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überarbeitet von Gert Redlich ab Feb. 2014 - Eigentlich sprechen wir von einer Gazette - Es sind gigantische Textmengen (Buchstaben-Wüsten), die die Autoren der "FI" in den 58 Jahren zusammen getragen haben. Damit das überhaupt vernünftig zu lesen ist, haben wir die Inhalte in jährliche Themengebiete aufgeteilt, die aber nicht in jedem Jahr gleich sind.
Sehr wichtig ist, es wurden alle Informationen, die Texte und die Erkenntnisse genau in der Woche aufgeschrieben und nichts später ergänzt oder korrigiert.

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FI-1951 / 2.April-Ausgabe - WIR SAHEN und HÖRTEN
Curt Oertel erhält den "Oscar"

Curt Oertel, der für seinen Michelangelo-Film nun auch von amerikanischer Seite durch die Verleihung des "Oscar" die verdiente öffentliche Auszeichnung erfahren hat, und der seit Aufnahme der Fernseh-Versuchssendungen beim NWDR in Hamburg dort auch als Berater für Filmfragen wirkte, gehört jetzt, wie wir hören, dem Fernsehdienst des NWDR nicht mehr an. (Anmerkung: Er wurde schon 1950 nach Wiesbaden abgeworben.)

FI-1951 / 2.April-Ausgabe
AUSLAEDSÜBERBLICK und ANREGUNGEN - Frankreich
30 deutsche Intendanten in Frankreich

Auf Einladung der Kulturabteilung des französischen Aussenministeriums waren kürzlich 30 deutsche Theaterintendanten als Gäste des französischen Hochkommissars in Paris. An dieser Studienreise nahm auch Staatssekretär a.D. Dr. Sattler vom Deutschen Bühnenverein teil. Die deutschen Theater-Fachleute hatten eine Woche lang Gelegenheit, die baulichen Anlagen der Pariser Theater zu besichtigen und interessanten Bühnenaufführungen beizuwohnen. Sie besichtigten auch eingehend die Pariser Fernseheinrichtungen. Ausserdem hatte Dr. Dieter Sattler, der auch Vorsitzender des Rundfunkrates beim Bayerischen Rundfunk in München ist, eine besondere Besprechung mit Direktor Mallein von der Radiodiffusion et Television Francaises und Mr. Hebarre, dem Justitiar des französischen Fernsehens.

Die Gäste hatten wenig Ahnung vom Fernsehen

Die Mehrzahl der in Paris anwesenden deutschen Bühnenintendanten zeigte sich über das "Phänomen Fernsehen" noch sehr wenig informiert und gegenüber diesem neuen, auch im Künstlerischen ausserordentlich entwickelbaren Ausdrucksmittel in einigen Vorurteilen befangen. Verschiedene der Bühnenleiter wollten in der Television lediglich eine abschätzige Konkurrenzierung des Theatergeschäfts sehen.

Fast sensationell wirkten dann auf sie die Ausführungen Eric Charell's, der gegenwärtig gerade in Paris ist, über die Television, ihre künstlerischen Möglichkeiten und vielgestaltigen Auswirkungen in Amerika. Charell steht eindeutig positiv zum Fernsehproblem. Er beruhigte die deutschen Theaterdirektoren hinsichtlich der "Konkurrenzgefahr", berichtete ihnen auch von seinen früheren Berliner Erfahrungen und hob hervor, wie gerade das damals aufkommende Radio mithalf, sein Grosses Schauspielhaus zu füllen.

Wunschdenken der Intendanten

Das Fernsehen wird auch tatsächlich keine Gefahr für die Bühnen bedeuten, wenn sie mit hohen künstlerischen Leistungen das Publikum ansprechen können, das auch den Reiz des gesellschaftlichen Rahmens für künstlerische Darbietungen zu schätzen weiss. Durch eine verständnisvolle Zusammenarbeit zwischen Bühne und Fernsehen - für die es viele praktische Möglichkeiten gibt, können aber den leistungsfähigen Theatern grössere Besucherschichten erschlossen werden. Auf die Probleme einer aussichtsreichen Zusammenarbeit zwischen Theater und Fernsehen werden wir zu gegebener Zeit noch ausführlicher zurückkommen.

Zahl der Ehescheidungen beträchtlich vermindert ??

Bei der Budgetdebatte über den Funk-und Fernseh-Etat in der französischen Kammer wies der Vorsitzende der parlamentarischen Pressekommission hinsichtlich der Auswirkungen des Fernsehens auf das öffentliche Leben u.a. auch darauf hin, dass unter dem Einfluss der Television die Zahl der Ehescheidungen in Frankreich sichtlich zurückgehe. Auch aus England wird berichtet, daß das Fernsehen eine verstärkte "Rückkehr zum häuslichen Leben" hervorgerufen und die Zahl der Ehescheidungen beträchtlich vermindert habe.

FI-1951 / 1.+2. Mai-Ausgabe - DEUTSCHLAND
Ein holländisches Urteil über den "NWD-F".

"Das Fernsehen in Hamburg hat mit kleinen Mitteln Großes erreicht."  (Von unserem Hamburger Mitarbeiter)

Der Fernsehdienst des NWDR tastet sich langsam von Versuch zu Versuch weiter, und wer ihn aufmerksam beobachtet, wird erkennen, dass beachtenswerte Fortschritte erzielt werden. Es ist zunächst festzustellen, dass bis auf verschwindende Ausnahmen rein technisch keine Störungen im Ablauf zu verzeichnen sind.

Um dies richtig würdigen zu können, muss man sich immer wieder die Enge des Senderaumes vor Augen halten, muss man bedenken, dass weder ein Magnetofon vorhanden ist (ein Mangel, der schon längst behoben sein könnte) noch ein Mischpult, das vielfältige Überblendungsmöglichkeiten an Stelle der "Schnitte" gewährleisten würde. Aber die Mannschaft, vor allem die Männer an der Kamera, sind bereits so eingefahren, dass sie ihre Aufgaben mit bemerkenswerter Sicherheit und großem Einfallsreichtum bewältigt.

