Ein Bildband mit einer fast lückenlosen Biografie von 12 Jahren
Die 12 Jahre der Nationalsozialisten haben die ganze Welt "verdreht". So viele Tote hatte noch nie ein diktatorisches Regime zu verantworten. Hier wird in den Jahren um 1980 biografisch aufgearbeitet, wie es die "Deutschen Normalbürger" erlebt oder auch nicht erlebt hatten und vor allem, wie es dazu gekommen war. Hintergrund in 2026 ist die aktuelle Entwicklung 80 Jahre danach - nicht nur wieder in Deutschland - sondern auch in den USA und in Russland und in weiteren Ländern dieser Welt. Hier wird nichts verklärt oder beschönigt oder verniedlicht. Die Wahrheit ist daher nicht immer angenehm oder gefällig. Die einführende Seite beginnt hier.
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»Wollt ihr den totalen Krieg?«
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Goebbels denkwürdige Rede vom 18. Februar 1943
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- »Ich frage euch: Seid ihr und ist das deutsche Volk entschlossen, wenn der Führer es befiehlt, zehn, zwölf und, wenn nötig, vierzehn und sechzehn Stunden täglich zu arbeiten und das Letzte herzugeben für den Sieg? Viertens: Die Engländer behaupten, das deutsche Volk wehrt sich gegen die totalen Kriegsmaßnahmen der Regierung. Es will nicht den totalen Krieg, sondern die Kapitulation. (Zurufe: Niemals! Niemals! Niemals!) Ich frage euch: Wollt ihr den totalen Krieg? Wollt ihr ihn, wenn nötig, totaler und radikaler, als wir ihn uns heute überhaupt noch vorstellen können?«
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Zehn Fragen dieser Art stellte Joseph Goebbels in seiner denkwürdigen Rede vom 18. Februar 1943 an ein sorgfältig ausgewähltes Publikum im Berliner Sportpalast. Zehn donnernde »Jas« schmetterten ihm als Antwort entgegen.
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Die Katastrophe von Stalingrad war unübersehbar
Auf den totalen Krieg folgte dann die totale Vernichtung. Während Goebbels seine raffiniert inszenierte Ansprache hielt, waren die deutschen Truppen an allen Fronten in schwere Abwehrkämpfe verwickelt.
Die Katastrophe von Stalingrad, bei der wenige Tage zuvor eine ganze deutsche Armee (über 320.000 Soldaten wurden dort verheizt) nach schweren Verlusten kapituliert hatte, machte erstmals deutlich, daß dem deutschen Expansionsdrang Grenzen gesetzt waren. Weite Kreise deuteten diese Niederlage als Menetekel für den Ausgang des Krieges.
In Afrika stand der Rückzug von Rommels Truppen bevor, und die großen Städte in der Heimat wurden immer häufiger von alliierten Bombergeschwadern angegriffen.
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Goebbels war der glänzendste Rhetoriker seiner Zeit
Trotzdem gelang es dem glänzenden Rhetoriker Goebbels, noch einmal Hoffnung zu säen, indem er Fehler eingestand und mit der Devise des »totalen Krieges« das Rezept zur Lösung aller Schwierigkeiten parat hatte.
Mit der Mobilisierung aller Kräfte seien die »Kohlen noch einmal aus dem Feuer zu holen«. In den Berichten des Sicherheitsdienstes wurde dann auch prompt gemeldet, daß die sehr offene Darstellung des Ernstes der Situation entspannend gewirkt habe und daß die Zuversicht und das Vertrauen zur Kriegführung erneut gestärkt worden sei.
Die Bevölkerung sei der Führung dankbar, daß sie endlich ganz offen gesprochen und allen »reinen Wein eingeschenkt« habe.
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Machte der eingeschenkte »reine Wein« wirklich Hoffnung ?
Für die Deutschen in der Heimat kam der "totale Krieg" vor allem aus der Luft. Seit der »Luftschlacht um England« im August 1940 hatte die deutsche Luftwaffe ihre technische und zahlenmäßige Überlegenheit nach und nach eingebüßt.
Neben der Tatsache, daß die Luftstreitkräfte aufgrund ihres gleichzeitigen Einsatzes an der Ostfront, in Afrika und Italien in problematischer Weise aufgesplittert werden mußten, führten Fehler in der Planung und in der Nachwuchs-Schulung des fliegenden Personals zu einer weiteren Schwächung.
Allerdings konnte die Air Force erst ab Anfang 1942 ihre Angriffe auf deutsches Gebiet konzentrieren, denn bis dahin waren ihre Kräfte im Schutz von Geleitzügen und im Kampf gegen die deutschen U-Boote gebunden.
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Die ersten Großangriffe der britischen Luftwaffe im Mai 1942
Nach verheerenden Angriffen auf Lübeck und Rostock flog die britische Luftwaffe am 30. und 31. Mai 1942 ihren ersten Großangriff - das Ziel war die Innenstadt von Köln. In dem Inferno versank die erste deutsche Großstadt in Schutt und Asche.
Obwohl die »Zersetzung der Wehrkraft« mit dem Tode bestraft wurde und die Führung alles tat, um die Gefahren der Air-Force-Bomben zu verharmlosen, sprachen sich dieser Großangriff und seine Auswirkungen schnell herum.
Bestürzung in der gesamten Bevölkerung war die Folge, und der Lagebericht des SD meldete:
- »Weiter erging sich ein Teil der Bevölkerung in ernsten Befürchtungen, daß die britische Luftwaffe ihre Terrorangriffe mit gleicher Heftigkeit fortsetzen und nunmehr auch andere deutsche Städte angreifen werde.«
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Es sollte noch viel schlimmer kommen.
