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überarbeitet von Gert Redlich ab Feb. 2014 - Eigentlich sprechen wir von einer Gazette - Es sind gigantische Textmengen (Buchstaben-Wüsten), die die Autoren der "FI" in den 58 Jahren zusammen getragen haben. Damit das überhaupt vernünftig zu lesen ist, haben wir die Inhalte in jährliche Themengebiete aufgeteilt, die aber nicht in jedem Jahr gleich sind.
Sehr wichtig ist, es wurden alle Informationen, die Texte und die Erkenntnisse genau in der Woche aufgeschrieben und nichts später ergänzt oder korrigiert.

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FI-1951 / 2.April-Ausgabe
Marconi-Mark II - Europas modernste Fernsehkamera

Neue Standardanlage für stationären und beweglichen Einsatz.

Bewusst stellen die Fernseh-Sendegesellschaften in den Vereinigten Staaten und die BBC in Grossbritannien an Aufnahme- und Übertragungsapparaturen ständig wachsende Anforderungen. Die gegenwärtig laufenden deutschen Versuchssendungen zeigen, was auch im Ausland noch keineswegs überwunden ist: eine gewisse Schwerfälligkeit der technischen Anlage, die vor allem bei Direktübertragungen sehr bewegter Geschehnisse sich hemmend bemerkbar zu machen vermag.

Aber auch die normalen technischen Einrichtungen des "stationären" Studiobetriebes werden sich noch manche Wandlung zum Einfachen, Unkomplizierten gefallen lassen müssen, wenn sie eines Tages das Prädikat "narrensicher" erhalten wollen.

Die britische Marconi-Gesellschaft stellt vor :

Die britische Marconi-Gesellschaft führte kürzlich einer kleinen internationalen Gruppe von Fernseh-Experten die neueste Studio-Einrichtung vor, mit der die Entwicklung erneut einen mächtigen Schritt vorwärts getrieben wurde. Sie zeichnet sich zunächst einmal dadurch aus, dass sie sowohl für den Studiobetrieb, wie auch für bewegliche Aufnahme- und Übertragungsstationen in gleichem Masse verwendbar ist.

Abmessungen, Gewicht, Gehäuse und konstruktiver Aufbau sind also derart gehalten, dass eine tragbare Benutzung bei schnellem Standortwechsel und auch eine Unterbringung in Fahrzeugen leicht durchführbar ist. Bei stationärem Gebrauch im Studio ändert sich lediglich das Gehäuse, das beim Bild- und Wellenform-Kontrollgerät einem gewinkelten- Kasten gleicht, der durch leicht schräge Aufsicht mühelose Bedienung aus dem Stand ermöglicht und dem technischen Personal somit grössere Bewegungsfreiheit gewährt.

Kamera mit Bild-Orthicon - eine neue Entwicklung

Die zu dieser Anlage gehörige Kamera, die unter der Typenbezeichnung Mark II geführt wird, ist ebenfalls eine neue Entwicklung mit bestechenden Eigenschaften,

Sie verwendet die bewährte Bild-Orthicon- Pickup-Röhre. Der drehbare Objektivkranz ist für vier Linsen eingerichtet und wird an der Rückseite der Kamera vom Kameramann bedient; Aufnahmebereitschaft ist unmittelbar nach vollendeter Drehung automatisch wieder hergestellt.

Um ein möglichst schnelles Aufsetzen oder Auswechseln der Objektive zu erreichen, wurde der Bajonettverschluss gewählt. Sobald die Kamera-Röhre ein- und das gewünschte Objektiv vorgeschaltet ist, ist das Gerät betriebsklar; die Bedienung geschieht durch einfachen Handgriff. Alle Schaltungen zur Speisung und Belichtung der Röhre, für die Angleichung des Bildsignais an den Sendepegel zur Kamera-Steuerung und für die Hochspannungsversorgung sind in der Kamera selbst enthalten.

Die Verbindung zwischen Kameramann und Kontrollraum erfolgt wie üblich über Kopfhörer - die Aufnahme-Assistenten erhalten Regie-Weisungen auf dem gleichen Wege. Kameras und Kamerakontrollanlagen sind durch eine Rufschaltung sowie durch ein leicht verständliches System optischer Stichwort-Signale verbunden.
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Neue Objektive

Der Linsensatz gewährt weiten Spielraum und umfasst Objektive von 5.1cm: f/1.9 bis zu 63.5cm f/5 einschliesslich Teleobjektiv und Weitwinkel. Da ein optischer Sucher auf die im Betrieb vorkommenden niedrigen Lichtwerte nicht ansprechen würde, sind die Mark II-Kameras mit einem Elektronen-Sucher ausgerüstet, der oben auf der Kamera angebracht ist. Er enthält eine kleine Bild-Kontrollröhre, auf der der Kameramann zu überprüfen vermag, wie das Objekt tatsächlich von der Kamera aufgenommen wird.

