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überarbeitet von Gert Redlich ab Feb. 2014 - Eigentlich sprechen wir von einer Gazette - Es sind gigantische Textmengen (Buchstaben-Wüsten), die die Autoren der "FI" in den 58 Jahren zusammen getragen haben. Damit das überhaupt vernünftig zu lesen ist, haben wir die Inhalte in jährliche Themengebiete aufgeteilt, die aber nicht in jedem Jahr gleich sind.
Sehr wichtig ist, es wurden alle Informationen, die Texte und die Erkenntnisse genau in der Woche aufgeschrieben und nichts später ergänzt oder korrigiert.

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FI-1950 / 1.Nov-Ausgabe
PLANUNG UND WEITERENTWICKLUNG. - Noch vor Weihnachten öffentliches Fernsehprogramm in Hamburg geplant.

Der Fernseh-Versuchsbetrieb des NWDR wird jetzt zu seiner bereits vorhandenen Apparatur eine zweite Filmapparatur geliefert erhalten, sodass er dann in der Lage sein wird, mittels Überblendung pausenlos Filme zu senden. (Bei den bisherigen Sendungen entstanden Pausen, die durch ein Pausenzeichen, ein stehendes Segelschiff, "überbrückt" wurden.)

Der NWDR hofft nun, noch vor Weihnachten an einigen Abenden in der Woche regelmässig ein versuchsmässiges Fernsehprogramm senden zu können. Diese Sendungen sollen im wesentlichen dem Ziel dienen, Unterlagen für den technischen Aufbau des Fernsehens und für dessen programm-mässige Gestaltung zu erarbeiten.

Während der NWDR-Programmchef Dr. Pleister und der Kulturfilm-Regisseur Curt Oertel sich zusammengetan haben, um allmählich ein Fernsehprogramm für den Sender Hamburg zu entwickeln, wobei man die Kinderkrankheiten des amerikanischen Programms vermeiden und einen neuen Fernseh-Stil aus der Taufe heben will, wird die Werbung für das Fernsehen durch Einrichtung von Fernseh-Stuben - wie es sie seinerzeit in Berlin schon gab - erfolgen.

Leistungssteigerung des Hamburger Versuchssenders.
(1950) Der erste Fernseh-Übertragungswagen kommt.

In den nächsten Monaten wird eine wesentliche Erweiterung des Apparatbestandes der Versuchsanlage des NWDR vorgenommen werden. Eine Filmaufnahmeapparatur soll die Möglichkeit schaffen, die zur Sendung kommenden Originaldarbietungen auf einem Filmstreifen zu "speichern" ..

Dieser Filmstreifen kann dann dazu benutzt werden, die Sendung zu wiederholen oder sie an andere Sender weiterzugeben. Ausserdem ist die Beschaffung einer Apparatur beabsichtigt, die nach Art eines Epidiaskops die Illustration von Vorträgen ermöglichen wird. Ferner soll ein Fernseh-Übertragungs-Wagen für Aussenaufnahmen eingerichtet werden. Mit diesem Fernseh-Übertragungswagen rückt das Fernsehen auch in Westdeutschland in Bereiche vor, die besonders werbekräftig sind und eine starke Anziehung für die künftigen "Heim-Fernseher" bilden.

Es sind dies die Direktübertragungen von allgemein interessierenden öffentlichen Ereignissen und Sportveranstaltungen. Das Verhältnis zwischen Fernsehen und Sport wird noch eine Reihe interessanter Probleme aufwerfen.

Hamburger Fernsehkinos geplant

Hamburger Besitzer von Fernsehgeräten können also jetzt ihre Empfänger zu den angegebenen Zeiten einschalten und das erste Fernseh-Programm nach dem Kriege kritisch zur Kenntnis nehmen. Der NWDR Hamburg verfügt vorerst über 10 Fernseh-Empfangsgeräte. Weitere Empfangsgeräte befinden sich bereits in privatem Besitz. Einer breiteren öffentlichkeit ist der Fernseh-Empfang in den von zwei Hamburger Zeitungen (Hamburger Abendblatt und Hamburger Freie Presse) eingerichteten Fernseh-Empfangsräumen möglich.

Diese Hamburger Tageszeitungen verfügen über eine Anzahl Empfangsgeräte. Die Einrichtung von Fernseh-Stuben ist sowohl vom NWDR, als auch von zwei Hamburger Tageszeitungen beabsichtigt.

FI-1950 / 1.Nov-Ausgabe - WIR HÖRTEN und SAHEN:
Die Versuchssendungen beginnen

Der Vorsitzende des NDWR-Verwaltungsrates Prof. Dovifat erklärte bei Eröffnung der Versuchssendungen in Hamburg. Ziel sei nicht ein NWDR-Fernsehfunk, sondern ein Deutscher Fernsehfunk mit reichen europäischen Austauschverbindungen.

Das bedeute für Deutschland in keiner Weise eine Zentralisierung, etwa im Stil der Reichsrundfunk-Gesellschaft unter dem Hitler-Regime. Vielmehr gelte es das vielfältige kulturelle Gut aus dem Bereich der deutschen Sender auf dem Wege über den Fernsehfunk dem gesamtdeutschen Leben zuzuführen.

Prof. Dovifat erklärte weiter, dass es nun gelte, einen besonderen deutschen Fernsehstil zu entwickeln, wobei es darauf ankomme, die Gefahr einer Vermassung zu überwinden, über die besonders in USA geklagt werde.

Curt Oertel engagiert (geht aber bald nach Wiesbaden)

Dr. Pleister, der NWDR Programm-Chef erhielt den Auftrag, das Fernsehprogramm des NWDR zu gestalten. Um einen neuen Fernsestil zu entwickeln, hat er u.a. auch den bekannten Kulturfilmmann Curt Oertel herangezogen. Sie wollen jetzt Reporter, Schauspieler, Autoren, Kameramänner auf Fernsehstil "trimmen". "Material und Ideen haben wir genug", erklärten sie.

Curt Oertel meinte, dass bei der Entwicklung eines eigenen Fernsehstils nur in beschränktem Maße die US-Erfahrungen, die auf ganz andern kommerziellen Voraussetzungen beruhen, verwertet werden können. Es seien neue Wege der Fernseh-Dramaturgie zu entwickeln.

Der NWDR will junge Schauspieler

In den Programmen des NWDR sollen keine Stars auftreten, sondern junge Schauspieler, die bei der Entwicklung eines neuen Fernsehstils mit Begeisterung bei der Sache sind. (Hat auch den Vorteil der Einsparung der Stargagen).

Man ist sich beim NWDR im klaren, dass der kommende Fernsehstil weder dem des Films, noch dem des Sprechfunks gleichen kann, da das FS seine Eigengesetzlichkeit hat.

