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überarbeitet von Gert Redlich ab Feb. 2014 - Eigentlich sprechen wir von einer Gazette - Es sind gigantische Textmengen (Buchstaben-Wüsten), die die Autoren der "FI" in den 58 Jahren zusammen getragen haben. Damit das überhaupt vernünftig zu lesen ist, haben wir die Inhalte in jährliche Themengebiete aufgeteilt, die aber nicht in jedem Jahr gleich sind.
Sehr wichtig ist, es wurden alle Informationen, die Texte und die Erkenntnisse genau in der Woche aufgeschrieben und nichts später ergänzt oder korrigiert.

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(1950) Der Wiederaufbau des Fernsehens in Westberlin.

Nach einer Mitteilung des technischen Leiters des NWDR Berlin, Blesaer, wird es bereits in einem halben Jahr technisch möglich sein, in Westberlin ein Fernsehprogramm auszustrahlen. Der Aufbau einer entsprechenden Sende-Anlage in Berlin am Fuss des Funkturmes wurde beendet. Die dazugehörige Grossantenne wurde auf der Spitze des Turmes angebracht. Vorerst soll die neu errichtete Radio-Station des NWDR über Ultra-Kurzwelle ein Berliner Rundfunkprogramm senden. Nach Inbetriebnahme des Berliner Fernsehfunks ist geplant, "Fernseh-Stuben" für die Bevölkerung einzurichten. Für Interessenten, die sich selbst einen Empfänger zulegen wollen, sollen wesentliche Zahlungserleichterungen gewährt werden.

Wie Blesser weiter mitteilte, wird das geplante Berliner Fernseh-Programm in der Hauptsache vom Hamburger Sender aus dessen "Speicher-Aufnahmen" übernommen. Später soll es durch spezielle Berliner Nachrichten und aktuelle Aufnahmen ergänzt werden. Das Hamburger Programm kann vorerst nur durch Ultra-Kurzwellen zur Empfangsstation auf dem Funkturm gestrahlt werden, da das Legen eines Kabels durch die Sowjetzone nicht möglich ist. Die Empfangsstation auf dem Funkturm wird die aufgefangene Sendeenergie verstärken und über den neuen UKW-Fernsehsender ausstrahlen.

FI-1950 / 1.Nov-Ausgabe
Die Fernsehprobleme in Süddeutschland.

Von Dipl. Ing. F. Schlechtweg - Leiter des Rundfunk-Technischen Instituts in Nürnberg.

Der starke und auch positive Widerhall, den die Aufnahme der öffentlichen Versuchssendungen des NWDR in Hamburg ausgelöst hat, hat in der Öffentlichkeit und in Fachkreisen zu kritischen Erörterungen über die "Passivität" der in Süddeutschland befindlichen Rundfunkgesellschaften in der Frage der Entwicklung und Förderung des Fernsehens geführt.

Die nächstehenden, uns zur Verfügung gestellten Ausführungen des Leiters des RTI in Nürnberg, Dipl. Ing. W. Schlechtweg, dürften daher von besonderem Interesse sein.

Wenn man die Fernsehfragen in der deutschen Bundesrepublik verfolgt, so drängt sich aus den Berichten, die der Öffentlichkeit zugänglich sind, der Eindruck auf, dass nur der Nordwestdeutsche Rundfunk in Hamburg an diesen Aufgaben aktiv mitarbeitet, - ja, aus der selben Quelle könnte der Eindruck entstehen, dass die Rundfunkgesellschaften in Süddeutschland dem Fernsehen ablehnend gegenüberstehen.

Diese Frage ist wert, einmal näher untersucht zu werden. Man wird sich erinnern, dass vor wenigen Wochen in den Tageszeitungen berichtet wurde, dass die verantwortlichen Organe des Bayerischen Rundfunks einen Etat für Fernsehaufgaben abgelehnt haben mit der Begründung, dass die Entwicklung von Fernsehgeräten nicht eine Aufgabe der Rundfunkgesellschaften, sondern der Industrie sei.

Weiterhin wurde zum Ausdruck gebracht, dass Fernsehfragen nicht Sache einer Rundfunkgesellschaft sein können, sondern gemeinsam behandelt werden müssen. Bei oberflächlicher Betrachtung wird man hier eine ablehnende Haltung zum Fernsehen herauslesen. Versucht man aber die Begründung kritisch zu werten, so kann man sich den Argumenten nicht verschliessen.

Es ist selbstverständlich richtig, dass die Geräte-Entwicklung Sache der zuständigen Industrie ist. Die Rundfunk-Gesellschaften sind technisch gesehen Betriebsstellen, die ihren technischen Bedarf bei der Industrie einkaufen - gerade hierum hat ja die Industrie lange genug gekämpft.

Offen bleibt nur die Frage, ob eine Rundfunkgesellschaft einen Beitrag dazu leisten soll, einen deutschen Spezialbetrieb finanziell zu unterstützen, um bekannte Fernseh-Spezialisten dem Fernsehen zu erhalten.

Es ist aber verständlich, wenn man diesem Wunsch zurückhaltend gegenübersteht, solange, hohe Ausgaben für das brennende Problem der normalen Rundfunkversorgung vor Augen stehen.

Wenden wir uns dem zweiten Argument zu, nämlich der Forderung nach gemeinsamer Bearbeitung der Fernsehfragen, so kann man nur lebhaft zustimmen. Hierbei gibt es drei Gesichtspunkte: den kulturellen, den wirtschaftlichen und den technischen. Der kulturelle und der wirtschaftliche Fragenkomplex hängen eng zusammen.

Es ist klar, daß das Programm umso wertvoller ist, je grösser der Kulturkreis ist, aus dem es geschöpft werden kann, und wenn man hierbei die Kosten auf eine grössere Zahl von Gesellschaften verteilt, die das Programm übernehmen, so können die finanziellen Lasten der einzelnen Rundfunkgesellschaften stark reduziert werden.

Wenn die vorstehenden Argumente nach freier Übereinkunft zur Anwendung kommen können, so ist zu den technischen Fragen zu sagen, dass sie gemeinsam gelöst werden müssen. Hier steht uns die Entwicklung des Fernsehens in den USA warnend vor Augen.

Dort haben die Störungen infolge der Überreichweiten von Sendern, die auf gleichen und benachbarten Frequenzkanälen arbeiten, derartige Folgen gehabt, dass die zentrale Lizenzierungsbehörde (die F.C.C.) lange Zeit hindurch die Ausgabe von Genehmigungen zur Errichtung neuer Fernsehsender gesperrt hat.

Hier ist ein sorgfältiges Studium der Ausbreitungsverhältnisse notwendig, das auch in den USA noch lebhaft bearbeitet wird, wobei zu beachten ist, dass die geographischen und troposphärischen Verhältnisse des jeweiligen Gebietes die Ausbreitungsbedingungen weitgehend beeinflussen. Beim Studium der Ausbreitungsverhältnisse im UKW-FM-Gebiet haben sieh diese Unterschiede bei den bisher durchgeführten Messungen schon herausgestellt.