Ein Glanzstück ist diese Kamera

Diese neue Kamera ist denn auch das Glanz- und Kernstück der ganzen Ausstattung. Bewusst verwendet sie bewährte Merkmale früherer Bild-Orthicons, mit denen die BBC im Laufe des vergangenen Jahres die erste Fernsehsendung sowohl über den Kanal, wie auch vom Flugzeug zur Erde erfolgreich durchführen konnte. Ihr grosser Vorzug liegt in der enormen Licht-Empfindlichkeit.

Ob strahlende Sonne oder trübes und wolkiges Wetter bei Aussenaufnahmen, ob grelle Scheinwerfer-Ausleuchtung oder simple Zimmerbeleuchtung bei Innenaufnahmen - die gelieferte Bildqualität war bei Versuchen und im Dauerbetrieb stets überraschend gut.

Nachtaufnahmen und Kerzenlicht

Auch Nachtaufnahmen belebter Stadtzentren mit ihrer reizvollen Lichtreklamen-Spiegelung, ja sogar Vorgänge bei flackerndem Kerzenlicht bewiesen Schärfe und Kontrast. Da diese Kameras selbst bei starken Helligkeitsschwankungen ohne Nachregelung einwandfrei arbeiten, ist nun endlich - ein ganz wesentlicher Fortschritt - jähes Überblenden bei Szenen von weit auseinanderliegenden Lichtwerten bedenkenlos möglich.

Die Perspektiven, die sich
in Anbetracht dieser überragenden europäischen Entwicklung und in gleicher Weise der ausgezeichneten amerikanischen Reportage-Handkameras für den "Alltagsgebrauch" des Fernsehens ergeben, sind von überzeugender Bedeutung. Im deutschen Falle vermögen sie bei richtiger Einschätzung und entsprechender Berücksichtigung die Investitionskosten des Fernsehaufbaues erheblich zu mindern.
-bodack-

FI-1951 / 2.April-Ausgabe - WIR SAHEN und HÖRTEN
Fernseh-Übertragungsstrecke Hamburg - Köln

Wie der Funkbeauftragte der Oberpostdirektion Münster, Oberpostrat Törner, mitteilte, soll die Fernseh-Übertragungsstrecke Hamburg - Köln bereits im September dieses Jahres in Betrieb genommen werden. Die diesbezügliche Dezimeter-Übertragungsanlage wird, wie wir bereits berichteten, im Auftrage der Deutschen Bundespost im Werk Ulm der Firma Telefunken hergestellt.

FI-1951 / 2.April-Ausgabe - WIR SAHEN und HÖRTEN
Fernseh-Relais-Station "Porta" auf dem Jakobsberg

Im Zuge der Schaffung des Fernseh-Übertragungsweges Hamburg - Köln wird auch eine Fernseh-Relais-Station "Porta" auf dem Jakobsberg bei Minden errichtet. Der hier zu errichtende Turm wird 45 Meter hoch sein und einen Durchmesser von 9 Metern haben. Ausserdem werden in Westfalen die Hünenburg bei Bielefeld und eine Anhöhe bei Beckum als Relais-Stationen ausgebaut.

FI-1951 / 1.+2. Mai-Ausgabe - DEUTSCHLAND
Interessante Fernseh-Experimente bei Philips.

Eindhovener Sendung auf Krefelder Leuchtschirm - Krefeld, Mitte Mai

Seit einigen Monaten werden, worauf wir bereits in der ersten April-Ausgabe der "Fernseh-Informationen" hinwiesen, in Krefeld Fernsehempfangsversuche gemacht. Auf dem Dachboden des Hotels "Haus Schucht" richtete die Deutsche Philips Gr.m.b.H. ein behelfsmässiges Laboratorium ein und liess sich in Abständen von einer Woche besondere Textbilder aus dem holländischen Eindhoven zustrahlen.

Zu Beginn der Versuche vermochte auch die speziell entwickelte Richtantenne keinen konturenscharfen Empfang zu vermitteln. Bei der Senderentfernung von etwa 80 Kilometern macht sich die Erdkrümmung bereits so stark bemerkbar, daß die sich gradlinig fortpflanzenden Ultrakurzwellen ausser Reichweite liegen. Die Versuche wurden daraufhin unterbrochen und sollten ausserhalb des Stadtkerns auf dem Ruinenturm der gotischen Linner Burg wiederholt werden.Dennoch nahmen die Philips-Ingenieure ihre Labor-Experimente an der alten Stelle erneut auf, weil die Strahlenabsorption bekannt war und die Versuche so ohne unnötigen Aufenthalt ablaufen konnten.

