennenden Kirche verkündet »kirchliches Notrecht«, wonach der Kirchenleitung nicht mehr zu folgen ist.
Befehl zum Schießen auf bei frischer Tat gestellte Flugblattverteiler oder Plakatkleber. - 7. Juni. Katholischer Hirtenbrief gegen nationalsozialistische Ideologie.
- 17. Juni. Kritische Rede Papens gegen Hitler in Marburg aus konservativer Opposition.
- 24. Juni. Predigt des Bischofs von Trier gegen Agitation der Hitler-Jugend.
- 30. Juni-2. Juli. Zerschlagung der Röhm-Gruppe in der NSDAP durch Mordaktionen von SS und Reichswehrangehörigen.
- 3. Juli. Nachträgliche Sanktionierung der blutigen Säuberungen durch Gesetz als »Staatsnotwehr«.
- 4. Juli. SS-Führer Eicke wird Anführer der Totenkopf-Verbände und Inspekteur der Konzentrationslager.
- 20. Juli. Die SS wird selbständige Organisation, nachdem sie vorher nur Teilorganisation der SA war.
- 2. August. Tod Hindenburgs; Hitler wird Staatsoberhaupt.
- 3. August. Nach einem Gesetz vom Vortag wird die Reichswehr auf Hitler vereidigt.
- 19. August. Bestätigung Hitlers durch »Volksabstimmung« (90 Prozent) bei geringer Wahlbeteiligung.
September. Erstmaliges Auftreten einer linken SPD-Absplitterung »Arbeitskreis Revolutionäre Sozialisten« mit Forderung einer sozialistischen Einheitspartei sowie Kritik an der KPD-Politik. - 19./20. Oktober. Dahlemer Synode der Bekennenden Kirche mit Diskussion des kirchlichen Notrechts.
- 22. Oktober. Bildung einer vorläufigen Leitung der Bekennenden Kirche.
November. Offener Brief der KPD »An alle Sozialdemokraten. An alle Gewerkschaftsgruppen. An alle Kollegen der Arbeitsfront« mit Aufruf zur Einheitsfront. - 20. Dezember. Verschärfung des politischen Strafrechts; Gesetz »gegen heimtückische Angriffe auf Staat und Partei und zum Schutz der Parteiuniform«.
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1934 - Wirtschaft/Soziales
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- 20. Januar. Gesetz zur Ordnung der nationalen Arbeit; Betriebe werden zu Betriebs-»Gemeinschaften« erklärt, in denen das »Führerprinzip« gilt.
- 7. Februar. Beschluß des Reichsverteidigungsrats über die Aufnahme wirtschaftlicher Kriegsvorbereitungen.
- 27. Februar. Schaffung der gesetzlichen Grundlage zur Zwangsorganisation der Unternehmen in vom Reichswirtschaftsministerium kontrollierten Verbänden (Vollzug des Gesetzes am 27. November).
- 21. März. Beginn des Autobahnbaus bei München.
- 29. März. Gesetz über ein »Pflichtjahr« der Stadtjugend auf dem Land schafft Rekrutierungsmöglichkeiten für billige Landarbeiter und Erntehelfer.
- 29. März. Bekanntgabe des neuen Rüstungsetats mit einer Steigerung um 50 Prozent.
- März/April Wahl der Vertrauensräte in den Betrieben ergibt bei geringer Beteiligung für faschistische Kandidaten nur ein Viertel der Stimmen; wegen der schlechten Wahlergebnisse finden nach 1935 keine Vertrauensrätewahlen mehr statt.
- 15. Mai. Gesetz zur Regelung des Arbeitseinsatzes verbietet Landflucht.
- 20. Juni. Die »Wirtschaftsgruppe im Reichswehrministerium« fordert zur Ef-fektivierung der Aufrüstung eine »Wirtschaftsdiktatur«.
- 30. Juli. Schacht wird zum Reichswirtschaftsminister ernannt.
- 10. August. Verordnung über die Verteilung von Arbeitskräften beseitigt das Recht auf freie Arbeitsplatzwahl.
- 24. September. Schacht legt den »Neuen Plan« vor; darin wird eine staatliche Kontrolle aller Im- und Exporte und des Devisentransfers festgelegt; Ziel ist die Herstellung voller Autarkie.
- 27. November. Einteilung der Wirtschaft laut Gesetz vom 27. Februar in sechs »Reichsgruppen«: Industrie, Handwerk, Handel, Banken, Versicherungen und Energiewirtschaft; Zusammenschluß in der »Reichswirtschaftskammer«; die in den einzelnen Gruppen jeweils führenden Großbetriebe führen in den nächsten Jahren durch Preis- und Marktabsprachen eine starke Konzentrationsbewegung durch.
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1934 - Kultur
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- 24. Januar. Alfred Rosenberg wird Beauftragter für geistige und weltanschauliche Schulung der NSDAP.
- 16. Februar. Einrichtung der Filmprüf stelle in Berlin.
- 14. April. Eröffnung der »Staatsakademie für Rassen- und Gesundheitspflege« in Dresden.
- 16. April. Errichtung der Prüfstelle für nationalsozialistisches Schrifttum. Veröffentlichung kleinerer, zum Teil getarnter Schriften illegaler Gruppen des Bundes proletarisch-revolutionärer Schriftsteller in Deutschland. Übergang der traditionellen Historiographie ins faschistische Lager durch Erich Rothackers » Geschichtsphilosophie «. Stiftung eines Nationalen Buchpreises durch das Propaganda-Ministerium. Film: »Ein Mann will nach Deutschland« (Regie: Paul Wegener). Hans Fallada, »Wer einmal aus dem Blechnapf frißt«.
Entlassung des evangelischen Professors für Theologie Karl Barth wegen Verweigerung des Beamteneids als Hochschullehrer.
Pflicht zum Vorführen eines »Kulturfilms« vor öffentlichen Filmveranstaltungen.
Als ökonomische Theorie faschistischer Wirtschaftspolitik erscheint Werner Sombarts »Deutscher Sozialismus«. Ermordung Erich Mühsams im Konzentrationslager Oranienburg.
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1935 - Politik
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- 13. Januar. Abstimmung über die Angliederung des Saargebiets; 91 Prozent der Stimmen für Anschluß an das Deutsche Reich; obwohl die Zustimmung des Völkerbundes erst am 1. März kam, wurde das Saarland sofort besetzt.
- 30. Januar. Reichsstatthaltergesetz und Gemeindeordnung; Beseitigung der Gemeindeautonomie; statt dessen eingesetzte »Statthalter«.
- 26. Februar. Erlaß über die Reichsluftwaffe schafft mit Verstoß gegen den Versailler Vertrag als dritte Waffengattung die Luftwaffe.
- 4/5. März. Synode der Bekennenden Kirche beschließt Kanzelverkündigung gegen die nationalsozialistische Ideologie; 700 Pfarrer werden wegen Verkündung des Beschlusses verhaftet.
- 16. März. Wiedereinführung der allgemeinen Wehrpflicht.
- 1. April. Justiz reichseinheitlich organisiert.
- 7. April. In Danzig gewinnen die Nationalsozialisten die Mehrheit bei Wahlen.
- 21. April. Auflösung der Parteileitung der KPD in Deutschland und Bildung einer operativen Leitung in Prag.
- 2. Mai. Planung für Rheinland-Besetzung begonnen.
- 21. Mai. Geheimes »Reichsverteidigungsgesetz«; Vollmacht für den Reichskriegsminister zur unbeschränkten Verordnungsmacht im Kriegsfall; Einsetzung von Sondergerichten etc.
- 21. Mai. Versicherung Hitlers, Österreich nicht zu besetzen (»Friedensrede«).
- 21. Mai. Voraussetzung für die Ableistung von Wehrdienst ist eine arische Abstammung.
- 26. Juni. Reichsluftschutzgesetz verpflichtet zu Sach- und Dienstleistungen für Zwecke des Luftschutzes.
- 16. Juli. Bildung eines Reichskirchenministeriums; Erlaß von Maßnahmen gegen oppositionelle katholische Geistliche.
- 20. Juli. Einschränkung der Aktionsfähigkeit für konfessionelle Jugendgruppen.
