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überarbeitet von Gert Redlich ab Feb. 2014 - Eigentlich sprechen wir von einer Gazette - Es sind gigantische Textmengen (Buchstaben-Wüsten), die die Autoren der "FI" in den 58 Jahren zusammen getragen haben. Damit das überhaupt vernünftig zu lesen ist, haben wir die Inhalte in jährliche Themengebiete aufgeteilt, die aber nicht in jedem Jahr gleich sind.
Sehr wichtig ist, es wurden alle Informationen, die Texte und die Erkenntnisse genau in der Woche aufgeschrieben und nichts später ergänzt oder korrigiert.

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FI-1951 / 1.August-Ausgabe - AUSLAND - ENGLAND
Der dritte grosse BBC-Fernsehsender.

Holme Moss im Oktober - London, Anfang August 1951
Das Wochenende vom 6. zum 7. Oktober ist für die Eröffnung des dritten großen BBC-Fernsehsenders Holme Moss vorgesehen. Die Programmvorbereitungen sind schon seit einiger Zeit im Gange, denn der Nordraum der britischen Insel wünscht eine Berücksichtigung in den Sendefolgen. Eine "Nord-Ausgabe" des aktuellen Programms "London Town" wurde von einem Filmtrupp zusammengestellt; die erste Sendung soll am 12. 0ktober stattfinden. Erst im Dezember wird ein Programm ähnlicher Art für die Midlands (Sender Sutton Coldfield) unter dem Titel "Birmingham Town" starten.

Vorläufig sind die Berichter darauf angewiesen, im Umkreis von 20 Meilen vom Sender zu bleiben, doch hofft man, dass im Frühjahr 1952 sowohl Sutton Coldfield als auch Holme Moss einen Übertragungswagen erhalten werden. Die Testsendungen von Holme Moss haben Ende Juli begonnen; sie werden zur Zeit mit der Hälfte der Sendestärke ausgestrahlt. Ungewiss ist es noch, ob der Sender vom 6. bis 12. Oktober täglich Programme verbreiten wird. Im Bereich dieses Senders werden rund 11 Millionen Einwohner neu erfasst; er sendet mit 45kW (Bild) und 12kW (Ton).

Die Entwicklung der Fernseh-Empfänger-Produktion in USA und England.

r.London," Anfang August 1951
In den letzten fünf Jahren wurden in den USA und in England folgende Zahlen aus der Fernsehempfängerproduktion verzeichnet:

  USA England
1946 = __6.500 __6.500
1947 = _178.000 _28.000
1948 S 867.000 _86.000
1949 = 2.412.000 198.000
1950 = 7.000.000 430.000
1951 = 5.000.000 550.000 (geschätzt)
(geplant waren 8.000.000)  

FI-1951 / 1.August-Ausgabe
AUSLANDSÜBERBLICK und ANREGUNGEN - Frankreich

Da in Frankreich die Filmindustrie staatlich subventioniert wird, (man rechnet mit 10 Mill. Ffr. je Film), erwartet man hier nicht, daß es zwischen Film und Fernsehen zu ernsten Differenzen kommen wird. Es wird angenommen, daß die staatlichen Stellen, die ja auch den Fernsehetat bestimmen, in allen Fällen einen Interessenausgleich finden werden.

AUSLANDSÜBERBLICK und ANREGUNGEN - Schweiz

Die künftige Einrichtung eines Fernseh-Versuchsdienstes in Zürich hängt von der Gewährung eines finanziellen Beitrages durch den Bund ab. Die Kommission des Nationalrates für die Finanzierung des schweizerischen Fernsehversuchsbetriebes trat kürzlich in Anwesenheit des Vorstehers des Post- und Eisenbahn-Departements, Bundesrat Dr.Escher, zusammen. Nach Referaten des Generaldirektors der PTT-Verwaltung, Dr.Eduard Weber, des Generaldirektors der Schweizerischen Rundspruch-Gesellschaft, Marcel Bezencon, des Experten für das Fernsehen, Dr.Walter Gerber, und des Chefs der Finanzabteilung der PTT-Verwaltung, Dr.Ernst Kuli, über die kulturellen, technischen und finanziellen Probleme des Fernsehens, beschloss die Kommission, grundsätzlich in die Vorlage einzutreten.

