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überarbeitet von Gert Redlich ab Feb. 2014 - Eigentlich sprechen wir von einer Gazette - Es sind gigantische Textmengen (Buchstaben-Wüsten), die die Autoren der "FI" in den 58 Jahren zusammen getragen haben. Damit das überhaupt vernünftig zu lesen ist, haben wir die Inhalte in jährliche Themengebiete aufgeteilt, die aber nicht in jedem Jahr gleich sind.
Sehr wichtig ist, es wurden alle Informationen, die Texte und die Erkenntnisse genau in der Woche aufgeschrieben und nichts später ergänzt oder korrigiert.

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FI-1950 / 1.Nov-Ausgabe - AUSLAND
Der Aufschwung des britischen Fernsehens.

von Gerald Sharp, BBC London

London, 25.Okt.1950 - Der Fernsehdienst der BBC arbeitet gegenwärtig mit zwei Sendern: einem in der Nähe von London, dem zweiten in Sutton Coldfield bei Birmingham in Mittel-England. Beide Sender übertragen zur Zeit das gleiche, aus London stammende Programm.

Stärkster Fernsehsender der Welt.

Der britische Fernsehdienst, der erste seiner Art wurde 1936 im Alexandra Palace in Nord-London eröffnet. Bei Kriegsausbruch mussten die Sendungen eingestellt werden. 1946 wurde der Londoner Sender wieder in Betrieb genommen, Alexandra Palace befindet sich auf einem Gelände von 90m über dem Meeresspiegel, von dem man die nördlichen Vororte der Hauptstadt überblickte. Die Senderanlage nebst Studios und den erforderlichen Betriebsräumen gruppiert sich um einen 90m hohen Turm, von dessen Antennenmast die Programme über einen Radius von 65 bis 100km ausstrahlen. Der Londoner Sender arbeitet mit seiner Stärke von 17kw (Bild) und 3kw (Ton).

Im September 1949 begann der Sender Sutton Coldfield bei Birmingham die Londoner Programme zu übertragen. Dieser arbeitet mit einer Stärke von 35 kw (Bild) und 12 kw (Ton) und ist der stärkste Sender seiner Art in der ganzen Welt. Bild und Ton werden durch eine einzige Antenne gesendet, die an einem Stahlmast von 230m Höhe angebracht ist. Die Reichweite dieses Senders hat sich bereits als viel grösser als die des Londoner Senders erwiesen und einen erheblichen Zuwachs an "Fernsehern" gebracht.

Die Fernsehsender arbeiten nach dem Marconi-EMI-Verfahren, mit einer Rasterdichte von 405 Linien pro Bild und einer Bilderzahl von 25 in der Sekunde, aber die Anordnung ist so getroffen, dass die Rasterlinien abwechseln - sozusagen zuerst die geraden und dann die ungeraden - "abgelesen" werden, wodurch die Bilderzahl auf 50 pro Sekunde erhöht wird.

Programmgestaltung in England.

Der Fernsehdienst bringt täglich Nachmittags- und Abend-Sendungen. Die Sendezeiten sind 15-16 Uhr und 20.30-22.00 Uhr. Sonntags wird die Nachmittagsstunde den Kindern gewidmet. Ausserdem werden an Wochentagen von 11-12 Uhr Filme gezeigt. Die vom Senderaum übertragenen Programme werden den verschiedensten Interessen gerecht. Die Aufführung von Stücken - durchschnittlich 2 bis 5 in der Woche - ist vielleicht am begehrtesten, aber die Programme enthalten auch wöchentliche Sendungen des sogenannten "Bilderbogens" (Interviews mit Personen, die im Brennpunkt der Tagesereignisse stehen) , Tatsachenfilme, Vorträge mit Illustrationen, Variete, Ballet, Interviews mit Sportsleuten, Box-Wettkämpfe, Nachrichtenfilme und zahlreiche Kurzfilme.

Fernsehdienst für 70% der Bevölkerung.

Da man sich vorläufig mit zwei Studios im Alexandra Palace begnügen muss, ist es im Augenblick nur möglich, ein einziges, in London aufgenommenes Programm für alle Teilnehmer in London und den Provinzen herzustellen. Die BBC hat beschlossen, zunächst alle Bemühungen einem "Einheitsprogramm" für eine mögliehst grosse Teilnehmerzahl zu widmen, bevor die Produktion von Programmen für die einzelnen Bezirke in Angriff genommen wird. Man hofft, dass durch die Errichtung von insgesamt fünf Starkstrom-Sendern in den nächsten drei Jahren - einer für jedes der grossen Bevölkerungszentren - die Teilnahme am Pernsehdienst für 70% der Bevölkerung ermöglicht wird.

Die Sender in London und Mittelengland sind bereits in Betrieb; die drei weiteren, die sich im Bau befinden oder geplant sind, werden Nord-England, Mittelschottland und Wales und Südwestengland bedienen. Das nächste Vorhaben wird darin bestehen, in den folgenden zwei Jahren fünf etwas kleinere Sender zu bauen, wodurch dann 80% der Bevölkerung oder vielleicht mehr am Fernsehdienst teilnehmen können. Diese Sender sollen in Newcastle, Southampton, Aberdeen, Belfast und Plymouth errichtet werden.

Besonders erfolgreiche Übertragungen.

Das Fernsehen hat sich als besonders erfolgreich bei der Übertragung von Sportveranstaltungen und andern öffentlichen Ereignissen erwiesen. Jedes Jahr können sich Taueende an den Tennismeisterschaften in Wimbledon und an den Kricket-Wettspielen erfreuen, ohne aus dem Zimmer zu gehen - ja, oft sieht man besser mit dem Auge der Fernsehkamera, als wenn man bei dem Ereignis dabei wäre. Neue technische Entwicklungen erweitern ständig den Bereich des Pernseh-Aussendienstes. Im August 1950 wurde ein neuer Rekord aufgestellt, als Teilnehmer in England den Feiern in Calais anlässlich des 100. Jahrestages der Verlegung des Unterseekabels zwischen England und dem europäischen Festland zusehen konnten.

Am 1. Oktober brachte der Fernsehdienst zum erstanmal Luftaufnahmen. Ein Flugzeug mit besonderem Aufnahmegerät überflog in 400m Höhe den Londoner Viktoria-Bahnhof und nahm dann seinen Kurs längs der Themse. Im Fernsehempfänger sah man aus der Vogelperspektive das Parlamentsgebäude, die St. Pauls-Kathedrale, den Buckingham-Palast und andere berühmte Gebäude Londons. Während des Fluges kamen mehrere andere Flugzeuge ins Blickfeld, darunter eine Staffel von Düsenjägern, die auf die Maschine der BBC einen Scheinangriff durchführten.

Wunder der Improvisation.

Jeder, der die Studios der BBC im Alexandra Palace besucht, einem grossen viktorianisehen Gebäude in Nord-London, das für einen Vergnügungspark entworfen wurde, ist beeindruckt von den Wundern an Improvisationen bei der Vorbereitung von Programmen in unzureichenden und ungenügenden Räumen. Schon vor dem Krieg begann die Suche nach einer geeigneten Baustelle für dauernde Studios. Sie wurde im Jahr 1947 wieder aufgenommen. 1949 wurde eine Baustelle von etwa 20 Morgen im Stadtviertel Shepherds Bush in West-London für das künftige Heim des Fernsehdienstes erworben.

Um sofort mehr Raum für die Fernsehstudios zur Verfügung zu stellen, wurde ein grosses Gebäude im selben Teil von London, das früher für die Herstellung von Filmen benutzt wurde, gekauft. Ein Film-Studio ist schon umgebaut worden und wird jetzt als Fernseh-Studio benutzt; ein weiteres wird noch vor Ende des Jahres fertig sein.