- 24. Juli. Auflösung aller alten Freikorpskämpfer-Verbände und Traditionsvereine.
- 2. August. München erhält den Titel »Hauptstadt der Bewegung«.
- 17. August. Verbot von Freimaurer-Logen.
- 4. September. Mit dem Prozeß gegen 25 Neuköllner Widerstandskämpfer, die mit fünf Todesurteilen enden, beginnt eine Lawine von Schauprozessen in ganz Deutschland.
- 10.-16. September. Nürnberger Reichsparteitag der NSDAP.
- 15. September. Nürnberger Gesetze (»Gesetz zum Schutze des deutschen Blutes und der deutschen Ehre«); Beginn der staatlichen Judenverfolgung.
- 25. September. Gesetz zur Sicherung der deutschen evangelischen Kirche; Bindung der Kirche an den faschistischen Staat und Ausschaltung der kirchlichen Opposition.
- 18. Oktober. Gesetz zum Schutz der Erbgesundheit des deutschen Volkes; Arier-Nachweis und Heiratsverbote.
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1935 - Wirtschaft/Soziales
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- ab 13. Januar. Eingliederung der Saar-Industrie in die Rüstungsstrategie der deutschen Industrie.
- 26. Februar. Gesetz über die Einführung eines Arbeitsbuchs; dadurch zusätzliche Rekrutierung noch brachliegender Arbeitskraft und Bindung an einzelne Betriebe.
- 19. Mai. Eröffnung eines ersten Teilstücks der Autobahn.
- 20.-24. Mai. Streik bei den Wanderer-Werken in Chemnitz; später auch einzelne Aktionen in Sachsen, Schlesien, Württemberg, Berlin und im Ruhrgebiet sowie auf Autobahnbaustellen; trotz begrenzter Aktionen und massivem Gegendruck zum Teil erfolgreich.
- 21. Mai. Geheime Ernennung Schachts zum »Generalbevollmächtigten für Kriegswirtschaft«.
- 26. Juni. Reichsarbeitsdienstgesetz; halbjährige Arbeitspflicht aller Männer zwischen 18 und 25 Jahren.
- Juli. Streik auf der U-Boot-Werft in Vegesack; trotz Polizeiterrors werden Teilforderungen durchgesetzt.
- Oktober. Bildung des »Wehrwirtschaftsstabs« des Oberkommandos der Wehrmacht.
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1935 - Kultur
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- Emigration Karl Barths nach Basel und theoretische Anführung der Bekennenden Kirche in den folgenden Jahren.
Gründung eines »Reichsinstituts Geschichte des Neuen Deutschlands« mit einer Abteilung »Judenfrage«.
Gründung des »Reichsbunds für deutsche Vorgeschichte« zur Erforschung der »nordischen Rassengeschichte«.
Errichtung der faschistischen »Johann Wolfgang von Goethe-Stiftung«; Stiftung von Kulturpreisen.
Peter Raabe wird Präsident der Reichsmusikkammer.
Werner Bergengruen, »Der Großtyrann und das Gericht« und (illegal) »Diesirae«.
Hanns Johst wird Präsident der Reichsschrifttumskammer.
Emanuel Hirsch, »Christlicher Glaube und politische Bindung«; Bekenntnis zur Verbindung von evangelischer Kirche und Faschismus zur »Deutschen Kirche«.
Regelmäßige Fernsehübertragungen in Berlin.
Verbot des deutschen Pen-Clubs. - 24. November. Friedensnobelpreis für Carl von Ossietzky, für Hitler der Anlaß, Reichsdeutschen die Annahme von Nobelpreisen zu verbieten.
- 26. November. Verbot der Kunstkritik; statt dessen nur noch Kunst»berichte«. Faschistischer Goethepreis an Georg Kolbe.
- Faschistischer »Mozartpreis« an Josef Weinheber.
- Hans Günther, »Führeradel durch Sippenpflege«, fordert Zucht der arischen Rasse.
- Erste Nummer der faschistischen Musikzeitschrift »Volksmusik«. Ernst Jünger, »Afrikanische Spiele«.
Ausbürgerung Thomas Manns und Übersiedlung in das USA-Exil.
Verbot des deutschen Künstlerbunds.
Film: »Friesennot« (Regie: Peter Hagen). Film: »Triumph des Willens« (Regie: Leni Riefenstahl).
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1936 - Politik
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- 16. Januar. Goebbels fordert Kolonialbesitz für Deutschland und propagiert »Kanonen statt Butter«.
- 10. Februar. Preußisches Gesetz über die Gestapo gibt Sonderrechte für Polizeiterror.
- 7. März. Besetzung des Rheinlands durch Reichswehrtruppen.
- 24. März. Aufruf des Ausschusses für eine deutsche Volksfront gegen die Rheinland-Besetzung; Warnung vor Kriegsgefahr.
Neuwahl des Reichstages in Verbindung mit einer Billigung der Rheinland-Besetzung; 99 Prozent Ja-Stimmen. - 18. April. Durch Gesetz wird der »Volksgerichtshof« zum ordentlichen Gericht und dem obersten Reichsgericht gleichgeordnet.
- 24. April. Einweihung von drei NS-Ordensburgen für faschistische Kaderausbildung in Grossinsee, Vogelsang und Sonthofen.
- 28. Mai. Pfingst-Denkschrift der Bekennenden Kirche gegen Rassenwahn und antisemitische Politik des Faschismus.
- 17. Juni. Himmler wird Chef der deutschen Polizei, die reichseinheitlich organisiert wird.
- 26. Juni. Heydrich wird Chef der Sicherheitspolizei.
- 12. Juli. Errichtung des Konzentrationslagers Sachsenhausen bei Berlin.
- 26. Juli. Aufstellung der »Legion Condor« zur Unterstützung der faschistischen Putschtruppen in Spanien; erster Einsatz schon am 5. August; Gesamtstärke 15.000 Soldaten und modernstes Kriegsgerät.
- 1. August. Eröffnung der Olympischen Spiele in Berlin und Kiel; Dauer bis 16. August.
- 7. August. Aufruf der KPD zur Beteiligung am spanischen Bürgerkrieg auf der Seite der Republik; insgesamt nehmen 5.000 Deutsche an den Kämpfen teil, 3.000 davon fallen.
- 24. August. Verlängerung der Wehrpflichtzeit von einem auf zwei Jahre.
- 2.-7. September. Versammlung von »Auslandsdeutschen« in Erlangen; Forderungen nach deutschem Kolonialbesitz und territorialer Expansion.
- 1. Oktober. Neue Wehrbereichseinteilung.
- 3. Oktober. Stapellauf des Schlachtschiffes »Scharnhorst«; Beginn eines großen Flottenaufbaus.
- 14. Oktober. Vereinheitlichung der Sicherheitspolizei und Zentralisierung;
Abgrenzung örtlicher Zuständigkeiten zwischen Gestapo und Kripo zugunsten der Gestapo. - 10. November. Hirtenbrief der katholischen Bischöfe mit der Forderung nach Schutz der Bekenntnisschule.
- 20. November. Erklärung der evangelischen Kirchenleitung;
Bereitschaft, »alle Kräfte der Kirche gegen den Bolschewismus einzusetzen«;
Kapitulation der evangelischen Kirche vor dem Faschismus und Entzug der Solidarität mit der Bekennenden Kirche. - 1. Dezember. Hitler-Jugend wird zur Staatsjugend.
- Im Laufe des Jahres wurden laut Gestapo-Berichten 1.374 Sozialdemokraten und 11.687 Kommunisten verhaftet und 1,6 Millionen Flugblätter beschlagnahmt.
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1936 - Wirtschaft/Soziales
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- 22. Januar. Schaffung einer gesetzlichen Ablieferungspflicht für landwirtschaftliche Produkte und Staatsmonopol für den Großhandel bestimmter Erzeugnisse.
- Ende Februar. Streik von vier Zechenbelegschaften in Wanne-Eickel erzwingt Freilassung verhafteter Kollegen.
- 4. April. Geheimerlaß Hitlers zur Verstärkung der »Wehrhaftmachung«.