Zu bemerken ist noch, dass das amplituden-modulierte Fernsehen gegen Störungen viel empfindlicher ist als der frequenz-modulierte UKW-Rundfunk. Auch die Planungsbedingungen der Landesversorgung sind von Land zu Land verschieden mit Rücksicht auf die elektrischen Daten der Fernseh-Empfänger, die in Deutschland in dem Bestreben nach billigen Geräten vermutlich anders sein werden als in den USA.

Hier muss die Arbeit der wissenschaftlichen Institute einsetzen, die sich die Rundfunk-Gesellschaften seit langem geschaffen haben. Nur so kann man schwere Rückschläge vermeiden, die finanziell für den deutschen Fernsehteilnehmer unerträglich sind.

Weiterhin muss dafür gesorgt werden, dass auf dem Fernsehgebiet eine mindestens europäische Normung der technischen Daten erreicht wird. Nur so ist ein weitgehender Programmaustausch im Sinne einer Kostenersparnis möglich. Die Frage der Wahl des Frequenzbereiches für die Sendefrequenz ist zu studieren, da bei der hohen Kanalbreite beim Fernsehen die Planung der Versorgung des ganzen Landes ausserordentlich schwierig ist.

Weiterhin gibt es noch eine grosse Menge von technischen Einzelfragen, die in Zusammenarbeit mit der Industrie geklärt werden müssen, um durch einheitliche Forderungen an die Betriebsgeräte, an die Sender und Empfänger unnötige Ausgaben zu ersparen.

Wenn die Rundfunkgesellschaften in der Bundesrepublik einstweilen dem Fernsehen gegenüber noch eine gewisse Zurückhaltung bewahren, so ist es von ausserordentlicher Bedeutung, dass diese gewonnene Zeit für die wissenschaftliche Arbeit intensiv ausgenutzt wird, dass also die wissenschaftlichen Institute die Laboratoriums- und Planungsarbeit mit aller Energie betreiben, um nachher von der technischen Seite her so einwandfreie Unterlagen zu bieten, dass mit den geringsten Mitteln ein störungsfreier Fernsehbetrieb aufgebaut werden kann und die Verschwendung von Geldern infolge Fehlplanung nach Möglichkeit vermieden wird.

FI-1950 / 2.Nov-Ausgabe - DEUTSCHLAND
Beschleunigter Fernseh-Start in Deutschland!
Fernsehen kommt schneller als vielfach erwartet.

Wenn in Westdeutschland die Frage erörtert wurde, wann hier mit regelmässigen öffentlichen Fernsehsendungen zu rechnen sei, so hörte man oft das spöttische Wort: das Fernsehen sei etwas, was wir wohl erst in der Ferne sehen werden.

Die Skeptiker stützten sich hierbei auf die bisher genannten vagen Daten, nach denen mit der Aufnahme eines öffentlichen Fernsehbetriebes im Hinblick auf die ausserordentlichen technischen, organisatorischen und finanziellen Schwierigkeiten nicht vor 1953 oder 1954 zu rechnen sei. Zaghaft wurde auch das Jahr 1952 genannt.

In der ersten Novemberausgabe der "Fernseh-Informationen" erklärten wir demgegenüber: "Wir haben gute Gründe für die Ansicht, dass auch bei uns der Aufbau eines Fernsehnetzes schneller vor sich gehen wird, als es die bisher genannten Daten vermuten lassen - trotz der unbestreitbar hohen Kosten und anderer Schwierigkeiten".

Nun scheint festzustehen, dass der Fernseh-Start in Westdeutschland eine erfreuliche Beschleunigung erfahren wird, dass bereits im kommenden Jahr in Westdeutschland Fernsehsender errichtet werden und dass damit auch Fernsehsendungen auf einer breiteren Basis ermöglicht werden.

FI-1950 / 2.Nov-Ausgabe
Wichtige Vorentscheidungen fielen in Frankfurt

In Frankfurt fand Mitte November eine Tagung der Arbeitsgemeinschaft der Westdeutsehen Rundfunkgesellschaften statt, an der die Intendanten sämtlicher Rundfunksender der Bundesrepublik teilnahmen. Auf dieser Konferenz sind wichtige Vorentscheidungen für die künftige Entwicklung des Fernsehens in Westdeutschland gefallen.

Die Vertreter des NWDR gaben hier, wie wir erfahren, einen umfassenden Rückblick auf die vom Nordwestdeutschen Rundfunk in Hamburg geleistete Vorarbeit auf dem Gebiet des Fernsehens und berichteten über den gegenwärtigen Stand der VersuchsSendungen sowie über die bisher geleisteten Investitionen.

Dann machten sie die für die breitere Öffentlichkeit besonders interessante Mitteilung, dass der NWDR bereits im kommenden Jahr den Bau von Fernsehsendern beginnen werde. Anschliessend entspann sich eine rege Debatte über die Beteiligung der übrigen westdeutschen Sendegesellschaften an der Entwicklung eines deutschen Fernsehens. Die Intendanten gaben schliesslich der Ansicht Ausdruck, dass ein nur auf der innerdeutschen Basis aufgezogenes Fernseh-Sendeprogramm sehr kostspielig werden würde.

Ein großzügiger Ausbau des Fernsehens könne nur auf europäischer Basis erfolgen, wobei durch einen möglichst regen Programmaustausch die wirtschaftliche Grundlage des Fernsehens erheblich verbessert werden könnte.

FI-1950 / 2.Nov-Ausgabe
Erhöhte Aktivität für deutsches Fernsehen.

Wenn jetzt auf der Frankfurter Tagung der westdeutschen Rundfunk-Intendanten eine höhere Aktivität als bisher für die Einführung des Fernsehens in Westdeutschland zu verzeichnen war, so ist das nicht nur auf den weiteren Vorstoss des NWDR in dieser Richtung zurückzuführen, sondern es hat sich gezeigt, dass bei Aufbau des UKW-Netzes eine grosse Summe wertvoller, praktischer Erfahrungen gesammelt werden konnten, die für die Gestaltung einer modernen Fernsehtechnik von sehr erheblicher Bedeutung sind.

Die Praxis hat hier die bisherigen Theorien bereits überholt und drängt nach Entfaltung. Die fortschrittlichen Tendenzen (im Hinblick auf das Fernsehen) haben sich, wie die Debatten in Frankfurt zeigten, bei einem, Teil der Rundfunkintendanten verstärkt. Die "konservativen" Elemente unter ihnen scheinen kompromissbereiter geworden zu sein, wenn ihnen auch die Entwicklung des Fernsehens aus den verschiedensten Gründen nicht allzu sehr "am Herzen" liegt und ihnen augenscheinlich ein grosses Monopol geradezu "aufgedrängt" werden muss.