Fernsehempfänger für 400 DM

Das AbzahlungsSystem macht den Besitz von Empfängern, die von etwa 30 Firmen hergestellt werden und von 33 Pound Strlg. (400 DM) aufwärts kosten, für fast alle Massen der Bevölkerung erreichbar.

Nach vorliegenden Statistiken wurden die meisten Empfänger von Personen mit einem Jahreseinkommen !!!! (Anmerkung : Wir haben 1950!) zwischen 330 und 600 Lstrlg. (4.200 bis 7.200 DM) gekauft, während der Anteil von Käufern mit einem niedrigeren Einkommen von 1946 bis 1949 um 6% gestiegen ist.

Die Gebühr für den Fernsehempfang beträgt 2 Lstrlg. (24 DM) jährlich. Ende Juli 1950 belief sich die Zahl der Teilnehmer auf über 420.000, eine Steigerung von 400% in 18 Monaten.

BBC für internationalen Programmaustausch.

Die BBC spielt im Rundfunk seit jeher eine hervorragende Rolle. Der Generaldirektor der BBC, Sir William Haley, machte grundsätzliche Ausführungen über den internationalen Austausch von Fernseh-Programmen, als er im April Delegierte des Internationalen Beratenden Komitees für den Rundfunk in England begrüsste.

Er sagte: "Die BBC ist der Ansicht, dass der Rundfunk dazu benutzt werden sollte, das Beste in jedem Lande in anderen Ländern zu Gehör zu bringen. Wir glauben, dass das Fernsehen hierzu noch wertvollere und wichtigere Möglichkeiten bietet als der Rundfunk. Die BBC wird alles tun, was sie kann, um den Austausch von Fernsehprogrammen mit andern Ländern zu fördern. Wir glauben, dass dies von grösster Bedeutung für die Entwicklung des gegenseitigen Verständnisses und für die Entwicklung des Fernsehens ist".

FI-1950 / 1.Nov-Ausgabe - AUSLAND
Dänemark gibt ein Beispiel. - Kopenhagen bringt ab 1. November (1950) öffentliches Fernseh-Programm.

Als erstes der kleineren Länder Europas hat Dänemark den mutigen Entschluss gefasst, mit dem Fernsehen Ernst zu machen. Ab Anfang November wird der dänische Staatsrundfunk dreimal in der Woche ein öffentliches Fernseh-Programm senden, Der Radiorat in Kopenhagen traf diese Entscheidung mit der Begründung, dass die dänischen Fernsehleute zwar viel vom Ausland (USA, England, Frankreich) lernen können, die entscheidenden Erfahrungen jedoch selbst sammeln müssten.

(Man vergleiche diesen Entschluß mit der kürzlich zutage getretenen Haltung des Bayerischen Rundfunkrates, der dem Bayerischen Rundfunk die angeforderten 200.000 DM zur Förderung des Fernsehens mit der Begründung strich, dass dies Sache privater Firmen wäre und überdies ein "einziger deutscher Sender" dieser Aufgabe gar nicht gerecht werden könne. Dänemark hat nur 3,7 Mill. Einwohner und nur zwei Städte mit über 50.000 Einwohnern. Bayern dagegen hat über 9 Millionen Einwohner.)

Erst mal mit kleinem Aufwand und kleiner Ausrüstung

Dänemark steigt mit verhältnismässig minimaler Ausrüstung in die zweite Phase seiner Fernseh-Entwicklung. Der Rundfunk verfügt zur Zeit über ein räumlich sehr beengtes Studio im Rundfunkhaus, über zwei Aufnahme-Kameras älteren Systems, einen Film-Projektor für FS-Übertragung, eine Kontrollanlage sowie über einen Sender, der jetzt von 100 auf 300 Watt verstärkt wird und zur Versorgung von Kopenhagen und Umgegend ausreichen dürfte.

Als nächsten Schritt plant man die Anschaffung von Aufnahmegeräten für Aussenreportagen. Mit dieser Ausrüstung soll vorerst Dienstags, Donnerstags und Samstags abends ein Programm von jeweils 40 bis 60 Minuten Dauer gesendet werden.

Es handelt sich auch hier, wie beim NWDR in Hamburg, vorerst um Versuchssendungen. Durch Erhebung einer Lizenzgebühr von 50 Kr. (etwa 30 DM) je Fernsehteilnehmer soll das Fernsehen allmählich finanziell auf eigene Füsse gestellt werden. Im Laufe des ersten Jahres rechnet man mit 5.000 Fernsehteilnehmern. (Bildzeilenzahl 635).

Dänische Radio-Industrie hat sich auf das Fernsehen vorbereitet.

Die dänische Radio-Industrie hat sich auf den Fernseh-Start gut vorbereitet und kann auch die Serienproduktion jederzeit anlaufen lassen. Die Preise für FS-Empfänger in Dänemark zeigen erhebliche Preisunterschiede. Das kleinste Modell der Firma Ruhe-Radio wird zu einem Preis von 1800 Kr. angeboten, während das Spitzengerät dieser Firma 3.750 Kr. kostet. Ein anderes Kopenhagener Radioindustrie-Unternehmen will einen FS-Empfänger zum Preis von 2000 Kr. (etwa 1200 DM) herausbringen. Die Firma Bravour-Radio A/S, Kopenhagen-Soborg hat mit der britischen Firma Scophony-Baird ein Lizenzabkommen getroffen, nach dem die Kopenhagener Firma eine dänische Version dieser britischen Marke herstellen wird. Dieses Gerät soll angeblich nur 1000 Kr.kosten.

FI-1950 / 1.Nov-Ausgabe - WIR HÖRTEN und SAHEN:
AUSLANDSÜBERBLICK und ANREGUNGEN - Grossbritanien

Gegenwärtig stellen 35 Firmen FS-Geräte her. Die Monatsproduktion erreichte im Oktober rund 60.000 Apparate. Die Jahreserzeugung 1950 dürfte 500.000 FS-Geräte erreichen.

Die Thorn-Electrical Industries London brachte in den letzten Wochen einen neuen 12-Inch-FS-Empfänger auf den Markt, der starken Absatzerfolg hat,

Holland

Der Sender Hilversum wird, wie uns die "Niederlandsche Radio Unie" in Hilversum mitteilt, nach Aufstellung des grossen Fernseh-Mastes in Lopik bei Utrecht, der eine Höhe von ca. 200m haben wird, einen Versuchsbetrieb für FS-Sendungen einrichten, wobei das 625 Zeilen-System zur Anwendung kommen wird. Der genaue Zeitpunkt, wann mit den VersuchsSendungen begonnen wird, steht noch nicht fest.

Von anderer holländischer Seite hören wir, dass das Fernseh-Studio der Niederlande im Frühjahr 1951 soweit fertig gestellt sein dürfte, dass mit offiziellen Versuchen begonnen werden kann. Von Lopik aus wird es möglich sein, Amsterdam und Rotterdam zu erreichen. Etwa 4 Millionen Holländer könnten dem Fernsehen angeschlossen werden. Später sollen drei weitere Sender errichtet werden, um das ganze Land versorgen zu können.

Von Philips in Eindhoven gibt es bereits jetzt zeitweise VersuchsSendungen und Philips hat auch ein Fernseh-Studio eingerichtet. Vor der Fernseh-Kamera dieses Studios stand kürzlich als erster deutscher Gast der bekannte Schriftsteller Erich Kästner.