AUSLANDSÜBERBLICK und ANREGUNGEN - England
Dreidimensionales Fernsehen in Grossbritannien

Dreidimensionales Fernsehen wurde erstmals in Grossbritannien vorgeführt. Die ersten Patente wurden einem Engländer, Mr. Leslie Dudley, erteilt. Als einzigen Zusatz für das normale Fernsehgerät wird ein linsenartiger Spezialbildschirrn benötigt, der auf den üblichen Bildschirm aufgesetzt werden muss und nur wenige Pfund Sterling tosten soll.

Nachdem der britische Generalpostmeister die Fernsehamateur-Tätigkeit in Grossbritannien genehmigt hat, können jetzt Amateure Fernsehversuchssendungen in vier Ländern, und zwar in Grassbritannien, USA, Kanada und den Niederlanden, ausstrahlen. - Die erste Tagung des britischen Amateur-Fernsehclubs fand in London statt. Sie soll künftig alljährlich abgehalten werden.

In England wurde festgestellt, dass nach Fernsehübertragungen von Tenniswettkämpfen die Zahl der Anträge auf Mitgliedschaft in Tennisclubs bis zu 25% anstieg.

AUSLANDSÜBERBLICK und ANREGUNGEN - Spanien
Spanien will Fernsehen einführen

Mit großer Initiative hat sich Spanien entschlossen, das Fernsehen einzuführen und zunächst die Städte Madrid und Barcelona zu versorgen. Beide Städte werden die Möglichkeit erhalten, eigene Programme abzuwickeln und zu senden, sollen aber durch Dezimeterwellen-Richtverbindungen so gekoppelt werden, daß ein gegenseitiger Programmaustausch durchgeführt werden kann. Vorgesehen sind je ein 5kW-Bild- und 3kW-Tonsender mit den dazugehörigen Studioeinrichtungen, 2 Aufnahmewagen, 4 Dezimeterstrecken und ein Filmabtastgerät. Da Spanien keine ins Gewicht fallende Funkindustrie besitzt, wurde der Auftrag, der einen Wert von zunächst 2 Mill.DM verkörpert, ins Ausland vergeben. Man entschied sich für die britische Marconi-Gesellschaft.

FI-1951 / 2.August-Ausgabe - AUSLAND - Schweiz
Die Fernseh-Versuche in Basel.

ProgrammausStrahlungen nach den Grenzgebieten Deutschlands (Von unserem Schweizer Mitarbeiter)
Bc. Basel, Mitte August 1951 - Die Radio-Genossenschaft Basel richtete an die Regierungen der Halbkantone Basel-Stadt und Basel-Land ein Gesuch um Beistellung der finanziellen Mittel für einen auf fünf Monate projektierten Fernseh- Versuchsbetrieb. Insgesamt sollen 75.000 SFr. bewilligt werden.
Die Philips-Werke in Eindhoven haben sich bereit erklärt, einen 500W Sender und die technische Studioeinriehtung kostenlos beizustellen. Das moderne, den letzten Anforderungen entsprechende Material wird derzeit in Holland fertiggestellt und geprüft. Die Frobenius-Tonfilm A.G. in Münchenstein (Basel) überläßt gleichfalls ohne Kosten ihre vorzüglich eingerichtete Studio-Anlage und das Personal, während die Techniker und das Programmpersonal von Radio-Basel beigestellt werden. Da ferner die Mitarbeit weiter Kreise gesichert werden konnte, werden sich die monatlichen Programmkosten auf nur 10.000 SFr. bei wöchentlich drei Abendsendungen zu je. 1 1/2 Stunden und einer Nachmittagsstünde belaufen.

Die Installationsarbeiten werden im Oktober beginnen. Spätestens im Februar 1952 sollen die öffentlichen Vorführungen anlaufen. Der Sender wird auf dem Aussichtsturm des Gempen aufgestellt, von wo Basel-Stadt, Basel-Land sowie Teile der angrenzenden Schweizer Kantone und die Grenzgebiete von Deutschland und des Elsass bestrichen werden können. Zwischen dem Studio in Münchenstein und dem Sender wird eine Dezimeter-Richtstrahlverbindung hergestellt.

FI-1951 / 2.August-Ausgabe - AUSLAND - HOLLAND
Philips will eines der größten Produktionszentren
für Fernsehapparate schaffen.

s. Eindhoven, Ende August 1951 - Die N.V. Philips Gloeilampenfabrieken Eindhoven (Holland) hebt in ihrem jetzt veröffentlichten Geschäftsbericht für das Jahr 1950 die steigende wirtschaftliche Bedeutung des Fernsehens hervor. Die Gesellschaft vertritt die Auffassung, daß die industrielle Tätigkeit auf diesem Gebiet diejenige auf dem Gebiet des Rundfunks allmählich überflügeln werde.