Journalist Paul Ellmar - Paris, der in Hamburg über Entwicklung eines künstlerischen Fernsehstils in Frankreich sprach, betonte, dass hierbei Dramaturgie, Form der Darstellung, des Ausdrucks und der Sprache zu suchen und auszuprägen, sind. Französisches Fernsehen habe diesen Problemen von Anfang an ausserordentliche Sorgfalt gewidmet.

FI-1950 / Dez-Ausgabe - DEUTSCHLAND
Ausbau des Hamburger Fernsehstudios

Nachdem Anfang Dezember 1950 die erste Fernseh-Kamera beim NWDR eintraf, kann das Programm in Zukunft abwechslungsreicher gestaltet werden. Mit der Lieferung von weiteren Kameras wird zum 1. Januar 1951 gerechnet.

Gleichzeitig mit der Verbesserung der technischen Einrichtungen erfährt das Fernseh-Studio des NWDR auch einen planmassigen Aufbau seiner programmässigen Organisation. Als Oberspielleiter für die Fernseh-Abteilung wurde Hanns Parenburg engagiert, der in Berlin in den Jahren 1939 bis zur Einstellung der Sendungen beim Fernsehbetrieb der Reichsrundfunkgesellschaft wertvolle Erfahrungen sammeln konnte.

Farenburg ist zurzeit mit der Zusammenstellung des ersten deutschen Fernseh-Ensembles nach dem Kriege beschäftigt. Zum Leiter des Betriebsbüros wurde der Verbandsvorsitzende der niedersächsischen Variete-Direktoren, Erwin Fuchs, berufen, der seine Tätigkeit bereits aufgenommen hat. Fuchs wirkte lange Jahre als Direktor des als Variete-Bühne weit bekannten Liebich-Theaters in Breslau und hat in der internationalen Variete-Welt einen bekannten Namen.

FI-1950 / Dez-Ausgabe - Der Ausbau des Fernseh-Programms

Der für das Fernseh-Programm verantwortlich zeichnende Programmdirektor des NWDR, Dr. Werner Pleister, hat über den Ausbau des Fernseh-Programms schon Einiges geäussert. So beabsichtigt er neben kleinen Fernseh-Spielen und Interviews auch einen bebilderten Nachrichtendienst (aktuelle Tagesschau) sowie kulturelle Sendungen zu geben, bei denen in die Texte der Vortragenden Kulturfilm-Aufnahmen aus der Curt Oertel-Produktion der Jahre 1941 bis Kriegsende eingeblendet werden. 30.000 Meter Kulturfilm sind zu diesem Zweck vom NWDR erworben und werden zurzeit gesichtet. Dr. Pleister beabsichtigt ferner mit den Fernseh-Kameras in die Museen und auf die Sportplätze zu gehen, das heisst, bereits im Versuchs-Programm, noch vor der Lieferung der vorgesehenen Übertragungswagen, Originalaufnahmen zu senden.

Versuchs-Sendungen werden wichtige Ergebnisse zeitigen

Die nunmehr regelmässig erfolgenden Versuchssendungen des NWDR
sollen im wesentlichen dem Ziel dienen, Unterlagen für den technischen Aufbau eines zukünftigen Fernsehens auf breiter Basis und für dessen programmliche Gestaltung zu erarbeiten.

Darüber hinaus sollen auch praktische Erfahrungen in der Frage der Kostengestaltung gesammelt werden. Im September hatte noch der Generaldirektor des NWDR, Dr.h.c.Grimme, die Kosten für eine einzige Sendeminute beim Fernsehen auf etwa 500 DM, und für eine tägliche Sendung von zwei Stunden auf 60.000 DM beziffert. Von Kritikern wurde hierzu bemerkt, dass es sich bei diesen Kostenangaben wohl - um etwas "grossflächige Schätzungen" handeln müsse und dass sie etwas "über den Daumen gepeilt" anmuteten.

Internationaler Kostenvergleich

Die uns bekannt gewordenen Kosten der Sendungen führender amerikanischer Fernseh-Sendegesellschaften, der BBC in London und der Pariser Fernsehprogramme zeigen, dass Fernseh-Programme ausserordentlich kostspielig, aber unbeschadet ihres künstlerischen Gehaltes auch mit sehr viel geringeren Mitteln gestaltet werden können.

In USA sind die hohen Kosten der Fernseh-Programme nicht zuletzt auch auf den Wettlauf amerikanischer Spitzenprogramme der sich in den Darbietungen übersteigernden Konkurrenzunternehmen zurückzuführen.

In Paris vertritt man die Ansicht, dass es in Frankreich möglich sein dürfte, Fernsehsendungen, die den amerikanischen bunten Programmen gleichwertig sind, um den vierten bis fünften Teil der Kosten (!) herzustellen.

Die "produktiven Phantasien" der Macher

Die Versuchssendungen in Hamburg werden nun, namentlich dann, wenn sie auf einer breiteren Basis als zunächst durchgeführt werden können, konkretere Anhaltspunkte dafür ergeben, wie das Kostenbild im westdeutschen Fernsehen in der Praxis aussieht. Es wird viel von der "produktiven Phantasie" der für das Fernseh-Programm verantwortlichen Persönlichkeiten und auch von ihrem wirtschaftlichen Denken abhängen, mit welchen erträglichen finanziellen Mitteln ein kultureil wertvolles Programm, das seine steigende Werbewirkung auf die für das Fernsehen zu gewinnenden Publikumsschichten ausübt, gestaltet werden kann.

Es ist schon einmal an dieser Stelle hervorgehoben worden, dass bei der Zusammenstellung eines Fernseh-Ensembles auf kostspielige Stars verziehtet werden kann, und dass sich hier ein neues, aussichtsreiches Feld für talentierte Nachwuchskräfte eröffnet, die sich auch leichter den Erfordernissen des Fernseh-Stils anzupassen vermögen.

Abgesehen von den notwendigen Routine-Programmen kann auch eine aufgeschlossene Einstellung zum Volksleben weitere Kreise für die Mitarbeit und Mitwirkung am Fernsehen gewinnen. Über eine rationelle und wirkungsvolle Programmgestaltung wird in kommender Zeit noch viel zu sagen sein.

FI-1951 / 1. Jan.-Ausgabe - Die zweite Hälfte dieses Jahrhunderts gehört dem Fernsehen! - 1951 wird grosse Fortschritte im deutschen Fernsehen bringen - Die Ausbaupläne des NWDR.

Der NWDR hatte am 18. Dez. 1950 erneut eine Anzahl namhafter Pressevertreter in Hamburg zusammengerufen, um ihnen einen Überblick über den gegenwärtigen Stand seiner Fernseh-Versuchssendungen zu vermitteln und ihnen die weiteren Ausbaupläne bekanntzugeben.

