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überarbeitet von Gert Redlich ab Feb. 2014 - Eigentlich sprechen wir von einer Gazette - Es sind gigantische Textmengen (Buchstaben-Wüsten), die die Autoren der "FI" in den 58 Jahren zusammen getragen haben. Damit das überhaupt vernünftig zu lesen ist, haben wir die Inhalte in jährliche Themengebiete aufgeteilt, die aber nicht in jedem Jahr gleich sind.
Sehr wichtig ist, es wurden alle Informationen, die Texte und die Erkenntnisse genau in der Woche aufgeschrieben und nichts später ergänzt oder korrigiert.

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FI-1951 / 2. Feb.-Ausgabe - DEUTSCHLAND
Berlin will Fernsehmetropole werden
Überraschende Pläne für mehrere Fernsehsender

Die Fernseh-Entwicklungen in Berlin haben die Aufmerksamkeit internationaler Fernsehfachleute und das besondere Interesse weiterer am Aufbau des Fernsehens interessierter Kreise erregt. Wir haben bereits in der 1. Februar-Ausgabe der "Fernseh-Informationen" auf die diesbezüglichen Berliner Vorgänge hingewiesen. Im Hinblick auf ihre Bedeutung veröffentlichen wir nachstehend einen weiteren Bericht eines Berliner Mitarbeiters, den wir, ohne vorerst selbst zu den angeschnittenen Fragen Stellung zu nehmen, wiedergeben.

Berlin, Mitte Februar 1951, von B.H.K.

"Die Öffentlichkeit sollte sich weniger mit dem neuen deutschen Fernsehen befassen - Finanzierung und technische Vorarbeit erfordern auf diesem Gebiet Ruhe und Zeit."

Dieser kürzlich geäusserten Ansicht einer in der Rundfunkarbeit nicht unbekannten Persönlichkeit kann aus mancherlei Gründen widersprochen werden. Sie muss sogar zurückgewiesen werden, wenn es sich um grundsätzliche Fragen der Organisation und des Aufbaues des Fernseh-Sendebetriebes überhaupt handelt. Die stets komplizierte Berliner Situation hat nun auch hier Probleme aufgeworfen, die gewissenhaft geprüft werden müssen.

"Rundfunk-Fernseh-Ehe" kein Dogma.

In seiner ersten, früheren Phase war das deutsche Fernsehen vorwiegend eine Angelegenheit der Post. Jetzt wurde es von vornherein eine Sache des Rundfunks und zwar zunächst derjenigen Sendegesellschaft, die technisch und wirtschaftlich die grösste Kapazität besitzt. Obwohl weder Staat noch Öffentlichkeit das Fernsehen ausdrücklich den Rundfunkgesellschaften als deren Aufgabe zugewiesen haben, nahm niemand daran Anstoss, da jeder - übrigens mit einigem Recht - den beiden Einrichtungen eine gewisse Verwandtschaft zubilligen musste.

Das bewährte Prinzip, den wirtschaftlich Starken auf solch schwierigem Terrain vorangehen zu lassen, mag ein zweiter Grund für die Selbstverständlichkeit jener Verbindung sein.

Die Meinung der einen Gruppe

Einige in Rundfunk und Fernsehen bewanderte Techniker, Wirtschaftler, Journalisten und Regisseure wollen nun diese "Ehe" nicht als Dogma betrachten und meinen, bis auf den direkten Vorgang des Sendens stünde das Fernsehen unter eigenen Gesetzen, die in der Aufnahme eher noch denen des Films glichen.

Sie weisen auf die Vereinigten Staaten, in denen Television auch unabhängig vom Rundfunk betrieben werden kann und betonen, in Grossbritannien durchgeführte Versuche und auch die verschiedentlichen Vorführungen britischen Fernsehens im Ausland, u.a. im vergangenen Oktober in Berlin, hätten nicht nur seinen selbständigen Charakter, sondern auch die Möglichkeit seiner billigeren, weit unter den bisher in Deutschland angegebenen Sätzen liegenden Durchführung klar ergeben.