- 27. April. Göring wird »Devisen- und Rohstoff-Kommissar«; er erhält Eingriffskompetenzen in Geschäftsbereiche des Reichswirtschaftsministeriums;
Beginn der Neuordnung der Rüstungswirtschaft. - 25. Juni. Streik bei Opel in Rüsselsheim führt zu Polizeieinsätzen und Massenentlassungen.
- Juli. Konferenzen im Reichswirtschaftsministerium zur Bekämpfung der anwachsenden Streikaktionen.
- 24. Juli. Streik bei Auto-Union in Spandau gegen Lohnkürzungen erfolgreich.
- Ende August. Denkschrift Hitlers über die »Aufgaben eines Vierjahresplans«; konkretes Programm zum Abschluß der Aufrüstung und Erlangung der Autarkie in vier Jahren.
- 4. September. Vorlage des Vierjahresplans beim Ministerrat.
- 9.-14. September. Annahme des Vierjahresplans auf dem Reichsparteitag der NSDAP in Nürnberg; ökonomische Aufgabenstellung für die Planung ist die Schaffung der Voraussetzungen für die Gewinnung »neuen Lebensraums«.
- 18. Oktober. Ernennung Görings zum »Beauftragten für den Vierjahresplan«; Göring beruft einen Berater- und Beamtenstab, der bald mehr Kompetenzen hat als das Reichswirtschaftsministerium.
- 20. Oktober. Streik in der Textilindustrie des Kreises Zwickau.
- 22.-29. Oktober. Erste Gesetze zur Durchführung des Vierjahresplans; Neuordnung des Planungs- und Eingriffsinstrumentariums führt zu einer Verschmelzung des staatlichen und des privatwirtschaftlichen Lenkungsapparates.
- 28. Oktober. Rede Görings im Berliner Sportpalast fordert Lohnstopp und Arbeitsfriede zur Erhöhung der nationalen Stärke.
- 1. Dezember. Gesetz gegen Wirtschaftssabotage verpflichtet zur Anmeldung aller Werte und Anlagen im Ausland; bei Vergehen und bei illegalen Devisentransfers ist Todesstrafe möglich.
- 17. Dezember. Göring fordert Industrie auf, unabhängig von ungünstigen Kostenerwägungen einheimische Rohstoffe auszubeuten; diese »Opfer« der deutschen Wirtschaft würden nach einem Krieg reich entschädigt.
- Dezember. IG-Farben AG überreicht Plan zum Aufbau einer Buna-Industrie;
Aufbau des ersten Werkes in Schkopau mit Produktionsbeginn im März 1937;
Aufbau der Werke erfolgt mit Staatsgeldern; Abnahmegarantien des Staats für Buna trotz dreifach höheren Preises gegenüber Weltmarktpreis für Naturkautschuk als Preis für Autarkie-Politik.
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1936 - Kultur
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- Film: »Fridericus« (Regie: Johannes Meyer).
- Film: »Verräter« (Regie: Karl Ritter). Film: »Wenn wir alle Engel wären« (Regie: Carl Froelich).
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1937 - Politik
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- Januar. Beginn der Arbeiten am Westwall und an der Ostgrenze.
- 18. Januar. Beginn des Hamburger Schauprozesses; Verurteilung von 25 Widerstandskämpfern zu 160 Jahren Haft sowie drei Todesstrafen; bis zum Kriegsbeginn fanden 86 Massenschauprozesse statt.
- 26. Januar. Neues Beamtengesetz.
- 30. Januar. Offizielle Zurückziehung der Unterschrift Deutschlands vom Schulden-Artikel des Versailler Vertrags; keine Reaktion der Westmächte.
- 2. Februar. Einrichtung einer Zentralstelle zur Betreuung von »Auslandsdeutschen« im Auswärtigen Amt; Unterstützung von separatistischen und faschistischen Bestrebungen in Osteuropa.
- 12. Februar. Auflösung des Reichskirchenausschusses; Ende der Bemühungen um die Schaffung einer faschistischen »Staatskirche«; Propagierung von Kirchenaustritten und Massenverhaftungen von Geistlichen folgen;
- am 15.2. Erlaß von Hitler über die Wahl einer neuen Generalsynode der deutschen evangelischen Kirche ohne oppositionelle Kräfte.
- 1. März. Ribbentrop fordert auf der Leipziger Messe deutsche Kolonien.
- 1. April. Der konservative Oberbürgermeister von Leipzig, Goerdeler, legt aus Protest gegen antisemitische Demonstrationen sein Amt nieder.
- 1.-28. April. Schauprozeß gegen Angehörige der katholischen Jugend in Berlin.
- 25. Mai. Hinrichtung des Bezirksleiters Rhein-Ruhr der KPD, Otto Kropp.
- 14.-24. Juni. Schauprozeß in Essen gegen 10 Führer des Jungnationalen (Jugend-) Bundes und der Pfadfinder; Strafen bis zu 12 Jahren.
- 27. Juni. Öffentliche Predigt Pfarrer Martin Niemöllers gegen Verhaftungen von Kirchenanhängern; am 1. Juli selbst verhaftet.
- 12. Juli. Demonstration gegen Verbot der katholischen Jugend in Augsburg.
- 16. Juli. Errichtung des Konzentrationslagers Buchenwald; am Jahresende bereits 2.561 Häftlinge.
- 17. August. Hinrichtung des Bezirksleiters Berlin der KPD, Wilhelm Firl.
- 6.-13. September. Reichsparteitag der NSDAP; Forderung nach Kolonien und Verstärkung der antisowjetischen Propaganda.
- 20.-26. September. Wehrmachtsmanöver in Pommern proben Blitzkriegsstrategie nach Osten; als Konsequenz in Zukunft stärkere Motorisierung des Heeres.
- 3. Oktober. Hitler fordert auf dem Erntedankfest Kolonialbesitz für Deutschland.
- 3. Oktober. Verhaftung des Pfarrers Paul Schneider.
- 5. November. Hitler enthüllt der Wehrmachtsführung seine Kriegspläne; Lösung der »Raumfrage« bis 1943; als erstes Einverleibung von Österreich und der Tschechei (Hoßbach-Protokoll).
- 10. November. Geheime Denkschrift des Auswärtigen Amts; als außenpolitische Ziele werden von England Zugeständnisse hinsichtlich der Forderung nach deutschen Kolonien und ein Stillhalten für deutsche »Aktionsfähigkeit« im Osten genannt.
- 26. November. Protestaktion evangelischer Pfarrer durch Bittgottesdienste für verhaftete Gemeindemitglieder.
- 14. Dezember. Runderlaß des Innenministers Frick; durch Vorbeugungshaft und polizeiliche Überwachungen soll »vorbeugende Verbrechensbekämpfung« erfolgen.
- 20. Dezember. Tod Ludendorffs; Hitler ordnet Staatsbegräbnis an.
- 21. Dezember. Erste Weisung des Oberbefehlshabers der Wehrmacht, Reichskriegsminister Blomberg, zur Planung eines strategischen Angriffskonzepts auf die CSR.
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1937 - Wirtschaft/Soziales
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- 30. Januar. Neues Aktionsgesetz führt in Aktiengesellschaften das »Führerprinzip« ein und entmachtet die Aktionärsversammlungen.
- 10. Februar. Gesetz zur Neuregelung der Reichsbank und der Reichsbahn ordnet beide direkt der Regierung unter.
- 17. März. Göring fordert in einer Rede vor Stahlindustriellen eine Eingliederung der österreichischen Stahlindustrie in die deutschen Rüstungsanstrengungen.
- 30. April. Durch den Rüstungsboom und die Arbeitsdienstpflicht sinkt die Zahl der Arbeitslosen erstmals unter eine Million.
- 25. Mai. - 2. Juni. Inspektionsreise von Reichswirtschaftsminister Schacht und Vertretern der Wirtschaft und der Wehrmacht zur Überprüfung der ökonomischen Kriegsvorbereitungen.
- 20. Juni. Wehrsteuergesetz belastet alle nichteingezogenen Männer ab Jahrgang 1914 mit einer Geldabgabe.
- 24. Juni. Geheime »Weisung für die einheitliche Vorbereitung der Wehrmacht« konkretisiert die rüstungsstrategische Kriegsplanung bis in Details.