Gewisse Mängel treten noch bei der Ausleuchtung und in der Tonwiedergabe auf, zwei Gebiete, die ausserordentlich schwer zu bewältigen sind. Immer neue Versuche werden jedoch auch hier zunehmend Wandel schaffen. Es fehlt weder am guten Willen noch an Schaffensfreude bei allen Mitwirkenden, an die wirklich ungewöhnliche Anforderungen gestellt werden.

Programmleistung in der Entwicklung

Die räumliche Beengung erschwert den Sende- wie den Probenbetrieb in gleicher Weise. Wenn nicht Oberspielleiter Farenburg aus seiner Erfahrung heraus immer wieder Lösungen aus allen Nöten fände, dann würde es kaum möglich sein, so manche gute Programmleistung Woche für Woche zu vollbringen. Die in sich geschlossenste Sendereihe ist die Kinderstunde geworden, die Dr. Ilse Obrig einfallsreich aufbaut (Es wird jedoch gut sein, wenn sie sich nur an die Kinder wendet und nicht abwechselnd an die Erwachsenen und die Kleinen). Sie hat neuerdings ihre Mitwirkenden in Gruppen eingeteilt, die sie abwechselnd mit Bilderrätseln, gemeinsamem Musizieren, gymnastischen Übungen oder improvisierten Spielszenen beschäftigt. Wer regelmäßig Kinder am Empfänger beobachtet hat, kann feststellen, dass in den Mittwoch-Nachmittag-Sendungen richtige Wege beschritten werden, und dass die ebenso aufmerksamen wie kritischen kleinen Zuschauer durchaus gefesselt sind.

Die Hohensteiner Puppenspieler

Sehr reizvoll war die erste Vorführung der Hohensteiner Puppenspieler; wir glauben, dass sie vor allem in den Kinderstunden mit Begeisterung begrüßt würden. Neu eingeführt ist als weitere "Premiere" zu Beginn der Abendsendung die Wetterkarte. Sie ist - gegenüber den Veröffentlichungen in der Presse - einfacher und damit deutlicher gehalten. Auch die Erläuterungen sind leicht verständlich, es könnte nur auf die Formulierungen und die Sprache der Vortragenden etwas mehr Wert gelegt werden.

Wir sahen ferner die erste Sendung für den Briefmarkenfreund mit ausgezeichneten Diapositivwiedergaben, nur die Erläuterungen zu den Marken mit Rundfunkmotiven waren weder vollständig noch in allen Angaben richtig. Sehr zu begrüßen war es, dass Dr. Feese seine mikroskopischen Versuche erweitert ins Abendprogramm brachte; die Demonstrationen von Daphnien, Algen und neuerdings auch Infusorien zeigten, welche hochbedeutende Rolle das Fernsehen mit solchen Sendungen einmal spielen wird. Hier sind Ansätze, die garnicht sorgsam genug gepflegt werden können.

Interviews, Sportbericht und Boxkursus

Mit Freude haben Fernsehzuschauer, die früher schon in Berlin die Programme verfolgt haben, Charlotte Mentzel wieder begrüsst. Sie hat nichts an ihrer zupackenden Sicherheit und an ihrem Geschick, ein Interview zu führen, verloren. Wir sahen sie in einer Kosmetikstunde für die Frau, bei einer Modenschau mit Hilde Weisner und bei einem Interview einer Sportlerin. Charlotte Mentzel ist eine so abgerundete Persönlichkeit, dass sie allen Partnern und Themen gewachsen ist, und sie hat ein feines Gefühl für den Aufbau einer Sendung.

Es ist interessant zu verfolgen, mit welcher Experimentierfreudigkeit Jürgen Roland die Zeitdienstsendungen anpackt. Hier liegen die größten Schwierigkeiten des Programms, nicht nur wegen der geringen Möglichkeiten, Proben durchzuführen, sondern auch wegen der wechselnden Aufgabenstellung. In jeder Weise geglückt war der Bericht von dem Boxkampf Heinten Hoff gegen G. Jones. Roland erzählte fesselnd von seinen Beobachtungen als Zuschauer in Berlin, er gab Atmosphäre, eine klare Schilderung des Kampfes und sichere Wertungen. Die 20-Minuten Sendung wurde durch Stehphotos und Filmstreifen aufgelockert und gut illustriert; es war ein Thema, das Roland auf den Leib geschnitten ist. Man merkt es auch bei seinem Boxkursus, den er zusammen mit Kuddel Schmidt, Schirrmann und einem Sekundanten durchführt. Er verbindet recht ansprechend Belehrung und Darstellung; wir glauben, dass diese Reihe interessierte Zuschauer findet.

Die Zeitdienstsendung muss intensiviert werden

Noch nicht gelöst ist die Zeitdienstsendung. Das "Bild des Tages" ist längere Zeit nicht aufgetaucht, und wenn neulich zum ersten Male ein Bild zu einem Gedenktag (Shakespeare) gezeigt wurde, dann möchte man dies nicht nur als eine einmalige Einrichtung sehen. Diskutieren kann man auch über den Aufbau der Gedenksendung zum Tode des englischen Aussenministers Bevin. Wenn zuerst nur ein Sprecher im Bild gezeigt wird, dann hätte der Fernsehdienst versuchen müssen, dafür eine Persönlichkeit zu gewinnen, die mitten im politischen Leben steht; man könnte z.B. an Bürgermeister Brauer denken. Sonst wäre es besser gewesen, wenn zu den vorgelesenen Worten zunächst ein Stehbild gezeigt worden wäre, dann (wie geschehen) der Filmstreifen und abschliessend ein zweites Stehbild einige Zeit ohne Text.

Der Zuschauer sitzt immer an der anderen Tischseite

Der Fernsehfunk wird gut daran tun, alle Mitwirkenden immer wieder auf das Persönliche ihrer Aussage aufmerksam zu machen. Ein offenbar geplanter "runder Tisch" über die Caux-Bewegung (moralische Aufrüstung) litt einmal darunter, dass fast alle Personen einen Stichwortzettel deutlich sichtbar in den Händen hielten, zum anderen, dass sie kleine Ansprachen hielten, anstatt ganz einfach von Mensch zu Mensch zu sprechen.