Der Sender steht in Eindhoven,

Der Sender, der für die Krefelder Versuche eingesetzt wird, ist der erste niederländische Fernsehstrahler in Eindhoven, den die Firma N.V.Philips in eigener Regie unterhält. Ein Teil der niederländischen Provinzen kann von dieser Zentrale aus mit Fernsehprogrammen versorgt werden, weil das Land eine einzige grosse Ebene bildet. Dreimal wöchentlich tragen Elektronenimpulse aus den Studios, Theatern, von den Sportplätzen und Konzertveranstaltungen optisch-akustische Sendungen in den Äther.

Eindhoven bringt auch Spielfilme, Wochenschauen, Demonstrationsvorträge und besondere Kindervorstellungen. Einen staatlichen Sender gibt es noch nicht. Erst im Sommer soll der offizielle Sender in Lopik mit den ersten Versuchsmessendungen beginnen. Täglich von 12 bis 14 Uhr wird ein Testbild ausgestrahlt, das den Ingenieuren zur Kontrolle ihres Empfanges dient. Wie die Testsendungen für Krefeld, bestehen auch diese aus geometrischen Figuren und Gradationsteilen, die alle optischen Fehler der Wiedergabe erkennen lassen.

Die Hochfrequenzingenieure von Philips müssen für den Krefelder Fernsehempfang besondere Antennenverstärkungen vornehmen. Neben der grossen Entfernung bilden die niedrigen Höhenzüge an der niederländischen Grenze schwer überwindbare Hindernisse.

Jetzt klarer und konturenscharfer Empfang

Nach den Ausführungen des Leiters der Philips-Laboratorien, Dr. Hilke, gelang es jedoch, die Empfindlichkeit des Geräts so zu steigern, dass der Empfang klar und konturenscharf ausfiel. Nachdem zuerst nur Testbilder aufgenommen worden waren, empfängt Krefeld nun zwischen 20 und 22 Uhr das Eindhovener Abendprogramm.

Die systematischen Versuchsreihen dienen zur Vorbereitung einer Fernsehempfänger-Produktion. Zu diesem Zweck werden in Krefeld-Linn grosse Fabrikationsräume gebaut. Die erste Halle des weiten Baukomplexes wurde bereits vor einiger Zeit gerichtet. Das Werk soll Zug um Zug fertiggestellt werden.

In der jetzt in Krefeld errichteten Fabrik wird die Deutsche Philips G.m.b.H. den Bau von Fernsehapparaten aufnehmen "und damit", wie kürzlich der Geschäftsführer Theodor Graf von Westarp mitteilte,"die Welt-Erfahrung des Philips-Stammhauses in Eindhoven auf dem Fernseh-Gebiet für den deutschen Markt nutzbar machen". Die ersten in der Krefelder Fabrik gebauten Apparate werden im Herbst dieses Jahres auf dem Markt erscheinen.

FI-1951 / 1.+2. Mai-Ausgabe - Die Errichtung von Fernsehsendern im Bereich des NWDR. - Zwei Sender mit 10 kW-Leistung.

Nachdem der Verwaltungsrat des NWDR für die Fortführung des Fernsehversuchsbetriebes im Haushaltsetat 1951/52 insgesamt 5 Millionen DM bewilligt hat, kann der NWDR seinen weiteren technischen Fernsehplan verwirklichen. Dieser Plan sieht vor:
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  • 1. Errichtung von je einem Fernsehsender mit 10 kW Leistung in Hamburg und Langenberg. Reichweite etwa 80 km (die Sender wurden bereits in Auftrag gegeben);
  • 2. Errichtung von je einem Fernsehsender mit 1 kW-Leistung in Köln und Hannover als Stadtsender.
  • 3. Errichtung eines Fernsehsenders in West-Berlin, dessen Leistung noch nicht feststeht.
  • 4. Inbetriebnahme von Fernseh-Übertragungswagen für Freiluftreportagen in Hamburg, Köln und Berlin.

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FI-1951 / 1.Juni-Ausgabe - DEUTSCHLAND
Eröffnung der Fernsehlinie Hamburg-Köln - Frankfurt im Frühjahr 1952.