- 23. Juli. Verordnung zum Zusammenschluß von Bergbauunternehmen; daraufhin Gründung der mehrheitlich reichseigenen »Hermann-Göring-Werke«.
- Herbst. Beginn systematischer »Arisierung« jüdischer Betriebe. (Ullstein Verlag)
- 26. November. Entlassung Schachts als Reichswirtschaftsminister; Göring verwaltet das Ministerium bis zur Ernennung des neuen Ministers, Walter Funk, am 15. Januar 1938.
- 23. November. Geheimkonferenz deutscher und amerikanischer Industrieller und Generalkonsuln in den USA;
Überprüfung der Möglichkeiten einer Annäherung Deutschlands und der USA auf antikommunistischer Grundlage; Empfehlung, gegen die isolationistische Politik der USA aufzutreten. - Winter. Die Sammlung des Winterhilfswerks bringt 1937/38 400 Millionen Reichsmark und im nächsten Winter 550 Millionen; davon stammen 80 bzw. 105 Millionen aus »Opfern von Lohn und Gehalt«, d.h. von aufgezwungenem Lohnrückhalt.
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1937 - Kultur
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- 15. Januar. Gründung der Adolf-Hitler-Schulen für Hitler-Jugend-Nachwuchs.
- 30. Juni. Erlaß zur »Aussonderung deutscher Verfallskunst zum Zwecke der Ausstellung«; Zahl der daraufhin beschlagnahmten Werke allein in Hamburg 1252, in Dresden 896 und Düsseldorf 900. Gerhart Hauptmann, »Das Abenteuer meiner Jugend«.
- Carl Orffs »Carmina Burana« in München uraufgeführt.
- Hans Fallada, »Wolf unter Wölfen«. Gustaf Gründgens wird Generalintendant der Preußischen Staatstheater in Berlin.
- 18. Juli. Eröffnung des »Hauses der Deutschen Kunst« in München mit »Großer deutscher Kunstausstellung«.
- 19. Juli. Eröffnung der Ausstellung »Entartete Kunst« in München; ab Sommer als Wanderausstellung.
- Gründung der »Arbeitsgemeinschaft für deutsche Volkskunde« unter Leitung von Arthur Rosenberg.
- Stiftung eines »Deutschen Nationalpreises für Kunst und Wissenschaft« über 100.000 Reichsmark, geteilt auf drei Personen; erster Preisträger Paul Ludwig für das »Haus der deutschen Kunst«.
- 8. November. Goebbels eröffnet die Ausstellung »Der ewige Jude« in München.
Film: »Der Herrscher« (Regie: Veit Harlan).
Film: »Urlaub auf Ehrenwort« (Regie: Karl Ritter).
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1938 - Politik
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- 3. Januar. Forderung katholischer Bischöfe und Priester nach Glaubensfreiheit und Protest gegen Judenverfolgungen.
- 5. Januar. Namensgesetz zwingt Juden zur Annahme eines zweiten, »jüdischen« Vornamens.
- 7. Februar-2. März. Prozeß gegen Martin Niemöller; Verurteilung zu sieben Monaten Haft und anschließende Einweisung in das Konzentrationslager Sachsenhausen.
- 20. Februar. Hitler droht in einer Reichstagsrede Österreich und der CSR mit einem Einmarsch deutscher Truppen zum »Schutz« deutscher Bevölkerungsteile.
- 13. März. Einverleibung des österreichischen Staatsgebiets in das des Deutschen Reiches; seither Name »Großdeutsches Reich«.
- 10. April. Volksabstimmung für Annexion des österreichischen Staatsgebiets; gleichzeitig Reichstagswahl.
- 19. April. Denkschrift des OKW »Die Kriegführung als Problem der Organisation«; Grundlage der Strategie der »totalen Kriegführung«.
- 21. April. Besprechung zwischen Hitler und dem OKW-Chef Keitel; strategische Festlegungen zur Zerschlagung der CSR.
- 30. Mai. Genehmigung Hitlers für Angriffsplanung auf die CSR; geheimer Angriffsbefehl für den 1. Oktober.
- 9. Juni. Zerstörung der Münchner Synagoge.
- 15. Juni. Verhaftung aller vorbestraften Juden, auch im Fall von Bagatelldelikten, in einer schlagartigen »Asozialen-Aktion«; ca. 1.500 Verhaftungen und KZ-Einweisungen.
- 23. Juli. Einführung einer Kennkarte für Juden ab 1. Januar 1939.
- 25. Juli. Ungültigkeitserklärung von ärztlichen Approbationen bei Juden ab 30. September.
- 10. August. Zerstörung der Synagoge in Nürnberg.
- 17. August. Zwangsvornamen »Sarah« und »Israel« für Juden.
- 19. August. Hirtenbrief katholischer Bischöfe über den Kampf gegen Kirche und Religion in Deutschland.
- 25. August. Aufruf der KPD zur Aktionseinheit bei der Abwehr der Kriegsgefahr.
- 27.-29. August. Inspektionsreise Hitlers an den Westwallbauten; Beschleunigung der Arbeiten.
- 30. August. Bildung eines »Ministerrats für Reichsverteidigung«, der die militärischen, wirtschaftlichen und verwaltungsorganisatorischen Kriegsvorbereitungen koordinieren soll.
- 1. September. Halder löst Beck als Generalstabschef ab.
- 9./10. September. Hitler, Keitel, von Brauchitsch und Halder arbeiten Details der Angriffsplanung auf die CSR aus.
- Mitte September. Konservative Reichswehroffiziere um Beck, Halder und Oster planen Militärputsch gegen Hitler, geben den Plan aber nach Hitlers Erfolg auf der Münchner Konferenz wieder auf.
- 27. September. Jüdische Rechtsanwälte erhalten ab 30. November Berufsverbot.
- 27. September. Friedensliturgie der Bekennenden Kirche; letztes größeres Auftreten der Bekennenden Kirche; die evangelische Kirchenleitung distanziert sich zwei Tage später von der Friedensliturgie.
- 29./30. September. Münchner Konferenz.
- 1. Oktober. Wehrmacht besetzt das Sudetenland.
- 5. Oktober. Einziehung der Reisepässe von Juden; neue Pässe erhalten den Aufdruck »J«.
- 21. Oktober. Hitler gibt Geheimbefehl zur »Erledigung der Rest-CSR«.
- 24. Oktober. Außenminister Ribbentrop fordert von Polen eine »Generalbereinigung« ; Danzig soll dem Deutschen Reich angegliedert und durch einen exterritorialen Korridor verbunden werden.
- 28. Oktober. Ausweisung von 17.000 nichtdeutschen Juden und Zwangstransport nach Polen.
- 9.-11. November. Gelenkte Pogrome der »Reichskristallnacht«; 100 Morde, 25.000 Verhaftungen, Zerstörung von Synagogen, 7.500 Geschäften und zahllosen Häusern.
- 12. November. Beschluß weiterer antisemitischer Maßnahmen zur Kennzeichnung und Isolierung der jüdischen Bevölkerung.
- 15. November. Ausschluß von Juden vom allgemeinen Schulbesuch.
- 24. November. Geheime Anweisung an das OKW, eine handstreichartige Besetzung Danzigs vorzubereiten.
- 28. November. Einführung von Wohnbeschränkungen für Juden.
- 4.-8. Dezember. Verbot für Juden zum Führen eines Kfz; Pensionskürzungen für Juden im Ruhestand;
Verbot für Juden zum Benutzen öffentlicher Einrichtungen, Kinos und Badeanstalten;
Verbot zum Betreten des Berliner Stadtkerns; Verweisung der Juden von Hochschulen und aus Bibliotheken und Museen. - 13. Dezember. Erfassung und »rassenbiologische« Untersuchung von Zigeunern.
- Jahresende. Am Jahresende befinden sich im KZ Dachau 18.000, in Buchenwald 19.600 und in Sachsenhausen 8.300 Häftlinge;
in den Jahren 1937 und 1938 starben in Buchenwald 819 Gefangene durch Mißhandlungen.
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1938 - Wirtschaft/Soziales
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- 19. März. Vierjahresplan für Österreich; Unterstellung der österreichischen Stahlindustrie unter die »Hermann-Göring-Werke«.
