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Einzelne Autoren beleuchten die Entwicklung der UFA ab 1917

Damals in 1917 mitten im 1. Weltkrieg sollte der eigentliche Grund für solch ein Film-Monopol unter versteckter staatlicher Regie geheim bleiben. Die Öffentlichkeit, die Mitarbeiter und die reichsdeutsche Presse wußten recht wenig von den Machenschaften im Hintergrund und lobten ihre Arbeit und "ihr" Unternehmen, solange sie dabei waren.
Die Filmfabrik UFA kam dennoch ins Trudeln und wurde beinahe von den Amerikanern übernommen. Erst nach dem März 1933 kam der immense Wert solch eines Monopols richtig zur Geltung, wenn auch nur noch im negativen Sinne. Die einführende Seite beginnt hier.

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Wir hier oben, ihr da unten - die UFA von Hugenbergs Gnaden

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Die Herren in der Vorstandsetage und die kleinen Angestellten

Streik in den Ateliers Babelsberg und Tempelhof. Direktor Grieving erstattet den Vorstandskollegen Bericht.

  • »Alle Streikenden sollen fristlos entlassen werden. Über ihre Wiedereinstellung nach Beendigung des Streiks wird nach Maßgabe ihrer Eignung und ihrer Beteiligung am Streik befunden werden.«


Eine Woche später, am 19. Juli 1927, ist der Arbeitskampf noch nicht ausgestanden. Aber Grieving hat Streikbrecher organisiert und »hält es für erforderlich, den von uns angestellten Ersatzarbeitern eine kleine Leistungszulage zu gewähren«. Der sonst so sparsame Vorstand bewilligt die Sonderausgabe.
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Seit Klitzsch herrscht 1927 Ordnung im UFA-Laden

Seitdem Klitzsch das Regiment übernommen hat, herrscht Ordnung im Betrieb. Die Arbeitszeit beginnt morgens um 8 Uhr. (Nur die leitenden Mitarbeiter in der Vertriebsabteilung dürfen, weil sie bis spät abends im Büro sitzen, erst um 9.30 Uhr beginnen.)

Tischzeit ist 13 Uhr bis 13.30 Uhr; die halbe Stunde ist genauestens einzuhalten. Denn die Arbeitsdisziplin läßt - nach Meinung der Chefs - zu wünschen übrig. »Um den immer noch vorkommenden Verspätungen abzuhelfen, wird beschlossen, daß in jeder Vorstandssitzung die Verspätungsliste des Vortages vorzulegen ist.« Der Urlaub, der den Angestellten zusteht: 4 bis 18 Tage, je nach Dienstjahren.
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Rigoros und mit harter Hand

Personalentscheidungen und Gehaltserhöhungen sind Vorstandssache. Fräulein Grohmann erhält eine Zulage, statt 212 Mark bekommt sie nun 250 Mark monatlich. Fräulein Adamara, in der Dramaturgischen Abteilung beschäftigt, hat jetzt 350 Mark statt bisher 285 Mark in der Lohntüte. Fräulein Fiebig verlangt 450 Mark und gesetzliche Kündigungsfrist.

»Die Versammlung ist sich darüber einig, daß aus grundsätzlichen Erwägungen heraus monatliche Kündigung vereinbart werden muß; dafür soll auf einen Probemonat verzichtet werden. Im übrigen ist Frl. Fiebig darüber nicht im unklaren zu lassen, daß sie als Ersatz für Frau Schidlof und Fräulein Hamann eingestellt wird. Ihre Arbeit soll in der ersten Zeit sehr intensiv kontrolliert werden.«

Die Stelle ist frei geworden, weil Fräulein Hamann angeblich Indiskretionen begannen hat: Aus der Presseabteilung sollen Interna zum Berliner Börsen-Courier gelangt sein. Also wird ihr, offiziell mit der Begründung »wegen Umstellung des Betriebes« gekündigt.