Die Meinung der anderen Gruppe

Eine zweite Gruppe, die sich neuerlich zu Wort meldet, beanstandet weniger die "automatische Inbesitznahme" des Fernsehens durch den Rundfunk, als vielmehr die einseitige Ausrichtung auf eine einzige Rundfunkgesellschaft. Sie regen die Gründung einer gesamtdeutschen Fernsehgesellschaft an, an der ausser den westdeutschen Rundfunkgesellschaften auch die Radio-Wirtschaft und selbst private Interessenten, wie beispielsweise Presseunternehmen, beteiligt werden sollen. Eins ist beiden Gruppen gemeinsam; die Anerkennung der rein technischen Mitwirkung der Post.

Auch neue Formen diskutierbar

Man kann über solche Anregungen und Vorschläge verschiedener Meinung sein - abwegig sind sie nicht. Vieles spricht für eine zentrale deutsche Fernseh-Sendegesellschaft, vieles aber auch für die erwiesenermassen rationellere Arbeitsweise eines auf echten kaufmännischen Prinzipien ruhenden Betriebes. Es soll an dieser Stelle zunächst noch nicht erörtert werden, ob und wie weit derartige Gedankengänge für die deutsche Situation nützlich sind. Dabei soll jedoch jetzt schon festgehalten werden, dass auf diesem Neuland auch selbstverständlich neue Formen Platz greifen können, sofern nur die Entwicklung des Fernsehens gefördert, seine Qualität garantiert und seine Wirtschaftlichkeit für Teilnehmer und Sendebetrieb gewährleistet wird.

Das wären also die Berliner Pläne

Aktuelle Bedeutung gewinnen jene Betrachtungen durch Pläne, die in Berlin ausgearbeitet wurden und diese geteilte Millionenstadt voraussichtlich - wie auf dem Gebiet des Rundfunks - zu einer Fernsehmetropole werden lassen. Klar war von vornherein, dass auch Berlin am Fernsehen beteiligt werden musste: die politische Dynamik, die Bevölkerungsdichte und die emsige Aufgeschlossenheit seiner Bewohner waren allein schon ausreichende Gründe.

Der ostzonale Rundfunk als Vorreiter ?

Die Generalintendanz des ostzonalen Rundfunks ergriff die Initiative zuerst und begann mit dem Aufbau eines Rundfunk -und Fernsehtechnischen Instituts im Ostsektor Berlins. Neben Entwicklungs- und Forschungsstätten wird dieser grosszügige Bau auch einen Fernsehsender nebst Studios erhalten, dessen Versuchsbetrieb noch im laufenden Jahr aufgenommen werden soll. Später sollen Relaisstationen in den grösseren Städten der Ostzone erstehen, die ein zentral gesteuertes Programm auf die Gemeinschaftsempfänger der Kulturhäuser in den Bezirken, der Kulturräume in den Betrieben und der öffentlichen Fernsehstuben übertragen werden. Empfänger, in zweiter Linie auch Heimgeräte, werden seit einiger Zeit bereits von dem als "Sowjet A.G." tätigen "Oberspreewerk" in Ostberlin und einem ostzonalen Werk der "Vereinigung volkseigener Betriebe Radio- und Fernmeldetechnik" gefertigt, dienen aber vorerst nicht deutschen Zwecken.

Die Ost-West Rivalität im kalten Krieg

Die ausgezeichneten britischen Fernsehvorführungen auf der "Deutschen Industrieausstellung" im Herbst vorigen Jahres (also 1950) haben die Westberliner Gemüter nicht zur Ruhe kommen lassen; hierdurch erst zeigte sich, wie stark die Initiative, der Stadt einen Fernsehdienst zu geben, eigentlich war. Letzten Endes dachte man nach dem Motto "Was dem Ostsektor recht ist, soll den Westsektoren billig sein". Es lag nahe, entscheidende Worte vom NWDR zu hören. Aber nicht nur die Schwierigkeit einer die Ostzone überbrückenden Relais-Verbindung Hamburg - Berlin, sondern viel stärker noch der Berliner Wunsch auf einen eigenen bodenständigen Pernsehbetrieb liess andere Wege erwägen.