Österreich

In Österreich geht die Initiative für den Aufbau des Fernsehens vom Film aus. Initiator ist hier der bekannte Filmprozudent (Wiener Sascha-Produktion)und Regisseur Kolm-Veltes, dem BBC London und Radio Television Paris es ermöglichten, in England und Frankreich die dortige Entwicklung der Television zu studieren,

Schweiz

In der Schweiz ist die Vorbereitung des Fernsehens weit fortgeschritten. Die letzten Errungenschaften der Fernsehtechnik werden bei dem Bau des neuen Senders berücksichtigt, der jetzt in Gipfelhöhe bei Zürich gebaut wird. Nachdem die Firma Brown Boveri & Cie, dort einen Versuchssender in Betrieb genommen hat, wird vorausgesagt, dass die Schweizer einen um 5o% besseren FS-Empfang als Amerikaner und Engländer haben werden. Es ist beabsichtigt, einen zweiten Sender auf dem Jungfrau-Joch zu errichten. Wo Bergzüge die gradlinige Fortpflanzung der Wellen unterbrechen, sollen Relais-Stationen angelegt werden, sodass die ganze Schweiz in den Genuss des Fernsehens kommen wird.

Schweizer und französische Funktechniker errichten auf einem Berg bei Genf einen Fernseh-Versuchsender. Seine Programme werden in der Schweiz und in Frankreich empfangen werden können.

Italien

Nach Mitteilung des italienischen Postministeriums wird in Italien ein Fernseh-Netz errichtet werden. In Turin wird ein Fernseh-Versuchssender installiert, der sowohl 625 Zeilenbilder, wie auch solche von 819 Zeilen senden wird.

Schweden

Die schwedische Telegraphen-Verwaltung hat vorerst für den Aufbau einer Fernseh-Versuchsanlage 2 Mill. Kr. vorgesehen. Die Anlage soll aus einem 5kW-Bild- und 3kW-Tonsender bestehen und in Stockholm errichtet werden. Wahrscheinlich wird die 625-Zeilen-Norm verwendet werden.

FI-1950 / 2.Nov-Ausgabe
Europäische Fernsehkonferenz angestrebt.

Die Arbeitsgemeinschaft der westdeutschen Sendegesellschaften beschloss zunächst die Bildung einer Kommission, die die Aufgabe hat, mit den anderen europäischen Fernseh-Sendegesellschaften in der Frage eines eventuellen Programmaustausches Fühlung aufzunehmen.

Vorsitzender der dreiköpfigen Kommission ist der Intendant des Hessischen Rundfunks, Dr. Beckmann - Frankfurt (Fernseh-Programmgestaltung). Der FS-Kommission gehören ferner an der stellvertrende Intendant des NWDR, Dr. Nestel - Hamburg (Fernsehtechnik) und Dr. Hensel vom Südwestfunk Baden-Baden (Fernsehwirtschaft).

Die Kommission wird zunächst mit einzelnen europäischen Fernsehsendegesellschaften Fühlung aufnehmen. Sie strebt als weiteres Ziel das Zustandekommen einer europäischen Fernsehkonferenz an, die nicht nur eine Verständigung über einen umfassenden europäischen Programmaustausch, sondern auch Klarheit über die bisher noch ungelösten Fragen technischer Vereinheitlichungen, insbesondere auch über eine allgemeine Normierung der Bildzeilenzahl bringen soll.

FI-1950 / 2.Nov-Ausgabe
Der europäische Programmaustausch.

Erfreulich ist auch der Entschluss der deutschen Rundfunkgesellschaften, unverzüglich einen direkten Kentakt mit den westeuropäischen Fernsehgesellschaften zwecks Erörterung der Möglichkeiten eines Programmaustausches aufzunehmen, um damit zu einem neuen Kostenbild für die Entwicklung des Fernsehens auch bei uns zu kommen und die Grundlagen für eine vielleicht mögliche europäische Fernseh-Union zu schaffen.

In erster Linie ist es ja die Kostenfrage, die zu einer Gemeinschaftsarbeit im europäischen Fernsehdienst führen muss. Durch einen großzügigen Programmaustausch könnten die Kosten verhältnismässig niedrig gehalten werden. Ein Fernsehdienst, der nicht nur auf die einzelnen Länder isoliert bleibt, sondern sich in Wechselwirkungen über zahlreiche Länder Europas erstreckt, könnte auch sehr viel anspruchsvollere Programmdarbietungen bringen und unschätzbare Dienste für eine Verbesserung der psychologischen, sozialen, wirtschaftlichen, kulturellen und politischen Beziehungen der europäischen Völker untereinander leisten.

Das Fernsehen hätte hier sehr viel grössere Wirkungsmöglichkeiten als der sprachlich stärker behinderte Rundfunk. Es liesse sich daran denken, dass jedes Land einen Teil eines gemeinschaftlichen Tages- oder Wochenprogramms übernimmt, wobei der Typ einer europäischen Darbietung ohne grosse Sprachschwierigkeiten zu schaffen wäre. Durch eine europäische Gemeinschaftsarbeit könnte die Einführung des Fernsehens in Europa sehr beschleunigt werden.

FI-1950 / 2.Nov-Ausgabe
Pariser Besprechungen zwischen Frankreich und England

Kürzlich hat, wie wir aus London hören, in Paris eine Konferenz über die Herbeiführung eines Programmaustausches zwischen England und Frankreich stattgefunden, an der auch Sir William Haley, der Generaldirektor der BBC, teilgenommen hat.

Über die Einzelheiten und die Ergebnisse dieser Konferenz liegen bis zur Stunde nähere Mitteilungen nicht vor, doch hoffen wir, in Kürze über die Einzelheiten dieser Konferenz einen Bericht zu erhalten. Im Augenblick lässt sich noch nicht sagen, inwieweit die Ergebnisse dieser Konferenz als Teilstück für eine allgemeine europäische Fernsehverständigung zu werten sind.

Der Generaldirektor der BBC in London hat seine Bereitschaft zu einer Gemeinschaftsarbeit im europäischen Fernsehen, insbesondere auf dem Gebiet eines Programmaustausches, bereits nachdrücklich betont und hervorgeheben, dass die BBC hierbei in der Lage sein werde, mehr noch als "gebender Teil" denn als "nehmender Teil" in Erscheinung zu treten. Er verwies auch darauf, dass bei einem europäischen Programmaustausch Schwierigkeiten in der Behandlung des "Copyrights" und auch bei den künstlerischen Kontrakten, namentlich mit den "Artists Unions" zu überwinden sind.

Er hob jedoch hervor, dass man sich in diesen Fragen bereits auf dem Wege zu einer befriedigenden Lösung befinde. Ob trotz aller betonten Bereitschaft der BBC zu einer europäischen Gemeinschaftsarbeit auf dem Gebiet des Fernsehens Gross-Britannien von seinem 405-Zeilensystem abgehen wird, nachdem dort bereits 500.000 für dieses System gebaute Empfänger benützt werden, bleibt abzuwarten. Vielleicht ergibt sich hier eine neue Situation bei einer späteren Einführung des Farbfernsehens.

In Frankreich ist die Zahl der Fernsehempfänger bisher noch sehr erheblich geringer als in Gross-Britannien. Von dieser Seite aus gesehen sollten hier die Schwierigkeiten für eine Normierung der Bildzeilenzahl kleiner sein. Aber dafür gibt es gerade in Frankreich wieder eine Reihe anderer Schwierigkeiten, die eine Verständigung erschweren könnten. Wenn auf einer kommenden europäischen Fernsehkonfenz die deutschen Delegierten für die von der Berner Konferenz befürwortete 625-Zeilen-Norm eintreten, so werden sie gewiss mit zahlreichen Widerständen zu rechnen haben.