Fernseh-Versuchsstrecke zwischen Westberlin und Bundesgebiet im Aufbau Bundespost vergab Lieferungen der funktechnischen Einrichtungen

Das Bundesministerium für das Post- und Fernmeldewesen machte uns folgende Mitteilungen über den Bau der Fernseh-Übertragungswege der Deutschen Bundespost:

"Auf dem Gebiet des Fernsehens obliegt der Deutschen Bundespost die Bereitstellung der Verbindungswege zur Übertragung der Fernsehprogramme, für deren Aufstellung und rundfunkmässige Ausstrahlung die .Rundfunkgesellschaften zuständig sind. Mit Rücksicht auf die zunächst vom Nordwestdeutschen Rundfunk mitgeteilten Fernsehpläne der deutschen Rundfunkgesellschaften und für einen künftigen internationalen Fernsehprogrammaustausch hat die Deutsche Bundespost die Planung von Fernsehübertragungslinien aufgenommen. Dieser Planung ist die 625-Zeilen-Norm zugrundegelegt, die die deutschen Rundfunkgesellschaften anzuwenden beabsichtigen und von der angenommen werden kann, dass sie zu einer europäischen Norm werden wird."

Rückblick

Während die Deutsche Post vor dem Kriege zur Übertragung von Fernsehprogrammen Breitbandkabel (Koaxialkabel) benutzte - als erste Fernsehkabellinie wurde im Jahre 1938 die Strecke Berlin - Leipzig -Nürnberg - München in Betrieb genommen - werden die im Aufbau befindlichen Fernsehübertragungswege als Richtfunkverbindungen eingerichtet.

Geplante Zukunft

Es sind zunächst die beiden Linien Hamburg-Köln mit einem Abzweig nach Hannover und Köln-Frankfurt (Main) im Aufbau. Die Linien werden zunächst nur für eine Übertragungsrichtung ausgebaut, die leicht gewechselt werden kann.

Die Wellenlängen für diese Richtfunklinien werden zwischen 10 und 20cm liegen. Die Relaisstellen - zwischen Hamburg und Köln 8 Relaisstellen - zwischen Köln und Frankfurt 3 Relais-Stellen - werden so eingerichtet, dass sie späterhin unbemannt betrieben werden können. Die Standorte dieser Relaisstellen wurden im Hinblick auf günstigste Übertragungsbedingungen für die Fernsehrichtverbindung ausgewählt. Eine Unterbringung von Fernsehsendern für die rundfunkmässige Ausstrahlung der Fernsehprogramme auf diesen Relaispunkten ist daher nicht beabsichtigt, zumal diese Aufgabe nicht in der Zuständigkeit der Deutschen Bundespost liegt. Die Relaispunkte werden auch noch für andere Funkdienste der Deutschen Bundespost ausgenutzt werden, z.B. für den beweglichen Landfunkdienst, für Fernsprechverbindungen auf Dezimeterfunklinien usw. ......

Versuchsstrecke zwischen Westberlin und dem Bundesgebiet

Außerdem befindet sich eine Fernsehversuchsstrecke der deutschen Bundespost auf Ultrakurzwelle zwischen Westberlin und dem Bundesgebiet im Aufbau. Von dem Ausgang der Versuche auf dieser Strecke wird es abhängen, in welcher Art später ein Fernsehübertragungsweg von oder nach Berlin eingerichtet werden kann.

Für die Einrichtung weiterer Fernsehlinien, mit denen späterhin zu rechnen ist (z.B. Frankfurt/Main - Baden-Baden - Stuttgart -München) sind Vorarbeiten bisher noch nicht aufgenommen worden.

Mit der Inbetriebnahme der Fernsehlinien Hamburg - Köln - Frankfurt ist im Frühjahr 1952 zu rechnen. Die Versuche auf der Fernsehversuchsstrecke zwischen Berlin und dem Bundesgebiet beginnen im Herbst dieses Jahres.

Hannover - Zonengrenze - Berlin schwierig

Mit der Lieferung der funktechnischen Einrichtungen für diese Strecken sind die Firmen Telefunken, Lorenz, und Siemens & Halske beauftragt worden. Die in Betracht kommenden Anlagen für den Übertragungsweg Hamburg - Köln stellt die Firma Telefunken her, die Anlagen für die Linie Köln - Frankfurt die Firma Lorenz. Der Verbindungsweg Hannover - Zonengrenze - Berlin wird von der Firma Siemens&Halske geschaffen. Dieser Übertragungsweg ist insofern der technisch schwierigste Teil, weil hier das Ostzonengebiet auf einer verhältnismässig langen Strecke "übersprungen" werden muss.

Der Anschluss Süddeutschlands an das deutsche Fernsehnetz.