Die großen wirtschaftlichen Möglichkeiten auf dem Fernsehgebiet werden mit den bisherigen amerikanischen Erfahrungen untermauert. In den USA. sind zurzeit über 12 Millionen Fernsehgeräte in Verwendung und es arbeiten dort zurzeit 107 Fernsehsender wobei in Kürze mit der Errichtung weiterer Fernsehsender zu rechnen ist.

In England sind heute schon fast 900.000 Fernsehgeräte in Betrieb. Zudem bestehen konkrete Pläne für die Einführung des Fernsehens in Deutschland, der Schweiz und in Italien, während in Frankreich der Ausbau des Sendernetzes vorgesehen ist. Auch in anderen Ländern ist mit einer Ausbreitung des Fernsehens zu rechnen.

Die Gesellschaft hat deshalb bereits ihre Vorbereitungen getroffen, die sie "zum sofortigen Einsatz befähigen" und ihr, wie sie erklärt, "gleich vom Anfang an eine führende Position in den betreffenden Ländern sichert". Mit der Heranbildung des nötigen Fachpersonals sei bereits begonnen worden, sodaß mit Inbetriebnahme der Fernsehsender in den genannten europäischen Ländern sofort mit dem Verkauf der Fernsehapparate begonnen werden könne. Auch für den Export vollständiger Empfangsanlagen in die Länder Brasilien, Mexiko und Kuba, in denen bereits Fernsehsender arbeiten, seien die Vorbereitungen bereits im Gange. Die Gesellschaft spricht die Erwartung aus, daß sie angesichts des zu erwartenden überragenden Aufschwunges des Fernsehens in der Welt in Holland eines der größten Produktionszentren der Welt für Fernsehapparate und Bildröhren schaffen könne.

FI-1951 / 2.August-Ausgabe - AUSLAND - ENGLAND
Neue Fernsehsender zurückgestellt

Die englische Fernsehteilnehmerzahl ist auf 825.000 gestiegen. Neben den Schlussarbeiten am Fernsehsender Holme Moss werden bereits jetzt die ersten Vorbereitungen für die Sender Kirk O'Shotts (zwischen Glasgow und Edinburgh) und Wenvoe (bei Cardiff) in Angriff genommen. Die fünf weiteren kleinen Sender bei Southampton, Belfast, Aberdeen, Plymouth und Newcastle sind vorerst zurückgestellt worden. Man rechnet, dass mit den sechs bereits arbeitenden bzw. geplanten Sendern 75% der Bevölkerung von 37,5 Millionen Menschen erfasst werden können.

Zwei neue Übertragungswagen im Einsatz

Zwei neue Übertragungswagen sind in Dienst gestellt worden, sodass die BBC zurzeit über 5 Wagen verfügt. Zwei arbeiten im Bereich der Festivals, je einer in Gross-London, in den Midlands und in Südengland. Der aktuelle Dienst wird durch Filmstreifen ergänzt, die zum Teil im Austausch mit dem Filmdienst der NBC erworben werden. Ein eigener Kameramann des BBC-TV-Dienstes befindet sich in Korea. Der Fernsehdienst sendet wöchentlich drei Mal einen Zeitspiegel.

66% Verkaufssteuer für Fernsegeräte in England

Die seit April dieses Jahres von 35 auf 66% (bezogen auf den Werkausgangspreis) erhöhte Verkaufssteuer verteuert den Preis der Fernsehgeräte beträchtlich. Bei einem sehr guten Truhemodell der English Electric mit einem aussergewöhnlich grossen und hellen Bild liegt der Preis nach deutscher Währung bei 1.800 DM. In diesem Preis sind nicht weniger als 700 DM Verkaufssteuer enthalten! Ein durchschnittliches Tischmodell mit kleinerer Bildgrösse kostet etwa 800 DM einschl. der genannten Verkaufssteuer. Trotzdem werden nicht weniger als 60% aller umgesetzten Fernsehempfänger gegen Barzahlung verkauft. Bei Rundfunkempfängern liegt dieser Prozentsatz sogar bei 65% (Deutschland; 20-25%).