Ab August 1942 beteiligten sich auch amerikanische Verbände an den Bombardements. Und als Churchill und Roosevelt auf der Konferenz von Casablanca (14. bis 24. Januar 1943) den Beschluß faßten, bei Angriffen auf deutsche Städte auch die Wohnbezirke miteinzubeziehen, um auf diese Weise die Moral der Deutschen zu untergraben und die Rüstungsproduktion zum Erliegen zu bringen, war das Schicksal fast aller Großstädte besiegelt.
Den ersten Markstein im erbarmungslosen Luftkrieg gegen die Zivilbevölkerung setzte der Luftangriff auf Hamburg vom 24. und 25. Juli 1943, dem in schneller Folge noch zwei weitere Angriffe folgen sollten. In kaum einer halben Stunde wurden weite Gebiete in ein Flammenmeer verwandelt.
- »Zehntausende von Einzelbränden vereinten sich in kürzester Frist zu gewaltigen Flächenbränden, die von orkanartigen Feuerstürmen begleitet wurden. Bäume bis zu einem Meter Durchmesser wurden abgedreht oder entwurzelt, Häuser abgedeckt und Menschen zu Boden gerissen oder in die Flammen hineingezogen ..... Leichen bedeckten zu Hunderten die Straßen. Tausende kamen in den Schutzräumen ums Leben«.
40.000 Hamburger fanden unter den Bombenteppichen den Tod, 61 Prozent des Wohnraumes wurde zerstört.
Die Moral der Deutschen war jetzt erheblich zerstört
Der Feuersturm von Hamburg hatte Auswirkungen auf die Moral der Deutschen. Manch einer verzichtete auf den »Deutschen Gruß«, und auch das Parteiabzeichen sah man seltener auf Mantel und Jacke. Es soll sogar vorgekommen sein, daß Träger des Parteiabzeichens angepöbelt wurden.
Dennoch: Die »Heimatfront« hielt, was nicht zuletzt den Gerüchten über angebliche Wunderwaffen zuzuschreiben war, mit denen man hoffte, »Vergeltung« üben zu können.
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Hitler und Göbbels verkündeten ihre Visionen
Angeblich seien Geschütze mit Reichweiten von 600 Kilometern im Bau; ferner wären neuartige Bomben entwickelt worden, von denen zwölf Stück eine Millionenstadt vernichten könnten. Diese Form von Mundpropaganda wurde skrupellos gesteuert.
Die Katastrophe von Hamburg löste im »Reich« eine Reisewelle ohnegleichen aus. Wer sich auf den Weg machte, mußte in den hoffnungslos überfüllten Zügen meist den größten Teil der Fahrt stehend im Gang zubringen.
Doch davon ließ sich kaum jemand abschrecken - die einen wollten ihre Wertsachen in Sicherheit bringen, die anderen suchten auf dem Land ganz einfach Erholung von nächtlichem Sirenengeheul und Bunkerkoller.
Die stillschweigende Devise lautete: »Heute hab' ich noch das Geld, um mir eine Reise leisten zu können«. Oder: »Genieße den Krieg, der Frieden wird fürchterlich.«
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Die zunehmende Verbreitung sarkasischer gehässiger Witze
Auch die zunehmende Verbreitung gehässiger Witze wurde gemeldet. So erzählte man sich, der Führer habe sich zurückgezogen, um an seinem Buch »Mein Irrtum« zu schreiben.
Von dem Luftkrieg war rund ein Viertel der deutschen Bevölkerung unmittelbar betroffen. Hinzu kam, daß von den 18,7 Millionen Männern, die sich 1939 im wehrfähigen Alter zwischen 18 und 50 befanden, bei Beginn des Krieges rund die Hälfte in der Industrie, in der Verwaltung und in Dienstleistungsunternehmen arbeiteten beziehungsweise in den besetzten Gebieten beschäftigt waren und nicht für die Front zur Verfügung standen.
Wo sollte man also die Leute hernehmen, die vom Boden aus in den Luftkampf eingreifen könnten? Das Nazi-Regime besann sich seiner letzten Reserve und setzte Schüler als Luftwaffenhelfer ein.
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Der Dienst mit der Waffe traf die jungen Leute nicht unvorbereitet. Als Dreizehnjährige hatten sie im Jungvolk eine Luftschutzausbildung erhalten, später waren sie in Wehrertüchtigungslagern auf den Ernstfall getrimmt worden.
Damit hatte der Krieg auch die Kinder erreicht - zunächst leisteten sie ihren Dienst noch neben dem Schulunterricht ab und wohnten - soweit möglich - bei ihren Eltern. Ab 1944 wurden sie auch überregional eingesetzt.
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SO wollten sie den totalen Krieg von Göbbels aber nicht
Das Schicksal von Hamburg blieb auch anderen Großstädten nicht erspart. Da die Erfahrungen der Feuerwehr, der Polizei und des Luftschutzes, aus welchen Gründen auch immer, nicht weitergegeben wurden, traf es auch die Reichshauptstadt Berlin wenige Monate später völlig unvorbereitet.
Mit der »Schlacht um Berlin« glaubten die Alliierten den Krieg entscheiden zu können. Doch trotz der beinahe 400 Fliegeralarme und unzähligen Luftangriffe wurde die »Frontstadt« Berlin gehalten.
Es gehört zu den erstaunlichsten Leistungen deutscher Organisationsfähigkeit und deutschen Fleißes, daß die Schäden an Verkehrswegen und Fabrikanlagen in kürzester Zeit behoben und auch die Menschen mit dem Notwendigsten versorgt werden konnten.
Nacht für Nacht riß der Sirenenalarm die Bewohner in fast allen deutschen Großstädten aus dem Schlaf; schlaftrunken stürzten Kranke, Greise, Mütter mit Kindern auf dem Arm in die Luftschutzkeller und warteten - auf das tiefe Brummen der einfliegenden Bomberverbände, das Getöse der Einschläge, das Wummern der Flugabwehrgeschütze und auf die erlösende Entwarnung.
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Ein Nervenkrieg ohnegleichen .....
