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überarbeitet von Gert Redlich ab Feb. 2014 - Eigentlich sprechen wir von einer Gazette - Es sind gigantische Textmengen (Buchstaben-Wüsten), die die Autoren der "FI" in den 58 Jahren zusammen getragen haben. Damit das überhaupt vernünftig zu lesen ist, haben wir die Inhalte in jährliche Themengebiete aufgeteilt, die aber nicht in jedem Jahr gleich sind. - Sehr wichtig ist, es wurden alle Informationen, die Texte und die Erkenntnisse genau in der jeweils benannten Woche aufgeschrieben und nicht später ergänzt oder korrigiert.

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FI-1951 / 1.September-Ausgabe
AUSLANDSÜBERBLICK und ANREGUNGEN - Frankreich

Die seit August unterbrochenen Fernsehsendungen in Frankreich begannen mit der Wiederaufnahme eines Teildienstes am 3. September auf beiden Definitionen mit der Sendung von Filmen (um 20.30 Uhr auf 819 Zeilen und um 21 Uhr auf 441 Zeilen). Der normale Sendedienst wird am 17. Septemfber wieder einsetzen. Die Sommerpause wurde dazu benutzt, wichtige technische Verbesserungen und Neuerungen im französischen Fernsehen vorzunehmen.

AUSLANDSÜBERBLICK und ANREGUNGEN - Schweiz

Die von den amerikanischen Fernsehdemonstrationen in Berlin inzwischen nach Zürich verbrachte Farbenfernseh-Anlage des CBS war am 4. September im Kantons-Spital in Zürich aufgestellt. Während des ganzen Tages wurden Operationen aus dem großen Operationssaal übertragen. Ärzten, Medizinstudenten und Wissenschaftlern war Gelegenheit geboten, im Hörsaal dem Empfang beizuwohnen. Die Farbenwiedergabe und der Detailreichtum der Bilder war, wie unser Bc-Mitarbeiter berichtet, sehr befriedigend.

AUSLANDSÜBERBLICK und ANREGUNGEN - Italien

Auf der Biennale in Venedig sind erstmals auch zwei englische Fernseh-Filme gezeigt worden. Einmal der von dem BBC-Fernsehdienst hergestellte Streifen über den Bildhauer Henry Moore, ferner ein Kulturfilm "Wie arbeitet das Fernsehen?", der mit einem Preis ausgezeichnet wurde. Es handelt sich um einen Unterrichtsfilm für Schulen, der in Kürze auch in den Kinder-Fernsehstunden von BBC gezeigt werden wird.

AUSLANDSÜBERBLICK und ANREGUNGEN - Österreich

In den letzten Wochen hat das Interesse der österreichischen Öffentlichkeit an der Frage des Fernsehens beträchtlich zugenommen, da nun erstmals die österreichische Postverwaltung daran geht, Personal für Fernsehsendungen auszubilden, und ferner an der TH Wien ein Versuchsgerät aufgestellt wurde. Wenn auch die vom Sowjetelement immer noch geforderten Beschränkungen umfangreiche Versuche verbieten, so ist die Möglichkeit, in absehbarer Zeit Fernsehsendungen durchzuführen, nun doch schon merklich nähergerückt.

Da auch Österreich einen Fernsehdienst auf 625 Zeilen durchführen will, wird naturgemäss besonders die Fernsehentwicklung in Bayern und in der Schweiz mit der grössten Aufmerksamkeit, verfolgt.

AUSLANDSÜBERBLICK und ANREGUNGEN - Dänemark

Die "FI" meldeten bereits vor einiger Zeit, daß die dänischen Fernseh-Versuchssendungen wieder aufgenommen werden sollen. Diese Nachricht wird jetzt bestätigt, denn ab 1. Oktober werden in Kopenhagen wöchentlich dreimal Fernsehprogramme ausgestrahlt werden.

AUSLANDSÜBERBLICK und ANREGUNGEN - England
PYE reklamiert : Berlin war nicht die erste öffentliche Buntsendung in Europa

Die weit verbreitete Auffassung, dass die amerikanische Farbfernsehschau in Berlin die erste öffentliche Buntsendung in Europa gewesen ist, entspricht, wie wir von unterrichteter Seite hören, nicht den Tatsachen. Die britische PYE-Gesellschaft hat nach dem gleichen System wie das CBS bereits im April 1950 in Hilversum in Holland das Farbfernsehen öffentlich vorgeführt. Das gleiche Farbfernseh-System wurde von PYE im gleichen Jahr öffentlich auf der Mailänder Messe gezeigt. In beiden Fällen entsprach das Programm etwa den Vorführungen in Berlin, und beide Male waren es öffentliche Veranstaltungen.

FI-1951 / 2.Sept + 1.Okt.-Ausgabe - AUSLAND
Die Einführung des Fernsehens in Holland.

Aufnahme des Fernseh-Dienstes Anfang Oktober. Von unserem Mitarbeiter Wgf. Hilversum, Ende September 1951.

Die holländischen Tageszeitungen melden dreispaltig als Großaufmachung der ersten Seite: "Am 2. Oktober beginnt der Fernsehdienst", im Innern der Blätter wird in längeren Abhandlungen die erste Planung bekanntgegeben. Gleichzeitig teilen die Zeitungen mit, daß sie regelmäßig die Fernsehprogramme und kritische Stellungnahmen zu den Sendungen veröffentlichen werden.

Holland ist ein "altes" europäisches Rundfunkland, das immer ein sehr großes Ansehen genoss und wegen seiner einzigartigen Senderorganisation viel studiert wurde. Der Rundfunk wird von Hörer-Organisationen finanziert, die die Beiträge an "ihre" Sendegesellschaft zahlen, von denen die bekanntesten und größten die katholische KRO, die protestantische NCRV, die sozialistische VARA und die liberale AVRQ sind. Sie stehen im Wettbewerb miteinander, behandeln jedoch übergeordnete und gemeinsam interessierende Fragen in einer Dachorganisation, die NRU = "Nederlandsche Radio Unie".