Der Zuschauer sitzt immer "an der anderen Seite des Tisches", das muß als oberstes Gesetz bedacht werden, wenn man ihn in die Sendung einbeziehen will. Aus dem gleichen Grunde konnte auch der Vortrag van Prof. Keyser über Städte des Mittelalters nicht gefallen, während die Darlegungen von Prof. Grundmann über die Geschichte der Glocken, durch gute Diapositive untermalt, sehr ansprechend, ja fast zu elegant waren.

Auch die Ansager (unter denen Irene Koss sicherer geworden ist, während Versuche mit Männern völlig scheiterten) müssen vergessen, dass sie einmal Schauspieler waren. Bei den Einführungen gilt nur das echte, während alles Einstudierte gezwungen wirkt. Wir wollen aber nicht versäumen zu erwähnen, daß sehr wohl bemerkt wurde, dass neuerdings die Kleider der Sprecherinnen auf die nachfolgende Sendung abgestimmt werden. Ein durchaus richtiger Einfall.

Wagenführ

FI-1951 / 1.+2. Mai-Ausgabe - DEUTSCHLAND
Deutsches Fernsehtheater in der Gestaltung.

Das Fernsehtheater ist eine neue Kunstgattung, die dem Regisseur, dem Bühnenbildner und den Schauspielern reizvolle Aufgaben stellt. Das Fernsehtheater zählt zu den beliebtesten Programmgattungen im amerikanischen, britischen und französischen Fernsehfunk. Es dürfte auch in der deutschen Fernsehprogrammgestaltung eine besondere Rolle spielen. Am 2. März 1951 brachte der NWDF in Hamburg in seinen Versuchssendungen die Premiere des deutschen Fernsehspiels, und zwar Goethes "Vorspiel auf dem Theater" aus dem "Faust" in der Inszenierung von Hanns Farenburg; ein denkwürdiges Ereignis für die Gestaltung des Fernsehens in der Nachkriegszeit.

Bedauerlich, dass es damals nur in Hamburg auf etwa 50 Bildschirmen wahrgenommen werden konnte. Es wäre eine gute Studienmöglichkeit für alle an der Entwicklung des deutschen Fernsehtheaters interessierten Kreise gewesen. Farenburg, der die ersten Regiegrundsätze für das Fernsehspiel in seiner Tätigkeit am Fernsehrundfunk in Berlin erarbeitet hat, gestaltete diese Premiere zu einem überzeugenden Erfolg.

FI-1951 / 1.+2. Mai-Ausgabe - DEUTSCHLAND
Zwei neue Fernsehspiele in Hamburg

Nach dem guten Start des Fernsehspiels beginnt sich das Fernsehtheater im
NWDF in Hamburg weiter zu entwickeln. Der Fernsehdienst des NWDR wird Ende Mai und Anfang Juni zwei neue Stücke unter der Spielleitung von Hanns Farenburg senden.

Der Bühnenbiidner Joksch hat bereits die Modellentwürfe fertiggestellt und die Proben haben begonnen. Nach dem klassischen "Vorspiel" kommt nun als erstes ein heiter-besinnliches Spiel um das Totoglück unter dem Titel "Sonnabend Abend - Sonntag - Montag" von Peter A. Hörn, der schon früher zahlreiche Fernsehbearbeitungen vorgenommen hat.

6 Schauspieler in einem Ministudio

Bei diesem Stück liegt es Farenburg besonders daran, in fünf Dekorationen sechs Menschen zu bewegen und ein hübsches Unterhaltungsspiel locker zu gestalten. Das weitere Fernsehbühnenspiel bewegt sich vor einem etwas düsteren Hintergrund. Es ist aus dem Englischen übersetzt und führt den Titel "Es war der Wind". Eine unheimliche Geschichte von einem Talisman, eine Affenpfote, die den Besitzern die Erfüllung von Wünschen verspricht und Unglück bringt. Hier sind die fünf Dekorationen, ausserordentlich geschickt verschaltet, in einem einzigen Raum untergebracht, jedoch so gegliedert, dass den Kameras alle Schussmöglichkeiten gegeben sind. Farenburg will dieses Spiel vornehmlich vom Bildlichen her gestalten, also die ganze Spannung und Atmosphäre mehr aus dem Bild, als aus dem Wort entstehen lassen.

Erstmalig Trennung von Proben und Sendestudio

Dabei wird gleichzeitig ein zweiter Versuch unternommen. Die Kulissen werden in Räumen aufgebaut, aus denen die Sendung - nicht stattfindet. Alle Proben finden in dem neugemieteten Saal des 2. Hochbunkers statt, der nahe am Fernsehstudio liegt. Erst die beiden letzten Proben werden mit allen Dekorationen usw. in den eigentlichen Senderaum verlegt; vorher soll und darf der normale Programmbetrieb nicht gestört werden. Man darf gespannt sein, wie dieser Versuch verläuft, glückt er, dann wäre auch eine geschickte Lösung gefunden, um dem Mangel an Proberäumen zu begegnen.

"Das Vorspiel auf dem Theater" von Goethe war kein "echtes" Fernsehspiel, also kein Stück, das für die Besonderheiten des Fernsehens geschrieben ist. Die jetzt zur Aufführung gelangenden Stücke tragen den fernsehtechnischen Erfordernissen schon mehr Rechnung. Dringend notwendig wird es allerdings sein, dass der Fernsehdienst des NWDR endlich ein Magnetofon erhält, das schon seit einem halben Jahr überfällig ist.