Die Gäste hatten Gelegenheit, Einblick in das im Um- und Ausbau befindliche Studio im Hochbunker auf dem Heiligen Geist-Feld zu nehmen. Nur die mit Fachkenntnissen "vorbelasteten"1 Pressevertreter erkannten aus der Anlage der umfangreichen Umbauarbeiten und aus den lapidaren Erklärungen der begleitenden Techniker, was hier im Werden ist.

Die Gäste hatten auch Gelegenheit, die öffentlichen Übertragungen in der ersten deutschen Fernseh-Stube nach dem Kriege, die im weltbekannten Alsterpavillon eingerichtet worden ist, in Augenschein zu nehmen. Von einer solchen umfangreichen Pressevorführung soll nicht zuletzt auch eine starke Werbewirkung für das deutsehe Fernsehen ausgehen. Wird dieser Zweck nicht erreicht, so kann leicht ein erheblicher Aufwand nutzlos werden.

Alles ist im Umbau - noch nicht sehr beeindruckend

Den Nichtfachleuten musste nach dem Besuch des Studios mit seinen Baugerüsten und den dazwischen in Papier verpackt stehenden Apparaten die Technik als noch unvollkommen erscheinen, und auch die Vorführung eines kleinen Abendprogramms konnte mangels genügender Vorbereitung diesen Eindruck nicht ganz verwischen.

So ist es zu erklären, dass viele der anwesenden Journalisten die große Bedeutung des Fernsehens, das nach der Ansieht vieler Fachleute in der zweiten Hälfte dieses Jahrhunderts die Rolle im öffentlichen Leben spielen wird, die der Film in der ersten Hälfte inne hatte, nicht erkannten.

Prompt fielen dann auch zahlreiche Veröffentlichungen in der Tagespresse in einem entsprechend negativen Sinne aus, wobei der Bericht ausgerechnet der "Associated Press" mit den von Sachkenntnis nicht beschwerten Worten begann: "Das Fernsehen wird noch lange ein Wunsehtraum bleiben ...."

Eine erste deutsehe Fernsehwoche von 22.- 28.Februar in Bonn

Es ist nun zu hoffen, dass die erste deutsehe Fernsehwoche von 22.- 28.Februar in Bonn auf wesentlich sorgfältigeren Vorbereitungen basiert, als die in ihren praktischen Demonstrationen nicht befriedigende Pressekonferenz vom 18. Dezember. Vor welch einer grossen und verhältnismässig auch schnellen Entwicklung das Fernsehen in Deutsehland tatsächlich steht, das machten die Erklärungen deutlich, die Programmdirektor Dr. Pleister und der Film- und Fernsehfaehberater des NWDR Curt Oertel über die weitere technische und künstlerische Entwicklung des Fernsehens im Bereich des NWDR abgaben.

Wenn diesen ausgreifenden und hochinteressanten Plänen nun auch die entschlossenen Taten folgen,dann werden sich zweifellos die führenden Männer des NWDR, deren Absichten durch die tatkräftige Parallelarbeit des Bundespostministeriums unterstützt werden, um die Entwicklung des deutschen Fernsehens größte Verdienste erwerben.

FI-1951 / 1. Jan.-Ausgabe
Die Ausbaupläne des NWDR. - Der Ausbau des Versuchsstudios

Nach den Erklärungen Dr. Pleisters wird das Versuchsstudio im Hochbunker jetzt mit Hochdruck ausgebaut und soll schon bis Mitte Januar fertig sein. Der nicht sehr grosse eigentliche Senderaum, in den die erhöhte und mit schalldichten Glaswänden isolierte Regiekammer hineinragt, wird bereits die Arbeit mit mehreren Kameras gestatten und somit die Aufführung von Fernseh-Spielen ermöglichen, immerhin aber wird auch hier der Fernseh-Betrieb noch unter starker Raumnot leiden und die moderne Entlüftungsanlage, die die von den vielen Lampen ausgestrahlte Hitze absaugen soll, wird sehr nötig sein.

Neue Technik läßt hoffen

Ebenfalls für Mitte Januar wird die zweite Fernseh-Kamera erwartet und Ende Februar hofft der Versuchssender Hamburg bereits über drei bis vier Kameras zu verfügen, so dass man den Anforderungen, die ein gutes Programm an die Technik stellt, gerecht werden kann.

Ein ganz wesentlicher Fortschritt in der technischen Ausstattung wird die Beschaffung eines Filmaufzeichnungs-Gerätes sein, mit dessen Eintreffen Ende März gerechnet wird. Mit Hilfe dieses Gerätes können die Life-Sendungen des Studios von einem besonders lichtstarken Empfänger auf Filmstreifen gespeichert werden - derart, wie heute jede Rundfunksendung auf Tonband aufgenommen wird. Die Herstellung dieser "Fernseh-Konserven" ermöglicht den späteren Programmaustausch mit anderen Sendern.

Zwei neues Aussenaufnahmewagen

Ein ebenso wesentlicher Fortsehritt wird die Inbetriebnahme der beiden Aussenaufnahmewagen sein, die bei der Fernseh G.m.b.H. in Darmstadt bereits in Auftrag gegeben wurden und mit deren Lieferung in Kürze gerechnet wird. Durch die Möglichkeit, Sportveranstaltungen und anderes direkt zu senden, wird das Programm ganz erheblich bereichert und der Sender Hamburg rückt damit in die ureigentlichen Bereiche des Fernsehens vor, das ja den Fernseher zu Hause nicht nur unterhalten, sondern ihm auch die Möglichkeit geben soll, bei den ihn interessierenden Ereignissen "dabei zu sein".

FI-1951 / 1. Jan.-Ausgabe
Die Ausbaupläne des NWDR. - Großsender und Großstudio

Programmdirektor Dr. Heister gab fernerhin bekannt, daß die Leistung des Hamburger Fernseh-Senders in diesem Jahr beträchtlich erhöht werden soll. Der gegenwärtig nur nach Norden ausstrahlende 80 Watt-Sender, der eine Reichweite von maximal 20 Kilometer hat, soll durch einen 10 KW Rundstrahlsender ersetzt werden, der den Empfang der Sendungen noch in Entfernungen von 150 bis 200 Kilometern ermöglicht. Während vorläufig die Sendungen aus dem Studio im Hochbunker auf dem Heiligengeistfeld noch Versuchscharakter tragen, ist man schon dabei, in der Stadt ein wesentlich grösseres Studio zu errichten.