Immerhin tauschen auf einer solchen Konferenz Fachleute ihre sachlichen Ansichten miteinander aus und nicht Politiker. Das lässt die Hoffnung, dass es früher zu einer europäischen Fernseh-Union als zu einer allgemeinen europäischen Union kommen wird.

FI-1950 / 2.Nov-Ausgabe - AUSLAND
Niederlande:

Erfahrungen in einem Fernseh-Versuchsstudio
Mit den Erfahrungen von Film und Rundfunk an den künstlerischen Aufbau eines Fernseh-Programms herangehen zu wollen, hat sich als ein Weg von nur beschränktem Wert erwiesen. Das Fernsehen hat seine eigenen Gesetze und Möglichkeiten, die erforscht und erlernt sein wollen. Mancher alte Film- oder Rundfunk-Fachmann, der zum Fernsehen überwechselte, hat einsehen müssen, daß ihm hier seine Erfahrungen nur wenig nützen, und dass er wieder von vorn anzufangen hat. So ist es zu erklären, dass es heute in Deutschland nur einen sehr kleinen Kreis von Menschen gibt, der dem von der Technik erarbeiteten Wunder des Fernsehens die "Seele" einzuhauchen versteht und auch dieser kleine Kreis steht noch am Anfang seiner Lehrjahre.
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Versuchs-Studio begann

Nicht ohne Absicht beginnen wir unsere Veröffentlichungen über Erfahrungen in Fernseh-Studios mit einem Bericht über das "Miniatur-Studio" der Philips-Werke in Eindhoven (Holland), in dem trotz räumlicher und technischer Beschränkung für jeden angehenden Fernseh-Mann wertvolle Grundregeln erarbeitet wurden.

In der Erkenntnis, dass es mit der technischen Entwicklung allein nicht getan ist, sondern dass man auch für die künstlerische Gestaltung des Fernsehens Sorge tragen muss, haben die Philips Werke unter erheblichen Kosten sich ein kleines Versuchs-Studio erstellt, das seit längerer Zeit regelmässig Programme über einen Sender nach Eindhoven und Umgebung ausstrahlt.

Die Empfänger sind Einwohner der kleinen holländischen Stadt, die von Philips Empfangsgeräte geliehen bekommen haben und sich dafür verpflichteten, dem Studio regelmässig ihre Eindrücke über das Programm mitzuteilen. Aus diesem engen Kontakt zwischen Programmgestaltern und ihrem Publikum wurde - gemessen an den eingesetzten technischen Mitteln - die wohl grösstmögliche Summe an Erfahrungen gesammelt, über die wir nachfolgend auszugsweise berichten.

Das Personal
Das Personal des Philips-Versuchs-Fernsehstudios bestand aus 2o Köpfen, und zwar einem Programmleiter, einem Regisseur, einem technischen Leiter und 8 Angestellten für das Bedienen und Manövrieren der Kameras, für den Aufbau der Dekorationen, für die Bedienung der Beleuchtungs- und Belichtungsanlagen sowie für die Filmprojektion und die Aufstellung der Mikrophone. Vier weitere Leute saßen im Kontrollraum für Bild und Ton, und zwar ein Assistent für die technische Bildgestaltung, ein Tonregisseur, ein allgemeiner Assistent und eine Schreibkraft. Ausserdem zählten zum festen Personal zwei sich abwechselnde Ansager, ein Reporter und eine Friseuse für die im Programm Mitwirkenden.

Die technische Ausstattung
Im Studio, das außer den Nebenräumen (Kontrollraum, Projektionskabine, Umkleidekammern und ein Büro) 5 x 11 Meter maß, waren eine grosse (3 x 4m) und eine kleinere Bühne sowie ein fester Platz für die Ansager. Die Studiobeleuchtung bestand aus Hochdruck-Quecksilberdampflampen von 500 Watt, von denen je drei zu einer Einheit zusammengefasst waren. Für die grosse Bühne waren 13 solcher Einheiten, für die kleine Bühne 6 Einheiten vorgesehen. Die Beleuchtung war stationär, d.h., sie wurde zu Beginn der Sendung eingeschaltet und während derselben kaum nachgeregelt.

Der Kamerapark bestand aus zwei fahrbaren Philips-Studio-Kameras und einer Ikonoskopkamera für die Filmprojektion. Alle drei Bühnen im Studio waren mit einem Mikrophon von sehr hoher Empfindlichkeit (der Ton wurde im Frequenz-Modulationsverfahren ausgesandt) ausgerüstet. Die grosse Bühne hatte ein stationäres, die kleinere eines von begrenzter Verstellbarkeit und der Platz des Ansagers ein Angelmikrophon. Im Kontrollzimmer befand sich ein Plattenwechsler für Einleitungsmusik oder musikalische Untermalung der Sendungen. Die Musik wurde im Studio durch einen Lautsprecher hörbar gemacht, was beispielsweise für die Übertragung einer Modenschau sehr wesentlich ist, wenn man einen rhythmischen Gang der Mannequins erzielen will.

Regiezimmer mit Glaswänden
Eine der ersten Erfahrungen, die man im Philips-Versuchsstudio machte, war die, daß ein erhöhtes Regiezimmer mit Glaswänden, von dem aus der Regisseur einen Blick in den Studioraum hat und in dem er eine Bildkontrolltafel vor sich hat, unentbehrlich ist. Der Regisseur muss von hier aus den mit Kopfhörern ausgerüsteten Kameraleuten, dem Aufnahmeleiter sowie den für Bildüberblendung und Tonregelung verantwortlichen Technikern über ein Kommandomikrophon seine Weisungen erteilen.

Die Sichtbarmachung des gesendeten Bildes auf einem Bildschirm im Studioraum erwies sich als nachteilig, da sowohl die Künstler, als auch das Studio-Personal dadurch von ihrer Arbeit abgelenkt wurden,

Erste Programmerfahrungen
Bei Fernseh-Sendungen ist die Länge des Programms ein Punkt, der besonderer Überlegung bedarf. Das Betrachten eines Fernsehprogramms erfordert vom Beschauer in seiner Wohnung ein ganz anderes Mass von Konzentration, als es beispielsweise ein Rundfunkhörer beim Abhören seines Senders aufbringen muss.

Nach den in Eindhoven gemachten Erfahrungen soll ein Fernseh-Programm die Dauer von 1 1/2 Stunden nicht überschreiten. Hierbei ist es ein Unterschied, ob ein abwechslungsreiches Programm oder ein Stück über ein Sujet gesendet wird. Eine Folge von an sich zusammenhanglosen, nur durch einen Ansager aneinandergeknüpften Programmnummern wird im allgemeinen als ermüdender empfunden, als ein sich allmählich entwickelndes Stück.

Die Sendung von Einaktern mit spannender Handlung war besonders erfolgreich. Das Programm wurde von den Beschauern als kürzer empfunden, obwohl es länger als andere Sendungen war. In England hat man inzwischen auch mit grossem Erfolg die dramatische Kunst ("Othello" und andere klassische Dramen) für die Programmgestaltung des Fernsehens herangezogen.

Für den Erfolg einer Fernsehsendung ist die Wirksamkeit des einzelnen Bildes und der Bildwechsel von ausschlaggebender Bedeutung. Selbst in einem kleinen Studio vermag man mit nur zwei Kameras noch einen wirkungsvollen Bildaufbau und einen ebensolchen Bildwechsel zu erzielen, wenn man für die Vorbereitung der Sendung, das Einarbeiten der Mitwirkenden und die Unterweisung der Kameraleute genügend Zeit und Sorgfalt anwendet.