Die Organisation des holländischen Fernsehens 1951

Es war selbstverständlich, daß Holland schon seit längerer Zeit die Fernsehentwicklung in allen Ländern beobachtete und einen eigenen Fernsehdienst plante. Dabei dürfen die besonderen Schwierigkeiten, die bei der eigenartigen Rundfunkorganisation auftreten, nicht übersehen werden. Zunächst mußte klargestellt werden, an wen die Fernsehlizenz erteilt werden sollte, denn die alten Rundfunklizenzen sahen noch keine Aussendungen bewegter Bilder vor.

Zweitens schien es als unwahrscheinlich, daß jede einzelne der Rundfunkgesellschaften einen vollständigen Fernsehprogrammdienst finanzieren könnte. Und schließlich schien es angebracht, vom Staat gewisse Garantien zu erbitten, die in Kraft treten sollen, wenn sich der Fernsehversuchsdienst nach zwei Jahren noch nicht aus den Teilnehmergebühren tragen kann.

Die großen Rundfunkgesellschaften AVRO, KRO, NCRV und VARA haben eine Fernseh-Vereinigung gebildet, die "Nederlandsche Televisie Stichting" (NTS), deren Vorsitzender Prof. Dr. Kors (KRO) ist. Während Philips die Studioeinrichtungen und Apparate sowie seinen Versuchssender in Eindhoven als Relaisstation zur Verfügung stellt und der Staat einen 5kW Sender in Lopik, befaßt sich die NTS mit der Organisation, der Finanzierung und der Programmgestaltung des Fernsehrundfunks.

Die Einschaltung des Staates

Die Lizenz wurde an die NTS gegeben, woran die Regierung eine Reihe von Bedingungen knüpfte. Sie gilt zunächst auf zwei Jahre. Die Regierung erklärte, daß die vier Rundfunkgesellschaften zwar eine Fernsehlizenz erhalten haben, aber kein Monopol besitzen. Sie behält sich vor, selbst Sendungen zu veranstalten und Lizenzen auch an andere Bewerber zu vergeben; auch für kleine Rundfunkgesellschaften - wie z.B. die VPRO - müsse die Möglichkeit für Fernsehsendungen offen bleiben. Die Lizenz wird vom Kultusministerium erteilt; der technische Dienst liegt in den Händen des Postministeriums. Der bisherige Fernsehausschuss wird aufgelöst und durch einen Fernsehrat ersetzt, der sich folgendermassen zusammensetzt:

Je ein Vertreter des Ministeriums für Allgemeine Angelegenheiten, des Wirtschafts-, Finanz-, Verkehrs- und Kultusministeriums, je 1 Mitglied der vier Rundfunkgesellschaften, 1 Vertreter der Kinobesitzer, 1 Vertreter der Filmindustrie, die Firma Philips und der Radiorat der IKOR (überkonfessioneller Kirchenausschuss).

Die Regierung regt an, daß die vier Rundfunkgesellschaften möglichst oft gemeinsame Fernsehprogramme aussenden. Wenn Filme verbreitet werden, müssen sie vorher die Zensur durchlaufen haben. Im übrigen soll mit den bestehenden Filmfirmen zusammengearbeitet werden; es sei kein Anlaß für Neugründungen zur Herstellung von Fernsehfilmen.

Die kommenden 2 Jahre - so lange soll der Versuchsbetrieb dauern - sollen dazu benutzt werden, Erfahrungen zu sammeln; dann soll der Fernsehrat genaue Vorschläge für die endgültige Organisation ausarbeiten.

Programmgestaltung des Versuchsdienstes 1951.

Vorerst wird am 2. Oktober (1951) um 20.15 Uhr der Versuchsdienst eröffnet, und zwar mit einem Programm, für das alle Gesellschaften gemeinsam verantwortlich sind. Es spricht als erster der Staatssekretär im Erziehungsministerium Dr. Gals und dann Prof. Kors als Vorsitzender des Fernsehausschusses. Anschließend wird ein Fernsehspiel von W. van Hemert (Regisseur bei der VARA) gesendet, das "Narr Video " heißt.

Es zeigt die Fernsehentwicklung seit 300 Jahren und schließt mit einem Blick in die Zukunft. Zum Schluß findet ein Mehrgespräch (Anmerkung : vermutlich eien Diskssionsrunde) über allgemeine Fernsehfragen statt.

Dann beginnt der Turnus, nach dem die Gesellschaften für die Programme verantwortlich sind: Am 5.10. die AVRO, die populärwissenschaftliche und unterhaltende Programme verspricht, am 9.10. die VARA, die Wert auf unterrichtende und bildende Sendungen legt und eine Monatsschau (von Filmstreifen) plant, am 12.10. die NCRV mit vornehmlich ernsten Programmen, darunter gleich von Beginn an eine Sendung zur Bekämpfung der Krebskrankheit, ferner eine Wochenübersicht und ein Fernsehspiel, und schließlich die KRO mit einer Reportage aus einer Blindenanstalt am 16.10. sowie kirchlichen Sendungen.

In diesem Wechsel wiederholen sich die Sendungen, die jeweils 90 Minuten dauern. An Festtagen wird ein gemeinsames Programm gestaltet. Außerdem finden Absprachen statt, damit nicht in einer Woche zweimal ähnliche Programme erscheinen. Grundsätzlich ist jedoch jede der vier Gesellschaften in der Programmgestaltung autonom.