Die Entwicklung des Fernsehens in Deutschland scheint nämlich, wenn es nicht doch noch einige Überraschungen gibt, auf ein neues Monopol der Rundfunkgesellschaften hinauszusteuern. Dass das Fernsehen auch in Deutschland nicht mehr aufzuhalten ist, das hat im wesentlichen auch die Frankfurter Tagung der Rundfunk-Intendanten augenscheinlich gemacht.

FI-1950 / Dez-Ausgabe - Die Vorbereitungen für ein allgemeines Fernsehen in Westdeutschland

Die Beschaffung von Sende-Anlagen. - Fernsehdienst auch in Berlin.

Unter der Voraussicht, dass der Verwaltungsrat des NWDR im nächsten Etatsjahr (Beginn 1.April 1951) die notwendigen Mittel bewilligt, ist, wie wir erfahren, seitens des NWDR an die Beschaffung und Errichtung von Sendeanlagen gedacht, die den Start eines regelmässigen Fernsehdienstes in Berlin, Hamburg und im Westen (Köln-Langenberg) ermöglichen. Es ist also keineswegs an den alleinigen Ausbau von Hamburg gedacht.

FI-1950 / Dez-Ausgabe - Die Vorbereitungen für ein allgemeines Fernsehen in Süddeutschland

Durch die Vorbereitungsarbeit der Bundespost - Schaffung von Fernseh-Kanälen - ist durchaus die Möglichkeit gegeben, das in Hamburg erarbeitete Fernseh-Programm 1952 über Frankfurt auch nach Süddeutschland zu leiten und dort nach Errichtung der notwendigen Sender auszustrahlen.

Fest umrissene Pläne liegen jedoch bis jetzt noch nicht vor. Auch die Frage der Finanzierung der Sendebauten und eines regelmässigen Fernseh-Programms steht noch offen. Erörterungen mit dem Ziel, die westdeutschen Rundfunkanstalten durch die Bereitstellung eines prozentual gleichmässigen Teiles ihrer Einkünfte durch Hörergebühren für die Entwicklung und den Ausbau eines deutschen Fernseh-Rundfunks zur Verfügung zu stellen, stiessen bisher auf keine Gegenliebe und sind offiziell nocn nicht debattiert worden.

Die Vereinheitlichung der bisher besprochenen Normen wäre für den internationalen Programmaustausch wichtig, um die unveränderte direkte Übernahme ausländischer Bildsendungen auf die eigenen Sender zu ermöglichen. Dagegen sind die weiteren Normen in dieser Hinsicht nicht von gleicher Bedeutung.

Es bestehen heute noch verschiedene Normen für das Bildformat. Auch über die Tonsendung herrscht noch kein Einvernehmen, denn die Meinungen sind geteilt, ob man in Europa die Amplitudenmodulation der Frequenzmodulation vorziehen soll.

Eine Einigung über alle diese Fragen wäre im Interesse der Vereinheitlichung der Empfangsgerätetypen wünschenswert, um deren Erzeugung zu rationalisieren und den Export zu erleichtern. Von ausschlaggebender Bedeutung für die Entwicklung des Fernsehens wird aber vor allem die Festsetzung gemeinsamer Normen für die Bildzeilenzahl und Bandbreite sein, womöglich auch für die Bildmodulation.

von Paul Bellac (Schweiz) - FI-1950 / Dez-Ausgabe


FI-1951 / 1. Jan.-Ausgabe
Die Fernseh-Entwicklung in Süd- und Südwestdeutschland
Frankfurt beginnt sich auf das Fernsehen vorzubereiten.

Zu der naheliegenden Frage, warum Frankfurt gegenüber Hamburg im Fernsehen ins Hintertreffen geraten zu sein scheine, erklärte der Intendant des Hessischen Rundfunks, Eberhard Beckmann, der bekanntlich auch Vorsitzender der neuen deutschen Fernseh-Kommission ist, in einem Interview mit der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" u.a.:

  • "Weil vollwertige Fernseh-Programme mit sehr hohen Kosten verbunden und die notwendigen Kräfte für erstklassige Fernsehsendungen noch nicht vorhanden sind, deshalb sind wir in Frankfurt noch solange zurückhaltend, bis der Hessische Rundfunk zum Fernsehen einen Beitrag liefern kann, der auch der schärfsten Kritik standhält.
    Wenn aber der Zeitpunkt für Frankfurt gekommen ist, dann dürfte der Hessische Rundfunk im Rahmen eines deutschen oder europäischen Fernseh-Dienstes zu Spitzenleistungen fähig sein."


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FI-1951 / 1. Jan.-Ausgabe - Radio Frankfurt hat wenig Geld

Die Schwierigkeiten finanzieller Art liegen in erster Linie darin, dass Frankfurt die Mittel, die für die Errichtung eines Fernseh-Betriebes frei gewesen wären, infolge des Kopenhagener Wellenplanes für die UKW-Einrichtungen, für Umstellungen in den Mittelwellen und den Ausbau der Kongresshalle aufwenden musste.

Die Frankfurter Kongresshalle und Pädagogische Akademie mussten aber gerade im Hinblick auf das kommende Fernsehen übernommen werden, weil hier Möglichkeiten bestehen, die günstiger sind als in irgend einer anderen deutschen Stadt.

Hamburg dagegen mit seinen grossen finanziellen Mitteln konnte jetzt schon die Tradition des deutschen Fernsehens aufnehmen, einen 100-Watt-Sender bauen, einen Versuchsbetrieb einrichten und die erste Fernsehkamera erwerben. Hamburg ist aber zur Zeit noch ein Provisorium.

Man müsste jetzt anfangen

Intendant Beckmann erklärte weiter, dass nunmehr der Zeitpunkt gekommen sei, an dem auch die süd- und südwestdeutschen Sender ernsthaft mit dem Fernsehen einen Anfang machen müssten ! Sowohl auf der internationalen Kulturkonferenz in Lausanne als auch bei seinem Besuch in Paris als Mitglied der Fernseh-Kommission habe er den Standpunkt vertreten, dass es zu einem Zusammenschluss aller Stationen für das Fernsehen kommen müsse, bei dem jede Station einen spezifischen Beitrag leiste. Die blosse Übertragung von Hamburger oder Kölner Programmen genüge für Frankfurt nicht.

Wenn die Post Ende 1951 ihr Fernsehkabel von Hamburg bis zum Feldberg gelegt habe, müsse der Hessiseiie Rundfunk auf dem Feldberg einen Fernsehsender errichten. Für Frankfurt sei besonders die Sendung von Kulturprogrammen mit Kulturfilmen vorgesehen. Das Senden von Opern und Hörspielen müsste dagegen solange zurückgestellt werden, bis mit den notwendigen Mitteln die idealen Atelierbauten neben der Kongresshalle gebaut werden könnten.