So wie in Berlin sah es früher oder später in vielen Städten aus: Trümmerschutt blockierte die Wege, Menschen hausten in Notunterkünften, Ausgebombte suchten Verwandte, Bekannte oder ihre letzte Habe. Und über all dem prangten die Durchhalte-Transparente des Joseph Goebbels: »Unsere Mauern brachen, aber unsere Herzen nicht.«
Aber die Deutschen sprachen vom Frieden, wenn auch hinter vorgehaltener Hand. Alle Schönfärbereien konnten über die Kriegsmüdigkeit nicht mehr hinwegtäuschen. Bittere Witze waren an der Tagesordnung:
- »Maikäfer flieg!
Der Vater ist im Krieg.
Den Opa ziehn sie auch noch ein,
das wird wohl die Vergeltung sein.«
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Die ständigen Fliegeralarme, die die Menschen zuerst nur nachts, später auch tagsüber immer häufiger in die öffentlichen Bunker und privaten Luftschutzkeller trieben, und das ewige Schlangestehen vor den Geschäften beschnitten die ohnehin schon spärlich bemessene Freizeit noch weiter.
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Leidtragende waren fast immer die Kinder
Große Sorge bereiteten schon Ende 1943 die Kartoffelnot und der Gemüsemangel in den Städten. Viele Frauen wußten oft nicht, was sie am nächsten Tag ihren Kindern auf den Tisch bringen sollten. Für viele verlängerten sich zudem die Anfahrtswege zur Arbeitsstelle.
Entweder wurde die Firma ausgelagert, oder die öffentlichen Verkehrsmittel waren aufgrund von Bombenangriffen für Tage blockiert. Meist herrschte jedoch schon wenige Tage nach einem schweren Angriff wieder Ordnung.
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Kann man sich an Bomben wirklich gewöhnen ?
Alles ging seinen »kriegserprobten« Gang. Auch an Bomben kann man sich gewöhnen. Ursula Kardorff beschreibt den Berliner Alltag kurz nach den Bombenangriffen vom November 1943:
- »Die Adlon-Halle könnte Schauplatz eines Kolportageromans sein:
Partei-Bonzen in klirrender Parteiuniform, Urlauber aller Dienstgrade, die noch eine Illusion von Komfort mit an die Front nehmen wollen, ausländische und deutsche Diplomaten, Schauspieler, Dahlemer Damen in Hosen, die sich vom Aufräumen in ihren zerstörten Villen erholen, Geschäftsleute, die die >Aura< Rüstung um sich verbreiten und schweinslederne Aktenmappen tragen, und schließlich Abenteuerinnen aller Grade, die sich der Männer annehmen.
Denn Berlin ist eine Männerstadt geworden, seitdem die Familien evakuiert und die Schulen geschlossen wurden. In der kleinen Bar wird Bier ausgeschenkt, an den Tischen mit weißen Tischtüchern gibt es Wein. Die Gäste, die in den Saal wollen, müssen zwischen gierigen Blicken Spießruten laufen. Manche gehen gesenkten Hauptes, andere eilig und energisch oder betont hochmütig vorüber.
Die Hotelmanager werden umbuhlt, denn von ihrer Gnade hängt es ab, ob jemand einen Tisch bekommt. So findet sich hier eine Gruppe von Menschen zusammen, die unberührt von allem Elend dahinlebt, als sei sie auf der bedrohten Erde nur zu Gast.«
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Ein Einblick in die Berliner Kinos und in die neue Gesinnung
In den Berliner Kinos wird Anfang 1943 der Grock-Film »Akrobat schö-ö-ön« gezeigt. Opernvorführungen und Konzerte mit Karajan und Furtwängler sind ausverkauft.
Die schweren Luftangriffe treiben Hunderttausende aus den Städten. 700.000 flüchten allein aus Berlin, doch mehr als drei Millionen bleiben. Ruth Andreas Friedrich gibt in ihren Tagebuchaufzeichnungen eine Erklärung für den Durchhalte- und Aufbauwillen der Deutschen:
»Das dürftigste Eckchen Zuhause ist besser als jeder Palast in der Fremde. Darum kehren sie alle, die von den Bomben aus der Stadt vertrieben worden sind, eines Tages zurück. Sie wühlen zwischen den Steinbrocken ihrer zerstörten Häuser. Man kann nicht leben, wenn man nirgendwo hingehört.
Deswegen retten die meisten Menschen aus ihren brennenden Häusern als erstes ihr Kopfkissen...
Weder Schuttkehren noch Kopfkissenretten haben mit Nazi-Gesinnung und Willen zum Durchhalten etwas zu tun. Keiner denkt an Hitler, wenn er sein Küchenfenster vernagelt. Wohl aber denkt jeder daran, daß man im Kalten nicht leben kann. Daß man, noch ehe der Abend sinkt und die Fliegersirenen heulen, einen Schlupfwinkel haben muß, in dem man sein Haupt niederlegen und seine Glieder ausstrecken kann.«
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Die größten Lebenslügen der Nazis
Die Evakuierten, die teils freiwillig, teils aufgrund behördlicher Verfügung ihre Häuser verlassen, stoßen oft auf Ablehnung, manchmal auch auf die offene Feindschaft der Landbevölkerung oder der Bewohner jener kleinen Gemeinden, in die sie eingewiesen werden. Sie "stören" die private Sphäre von Leuten, die bislang vom Krieg verschont geblieben waren.
Anmerkung : Bei den Gesprächen mit den Eltern meiner Schulfreunde kam damals öfter zum Ausdruck, daß sie als reichdeutsche Volksgenossen und jetzt als Aussiedler überhaupt nicht bei ihren Volksgenossen im Taunus und im Rheingau willkommen waren, eher genau das bösartige Gegeteil. Die von den Nationalsozialisten so oft proklamierte Solidarität unter den Volksgenossen erwies sich als einer der größten Lebenslügen der Nazis.