Fernseh-Gebühr geplant 1951 : 30 Gulden

Jede der Gesellschaften hat im Jahr 150.000 Gulden ausgeworfen, sodaß im Jahr 600.000 Gulden zur Verfügung stehen. Diese Regelung gilt für 2 Jahre.

Gemeinsam wird ein Reportagewagen benutzt. Die finanziellen Mittel sind nicht aus den 10 Gulden Rundfunkgebühren entnommen, die jeder Hörer jährlich zahlen muß, sondern aus den Beiträgen (gleichfalls 10 Gulden), die er darüber hinaus an "seine" Rundfunkgesellschaft entrichtet. Als Fernsehgebühr sind 30 Gulden im Jahr vorgesehen, für die noch die gesetzliche Grundlage geschaffen werden muß. Eine Erhöhung des Etats durch Reklamesendungen ist nicht erlaubt.

Man nimmt an, daß ein Tagesprogramm etwa 2000 Gulden kosten wird. Mit Sportvereinen, Theaterorganisationen, Künstlervereinigungen und auch mit der Vereinigung der Kinobesitzer sind Absprachen getroffen, nach denen die Übertragung von Fußballspielen möglich sein wird, desgleichen können je Sendestunde 20 Minuten Film verbreitet werden.

Diese Absprachen werden spätestens nach zwei Jahren revidiert werden; zunächst fühlt sich keine Organisation durch die geringe Zahl der Fernsehteilnehmer gestört. Als Studio wird ein Raum in einer Kirche in Bussum (bei Amsterdam) gemeinsam benutzt. Eine offene Frage ist, ob nicht vor Ablauf der zwei Jahre (vielleicht schon Anfang 1952) die Zahl der wöchentlichen Programmstunden vermehrt werden muß.

Entwicklungsmöglichkeiten des neuen Fernsehdienstes

Holland hat rd. 2.000.000 Rundfunkteilnehmer. Durch den Sender Lopik werden
etwa 4 Millionen Menschen erfaßt. Im allgemeinen gehen die Schätzungen dahin, daß es möglich sein muß, in 3 Jahren rund 250.000 Fernsehteilnehmer zu gewinnen; mit deren Beiträgen könnte ein Programmdienst finanziert werden.

Die Gerätepreise liegen - auf deutsche Währung umgerechnet - bei 1.000 bis 1.300 DM (800 bis 1000 Gulden), wozu wahrscheinlich günstige Abzahlungsbedingungen treten werden. Über die Produktion braucht man sich keine Sorge zu machen, allein ein Philips-Band wirft täglich 250 Empfänger auf den Markt.

Ein Service ist gleichfalls vorbereitet. Außerdem ist eine Absprache getroffen, daß die Händler Fernsehgeräte nur in den Gegenden demonstrieren, in denen wirklich gute Empfangsergebnisse vorliegen. Ein Programmaustausch wird vornehmlich mit der BBC angestrebt; ein besonderes Interesse richtet sich auf die benachbarten Belgier, die im Empfangsbereich der holländischen Fernsehprogramme liegen. Wesentlich wird es sein, zunächst viel Erfahrungen in der Programmgestaltung zu gewinnen. Die Haupttendenz scheint aur informierende und belehrende Sendungen abzuzielen; vielleicht werden die Programme, die in den vergangenen drei Versuchsjahren von Philips gestaltet worden sind, die unterhaltende Note in den Gesamtaufbau bringen.

FI-1951 / 2.Sept + 1.Okt.-Ausgabe - AUSLAND
Drei Europa-Länder senden 625-Zeilen-Fernsehen

Gegen Ende dieses Jahres werden wir also in Europa 625-Zeilen-Fernsehen in Dänemark, Deutschland und Holland haben. Damit hätten dann 3 Länder, die nebeneinander liegen eine gemeinsame Norm. Es kann sein, daß dann die Entwicklung weiter den Weg nach dem Süden nimmt. Hier zeichnet sich mehr als nur eine Verantwortung für den nationalen Fernsehdienst ab; von hier können gesunde und systematische Entwicklungslinien für ein schon so oft genanntes "europäisches Fernsehgefüge" ausgehen. Es wird umso eher Inhalt und Form gewinnen können, je besser die Fernsehdienste in den einzelnen Ländern ausgebaut werden. Initiative und Geduld, Erschliessung des naheliegenden Bereichs und Weitblick auf die größeren Bezirke müssen sich paaren, um der zweiten großen Entwicklungsetappe des Rundfunks, die sich im Fernsehen erfüllt, Sinn und Richtung zu geben.

1951 - Fernsehen jetzt auch in Dänemark!

Fernsehgebühr von 50 Kronen jährlich. - Von unserem ag-Mitarbeiter - Kopenhagen, Ende Sept. 1951

Der dänische Rundfunk beginnt seine Fernsehsendungen am 1. Oktober 1951 und zwar werden wöchentlich drei Programme (Dienstag, Donnerstag und Samstag von 20 - 21Uhr) verbreitet. Am 2.Oktober werden eine Parlamentssitzung und Ausschnitte aus einem Theaterstück übertragen. Für ein Jahr stehen diesem Versuchsbetrieb 500.000 dän. Kronen zur Verfügung. Für die Fernsehteilnehmer ist eine Jahresgebühr von 50 Kronen vorgesehen. Der Rundfunk wird dem Fernsehdienst auf drei Jahre den Betrag von 500.000 Kronen vorschiessen, der später zurückgezahlt werden muss.

In Dänemark noch 2 Jahre Versuchssender

Der Sender steht auf dem Kopenhagener Rundfunkhaus und wird seit zwei Jahren als Versuchssender benutzt, vornehmlich für Zwecke der Fernsehindnstrie. Er wird auf 0,5kW verstärkt werden und dann eine Einwohnerzahl von etwa 1,2 Mill. Menschen erreichen können. Dänemark benutzt die europäische Norm von 625 Zeilen, Negativmodulation, Bildwelle 4,81m und Tonwelle (FM) 4,43m. Die Studioausrüstung liefert Philips, es stehen zwei Kameras zur Verfügung sowie Filmaufnahmegeräte für 35 und 16 mm.