- 26. April. Verordnung über Anmeldung sämtlichen jüdischen Vermögens.
- 14. Juni. Verordnung über Registrierung und Kenntlichmachung jüdischer Gewerbebetriebe.
- 21. Juni. Goebbels kündigt auf einer Sonnenwendfeier in Berlin Maßnahmen zur Ausschaltung von Juden aus dem »deutschen Wirtschaftsleben« an.
- 8. Juli. Göring fordert von der Industrie »Bomber, die New York angreifen können«; nach einem Kriegssieg »gehört Deutschland der Markt der Welt«.
- 12. Juli. »Wehrwirtschaftlicher Neuer Erzeugerplan«; Fortschreibung der Rüstungsplanung.
- 12. November. Als »Sühneleistung« für das Attentat auf einen deutschen Botschaftsangehörigen in Paris wird der jüdischen Bevölkerung Deutschlands eine »Buße« von einer Milliarde Reichsmark auferlegt; außerdem Beschluß über endgültige »Arisierung« der deutschen Wirtschaft.
- 13. Dezember. Verordnung über Zwangsverkäufe jüdischer Gewerbe- und Handelsbetriebe.
- Jahresende. Die deutsche Arbeitsfront erreicht als Zwangsorganisation 21 Millionen Mitglieder, ihre Presse eine Auflagenhöhe von 2.635 Millionen Stück pro Jahr.
1937/38 nahmen elf Millionen an Fahrten der »Kraft-durch-Freude«-Organisation teil.
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1938 - Kultur
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- Tod Ernst Barlachs in Rostock.
- Nationalsozialistische Schulreform macht »Deutsche Oberschule« zur Haupt- und das Gymnasium zur Nebenform.
- Verkauf des Kleinrundfunkempfängers für 35 Reichsmark.
- Ehrenkreuz der deutschen Mutter für mehr als drei Kinder, in Gold für mehr als sieben Kinder.
- Film: »Kameraden auf See« (Regie: Heinz Paul).
- Film: »Pour le Merite« (Regie: Karl Ritter).
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1939 - Politik
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- 17. Januar. Aufhebung des Mieterschutzes für Juden.
- 24. Januar. Zentrale für jüdische Auswanderung geschaffen, die gegen hohe Geldbeträge Ausreise-Visa erteilt.
- 24. Januar. Auftrag an den Gestapo-Chef Heydrich, die »Endlösung der Judenfrage«, d. h. die physische Liquidierung der Juden, vorzubereiten.
- 30. Januar. Hitler prophezeit in einer Reichstagsrede im Falle eines Krieges die Vernichtung der jüdischen Rasse.
- 30. Januar. Verlängerung des Ermächtigungsgesetzes bis 1943.
- 1. März. Beginn des Mobilmachungsabschnitts 1939/40 mit dem Ziel, 2,76 Millionen Soldaten in einem stehenden Heer und eine Million in Reserve zu haben.
- 16. März. Einen Tag nach dem Einmarsch deutscher Truppen wird die Tschechoslowakei als »Protektorat Böhmen und Mähren« dem Deutschen Reich angegliedert.
- 23. März. Einmarsch deutscher Truppen ins Memelgebiet, das zu Litauen gehört, und Anschluß an das Deutsche Reich.
- 25. März. Jugenddienstpflicht.
- 3. April. Weisung Hitlers an das OKW zum Angriff auf Polen am 1. September in einem handstreichartigen Überfall.
- 10. April. Laut Gestapo-Akten befinden sich etwa 300.000 politische Häftlinge in Konzentrationslagern oder Zuchthäusern.
- 20. April. Truppenparade anläßlich Hitlers 50. Geburtstag demonstriert das bereitstehende militärische Angriffspotential.
- 15. Mai. Errichtung des Frauen-Konzentrationslagers Ravensbrück; bis Kriegsende werden dort 92.000 Frauen ermordet.
- 18. Mai. Streicher fordert im »Stürmer«, daß zur Lösung der »Judenfrage« die Liquidierung der Juden in der UdSSR anzustreben sei.
- 22. Juni. Fertigstellung der Angriffsplanung auf Polen durch das OKW.
- 28. Juni. Die deutsche Botschaft in Moskau schlägt der sowjetischen Regierung die »Normalisierung der Beziehung« vor.
- 22. August. Hitler legt den Angriff auf Polen auf den 26. August fest.
- 23. August. Nichtangriffspakt Deutschland-UdSSR; Geheimprotokoll über Teilung Polens.
- 25. August. Nach der unerwarteten Beistandserklärung Englands für Polen nimmt Hitler den Angriffsbefehl zurück.
- 26. August. Hitler gibt erneut Angriffsbefehl für den 1. September.
- 29. August. Deutschland fordert Polen ultimativ auf, bis zum 30. August müsse ein Bevollmächtigter der polnischen Regierung in Berlin die Freigabe Danzigs, die Internationalisierung des Korridors und Sonderrechte für Deutsche in Polen zugestehen.
- 31. August. 12.30 Uhr - Angriffsbefehl Hitlers für die kommende Nacht 4.45 Uhr.
- 31. August. Fingierter Überfall auf den deutschen Sender Gleiwitz, der Polen angelastet wird.
- 1. September. Mit dem Beginn des Weltkriegs verstärkte Massenverhaftungen in Deutschland; Verbot zum Abhören ausländischer Sender.
- 9. September. Bildung des Reichssicherheitshauptamts unter Heydrich; Verschärfung des unkontrollierten Polizeiterrors.
- 27. September. Ende des Polenfeldzugs mit der Kapitulation Warschaus.
- 6. Oktober. Scheinfriedensangebot Hitlers an die Westmächte.
- 8. Oktober. Danzig, der Warthegau und ein weiteres Drittel des polnischen Staatsgebiets werden dem Deutschen Reich zugeschlagen.
- 9. Oktober. Hitler fordert zur Planung eines baldigen Angriffs nach Westen auf.
- Oktober. Euthanasie-Befehl zur »Vernichtung lebensunwerten Lebens«; bis Kriegsende werden ca. 100.000 bis 275.000 (geschätzte Zahlen) Kranke, später auch Kriegs- und politische Gefangene ermordet.
- 12. Oktober. Erste Deportation von Juden nach Polen.
- 19. Oktober. Abschluß der Aufmarschplanung nach Westen durch das OKW.
- 8. November. Mißglücktes Attentat Eisers auf Hitler in München.
- 14. Dezember. Hitler gibt dem OKW Befehl zur Vorbereitung eines Überfalls auf Norwegen.
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1939 - Wirtschaft/Soziales
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- 7. Januar. Denkschrift Schachts und des Reichsbankdirektoriums an Hitler;
Vorhersage eines Zusammenbruchs des Finanzsystems durch die Hochrüstung. - 19. Januar. Ablösung Schachts als Reichsbankpräsident durch Funk.
- 13. Februar. Allgemeine Arbeitsdienstpflicht verordnet.
- 3. April. Streik in den schlesischen Skalley-Werken gegen eine Schichtverlängerung von acht auf neuneinhalb Stunden.
- 10. Juni. Erfolgreicher Streik von Westwallarbeitern bei Saarbrücken für soziale Verbesserungen.
- 25. Juli. Erfolgreicher Streik bei Blohm & Voss in Hamburg für Lohnverbesserungen.
- 27. August. Einführung einer Bezugsscheinpflicht für den lebenswichtigen Bedarf an Lebensmitteln, Textilien und Kohle; Butter ist bereits seit Herbst 1936 rationiert.
- 1. September. Bei Ausbruch des Krieges ist Deutschland hinter den USA die zweitstärkste Industrienation der Welt;
der Rüstungsvorsprung gegenüber den Westmächten zusammen beträgt ca. 3:1 und ist erst ca. 1941 ausgeglichen. - 4. September. Die Kriegswirtschaftsverordnung führt das Kriegsrecht in der Wirtschaft ein und sieht sogar die Todesstrafe vor.
- 1. November. Verfügung Görings zur Errichtung der »Haupttreuhandstelle Ost« zur Übernahme der polnischen Industrie und des staatlichen und privaten Vermögens.
- 14. November. Einführung der Reichskleiderkarte.