Glück hat dagegen Herr Tietsch, ihm wird das Gnadenbrot erteilt: »Es wird beschlossen, diesen Angestellten im Hinblick auf seine zwanzigjährige Tätigkeit in der Firma, obwohl er nicht mehr recht verwendbar ist, nicht zu entlassen.«
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1927 - Als die Hugenberg-Leute kommen

Viele müssen gehen, als die Hugenberg-Leute kommen. Da gibt es Angestellte, »deren wir uns auf gute Weise zu entledigen wünschen«, doch manche sind schlichtweg Spielverderber. Es sind ausnahmslos die leitenden Herren von einst, die sich zur Wehr setzen.

Ernst Krieger, Kultur-Abteilung, macht Schwierigkeiten: Er beruft sich auf den Schutz des Schwerbeschädigten-Gesetzes und klagt vor Gericht; die Ufa zieht einen Vergleich vor und zahlt ihm eine Abfindung von RM 30.000. Dr. Zürn, Werbefilm-Abteilung, bemüht ebenfalls die Rechtsanwälte. Selbst der bisherige Personalchef Hollstein sieht sich plötzlich vor die Tür gesetzt. Sein Nachfolger Lehmann erhält die unangenehme Aufgabe, »mit ihm nochmals über seine Abfindung zu verhandeln, um die Abfindungssumme noch um ein Monatsgehalt zu drücken«.
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Ein neuer Geist und eine Gemeinschaftsgarage

Ein neuer Geist zieht ein in den Betrieb, und zuerst merkt man dies in der Garage. Der Wagenpark von Ufa wird mit dem von Scherl zusammengelegt, und die Neuorganisation hat blaue Briefe zur Folge:

  • »Dem gesamten Personal des Fuhrparks wird gekündigt, weil es teils überflüssig ist, teils wesentlich höhere Löhne als die Scherl-Chauffeure erhält.«


15 Wagen stehen den Herren vom Verleih zur Verfügung, und die laufenden Kosten, so wird es auch bei Scherl gehandhabt, haben
sie künftig privat zu tragen. Für die Abteilung Produktion gelten andere Grundsätze: »Angesichts der starken Abnutzung der Kraftwagen, die für die Filmproduktion benötigt werden, wird beschlossen, in Zukunft, von besonderen Ausnahmefällen abgesehen, nur noch gemietete Kraftwagen zu verwenden.«

Aber dies betrifft nur die Leitungsebene; den kleinen Angestellten, die jeden Tag von Berlin nach Neubabelsberg rausfahren, werden die früher gewährten Fahrgelder ersatzlos gestrichen.
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Die Kooperation Ufa/Scherl - es ändert sich alles

Die Kooperation Ufa/Scherl bezieht sich nicht allein auf den Medienverbund, sie umfaßt auch ganz praktische Dinge. Die Wochenend-Einnahmen der berliner Kinos werden in den Kassenschränken des Verlags deponiert. Die Zentral-Buchhaltung der Ufa wird regelmäßig kontrolliert durch die Revisoren von Scherl.

Selbst bei den Uniformvorschriften für die Boten und Portiers lehnt die Ufa sich an die entsprechenden Regelungen bei Scherl an.
Viel verdient wird nicht bei der Ufa, nur Fachkräfte erhalten ein Monatsgehalt über 1.000 Mark.

Rudi Feld, Abteilung Werbedienst und Erfinder der phantastischen Fassadendekorationen am Zoo-Palast, bezieht ab Mai 1928 RM 1.500. Sein Gesuch um längeren Urlaub - er will eine Studienreise in die USA unternehmen - wird abgelehnt. Der kreative Werbemensch erhält eine Auszeichnung von den Parufamet-Kollegen: Dem Ufa-Vorstand ist das gar nicht recht. »Anläßlich dieses Falles wird beschlossen, der Parufamet mitzuteilen, daß die Überreichung von Anerkennungs-Schreiben und -Abzeichen an unsere Angestellten als unerwünscht angesehen wird.«

Roland Schacht wird für die Dramaturgische Abteilung engagiert (Gehalt RM 1.800). »Herr Schacht darf eigene Manuskripte zur Verfilmung nicht vorlegen. Seine bisherige Beschäftigung beim Auswärtigen Amt bleibt ihm gestattet.« (20 Monate später erfolgt die Kündigung. Stattdessen werden die Herren Billie Wilder und Curt Siodmak verpflichtet.)
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Die Spitzenverdiener bei der UFA