Der Fernsehdienst umfaßt 20 Angestellte, einen Leiter, einen Regisseur, einen Regieassistenten, 3 Kameramänner, drei Bühnenbildner, einen Requisiteur, einen Maskenbildner, einen Garderobier und eine Sekretärin; dazu kommen ein Ingenieur, drei Assistenten für den Kontrollraum und vier Techniker. Die Leitung liegt in den Händen von Jens Fr. Lawaetz, die technische Leitung hat Peter Hansen.

Uns scheint als besonders bemerkenswert, daß diese kleine Gruppe bereits seit zwei Jahren sich mit Fragen der Programmgestaltung beschäftigt; sie ist also sorgsam in Kursen und Versuchen für den kommenden Programmdienst vorbereitet worden. Diese klare Planung wird sich zweifellos sehr fruchtbringend auf den Sendedienst auswirken.

FI-1951 / 2.Sept + 1.Okt.-Ausgabe - AUSLAND - SCHWEIZ
Das Fernsehen in der Schweiz vor wichtigen Entscheidungen.

Bundesbehörden wünschen Fernsehen auf nationaler Basis. Debüt der schweizerischen Fernsehindustrie. Von Ing. Paul Bellac - Bern, Mitte September 1951

Seit dem Beginn der Herbstsaison zeichnen sich manche wichtige Ereignisse auf dem Gebiet der schweizerischen Fernsehentwicklung ab. Am 7. und 8. September versammelte sich die "Nationalrätliche Kommission für das Fernsehen" in Zürich zur Beratung der Bundesrätlichen Botschaft, die einen Kredit von 1 1/2 Mill. Sfr. aus Bundesmitteln für die Einführung des Fernsehens in der Schweiz beansprucht.

Es ist dies ein Teilbetrag des Gesamtbudgets von 4 Mill. sfr., die ein dreijähriger Versuchsbetrieb in Zürich kosten wird. Außer Beiträgen der Postverwaltung und der Rundspruchgesellschaft sollten auch Kanton und Stadt Zürich Beiträge leisten, über die bis zu diesem Zeitpunkt noch keine Gewissheit bestand.

Tagungseröffnung mit einstündigem Fernsehprogramm

Die Tagung wurde eröffnet mit einem Fernsehprogramm von etwa einstündiger Dauer, das aus Filmausschnitten und Direktsendungen bestand und aus dem Physikalischen Institut der Eidgenössischen Technischen Hochschule ausgestrahlt wurde. Das Institut besitzt einen neuen, selbstgebauten 250W-Fernsehsender, einen Filmgeber, einen Diapositivabtaster und eine Superikonoskop Aufnahmekamera.

Der Empfang wurde im Kongresshaus am Ufer des Züricher Sees vorgenommen und überraschte die Mitglieder der nationalrätlichen Kommission durch seine hervorragende technische Qualität und durch die Programmzusammenstellung, die in zahlreichen, kurzen Ausschnitten eine Auswahl der wichtigsten kulturellen und künstlerischen Programmöglichkeiten erschloß. Erhöht wurde das Interesse noch durch das Debüt der schweizerischen Fernsehindustrie, die mehrere ausgezeichnete Empfangsapparate schweizerischer Konstruktion beigestellt hatte.

Querschläger der Züricher Kantonsregierung

Es war demnach ein günstiger Boden für die Verhandlungen geschaffen, als eine Mitteilung der Züricher Kantonsregierung eintraf, die jede finanzielle Beteiligung am Züricher Versuchsbetrieb abschlug, weil er als Bundesbetrieb keine regionalen Mittel beanspruchen dürfe. Ein Bericht in der "Neuen Züriher Zeitung" gibt gleichfalls Aufschluß über die Hintergründe dieser Entscheidung, denn er besagt, die Züricher Kantons- und Stadtbehörden werden dem Fernsehen gegenüber eine offene Hand zeigen, wenn in Zürich ein regionaler Fernsehbetrieb eingerichtet werden wird.

Demgegenüber stehen die Bundesbehörden und die Schweizerische Rundspruchgesellschaft auf dem Standpunkt, daß das Fernsehen auf nationaler Basis geplant werden muß, um eine Zersplitterung zu vermeiden, die sich wegen der hohen Kosten des Fernsehbetriebs unheilvoll auswirken müßte. Im Rahmen dieser Organisation wären dann alle regionalen Wünsche zu berücksichtigen.

Die nationalrätliche Kommission schloß sich dieser Ansicht an, indem sie mit sieben Stimmen bei fünf Stimmenthaltungen und keiner Gegenstimme das Eintreten auf die Bundesrätliche Botschaft beschloss, die noch in der Septembersession des Nationalrates auf die Tagesordnung kommen dürfte. Gleichzeitig regte die Kommission an, die Züricher Fernsehvorführung zu wiederholen, um auch den anderen Mitgliedern des National- und Ständerates Gelegenheit zu geben, zum Problem des Fernsehens aus eigener Anschauung Stellung zu nehmen.

Versuchssender an der Eidgenössischen Technischen Hochschule

Der Versuchssender an der Eidgenössischen Technischen Hochschule wird auch in Zukunft fallweise in Betrieb gesetzt, um die Fernsehindustrie und den Fachunterricht mit praktischen Demonstrationen zu unterstützen.

Ferner haben sich in Zürich ein Initiativkommitee und in Bern eine Fernsehgenossenschaft gebildet, beide zu dem Zweck, die Einführung des Fernsehens zu unterstützen.