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Zusammenhalt und Verstehen in vielen Ehen zerbrechen
Hinzu kommt bei verheirateten Frauen die Trennung vom Mann, der entweder an der Front ist oder in der Stadt zurückbleiben mußte. Unter dem nun schon Jahre währenden Krieg hat auch der Zusammenhalt und das gegenseitige Verstehen in vielen Ehen gelitten.
Darüber hinaus steigen die Anforderungen, die trotz der schlechten Ernährungs- und Versorgungslage und der längeren Arbeitszeiten an den einzelnen gestellt werden. So wird berichtet, daß der Frontsoldat beim Heimaturlaub oft kein Verständnis mehr für die kriegsbedingten häuslichen Verhältnisse zeige.
Daraus ergebe sich häufiger ein gewisses Auseinanderleben der Eheleute: »So wiesen Ehefrauen bekümmert darauf hin, daß das sehnlichst erwartete Zusammensein in der schnell vorüberfliegenden Urlaubszeit getrübt worden sei durch häufige Zusammenstöße, die durch gegenseitige Nervosität hervorgerufen wurden.«
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Die Alltagssorgen im Deutschen Reich dominierten
Derartige psychische Belastungen werden jedoch durch die Alltagssorgen schnell verdrängt. Vor allem die unterschiedlichen Einkaufszeiten für Lebensmittel und andere Bedarfsartikel erschweren die Versorgung mit dem nötigsten.
Ein Beispiel aus den SD-Berichten:
- »Die Fleischer haben am Montag geschlossen, die Bäcker am Dienstag, die übrigen Kaufleute am Mittwoch und die verschiedenen Einzelhandelsgeschäfte an ganz unterschiedlichen Tagen in der Woche.
- Die Hausfrau müßte sich von allen Geschäften eine Tabelle anlegen, wenn sie einkaufen gehe, denn oft käme sie vor verschlossene Türen und habe kostbare Zeit verloren.
- Sehr viele Geschäfte und vor allem die Wirtschaftsämter hätten nur vormittags geöffnet, so daß Berufstätigen die Möglichkeit genommen sei, ihre Besorgungen zu erledigen.«
Besonders die Stadtbevölkerung hatte unter der kritischen Versorgungslage zu leiden.
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Es gab gut drei Millionen »Sauckelfrauen«
Auch wurden seit der Niederlage von Stalingrad alle Frauen im Alter von 17 bis 45 in die Kriegswirtschaft eingegliedert. Die »Meldepflichtverordnung«, die der Generalbevollmächtigte für den Arbeitseinsatz, Gauleiter Sauckel, erließ, sah vor, daß nur Frauen mit einem noch nicht schulpflichtigen Kind oder mit zwei Kindern unter 14 Jahren sowie Frauen in schlechtem Gesundheitszustand von dieser Regelung ausgenommen werden sollten.
Von den gut drei Millionen »Sauckelfrauen« wurden jedoch zunächst nur rund 900.000 in der Wirtschaft untergebracht. Erst gegen Ende des Jahres 1944 setzte Goebbels durch, daß sogenannte »Scheinarbeit« abgeschafft werden sollte.
Theater und Restaurants wurden geschlossen, Frauen in die Wehrmacht aufgenommen und Scheinwerferbatterien mit weiblichen Kräften besetzt.
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Auch das war eine der Lebenslügen der Nazis
Noch zehn Jahre zuvor hatte Hitler erklärt, Frauen schlügen ihre Schlachten, indem sie Kinder zur Welt brächten, und jetzt entschloß er sich zur Aufstellung eines » Frauenbataillons «, das die kampfmüden Soldaten beschämen sollte.
Auf dem Lande war dagegen vom »totalen Krieg« nur wenig zu spüren. Erst mit dem Einmarsch der alliierten Truppen im Westen und der Roten Armee im Osten erreichte der Krieg auch den "Nährstand". Bis dahin hatte man in der Bauernschaft andere Probleme.
Mit den Einberufungen zur Wehrmacht, die im Laufe des Krieges zunahmen, fehlten nicht nur wichtige Arbeitskräfte, sondern häufig auch derjenige, der früher den Hof geführt hatte. So mußten oft die Frauen das Heft in die Hand nehmen und zusammen mit Verwandten und Ortsansässigen den Hof bestellen, so gut es eben ging.
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Aushilfen durch »Pflichtjahr-Mädchen« und Kriegsgefangene
Dabei gingen ihnen zunächst »Pflichtjahr-Mädchen« und später polnische, französische und russische Kriegsgefangene zur Hand.
Trotzdem wurde die Lage immer kritischer. Ein Landrat notierte:
- »Das Anwesen Hs. Nr. 3 mit einer landwirtschaftlichen Nutzfläche von 10,60 Hektar und einem Viehbestand von einem Pferd, sechs Rindern und drei Schweinen wird bewirtschaftet von der Bäuerin mit ihren drei Töchtern. Ihre übrigen Kinder, vier Söhne, sind bei der Wehrmacht.
- Der Bäuerin des Anwesens Hs. Nr. 9 mit 64 Jahren stehen zur Bewirtschaftung einer landwirtschaftlichen Nutzfläche von 8,40 Hektar mit fünf Kühen, drei Jungrindern und sechs Schweinen lediglich ihre einundzwanzig jährige Tochter und ein vierzehnjähriges Pflichtjahr-Mädel zur Seite. Ihre fünf Söhne sind bei der Wehrmacht.«
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Und es wurde noch schhlimmer
In den letzten beiden Kriegsjahren verschärfte sich die Situation weiter: Fremdarbeiter aus der Ukraine wurden in die Waffen-SS abgeworben, bislang »uk« (unabkömmlich) gestellte Bauern wurden einberufen, ältere Männer wurden in den »Volkssturm« und die ganz Jungen in das »Letzte Aufgebot« abkommandiert.
Insgesamt läßt sich jedoch sagen, daß die agrarische Provinz unter dem Krieg erst massiv zu leiden hatte, als er fast schon zu Ende war. Bis dahin gab es in den Dörfern für jeden genug zu essen.