Kameramann Carl Hoffmann gehört zu den Spitzenverdienern: Honorar pro Woche 1.000 RM, wobei er Anspruch auf Beschäftigung von 40 Wochen im Jahr hat. Im Oktober 1928 bekommt er ein lukratives Angebot aus England: Monatlich 10.000 Mark, also mehr als das Doppelte. Er müßte Ende Februar anfangen, aber sein Vertrag bei der Ufa läuft bis zum Sommer.

Also bittet er um vorzeitige Entlassung. »Herrn Hoffmann soll das Einverständnis der Ufa erklärt werden, wenn er bereit ist, für die Zeit seines Vertrages mit der Ufa die Hälfte seines Mehrverdienstes an sie abzutreten.« Er bleibt im Lande, und im nächsten Jahr werden ihm, bei gleichen finanziellen Konditionen, 46 statt bisher 40 Arbeitswochen garantiert.

In einigen Abteilungen, z.B. beim Werbefilm, wird ein niedriger Sockelbetrag von 400 oder 450 Mark gezahlt sowie eine einprozentige Beteiligung am Reingewinn dieses Geschäftszweiges.

Ähnlich verfährt man mit den Leitern der Kinos: Sie erhalten Anstellungsverträge auf Gewinnbeteiligung, wobei ihnen »nötigenfalls ein geringer Betrag zu garantieren ist«.

Das Outfit der Platzanweiserinnen ist Tagesordnungspunkt auf der Vorstandssitzung: »Herr Gerschel regt die Beschaffung von Sommeruniformen für das Theaterpersonal an, da die teuren Winteruniformen im Sommer zu heiß sein werden und auch zu sehr strapaziert werden.« Klitzsch bittet zunächst um Vorlage einer Probeuniform.
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Der Produktionsleiter Alfred Zeisler

Alfred Zeisler, ein Mann, der Karriere machen wird bei der Ufa, fällt angenehm auf: »Im Hinblick darauf, daß Zeisler in dem Film "Der Schuss" im Tonfilmatelier auch Regie geführt hat (neben seiner Tätigkeit als Produktionsleiter), wird ihm ein Extrahonorar von RM 4.000 bewilligt (die Kalkulation ist auch dann noch unterschritten).«

Im Vorjahr wäre er fast gefeuert worden: Er hat dem "Tempo" ein Interview gegeben, das beim Vorstand Mißfallen erregt. Zeisler kann sich herausreden, aber ein anderer wird geschaßt. Denn die umstrittenen Interview-Sätze sind in Anwesenheit eines Mannes von der Presseabteilung gefallen.

Herrn von Hübbenet wird »wegen der großen Pflichtverletzung, die darin liege, daß er sich um den Inhalt des Interviews und um den Gang der Unterhaltung zwischen den Herren Zeisler und Marcus nicht gekümmert habe«, zum nächsten Termin gekündigt.
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Wer etwas gegen Hugenberg sagt, fliegt raus ......

Es gehört nicht viel dazu, um bei der Ufa seinen Job zu verlieren. Der einfachste Weg ist: etwas gegen Hugenberg sagen. Der Vorstand läßt dies auch bei Regisseuren nicht durchgehen und formuliert, umständlich und allumfassend wie einen Gesetzestext, folgende Richtlinie:

»Anläßlich verschiedener Vorkommnisse wird beschlossen, von einer Anstellung oder sonstigen Beschäftigung oder Weiterbeschäftigung von Personen, insbesondere auch des künstlerischen Kerstellungspersonals, abzusehen, die öffentlich persönliche Angriffe gegen Herrn Geheimrat Hugenberg in gehässiger Form erhoben haben oder erheben werden oder sich an solchen Angriffen beteiligt haben oder beteiligen werden.«

Ein Artikel von Michael Töteberg

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Hierzu gehört ein Artikel über Hugenberg aus 1945, der anonym verfasst wurde.
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