- 7. Dezember. Errichtung des »Ministeriums für Bewaffnung und Munition« unter Fritz Todt; höchste Zentralisierung staatlicher und industrieller Lenkungskompetenz für die gesamte Wirtschaft.
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1939 - Kultur
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- 15. März. Nach der Besetzung der CSR durch deutsche Truppen Vertreibung vieler im Exil lebender Künstler; Bildung neuer Exilzentren in USA und Mexiko.
- 20. März. Vernichtungsaktion nichtgenehmer Kunst.
- Juni. Sonderauftrag »Linz« durch Hitler zur Beschlagnahme aller wertvollen Kunstwerke in den besetzten Gebieten für eine »Weltkunstausstellung« in Linz; zum Kriegsende befinden sich 6.755 der wertvollen Gemälde in Linzer Depots.
- Jahresende. Von 1933 bis 1939 emigrieren oder werden vertrieben ca. 10.000 Wissenschaftler von internationalem Rang; dadurch Stagnation in der wissenschaftlichen Forschung und Versorgung.
Von 1933 bis 1939 verringert sich die Zahl der Hochschüler von 130.000 auf 70.000. Ernst Jünger, »Auf den Marmorklippen«. Ernst Wiechert, »Das einfache Leben«.
Versteigerung moderner Kunst aus deutschen Museen auf einer Auktion in Luzern; darunter allein 15 Hauptwerke von Lovis Corinth und sieben von Ernst Barlach.
Film: »DIII88« (Regie: Herbert Maisch).
Film: »Legion Condor« (Regie: Karl Ritter).
Film: »Robert Koch, der Bekämpf er des Todes« (Regie: Hans Steinhoff).
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1940 - Politik
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- 8. März. Polizeiverordnung über die Kennzeichnung der polnischen Arbeiter im Reichsgebiet.
- 9. April Deutscher Überfall auf Dänemark und Norwegen.
- 30. April. In Lodz wird das erste bewachte Ghetto für Juden errichtet.
- 10. Mai. Deutscher Angriff im Westen.
- 20. Mai. Errichtung des Konzentrationslagers Auschwitz.
- Sommer. Bildung des Kreisauer Kreises um die Grafen Moltke und Yorck v. Wartenburg, der Überlegungen für eine Neuordnung Deutschlands entwickelt.
- 22. Juni. Waffenstillstand Deutschland-Frankreich.
- 9. Juli. Evangelische Denkschrift gegen die Tötung »lebensunwerten Lebens«.
- 31. Juli. Hitler zu seinen Oberbefehlshabern: »Rußland wird in fünf Monaten erledigt.«
- 11. August. Die katholischen Bischöfe protestieren gegen die Euthanasie.
- 22. Oktober. »Aktion Bürckel«: Judendeportationen aus Baden, der Pfalz und dem Saargebiet nach Südfrankreich; von dort 1942 nach Auschwitz.
- 18. Dezember. Weisung Hitlers zum Überfall auf die UdSSR.
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1940 - Wirtschaft/Soziales
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- Februar. Verordnung Görings über die Enteignung aller land- und forstwirtschaftlichen Betriebe und Grundstücke in den okkupierten polnischen Gebieten.
An Stelle der Besitzer, die entweder vertrieben oder nach Deutschland zwangsverpflichtet werden, treten umgesiedelte »Volksdeutsche«. - 11. Februar. Wirtschaftsvertrag Deutschland-UdSSR.
- Juni. Vertreter deutscher Konzerne entwickeln auf einer Tagung der Reichsgruppe Industrie Pläne für eine »Neuordnung der europäischen Wirtschaft« und die »Europäische Großraumwirtschaft«. Dabei sollen folgende Länder bevorzugt werden: Norwegen, Dänemark, Schweden, Finnland, Holland, Belgien, Luxemburg, Frankreich, England und auch der Balkan.
Der IG-Farben-Konzern beansprucht 50 Prozent Kapitalbeteiligung an der französischen Farbstoffindustrie und schlägt vor, die gesamte französische Industrie zu beschlagnahmen, insbesondere aber die Farbstoff industrie. - Das Oberkommando der Wehrmacht ordnet »baldigste Umsteuerung der Wirtschaft« auf einen möglichen Angriff auf Großbritannien an: Schwergewicht auf Luft- und Seerüstung legen; die Heeresstärke auf 120 Divisionen begrenzen, aber Panzerzahl verdoppeln (20 statt 10 Divisionen). Geplant wird u. a. die Entlassung von Arbeitskräften für Industrie und Landwirtschaft aus der Wehrmacht und die Ankurbelung der Verbrauchsgüterindustrie in großem Umfang.
- Juli/August. Widerruf des im Vormonat angeordneten Rüstungsprogramms für den Angriff auf Großbritannien. Umorientierung auf die wirtschaftliche Vorbereitung eines Krieges gegen die UdSSR.
- Oktober. Erneute Tagung des Großen Beirats der Reichsgruppe Industrie über »Gegenwartsfragen der deutschen Wirtschaft und die zukünftige Gestaltung der europäischen Großraum Wirtschaft«.
- November. Ein Memorandum des IG-Farben-Konzerns über die »Grundsätze zur Regelung der deutsch-französischen Beziehungen auf dem Farbstoffgebiet« wird der französischen Waffenstillstandsdelegation überreicht. Darin wird der Führungsanspruch (51 Prozent des Kapitals) in dem als deutsch-französische Gesellschaft zu gründenden Farbenmonopol für die IG-Farben gefordert.
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1940 - Kultur
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- Beginn der 55 Rundfunkansprachen Thomas Manns über den Londoner Rundfunk (bis 1945).
- Film: »Jud Süß«, antisemitischer Hetzfilm von Veit Harlan.
- Film: »Bismarck« (Regie: Wolf gang Liebeneiner).
- Dokumentarfilm: »Der ewige Jude« (Regie: Fritz Hippler).
- Film: »Friedrich Schiller« (Regie: Herbert Maisch).
- Film: »Operette« (Regie: Willi Forst). Film: »Der Postmeister« (Regie: Gustav Ucicky).
- Film: »Die Rothschilds« (Regie: Erich Waschnek).
- Film: »Wunschkonzert« (Regie: Eduard von Borsody).
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1941 - Politik
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- 11. Februar. Deutsche Truppen in Afrika.
- Februar-April. Deportation von 72.000 Juden ins Warschauer Ghetto.
- 7. März. Erster Masseneinsatz von Auschwitz-Häftlingen in Industriebetrieben.
- 6. April Deutscher Angriff auf Jugoslawien und Griechenland.
- 17. April. Heß schlägt Prügelstrafe für Polen und Juden vor.
- 10. Mai. Heß fliegt nach England.
- 12. Mai. Bormann Leiter der Reichskanzlei.
- 22. Juni. Überfall auf die UdSSR.
- 17. Juli. Der NS-Ideologe Rosenberg wird zum Reichsminister für die besetzten Ostgebiete ernannt;
Erich Koch wird Reichskommissar für die Ukraine. Einsatzgruppen der SS, des SD und der Gestapo folgen den deutschen Heeresverbänden und führen im Rücken der Front Massenerschießungen an Juden und politischen Oppositionellen durch. - 31. Juli. Göring beauftragt Heydrich mit der Evakuierung der europäischen Juden: Beginn der »Endlösung der Judenfrage«.
- 19. September. Einführung des Judensterns im Reich.
- Juli-Dezember. Die Widerstandsorganisation Schulze-Boysen/Harnack nimmt Kontakte zu anderen Gruppierungen auf.
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1941 - Wirtschaft/Soziales
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- Januar. Das Wirtschaftsrüstungsamt beim Oberkommando des Heeres bildet einen »Arbeitsstab Rußland« (späterer Deckname: Wirtschaftsstab Oldenburg) unter der Leitung Görings, der die ökonomische Ausbeutung der besetzten Gebiete und die unmittelbare »Sicherstellung« von geraubten Gütern vornehmen soll.