Wie werden die Fernsehlinien in Süddeutschland verlaufen ? Dezimeterbrücken oder Fernsehkabel? -

"Die Deutsche Bundespost plant zurzeit die Errichtung einer Mikrowellen-Relaisstrecke vom Fernsehstudio des NWDR in Hamburg nach Köln," erklärte nach einem Bericht der Nürnberger Nachrichten der Direktor des Nürnberger Rundfunktechnischen Instituts, Dipl. Ing. Werner Schlechtweg, in einem Vortrag in der Nürnberger Akademie für angewandte Technik. "Diese Strecke werde in ihrer Weiterführung von Köln zum Feldberg im Taunus, weiter nach Baden-Baden und von da über München nach Nürnberg gehen, um auch den ganzen süddeutschen Raum fernsehmässig zu erfassen."
PS. Frankfurt, Anfang Juni 1951

Fernsehübertragungslinien nach Süddeutschland ungewiß

Wie wir hierzu in einer Unterredung mit dem zuständigen Sachbearbeiter des Fernmeldetechnischen Zentralamtes in Frankfurt, Amtsrat Budischin, erfuhren, und wie uns auch vom Bundespostministerium bestätigt wurde, sind die Vorarbeiten für die Einrichtung weiterer Fernsehübertragungslinien nach Süddeutschland von der Bundespost bisher noch nicht aufgenommen worden. Es ist also auch noch keine Entscheidung über die Führung der Fernsehlinien getroffen worden.

Es stehe noch nicht einmal fest, ob überhaupt die für die Strecke Hamburg-Köln-Frankfurt in Anwendung kommenden Dezimeterbrücken in Süddeutschland verwendet würden. Der Bau der drahtlosen Fernsehübertragungswege erfordere einen hohen Kostenaufwand (pro Relais müssen etwa 350.000 DM veranschlagt werden). Man wolle daher abwarten, wie sich die in Nord- und Westdeutschland errichteten Dezimeterbrücken im Betrieb bewähren, ehe man eine endgültige Entscheidung darüber treffe, ob das System der drahtlosen Fernsehübertragungswege auch für den Anschluss des süddeutschen Raumes an das Fernsehnetz angewendet werden soll, oder ob Fernsehverbindungen mittels Koaxialkabel zweckmässiger und vor allem rentabler sind.

FI-1951 / 1.Juni-Ausgabe - DEUTSCHLAND
Fernsehturm an der Zonengrenze

Unmittelbar an der Zonengrenze bei Höhbeck im Kreise Danneberg hat die Bundespost auf einem Hügel mit dem Bau eines Fernsehturmes begonnen. Die Anlage, deren Baukosten auf rd. 1 Mill.DM veranschlagt werden, soll das Fernsehprogramm von Hamburg nach West-Berlin übertragen.

FI-1951 / 1.Juni-Ausgabe - WIR SAHEN und HÖRTEN
Neue Sender auf dem Meissner

Der Hessische Rundfunk will auf dem Meissner zwischen Kassel und Eschwege neben einem 2okW Mittelwellensender auch einen 10kW UKW-Sender errichten, der gegen Jahresende den Betrieb aufnehmen soll. Die Antenne des UKW-Senders wird auf den 160 Meter hohen Mast des MW-Senders aufgestockt. Es sind ausserdem bei diesen Neubauten Räume vorgesehen, in denen ein weiterer UKW-Sender und später ein Fernseh-Sender untergebracht werden können.

FI-1951 / 1.Juni-Ausgabe - WIR SAHEN und HÖRTEN
45 Ferngespräche Berlin - Bundesgebiet

Der Berliner Senator für Post- und Fernmeldewesen, Dr.Holthöfer, eröffnete die neue UKW-EmpfangsStation in Berlin-Nikolassee (US-Sektor), die als die modernste UKW-Anlage in Europa gilt. Die beiden Antennen sind mit 150 Meter Höhe die höchsten Bauwerke in Berlin. Von dieser Station aus können gleichzeitig 45 Ferngespräche nach dem Bundesgebiet über die Gegenstelle im Harz geführt werden. Der grösste Teil der Baukosten, 720.000 DM, stammt aus "Gegenwertmitteln". Da diese Anlage auch einen wichtigen Bestandteil der künftigen Fernsehbrücke Westdeutschland-Westberlin darstellt, bringen wir darüber in der nächsten Ausgabe der "Fernseh-Informationen" einen ausführlicheren Artikel.

FI-1951 / 2.Juni-Ausgabe - DEUTSCHLAND
UKW-Fernsehbrücke Westdeutschland - Westberlin.