Neues Gelände für den NWDR in Hamburg

Der NWDR hat ein am Mittelweg in Hamburg gelegenes Gelände erworben, auf dem der Studiobau bis zum Herbst 1951 vollendet werden soll. Man will dieses Studio nach modernsten Gesichtspunkten und unter Zugrundelegung der in England und Amerika gemachten Fernseh-Erfahrungen errichten. Dieses neue Studio wird später das "Stadtstudio" des Hamburger Fernseh-Senders sein, eine kleine Filiale nur, während der eigentliche Sender mit umfangreichen Großstudios am Stadtrand entstehen soll.

Der NWDR ist bereits jetzt bemüht, entsprechendes Gelände zu erwerben, auf dem zwar nicht die sagenhafte "Fernseh-Stadt", aber doch so etwas wie ein Fernseh-Dorf mit einem Großsender, grossen Studios und einem Freigelände für Aussenaufnahmen entstehen soll.

FI-1951 / 1. Feb.-Ausgabe - DEUTSCHLAND
54% für baldige Einführung des Fernsehens!

Das Ergebnis einer interessanten Umfrage - von unserem Hamburger Mitarbeiter
Wgf. - Hamburg, Anfang Februar

Die ersten Wochen des neuen Jahres waren - vom Zuschauer am Fernsehempfänger aus gesehen - eine stille Zeit. Vom 2. bis 26. Januar fanden keine Sendungen statt. Statt dessen war viel Leben im "Fernseh"-Bunker in Hamburg: der grössere der beiden Senderäume wurde ausgebaut. Auch die zweite Kamera ist angekommen; damit wären die Möglichkeiten zur bildlichen Verlebendigung der Sendungen gegeben.

(Anmerkung : Das Eintreffen der 2. Kamera war anscheinend ein besonderer Event, denn diese neuen modernen Kameras waren damals exorbitant teuer und damit eine kleine kleine Sensation.)

Ein Ü-Wagen kommt und ein Mischpult !!!

Bestellt ist ausserdem ein Übertragungswagen und ein Mischpult. Das lässt darauf schliessen, dass in den nächsten zwei Monaten den unmittelbaren Sendungen ("live"-Programme, wie sie auch genannt werden; aber bitte mit "v") eine grössere Aufmerksamkeit gewidmet werden soll. Dieses Intensivieren des Sendebetriebes ist notwendig, denn bis Ende März sollen Unterlagen über die Kosten des Programmdienstes gewonnen werden.

Der Verwaltungsrat des NWDR möchte diese Übersieht für den Fernseh-Haushalt 1950/51 haben, - ein verständlicher, ja notwendiger Wunsch; es bleibt nur die Frage offen, ob die kurze Zeit ausreicht, um ein geschlossenes Bild zu zeichnen. Höchstens 30 Tage stehen zur Verfügung, also 60 Sendestunden, die allerdings nicht zu 90% mit Filmstreifen gefüllt werden dürfen.

FI-1951 / 1. Feb.-Ausgabe - WIR SAHEN und HÖRTEN
Neues NWDR Pausenzeichen

Am 26. Januar zeigte der Fernseh-Versuchsdienst des NWDR zum ersten Mal ein neues Pausenzeichen. Die Worte "Fernsehrundfunk Hamburg" bildeten einen Kreis, in dessen Mitte eine alte Kogge und das NWDR-Zeichen untergebracht sind.

Der Hintergrund besteht aus senkrechten schwarz-weissen Streifen. Damit ist das bisherige, sehr primitive Pausenzeichen, das zwei einfache Gittertürme mit dem NWDR-Zeichen in der Mitte zeigte, aufgegeben worden. Das neue Zeichen hat einen etwas schutzmarkenhaften Charakter, eine Endlösung stellt es noch nicht dar.

Am 26. Januar ging es wieder weiter

Am 26. Januar wurde wieder mit den regelmässigen Versuchssendungen des provisorischen Hamburger Fernseh-Senders begonnen, nachdem diese Sendungen wegen der Bauarbeiten im "Fernseh"-Bunker in Hamburg unterbrochen werden mussten. Radiohändler und Inhaber von Radio-Werkstätten aus Rheinland und Westfalen, die nach Hamburg gekommen waren, um Übertragungen des Fernsehsenders kennenzulernen und erst dort erfuhren, dass die Sendungen unterbrochen worden waren, gaben ihrer Entrüstung Ausdruck, dass es der NWDR nicht für notwendig befunden habe, eine ausreichende Mitteilung über die fast vierwöchige Unterbrechung zu machen.

FI-1951 / 2. Feb.-Ausgabe - WIR SAHEN und HÖRTEN
Informationaustausch mit den Franzosen

Zu Besprechungen über die Technik des Fernsehens und Fragen des Programmaustausches waren der Direktor der Television Francaise Mr. Malleine, der die Fernsehbeziehungen zum Ausland pflegt und der Justitiar dieser französischen Fernseh-Sendegesellschaft, Mr. Hebarro dieser Tage in Hamburg. Zusammen mit dem technischen Direktor des NWDR, Dr. Nestel, besichtigten die französischen Gäste das Fernsehstudio auf dem Heilig-Geistfeld. Der französische Besuch stellt eine Fortsetzung der im Vorjahr in Paris begonnenen Gespräche zwischen deutschen und französischen Fernsehfachleuten dar. Die beiden französischen Fernsehsachverständigen waren auch in Berlin, um die dortigen Fernsehentwicklungen, die in ein besonders interessantes Stadium eingetreten sind, zu studieren.

FI-1951 / 2. Feb.-Ausgabe - WIR SAHEN und HÖRTEN
Zahl der Fernsehempfänger in Hamburg verdoppelt

Obwohl der Versuchssender des NWDR im Januar vier Wochen lang seine Fernsehsendungen unterbrochen hatte, um das erste Hamburger Fernsehstudio fertigzustellen, hat sich in Hamburg in dieser Zeit die Zahl der Fernsehempfänger mehr als verdoppelt. Nach der Wiederaufnahme der Sendungen bildeten sich trotz der ungünstigen Witterung vor den Schaufenstern von Hamburger Zeitungen, in denen Fernsehempfänger aufgestellt sind, Menschenschlangen, um die Fernsehsendungen zu sehen.

Goethes "Vorspiel auf dem Theater" wird am 2. März (1951) als erstes Fernsehspiel, das nach dem Kriege in Deutschland gezeigt wird, durch den Fernsehversuchssender des NWDR gesendet werden. Damit soll der Nachweis erbracht werden, dass bereits im Versuchsstadium bestes Fernsehspiel geboten werden kann.