Englisches Farbfernsehsystem - noch nicht reif

Die BBC führte kürzlich einem Kreis von Fachleuten ein in England entwickeltes Farb-Fernseh-System, das Ähnlichkeit mit dem amerikanischen CBS-System hat, vor. Sowohl vor der Kamera als auch vor den Empfängern sind rotierende Scheiben erforderlich. Nach Auffassung der britischen Fachleute wird es jedoch noch Jahre dauern, bis das Farbfernsehen in England eingeführt werden kann. Wesentliche Vereinfachungen der Apparatur bilden dafür die Voraussetzung.

FI-1951 / 1.September-Ausgabe - England
Was Europas größte Radio- und Fernsehsehau zeigt:

(Von unserem Londoner B.K.-Mitarbeiter) - London, Anfang September 1951 - Nach dem Kriege war Großbritannien das einzige Land Europas, das - aufbauend auf den reichen Erfahrungen des ältesten Fernsehdienstes der Welt - die weitere Entwicklung seiner "Television" sprunghaft vorwärts zu treiben vermochte. Bald eine Million Fernsehteilnehmer, zwei Großsender, denen in Kürze als stärkster des Erdballs ein dritter folgen wird, und schließlich eine außerordentlich exportintensive Spezialindustrie sind Zeugen einer Regsamkeit, die lediglich und in allerdings weitaus größerem Maße nur in den USA ihresgleichen hat.

Tischempfänger für 875.- DM

Nichts zeigt den Stand des britischen Fernsehens deutlicher als die in diesem Jahre wieder in London abgehaltene Große Nationale Radio- und Fernsehausstellung, deren Patronat Queen Mary und Prinzessin Elisabeth und deren festliehe Eröffnung der vierte See-Lord des Empire, Earl Mountbatten, übernommen hatte. Ihre Besucher kamen aus 60 Ländern aller Erdteile. Was man dort sah, ist für die junge deutsche Entwicklung gleichermaßen interessant. Bestimmend war der Zug zur Qualität und nicht der billige Preis "um jeden Preis"; dennoch kostet ein einfacher Tisehempfänger mit 30cm Bildröhre einschließlich der keineswegs unbedeutenden Verkaufssteuer von 60% nur rund 875 DM.

Oft ist nur ein Kanal fest eingestellt

Während die deutsehen Firmen jedoch durchweg Geräte auf den Markt bringen, die durch einfaches Wählen den Empfang aller sechs festgelegten Fernsehkanäle ermöglichen, ist der englische Empfänger noch immer vielfach auf die Station des jeweiligen Verkaufsgebietes fest abgestimmt. Zieht der Besitzer in den Bereich eines anderen Senders, ist eine geringfügige Umschaltung nötig.

Nur wenige Firmen versehen ihre Geräte mit einem Stationswähler oder erleichtern die Umsehaltmöglichkeit so, daß sie auch vom Laien vorgenommen werden kann. Diese Handlungsweise der britischen Industrie erfolgt nicht ohne Bedacht: Verbilligung und Bedienungs-Vereinfachung sind die eigentlichen Gründe.

Größere Bildformate gefragt

Das kleine Bildformat ist, man sah es deutlich, auch in England nicht mehr gefragt - Standard ist nun die 30cm Röhre, die hier und da gepreßte Bildschirme besitzt, die - weil flacher - den Betrachtungswinkel erweitern und den Eindruck eines größeren Bildes hervorrufen.
Aber auch die 40cm-Röhre ist in wachsendem Umfang vertreten; Geräte mit Projektionswiedergabe wurden von einem Dutzend der Aussteller gezeigt. Viele Röhren sind aluminisiert, etliche Bildschirme matt getönt, sodaß infolge Minderung des auffallenden Lichtes Reflektionen ausbleiben, die Kontraste sich aber verstärken.

Fernsehen bei Tageslicht anziehender gemacht

Trotz verlängerter Lebensdauer fast aller Bildröhrentypen verwendet man vielfach bis zu 50% höhere Spannungen als bisher üblich und erreicht damit eine Helligkeit, die das Fernsehen bei Tageslicht anziehender macht. Im Übrigen sind Miniaturröhren für den Fernseh-Hochleistungsempfang nun allgemein im Gebrauch und gewährleisten Voraussetzungen, die auch auf der Tonseite den Vorteil der Breitband-Übertragung stark hervortreten lässt.