FI-1951 / 1.+2. Mai-Ausgabe - WIR SAHEN UND HÖRTEN
Geplante Gründung eines Fernseh-Archivs

Bei dem Zeitungswissenschaftlichen Institut der Universität München wurde ein unter Leitung von Professor d'Ester stehendes Fernseh-Seminar eingerichtet, dessen Aufgaben die Gründung eines Fernseh-Archivs, die Aufklärung der Studierenden über die einschlägigen Probleme dieses neuen Zweiges der Publizistik, die Heranbildung eines Nachwuchses für die künftige Gestaltung des deutschen Fernsehens und Vorarbeiten für die Fernseh-Programmgestaltung sind.

Über die Konkurrenz des Fernsehens

"Mit einiger Beklemmung sieht die Theaterwelt der Konkurrenz des Fernsehens entgegen", erklärte Dr. Dieter Sattler, Präsident des Deutschen Bühnenvereins und Vorsitzender des Rundfunkrats des Bayerischen Rundfunks, in einem Kurzbericht "Westdeutsches Theater in Zahlen".

"Berichte aus Amerika besagen", so fährt er fort, "dass an den Abenden, an denen die Fernsehsender Übertragungen der grossen Gangsterprozesse brachten, alle Theater leer waren. Doch liegen in Deutschland die Verhältnisse anders und vertrauenswürdige Fachleute der Theaterwelt lassen sich in ihrer Hoffnung in die Zukunft der deutschen Bühnen nicht beirren."

Wir sehen darin keinen Nachteil, wenn Millionen demokratischer Staatsbürger mit leidenschaftlicher Anteilnahme an ihren Fernsehempfängern die vom Sonderausschuss des amerikanischen Senats (Kefauver-Komitee) durchgeführten öffentlichen Verhöre über organisiertes Verbrechertum und Korruption im Staate verfolgen können und ein "dokumentarisches Bild" über gefährliche Zersetzungserscheinungen des öffentlichen Lebens und über das, was "faul im Staate ist", in eindrucksvoller Form gewinnen. Die dadurch hervorgerufene Abwehrreaktion der Nation wiegt wohl bei weitem den Verlust auf, der daraus entstehen könnte, dass an einigen Abenden die amerikanischen Bühnen und Filmtheater, deren Repertoire weitaus überwiegend auf kassenmässige Wirkung abgestellt ist, leer bleiben.

FI-1951 / 1.+2. Mai-Ausgabe
AUSLANDSÜBERBLICK und ANREGUNGEN - England
Fernsehübertragung eines Schachspiels

Anschließend an die Mängel auf der Ausstellung "Festival of Britain" dies hier : Uneingeschränktes Lob dagegen wird der Fernsehübertragung des Schachspiels mit lebenden Figuren zwischen dem englischen Meister R.J. Broatbend und dem französischen Meister Rossolimo ausgesprochen. Die Figuren dieses Schachspiels wurden von Schülern der East Noor Scool in roten und goldenen Kostümen dargestellt. Die aus dem Spiel geschlagenen Figuren wurden jeweils von "Bobbies" in "Polizeigewahrsam" genommen und bewacht. Die von dem früheren englischen Schachmeister Noel Johnson kommentierte Fernseh-Übertragung dieses Spiels sei wirklich sehr interessant gewesen, die vielen visuell reizvollen Momente des Spiels seien von den Kameras ausgezeichnet eingefangen worden und auf den Bildschirmen gut zur Geltung gekommen.
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Cecil Madden, der seit 1946 die Kinderstunden des BBC-Fernsehdienstes leitet (und seit 1936 dem Fernsehdienst angehört), wird eine andere Tätigkeit beim Fernsehdienst übernehmen; seine Nachfolgerin wurde Miss Freda Lingström, die dem Schulfunk der BBC angehörte.

FI-1951 / 1.+2. Mai-Ausgabe
AUSLANDSÜBERBLICK und ANREGUNGEN - USA
Neuer Preis der amerikanischen Rundfunk-Akademie

Die amerikanische Rundfunk-Akademie hat die "Michael", das Gegenstück des Fernsehfunks zu den "0scars" Hollywoods, in diesem Jahr den Humoristen Jack Benny und Groucho Marx sowie der Rundfunk Sängerin Dinah Shore für die besten Fernsehdarbietungen im letzten Jahr verliehen.

An der Spitze der anspruchsvolleren Darbietungen im amerikanischen Fernsehen steht gegenwärtig das "Pulitzer Price Playhouse" (Pulitzer Preistheater) mit einstündigen Sendungen gedrängt nacherzählter Stücke von Weltruhm, die sämtlich den von Autoren heiss ersehnten Pulitzer-Preis gewonnen haben.

Einen grossen Erfolg im USA-Fernsehen verzeichnet auch Van Druters berühmtes "Life with mother" (Leben mit der Mutter). Es handelt sich hierbei um eine würdige Fernsehbearbeitung des Stückes mit dem sensationellen Bühnenerfolg. Dieses Werk wird im Fernsehen in Fortsetzungen gesendet. Damit findet erstmalig auch der Fortsetzungs-Roman Eingang in das Fernsehprogramm.

FI-1951 / 1.+2. Mai-Ausgabe
AUSLANDSÜBERBLICK und ANREGUNGEN
Nach Redaktionsschluss berichtet:

"Unterhaltende Wissenschaft" im Hamburger Fernsehen. Hamburg, 20. Mai 1951

Die Fernsehabteilung des NWDR "Kunst und Wissen" (Leitung: Dr. Ostkamp) hat, nachdem unsere heimischen Singvögel aus dem Süden zu ihren Nistplätzen im Norden zurückgekehrt sind, den Ornithologen Dr. Lage gebeten, über die Lebensgewohnheiten dieser Singvögel in einer Fernsehsendung zu berichten. Mitwirkende: Amsel, Drossel, Fink und Star...

In weiteren Sendungen wird Prof. Zylmann seine interessanten prähistorischen Gespräche über "Die Eisenzeit" fortführen. Der Leiter des Hamburger Naturschutzamtes, Karl Duwe, wird sich für den Naturschutz einsetzen, während Dr. Hermann-Malente in seiner ägyptischen Reihe über "Ägypten heute" berichten wird. Der Journalist Eberhard Döll wird an Hand von reichem Anschauungsmaterial von einer Reise nach Finnland erzählen.