Auch bei den Drehbucharbeiten darf nicht oberflächlich verfahren werden. Überflüssige oder "gewollte" Bilder beeinträchtigen die Gesamtwirkung, ebenso eine zu kleine Anzahl von Bildern. Möglichst viel Abwechslung zwischen Fern- und Nahaufnahmen ist vorteilhaft.

Was besonders auffiel
Ein besonderes, die Fernsehteilnehmer ansprechendes Gebiet ist die aktuelle Reportage. Interviews mit gerade besonders im Blickfeld der Öffentlichkeit stehenden Persönlichkeiten, Sportleuten usw. bringen eine persönliche Note in das Programm. Ist es vielleicht schon ein Erlebnis, die Stimme eines Prominenten im Rundfunk zu hören, so bringt die Fernsehkamera den Interviewten fast als einen Gast in das Heim des "Fernsehers".

Der Fernseh-Reporter muss für diese Aufgabe sein Fragegespräch redaktionell sorgfältig vorbereitet haben und muss es verstehen, während des Gesprächs unauffällig Abschweifungen vom Thema zu vermeiden.

Besondere Möglichkelten bietet die Tanzkunst für die Fernseh-Programmgestaltung. In Eindhoven lösten die Darbietungen einer Hindutänzerin wahre Begeisterung aus, weil es die Kameraleute, unterstützt von einer exotischen Musik und prachtvollen Kostümen, verstanden hatten, in zahlreichen schönen Nahaufnahmen die zierlichen Hand- und Fussbewegungen der Künstlerin sichtbar zu machen. Das sind Einzelheiten, die für einen Zuschauer im Theater nicht wirksam werden können.

Auch die Übertragung eines Harfenkonzerts einer bekannten Solistin wirkte nicht, wie anfänglich befürchtet wurde, ermüdend auf die Zuschauer. Die Formschönheit des Instrumentes, die über die Saiten gleitenden Finger und Nahaufnahmen der Künstlerin boten genügend visuelle Möglichkeiten.

Originelles Pausenbild
Bei sehr abwechslungsreichen Programmen, die, wie schon gesagt, leicht ermüdend wirken, empfiehlt es sich, kurze Pausen einzuschalten. In Eindhoven brachte man während der Pausen Schallplattenmusik und ein Pausenbild, das auf die kommende Sendung hinwies, manchmal aber auch nur rein dekorativ war. Ein besonders hübscher Einfall war es, einen Aschenbecher mit einer brennenden Zigarette zu zeigen, die von Zeit zu Zeit von der Hand eines sonst unsichtbaren Rauchers aufgenommen wurde. Zum Schluss drückte die Hand die Zigarette aus und die Pause war beendet.

Reklamesendungen - Erfolge und Misserfolge
Bei Reklamesendungen konnten in Eindhoven besonders interessante
Erfahrungen gemacht werden. Man ließ Geschäftsleute ins Studio kommen, die inmitten eines geschmackvollen Warenarrangements ihre Fabrikate anboten oder vorführten. Es zeigte sich, dass bestimmte Artikel in Nahaufnahmen derart zur Geltung kommen, dass sie bei den Beschauern fast suggestiv eine Kauflust auslösten.

Schon während der Sendungen wurde das Studio oft von Zuschauern angerufen, die diesen oder jenen Artikel reserviert haben wollten. Das Auftreten der Geschäftsleute vor der Kamera wirkte jedoch in den meisten Fällen verkrampft und gekünstelt, obwohl sie vorher mit dem Studiobetrieb vertraut gemacht worden waren.

Auch zu Reklamesendungen müssen Berufsschauspieler, und zwar Fernseh-Schauspieler herangezogen werden. Besonders erfolgreich verlief eine Modenschau, die von drei Bühnen gleichzeitig gesendet wurde. Der Ansager auf Bühne 1 war nur zu Beginn und am Ende der Sendung zu sehen, während die Mannequins auf Bühne 2 auftraten. Auf Bühne 3 zeichnete in den kurzen entstehenden Pausen eine Modezeichnerin in wenigen Strichen flotte Skizzen der jeweils gezeigten Modelle.

Die Sendung war von Schallplattenmusik untermalt. Von den Modellkleidern wurden möglichst viele Nahaufnahmen gemacht. Obwohl man auf die Farbwirkung verzichten musste, konnten die verschiedensten Details wirkungsvoll auf den Bildschirm gebracht werden.

Die Problematik des Films
Eine besondere Schwierigkeit bildet im Fernsehen die Aufnahme von Spielfilmen in das Fernsehprogramm. Die Fernseh-Technik erfordert ein besonderes Kopienmaterial. Generell kann gesagt werden, dass sich Filme, die keine allzuschnellen Kamerabewegungen erfordern, die keine Szenen von allzugrosser Bewegtheit zeigen und die gutbelechtete Nahaufnahmen enthalten, am ehesten für die Übertragung eignen.

Die Filmwirkung in einem Fernsehprogramm kann aber ausserordentlich stark sein. Nach der Sendursg eines nicht einmal sehr sensationellen Kriminalfilms wurde dem Studio in Eindhoven mitgeteilt, dass sich viele Angehörige des schwachen Geschlechts "nicht mehr ins Bett trauten". Sie standen zu stark unter dem Eindruck der "gruseligen" Szenen und hatten den nach einem Kinobesuch unvermeidlichen, "nervenabkühlenden" Spaziergang entbehren müssen.

Bei der Sendung von Filmen muss auch berücksichtigt werden, dass zu jeder Zeit auch Jugendliche vor den Empfängern sitzen. In Eindhoven machte manchmal der Ansager das Publikum darauf aufmerksam, dass das folgende Stück "für Jugendliche schwer fasslich sein dürfte", ein leiser Wink, der von den Erziehern dankbar aufgenommern wurde. Im übrigen darf weder auf künstlerischem, noch auf technischem Gebiet die Parallele zwischen Fernsehen und Film allzuweit gezogen werden. Das Fernsehbild erfordert eine andere Betrachtung als der Film, in der Dynamik besteht diesbezüglich ungefähr der gleiche Unterschied wie zwischen einem Symphonie- und einem Kammerkonzert.

Die Aufgabe des Ansagers
Schon bei den ersten Versuchssendungen erwies es sich, dass der Ansager eine Aufgabe hat, die ihn voll in Anspruch nimmt. Er muss alle Phasen des Programms auswendig kennen und seine Texte müssen vorher sorgfältig redigiert sein. Dass er ausserdem aber auch aus dem Stegreif sprechen können muss, versteht sich von selbst.

Der Ansager eines Fernsehprogramms soll auf dem Bildschirm wie ein Gast des Hauses in Erscheinung treten. Er muss die einzelnen Darbietungen in gemessener Haltung, also nicht aufdringlich anpreisend, einleiten. Ein Zuviel an Freundlichkeit und übertriebenes Lachen wirken oft gekünstelt. Durch die Anstellung mehrerer, sich abwechselnder Ansager wird erreicht, dass diese sich die Fernsehsendungen ansehen und so aus eigener Anschauung Bildwirkung und Darbietungstechnik studieren.

Kleine Fehler - grosse Lehren
Von den Fehlern, aus denen man bei den VersuchsSendungen lernte, sollen kurz noch einige erwähnt werden. So erwies es sich als programmgestalterisch ausgesprochen falsch, mitunter auch Sprecher vor die Kamera treten zu lassen, die visuell nichts Besonderes zu bieten hatte, und deren Stimme zu hören allein genügt hätte.