Modernste Anlage Europas. - Autofunk vorbereitet. (Von unserem Berliner Mitarbeiter) b-k Berlin, Mitte Juni 1951

Die modernste UKW-Station Europas und gleichzeitig Berlins höchstes Bauwerk konnte in Berlin-Nikolasee in Betrieb genommen werden. Das erste Gespräch führten der Berliner Senator für Post- und Fernmeldewesen, Dr.Holthöfer, und der Chefingenieur- des Fernmeldetechnischen Zentralamtes der Bundespost, Herz.

Fernsprech, Funk- und Fernsehen gemeinsam

Die gesamte Anlage wird nach ihrer endgültigen Fertigstellung dem deutschen drahtlosen Fernsprechverkehr, dem in Vorbereitung befindlichen Berliner Autofunk, dem Rundfunk und dem Fernsehen dienen. Der jetzt innerhalb von acht Monaten fertiggestellte Teil ist die Empfangsstation für die aus der Bundesrepublik ankommenden Gespräche und besteht aus zwei in 121m Höhe H-förmig verbundenen 150m hohen, mit 25m Zwischenraum errichteten Gitterstahlmasten und einem einstöckigen Gebäude für die technischen Apparaturen.

45 Gespräche gleichzeitig

Der Weg jedes zwischen Westdeutschland und Westberlin geführten Telefonats verläuft, da die 78 Kabelverbindungen von den Sowjets kontrolliert werden, nunmehr folgendermassen; von der Bundesrepublik per Kabel zur Vermittlung Torfhaus im Harz und weiter drahtlos nach Berlin-Nikolassee mit Anschluß an das Stadtnetz, vom Berliner Stadtnetz über den UKW-Sender Berlin-Heckeshorn drahtlos zur Vermittlung Torfhaus und weiter per Kabel zum Teilnehmer. 45 Gespräche können über diese UKW-Brücke gleichzeitig abgewickelt werden - in wenigen Wochen werden über die im Kreise Dannenberg an der britischen Zonengrenze gelegene Gegenstelle Höhbeck vor allem im direkten Verkehr mit dem Hamburger Raum weitere 15 Gespräche geleitet werden können.

Rund 200km Luftlinie sind zu "überspringen"

Anstelle eines Gespräches lassen sich übrigens auch drei Telegramme übermitteln. Dabei sind zwischen Berlin und Torfhaus rund 200km, zwischen Berlin und Höhbeck rund 150km zu "überspringen". Die Qualität der Verständigung ist hervorragend; im Monat Mai konnten fast 18.000 Gespräche auf diese Weise vermittelt werden. Ein UKW-Kanal über Höhbeck und zwei über Torfhaus stehen überdies speziell für Rundfunkübertragungen bereit.

Technik von Siemens & Halske

Die neuzeitliche Technik der UKW -Richtfunkverbindungen, die Entfernungen von mehr als 200km ohne Relaisstationen im Dauerbetrieb einwandfrei zu überbrücken vermag, ist im vorliegenden Falle von der Siemens & Halske AG. zu höchster Vollendung entwickelt worden. Ihr Schwerpunkt liegt in der sehr interessanten, in ihrer Vielseitigkeit und ihrem Ausmaß in Deutschland bisher einmaligen Antennenanlage.

Das Gewicht des Doppelmastes beträgt 145t, der Gesamt-Winddruok 46t. Die Zugkräfte in der oberen Abspannung erreichen je 76t und die Länge des für die Abspannung verarbeiteten Drahtes kommt auf 136km.

Modernste Konzepte mit Dipolen

Das Richtantennensystem hat sieben Antennen vertikaler Bündelung, die - horizontalpolarisiert - zur Herabsetzung des Windwiderstandes aus elliptischen Dipolen bestehen. Die Richtwirkung der Antennen lässt sich wahlweise durch Zusammenschalten von zwei oder vier Antennenfeldern erhöhen; ein Antennenwahlschalter ermöglicht es, jeden Empfänger auf jede beliebige Antenne zu schalten. Diese sowohl bei der Sendestation Heckeshorn wie auch bei der Empfangsstation Nikolassee verwendeten Richtantennen weisen einen so hohen Leistungsgewinn auf, dass bei gleicher Senderleistung und bei Zusammenschaltung aller Einzelantennen in Strahlrichtung die siebzigfache Leistung gegenüber einer Antenne alter Ausführung erreicht werden kann.