- März. Gründung der Reichsvereinigung Kohle (RVK) auf Betreiben der Ruhrmontankonzerne (Präsidiumsmitglieder u. a. Flick und v. Bohlen und Halbach). Das RVK als Zwangskartell nimmt neuartige Funktionen wahr: Annahme und Verteilung von Aufträgen, Aufstellung eines Produktionsplans, Rationalisierung des Bergbaus, Beschaffung von Baumaterialien für Investitionsbauten u. ä., vor allem aber von Arbeitskräften (besonders ausländische Zwangsarbeiter und Kriegsgefangene).
- Gründung der "Kontinentale Öl AG" (gegr. u. a. von der Wintershall-AG, der IG-Farben und einigen Großbanken). Mit Staatsgeldern finanziert, erhält die Gesellschaft für 99 Jahre das Monopol für Verarbeitung und Vertrieb allen Erdöls in den UdSSR.
- August. Gründung der »Berg- und Hüttenwerksgesellschaft m. b. H. Ost«. Zweck der Gesellschaft ist die Ausbeutung von Bergbau und Metallurgie in den besetzten Ostgebieten. Im Verwaltungsrat sitzen neben dem Vorsitzenden Pleiger, Flick, Poensgen und Krupp.
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1941 - Kultur
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- Film: »Frauen sind doch bessere Diplomaten« (Regie: Georg Jacoby).
- Film: »Heimkehr« (Regie: Gustav Ucicky).
- Film: »Ich klage an« (Regie: Wolfgang Liebeneiner).
- Film: »Kampfgeschwader Lützow« (Regie: Hans Bertram).
- Film: »Ohm Krüger« (Regie: Hans Steinhoff unter Mitarbeit von Herbert Maisch und Karl Anton).
- Film: »Quax, der Bruchpilot« (Regie: Kurt Hoff mann).
- Film: ». . . reitet für Deutschland« (Regie: Arthur Maria Rabenalt).
- Dokumentarfilm: »Sieg im Westen« (Regie: Svend Noldau, Fritz Brunscha).
- Film: »Stukas« (Regie: Karl Ritter).
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1942 - Politik
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- 20. Januar. Wannsee-Konferenz unter dem Vorsitz Heydrichs über Judendeportation und -ausrottung.
- Ende Januar. Beginn von Deportationen nach Theresienstadt.
- 26. April. Hitler wird vom Reichstag als »Oberster Gerichtsherr« ausgerufen. Wissenschaftler und Theologen des »Freiburger Kreises« arbeiten Pläne für eine Neugestaltung Deutschlands aus.
- Frühsommer. Beginn der Flugblattaktionen der Studentengruppe »Weiße Rose« in München.
- 30./31. Mai. Der erste britische 1000-Bomber-Angriff vernichtet in 90 Minuten die gesamte Innenstadt von Köln.
- Juni. »Generalstabsplan Ost« sieht vor, Teile der für rassisch minderwertig gehaltenen tschechoslowakischen, polnischen und russischen Völkerschaften auf verschiedene Weise aussterben zu lassen, um Platz für deutschen »Lebensraum« zu schaffen.
- August-September. Verhaftung von über 500 Mitgliedern der Widerstandsorganisation Schulze-Boysen/Harnack. 55 Mitglieder werden zum Tode verurteilt.
- 16. September. »Umsiedlung« im Ghetto Lodz beendet (55.000 Opfer).
- 18. Oktober. Widerstandsorganisation »Rote Kapelle« aufgedeckt. 600 Mitglieder werden hingerichtet.
- 11. November. Sowjetische Offensive bei Stalingrad.
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1942 - Wirtschaft/Soziales
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- Januar. Nach dem Scheitern des geplanten Blitzkrieges gegen die UdSSR wird in einem Geheimerlaß Hitlers eine Umstellung der deutschen Wirtschaft und Verwaltung »auf die neuen Kriegserfordernisse« für den »nunmehr erforderlichen totalen Einsatz« eingeleitet.
- 8. Februar. Speer Rüstungsminister.
- 21. März. Sauckel wird zum Generalbevollmächtigten für den Arbeitseinsatz ernannt. Sauckels Aufgabe besteht in erster Linie darin, die Verschleppung von Menschen aus den okkupierten Ländern zur Zwangsarbeit zu organisieren. Die Zahl der ausländischen Zwangsarbeiter in Deutschland steigt von 0,3 Millionen im Mai 1939 auf 7,5 Millionen im September 1944.
- April. Himmler befiehlt die generelle Umstellung des KZ-Systems auf Zwangsarbeit.
- In den KZs wurde das faschistische System wirtschaftlicher Versklavung bis zum Exzeß betrieben. Oft bestand der »Nutzwert« eines Häftlings in einer von der SS bewußt knapp gehaltenen Spanne von wenigen Wochen oder Monaten (»Vernichtung durch Arbeit«). Die Gesamtzahl der seit 1933 in KZs eingelieferten Menschen liegt bei ca. zehn Millionen.
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1942 - Kultur
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- Hinrichtung des Bildhauers K. Schuhmacher, Mitglied der Widerstandsorganisation Schulze-Boysen/Harnack.
- Hinrichtung des Malers F. Schulze, Mitglied einer Dresdner Widerstandsgruppe.
- Film: »GPU« (Regie: Karl Ritter).
- Film: »Der Große König« (Regie: Veit Harlan).
- Film: »Die große Liebe« (Regie: Rolf Hansen).
- Film: »Himmelhunde« (Regie: Roger von Norman).
- Film: »Hochzeit auf Bärenhof« (Regie: Carl Froelich).
- Film: »Wiener Blut« (Regie: Willi Forst).
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1943 - Politik
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- 26. Januar. Hitler-Jugend als Luftwaffenhelfer.
- 27. Januar. Arbeitskräfte-Mobilisierung für Kriegseinsatz.
- 31. Januar-2. Februar. Kapitulation von Stalingrad.
- Januar/Juli. Die KPD versucht über das illegal im Ruhrgebiet arbeitende ZK-Mitglied Wilhelm Knöchel mit Verbindungen zu Widerstandsorganisationen in Berlin, Bremen, Chemnitz, Frankfurt a. M., Hamburg, Hannover, Karlsruhe, Leipzig und Magdeburg die Voraussetzungen für eine operative Leitung der KPD in Deutschland zu schaffen.
- 3/4. Februar. Bei einer Flugblattaktion in der Münchner Universität fallen die Geschwister Scholl, Professor Kurt Huber und Christoph Probst in die Hände der Gestapo. Sie werden am 22. Februar hingerichtet.
- 18. Februar. Goebbels verkündet im Berliner Sportpalast den »totalen Krieg« und kündigt die Möglichkeit der Zwangsverpflichtung aller Männer vom 16.-65. Lebensjahr und aller Frauen im Alter von 17-45 Jahren an.
- Verhaftungswelle in Mannheimer Großbetrieben. 19 Mitglieder der Gruppe Lechleitner werden zum Tode verurteilt.
- 26. März. Goerdelers Denkschrift zum Staatsstreich.
- 1. Juli. Die Juden im Reich werden dem Polizeirecht unterstellt.
- 22. Dezember. Einführung des NS-Führungsoffiziers.
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1943 - Wirtschaft/Soziales
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- 27. Januar. Sauckels »Verordnung über die Meldung von Männern und Frauen für Aufgaben der Reichsverteidigung«.
Die nichtberufstätige Bevölkerung (Männer vom 16.-65. Lebenjahr, Frauen, soweit sie keine Kinder haben, vom 16. bis 45. Lebensjahr) müssen sich nach Aufruf beim zuständigen Arbeitsamt melden.
Dieser Versuch, die nicht berufstätige Bevölkerung - vor allem die Frauen - für die Kriegswirtschaft heranzuziehen, hat kein wesentliches Ergebnis.
Der Erlaß wird von der Exekutive nur zögernd gehandhabt aus Furcht vor »Massenunzufriedenheit« und dem Bruch der Ressentiments gegen Frauenarbeit, die früher propagiert worden waren, obwohl der Verordnung in ähnliche Richtungenweisende Reden und Drohungen folgten (Goebbels' Sportpalast-Rede). - Mai. Gründung der Reichsvereinigung Eisen (RVE) zur Lenkung des Eisenerzbergbaus, der Eisenmetallurgie der Kalkindustrie etc.
Im Vorstand u. a.: Krupp, Flick, Zangen, später H. G. Sohl für die Vereinigte Stahlwerke AG.