FI-1951 / 2. Jan.-Ausgabe - DEUTSCHLAND
Die nächste Hauptarbeit im deutschen Fernsehen
Vom sendetechnischen Gebiet zur praktischen Fernsehproduktion

Staatssekretär a.D. Dr. Ing. h.c. Hans Bredow hat dieser Tage bemerkenswerte Ausführungen über den Stand und die Entwicklungsrichtung des deutschen Fernsehens gemacht. Seine sachlichen Mitteilungen sind im wesentlichen unseren Lesern bereits bekannt, da wir über die einschlägigen Fragen in den vorhergehenden Ausgaben der "Fernseh-Informationen" ausführlich berichtet haben.

Immerhin ist es nicht ohne Reiz, die Probleme der deutschen Fernsehentwicklung aus dem Blickfeld eines Mannes betrachtet zu sehen, der an der Einführung und am Ausbau des deutschen Hör-Rundfunks bis 1933 massgeblich beteiligt war.

Erstaunlicher Fortschritt

Dr.Ing. h.c. Hans Bredow hebt hervor, dass die deutsche Fernseh-Technik trotz aller Schwierigkeiten der Nachkriegsjahre dank der Mitarbeit der Industrie heute weiter fortgeschritten ist, als es die Technik des Hör-Rundfunks zum Zeitpunkt seiner öffentlichen Einführung im Jahre 1923 war.

Die Hauptarbeit verlagert sich jetzt vom rein sendetechnischen Gebiet immer mehr auf die Schaffung von Einrichtungen für die praktische Fernsehproduktion und auf die Programmvorarbeit. Rundfunk-Erfahrungen können hier, ausser auf dem Gebiet der Akustik, kaum verwendet werden, da der Fernsehbetrieb völlig anders gestaltet und (in seinem gegenwärtigen Stadium) nur vergleichbar ist mit dem Theater- und besonders mit dem Filmbetrieb.

Mitarbeit von Theater- und Film-Fachleuten

Die Mitarbeit der vom NWDR bereits verpflichteten Fachleute mit Theater- und Filmerfahrungen wird sich dabei entsprechend auswirken. Allein die Vorarbeiten dieser Art dürften noch längere Zeit beanspruchen. Anfang 1952 könnte mit dem regelmässigen Fernsehen für die Öffentlichkeit begonnen werden. (Andere deutsche 'Fernsehexperten vertreten frühere Termine.)

Voraussetzung für die Aufnahme des regelmässigen Fernsehens für die Öffentlichkeit ist, dass die Aufsichtsorgane des NWDR auch für das kommende Etatjahr die erforderlichen zusätzlichen Mittel bewilligen. Für die bisherigen Vorarbeiten sind bereits 1 Mill. D-Mark aufgewendet worden.

Überspannte Kostenprognosen

Man ist jetzt dabei, im Voraus die etwaige Höhe der laufenden Betriebs- und Programm kosten zu ermitteln. Kürzlich wurde in Hamburg ein Betrag von 500 D-Mark für eine Sendeminute genannt. Dies würde bedeuten, dass für ein tägliches Fernsehprogramm von nur 2 Stunden jährlich 21,6 Mill. D-Mark aufgewendet werden müssten. Diese Angabe dürfte sich aber auf die kostspieligsten amerikanischen Fernsehprogramme beziehen; Fernsehstars erhalten dort schon jetzt die gleichen Gagen wie Filmstars.

Das deutsche Fernsehen wird sich in weit bescheideneren Formen einführen. Man wird sich wohl lange Zeit darauf beschränken müssen, nur wenige Stunden am Tage zu senden. Die Beschränkung der Fernsehsendungen auf wenige günstig gelegene Stunden dürfte auch dazu beitragen, die "Qualität des Fernsehens" überhaupt zu fördern.

(Dr.Ing. h.c. Hans Bredow bestätigt mit diesen Ansichten über die Gestaltung der Betriebs- und Programmkosten die Berechtigung der Kritik, die wir in der ersten November-Ausgabe der "Fernseh-Informationen" an den Ausführungen des Generaldirektors des NWDR Dr.h.c. Adolf Grimme über die voraussichtliche Kostengestaltung des Fernsehbetriebes und der Programme geübt haben.)

Aus Hamburg wird ein Fernsehprogramm erwartet

"Zuerst wird", so hebt Dr. Bredow hervor, "von Hamburg, - der Wiedergeburtsstätte des deutschen Fernsehens, - ein Fernsehprogramm zu erwarten sein. Der Zeitpunkt der Weiterverbreitung in den Bezirken der anderen Rundfunkanstalten ist abhängig von der Fertigstellung der ÜbertragungsVerbindungen zwischen Hamburg und den zukünftigen anderen Fernsehsendern durch die Bundespost.

Da Freileitungen ebenso wie die für Rundfunkübertragungen benutzten Kabel für das Fernsehen nicht brauchbar sind, war zunächst an die Verlegung eines besonderen Fernsehkabels gedacht. Jedoch wird wegen der unerschwinglichen Kosten hierauf verzichtet werden.

Vielmehr sollen mit Hilfe sogenannter Dezistrecken drahtlose Übertragungsbrücken hergestellt werden, wie sie von der Post in letzter Zeit für den drahtlosen Fernsprechverkehr benutzt werden. Da die hierbei zur Verwendung gelangenden Wellen von etwa 10 Zentimeter Länge - sogenannte Dezimeterwellen - nur Sichtreichweite haben, sind wie in alten Zeiten bei den Nachrichtenverbindungen durch Lichtsignale und Semaphore zahlreiche Relaisstationen zwischen den Verbindungspunkten erforderlich.

Man rechnet allein zwischen Hamburg und Köln mit 8 Zwischenstationen. (Nach den Angaben des Bundespostministeriums sind für diese Strecke 11 bis 12 Relaisstationen in Aussicht genommen. Vergl. Artikel "Tatkräftige Vorarbeit der deutschen Bundespost für das Fernsehen". "Fernseh-Informationen" 1. Januar-Ausgabe 1951 Seite 10.)

Rechtzeitige Bildung von Fernseh-Fonds

Ein derartiges Netz zwischen Hamburg und allen anderen Rundfunkanstalten bedingt natürlich für die Bundespost einen sehr erheblichen Kostenaufwand. Die zunächst vorgesehene Verbindung Hamburg-Köln soll über Frankfurt zu den süddeutschen Anstalten weitergeführt werden. Jede der nach und nach anzuschliessenden Anstalten kann dann über ihre eigenen Fernsehsender ein allgemeines deutsches Fernsehprogramm in ihrem Gebiet verbreiten, ohne dass für sie untragbare eigene Programmkosten entstehen.

Je nach Vermögen und Bedarf kann dieses Hauptprogramm von den einzelnen Sendegesellschaften durch eigene Darbietungen, insbesondere solche von mehr lokaler Bedeutung, erweitert werden. Auf diese Weise wird sich nach Ansicht Dr. Hans Bredows auch ein Austausch von Fernsehprogrammen innerhalb Europas herbeiführen lassen.