Schneller Wellenwechsel möglich

Da die Sendereinrichtungen in Heckeshorn je Sender eine Leistung von 1,5kW abgeben, kommt in der Strahlrichtung eine Wirkung zustande, die derjenigen eines 100kW-Senders mit normaler Antenne entspricht. Die Übertragungseigenschaften dieser neuen Richtantennen liegen so, daß gleichzeitig mehrere Sender oder Empfänger an einer Antenne betrieben werden können. Es ist auch nicht mehr nötig, sie - wie es bisher üblich war - bei Wellenwechsel umzustimmen. Die zum Anschalten mehrerer Sender oder von Sender und Empfänger an eine Antenne notwendigen Filter sind vielmehr derart entwickelt, dass die Geräte schnell auf andere Wellenlängen umgeschaltet werden können.

Neuer dritter 150m hoher Mast für Fernsehbrücke

Der dritte gleichfalls 150m hohe Mast der UKW-Station Berlin-Nikolassee ist für die Fernsehbrücke Westdeutschland-Westberlin bestimmt, die zunächst dem NWDR für eine wechselweise Programmübermittlung Hamburg-Höhbeck-Berlin zur Verfügung stehen wird. Sie wird noch im Laufe dieses Sommers versuchsweise in Betrieb genommen. Ihr Wert wird sich erst erweisen, wenn - wahrscheinlich auch im Sommer - der Berliner Fernsehsender des NWDR seine Arbeit aufnehmen kann.

Ihre Antennen besitzen die gleiche starke Richtwirkung, die auch die Funksprech-Verbindung auszeichnet. Hinzu kommt ein völlig neuartiger Hochfreauenzkabel-Typ, der eigens für diese Anlage von Siemens entwickelt wurde. Der 10kW Fernseh-Richtverbindungssender mit seinen Empfangsgeräten wird ebenfalls in diesem Komplex demnächst von der Bundespost aufgestellt.

Kurioses Glück in Berlin

Die Entstehung jener dem letzten Stande technischer Erkenntnis entsprechenden UKW-Fernseh-Anlage in Berlin-Nikolassee ist kurioserweise der unverständlichen Planung der Berliner Stadtverwaltung zu verdanken, die den Platz der "alten" Empfangsstation zu einem zentralen Trümmer-Abladeplatz werden ließ. Da der Betrieb nicht unterbrochen werden konnte, war man gezwungen, eine völlig heue Station zu errichten; lediglich für den Fernsehmast konnten Teile der abgebauten Station verwendet werden.

Rund 720.000 DM betrugen die Baukosten - sie werden grösstenteils aus GA-RI0A - Mitteln, dem sogenannten Unterstützungsfonds für die besetzten Gebiete, gedeckt.

FI-1951 / 1.Juli-Ausgabe - WIR SAHEN und HÖRTEN
Fernsehübertragungsleitung von Hamburg nach Köln

Vom Bundespostministerium wurde der Bau der Fernsehübertragungsleitung von Hamburg nach Köln genehmigt. Die Leitung führt über Hannover, Bielefeld, Beckum und Düsseldorf nach Köln-Langenberg. Die Kosten für den Bau dieses großen Fernsehübertragungsweges werden auf rund 9 Millionen DM veranschlagt.

FI-1951 / 1.Juli-Ausgabe - WIR SAHEN und HÖRTEN
Von RIAS-Berlin wird uns mitgeteilt:

RIAS wird in Kürze einen 20kW-Kurzwellensender in Betrieb nehmen, der zur Zeit auf dem Gelände des Berliner Mittelwellensenders vom RIAS montiert wird. Der Sender ist ein Telefunken-Erzeugnis und in einer Bauzeit von fünf Monaten fertiggestellt worden. Der Sender wird auf einer Faltdipol-Antenne, welche nahezu RundstrahlCharakter hat, arbeiten. Die Aufgabe der neuen Anlage besteht darin, das RIAS-Programm einem ausgedehnteren Hörerkreis zugänglich zu machen. Insbesondere soll auch die Ostzone, eine weitere Möglichkeit,das RIAS-Programm zu empfangen, erhalten. Die Frequenz, auf der der Sender arbeiten wird, liegt etwa bei 6 MHz. Die genaue Frequenz wird vor der Indienststellung noch rechtzeitig bekannt gegeben.

FI-1951 / 1.Juli-Ausgabe - WIR SAHEN und HÖRTEN
Erfahrungen für die UKW-Ausbreitung

In Bad Kissingen fand eine Arbeitstagung von Fachleuten des Fernmeldetechnischen Zentralamtes der Deutschen Bundespost und des Zentralamtes für Wetterdienst statt. Eingehend erörtert wurden die atmosphärischen Bedingungen für die UKW-Ausbreitung. Es zeigte sich, daß beide Forschungsgebiete, Funkwellenforschung und Wetterkunde, das größte Interesse an den Arbeitsergebnissen und Erfahrungen des anderen Gebietes haben. Es wurde festgestellt, daß abnorme Reichweiten der UKW-Wellen, die den Nachbarsendebezirk empfindlich stören können, durch eine starke Temperaturumkehrschicht bedingt werden. Ferner wurde auch die Übertragung einer Wetterkarte im Fernsehfunk und ihre möglichst zweckmässige Gestaltung erörtert.