Neuheiten der britischen Produktion

Im Einzelnen zeigten "Ambassador, Baird, EKCO, His Master1s Voice, Murphy und
Ultra" Geräte mit Bildröhren von 15" = 381mm und "Cossor, English Electric, Ferguson, Murphy und Philco" solche von 16" = 406mm Größe. Heimempfänger für Projektionsempfang, die noch im Vorjahre eine Besonderheit darstellten, fanden sich bei Deccg,, Dynatron, Etronie, Ferran-ti, Masteradio, Peto-Seott, Philips, Radio Gramophone Development und Valradio.

Typen, die durch technisch leichte Anpassung für alle fünf britischen Fernsehkanäle verwendbar sind, boten vor allem "Alba, Bush, Cossor, Invicta, Ferguson, Ferranti, McMichael, Philco, Pilot und Vidor" an; von ihnen war lediglich das 30cm Modell von Invicta mit einem unmittelbaren Stationswähler für alle Kanäle ausgerüstet.

Flachglas-Bildschirme auf Stahl-Konus

Zum ersten Male sah man - bei der English Electric - Flachglas-Bildschirme auf Stahl-Konus von ausgezeichneter Brillianz. Diese neuartige 40cm-Röhre arbeitet mit anormal hoher Spannung. Erstmals auch tauchten Rechteck-Röhren in der Größe von 14" = 356mm auf, deren Verhältnis zur gegebenen Bildgröße überaus klein und im Verein mit elliptischen Lautsprechern geradezu ideal ist.

Flach endende Bildröhren (später Kurzhalsröhren genannt)

Als dritte Neuerung schließlich traten bei der "General Electric" flach endende Bildröhren in Erscheinung, die besonders für stabilen Empfang in Randzonen geeignet sein sollen.

Vorteile durch aluminisierte Bildröhren

Zwei Firmen, "His Master1s Voice und Marconiphone", gebrauchen nur noch aluminisierte Bildröhren, die durch ihre Metallfolie den Schirm vor "Ionenbrand" schützen und andererseits höhere Spannungen für hellere Bilder zulassen. "Haynes Radio" verwendet zur Erzielung gesteigerter Bildhelligkeit sogar 10 - 12.000 Volt, die durch eine Zusatzeinrichtung erzeugt werden. Während "Philco" für seine 40cm-Röhre getönte Bildschirme bevorzugt, hält "Ferguson" Neutralisations-Filter für ausreichend. "Metro-Pex" bedient sich der Kombination einer "Fernseh-Linse" und eines getönten Innenfilters.

Murphy-Tischempfänger mit wundervoller Eleganz

Bei den allgemein weniger scharfen Projektionsbildern gefiel die Wiedergabe bei "Dynatron", deren Bildformat bei 325 x 430mm lag. Neben überempfindlichen Geräten für Fernseh-Weitempfang und verschiedenen Truhen mit eingebautem Rundfunkteil machte besonderen Eindruck ein sehr interessanter Murphy-Tischempfänger mit einem in wundervoller Eleganz rund um die 40cm-Bildröhre angeordneten Chassis und automatischer Scharfeinstellung, erhältlich für 80 Pfund Sterling = 960 DM.

Bei der "English Electric" gefiel wiederum die Automatik der Signal-Kontinuität, die jegliches Nachregulieren von Helligkeit und Kontrast erspart. Die Geräte dieser Firma können überdies die FM-Sendungen der BBC aufnehmen und besitzen eine Art Synchronisations- Regulierung, die das "Zerreißen" der Bilder bei gewissen Störungen in Randgebieten ausschaltet.

Natürlich sah man auch Luxusausführungen anspruchsvoller Art; hier nahm eine antike Eichentruhe von "Decca" eine Sonderstellung ein, die in sich einen Projektionsempfänger und einen Achtbereichs-Spitzensuper mit Plattenspieler - alles für etwa 8.500 DM - vereint.

Eine Fernseh-Straße (in London)

Alle diese Empfänger, von denen viele Firmen 4-6 verschiedene Typen herstellen, konnten von Fachwelt und Publikum auf den einzelnen Ständen, in Spezialkojen und in einer 75m langen "Fernsehstraße" in vollem Betrieb begutachtet werden. Jedem Aussteller standen von 10-22 Uhr über ein ausgeklügeltes Verteilungssystem nach freier Wahl drei Programme, nämlich die regulären Sendungen der Londoner Station, Filmsendungen von einem auf der Ausstellung arbeitenden Abtaster und Direkt-Programme des Ausstellungs-Fernseh-Studios der BBC, zur Verfügung.