Das deutsche Tanzmeisterpaar Ursula und Herbert Heinrici wird im Hamburger Fernsehrundfunk moderne Tanzformen vorführen. Nach den Box- und Schachkursen können die Fernsehteilnehmer nun auch ihre Kenntnisse im Gesellschaftstanz auffrischen.

Infolge der zahlreichen Feiertage in diesem Monat erscheinen die beiden Mai-Ausgaben der "Fernseh-Informationen" als zusammengefasste "Doppelnummer".
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FI-1951 / 1.Juni-Ausgabe - DEUTSCHLAND
Hamburger Landwirtschaftsausstellung in der Fernsehübertragung.

Am Sonntag, dem 27. Mai vormittags um 11 Uhr stand auf den Fernsehempfängern überraschend klar ein bisher ungewohntes Bild: eine menschenbesetzte Tribüne, ein weites Vorfeld, umsäumt von Hallen und Zeiten und besteckt mit wehenden Fahnen. Langsam schwenkten die beiden Kameras über das Gelände, bis sie - mit einem zum ersten Male verwendeten Teleobjektiv - ganz nah und deutlich vom fernen Hintergrund Hamburgs Wahrzeichen, den "Michel" heranholten. Gleichzeitig wurde diese erste, unmittelbare Übertragung eines aktuellen Ereignisses nach Kriegsende angekündigt, und schon trat am Rednerpult auf der Tribüne der erste Sprecher ins Bild. Während seiner Ansprache schwenkten die Bildfänger bisweilen über die Festgäste und die Zuschauer am Rande des Feldes.

Nach den Reden von Bürgermeister Brauer und Bundesminister Niklas wurde die Pause bis zu den Vorführungen geschickt durch eine Unterredung zwischen dem Berichter Jürgen Roland und dem Geschäftsführer Mayer-Schalburg überbrückt. Dann bekamen die beiden Kameras, die ausserordentlich lebendig und geschickt geführt wurden, viel zu tun.

Und nahezu perfekt ganz ohne Panne

Eine Quadrille preisgekrönter Vierspänner wechselte ab mit Vorführungen von Kaltblütern, Halbblut und schliesslich mit Demonstrationen von einem ganzen Rudel Trecker. Es war erstaunlich, welchen grossen Bereich die Kameras "einfangen" konnten und mit welchen weichen, gleitenden Bewegungen sie die Ereignisse verfolgten. Keine einzige technische Panne trat ein, über 1 1/2 Stunden lang folgte man gespannt am Empfänger daheim den Vorführungen. Sie wurden - für die Zuschauer am Ort - durch einen Fachmann kurz erläutert, der Fernsehsender übernahm diese Ansagen, die über Grosslautsprecher verbreitet wurden. Sie waren für diese Übertragung durchaus ausreichend, wenn es auch zweckmässiger sein wird, für den Laien am Empfänger später noch dieses oder jenes erläuternde Wort durch einen mit der Materie vertrauten Berichter sprechen zu lassen.

Acht Jahre Pause mühelos überbrückt

Wenn ich mich recht erinnere, fand die letzte Übertragung eines aktuellen Ereignisses im Jahr 1943 statt. Selbst der kritische Beobachter muss zugeben, dass die acht Jahre unfreiwilliger Pause mühelos überbrückt worden sind; Männer wie Below, Schwarz, Hessling, Farenburg, Sester, Reimers usw. und ihre Arbeitskameraden haben nichts verlernt. Hier zeigt es sich deutlich, welche Früchte es trägt,erfahrene Fachleute heranzuziehen und - auch das ist wichtig - ihnen die nötige Bewegungsfreiheit sowie Mittel zur Verfügung zu stellen.

Leider hatte der Verwaltungsrat des NWDR an diesem grossen Tag seine monatliche Sitzung turnusgemäss gerade in Köln; wir zweifeln nicht, dass ein Betrachten dieser Sendung überzeugender für die künftige Fernsehplanung gewirkt hätte als viele Diskussionen, Reisen und Untersuchungen.

Weitere Direktübertragungsversuche :

Die Erfahrungen, die bei dieser Übertragung gemacht wurden, werden jetzt
während einer Pause, in der der Fernsehsender umgebaut wird, ausgewertet. Man kann erwarten, dass in den kommenden Monaten einige weitere Versuche gemacht werden, die naturgemäss erst dann ausgebaut werden können, wenn ein Übertragungswagen fertiggestellt sein wird. Das ist nicht zuletzt dringend notwendig, weil - wie man hört - vielleicht im Herbst die Hamburger Fernsehgruppe für eine Reihe von Vorführungen nach Bonn und Berlin gehen wird. Untersuchungen über die Möglichkeiten und die Kosten eines solchen Gastspiels werden bereits durchgeführt. Nach ihren Ergebnissen werden die endgültigen Entscheidungen fallen.

Programmgestaltung der letzten Wochen

In den letzten Wochen hat der Fernsehdienst des NWDR eine ganze Reihe recht
ansprechender Programme verbreitet. Besonders gefielen zwei Unterredungen, die Dr. Rieschel mit den beiden Komponisten Hans-Martin Majewski und Lothar Olias geschickt, locker und geschmackvoll gestaltete.

Sie wurden durch gut ausgewählte Filmausschnitte belebt. Man kann nur wünschen, dass diese (übrigens offenbar sehr sorgsam vorbereiteten) Interviews fortgesetzt werden. Ebenso positiv sind die neuen Sendungen von Dr. Feese zu werten, der mit seinen Mikroprojektionsgeräten die Wunder der Natur einfing und uns das Wachsen von Kristallen und das Verhalten von winzigen Krebsen zeigte. Das sind ungewöhnlich fesselnde Sendungen, die der Verantwortliche mit guten, leicht verständlichen Erläuterungen begleitet. Gut in ihrer persönlichen Art des Plauderns war auch eine Sendung für den Briefmarkenfreund, deren Diapositive als eine kleine Weltreise zusammengestellt waren.