Kosten der Technik

Für die technischen Einrichtungen, ohne Bauten, werden nach seinen weiteren Ausführungen bei den einzelnen Rundfunkanstalten etwa folgende Anlagekosten entstehen:

  • 10-kw-Sender als Hauptsender mit Tonsender rd. 800.000 DM
  • mehrere Nebensender mit Tonsendern je rd. 250.000 DM
  • Filmgeber je rd. 100.000 DM
  • Studioeinrichtung (Raum, Beleuchtung, Tonanlage, Mischpult usw.) rd. 300.000 DM
  • Mehrere Fernsehkameras je rd. 100.000 DM


(Filmgeber sind Geräte zur elektrischen Übertragung aufgenommener Filme. Für die Aufnahme von Grossveranstaltungen, Sportwettkämpfen, Rennen usw., sind mehrere Kameras erforderlich.)

Über die laufenden Programm-Kosten

Über die laufenden Kosten für die Beteiligung am Hauptprogramm und für die Produktion von zusätzlichen Programmteilen kann noch nichts gesagt werden. Es steht aber fest, erklärt Dr.Bredow, dass die einzelnen Anstalten für sich allein nicht für mehrere Stunden täglich ein gutes Programm selbst produzieren können. Wenn man sich bei den einzelnen Sendegesellschaften auch selbst mit der eigenen Produktion befassen wollte und sich dabei vielleicht auf zwei Programme wöchentlich beschränken würde, müsste dennoch ein kostspieliger künstlerisch-technischer Apparat wie bei einer mittleren Filmgesellschaft geschaffen werden.

Vielleicht könnten einige Anstalten diese Kosten tragen, wenn sie ihre Finanzpolitik vorher korrigieren würden, indem sie ihre ständig steigenden Einkünfte nicht automatisch dem Haushalt für das Hörprogramm zufliessen liessen, sondern im Interesse des Fernsehens eine Sparpolitik einführten.

(Es ist in der Tat notwendig, dass die Rundfunkanstalten schon jetzt mit der Bildung von Fonds für die Vorbereitung des Fernsehens beginnen, damit nicht dann, wenn das Fernsehen "unmittelbar vor ihrer Tür steht" die Frage der Aufbringung der Kosten neue - unentschuldbare - Hemmnisse bereitet.)

Erfahrungen aus der Zeit vor 1933

Als der gesamte deutsche Rundfunk vor 1933, einschliesslich der Ostgebiete, weniger als die Hälfte der Hörer des jetzigen Bundesgebietes hatte und über die Einführung des Fernsehens verhandelt wurde, war man der Ansicht, dass es bei Zunahme der Hörerzahl um einige Millionen gelingen würde, das Fernsehen als zusätzliche Leistung des Rundfunks kostenfrei zu bringen. Mit diesem Argument sind u.a. die damaligen Versuche, den Hörerbeitrag von 2 Mark herabzusetzen , abgewiesen worden!

Jetzt ist beabsichtigt, neben den Hörer-Gebühren noch eine zusätzliche Fernseh-Gebühr zu erheben. Legt man eine besondere Fernsehgebühr von 24 D-Mark jährlich zugrunde, so müssten etwa eine Million Fernsehteilnehmer vorhanden sein, um täglich ein befriedigendes Programm verbreiten zu können. In welcher Zeit diese Zahl erreicht werden kann, kann nicht vorausgesagt werden.
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Gerätepreise vielleicht zwischen 800 und 1.000 D-Mark

Aber sicherlich wird auch in Deutschland in nicht zu langer Zeit eine erhebliche Teilnehmerzahl vorhanden sein und diese wird sich laufend erhöhen, sobald die Industrie mit zunehmendem Umsatz den Preis von Fernsehempfangsgeräten herabsetzen kann.

Die Industrie spricht von Gerätepreisen zwischen 800 und 1.000 D-Mark im ersten Jahr. Wenn im zweiten Jahr grössere Serien aufgelegt werden können, werden sich Preise von 600 bis 800 D-Mark erzielen lassen.

"Eine schönere und grössere, aber such schwierigere Aufgabe als das Fernsehen hat es", so erklärte Dr. Bredow, "für den Rundfunk niemals gegeben . . . ."

Aus England kommt dazu Folgendes :

"Jede Radiosendung auch fernsehen zu wollen, ist mit dem Wunsche zu vergleichen, jedes Buch zu illustrieren. Die Ergänzung des Rundfunks durch das Fernsehen ist eine unabsehbare Bereicherung des Radio. Der Ersatz des Rundfunks durch das Fernsehen wäre dagegen eine Einschränkung und Verarmung."

Sir William Haley Generaldirektor der BBC London

FI-1951 / 2. Jan.-Ausgabe
Die Entwicklung des Fernsehens in Westberlin
Erste Fernsehsendungen schon im Sommer

Der erste der drei 150-Meter-Masten der neuen UKW-Empfangsstation Nikolassee oberhalb des Strandbades Wannsee ist jetzt fertiggestellt werden. Er wird zunächst ausschliesslich dem Funkfernsprechverkehr nach dem Bundesgebiet dienen, doch will man bereits in den Sommermonaten mit einer Leistung von 10 Kilowatt nach dem Richtstrahlsystem von diesem Mast aus auch Fernseh-Versuchsprogramme in die britische Zone strahlen. Wenn die Probesendungen zufriedenstellend verlaufen, soll vielleicht noch in diesem Jahr in West-Berlin ein beschränktes Fernseh-Versuchsprogramm mit Beitragen von Fernsehsendern aus der Deutschen Bundesrepublik empfangen werden können.

Die Fernseh-Sendeanlage für den Ausbau der neuen UKW-Empfangsstation Nikolassee wird aus den Mitteln der Bundespost finanziert. Die technischen Anlagen werden von der Westberliner Industrie erzeugt. Die Versuchssendungen, die man, wenn keine unvorhergesehenen Schwierigkeiten dazwischen kommen, in den Sommermonaten aufnehmen will, sollen dazu dienen, Erfahrungen über den Richtstrahlbetrieb eines Fernseh-Senders zu sammeln. Die Möglichkeiten hierzu werden von sachverständiger Seite auf Grund der Erfahrungen mit der UKW-Funkfernsprechbrücke als durchaus günstig bezeichnet.

Versuchssendungen mit Filmen

Das Programm für die Versuchssendungen sieht zunächst die Sendung von Filmen vor. Ob die Sendungen direkt von Nikolassee oder aber vom ehemaligen Reichspostzentralamt in Tempelhof gesendet werden sollen, steht noch nicht fest. Im letzteren Falle bestünde die Möglichkeit, die Sendungen über ein bereits vorhandenes Spezial-Fernsehkabel, das allerdings noch teilweise verlegt werden müsste, nach Nikolassee zu übertragen oder aber einen Richtstrahlsender von 1 Kilowatt zu benutzen, wobei die Sendungen in Nikolassee nach dem "Ballsystem" empfangen und über den 10 kW-Sender nach dem Bundesgebiet ausgestrahlt würden.