Tagung in der Westschweiz in Genf

Auch in der Westschweiz regen sich neue Kräfte. Die Schweizerische Kommission für das Fernsehen tagte unter dem Vorsitz von Generaldirektor der PTT-Verwaltung Dr. Weber am 13. September in Genf. Nach ihrer ordentlichen Sitzung versammelte sie sich auf Einladung der Genfer Behörden zu einer zweiten Sitzung, in der unter dem Präsidium von Nationalrat Guinand die Genfer Wünsche auf dem Gebiet der Fernsehplanung vorgebracht wurden. Genf ist bereit, den Betrag von 950.000 sfr. für den Bau eines Fernsehstudios beizustellen, dessen Pläne sogar schon vorliegen. Die Westschweiz möchte dringend darauf hinweisen, daß bei dem großen Interesse am Fernsehen in weiten Kreisen der französischsprachigen Bevölkerung in dieser Region gleichzeitig mit dem Züricher Versuchsbetrieb mit Fernsehsendungen begonnen werden sollte.

Fliegende "Fernsehequipe" in der Westschweiz geplant

Generaldirektor der PTT-Verwaltung Dr.Weber brachte seinerseits in der Eigenschaft als Präsident der Schweizerischen Fernsehkommission zur Kenntnis, daß westschweizerische Fachleute von Anbeginn am Zürcher Versuchsbetrieb mitarbeiten sollen. Außerdem denke man an die Aufstellung einer fliegenden "Fernsehequipe" in der Westschweiz, bevor dort ein Studio eingerichtet werden soll.

Schließlich wurde auch auf die Möglichkeit hingewiesen, einen Fernsehsender auf der Dole zu errichten, einem Berg, von dem das Genfersee-Becken mit den anschließenden Gebieten des Mittellandes erschlossen werden kann. Auf der Dole ist gegenwärtig der früher in Zürich auf dem Uetliberg aufgestellte Versuchssender in Betrieb. Er hat bei den methodischen Empfangsmessungen sehr günstige Ergebnisse gezeitigt.

Damit ist die Entwicklung des Fernsehens auch in der Westschweiz in Fluß gekommen. Es werden aber vorerst noch Verhandlungen zwischen Genf und dem rivalisierenden Lausanne zu gutem Ende geführt werden müssen. Nicht umsonst hat Generaldirektor Dr. Weber den Wunsch ausgesprochen, die westschweizerischen Interessenten mögen einen gemeinsamen, einheitlichen Vorschlag ausarbeiten. Es wäre sonst schwierig, zu einer Lösung zu gelangen, die alle Kreise zu befriedigen vermag und nicht das Odium eines Diktates von Aussen trüge.

In der demokratischen Schweiz ist man daran gewöhnt, alle Fragen des öffentlichen Lebens eifrig zu diskutieren, um schließlich zu einem Kompromiß zu gelangen. Die lebhaften Debatten um die Gestaltung des schweizerischen Fernsehens werden, wie erwartet werden darf, gleichfalls zu einer Organisation führen, die allen Sonderinteressen nach Möglichkeit gerecht wird.

FI-1951 / 2.Sept + 1.Okt.-Ausgabe - AUSLAND - ENGLAND
England produzierte bisher über 1,5 Millionen Fernsehempfänger.

Wgf. London, im September 1951 - England hat bisher folgende Zahlen über die Produktion von Fernsehempfängern bekanntgegeben!
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  • Mai bis Dezember 1946 = 6 500
  • Januar-Dezember 1947 = 34 700
  • 1948 = 125 500
  • 1949 = 205 500
  • 1950 = 520 000
  • 1951 = 650 000 (geschätzt)

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zusammen also bisher rd. 1.542.200 Stück.
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Die Fernsehsender könnten folgende Einwohnerzahlen umfassen (versorgen) :

  • Alexandra-Place (1946) mit 17kW = 12 Millionen
  • Sutton Coldfield (Ende 1949) mit 35kW = 6
  • Holme Moss (Oktober 1951) mit 35 kW = 11
  • Kirk O'Shotts (März 1952) mit 50 kW = 3,5
  • Wenvoe bei Bristol (Mai 1.952) mit 50kW = 3,5


insgesamt (Mitte 1952) bereits 36 Millionen
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Der Bau von 5 kleineren Sendern mit 5kW Stärke, die zusammen etwa 5 Millionen Einwohner umfassen, ist vorläufig zurückgestellt worden.
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FI-1951 / 2.Sept + 1.Okt.-Ausgabe - AUSLAND - FRANKREICH
Überblick über die Entwicklung des französischen Fernsehens.

Von J.L. Hebarre - Paris, Ende September 1951

Anmerkung : Dieser Artikel ist sehr lokalpatriotisch (französisch) aufgebaut. Einige der historischen Daten sind nicht nur nicht korrekt, sondern schlicht falsch.

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Das (Farb-??)- Fernsehen, das oft zu Unrecht als das jüngste technische Wunder bezeichnet wird, ist in Wirklichkeit wesentlich älter, als man gewöhnlich annimmt. Bereits vor Erfindung der Mehrzahl der großen technischen Errungenschaften, wie Grammophon, Kino, radioelektrische Übertragungen usw. sind wesentliche Vorarbeiten für die Übertragung des Bildes von einem Platz zum andern verwirklicht worden. So konnte der englische Physiker Alexander Bain bereits im Jahr 1848 mit dem elektro-chemisehen Telegraphen Zeichnungen und Bilder übertragen.

Die entscheidenden Fortschritte auf dem Gebiet des Fernsehens gehen etwa auf das Jahr 1875 zurück, das heißt, auf die Epoche, in der man zum ersten Mal erkannte, daß die gleichzeitige Übertragung eines Gesamtbildes den größten technischen Schwierigkeiten begegnet und daß beim vorläufigen Stand der Wissenschaft das Auflös- oder Abtastverfahren die einfachste Lösung des Problems bietet.