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Die Lichtblicke auf dem Land
Vielen Kleinbauern ging es sogar besser denn je, weil sie auf dem »Schwarzen Markt« - der nicht erst nach dem Krieg entstand - Waren anzubieten hatten, die knapp geworden waren. Der Tauschhandel florierte - zum Teil wurden Preise erzielt, die 100 bis 200 Prozent über den marktüblichen lagen.
Getauscht wurde trotz Verbot und hoher Strafen: verknappte Waren gegen andere Waren, Raucherkarten gegen Brotmarken, bezugsbeschränkte Waren gegen handfeste Dienstleistungen. Tabak und Alkohol galten als Ersatzwährung, für die manche Mangelware zu bekommen war.
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Und trotzdem hielt die »Heimatfront«.
In den Städten dagegen wurde die Situation zusehends dramatischer. Ernährung und Versorgung ließen zu wünschen übrig. Auf 250 Gramm Fleisch und 200 Gramm Fett belief sich die Wochenration für den »Normalverbraucher«.
Die Arbeitszeit wurde ab 1944 in vielen Betrieben auf zwölf Stunden täglich heraufgesetzt. Überbeanspruchung und Mißstimmung waren die Folge. Hinzu kamen die immer häufigeren Bombenangriffe. Über 20.000 Einsätze wurden während des Krieges gegen Deutschlands Städte geflogen.
Allein Berlin war zwischen November 1943 und Frühjahr 1944 das Ziel von 9.111 Bombern, die 16.000 Tonnen Brand- und Sprengbomben abwarfen. Trotzdem hielt die »Heimatfront«.
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Vom Terror der Nazis gnadenlos verfolgt und hingerichtet
Kaum einer beklagte sich öffentlich über diesen Terror von oben, und diejenigen, die es wagten, etwas zu sagen, wurden gnadenlos verfolgt. In den Kriegsjahren vollstreckte die Ziviljustiz mehr Todesurteile als die Militärgerichte (11.336 gegenüber 9.413).
Während die Bombenkommandos einflogen, wurde in den Gefängnissen weiter hingerichtet.
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Die ins »Reich« abtransportierten »Untermenschen«
In den ersten Kriegsjahren waren Millionen von Soldaten gefangengenommen und als Arbeitskräfte ins »Reich« abtransportiert worden.
Diese »Untermenschen«, die zunächst von der Bevölkerung verächtlich und erniedrigend behandelt worden waren, galten in den Trümmerlandschaften der Städte als lebenswichtige Helfer. Die Reichsführung lamentierte sogar offen über eine »Auflockerung der Sitten«.
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Langsam kommt die Wahrheit raus - die bedrohlich sinkende Sexualmoral deutscher Frauen
Wegen der bedrohlich sinkenden Sexualmoral deutscher Frauen erwies es sich als notwendig, zum »Schutze des deutschen Blutes« Bordelle für Ausländer einzurichten. Der SD-Bericht vom 29. November 1943 meldet:
»Es sind zur Zeit im Reich verteilt in ca. 60 Einsatzstellen Bordelle mit ca. 600 Prostituierten errichtet worden. Weitere rund 50 Bordelle sind noch im Bau und werden in Kürze ihrer Bestimmung übergeben.«
Längst gab es im Reich und in den besetzten Gebieten Soldaten- und Offiziersbordelle, die getrennt geführt wurden. Für die Männer war also gesorgt.
Daß sich in diesen Zeiten auch die sexuellen Moralvorstellungen der Frauen veränderten, hat viele Gründe: Zum einen spielte die lange Trennung vom Mann eine Rolle, der irgendwo an der Front Dienst tat, zum anderen die ständige Angst, in der man lebte und die eine »Scheißegal«-Stimmung geradezu herausforderte; und schließlich das Alleinsein, weil oft auch die Kinder nicht mehr bei der Mutter lebten. Sie waren mit Beginn der Bombardements aufs Land geschickt worden.
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Als dann die Ostfront näher rückte ....
Von den rund drei Millionen Kindern, die in den 5.000 KLV-Lagern untergebracht waren, kehrten seit dem Frühjahr 1944 die ersten wieder nach Hause zurück, weil die Ostfront näher rückte.
Trotzdem waren in den letzten Monaten des Krieges noch etwa eine Million Kinder in den Lagern, die von der Front überrollt wurden, so daß sich die Kleinen nach der Kapitulation zum Teil unter größten Schwierigkeiten nach Hause durchschlagen mußten, um dort eine Trümmerwüste vorzufinden.
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Das letzte Stadium des Luftkriegs über Deutschland
Mit der Invasion der Engländer und Amerikaner am 6. Juni 1944 und der schnellen Besetzung Frankreichs trat der Luftkrieg über Deutschland in sein letztes Stadium.
Tag und Nacht griffen die Bomber nun Industrieanlagen und Verkehrsverbindungen an. Gleichzeitig ging das Trommelfeuer auf die Zivilbevölkerung unvermindert weiter. Inzwischen konnten auch Städte bombardiert werden, die zuvor noch außer Reichweite der Kampfflugzeuge gelegen hatten.
Bisweilen wurden sogar Bauern während der Feldarbeit von Tieffliegern beschossen. Die Folge war, daß in luftbedrohten Gebieten die Feldbestellung zu kurz kam, weil jedermann Angst hatte, von Luftangriffen überrascht zu werden. Auch empfand die Landbevölkerung den Mangel an geeigneten Warnmöglichkeiten als untragbar. Der SD-Bericht:
- »Die aus dem Drang nach persönlicher Sicherheit entsprungene >Stollenpsychose< greife immer weiter um sich und habe auch das Land erfaßt. In dem Bestreben, sich >genau zu informieren<, würden auch die Volksgenossen immer zahlreicher, die die einzelnen Flaksender abhören, nachdem es sich herumspreche, was die Deckangaben, z.B. die Buchstaben und Zahlen für bestimmte Quadrate auf der Landkarte, bedeuten (z.B. Halle).«
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Die Verluste unter der Zivilbevölkerung stiegen.