Ende 1942 erreicht die Zahl der offiziellen Gründungen von sogenannten Ostgesellschaften und Ostfilialen unter Anteilnahme großer Banken und Konzerne mit vielen Hundert ihren Höhepunkt. - September. Hitlers »Erlaß über die Konzentration der Kriegswirtschaft«.
Dem Reichsministerium für Bewaffnung und Munition werden wichtigste Funktionen des Reichswirtschaftsministeriums übertragen: »Die Zuständigkeit des Reichswirtschaftsministeriums auf dem Gebiet der Rohstoffe und der Produktion geht auf den Reichsminister für Bewaffnung und Munition über« (Speer-Ministerium).
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1943 - Kultur
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- Film: »Besatzung Dora« (Regie: Karl Ritter).
- Film: »Paracelsus« (Regie: G. W. Pabst).
- Film: »Romanze in Moll« (Regie: Helmut Käutner).
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1944 - Politik
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- Januar. Zerschlagung des Kreisauer Kreises.
- 29. Januar. Bormann-Denkschrift über Zweitehe nach Kriegsende.
- Mai. Bormann verbietet Einschreiten bei Lynchjustiz gegen alliierte Flieger. Der Plan Rommels und Stülpnagels in Paris, Hitler festzunehmen und aburteilen zu lassen, mißlingt.
- Juni. Minister Goebbels propagiert die »Wunderwaffen« V1 und V2 (Flügelbomben), um den Glauben an den Endsieg zu heben.
- Juni. Durch Massenverhaftungen der Gestapo wird der Versuch zur Zusammenarbeit von Widerstandsgruppen unterbrochen, u. a. werden die Sozialdemokraten und Mitglieder des Kreisauer Kreises Julius Leber und Adolf Reichwein verhaftet.
1944 werden insgesamt über 5.000 Widerstandskämpfer hingerichtet. Wegen Widerstand jeglicher Art gegen Faschismus und Krieg wurden ca. 310.000 Deutsche und Ausländer verhaftet oder deportiert. - 20. Juli. Oberst v. Stauffenberg unternimmt einen Attentatsversuch gegen Hitler. Der gleichzeitig geplante Militärputsch der Gruppe um Wilhelm Goerdeler mißlingt ebenfalls. Stauffenberg und andere beteiligte Offiziere werden am selben Abend erschossen, der folgenden Terrorwelle der Gestapo fallen zahlreiche Hitler-Gegner zum Opfer.
- 6. August. 27.000 Juden aus Lagern östlich der Weichsel werden nach Deutschland deportiert.
- 7. August. Erster Volksgerichtshof-Prozeß gegen die Verschwörer des 20. Juli beginnt.
- 11. September: Amerikanische Truppen überschreiten die deutsche Grenze.
- 25. September. Letzte deutsche Abwehrmaßnahmen: Einberufung aller Männer zwischen 16 und 60 Jahren zum »Volkssturm«.
- Oktober: Himmler befiehlt die Einstellungen der Judenvergasungen.
- November: Eichmann deportiert 38.000 Juden aus Budapest in die KZs Buchenwald, Ravensbrück u. a.
- 26. November. Himmler befiehlt die Zerstörung der Krematorien in Auschwitz-Birkenau.
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1944 - Kultur
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- Herbst. In seiner Eigenschaft als »Reichsbevollmächtigter für den totalen Kriegseinsatz« schließt Goebbels alle Theater, Kabaretts und andere kulturelle Einrichtungen.
- Film: »Große Freiheit Nr. 7« (Regie: Helmut Käutner).
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1945 - Politik
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- 9. Januar. Sowjetischer Durchbruch an der Weichsel.
- 24. Januar. Die Amerikaner überqueren bei Remagen den Rhein.
- 12. Februar. Aufruf von Frauen zum Volkssturm.
- 13./14. Februar. Großangriff alliierter Bomber auf Dresden.
- März. Kürzung der Lebensmittelrationen und Einberufung des Jahrgangs 1929.
- 19. März. Hitler befiehlt die Zerstörung aller Militär-, Verkehrs-, Nachrichten-und Versorgungsanlagen (»Nero-Befehl«).
- 1. April. Ruhrgebiet eingekesselt.
- 2. April. Aufruf zum »Werwolf«.
- 15. April. Alliierte befreien KZ Bergen-Belsen.
- 16. April Sowjetische Truppen erreichen die Oder.
- 21. April-1. Mai. Todesmarsch von 35.000 KZ-Häftlingen aus Sachsenhausen nach Mecklenburg.
Rund 10.000 werden von der SS ermordet und/oder sterben an Erschöpfung. - 25. April: Treffen sowjetischer und amerikanischer Truppen bei Torgau.
- 28. April. Amerikanische Truppen befreien das KZ Dachau.
- 30. April. Hitler begeht Selbstmord. Dönitz bildet eine Regierung.
KPD-Gruppe Ulbricht landet aus Moskau kommend bei Berlin. - 4. Mai. Schacht und Frick in der Hand der Alliierten.
- 6. Mai. Frank und Neurath gefangengenommen, Funk, Keitel, Kaltenbrunner, Ley, Rosenberg, Krupp, Schirach, Ribbentrop verhaftet.
- 9. Mai. Bedingungslose Kapitulation Deutschlands.
Ende des Krieges in Europa. - 10. Mai. Theresienstadt befreit.
- 23. Mai. Verhaftung der Regierung Dönitz.
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1945 - Wirtschaft/Soziales
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- Bilanz am 30. April 1945. Die Reichsschulden haben die Höhe von 426 Milliarden RM erreicht.
- Die gesamten Kriegskosten von deutscher Seite - abgesehen von Zerstörungen und Reparationen - belaufen sich einschließlich 125 Milliarden RM an offiziellen Zahlungen bzw. Guthaben der besetzten Länder auf 830-850 Milliarden RM.
- Allein im letzten Kriegsmonat April werden täglich rund 1,3 Milliarden aufgewendet. Bei Kriegsende sind Produktion und Verkehrswesen völlig gelähmt und zum großen Teil zerstört.
- Die Disproportionen zugunsten der Rüstungsindustrie erschweren einen Wiederaufbau.
- Deutschland steht vor der größten Wirtschaftskatastrophe seiner Geschichte.
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1945 - Kultur
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- Uraufführung des Durchhaltefilms »Kolberg« (Regie: Veit Harlan) in der eingeschlossenen Festung La Rochelle.
- Prominente Schauspieler rufen dazu auf, bis zum letzten Mann für den »Endsieg« zu kämpfen.
- Film: »Unter den Brücken« (Regie: Helmut Käutner).
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ENDE des 3. Reiches
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Die Abkürzungen der Hitler Organisationen und der Parteien
| ADGB | Allgemeiner Deutscher Gewerkschaftsbund |
| BDM | Bund Deutscher Mädel |
| BVP | Bayerische Volkspartei |
| DAF | Deutsche Arbeitsfront |
| DJ | Deutsches Jungvolk |
| DNVP | Deutschnationale Volkspartei |
| Gestapo | Geheime Staatspolizei |
| HAFRABA | Verein zur Vorbereitung der Autostraße Hansestädte - Frankfurt - Basel |
| HJ | Hitler-Jugend |
| KLV | Kinderlandverschickung |
| KdF | NS-Gemeinschaft »Kraftdurch Freude« |
| KPD | Kommunistische Partei Deutschlands |
| KZ | Konzentrationslager |
| Napola | Nationalpolitische Erziehungsanstalten |
| NSBO | Nationalsozialistische Betriebszellen-Organisation |
| NSDAP | Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei |
| NSKK | Nationalsozialistisches Kraftfahrer- Korps |
| NSV | Nationalsozialistische Volkswohlfahrt |
| OKW | Oberkommando der Wehrmacht |
| RAD | Reichsarbeitsdienst |
| RKK | Reichskulturkammer |
| RM | Reichsmark |
| SA | Sturmabteilung |
| SD | Sicherheitsdienst der SS |
| SDS | Schutzverband Deutscher Schriftsteller |
| SPD | Sozialdemokratische Partei Deutschlands |
| SS | Schutzstaffel |
| WHW | Winterhilfswerk |