Das allgemeine Berliner Fernseh-Programm, das Ende des Jahres anlaufen soll, wird sich aus einem Nachrichtendienst mit Bildern, kleinen kabarettistischen Szenen, Filmen und später - wenn man über einen eigenen Fernseh-Übertragungswagen verfügt - auch aus aktuellen Außenaufnahmen bestehen. Wie gross oder Kreis der Fernsehteilnehmer in Westberlin sein wird, lässt sich gegenwärtig noch nicht überblicken. Dies hängt im Wesentlichen davon ab, zu welchen Preisen die Industrie zu diesem Zeitpunkt Fernsehempfänger auf den Markt bringen kann.

Herstellung von Fernseh-Filmen in Berlin

In Berlin, Ateliers Spandau und Tempelhof, begann die in Wiesbaden domizilierende Zentral-Europa-Film mit der Produktion von 13 Fernseh-Kurzfilmen im Auftrag von Warner-Bros. Es handelt sich um Musikfilme, die eine Spielzeit von 30 Minuten haben. Der bekannte, jetzt amerikanische Filmregisseur Paul Gordon, der Regisseur des grossen Musikfilms "Zauberkonzert", wurde von der Gesellschaft als künstlerischer Beirat verpflichtet und ist bereits in Berlin eingetroffen. Gordon beabsichtigt später auch einen grossen Symphonie-Film für das Fernsehen zu drehen.

FI-1951 / 1. Feb.-Ausgabe - DEUTSCHLAND
Was sagen die Rundfunkhörer zum Fernsehen ?

Wir laufen jedoch Gefahr, immer nur zum Fernsehen die Sendeseite zu beachten. Was sagen eigentlich die Rundfunkhörer zum Fernsehen? Sind sie ärgerlich, dass dem Hörrundfunk Summen abgezogen werden?

Hier ist die Antwort: Zum ersten Mal hat zwar nicht der Rundfunk, wohl aber die Hamburger Rundfunk-Programm-Zeitschrift  "Funk um die Familie" eine Umfrage veranstaltet. Mit einem bemerkenswerten Ergebnis. Auf die Frage, ob das Fernsehen bald eingeführt werden soll, antworteten 5% mit "nein"*. Diese Stimmen kommen zum grössten Teil aus intellektuellen Kreisen, also von Mensehen, die einmal ausreichende andere Möglichkeiten haben, sich Erbauung oder Zerstreuung zu verschaffen,und zum anderen dazu neigen, ihre Abneigung aus der Vorstellung von der "kultur- und familienzerstörenden Wirkung" des Fernsehens herzuleiten, ohne auch die wertvollen Möglichkeiten zu berücksichtigen.

Es soll diesen Stimmen durchaus nicht ein Gewicht abgesprochen werden, wenn das "nein" einer echten Besorgnis und nicht einer Kulturresignation entspringt.

Die zweite Gruppe sind die Gleichgültigen, es sind 41%. Gewiss eine hohe Zahl, aber hierzu muss bemerkt werden, dass ja die meisten der Befragten überhaupt noch keine Sendung gesehen haben. Sie kennen das Fernsehen aus Schilderungen oder Bilderserien, die in der Presse erschienen sind, oder aus Vorträgen. Man kann durchaus verstehen, dass sie ohne eigene Anschauung kein Urteil abgeben wollen. Billigen wir ihnen diesen Standpunkt zu. Vielleicht wohnen sie auch in Gegenden, die erfahrungsgemäss nicht am Anfang der Entwicklung in eine Fernsehversorgung einbezogen werden können.

Die Beführworter des neuen Fernsehens

Nun zu den "ja"-Sagern, die das Fernsehen bald eingeführt sehen möchten. Es sind 54%, die sich wie folgt gliedern: 18% Angestellte, 15% Hausfrauen, 13% Schüler und Studenten, 12% Arbeiter (!) 11% Kauleute, 10% freie Berufe, 9% Beamte, 8% Handwerke, 4% Rentner und Pensionäre.

Selbst wenn man davon absieht, dass ein gewisser Prozentsatz aus einer Freude am Neuen und am technischen Fortschritt sein "ja"1 gesprochen hat, so bedeutet das Ergebnis als Ganzes doch den eindeutigen Wunsch, die Fernsehentwicklung in einem gesunden Tempo gefördert zu sehen.

Bemerkenswert ist, dass durchaus nicht nur die begüterten Schichten - obwohl sie die voraussichtliehen Preise für Empfänger kennen! - die Zustimmung erteilten. Dass die Unterlagen für die Befragung schlüssig sind, beweisen, die Umfragen, die "Funk und die Familie" wöchentlich auf dem Rundfunkgebiet vornimmt und deren Ergebnisse nicht bestritten werden können.

Auch die Person des Bearbeiters der Fernsehumfrage bürgt dafür: es ist der bekannte Rundfunk- und Fernsehfachmann Dr. habil. G. Eckert, der ein Spezialist für Hörer- und Leserbefragungen ist. Der NWDR und die anderen Rundfunkgesellschaften - die Umfrage gilt für Westdeutschland und Westberlin - sollten an diesem Ergebnis und Hörerwunsch nicht vorübergehen.

Was geht in Berlin vor?

Inzwischen sind einige neue Momente in der Fernsehentwicklung aufgetaucht. In Berlin will der RIAS erhebliche Haushaltsmittel zum Aufbau eines Fernsehdienstes verwenden, für die Gelder aus USA zur Verfügung gestellt werden sollen. Die Zeilenzahl wird unserer 625 Zeilennorm entsprechen. Eine kleine Gruppe verhandelt mit englischen Kreisen, die Apparaturen für ein 405-Zeilen-Bild bereithalten, wichtiger aber ist, dass der NWDR seine Berliner Teilnehmer nicht vergessen hat; er plant für sie zum Spätherbst einen Versuchsbetrieb mit 625 Zeilen über einen 1kW-Sender. Das ist zu begrüssen, zumal der sowjetisch kontrollierte Rundfunk in Berlin seine Vorarbeiten auf der gleichen Norm eifrig betreibt.

Was ist mit den Berliner Rundfunkgebühren ?

Für den NWDR-Plan wird es jedoch nötig sein, dass - endlich - die Frage der Rundfunkgebühren für Berlin geregelt wird. Sie fliessen von 528.000 Teilnehmern in West-Berlin ausschliesslich dem Magistrat (Abteilung Fernmeldewesen) zu. Werden sie für Rundfunk- und Fernsehprogrammzwecke freigegeben, dann dürften, nach Abzug des Anteils für die Fernmeldeabteilung, allein auf den NWDR rund 4 Mill.DM im Jahr entfallen.