Von den rund 500.000 deutschen Luftkriegstoten im Zweiten Weltkrieg kamen die meisten in den letzten Monaten des Krieges ums Leben. Allein beim Angriff auf Dresden vom 13. und 14. Februar 1945 fanden Zehntausende von Menschen den Tod (die Zahlen schwanken sehr stark zwischen 25.000 und 200.000). Ein Augenzeuge berichtet:
»Nie habe ich geglaubt, daß der Tod in so verschiedener Form an den Menschen herantreten kann ..... Verbrannte, Verkohlte, Zerstückelte, Teile von ihnen, als unkenntliche Masse, scheinbar friedlich schlafend, schmerzverzerrt, völlig verkrampft, gekleidet, nackt, in Lumpen gehüllt und als kümmerliches Häufchen Asche, darunter Reste verkohlter Kochen.«
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Die "Terrorangriffe" der Engländer und Amerikaner - erfolglos
Diese "Terrorangriffe" der Engländer und der Amerikaner - später auch die der Sowjets auf Königsberg - verkürzten den Krieg jedoch keineswegs.
Eher verbitterten sie die Menschen noch mehr und ließen sie weiter an "Vergeltung" (wofür Vergeltung ???) und »Wunderwaffen« glauben, ließen sie weiter verbissen arbeiten und kämpfen. Die Rüstungsindustrie verzeichnete Mitte 1944 ihre höchsten Produktionsziffern.
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Hier muß der Sprachgebrauch unbedingt korrigiert werden
Kann man das wirklich "Terrorangriffe" nennen ?
Schaun wir zurück auf den Beginn des 2. Weltkrieges. Hitler konzentrierte im Sommer und Herbst 1939 fast 2 Milionen Soldaten der Reichswehr an der Grenze zu Polen, beinahe baugleich mit der Konzentration der russischen Truppen des Agressors Putin dicht an der Grenze zur Ukraine im Frühjahr 2022.
Die Polen hatten den Braten zwar gerochen, waren jedoch hoffnungslos unterlegen, obwohl sie die Generalmobilmachung angestoßen hatten. Das wurde dann von Hitler als Grund für den Einmarsch genannt. "Ab 5 Uhr Morgens würde jetzt zurückgeschossen" - wieso zurück ???? - England und Frankreich erklärten daraufhin dem 3.Reich den Krieg, taten aber nichts weiter und ließen die Polen regelrecht hängen.
Deutschland hat also Polen nicht "überfallen", genauso wenig wie auch Putin die Ukraine nicht "überfallen" hatte. Auch die Ukrainer hatten ebenfalls den Braten gerochen, aber an eine solche Frechheit einfach nicht geglaubt. Beide Armeen sind völkerrechtswidrig mit brutaler Gewalt in ein jeweils autarkes Land einmarschiert. Damit ist beide Male der Begriff des "Überfalls" nicht korrekt.
Gleiches gilt auch für den Begriff der "Vergeltung". Die Reichsluftwaffe begann mit der Luftschlacht um England, den Großraum von London zu bombardieren, um England in die Knie zu zwingen. Doch die Engländer wehrten sich erfolgreich und drehten dann den Spieß rum und bombardierten die Städte im Reichsgebiet. Als die Engländer die Amerkaner um Hilfe baten, stationierten die Amis ganz viele Bomber auf den englischen Stützpunkten und "besuchten" gemeinsam das Reichsgebiet.
Und promt verdrehte der deutsche Propagandaminister die Reihenfolge der Zusammenhänge und die sogenannten Vergeltungswaffen wurden thematisiert. Im 3.Reich waren das die V1- und die V2- Raketen.
Auch wieder baugleich mit dem Einmarsch der Russen 2022 als Agressor in die Ukraine wehrten sich die Ukrainer gegen den sehr brutalen Landraub und schossen ihrerseits Drohnen/Raketen nach Russland. Und auch dort wurde von Putin und seinen Scharfmachern die sofortige "Vergeltung" gegen deren Verteidigung angedroht bzw. eingeleitet.
Wir, die wir das jetzt von Außen sehen, sollten versuchen, die Wahrheit beim Namen zu nennen. Die beiden Agressoren Hitler und Putin sind wissentlich mit bösartiger Absicht in fremde Länder einmarschiert.
Und das mt dem "Bombenterror" hatten jeweils 1941 die Deutschen und 2022 die Russen angefangen. So ist es unglücklich, die falschen Begriffe wie zum Beispiel "Terrorangriffe" zu mißbrauchen oder zu entwerten und das Kind nicht direkt beim Namen zu nennen.
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Im Oktober 1944 beginnt der »Kampf um das Reich«.
Die Rote Armee erreicht Ostpreußen, und im Westen wird um Aachen gekämpft. Die 11. sowjetische Garde-Armee unter Generaloberst Galitzki stößt mit zwei Keilen auf Königsberg vor. Es kommt zu grausamen Übergriffen auf die deutsche Zivilbevölkerung.
- Anmerkung dazu : Das obige ist der Sprachgebrauch aus dem Nachkriegs-Deutschland bis Mitte der 1970er Jahre, als die letzten unverbesserlichen Nazis so langsam ausstarben. Denn von den Greueln der "Deutschen" (SS, SA und GESTAPO) in den besetzten osteuropäischen Ländern - und auch in Frankreich - gab es kein Wort.
Ich würde das "die aus dem von Deutschen gesäten unendlichen Hass resultierende Rache" nennen. - Unser sehr beliebter Showmaster Hans Joachim Kulenkampf hatte es mal so ausgedrückt : Wehe uns, wenn die Russen mal in der Lage sein werden, uns das alles heim zu zahlen.