Das gleiche war bei einzelnen Musikaufführungen der Fall, weil diese ein viel zu statisches Bild lieferten und vom musikalischen Standpunkt nicht fesselnd genug wirkten. Die Einfügung von Musikaufnahmen in das Fernsehprogramm wirft ganz besondere Probleme auf, die hohe Ansprüche an die produktive Phantasie von Programmgestaltern und Regisseuren stellen.

Während beim Tonfilm bisher immer die Musik als Untermalung des Bildes benutzt wurde, ist im Fernsehprogramm eine umgekehrte Möglichkeit denkbar: das Bild kann zur Untermalung der Musik dienen. Durch sinnvolle Überblendung kann der vom Komponisten erstrebte Ausdruck auch für musikalisch nicht vorgebildete Menschen ins Optische übersetzt und verständlicher gemacht werden. Es wäre denkbar, dass hierdurch eine viel breitere Schicht als bisher am Reichtum beispielsweise der klassischen Musik teilhaben könnte.

Auch in ästhetischer Hinsicht wurden Fehler begangen. Wo keine grossen Bühnen vorhanden sind, wirken auffällige Dekorationen oft zu pompös, während sich mit kleinen Mitteln manchmal recht hübsche Effekte erzielen lassen. Auch die Studio-Beleuchtung erfordert eine spezielle Erfahrung. Nur durch eine möglichst grosse Anzahl ortsbeweglicher Lichtquellen kann man besondere Beleuchtungseffekte erzielen.

Schon diese wenigen Beispiele zeigen, wieviel Erfahrungen zu sammeln sind, ehe ein Studio so funktionieren kann, wie es für die regelmässige Ausstrahlung eines Programms notwendig ist.

Selbst in Amerika ist über die technischen und künstlerischen Punkte der Programmgestaltung noch kein endgültiges Wort gesprochen worden. Das Fernsehen ist heute noch das Neuland der unbekannten Möglichkeiten.

FI-1950 / 2.Nov-Ausgabe -
STREIFLICHTER AUF DIE PRODUKTION
FS-Geräte-Export nach Schweden

Die Elektro-Institut GmbH in Bredeneek bei Preetz (Holstein), die Empfänger nach der Entwicklung ihres wissenschaftlichen Mitarbeiters Prof. Kroebl vom Institut für angewandte Physik der Universität Kiel herstellt, wird jetzt über eine Hamburger Exportfirma Fernseh-Geräte nach Schweden exportieren. Diese Exporte stellen nicht nur die erste Aufnahme einer deutschen Fernsehgeräte-Ausfuhr dar, sondern bilden auch eine "Produktions-Überbrückung" bis zum Aufbau eines deutschen Fernsehgeräte-Marktes.

FI-1950 / 2.Nov-Ausgabe -
STREIFLICHTER AUF DIE PRODUKTION
FS-Empfänger-Produktion der Philips-Werke in Eindhoven

Wie wir von den Philips-Werken in Eindhoven erfahren, haben die dortigen Philipswerke mit der Herstellung von Fernseh-Empfängern bereits begonnen. Die Produktion hat vorerst noch einen nicht allzugrossen Umfang.

Vor kurzer Zeit wurde ein Empfangsgerät in den Handel gebracht, das bisher ausschliesslich an Interessenten in Eindhoven und Umgebung geliefert wurde, weil in den weiter entfernten Teilen des Landes wegen der besonderen Eigenart der Kurzwelle ein befriedigender Empfang der VersuchsSendungen von Philips kaum zu erwarten ist und so Enttäuschungen vermieden werden.

Nach Aufnahme der "offiziellen" Versuchssendungen in Holland, in die die vier grossen Rundfunkvereinigungen des Landes eingeschaltet werden, dürfte auch ein erheblich grösserer Markt von FS-Geräten in Holland entstehen, dem die Philips-Werke auf Grund ihrer rechtzeitig geleisteten umfassenden Pionierarbeit Rechnung tragen können, sodass sich bereits in absehbarer Zeit ihre Produktion an FS-Geräten erheblich vergrössern dürfte. "

FI-1950 / 2.Nov-Ausgabe - AUSLAND
Das Winterprogramm im französischen Fernsehen:

Für das Winterprogramm des Pariser-Fernseh-Senders sind abgesehen von aktuellen Reportagen, Filmen usw. mindestens sieben grosse Direktsendungen in der Woche vorgesehen. Neben der Bemühung um eigenständige "Fernseh-Spiele" werden interessante Ansätze zu fernsehgemässen Musik-, Jugend-, Schulfunk- und TheaterSendungen sichtbar, Die Comedie Francaise wird monatlich eine Vorstellung im Fernsehsender übertragen. Dabei sollen nicht allein die Aufführungsszenen, sondern auch Aufnahmen des Zuschauerraumes und des Foyers mit den in den Pausen promenierenden Publikum gesendet werden. In 20 bis 25.000 französischen Familien kann das von den Sendern Paris (-Eiffelturm) und Lille ausgestrahlte Programm empfangen werden. Sechs weitere Großsender sind geplant.

FI-1950 / 2.Nov-Ausgabe - AUSLAND
Die Entwicklung des Fernsehens in Holland

Wie wir von gutunterrichteter holländischer Seite erfahren, ist seitens der Niederländischen Regierung beabsichtigt, bei der Entwicklung des Fernsehens in Holland unter Einschaltung der hier bestehenden vier grossen Rundfunkvereinigungen Versuche zu veranstalten und diese Versuchssendungen alsbald beginnen zu lassen.

Die erforderliche technische Apparatur ist bereits nahezu fertiggestellt und in nächster Zeit ist auch die Einrichtung eines besonderen grossen Fernsehstudios zu erwarten. Vermutlich kann mit den VersuchsSendungen im Januar 1951 begonnen werden. Allerdings liegt der Termin noch nicht mit Bestimmtheit fest, da noch eine Reihe von Schwierigkeiten zu überwinden ist. Diese Schwierigkeiten sind nicht technischer, sondern mehr finanzieller und programmatischer Art. Es besteht jedoch auch in dieser Hinsicht die Hoffnung auf eine baldige Lösung.

FI-1950 / 2.Nov-Ausgabe - ENGLAND:
Eine Schau der britischen Fernsehgeräte-Erzeugung

von einem Londoner Mitarbeiter :

Die "National Radio Show", Englands grosse repräsentative Rundfunkausstellung, die in diesem Jahre vom 6.-16. September (1950) im Castle Broomwich bei Birmingham stattfand, gab den zahlreichen Besuchern auch einen interessanten und umfassenden Überblick über den gegenwärtigen Stand der britischen Fernseh-Technik und über die Vielfalt der bereits auf dem Markt befindlichen Fernseh-Empfanger.

Für die Besucher, von denen viele bereits ein Fernseh-Gerät zuhause haben und die täglichen Sendungen der BBC sehen, war es besonders interessant, in der Radio Show einen Blick "hinter die Kulissen des Fernsehens" tun zu können.

Ein vollständiges und mit allen erforderlichen technischen Geräten ausgerüstetes Fernsehstudio war eingerichtet worden, aus dem während eines grossen Teils des Tages gesendet wurde. Die Besucher konnten, durch erhöhte Galerien mit schalldichten Glaswänden gehend, das Zustandekommen einer Sendung von den Vorbereitungen bis zum fertigen Bild beobachten. Sie sahen die Arbeit der Bühnendekorateure und der Beleuchtungs-Ingenieure, konnten verfolgen, wie eine Anzahl "make-up-girs" und Studiofriseusen die Künstler noch kurz vor Beginn der Aufnahmen "kamerafertig" machten, verfolgten die Tätigkeit der Kameraleute und ihrer Helfer, erlebten das Spiel auf der Fernsehbühne, das von mehreren Kameras gleichzeitig aufgenommen wurde und schauten schliesslich dem Aufnahmeleiter über die Schulter, der in einem separaten gläsernen Kontrollraum saß.