Über die Pioniere (aus französischer Sicht)

Als die entscheidenden Pioniere dieser neuen Erkenntnis müssen der deutsche "Wissenschaftler"(?????) Nipkow und der französische Forscher Maurice Leblanc genannt werden. Doch es wäre falsch, die Erfindung des Fernsehens einem einzelnen Mann oder den Forschern einer Nation zuschreiben zu wollen. Wie auf den meisten Gebieten der Wissenschaften und der Technik haben sieh die um den Fortschritt ringenden geistigen Arbeiter gegenseitig befruchtet und von den Ergebnissen der anderen profitiert. Die "Eine Welt", die Wendell Wilkie auf dem politischen und wirtschaftlichen Gebiet als Ideal proklamiert, sie hat auf dem Gebiet der Wissenschaften und der Technik seit jeher existiert ....

Marksteine der Geschichte des französischen Fernsehens.

Im Folgenden geben wir einen kurzen Überblick über die wichtigsten Marksteine der Geschichte des französischen Fernsehens.

Im Jahr 1929 verwirklicht der französische Wissenschaftler Rene Barthelemy den ersten Fernsehsender und Empfänger mit einer Definition von 30 Zeilen.

1931 kann Henri de France in Le Havre ein Bild, das in 38 Zeilen aufgeteilt ist, von einem Teil der Stadt zum anderen übertragen. Im selben Jahr findet in Paris die erste öffentliche Fernsehdemonstration statt.

Im Jahr 1932 wird vom damaligen französischen Postminister Georges Mandel das erste ständige Fernsehstudio in Paris eingerichtet. Regelmäßige Sendungen benutzen zunächst eine Definition von 60 und später eine solche von 180 Linien. Zur Übertragung wird ein Bildkanal auf dem 5m Band benutzt. Anläßlich der Pariser Weltausstellung von 1937 werden zum ersten Mal ein Sender und Empfangsgeräte der 455-Zeilen-Norm dem Publikum vorgeführt und Großprojektionen ermöglicht.

weiter geht es mit 1938

Die nun täglich regelmäßig ausgestrahlten Sendungen werden vom Anfang des nächsten Jahres (1938) an von dem Eiffelturm-Sender übertragen, der auch heute noch in Betrieb ist. Der Krieg unterbricht auch in Frankreich das Funktionieren des normalen Fernsehsenders, doch benutzen die französischen Techniker diese erzwungene Ruhepause, um ihre Forschung weiterzuführen und die bereits erzielten Ergebnisse zu vertiefen und zu verbessern.

  • Anmerkung: Das ist nirgendwo belegt. Die französischen Quellen spechen nur noch von der erzwungenen Mitarbeit der französischen Techniker bei den deutschen Besatzern.

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Die Definition von 819 Zeilen

Im Jahr 1945 nimmt der Pariser Eiffelturmsender seinen Fernsehbetrieb wieder auf, doch haben die Verantwortlichen des französischen Fernsehwesens bereits in diesem Augenblick erkannt, daß ein Festhalten an der vor dem Krieg benutzten Norm von 455 bzw. 441 Zeilen der weiteren Entwicklung und Verbesserung des Fernsehens hindernd im Wege stehen würde. Die Einsicht, daß allein die hohe Definition die Grundlage für ein künstlerisches wertvolles Fernsehen bildet, hat sich in Frankreich allgemein durchgesetzt.

Nach jahrelangen genauesten Forschungen und Messungen wird diese Erkenntnis durch einen verwaltungsmässigen Akt der Regierung anerkannt.

Francois Mitterand legt 1848 fest :

Im Jahr 1948 führt eine Verordnung des französischen Informationsministers Francois Mitterand die Definition von 819 Zeilen als die offizielle französische Norm ein, auf der alle neuen französischen Sender zu arbeiten haben. Doch bestimmt diese Verordnung zum Schutze der Eigentümer von alten 441 Zeilen Geräten, daß der auf der mittleren Definition arbeitende Pariser Sender seinen Betrieb ungestört bis 1958 durchzuführen hat.

Drei Hauptgesichtspunkte haben Frankreich zu dieser Stellungnahme veranlasst. Der erste, den man den ästhetischen nennen könnte, geht davon aus, daß die Epoche des Fernsehens als "technisches Wunder" vorbei ist und daß das breite Publikum sich nicht mehr damit begnügt, auf seinem Empfangsgerät ein Bild zu sehen, das sich nicht, was Qualität, Kontraste, Feinheit und Leuchtkraft anbelangt, mit dem Projektionsbild im Film vergleichen läßt.

Der Vergleich mit dem 16mm Film (von 1948)

Genaue Messungen und Untersuchungen hatten ergeben, daß die Projektion eines besonders guten 16mm Schmalfilms etwa der Bildqualität eines 819-Zeilen Fernsehbildes entspricht, während zur Wiedergabe der Qualität eines guten 35mm Filmes mindestens eine Bilddefinition von 1200 bis 1400 Zeilen erforderlich ist.

Man ist sich weiter darüber klar geworden, daß das Fernsehen sieh nicht, wie es die Vertreter der niedrigen oder mittleren Definition aus Gründen der technischen Begrenztheit ihrer Mittel verlangen, auf die Großaufnahme beschränken muß. Das wäre eine These wie etwa die, daß es die alleinige Aufgabe des Fernsehens sei, die "Geographie des menschlichen Gesichts zu erforschen".