"Das Kind Fernsehen" habe keine Mutter, dafür aber zwei Väter, den Funk und den Film, die beide keine Alimente zahlen wollten, aber hofften, größten Nutzen aus den Möglichkeiten dieses Kindes ziehen zu können. Mit diesem bonmot charakterisierte Curt Oertel, der den Auftrag zur dramaturgischen Gestaltung des Fernsehens beim NWDR erhalten hat, seinen neuen Wirkungskreis.
(ANmerkung : Das widerspricht einer anderen Meldung, nach der Ortel nicht mehr für den NWDR tätig ist. Oertel ist inzwischen in Wiesbaden zuhause.)
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FI-1951 / 1.März-Ausgabe - DEUTSCHLAND
Fortschritte im Hamburger Fernsehen

Fernseh-Programm wird aktuell(er??) und lebendiger
von unserem Hamburger Mitarbeiter Wgf. Anfang März

Der Fernsehprogrammdienst hat in den vergangenen sechs Wochen bemerkenswerte Fortschritte gemacht, man spürt es von Tag zu Tag. Zunächst einmal finden an jedem Sendeabend Zeitdienstsendungen statt. Wir sahen in der letzten Zeit Interviews mit Rehfisch und Speelmanns anlässlich der Neuaufführung von "Wer weint um Juekenack", wir nahmen an einem Interview mit dem Ehepaar Baier teil, das über seine neuen Kunsteislaufpläne plauderte, der Boxer Höpner wurde vor seinem Kampf befragt, Hagenbeck stand vor der Kamera und plauderte über Erlebnisse, der Direktor des französischen Fernsehens stellte sich kurz vor, Regisseur Radvany sprach zu drei grösseren Ausschnitten seines Filmes "Irgendwo in Europa". Das war alles sehr aktuell und lebendig, hier liegt die Stärke und die Hauptaufgabe des Fernsehdienstes, auch dann, wenn (noch) keine Reportagewagen zur Verfügung stehen. Jede dieser Sendungen bedeutet einen Schritt vorwärts und Gewinn an Erfahrungen.

Neu: "Das Bild des Tages"

Neu eingeführt ist ausserdem "Das Bild des Tages", ein aktuelles Stehphoto (Anmerkung: vermutlich ein DIA) mit etwa 1 bis 2 Minuten Text. Die Auswahl kann hierbei noch besser sein, der Gedanke ist richtig. Eine der besten Sendungen, die wir bisher im Fernsehprogramm gesehen haben, war ein Zwiegespräch zwischen Professor Peter Zylmann und Dr. Ostkamp über Steinzeitfunde. Bühnenbildner Joksch hatte ein geschmackvolles "Studierzimmer" aufgebaut, in dem die Unterredung stattfand. Steinbeile und -äxte, Zeichnungen und Funde aus der Frühzeit lagen auf dem Tisch und wurden durch Professor Zylmann allgemeinverständlich, in ganz lockerem Plauderton erklärt, sodass eine enge Verbindung zwischen dem Sprecher und dem Zuschauer am Empfänger entstand. Taktvoll zurückhaltend und doch mit klugen Fragen belebend steuerte Dr. Ostkamp das Gespräch, das übrigens fortgesetzt werden soll.

Das "Fernseh-Gesicht"

Bemerkenswert ist ferner, dass die Kameraführung viel sicherer und beweglicher geworden ist, und dass ausserdem die früher häufigen Ausleuchtungsfehler erheblich vermindert worden sind. Man merkt, dass sich die Mannschaft einspielt, das wurde besonders bei einer fast einstündigen Kabarettsendung deutlich, die schöne Ansätze zeigte. Der Senderaum zeigt von Tag zu Tag kleine Verbesserungen; er ist selbstverständlich für grössere Anforderungen zu klein.

Es ist schon eine Entlastung, dass die neue - nunmehr dritte - Kamera ausschliesslich für die Ansage gebraucht wird, wodurch störende Beengungen fortfallen. Vor der Kamera selbst haben nun schon drei Ansagerinnen und ein Ansager gestanden. Eine Entscheidung für einen der Kandidaten kann noch nicht gefällt werden. Wir glauben, dass die Gruppe derjenigen, die überprüft wurden, viel zu klein war. Im ganzen waren es wohl 60 bis 70 Bewerber, die sich bisher vorstellten.

Eine Vergleichszahl wird deutlich machen, wie schwer es ist, ein "Fernseh-Gesicht" zu finden. Vor eineinhalb Jahrzehnt schon stand der englische Fernsehrundfunk vor der gleichen Frage. Damals wurden rund 10.000 Bewerber geprüft - übrig blieben zwei! Allerdings waren diese so ausgezeichnet, dass sie - es waren zwei Damen - auch nach der sechsjährigen Unterbrechung durch den Krieg wieder zum Fernsehdienst der BBC zurückgeholt wurden. Es ist nicht mit einem Titelbildgesieht oder einem pin-up-girl getan; die Fernsehkamera erfordert ein erfülltes Gesicht, mit einer grossen Ausdrucksskala, ferner ganz natürliche Bewegungen und das "Etwas" im Ausdruck, das sofort den Kontakt mit den Zuschauern schafft. Es gilt noch lange danach zu suchen.

FI-1951 / 1.März-Ausgabe - DEUTSCHLAND
Schwarzhörererfassung erleichtert Fernsehfinanzierung

Der Verwaltungsrat des NWDR hat in seinem Bericht über die letzte Sitzung bekanntgegeben, dass ein Teil der Gebühren, die durch den grossen Gewinn von Schwarzhörern (rund 700.000) eingehen werden, auch für das Fernsehen verwendet werden soll. Das war allgemein erwartet worden, zumal zum Ende des laufenden Haushaltsjahres auch wieder die Diskussionen über die Kosten des Fernsehdienstes aufgelebt sind.

Man wird annehmen müssen, dass für das kommende Jahr rund 8 Millionen bereitgestellt werden, wenn auch vorerst nur Summen von rund 5 Millionen genannt werden. Von diesem Betrag müssen schätzungsweise über 3 Mill. für den technischen Ausbau verwendet werden. Wenn man 1,5 bis 2 Mill. für den Programmdienst rechnet, dann würden für eine Programminute bei 12 Stunden wöchentlicher Sendezeit rund 40.— DM zur Verfügung stehen. Das ist eine Zahl, die man anerkennen kann, zumal in ihr die Gehälter, Kosten für Kulissen, Kostüme, Requisiten, Honorare, Licht- und Stromkosten für den Senderaum, Gelder für Fahrten und Transporte usw. eingeschlossen sind.

Wir nehmen an, dass nach einem halben Jahr eine klare Verteilung dieser Kosten errechnet werden kann, ohne dass man deshalb unter bürokratischem oder verwaltungstechnischem Gesichtspunkt dem Fernsehen unbedingt starre Etatsposten auferlegt. Der Fernsehdienst wird noch lange im Experimentierstadium bleiben - Gottseidank! - und er braucht in dieser Zeit eine ausserordentliche Beweglichkeit.