Die Aufnahmen der einzelnen Kameras waren hier auf Kontroll-Bildschirmen zu sehen, aus denen der Aufnahmeleiter die Sendung "mixte", indem er das ihm jeweils am günstigsten erscheinende Bild zur Sendung "weitergab". Nach ihrem Gang durch das Fernseh-Studio kamen die Besucher schliesslich in die "Hall of Television", in der sie die Sendungen auf den Bildschirmen von 40 bis 50 immer in Betrieb befindliehen Fernseh-Empfängern, die von der Industrie ausgestellt waren, weiter verfolgen konnten.

Die Spezialschau der britischen Fernseh-Industrie war umfassend und bot viele Neuigkeiten. Ausser den Firmen, die Geräte für die Aufnahme und Sendetechnik, und denen, die Fernseh-RÖhren, Antennen und sonstige Einzelteile ausstellten, hatten sich allein 34 Herstellerfirmen von Fernseh-Empfängern an der Ausstellung beteiligt, von denen die meisten mehrere Modelle zeigten. Vom kleinen Tischempfänger bis zum Grossprojektions-Apparat, vom einfachen Gerät bis zum kombinierten "Bild- und Tonschrank" - Fernsehgerät, Radioapparat und Plattenspieler in einem - war alles zu sehen.

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Vorgestellte englische Produkte

Aus der Fülle des Gezeigten seien hier nur einige Beispiele erwähnt.

  • Die Scofony-Baird Ltd., Wembley,
    hatte sechs Modelle auf die Ausstellung gebracht, darunter zwei antennenlose Schrankgeräte mit 12-inches-Kathodenstrahlröhren (1 inch = 2,54cm) und zwei Tischgeräte mit 9-inches-Röhren. Die Firma, die ihre Modelle "Townman" und "Countryman" benennt, hat besondere Konstruktionen für den Stadtempfang (in der Nähe eines Senders) und für den meist unter schwierigeren Bedingungen stehenden Empfang auf dem flachen Lande entwickelt. Ausserdem zeigt sie ein kleines antennenloses und transportables Gerät, das einen Bildschirm von 50 Quadrat-Inches hat.
  • Die A.C.Cossor Ltd., London,
    hatte auf ihrem Stand eine Anzahl Modelle mit 10- und 12-inehes-Röhren ausgestellt. Der Tischempfänger kostet 51£ (etwa 660 DM), Schrankgeräte 63£ (etwa 820 DM). Die Cossor-Television-Apparate sind mit Cossor-Kathodenstrahlröhren ausgestattet, die als besonderes Patent der Firma ein "Ion Trap" genanntes Elektronic-Sieb haben, das die Bildwiedergabe störungsfreier gestalten soll.
  • E.K.Cole Ltd., Southend on Sea,
    hat in diesem Jahre drei "Ekco"-Modelle mit 12-inches-Röhren und ein kombiniertes Schrankgerät mit einer 15-inches Röhre herausgebracht. Letzteres kostet 84£, ein kleineres Schrankgerät 75£12sh und ein Tischgerät 57£.
  • Die English Electric Co. Ltd., Kingsway,
    die als erste der englischen Fernsehgeräte-Hersteller Grossbildapparate auf den Markt gebracht hatte, zeigte auch diesmal ein Gerät mit besonders grossem Bildschirm, das nicht ganz 100£ kostete. Interessant war vor allem ihr transportables Fernsehgerät, ein Breitbandempfanger für alle Television- und IM-Frequenzen, der auch unter schwierigen Empfangsbedingungen noch eine gute Bildwiedergabe haben soll.

  • Viel Beachtung fand auch die Ausstellung der Philips Electrica! Ltd. London, auf der zwei neue Modelle der speziell von dieser Firma entwickelten Fernseh-Projektionsgeräte zu sehen waren. Diese Apparate, in denen eine verhältnismässig kleine Kathodenstrahlröhre das empfangene Bild auf einen Schirm von 34 x 5 x 25,7cm projeziert, sollen eine besonders "lebenswahre" Bildwiedergabe besitzen. Ein grösseres Modell, das Philips vor allem für Clubs, Hotels usw. empfiehlt, hat einen Bildschirm von 42,2 x 32,5cm.

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Der Artikel wurde von P.R. im Winter 1950 geschrieben

FI-1950 / 2.Nov-Ausgabe - ENGLAND:
Die britischen Fernsehempfänger-Hersteller :

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  1. A.J.Balcombe Ltd., London E.C.2 52HBt Tabernacle Street
  2. Bush. Radio Ltd. Power Road
  3. Chiswick, London W.4, Zweigwerk Ernestsetile, Plymout
  4. Champion Electric Co. Ltd. Seafard, Sussex
  5. E,K.Cole Ltd., Southend on See, Essex
  6. Cooperative Wholesale Society Ltd. 1 , Balloon Street, Manchester
  7. A.C.Cossor Ltd., Cossor House Higiibury Grove, London N 5
  8. Decca Recard Co. Ltd. Brixton Road,London SW 9
  9. Dynatron Radio Ltd, Erfecta Works Ray Lea Road,Maidenhead,Berks
  10. English Electric Co. Ltd., London, Queens House, Zingsway W.C.2
  11. Ferguson Radio Corp Ltd,105 Juddstreet, London W,C.1
  12. Ferranti Ltd.$ Hollinwood, Lancs
  13. R.H.Fitton Ltd, Brighouse, Yorks
  14. General Electric Co. Ltd. Magnet Hause, Kingsway, London W.C.2
  15. Gramophone Co. Ltd. Blyth Road, Hayes, Middx.
  16. Haie Electric Co. Ltd., Talbot Road West Ealing, London W 13
  17. Invicta Radio Ltd.? Parkhurst Road, London N 7
  18. KoIster-Brandes Ltd., Footscray, Sidcup, Eent
  19. McMiciiael Radio Ltd#> 190 Strandt London W.C.2
  20. Marconiphone Co. Ltd. Blyth. Road, Hayes, Middx.
  21. Masterradio Ltd, 10/20 Fitzroy-. place, London H.W. t
  22. Mullard Electronic Products Ltd. Century Hause, Shaftesbury Ave. London W.C.2
  23. Murphy Radio Ltd. Radio Broadwater Road, Welwyn Garden-City, Herts
  24. Peto Scott Electrica! Instruments Addlestone Road, Weybridge, Surx^ey
  25. Philco Ltd (Great Britain) Ltd. (Hur für Inlandsmarkt) Lion House Red Lion Street, Richmond, Surrey
  26. Philco (Overseas) Ltd. (für Export) 204, Great Portland Street,London London W1
  27. Philips Electrical Ltd., Century House Shaftesbury Avenue, London W.C.2
  28. Pilot.Radio Ltd., Park Royal Road,
  29. London K.W.10 Pye Ltd., Radio Works, Cambridge
  30. Radio Gramophone Development Co. Ltd. Pale Meadow Works, Bridgenorth Shropshire
  31. Regen tone Products Ltd. Eastern Avenue, Romford, Essex
  32. Romac Radio Corp. Ltd., Edgware Road, The Hyde, London H.W. 9
  33. ScophonyKBaird Ltd. Lancelot Road, Wembley, Middx.
  34. Sobell Industries Ltd. Langley Park, Slough, Bucks.
  35. Ultra Electric Ltd. Western-Avenue, Acton, London W.3
  36. "Vidor" Burndept Ltd. Erith, Kent.