Unser Interesse konnten auch Unterredungen über Erdbebenfragen (lebendig in Aufbau und Material, jedoch etwas steif in der Gesprächsführung) und über das Thema "Wie entsteht ein Hut?" (wohlüberlegt in der Gestaltung, jedoch im Aufbau nicht ganz ausgeglichen) finden. Unter den bunten Abenden gefielen besonders ein Tanzabend mit Erwin Hoffmann, ferner Henry Lorenzen mit seinen mimischen Szenen und der Holländer Gonsmar mit seinen Gesangsimitationen. (Nur auf die einleitenden Worte kann ohne Verlust verzichtet werden). Auch den Regisseuren, Bühnenbildnern und Kameramännern gebührt ein Lob für die lebendige und sichere Durchführung.

Zeitdienstsendungen müssen mehr gepflegt werden

Verschiedentlich hat der NWDF neuerdings längere Pausen, die durch die
räumliche Enge bedingt sind, auch mit Musik unterlegt. Unter vielen Versuchen, auch Männer als Ansager einzusetzen, kann nur einer begrüsst werden: es gefiel Langhoff, den wir aus dem "Vorspiel auf dem Theater" kennen.

Die kleinen Gedenksendungen, die wenige Minuten Bild und Text umfassen, haben sich gut eingeführt. So begrüssenswert Würdigungen von Schiller, Dante, von Guericke, Dürer, Rubens, Ibsen oder von Liebig sind, so darf diese Sendung jedoch nicht dazu führen, dass nun seit einigen Wochen das aktuelle Bild des Tages ganz verschwunden ist. Wir glauben, dass es sich für spätere Zeiten ungünstig auswirken kann, wenn die Zeitdienstsendungen so in den Hintergrund treten. Sie müssen nicht anders gepflegt und entwickelt werden wie die künstlerischen Programme. An Themen und Möglichkeiten mangelt es nicht.

FI-1951 / 1.Juni-Ausgabe - DEUTSCHLAND
Ein halbes Jahr Programmgestaltung im Versuchssender.

Eine kritische Betrachtung. Von unserem Hamburger Mitarbeiter Wgf.

Das Datum des 27. Mai ist für die Nachkriegsentwicklung des deutschen Fernsehens in doppelter Weise bemerkenswert. An diesem Tage wurde nicht nur die erste Direktübertragung eines aktuellen Ereignisses durchgeführt, sondern der Fernsehrundfunk des NWDR kann nun auch auf 6 Monate Programmdienst zurückblicken. Wie spiegelt sich eine Halbjahresbilanz in Zahlen wider?

325 Einzelprogramme gesendet

Von den 181 Tagen (vom 27.11.50 bis 26.5.51) wurde an 60 Tagen gesendet, und zwar im Ganzen über 116 Stunden mit rd. 325 Einzelprogrammen. In dieser Zeitspanne wurden an mehreren Tagen im Rahmen zweistündiger Programme nur 10 bis 15 Minuten Filme verbreitet, der Kinderfunk ist mit 8 einstündigen unmittelbaren Sendungen vertreten. Wir sahen viermal das "Vorspiel auf dem Theater", an drei Abenden die "Hohnsteiner Puppenspieler", 29 Kabarettsendungen, 7 Tanzabende, 44 grössere oder kleinere Sendungen, die unter die Gruppe Vorträge und Interviews fallen und 58 Programme, die zeitdienstähnlichen Charakter hatten.

Es wurden 31 Wochenschauen, 31 Spielfilme und 62 Kultur- bzw. Kurzfilme gesendet. Wenn in den ersten vier Wochen das Verhältnis (nach Minuten) von Filmsendungen zu unmittelbaren Sendungen 89% zu 11% war, so wandelte es sich im Mai in 21% gegen 79%; im gesamten Zeitraum des Halbjahres nahmen die Filmsendungen 60% ein.

Der Film im Fernsehen

Betrachten wir diese Entwicklung noch einmal in den Monaten Februar bis Mai 1951, dann stellen wir fest, dass die Zahl der Spielfilme von 8 im Februar über je 4 im März und April auf 2 im Mai sank, die Zahl der Woohenschausendungen von 6 im Februar über je 8 im März und April auf 6 im Mai und die der Kulturfilme von 12 im Februar über 9 im März auf 16 im April und 17 im Mai stieg. Die Zahl der für die Filme verwendeten Minuten fiel gleichzeitig von 690 im April auf 460 im Mal (von rd. 1800 Minuten der Gesamtsendezeit; im April waren es 1600 Minuten).

Nun muss eine Programmlinie entwickelt werden

Es sollen bei einem Rückblick aber nicht nur Zahlen sprechen. Wir haben eine kluge und weitschauende Planung auf technischem (Dr. Below) und wirtschaftlichem Gebiet (H. J. Hessling) festgestellt, durch die aus zum Teil völlig unzureichenden Möglichkeiten das Beste gemacht wurde. Man braucht nur einmal den 72 Quadratmeter grossen (oder besser kleinen) Senderaum zu sehen und damit zu vergleichen, welche Wirkungen auf der Bildfläche erzielt werden, dann kann niemand den Erfolgen die Achtung versagen. Der Programmbetrieb ruht ganz auf den Schultern von Hanns Farenburg, der vor kurzem zum Programmleiter ernannt wurde. Als Regisseur stellte er sich im "Vorspiel" erfolgreich vor, in etwa einem Monat wird seine zweite Inszenierung folgen. Zurzeit zieht ihn die unwahrscheinlich umfangreiche, tägliche Kleinarbeit von seinem Lieblingsgebiet stark ab.

Ein sehr gutes Team

Als Gewinn zeichnete sich die Arbeit der Berichter Roland , Frl. Mentzel und Dr. Rieschel ab, unter den Vortragenden stehen Prof. Zylmann und mit seinen Demonstrationen Dr. Feese an erster Stelle. Frau Ilse Obrig konnte schon manchen Erfolg bei der fernsehmässigen Gestaltung der Kinderstunden erzielen und E. Fuchs, der Leiter der Bunten Abende, hat im Rahmen seiner Möglichkeiten eine geschmackvolle Auswahl für Tanz- und Kabarettsendungen getroffen.