In der Entwicklungszeit darf und muss man versuchsfreudig sein, denn die Kosten - auch für misslungene Versuche - sind hier immer noch geringer als später, wenn höhere Aufwendungen selbstverständlich geworden sind. Eine gewisse Grosszügigkeit zu Beginn eines neuen Dienstes spart Mittel für lange Jahre!

FI-1951 / 1.März-Ausgabe - WIR SAHEN und HÖRTEN
Der Fernsehdienst des NWDR im März 1951

Der Fernsehdienst des NWDR umfasst zurzeit rd. 80 Personen. Von diesen gehören 54 zum technischen Dienst (der in zwei Schichten arbeitet) und zur Verwaltungsabteilung; 26 Personen - davon die Hälfte das Spielensemble und die Ansager - gehören zur Programmabteilung. Es ist bemerkenswert, dass seit etwa 3 Wochen an jedem Sendetag aktuelle Interviews verbreitet werden, die in unmittelbarer Sendung bis zu 50 Minuten umfassen. Desgleichen werden recht systematisch "illustrierte Vorträge" aufgebaut, auch ein erstes geschlossenes Kabarett von 50 Minuten Dauer wurde gesendet.

Ende März wird nun der NWDR in Hamburg ein nach Terminen und Finanzierung fest gefügtes Fernseh-Entwicklungsprogramm vorlegen, das einmal klare Dispositionen für die Programmgestaltung zum Spätherbst erlaubt, zum andern aber auch eine bessere Basis für Sender- und Empfängerkonstruktionen ermöglichen dürfte.

FI-1951 / 1.März-Ausgabe - WIR SAHEN und HÖRTEN
3. Fernsehkamera für den NWD-F

Der Fernsehdienst des NWDR hat nunmehr seine dritte Kamera erhalten. Gleichzeitig soll versucht werden, in der Nähe des jetzigen Fernsehbunkers zwei grössere Räume, in denen zur Zeit Filmfirmen arbeiten, als Fernsehstudios zu benutzen. Der Plan eines besonderen Studios im Stadtzentrum von Hamburg ist fallen gelassen worden. Statt dessen sollen grössere Anlagen in Aussenbezirken erstellt werden, die jederzeit eine Erweiterung ermöglichen.

FI-1951 / 2.März-Ausgabe - WIR SAHEN und HÖRTEN
Das NWDR Sendezeichen

Der NWDR hat bisher bei der Wahl seiner Sendezeichen für den Fernsehdienst keine glückliche Hand gezeigt. Die erste Zeichnung war reichlich primitiv, die zweite hatte einen ausgesprochenen "Marken"-Charakter. Sie war jedoch immer noch ansprechender als das Sendezeichen, das seit den ersten Märztagen benützt wird. Es handelt sich um ein Schachbrett, in dessen Mitte vier Felder weiss gehalten sind, auf dem die Buchstaben NWDR stehen. Abgesehen davon, dass dieses Bild keinerlei Grautöne, die beim Einstellen wichtig sind, aufweist, fehlt das Wort Fernsehdienst, die Ortsangabe (oder sollte sie etwa fortbleiben?) und - jede Phantasie.

Wir glauben, daß zum Beispiel Mittel aus dem Kulturfonds ausgezeichnet für einen Wettbewerb für ein geschmackvolles, lebendiges, "sprechendes", praktisches und dabei doch schönes Senderzeichen höchst nützlich verwendet werden könnten. Es darf nie vergessen werden, dass die Visitenkarte einen Menschen einführt - und das Pausenzeichen einen Sender.

FI-1951 / 2.März-Ausgabe
Schwarzseher beim NWDR

Die gegenwärtig in Hamburg vorhandenen etwa 50 FS-Empfänger-Besitzer, die das Programm der Versuchssendungen des NWDR empfangen, sind gegenwärtig die einzigen legalen "Schwarzhörer" bezw. "Schwarzseher" in Deutschland, da vorerst noch keine Gebühren für den Fernseh-Empfang "erhoben" werden. Mit dem Ausbau des Fernsehens wird sich das jedoch ändern. Auf der kürzlichen Fernseh-Tagung in Hamburg wurde erwähnt, daß in Erwägung gezogen worden sei, die gegenwärtige Rundfunkgebühr für Fernseh-Teilnehmer auf 4 - 5DM zu erhöhen.

FI-1951 / 1.April-Ausgabe
Über die Fernseh-Abteilung des NWDR

So wird ein Stein zum anderen gefügt. Wir glauben, daß der Sommer viele neue
Aufgaben stellen wird, die bewältigt werden müssen, um zum Winter gerüstet zu sein. Wer sich den Aufbau der Fernseh-Abteilung einmal betrachtet, muß zugeben, daß er sehr sinnvoll und weitschauend vorgenommen worden ist. Die alten Berliner "Fernsehhasen" haben frühere Erfahrungen gut verwertet und ein ebenso festes wie ausbaufähiges Fundament gelegt. Die Abteilung Technik umfaßt die Bild- und Tonsender, Kameratechnik, Tonanlagen, die Filmstelle, Übertragungswagen, Laboratorien und Betriebsentwicklung sowie Empfangstechnik.

Wie der NWDR aufgebaut ist

Der Verwaltungsabteilung unterstehen Planungen und Neubauten, Beschaffungen, Lager, Bühnentischlerei, Hausverwaltung, Personalstelle, Buchhaltung, Kasse sowie Requisiten, Kostüme usw. Beide Abteilungen haben gemeinsam eine Werkstatt und die Aufnahmetechnik. Die Programmabteilung ist aus erklärlichen Gründen noch nicht so straff durchorganisiert, die Ansätze zeichnen sich in den Gruppen Fernsehspiel, Unterhaltung, aktueller Dienst aber schon ab. Sie kann ja nur entsprechend den technischen Möglichkeiten arbeiten; bis heute hat es sich bereits gezeigt, daß die bisherigen Gegebenheiten eine gute Ausgangsposition darstellen, wenn eine ruhige Entwicklung gewährt wird.

FI-1951 / 1.April-Ausgabe
Aufschlüsselung der NWDR Rundfunk Gebühren

Nach einer Mitteilung des Mitgliedes des HauptausSchusses des Nordwestdeutschen Rundfunks, Fritz Sänger, rechnet der NWDR-Voranschlag für das Rechnungsjahr 1951/52 nach Abzug der an die Post zu zahlenden 27 Mi11. DM mit 81 Mill. DM Einnahmen aus den Hörer-Gebühren. Von den 2 DM des Hörers behält die Post 50. Pfg., 62 Pfg. sind für das Programm bestimmt, 18 Pfg. bekommt die Technik, 7 Pfg. die Verwaltung, 26 Pfg. dienen Investitionszwecken, 9 Pfg. werden für den Aufbau des Fernsehens und 28 Pfg. für Rückstellungen und Reserven verwendet.