FI-1951 / 2.Juli-Ausgabe - DEUTSCHLAND
Der Fernsehversuchssender der Loewe Opta A.G. Kronach.

In der ersten Juli-Ausgabe der "Fernseh-Informationenrf berichteten wir bereits, dass die Loewe Opta A.G., Kronach zwecks Prüfung der bei dieser Firma jetzt wieder hergestellten Fernsehempfänger einen eigenen Fernseh-Versuchssender in Betrieb genommen hat. Es handelt sich hierbei um den ersten betriebsfertigen Fernsehversuchssender in Oberfranken. Die Loewe Opta A.G. stellt uns nunmehr einige Daten über diesen Sender zur Verfügung. Danach hat dieser Sender eine Leistung von 10 Watt und arbeitet nach den in Genf für Europa vorgeschlagenen und angenommenen Normen.

Vom Fernmeldetechnischen Zentralamt wurden der Loewe Opta A.G. in Kronach für diesen Sender die Frequenzen 203,25 MHz für die Bildsendung und 208,75 MHz für den Begleitton zugewiesen. Diese Frequenzen entsprechen in dem für Deutschland freigegebenen Fernsehband, welches von 174 bis 216 MHz läuft, dem Fernsehkanal 5. Die ausgestrahlte Leistung von 10 Watt ist ausreichend, um in Kronach und nähere Umgebung Fernsehversuchssendungen zu empfangen. Mit dem Sender können nicht nur stehende Bilder (Diapositive), sondern auch bewegliche Bilder (Tonfilm) gesendet werden. Mit den jetzt zur Fertigungsreife gelangten Fernsehempfängern setzt Loewe Opta die Tradition, die sie bereits seit mehr als 20 Jahren auf dem Gebiet des Fernsehens besitzt, fort.

FI-1951 / 2.Juli-Ausgabe - WIE SAHEN UND HÖRTEN
SDR will Fernsehen beginnen

Der Südwestfunk in Baden-Baden beabsichtigt mit der Errichtung seines ersten Fernsehsenders in der Nähe von Koblenz zu beginnen, sobald die von der Bundespost in Auftrag gegebene Dezimeterstrecke den Sendebereich des Südwestfunks erreicht hat.

FI-1951 / 1.August-Ausgabe - DEUTSCHLAND
NWDF erhält den ersten Fernseh-Übertragungswagen.

Wgf•, Hamburg, Anfang August 1951

Wie wir erfahren, ist soeben der erste Fernseh-Übertragungswagen des NWDR fertiggestellt worden. Er wurde in gemeinsamer Arbeit von der Fernseh G.m.b.H. (Darmstadt) und den Technikern des NWDF gebaut, ist 8 Meter lang, 2,20 m breit und hat ein Gewicht von über 8 Tonnen. Er enthält u.a. drei Kameras, zwei Filmgeber, ein Mischpult, einen Bildsender, einen Tonsender sowie einen Dezi-Sender. Eine ausfahrbare Antenne kann auf eine Höhe von 12m, später 16m gebracht werden; es ist auch möglich, sie auf Gebäude in der Nähe des Standortes des Wagens zu montieren. Man rechnet damit, dass der Bildsender bei genügender Höhe der Antenne eine Reichweite von etwa 20km, der Dezisender bis 30km erreichen kann. Die Fernsehkameras können vom Dach des Wagens Aufnahmen machen, aber auch bis zu 200m vom Wagen entfernt über Kabelleitung eingesetzt werden. Im Wagen ist Raum für 20Mann Bedienungspersonal. Sämtliche Geräte sind besonders mit Gummi und Metall gefedert aufgehängt.

(Anmerkung: Das mit den 20 Arbeitsplätzen war wunschgemäß sicher sehr geschönt in dem 8m langen Fahrzeug.)

Es ist anzunehmen, dass der Übertragungswagen in Kürze erprobt wird, um dann bald regelmässig für den Programmdienst eingesetzt zu werden. Ein zweiter kleiner Wagen von 2 Tonnen ist in Auftrag gegeben worden und wird zum Spätherbst verfügbar sein. Der neue grosse Ü-Wagen stellt eine einmalige moderne Konstruktion dar, die eine ausserordentliche Beweglichkeit im aktuellen Dienst erlauben wird.

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