Alle werden durch die Kameramänner (vornehmlich Sester und Reimers) und durch Bühnenbildner Joksch aufs Beste unterstützt; unter den Ansagern konnte sich bisher nur Frl. Irene Koss durchsetzen. Schwierigkeiten sind noch auf vier Gebieten zu überwinden: die Ausleuchtung und Tonwiedergabe ist bisweilen unbefriedigend, der Zeitdienst (behindert durch das Fehlen eines Ü-Wagens) ist nicht aktuell genug und der Gesamtaufbau des Programms noch unübersichtlich. Wenn auch die Arbeit jetzt vornehmlich unter der Frage steht: "Was kann man schon senden ?", so wird man in etwa 3 bis 4 Monaten auch darauf achten müssen, eine Programmlinie zu entwickeln. In diesem Zeitraum ist auch Gelegenheit, eine Reihe von unverständlichen Verzögerungen, die durch unzureichende Etatisierung oder verschleppte Planungen entstanden sind, auszugleichen. Die Gesamtbilanz aber ist positiv!

FI-1951 / 1.Juni-Ausgabe - AUSLAND
Einstellung der Kirche zum Fernsehen

(Von unserem Schweizer Mitarbeiter) - Be/Bern, Anfang Juni

Im Gegensatz zum Radio, bei dem es lange dauerte, bevor sich die Kirche entschloss, ihren Einfluss geltend zu machen, hat sie in den bisherigen Fernseh-Ländern verhältnismässig rasch die Bedeutung des neuen Mediums erkannt.

Ganz allgemein lässt sich nämlich feststellen, daß für religiöse Sendungen das Fernsehen wirksamer und geeigneter ist, als das Radio. Beim Radioempfang beschäftigen sich viele Leute gleichzeitig mit anderen Dingen, die mitunter eine religiöse Sendung sogar entwürdigen. Demgegenüber wird man vom Fernsehbild viel stärker gefesselt. Man ist gezwungen, die Fernsehsendung entweder mit voller Aufmerksamkeit zu betrachten, oder den Apparat abzuschalten. Es ist daher naheliegend, daß man beim Empfang von religiösen Sendungen keine Unzukömmlichkeiten feststellt.

Die katholische Kirche

Zuerst hat die katholische Kirche Stellung genommen. Im Vatikan wird eine von französischen Katholiken gespendete Fernsehstation betrieben, die zu Übertragungen kirchlicher Feiern auf eine Anzahl Empfänger dient.

Auch die "Association Catholique Internationale pour la Radiodiffusion et Television" (UNDA) bringt dem Fernsehen lebhaftes Interesse entgegen. Sie vertritt die Auffassung, daß die katholische Kirche in allen Ländern Einfluss auf das Fernsehen nehmen soll.

In Frankreich

In Frankreich wurde ein eigener Dienst für katholische Sendungen eingerichtet, für den an jedem Sonntag 1 1/2 Stunden zur Verfügung stehen. Ausser der wöchentlichen Übertragung der Messe ist noch ein aktueller Dienst vorgesehen, mit Berichten über die Tätigkeit der Kirche auf sozialem und religiösem Gebiet, Unterricht in der Liturgie, über kirchliche Kunst und die christliche Lehre. In reichem Masse werden Bilder und Filme zur Illustration herangezogen.

In den USA

In den USA werden von allen Konfessionen und vielen Sekten religiöse Sendungen veranstaltet. Schon 1948 wurde eine von Kardinal Spellmann zelebrierte Weihnachtsmesse in New York gesendet. Die protestantische Radio-Kommission hält alljährlich einen Kurs ab, um die besten Methoden für Radio- und Fernsehsendungen zu diskutieren und zu erproben.

Um einen Begriff von dieser regen kirchlichen Arbeit zu geben, sei erwähnt, daß zu Weihnachten 1950 in der Stadt Washington allein über die dortigen Fernsehsender zwei katholische Messen, eine einstündige protestantische Weihnachtsfeier, eine Sendung mexikanischer Weihnachtsgesänge für die lateinamerikanische Bevölkerung der Stadt und eine Aufführung von Dickens "Christmas Carol" übertragen wurden. Ausserdem ließ die römisch-katholische Kirche über das Sendernetz der NBC den Film "Die frohe Stunde" verbreiten, der die Marienverehrung propagiert.

In England

In Gross Britannien werden Gottesdienste vorwiegend an hohen Feiertagen (Weihnachten, Ostern usw.) übertragen. Mehr Gewicht wird auf Sendungen gelegt, die die Liebestätigkeit und soziale Arbeit der Kirche zeigen. Im Mittelpunkt der religiösen Bestrebungen stehen jedoch dramatische Aufführungen. Sie vermitteln Stoffe aus der Bibel, vorwiegend im Geiste der auch vom Schweizer Radio mit grossem Erfolg gesendeten Szenen aus den Evangelien "Zum König geboren", von Dorothy Sayers. Mit solchen Sendungen, die im Fernsehen noch viel eindrücklicher wirken als im Radio, werden zahlreiche Menschen, die der Kirche entfremdet sind, dem christlichen Glauben wieder nahegebracht. Christliches Gedankengut wird ausserdem in zahlreichen, dem Leben entnommenen Theaterstücken und Szenen vermittelt.

Für die englische Jugend

Mit besonderer Sorgfalt werden solche Theateraufführungen für die Jugend gepflegt. Es ist eine alte Erfahrungstatsache, daß wohlgemeinte Ratschläge und Lehren meist wenig fruchten, wogegen das lebendige Beispiel tiefgehende Wirkung erreichen lässt. Da die Jugend vom Theater äusserst stark gefesselt wird und es unmittelbar miterlebt, gelingt es, das Fernsehen in den Dienst einer wirksamen christlichen Erziehung zu stellen. In der letzten Zeit ist die BBC einen Schritt weiter gegangen und versucht die Einführung einer Fernseh-Sonntagsschule. Zwischen dem Fernsehdienst der BBC und den kirchlichen Behörden ist ein Übereinkommen getroffen worden, demzufolge wöchentlich Sendungen veranstaltet werden, die auf diese oder andere Art christliches Gedankengut vermitteln.