FI-1951 / 2.April-Ausgabe - NWDR
Fernseh-Etat 1951 des NWDR:

Fünf Millionen DM. 1,5 Mill.DM für laufende Kosten des Fernsehdienstes

Der Chefredakteur der "Deutschen Presseagentur" Fritz Saenger, wurde von einem Journalisten vor dem Mikrophon des NWDR über den Etat des NWDR interviewt. Saenger sprach in seiner Eigenschaft als Mitglied des HauptausSchusses des NWDR, dem er als Vertreter des Nordwestdeutschen Journalistenverbandes angehört. Es interessieren dabei besonders die Zahlen, die über den Fernsehdienst bekanntgegeben wurden. Der Fernseh-Etat für 1951/52 ist mit 5 Millionen festgesetzt. Das sind von den Gesamteinnahmen des NWDR (nach.Abzug von 25% für die Bundespost) in Höhe von 81 Millionen DM 6,2%.

Man wird diesen Betrag nicht als besonders hoch ansprechen können, wenn man verfolgt, in welchem erstaunlichen Masse das Fernsehen Fortschritte macht und immer neue Bereiche erobert. Wir glauben, dass es durchaus vertretbar wäre, wenn rund 10% des Gesamtetats des NWDR für das Fernsehen zur Verfügung gestellt würden, zumal heute, da hohe Anschaffungskosten berücksichtigt werden müssen.

Da ist zum Beispiel der Ankauf eines grösseren Fernseh-Geländes in Hamburg, dessen Summe, einschliesslich der Bauten, vielleicht mit 1,5 Millionen angesetzt werden muss. Wir nehmen ferner an, dass neue Sender, Übertragungswagen (für Hamburg und Köln und evtl. für West-Berlin), Sendegeräte usw. um 2 Mill.DM liegen werden, und das heisst, dass für die eigentlichen laufenden Kosten des Fernsehdienstes rd. 1,5 Millionen DM zur Verfügung stehen werden. Von diesem Betrag wiederum dürfte gut die Hälfte auf reine Programmkosten entfallen. Das ist nicht viel und der Fernsehdienst wird sich arg n^ch dieser sehr kurzen Decke strecken müssen. Es ist fraglich, ob das in Zeiten, die dem Aufbau und den Versuchen vorbehalten sind, richtig und günstig ist.

Und die anderen Rundfunkanstalten?

Immer wieder wird in offiziellen Erklärungen darauf hingewiesen, dass die westdeutschen Rundfunkanstalten gemeinsam einen Fernsehprogrammdienst aufbauen und durchführen "sollten".

Das ist zweifellos eine ebenso logische, naheliegende wie begrüssenswerte Planung. Sie setzt Erkenntnis und Einsicht, Weitblick und Gemeinschaftsarbeit voraus,die wir bis zum Beweis des Gegenteils gern annehmen wollen. Es wird sich bei allen Überlegungen nicht allein um finanzielle Fragen handeln, nicht um "Belange", sondern um die Verpflichtungen gegenüber der Hörerschaft, zum frühesten Termin und unter den für die Zuschauer günstigsten Bedingungen einen Fernsehdienst aufzubauen. Sollten sich da zu lang andauernde oder gar unüberwindliche Schwierigkeiten ergeben, so kann der NWDR auch allein einen Fernsehdienst bestreiten; es wäre allerdings zu bedauern, wenn die Hörer in anderen Gebieten verzichten müssten.

FI-1951 / 2.April-Ausgabe - WIR SAHEN und HÖRTEN
5 Mill. DM im NWDR Haushaltsetat 1951/52

Vom NWDR wird uns unter dem 21.4.1951 mitgeteilt; "Nach einem Beschluss des Verwaltungsrates des NWDR stehen für die Fortführung des Fernseh-Versuchsbetriebes im Haushaltsetat 1951/52 5 Mill. DM zur Verfügung. Damit ist die Weiterführung der Entwicklungsarbeiten sowohl der Programmseite, als auch der technischen Seite gewährleistet. Die ersten Sender konnten in Auftrag gegeben werden. Einen amtlichen Termin zu nennen, an dem der Versuchsbetrieb beendet und das allgemeine Publikums-Fernsehen eingeführt werden kann, ist dem NWDR jedoch nicht möglich."

FI-1951 / 1.+2. Mai-Ausgabe - DEUTSCHLAND
Holländische Fernseh-Delegation beim NWD-F

Alle Sendungen des NWDF standen bisher deutlich erkennbar unter den Bestrebungen, keine leichten Effekte zu erzielen oder um der gefälligen Wirkung willen das Niveau zu mindern. Der Fernsehdienst soll an dieser Linie festhalten; je sicherer sie festgelegt wird, desto bestimmender wird sie für die Zukunftsentwicklung sein. Es war für uns interessant, beim Besuch einer größeren holländischen Fernsehdelegation eine Äusserung des bekannten Rundfunkfachmannes und früheren niederländischen Ministerpräsidenten Gerbrandy zu hören, der erklärte: "Das Fernsehen in Hamburg hat mit kleinsten Mitteln Großes erreicht". Wir möchten dieses Wort eines sehr kritischen Beobachters (er sah ein über dreistündiges Programm, darunter nur 10 Minuten Filmsendung, das durchaus auch an jedem anderen Tage gesendet wird) hier verzeichnen, weil es den Kern der Sache trifft.

FI-1951 / 1.+2. Mai-Ausgabe - DEUTSCHLAND
Weitschauende Planung für den Fernsehdienst des NWDR

Neue Fernsehanlagen am Hamburger Stadtrand in Vorbereitung
(Von unserem Hamburger Mitarbeiter)- Hamburg, Anfang Mai

Der Verwaltungsrat des NWDR genehmigte auf seiner letzten Sitzung nach eingehender Prüfung die Skizzen für die Bauten, die auf dem Fernseh-Gelände in der Nähe von Hagenbecks Tierpark in Hamburg errichtet werden sollen.

Auf dem rund 30.000 Quadratmeter grossen Grund werden zunächst zwei Senderäume von je etwa 350qm Fläche und 12 Metern Höhe erstellt, die durch einen gemeinsamen Regieraum verbunden sind. Für 25 - 30 Büroräume (für das Programm, die Technik und die Verwaltung) ist ein Trakt von drei Stockwerken vorgesehen, während die Tischlerei und andere Werkstätten in Baracken neben diesen Bauten untergebracht werden.