Die Sendungen der Londoner Alexandra-Palace-Station wurden dabei mit Hilfe einer Zentimeterwellen-Richtverbindung auf 6.800 MHz über 12km herangeführt - das Ausstellungsgelände Earls Court selbst war erstmals konsequent entstört.

Für die breite Öffentlichkeit war das Studio, an dem die BBC angesichts seiner 240.000 DM Herstellungskosten wahrlich nicht gegeizt hatte, einer der Hauptanziehungspunkte. Revuen, Sketches, Sportattraktionen, und vieles mehr erweckten nicht nur in ihrer direkten Ausführung, sondern auch in der bis ins Letzte sichtbaren fernsehtechnisehen Aufnahme- und Sendearbeit größtes Interesse.

Ein Blick auf das Fernseh-Zubehör

Ein kurzer Blick sei auch dem Fernseh-Zubehör gegönnt. Bessere Röhren und verbesserte Einzelteile garantieren volle Bandbreite ohne Schwächung der Empfindlichkeit. So sah man in vielen Geräten die kürzlich von Mullard entwickelte "Welt-Serie", einen Standard-Röhrensatz für alle Fernsehsysteme der Erde. Für Wissenschaft und Forschung hat ein neuer Bildumwandler hohe Bedeutung. Diese Elektronenröhre gibt das von ihr "gesehene" Bild ohne Abtastung so wieder, daß nach Belieben verkleinert, vergrößert oder intensiviert werden kann. Auf diese Weise erscheinen Gegenstände klar und deutlich, die lediglich durch infrarote oder ultraviolette Strahlen, die für das Auge nicht sichtbar sind, ausgeleuchtet werden.

Neue und gute Antennen

Viel und berechtigter Wert wird auf einwandfreie Antennen gelegt. Neben einfachen Gebilden, deren Befestigung am Fensterrahmen ausreicht, verdienen zwei neue Antennen der beiden bekannten Spezialfirmen Antiference und Aerialite Beachtung: die eine ist für Weitempfang als Doppel-X ausgebildet, die andere als doppelter vierteiliger Falt-Dipol. Diese letztere Antenne ist jedoch sehr teuer und kostet komplett nicht weniger als 280DM!

weitere Neuigkeiten

Zu erwähnen bliebe, will man in diesem Zusammenhang auf das eigentliche Rundfunkgebiet hinübergreifen, als originelle Entwicklung der "Paket-Verstärker", ein im Quadrat 19mm großer Würfel mit zwei Verstärkerstufen in Kondensator-Widerstandskopplung als Inhalt, bei dem zur Benutzung nur noch die Röhren einzuführen und die Batterien anzuschließen sind.

Im Kommen sind jenseits des Kanals offenbar Lautsprecher elliptischer Form, deren Tiefton-Wiedergabe und infolge kleinerer Abmessung wirtschaftlichere Anwendung gelobt wird. Als bisher größte Ausstellungswerkstatt auf dem Funkgebiet wurde übrigens das Multicore-(wörtlich: mehradrige) Lötverfahren gezeigt, bei dem das Personal während der ganzen Ausstellung 51.000 Verbindungen herstellte und 33.000 Teile sowie 22.000 Drahtlängen verarbeitete.

Besonderheiten auf dem Rundfunkgebiet

Zahl und Art der Besonderheiten in der Rundfunkgeräte-Produktion gibt nur zu
einem kurzen Überblick Anlaß. Was die britische Fertigung auf diesem Gebiet von der deutschen unterscheidet, ist lediglich die erstaunliche Vielfalt, die ohne Vernachlässigung des Inlandsmarktes vom unverwüstlichen "Kochtopf-Apparat" für den afrikanischen Buschneger bis zur attraktivsten Luxuskombination für den orientalischen Nabob durchweg alles umfaßt.

Dabei ist das mit dem 6 Volt-Autoakkumulator zufriedene Gerät im Export sehr gefragt, hat aber einen scharfen Konkurrenten in dem mit Trockenelementen gespeisten leichten Portable, wie er in stabiler Ausführung für die Bewohner entlegener Gebiete hergestellt wird.

Elliptische Lautsprecher

Die erhöhten Rohstoffpreise haben sich wenig ausgewirkt, schon gar nicht im Aufwand und in der Qualität. Charakteristisch für die neue Saison sind elliptische Lautsprecher, und solche hoher Leistung, Gegentakt-Ausgang, Gegenkopplung, akustisch anspruchsvollere Gehäuse - über Geschmack lässt sich streiten - und liebevoller gestaltete Skalen.