Diese erklärt sich lediglich durch die Unfähigkeit der niederen Definitionen, ein künstlerisch befriedigendes Bild von Gruppen und Landschaften mit ausreichenden Einzelheiten in der Tiefe wiederzugeben; sie stellt also einen freiwilligen Verzicht dar, den das Fernsehen, wenn es seinen Platz als selbständiges künstlerisches Ausdrucksmittel behaupten will, nie akzeptieren darf.

Farbe und plastisches Bild im Fernsehen.

Der zweite der die Wahl der hohen Definition bestimmenden Gesichtspunkte gründet sich auf folgende technische Erwägungen.

Die Entwicklung des Fernsehens, so wie sie sich nach dem augenblicklichen Stand der Technik abzeichnet, ist noch keineswegs abgeschlossen. Es ist mit Bestimmtheit damit zu rechnen, daß die Farbe, deren Einführung in das Fernsehwesen der USA im letzten Jahr beschlossen wurde, auch über kurz oder lang ihren Einzug in die europäischen Fernsehstudios halten wird.

Wenn man auch mit Sicherheit damit rechnen kann, daß, genau so wie beim Film, die Farbe das Schwarz-Weiß-Bild nicht völlig verdrängen wird, so schien es doch den französischen Technikern verfehlt, nicht von vornherein beim Ausbau des Schwarz-Weiß-Fernsehnetzes alle technischen Bedingungen zu schaffen, die jederzeit die Hinzufügung der Farbe und eventuell auch des plastischen Bildes ermöglichen.

Am amerikanischen Beispiel orientiert

Das amerikanische Beispiel hat die Richtigkeit dieser Überlegungen der französischen Techniker vollauf bestätigt; hat doch die Einführung des Farbfernsehens in den Vereinigten Staaten, die seit der Schaffung des amerikanischen Fernsehens im Jahr 1942 die mittlere Definition von 525 Zeilen benutzen, die 12 bis 13 Millionen in den Händen des Publikums befindlichen Empfangsgeräte problematisch gemacht.

Die hohe Definition erlaubt dagegen, infolge des benutzten breiten Wellenkanals und der hohen Zeilenfrequenz, auch nach Einführung der Farbe die alten 819-Zeilen Empfänger weiter zu benutzen, die entweder ohne jede Abänderung die vom Sender ausgestrahlten Farbsendungen in schwarz-weiß empfangen können oder unter Ankuppelung eines kleinen, nicht kostspieligen Zusatzgerätes die farbigen Sendungen selbst aufnehmen können.

Und was weiter entscheidend ist, die hohe Definition erlaubt die Einführung eines jeden Farbsystems, also sowohl des der RCA wie des CBS.

Gemeinschafts-Empfang mit Grossprojektion

Die letzte, aber deshalb nicht weniger  wichtige Überlegung bei der Wahl der 819-Zeilen Norm ist sozialer Natur. Der Preis eines Fernsehgerätes ist derart erheblich und wird es aller Voraussicht nach auch weiter bleiben, (etwa das Dreifache eines guten Rundfunkgerätes), daß weite Kreise der arbeitenden Bevölkerung in Frankreich nicht in der Lage sind, sich ein solches Gerät selber zu kaufen.

Wenn man vermeiden will, daß das Fernsehen als Luxusartikel ausschließlich den besitzenden Kreisen vorbehalten bleibt, dann muß man, so glaubt man in Frankreich, die notwendigen Maßnahmen treffen, die einen Gemeinschaftsempfang mit Grossprojektion ermöglichen.

Ein Blick auf den französischen Lebensstandard

Das Beispiel der Vereinigten Staaten und auch Großbritanniens, bei denen ein entscheidender Prozentsatz der Besitzer von Fernsehgeräten sich aus dem Mittelstand und der Arbeiterklasse rekrutiert, kann auf die unter den Kriegsfolgen wesentlich stärker leidenden Bevölkerungen West- und Mitteleuropas nicht angewendet werden.

Es ist leider eine nicht aus der Welt zu schaffende Tatsache, daß der Lebensstandard der breiten amerikanischen Massen und auch der Englands wesentlich höher ist als der der gleichen Bevölkerungsschichten auf dem Kontinent.

Lösen Grossprojektioren dieses Problem ?

Aus diesen Erwägungen heraus ist in Frankreich geplant, in großen Siedlungen und Neubauten für die minderbemittelten Schichten neben den bereits vorgesehenen gemeinschaftlichen Lese-, Sport- und Spielräumen auch Fernsehstuben einzurichten, in denen etwa die Bewohner eines Blocks, eines Hauses oder nur eines Flügels gemeinsam den Sendungen auf einer Zimmerleinwand folgen können.

Eine solche Großprojektion erscheint unter Beibehaltung der künstlerischen Qualität nur bei der hohen Definition möglich, da ihr enger Raster allein die genügend feinen Details aufzeichnet, die ohne Störung der künstlerischen Einheit die Vergrößerung zulassen.

Ausbau des "Centre Cognacq-Jay" (das Fernseh-Studio)

Der erste, die neue offizielle Norm von 819 Zeilen benutzende Sender wurde im Sommer 1950 in Paris in Betrieb genommen; er ist auf der Spitze des 300m hohen Eiffelturmes untergebracht, während der alte 441-Zeilen Sender am Fuße dieses Pariser Wahrzeichens steht.

Im Herbst des gleichen Jahres begann der 819-Zeilen-Sender in Lille, der mit Paris durch eine Relaiskette mit drei Zwischenstationen verbunden ist, seine Versuchssendungen, die zu Beginn dieses Jahres durch einen regelmäßigen Sendebetrieb abgelöst wurden.

"Television Francaise", ein Zweig des Rundfunks

Die "Television Francaise" (das ist der offizielle Name des französischen Fernsehwesens, das einen Zweig des staatlich betriebenen französischen Rundfunks darstellt), hat ihre Aufnahmeräume im "Centre Cognacq-Jay" in Paris, in dem zurzeit drei Studios benutzt werden; ein weiterer Ausbau dieses Zentrums ist vorgesehen.