Räume und Gebäude im Plattenbau

Die Sende- und Büroräume werden in Stahlskeletten und Plattenbau errichtet. Man rechnet damit, dass sie zum Winter unter Dach sein werden, um dann die Inneneinrichtung vornehmen zu können. Die Anlagen befinden sich auf einem Gelände, das geräuschgeschützt liegt; die Nähe des Tierparks wird es ausserdem erlauben, dass die Insassen häufige Besucher bei den Fernsehsendungen sein können. Es steht noch nicht fest, ob von diesen Neubauten eine Dezi-Strecke zum Sender eingerichtet wird; falls etwa sich Fluglinien störend bemerkbar machen sollten, wird ein Verbindungskabel vorgezogen werden.

Neben diesen Planungen, bei denen übrigens ausreichend Platz für Erweiterungsbauten vorhanden ist, sind noch Fernseheinrichtungen in Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen vorgesehen. Es handelt sich hierbei um kleine Studios und Einbauten in Sporthallen, aus denen später Übertragungen vorgenommen werden können.

Es ist zu begrüßen, daß der Verwaltungsrat die notwendigen Bewilligungen weitschauend und großzügig vorgenommen hat, um eine klare Planung für den Fernsehdienst zu ermöglichen. Gerade im Stadium der frühen Entwicklung ist es nötig, sicher disponieren zu können, um eine gesunde Grundlage für den späteren Aufbau legen zu können.
Wgf.

FI-1951 / 1.+2. Mai-Ausgabe - WIR SAHEN UND HÖRTEN
Grundsteinlegung beim NWDR (und mehr)

Am 9.Mai 1951 fand um 15 Uhr auf dem Gelände des Hamburger Funkhauses die Grundsteinlegung für das Mehrzweck-Studio-Haus statt. Bereits um 20 Uhr zeigte der aktuelle Teil des Fernsehens die ersten Bilder in Hamburg.
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Ebenso schnell war der NWDF mit der Berichterstattung von den Vorrundenspielen um den Davis Cup zwischen Deutschland und Jugoslawien in Agram. Das entscheidende Spiel fand am Montag Nachmittag statt. Gottfried von Cramm schlug den Jugoslawen Branovic und holte somit den entscheidenden dritten Punkt für den deutschen Sieg. Vor allen anderen Publikationsorganen brachte der Fernsehfunk das Ergebnis illustriert bereits um 20 Uhr.
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Dr. Werner Nestel, der stellvertretende Generaldirektor und technische Direktor des NWDR wird in Kürze eine Reise nach USA antreten, die vornehmlich dazu dienen soll, einen Überblick über den Stand der Fernsehentwicklung in den USA zu gewinnen. Dr. Nestel hat in den letzten Monaten bereits den französischen Fernsehrundfunk in Paris und den Fernsehdienst der BBC in London besucht.
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Die Regierung Lüneburg hat jetzt ihre Zustimmung zum Bau eines 70 Meter hohen Fernsehfunkturmes zwischen Garlstorf und Egestorf im Landkreis Harburg gegeben. Ferner sollen nördlich Langenhagen, Krs. Burgdorf, und nördlich Bergen, Krs. Celle, Fernsehfunktürme als Relaisstationen aufgestellt werden.


FI-1951 / 1.+2. Mai-Ausgabe - WIR SAHEN UND HÖRTEN
Ende April 1951 in Hamburg über 60 Fernseher in Betrieb

Ende April waren in Hamburg über 60 Fernsehempfangsapparate in Betrieb, die die Versuchssendungen des NWDF auf ihren Bildschirmen wiedergaben. Die FS-Empfänger-Besitzer, die zu den Stunden des Fernseh-Empfangs oft zahlreiche Gäste, darunter auch Studenten und Kinder aus der Nachbarschaft, haben, rufen meist nach den Sendungen telefonisch das Fernsehstudio des NWDF an und teilen mit, wie ihnen und ihren Gästen die Sendungen jeweils gefallen haben.

Durch diese "Seher-Anrufe" hat der NWDF eine bemerkenswerte Kontrollmöglichkeit über die Wirksamkeit der einzelnen Sendungen. Fast durchweg zeigt es sich, dass der gegenwärtig noch kleine Publikumskreis, dem die Hamburger Versuchssendungen zugänglich sind, sehr kritisch die Fernsehdarbietungen verfolgt.

FI-1951 / 1.Juni-Ausgabe - DEUTSCHLAND
Fernsehsender Hamburg wird verstärkt

Fernseh-Sendepause bis 23. Juni - Hamburg, Anfang Juni 1951

Wegen dringender technischer Umbauten führt der Nordwestdeutsche Fernsehrundfunk vom 3. bis 23.Juni keine Fernsehsendungen durch. In dieser Zeit wird der bisher in Betrieb befindliche 100-Watt Sender, dessen Reichweite sehr begrenzt und der als Richtstrahlsender auf eine Ausstrahlung in nördlicher Richtung eingestellt war, durch einen 1 Kilowatt-Rundstrahlsender ersetzt. Dieser Sender wird den Fernsehempfang im ganzen Stadtgebiet von Hamburg ermöglichen. Die weitere Umgebung von Hamburg wird erst dann am Fernsehempfang teilnehmen können, wenn das in Hamburg-Lokstedt im Bau befindliche neue Fernsehstudio in Betrieb genommen werden kann, das seine Sendungen dann über einen 10kW-Rundstrahlsender ausstrahlen wird. Die Reichweite dieses Senders, der u.a. auch die Städte Lübeck und Lüneburg erreichen soll, wird mit 60 - 80 Kilometern angegeben.

FI-1951 / 2.Juni-Ausgabe - DEUTSCHLAND
Stärkerer Fernsehversuchssender in Hamburg.

Ein stärkerer Fernsehsender wird, wie wir bereits in der ersten Juniausgabe der "Fernseh-Informationen" berichteten, zurzeit in den Betriebsräumen des NWDF in Hamburg installiert. Der neue Sender arbeitet nicht mehr im Wellenband von 3 Metern, sondern in dem seit längerer Zeit international festgelegten Bereich von 1,5m Wellenlänge, wie er auch bei den serienmässigen Fernsehempfangsgeräten der Industrie bereits vorgesehen ist. Die genauen Betriebsfrequenzen und Leistungen des neuen Senders sind:

  • Bild 189,25 MHz, 1 kW;
  • Ton 194,75 MHz, 0,3 kW.


Die Antennenanlage auf dem Dach des Hochbunkers auf dem Heiligengeistfeld wird ebenfalls in ihrer Wirkung verstärkt, sodass der Empfang im Bereich von Hamburg erheblich verbessert wird. Der Aufbau des neuen Senders machte im Juni eine mehrwöchige Unterbrechung der Fernsehversuchs Sendungen notwendig, eine Pause, die auch zur Überholung der gesamten Versuchsanlage benützt wird.

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