Erste UKW Empfänger, Plattenspieler und Bandgeräte

Für den deutschen Besucher sehr interessant waren die ersten Probeempfänger für UKW-Empfang, die im Hinblick auf die recht bedächtig gesteuerten UKW-FM-Versuchssendungen der BBC entwickelt werden.

Beim Plattenspieler hat sich das Drei- bzw Zwei- Gesehwindigkeits-Laufwerk restlos durchgesetzt: eine Radio-Phono-Kombination mit Einfach-Laufwerk war schlechthin überhaupt nicht mehr zu finden.

Sehr eingeführt hat sich die Bandaufzeichnung, für die zum Gebrauch im Haushalt, in der Wirtschaft und im Unterrichtswesen akzeptable Geräte zur Verfügung stehen.

Silbernes Jubiläum des "Melody-Maker"

Daß ein Empfängertyp sein Silbernes Jubiläum erlebt, dürfte in der Geschichte des
Rundfunks einzig dastehen. Beim "Melody Maker" von Cossor ist es der Fall - seit 25 Jahren wird dieses erfolgreiche Gerät, natürlich unter Berücksichtigung der jeweiligen Vervollkommnungen, unter dem gleichen Namen gebaut.

Der "Decca-Liebhaber", eine Luxustruhe

Vier Jahre schon wird auch der "Decca-Liebhaber", eine Luxustruhe mit allen Raffinessen, von der bekannten Decca-Gesellschaft hergestellt. Eines der hochwertigsten Geräte sah man bei Kolster-Brandes; es erlaubt als Sechsröhren-Tischempfänger mit zehn Wellenbändern, darunter sieben gespreizten, und einem elliptischen 25cm-Lautsprecher absoluten Weltempfang.

Der Portable namens "Dandy"

Der Portable, unter dem man in Großbritannien keineswegs nur den Kofferempfänger für Reise, Urlaub und Garten, sondern vielmehr ein zwar tragbares, aber doch "handfestes" Gerät versteht, wird von einzelnen Spezialfirmen schon seit 20 Jahren gebaut. Eines der einschlagendsten neuen Modelle dürfte der "Dandy" von Pilot sein, ein Netz/Batterie-Portable in karmesinbraun oder creme, einschließlich Batterien 3.2 kg schwer, 270 x 195 x 120mm groß, für Mittel- und Langwelle und in festem Polystyrol-Gehäuse. Preis mit Batterien und Verkaufssteuer 240DM.

Ein Kristalldetektorempfänger mit Germanium-Kristallen

Größtes Erstaunen löste auf dem Stand der General Electric ein Kristalldetektorempfänger mit Germanium-Kristallen aus, über dessen Entwicklung auch nach Deutschland maßlos übertriebene Nachrichten gelangten. Dieses Gerät bezeugt die Leistung des Germaniums und ist sehr selektiv, ist aber nur als "Nebenbei"-Empfänger für Betrieb an der Hochantenne gedacht; selbstverständlich kann er mit Hilfe eines Verstärkers auch Lautsprecherempfang liefern.

Hohe Klangqualität bei Plattenspielern

Bei den Plattenspielern gefiel bei "Collaro" die letzte Klangqualität ermöglichende Methode, für die verschiedenen Plattensysteme aufsteckbare und durch Farben kenntlich gemachte Abnehmerköpfe zu verwenden, bei "Scharf" ein doppelseitiger Abnehmer, dessen eine Seite für 78er Standard- und die andere für die neuen 33 1/3-Langspielplatten eingerichtet ist.

Es gab auch Schallbandgeräte

Mit drei interessanten Schallbandgeräten für den Hausgebrauch trat "Radio Gramophone Development" auf den Plan - Konstruktionen, die sich durch hervorragende Klangtreue auszeichneten.

Für die Vorführung aller Empfänger hatte man ein Kabelnetz geschaffen, über das analog zu den normalen häuslichen Bedingungen ein Programm technischer Durchschnittsgüte und für die Herausstellung der Eigenschaften sehr selektiver und hochwertiger Geräte ein ausgewähltes Programm mit einer Frequenz-Wiedergabe von 20 Hz bis 16 kHz und einer nichtlinearen Verzerrung von weniger als 1% bei jeder Frequenz zwischen 20 Hz und 3 kHz gegeben wurde.