In der Schweiz

Auch in der Schweiz befassen sich heute schon die kirchlichen Kreise mit den Problemen des Fernsehens. Sowohl der Schweizerische Katholische Volksverein,wie auch die Radiokommission des Schweizerischen Evangelischen Kirche,nbundes sind zur Überzeugung gelangt, dass die Kirche nicht abseits stehen darf, sondern sich rechtzeitig einschalten muss, um mitzuhelfen, ein Fernsehprogramm von kulturellem Wert zu sichern, das dem christlichen Gedankengut seinen gebührenden Einfluss einräumt.

FI-1951 / 1.Juni-Ausgabe - WIR SAHEN und HÖRTEN
Fernseh-Film über München fertig

Der Werbe-Fernseh-Film über München, der im letzten Herbst von der VIDEO-Film G.m.b.H. in München gedreht wurde, ist jetzt synchronisiert und von 40 Fernsehstationen in Übersee angenommen worden.

Das Thema des Fernsehens steht erstmals im Mittelpunkt eines neuen deutschen Films, den die Central-Europa-Film noch im Sommer unter dem Titel "Es geht nicht ohne Gisela" drehen wird.

FI-1951 / 2.Juni-Ausgabe - AUSLAND - USA
Grosszügiges Fernseh-Kulturprogramm in USA.

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Elf Fernsehstationen für Erziehung und Unterricht geplant.

Das amerikanische Staatsministerium für Erziehung und Unterricht plant die Errichtung von elf neuen Fernsehstationen zum Gebrauch in Schulen, Bibliotheken, Museen und historischen Gesellschaften sowie zur Hebung des allgemeinen Bildungsniveaus mit einem anfänglichen Kostenaufwand von schätzungsweise 3,5 Mill. Dollar. Diese Stationen, von denen zwei im Staate New York, je eine in Buffalo, Rochester, Albany-Schenectady-Troy, Binghamton, Ithaca, Syracuse, Utica-Rome, Malone und Poughkeepsie vorgesehen sind, sollen ohne kommerzielle Ambitionen ausschliesslich kulturellen Sendungen gewidmet sein, die unter Mitbegutachtung des Staatsdepartements zusammengestellt werden sollen.

Das Programm soll nicht nur der Stadtbevölkerung, sondern auch den Bewohnern abseits gelegener Gegenden auf dem Lande zugänglich gemacht werden und so vorbildlich sein, dass es auch von anderen Ländern übernommen werden kann. Man denkt daran, den Schulen Fernsehempfänger für die Klassenräume für 100 bis 150 Dollar zur Verfügung zu stellen.

Die Erhaltung der Stationen, abgesehen vom Programm, ist mit jährlich etwa 250.000 Dollar veranschlagt. Ein Sprecher des Staatsdepartements sagte in diesem Zusammenhang: "Wir glauben, dass es für unser nationales Erziehungssystem ebenso wichtig ist, Fernsehkanäle zu haben, wie es nötig ist, Schulhäuser zu besitzen. Ich weiss nicht, was in Zukunft von beiden das Wichtigere sein wird." Der Plan muss noch genehmigt und seine Finanzierung im nächsten Budget berücksichtigt werden.

Wieviel Zeit verbringt der Amerikaner vor seinem Fernsehempfänger!

Nahezu ein Fünftel aller amerikanischen Fernsehempfänger-Besitzer verbringt mehr Zeit vor dem Fernsehempfänger als bei der Arbeit, wie eine Übersicht der "Encyclopaedia Britannica Films" mitteilt. Die Firma stellte ausserdem fest, dass die Hälfte aller Befragten - 51% - kommerzielle Fernsehsendungen "ganz gern mag"; 14% finden die Sponsor-Sendungen "schön und mögen sie sehr gern". Nur 35% sagten, dass sie die "commercials nicht mögen", einige fanden die "commercials" zu lang. Nur ein einziger von 20 Fernsehteilnehmern sitzt weniger als 10 Stunden in der Woche vor seinem Gerät. Ein Viertel der befragten Bevölkerung sitzt wöchentlich 10 bis 20 Stunden vor dem Apparat, ungefähr ein Drittel sieht Fernsehsendungen 20 bis 40 Stunden wöchentlich. Es wurde festgestellt,daß die größte Einbuße durch das Fernsehen die Leihbüchereien erlitten.

FI-1951 / 2.Juni-Ausgabe - AUSLAND - England
Theater und Fernsehen

Ein interessanter Versuch in England. - Von unserem Wr-Mitarbeiter

Nach Verhandlungen, die seit mehr als einem Jahr liefen, haben sich die BBC und die Theaterbesitzer (also nicht Kino!) jetzt weitgehend über die Übertragung von Stücken aus dem Londoner West-End-Theater durch Fernsehen geeinigt. Die Theaterbesitzer haben einen Vorschlag vorgelegt, der für eine Probezeit Gültigkeit hat, in der die Reaktion des Publikums geprüft werden soll. Es ist geplant, den Fernsehzuschauern nur einen "Appetithappen" zu geben, der sie anreizen soll, ins Theater zu gehen. Und zwar wollen die Theaterbesitzer die Übertragung von entweder dem ersten oder dem zweiten Akt (vollständig) bei dreiaktigen Stücken gestatten, bei zweiaktigen Stücken dürfen nicht mehr als 40 Minuten gesendet werden, und zwar aus dem ersten Akt. Bei musikalischen Lustspielen kann nach den oben gegebenen Regeln aus jedem Teil, ausser den letzten 20 Minuten, übertragen werden. Die BBC ist nicht zuletzt wegen der vermutlichen Kostensenkung für ihre Fernsehprogramme mit dieser Regelung einverstanden.

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