Wir kennen die schwierige finanzielle Gesamtlage Berlins, es muss jedoch berücksichtigt werden, dass diese Summe der westberliner Wirtschaft in vielfältiger Weise wieder zugeleitet würde. Aber die Berliner Fernsehfragen sollen heute nicht näher besprochen werden; es mag der Hinweis genügen, dass die Planungen hoffentlich zu einem gesunden Wettbewerb und nicht zu einem Gegeneinander führen.

Warum Verzögerungen in Westdeutschland ?

In Westdeutschland dagegen formen sich die Pläne langsamer. Die Rundfunkgesellschaften - ausser dem NWDR - haben Sorgen wegen der Kosten für den UKW-Ausbau und wenden dem Fernsehgedanken nur zögerndes und recht unverbindliches Interesse zu. Bei allem Verständnis für die Haltung darf sie jedoch nicht dazu führen, die NWDR-Arbeit hemmend zu beinflussen. Der NWDR macht mit seinem Versuchsbetrieb Erfahrungen für alle anderen Sender, die dadurch später einmal viele Kosten sparen werden. Wenn jetzt verlautet, dass der NWDR erst Anfang 1952 sein Sendernetz Hamburg-Langenberg-Hannover aufgebaut haben wird (womit ein Bereich von 12 Mill. Mensehen erfasst würde), dann ist das zu bedauern.

Die Bundespost stellt ihre Verbindungen bis zum Herbst 1951 her! Es spielen auch die uneinheitlichen Industrie-Ansichten eine Rolle; auf der einen Seite wird betont, dass z.B. Senderbauten ein Jahr Zeit in Anspruch nehmen, andererseits wird erklärt, dass schon zum Herbst eine Serie von 5-10.000 Empfängern fertiggestellt sein kann. (Allerdings nicht zu einem Preis von 300 - 500DM, der fälschlich von der Presse genannt wurde).

Fordern und Drängeln

Man wird also fordern müssen, dass der NWDR möglichst schnell Sender in Auftrag gibt. Bis Ende März sollen NWDR-Angehörige noch Informationsreisen (leider erst jetzt!) nach USA und England machen, um deren Ergebnisse bei den Entschliessungen des Verwaltungsrates zu berücksichtigen. Von diesem Zeitpunkt ab werden jedoch kaum mehr Gründe für das Verschieben von Beschlüssen vorgebracht werden können.
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FI-1951 / 1. Feb.-Ausgabe
Interessante Fernseh-Pläne in Berlin.

Ausländisches Interesse an der deutschen Fernseh-Entwicklung.
von einem Berliner Mitarbeiter

Den Berliner Vertretungen der alliierten Mächte liegt jetzt ein Memorandum vor, in dem der bekannte Fernseh-Experte "Denes von Mihäly" sowie die Professoren Leithäuser, Reitstötter, Auerbach und der frühere Generaldirektor der Lorenzwerke Carl Schmid für die sofortige Einrichtung eines Fernseh-Senders und eines Fernseh-Versuchsbetriebes in West-Berlin eintreten. Begründet wird dieser Wunsch auf beschleunigte Schaffung eines separaten Fernseh-Sendebetriebes im Berliner Westsektor vor allem mit den forcierten Vorbereitungen für die Durchführung von Fernsehsendungen in der Ostzone, wobei der Auffassung Ausdruck gegeben wird, dass die Sowjets das Fernsehen als wirksame Propagandawaffe im "kalten Krieg" einsetzen wollen.

Immer wieder Verweis auf die Ostzone

Es wird darauf hingewiesen, dass im Wendenschloss, im sowjetischen Sektor, bereits die ersten Versuchssendungen abrollen, dass in Berlin-Adlershof in Kürze eine Grossanlage in Betrieb genommen werde und in Erfurt und Weimar inzwischen die Herstellung von Empfangsgeräten, angeblich in grossem Umfange, aufgenommen worden ist.

Es wird weiter darauf verwiesen, dass die Sowjets ihre Sendungen im 625-Zeilen-Bild, wenn auch auf einer anderen Wellenlänge, ausstrahlen wollen. Diese Wellenlänge könnte jedoch schnell geändert werden, sodass die Gefahr bestehe, dass West-Berlin in kurzer Zeit mit propagandistischen Fernsehbildern "überflutet werden könnte". Abgesehen davon, bestehe noch die Gefahr, dass die Sowjets das eventuell später von Westdeutschland nach Berlin relaisübertragene Fernsehprogramm mit ihrer grösseren Energiequelle "erdrücken können".

Berliner Lokalpatriotismus

Da beide Sendungen auf der gleichen Zeilenzahl basieren, liege kein Hindernis vor, die Fernseh-Bilder des NWDR "einfach zu verwischen". Von der Entscheidung der massgebenden alliierten Stellen in Berlin werde es, so verlautet, nunmehr in erster Linie abhängen, ob die Stadt Berlin, von der der erste starke Antrieb für die Entwicklung des Fernsehens überhaupt ausgegangen sei (Anmerkung : Das war natürlich lange vor dem 2. Weltkrieg!!), und deren Fernsehen einmal richtunggebend in der Welt war, wieder eine aktive Rolle auf dem Fernsehgebiet spielen könne.

Diesem Vorstoss einer Berliner Gruppe von Fernseh-Interessenten sind bereits im vergangenen Jahr Fühlungnahmen Berliner Fernseh-Fachleute mit verschiedenen deutschen Dienststellen und ausländischen Firmen vorangegangen, um folgendem Plan zur Durchführung zu verhelfen:

Errichtung eines Fernseh-Senders von etwa 3kW in West-Berlin; Programmgestaltung und Durchführung der Sendungen; Erziehung und Schulung neuer Fernseh-Fachleute; Konzentrierung aller Kräfte im Interesse der Einführung des Fernsehens in die Praxis; Zusammenarbeit mit der einschlägigen in- und ausländischen Industrie.

Dieser Vorstoss aktiver West-Berliner Fernsehkreise wird von einer Propaganda in der Berliner Tagespresse begleitet, die für die Einführung der 405-Bildzeilennorm, also der britischen Norm, eintritt. Hierbei wird erklärt, dass eine Bildzerlegung in 405 Zeilen zwar nicht die gleichen Feinheiten wie eine in 625 Zeilen ergebe, dass aber der Unterschied so wenig augenscheinlich sei, dass er für den Laien nicht ins Gewicht falle. Zudem sei das 405-Zeilen-Bild kontrastreicher, sein Gerät einfacher und übersichtlicher.

Und wieder ist die Politik im Spiel - 405-Zeilen

Eine Entscheidung Berlins für die 405-Zeilennorm würde es ermöglichen, so wird argumentiert, sofort und ohne grossen Aufwand der meisten Schwierigkeiten, die einer schnellen Entwicklung des Fernsehens in Berlin entgegenstehen, Herr zu werden. Von englischer Seite soll die schnelle Lieferung von Geräten zugesagt worden sein, die auf einer Zeilenzahl von 405 empfangen, und die gegen die "sowjetische Infiltration auf längere Zeit immun wären".