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FI-1950 / 2.Nov-Ausgabe - ENGLAND:
Auto-Zündkerzen verursachen "Schneesturm" im Sernsehhild

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Kundendienst der britischen Post beseitigt Störungsquellen

Bekanntlich können Kraftfahrzeug-Zündkerzen ganz empfindliche Störungen des Fernseh-Empfangs verursachen. Jedesmal, wenn in ihnen ein Funke überspringt, wirkt dieser Vorgang wie die Ausstrahlung eines winzigen Radiosenders. Die Wellenlängen dieser "Miniatur-Sender" decken sich ungefähr mit denen, die für das Fernsehen benutzt werden. Das Überspringen des Zündfunkens in der Nähe eines Flernseh-Empfängers wird auf dem Bildschirm als ein weisser Lichtpunkt sichtbar, ein auf vollen Touren laufender Motor entfesselet also eine Art "Schneesturm" auf dem Fernseh-Bild.

Zuweilen ertönt auch im Lautsprecher ein lautes Ticken. Jeder Tick-Ton ist ebenfalls durch einen Zündvorgang verursacht und man kann an der Reihenfolge leicht das Arbeiten der einzelnen Zylinder eines Motors abhören. Diese unangenehmen Störungen des Fernseh-Empfanges sind verhältnismässig einfach zu beseitigen.

Die englische Industrie hat jetzt einen "Suppressor" auf den Markt gebracht, ein kleines Gerät in einem Bakelitkästchen, das einen Widerstand von 15.000 Ohm bewirkt und am Verteiler eines Kraftfahrzeuges anzubringen ist. Der "Unterdrücker", der ein bis zwei Schilling kostet, behebt nahezu völlig die Störung des Fernseh-Empfanges.

Fast alle Fahrzeuge der Regierung und der grösseren Betriebe sind heute schon mit diesem Gerät ausgerüstet. Der Fernsehteilnehmer kann aber auch durch sorgfältige Auswahl und richtige Anbringung seiner Antenne die durch Kraftfahrzeuge verursachten Störungen in seinem Gerät vermindern.

Weitere Störungsquellen für den Fernseh-Empfang bilden ärztliche Diathermie-Apparate. Die einzige Möglichkeit, diese Apparate zu "entstören" besteht darin, sie in einem mit Drahtnetzen oder besonders präparierter Wellpappe umgebenen Raum arbeiten zu lassen. Drahtnetze und Wellpappe haben die Aufgabe, die entstandenen Störwellen abzufangen und zu "erden". In den meisten englischen Krankenhäusern sind diese Vorkehrungen schon getroffen worden. Auch elektrische Bügeleisen, Warmwasser-Bereiter, elektrische Haushaltsgeräte, Amateur-Rundfunksender und selbst einfache Radio-Geräte können den Fernseh-Empfang stören.

Die britische Post hat einen "Fernseh-Kundendienst" eingerichtet, der mit allen modernen Hilfsmitteln ausgerüstet ist. Fernseh-Teilnehmer, deren Empfang gestört ist, können sich an diese Einrichtung wenden, die dann die Störungsquelle ausfindig macht und nach Möglichkeit entstört. Dieser Kundendienst erfolgt für die Fernseh-Teilnehmer kostenlos.

M.W.

AUSLANDSÜBERBLICK und ANREGUNGEN
FI-1950 / 2.Nov-Ausgabe - England

Von März bis September 1950 betrug der monatliche Umsatz von FS-Empfangsgeräten in England durchschnittlich 20.000 Stück. In den Herbstmonaten haben die Umsatzziffern eine weitere beträchtliche Erhöhung erfahren. Die Zahl der neu angemeldeten FS-Empfänger hat 1950 die Zahl der neu angemeldeten Rundfunkgeräte überschritten.

Die britische Regierung erhebt eine VerkaufsSteuer auf FS-Geräte in Höhe von 33% auf die Grosshandelspreise. Diese Steuer ist bei den von der Industrie genannten Verkaufspreisen für FS-Geräte bereits eingeschlossen.

Die Steuer findet, wie uns das Radio Industry Council (London) mitteilt, auf Empfangsgeräte, die exportiert werden, keine Anwendung.

Von 800.000£ Kosten für die Durchführung der englischen Fernseh-Programme entfielen 500.000£ auf die Programmgestaltung und 300.000£ auf den technischen Dienst.

Fernseher in englischen Hotels

Das Cumherland-Hotel in London hat nunmehr jedes seiner 1.000 Zimmer mit Fernseh-Anschlüssen ausgestattet. Ein Hotelgast, der sich ein Fernseh-Programm der britischen Rundfunkgesellschaft anzusehen wünscht, braucht über das Zimmertelefon nur die Hauszentrale anzurufen und sofort rollt das Zimmermädchen auf einer Art Teetisch einen Fernseh-Apparat herbei, schliesst ihn an das Netz an und erklärt dem Gast den Mechanismus der Bedienung.

Die Übertragung erfolgt von einem unter dem Dach installierten zentralen Empfangsgerät. Die Benutzungsgebuhr beträgt 3 Schilling täglich. Auch in den jetzt zur Errichtung kommenden neuen Hotels in London erhalten sämtliche Zimmer Fernseh-Anschluss.

Pariser Modenschau aus London

Zum ersten Mal in Europa wurde eine glanzvolle Pariser Modenschau im Ausland über den Fernsehsender gezeigt. Der bekannte Pariser Modeschöpfer Christian Dior sandte seine schönsten Mannequins nach London, dort zeigten sie vor der Fernseh-Kamera des britischen Rundfunks bezaubernde Abendkleid-Modelle. Da diese "ferngesehene Modenschau" besonders grossen Erfolg hatte, wird erwartet, dass Modenschauen in den Programmen der Fernsehsender künftig eine grössere Rolle spielen werden.

FI-1950 / 2.Nov-Ausgabe - Schweden

Die erste Fernsehübertragung in Schweden wird versuchsweise während der Nobelpreisverteilung am 10. Dezember vorgenommen werden. Da mit der Überreichung der Auszeichnungen auch die Feier des 50-jährigen Jubiläums der Nobel-Stiftung verbunden ist und die vielen geladenen Gäste - darunter allein 95 Nobel-Preisträger - nicht im Grossen Saal des Stockholmer Konzerthauses untergebracht werden können, sollen die übrigen Festteilnehmer im Kleinen Saal und im Royal Kino durch Fernseh-Übertragung den Vorgängen folgen.

Für die ersten Fernseh-Versuchsübertragungen in Schweden werden auch in Deutschland hergestellte FS-Empfangsgeräte verwendet werden.

FI-1950 / 2.Nov-Ausgabe - Dänemark

Wie uns Statsradiofonien Kopenhagen mitteilt, musste der ursprünglich für Anfang November vorgesehene Beginn der Kopenhagener Fernseh-Sendungen vorläufig verschoben werden. Ein genauer Zeitpunkt, wann diese Sendungen beginnen werden, kann im Augenblick noch nicht bestimmt werden.

FI-1950 / 2.Nov-Ausgabe - Österreich

Österreichische Radio-Ingenieure studieren gegenwärtig im Ausland die Methoden des Fernseh-Sendebetriebes und die Produktion von FS-Empfangsgeräten. Bei Philips Eindhoven wurden ihnen serienmässig erzeugte FS-Empfänger gezeigt.

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