Die Hauptschwierigkeiten des Sendebetriebes werden durch die gesetzlich festgelegte Verpflichtung bedingt, bis 1958 im Pariser Raum die Fernsehsendungen auf beiden Normen von 819 und 441 Zeilen auszustrahlen. Dieser Umstand verhindert die Sendeleitung gleichzeitig mehr als zwei Aufnahmekameras für jede Definition im Studio zu benutzen. Doch hofft man, ab Anfang 1952 diese Schwierigkeiten durch die Inbetriebnahme einer neuen Apparatur zu beheben, die es ermöglicht, die von der 819-Zeilen-Kamera aufgenommenen Bilder vor ihrer Weiterführung an den Sender auf die niedere Definition umzuformen.

Zehn große Fernsehzentren geplant

Es ist unter den augenblicklichen Umständen schwer, etwas Präzises über die weitere Entwicklung des französischen Fernsehens zu sagen. Der Plan Monnet sieht die Errichtung von zehn großen Fernseh-Zentren in den wichtigsten Städten des französischen Mutterlandes und Nordafrikas sowie von etwa 40 Nebensendern vor. In diesem Jahr sollen bereits die Sender von Lyon und Strasbourg in Betrieb genommen werden, doch kann man infolge der schweren durch die Aufrüstung bedingten finanziellen Lasten nicht mit Sicherheit sagen, ob die im Plan vorgesehenen Fristen für das Gesamtbauprogramm des französischen Fernsehnetzes auch eingehalten werden können.

Die wöchentliche Sendezeit eines jeden der beiden Pariser Sender beträgt zur Zeit etwa 25 Stunden; es ist jedoch geplant, diese Sendezeit auf etwa 35 - höchstens 40 Stunden pro Woche zu erhöhen. Aus den verschiedensten Gründen (u.a. solchen finanziellen und edukativer Natur) lehnt es das französische Fernsehen ab, ein Full-day-Programm, wie es in Amerika besteht, anzustreben.

Farbfernsehen in Frankreich

Während des großen 14. Internationalen Chirurgen Kongresses in Paris wurden aus einem Musteroperationssaal im Hospital Bolcincourt mit Hilfe des CBS-Farbfernsehverfahren klinische Operationen übertragen. Ein Operationsraum im Spital Salpetrere (Leit. Prof. Mondor) war der Pariser Television für ähnliche schwarz-weiß Sendungen zur Verfügung gestellt. Tausende Kongressteilnehmer konnten so die Arbeitsweise weltbekannter Chirurgen in allen Einzelheiten verfolgen.

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FI-1951 / 2.Sept + 1.Okt.
AUSLANDSÜBERBLICK und ANREGUNGEN - England

Die Zahl der englischen Fernsehteilnehmer wird zurzeit mit über 900.000 angegeben. Tatsächlich dürfte die Grenze der ersten Million bereits überschritten sein, was auch aus der Zahl der bisher gekauften Fernsehempfänger zu entnehmen ist.

Wahrscheinlich wird die BBC den Millionsten Fernsehteilnehmer am 12. 0ktober - an diesem Tag wird der dritte Fernsehsender Holme Moss in Betrieb genommen - bekanntgeben. Die bisherigen technischen Versuchssendungen von Holme Moss haben übrigens erstaunliche Reichweiten ergeben, die über 240km betragen! Es handelt sich bei diesen Reichweiten jedoch nicht um einen regelmässigen und einwandfreien Empfang.

Bereits während der ersten vier Tage der Britischen Radio-Schau 1951 in Earls Court, London, wurden Abschlüsse über mehr als eine Viertel Million neuer Fernsehgeräte gemeldet. Da die gegenwärtige Monatsproduktion in England rund 60.000 Geräte beträgt, wird ein Teil der Besteller mit längeren Lieferfristen rechnen müssen.

AUSLANDSÜBERBLICK und ANREGUNGEN - Dänemark

Der Dänische Fernseh-Rundfunk wird am 2.Oktober eine ParlamentsSitzung und Ausschnitte aus einem Theaterstück übertragen.

AUSLANDSÜBERBLICK und ANREGUNGEN - Schweden

In Stockholm wurde zum erstenmal eine schwierige Herzoperation durch Fernsehen übertragen, sodass sie von über 700 Personen beobachtet werden konnte. Die Patientin hatte sich wegen ihres Herzleidens seit 10 Jahren kaum bewegen können. Während der 0peration konnten die Zuschauer auf dem Fernsehschirm beobachten, wie der berühmte schwedische Chirurg Clarenze Crafoord zuerst eine Rippe entfernte, dann die Lunge beiseiteschob, den Herzsack aufschnitt und das Herz freilegte. Mit seinen Fingern entfernte Crafoord dann, ohne ein Instrument zu Hilfe zu nehmen, eine Trombose. Die Operation wurde auf einen großen Empfangsschirm im schwedischen Reichstag übertragen. Unter den Zuschauern befanden sich die Delegierten des Weltärzteverbandes.

AUSLANDSÜBERBLICK und ANREGUNGEN - Jugoslawien

Gleichzeitig mit den Dreharbeiten zu dem ersten österreichisch-jugoslawischen Gemeinschaftsfilm "Der weisse Vogel", die in Ragusa begonnen haben, wird Harald A. Hoeller eine Televisions-staffel für die USA herstellen. Die Fernsehfilme werden die kulturellen und wirtschaftlichen Verhältnisse der Völker Jugoslawiens zeigen, insbesondere die Arbeit der Adria-Fischer und die hervorragenden Leistungen des Belgrader Staatsopernballets.

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