Das Wichtigste sei, dass die erforderlichen Geräte aus der ausländischen Produktion in hinreichender Zahl zur Verfügung ständen und Berlin unverzüglich mit Fernsehsendungen heginnen könnte.

Es dürfte wohl kaum lediglich ein Zufall sein, dass die Propaganda für die Einführung der 405 Zeilennorm in Westberlin und für die Errichtung eines Fernseh-Sendebetriebes mit ausländischer Hilfe und die Versorgung des Marktes mit ausländischen Fernseh-Empfangsgeräten nach der Durchführung der britischen Fernsehausstellung im Herbst des Vorjahres in Westberlin einen nachdrücklichen Auftrieb erfahren hat.

Die in Berlin verbliebene Gruppe "alter Fernseh-Hasen", die in den Pionierjahren an der Entwicklung des Fernsehens praktischen Anteil gehabt, Erfahrungen bei der Entwicklung des Sendebetriebes und der Programmgestaltung gesammelt hat und sich jetzt, nachdem das Schwergewicht der weiteren Fernsehentwicklung in Westdeutschland nach Hamburg verlagert worden ist, etwas "abgeschaltet" fühlt, ist mit Tempo und Methoden der gegenwärtigen Fernsehentwicklung in Westdeutschland unzufrieden.

Kein Geld - aber mit Forderungen anstehen

Bei aller Anerkennung der vom NWDR gemachten Anstrengungen erklären sie feststellen zu müssen, dass die bisherigen Ergebnisse keineswegs den Erwartungen entsprechen. Berlin, das schon einmal über einen Fernsehrundfunk verfügte, der jede Übertragungsart in hoher technischer Vollendung ermöglichte, wisse, daß es keine unüberwindlichen Schwierigkeiten mehr bereiten könne, diese Errungenschaft auch in Deutschland wieder der Allgemeinheit zugänglich zu machen.

Von Westdeutschland höre man aber immer wieder, "gut Ding will Weile haben" und man sehe, dass dort die Tendenz bestehe, die Termine für die Einführung des allgemeinen Fernsehens unter den verschiedenartigsten Begründungen immer wieder hinauszuzögern, ganz zu schweigen, von der unentschlossenen Haltung süd- und südwestdeutscher Rundfunksendegesellschaften, die noch keinerlei ernsthafte Vorbereitungen für die Entwicklung des Fernsehens träfen.

Nach Auffassung dieser Berliner Gruppe sei auch die Fernsehempfänger- Produktion in Westdeutschland noch so ungenügend entwickelt, dass kaum vor einem Jahr damit zu rechnen sei, dass eine grössere Menge von Empfängern zum Preise von 800 bis 1000 D-Mark zur Verfügung stehe. Vieles spreche dafür, dass in Westdeutschland das Tempo der Fernsehentwicklung von Kreisen bestimmt werde, die die Bedeutung des Fernsehens als modernes, wirkungsvollstes Ausdrucksmittel noch nicht erkannt hätten, oder diese Entwicklung mit ihren Sonderinteressen "abstimmen" wollten.

Wieder sind es die Sowjets - die herhalten müssen

Berlin, das sich im Hinblick auf die forcierten Fernseh-Vorbereitungen der Sowjets in einer besonderen Situation befinde und schliesslich die Traditionsstätte des deutsehen Fernsehens sei, wolle nicht länger zuwarten und in dieser Frage die eigene Initiative aufnehmen. Für Westberlin biete sich jetzt die Gelegenheit, mit ausländischer Hilfe in der Fernsehangelegenheit eine "selbstständige Entscheidung" zu treffen, sodass die Aussicht bestehe, dass bereits in Kürze greifbare Ergebnisse vorliegen würden.

Diese Berliner Intiativen, mit ihren unter Umständen weitreichenden Konsequenzen für die deutsche Fernsehentwieklung, sind auch bei gewissen Stellen in Westdeutschland nicht ohne Eindruck geblieben. Sie haben deutlich gemacht, dass die Bestimmung des Tempos der Fernsehentwicklung dem Westen unter politischem Druck aus der Hand genommen werden könnte. Offenbar ist man auch beim NWDR in Hamburg, wie aus der nachstehenden Meldung hervorgeht, in dieser Richtung "hellhörig" geworden.

FI-1951 / 1. Feb.-Ausgabe
Fernsehsendungen in Westberlin noch in diesem Sommer.

Im Sommer dieses Jahres sollen auch in Berlin die ersten Fernsehsendungen nach dem Kriege begonnen werden. Das gab der stellvertretende Generaldirektor des Nordwestdeutschen Rundfunks, Dr. Werner Nestel, bekannt.

In einer Konferenz, die kurz zuvor mit Vertretern der Bundespost, der Abteilung für Post- und Fernmeldewesen des Magistrats der Stadt Berlin und Vertretern der Berliner Industrie stattgefunden hatte, waren alle Fragen erörtert worden, die im Zusammenhang mit den geplanten Versuchssendungen stehen. Man einigte sieh darauf, auch in Berlin für den öffentlichen Fernsehbetrieb, wie es die Richtlinien der Deutschen Bundespost vorsehen, nur das als europäische Norm festgesetzte 625-Bildzeilen-Verfahren zu verwenden. Der Fernsehbetrieb wird vom NWDR Berlin gemeinsam mit der Bundespost und der Hauptverwaltung Post- und Fernmeldewesen durchgeführt werden.

Auch über die Bereitstellung von notwendigen Fernsehbetriebswellen für die Post und den NWDR wurde bereits mit den zuständigen Stellen Übereinstimmung erzielt. Im Sommer wird die Berliner und die westdeutsche Industrie auch in der Lage sein, die Kontrollanlagen für den Fernsehbetrieb und eine entsprechende Anzahl von Fernsehempfänger zu liefern. Sobald genügend Fernsehempfänger vorhanden sind und andererseits das Interesse der Berliner Bevölkerung so gross ist, dass eine bedeutende Zahl von Fernsehteilnehmern zu erwarten ist, wird der Fernsehversuchsbetrieb vom NWDR in einen regelmässigen Fernsehprogrammdienst umgewandelt werden.

An der Entwicklung der Geräte, die für das Fernsehen benötigt werden, sollen die Werke der Berliner Rundfunkindustrie und die wissenschaftlichen Institute der Stadt beteiligt werden, teilte der technische Leiter des NWDR Berlin, Dipl. Ing. Blässer, ergänzend dazu mit. Die Berliner Industrie könne damit rechnen, dass ihr zum größten Teil die Aufträge zur Fertigung und Lieferung der Fernsehausrüstung übertragen werden. Die erste in Berlin gefertigte Fernsehkamera wird neben einigen anderen in Deutschland hergestellten Fernsehgeräten vom Nordwestdeutschen Rundfunk in Berlin voraussichtlich bereits gegen Ende Februar einem kleineren Kreis von Interessenten vorgeführt werden können.

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