Als technisches Kontroll Zentrum für Rundfunk und Fernsehen diente ein rechteckiger Raumkomplex mit Ansagerstudio, der dreiseitig verglast war, sodaß der gesamte Betrieb jederzeit zu verfolgen und über Speziallautsprecher auch abzuhören war.

24 Jahre "Television-Society"

Die älteste Vereinigung der Welt, die sich das Studium der Fernsehfragen zum Ziele gesetzt hat, ist die "Television Society", sie besteht jetzt 24 Jahre, Wissenschaftler, Forscher, Techniker, Ingenieure und Amateure aus aller Welt fanden sich an ihrem Stand ein und wurden zuvorkommend begrüsst.

Die amtlichen Aussteller

Unter den Ausstellern amtlichen Charakters befanden sich die Admiralität, das Kriegsministerium, das Luftfahrtministerium, das Ministerium für Zivilluftfahrt, das Handelsministerium, die Generalpostverwaltung und das Amt für wissenschaftliche und industrielle Forschung. Die Admiralität hatte es geschickt verstanden, die Anwendung von Radar und anderer "funkischer" Mittel an einem "Gefecht" zwischen einem Kreuzer und drei Begleitflugzeugen mit drei Feindbombern darzustellen. Das Kriegsministerium gab einen Überblick über den Einsatz der Telegrafie und des Funks in der Armee und zeigte dabei auch historische Einrichtungen. Auf dem Stand des Luftfahrtministeriums sah man die neuesten Geräte, die im Betrieb der "Royal Air Force" Verwendung finden, das Ministerium für Zivilluftfahrt zeigte ein großes und lebendiges Modell des Londoner Flughafens in seiner künftigen Form, die 5.6 km im Querschnitt bedecken wird.

Die englische Post

Die Generalpostverwaltung beschäftigte sich vor allem mit der Störbekämpfung und gab allen Hörern hilfreich Auskunft. Unter ihren Ausstellungsstücken fand das Modell einer Zentimeterwellen-Rhombusantenne, wie sie für den Überseedienst gebraucht wird, und ein Muster des speziell für den Fernsehdienst verwendeten Koaxialkabelnetzes Beachtung.

Die Wissenschaftler vom Amt

Sehr interessant war der Einblick in die wichtige Arbeit des Amtes für wissenschaftliehe und industrielle Forschung, dessen Ionosphären-Station weltberühmt ist. Hier sah man, wie durch umfassende Beobachtung der Ionosphäre die besten Sendefrequenzen für 6 Monate im Voraus bestimmt werden können und wie anhand auf verschiedenen Frequenzen arbeitender Empfänger die Exaktheit dieser Voraussage zu beweisen war.

Hier sah man auch in praktischer Vorführung die Auswirkung der infraroten Sonnenstrahlen auf die Ionosphäre und die durch Witterungs-Verhältnisse bedingten Abnormitäten beim Fernsehempfang.

Die BBC ging auf Breitenwirkung aus; unter der Parole "Höre Dich selbst! Beobachte Dich selbst" konnte sich jeder auf dem Bildschirm sehen und von der Platte sprechen hören.

Fernseh-"Boom" in England (Sept. 1951)

Diese 18. Nationale Radio- und Fernsehausstellung Großbritanniens war ein bedeutender Erfolg und ein Beweis guter Zusammenarbeit zwischen den 88 beteiligten Produktionsfirmen, den Ministerien und der "Wehrmacht" (heute würde man "Militär" dazu sagen). Sie stand im Zeichen der bevorstehenden Eröffnung des stärksten Fernsehsenders der Welt in Holme Moss, der weitere zwölf Mill. Menschen in den unmittelbaren Bann des Fernsehens zu ziehen vermag.

Die britische Industrie, die seit dem Kriege über eine Mill. Fernsehempfänger ausgeliefert hat und zur Zeit einen "Boom" erlebt, glaubt die neue Nachfrage befriedigen zu können, obwohl sie restlos ausgelastet ist und einschl. eines Exportwertes von jährl. 250 Mill. DM für rund 1.000 Mill. DM im Jahr produziert. Ihre Sorge, durch teilweise bereits vollzogene Dienstverpflichtungen im Zuge der Wiederaufrüstung die zivile Versorgung einschränken zu müssen, ist bis heute unbegründet geblieben.

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