- Der nachfolgende Text kann ergänzt werden : Die braunen Horden waren genauso schlimm, aber auf den Straßen von Berlin.
Menschen werden erschossen, erschlagen, vergewaltigt, gefoltert. Millionen flüchten vor »den roten Horden«. Sie lassen ihre Heimat, lassen Hab und Gut zurück. Viele sterben auf der Flucht, Millionen werden nach Beendigung der Kampfhandlungen aus ihrer Heimat vertrieben.
Wenige Jahre zuvor ist unzähligen Polen und Russen das widerfahren, was nun Deutsche durchmachen müssen. Unbändiger Haß und die Propagandaparolen Stalins treiben die Rote Armee gegen den faschistischen Feind. Es kommt zu einer entsetzlichen Abrechnung - die Rache.
Die deutsche Führung mobilisiert die letzten Reserven. Seit dem Sommer 1944 werden »Volksgrenadierdivisionen« eingesetzt; Mädchen stehen an Flakgeschützen; Greise und Militäruntaugliche marschieren und sterben im »Volkssturm« - Seite an Seite mit zwölfjährigen Kindern.
Mit Panzerfäusten sollen Panzerdivisionen aufgehalten werden. Jeder Abschuß kommt einem Todesurteil gleich, weil der Feuerstrahl das Versteck des Schützen verrät.
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Hitlers Wahnsinn und sein »Nero-Befehl«
Im sogenannten »Nero-Befehl« erreicht Hitlers Wahnsinn seinen Höhepunkt: »Alle militärischen, Verkehrs-, Nachrichten-, Industrie- und Versorgungsanlagen sowie Sachwerte innerhalb des Reichsgebietes, die sich der Feind für die Fortsetzung seines Kampfes irgendwie sofort oder in absehbarer Zeit nutzbar machen kann, sind zu zerstören.«
- Aber nicht nur die Lebensbasis des deutschen Volkes sollte vernichtet werden. Ein Volk, so Hitler in einem Gespräch mit Albert Speer, das nicht bereit sei, »sich für seine Selbsterhaltung einzusetzen«, müsse »verschwinden ..... Es sei nicht notwendig, auf die Grundlagen, die das Volk zum primitivsten Weiterleben braucht, Rücksicht zu nehmen. Im Gegenteil sei es besser, selbst diese Dinge zu zerstören. Denn das Volk hätte sich als das schwächere erwiesen, und dem stärkeren Ostvolk gehöre dann ausschließlich die Zukunft. Was nach dem Kampf übrigbleibt, seien ohnehin die Minderwertigen, denn die Guten seien gefallen.«
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Die letzten Zuckungen im April 1945
Noch am 3. April 1945, als sowjetische Truppen schon in Berlin stehen und die Alliierten ganz Westdeutschland besetzt haben, ordnet Himmler an:
»Aus einem Haus, aus dem eine weiße Fahne erscheint, sind alle männlichen Personen zu erschießen.«
In der Heimat war der Krieg längst allgegenwärtig. Die Soldaten kämpften am Rhein, an der Oder, in und um Berlin, Bomben fallen auf zerbombte Städte, treffen Flüchtlingsschiffe und KZ-Insassen, Kriegsgefangene, Hydrierwerke, Straßen, Bahnanlagen.
Zahllose völlig sinnlose Todesurteile sollen Soldaten und Zivilbevölkerung zum Durchhalten zwingen. An Erhängten werden Schilder befestigt, auf denen steht: »Ich bin ein Deutscher, der deutsche Frauen und Kinder nicht mehr verteidigen will.«
Doch an eine Wende, an die »Vergeltung« oder »Vorsehung« und an die »Wunderwaffen« glaubte nun niemand mehr. Die von Westen vorrückenden Sieger wurden freundlich und mit weißen Fahnen empfangen. Soldaten besorgten sich Zivilkluft, Parteiabzeichen verschwanden von den Rockaufschlägen, Parteibücher wurden verbrannt. Nur im Osten wurde bis zuletzt verbissen weitergekämpft. Es ging um die Flucht von Millionen. Am 8. Mai 1945 war der Krieg zu Ende.
Die Leiden gingen weiter. Millionen wurden aus ihrer Heimat vertrieben, Zehntausende verhungerten und erfroren. Und noch für viele Jahre sollte nicht nur das deutsche Volk an den Folgen des Nationalsozialismus und des von ihm bzw. den Nazis entfesselten Krieges zu tragen haben.
- Anmerkung : Beim Aufsummieren der verfügbaren bzw. geretteten Unterlagen kamen die Historiker der 1990er Jahre auf weit über 50 bis sogar 60 Millionen Tote.
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Die Texte zu den Bildern und Fotos
Die »Luftschlacht« über Deutschland hat begonnen: 1942 werfen alliierte Bomber, in erster Linie britische Flugzeuge, über 50.000 Tonnen Bomben über deutschen Städten ab. Görings Luftwaffe beherrscht auf Grund zunehmender Verluste und der Verzettelung an vielen Kriegsschauplätzen nicht mehr den Luftraum über dem Reich.
Nacht für Nacht reißen die Sirenen Hunderttausende von Menschen aus dem Schlaf (125)
und treiben sie in die überfüllten Luftschutzkeller (128,129),
in denen sie oft stundenlang auf die »Entwarnung« warten. Die Druckwellen der Bomben zerstörten in einzelnen Stadtvierteln sämtliche Fensterscheiben, das Vernageln der Fenster mit Pappe und Sperrholz (126) wurde für die Bevölkerung zur Dauerbeschäftigung.
Die Verdunkelung von Geschäften und Lokalen (127) war Pflicht, und ihre Einhaltung wurde streng überwacht.
Eine Zeitung versuchte ihren Lesern diesen Zustand schmackhaft zu machen: »Nun aber sind Verhältnisse eingetreten, die es ermöglichen, dem >Zuhause< wieder einen Sinn und Gehalt abzugewinnen, seinen verborgenen Reichtum neu zu entdecken. . . Je dunkler es draußen ist, um so heller sollte es drinnen sein.«
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Die Zivilbevölkerung wird immer stärker vom konzentrierten Einsatz der alliierten Bomberströme betroffen. Die Wirkung der Brand- und Sprengbomben ist verheerend. Ganze Stadtviertel, wie hier in Berlin (130), werden getroffen.
Das Heranziehen der Hausbewohner zur Brandbekämpfung, zur »Eimerkette«, war nutzlos, denn oft war auch das öffentliche Wasserversorgungsnetz nach einem Angriff zusammengebrochen.
KZ-Häftlinge wurden eingesetzt, um die während der Angriffe durch Phosphorbomben getroffenen und zur Unkenntlichkeit verbrannten Menschen oder das, was von ihnen übriggeblieben war, zu bergen (131).
Nach der Entwarnung sah die Umwelt oft ganz anders aus: überall zerstörte Häuser, das Mobilar chaotisch auf den Straßen verstreut. Das blieb von einer Konditorei in der Düsseldorfer Königsallee nach einem Luftangriff (132).
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Während des Angriffs auf Lübeck vom 28/29. März 1942 erprobt die britische Royal Air Force erstmals das Flächenbombardement und legt die Altstadt in Schutt und Asche, vier Wochen später ereilt Rostock das gleiche Schicksal.
Berlin bleibt jedoch das Hauptziel des Luftkrieges, die Leiden der Zivilbevölkerung (133)
und das Ausmaß der Zerstörung, wie im Berliner Zeitungsviertel (135), sind unermeßlich.
Nachrichten Überlebender werden auf noch stehenden Mauerresten verzeichnet, um das Wiederfinden auseinandergerissener Familien zu ermöglichen (134).
Wem keine Notunterkunft zugewiesen, wer nicht evakuiert wird, haust inmitten der Trümmerlandschaft. Öffentliche Wasserstellen (136) und Feuermöglichkeiten (137) sollen ein notdürftiges Überleben sichern helfen.
Schaun Sie einfach nur auf die Gesichter
Millionen von Deutschen sind seit Mitte 1944 auf der Flucht. Sie verlassen vor den anrückenden sowjetischen Truppen ihre Heimat im Osten des Reiches. Noch fahren Züge gen Westen (138),
vor allem Frauen und Kinder (140)
dürfen sich mit der notwendigsten Habe retten. Die Transporte werden vorwiegend in die ländlichen Gebiete geleitet (139), die schon mit Evakuierten aus den Großstädten überfüllt sind.
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Immer jüngere Jahrgänge werden zur Wehrmacht eingezogen. Halbe Kinder noch, gehen sie - unzureichend ausgebildet und mangelhaft ausgerüstet - an die zusammenbrechenden Fronten in Ost und West.
Weihnachten 1944 (141), als die realen Chancen für einen deutschen Sieg längst dahin sind, mobilisiert das NS-Regime für den letzten Einsatz an den Reichsgrenzen.
An Heimaturlaub ist nun kaum noch zu denken, öffentliche Vergnügungen (142) sind seit Ende 1944 untersagt oder können, infolge der Bombeneinwirkungen, auch gar nicht mehr stattfinden.
Auch Frauen werden zum Kriegsdienst herangezogen, als Luftwaffen- und Flakhelferinnen eingesetzt (144).
Sie gehören ebenso zum »Letzten Aufgebot« wie der Ende September 1944 gebildete »Volkssturm«. Bunt zusammengewürfelte Einheiten, versprengte Reste ehemaliger Divisionen, Verwundete, Alte und Schüler (143,145) werden aufgestellt,
um mit unzureichenden Mitteln die von Osten hereinbrechenden sowjetischen Panzerdivisionen und die den Westen des Reiches erreichenden Amerikaner, Engländer und Franzosen aufzuhalten.
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Auch die süddeutschen Großstädte werden gegen Ende des Krieges von Luftangriffen schwer in Mitleidenschaft gezogen. Die Alliierten beherrschen den Luftraum über Deuschland, Tagesangriffe werden beinahe normal.
Die Löschtrupps können ihren Aufgaben nicht mehr nachkommen (146), unschätzbare Kulturgüter fallen den Flammen zum Opfer - München liegt in Trümmern (148).
Mit Notbahnen wird die Bevölkerung zu ihren Arbeitsplätzen (147) gebracht. Trotz Bomben, Bränden und Verwüstungen erreicht die Produktion von Rüstungsgütern in diesen Tagen ihren Höhepunkt. Als im März 1945 die Alliierten den Rhein überschreiten, strömen ihnen die Menschen mit ihrer letzten Habe und der weißen Fahne entgegen (149).
Für sie ist der Krieg zu Ende.
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Als selbst die hartgesottenen Amerikaner geschockt waren
Als die amerikanischen Truppen Anfang März 1945 Köln besetzen, finden sie nur noch eine Trümmerlandschaft vor. Wie durch ein Wunder ist der Dom von den zahllosen Bombenangriffen verschont geblieben (150).
In der Stadt leben von den 730.000 Einwohnern der Vorkriegszeit nur noch etwa 40.000, überwiegend in Kellern und notdürftig zusammengeflickten Häusern.
In einer der größten und grausamsten alliierten Angriffsserien des Zweiten Weltkrieges wird in der Nacht vom 13./14. Februar 1945 das mit Flüchtlingen überfüllte Dresden völlig zerstört (151).
Die Schätzungen über die Anzahl der Toten bewegen sich zwischen 60.000 und 200.000. Aber erst ein Vierteljahr später gehört der Bombenterror der Vergangenheit an (152).
Die Durchhalteparolen der NS-Gewaltigen und Befehle unverantwortlicher Militärs zögern den endgültigen Zusammenbruch, die bedingungslose Kapitulation, bis zum 8. Mai hinaus.
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