Sie zeigen sich nun in einem Memorandum, das auf Initiative des in der internationalen Fernsehentwicklung allgemein bekannten Denes von Mihaly und mit Unterstützung Professor Leithäusers vom Heinrich-Hertz-Institut für Schwingenforschung sowie des früheren Generaldirektors der C. Lorenz A.G., Carl Schmidf, den Berliner Vertretern der drei westalliierten Besatzungsmächte übermittelt wurde. (Vergleich "Fernseh-Informationen" 1. Febr.-Ausgabe)

Lauter vage Ideen und Forderungen

Es wurde nach Verhandlungen mit dem NWDR und der Post abgefasst und schlägt die Gründung einer Berliner Fernsehgesellschaft vor, an deren Arbeit alle örtlichen Sender und weitere interessierte Instanzen beteiligt werden sollen. Ein 3kW-Sender soll von einem amerikanischen Grosunternehmen zu besonders günstigen Bedingungen beschafft werden. Eine erste Lieferung von etwa 30 ebenfalls amerikanischen Empfängern, die in Schulen und Fernsehstuben aufzustellen wären, soll den Beginn eines Fernseh-Versuchsbetriebes ermöglichen. Bewusst rechnet man mit dem in den USA üblichen 525-Zeilen-System, um Überschneidungen mit dem ostsektoralen Sender zu vermeiden; jedoch ist auch die Verwendung des 405- oder 625-Zeilen-Systems in Betracht gezogen.

Der NWDR wurde plötzlich aktiv

Nur wenig später hat nun der NWDR Berliner Fernseh-Versuchssendungen für Mitte dieses Jahres offiziell angekündigt. Post und NWDR, letzterer vertreten durch den erfahrenen technischen Leiter des Berliner Hauses, Dipl. Ing. Blässer, haben auf der Basis der 625- Zeilen-Norm bereits alle notwendigen Absprachen getroffen, wobei der Gedanke der verbilligenden und der Struktur des NWDR entsprechenden Relais-Verbindung keineswegs unberücksichtigt blieb.

Die kleine Anzahl der für den Versuchsbetrieb benötigten Empfänger soll später in geschickter Anpassung an die besondere wirtschaftliche und politische Lage der Stadt allmählich gesteigert und endlich in einen regelmässigen Programmbetrieb übergeleitet werden. Und wenn nicht alle Hoffnungen trügen, wird man schon im Laufe des März die erste in Berlin gefertigte Aufnahmekamera beim NWDR in Berlin in Augenschein nehmen können.

Was tut RIAS .....

(Anmerkung : RIAS steht für "Radio im amerikanischen Sektor" von Berlin)
Es leuchtet ein, dass der "grosse Unbekannte" des deutschen Rundfunklebens, der RIAS, seine weiten amerikanischen Möglichkeiten auch auf diesem Gebiet nicht unbenutzt lassen wird - obwohl seine politische Zielsetzung einen ja lokal begrenzten Fernsehdienst nicht gerade ausreichend zu begründen vermag.

Wie dem auch sei, die allgemeine und in diesem Falle vom technischen Direktor Pösniker verkörperte technische Initiative jenes Senders wird aller Voraussicht nach in absehbarer Zeit den zunächst wendigsten und grosszügigsten Fernsehdienst auf deutschem Boden zustande bringen.

Dazu muss, da das Funkhaus dem An- oder Ausbau von Fernsehstudios kaum Möglichkeiten bietet, auch ein Studiogebäude errichtet werden. Noch ist es nicht ganz an der Zeit, Einzelheiten über die geplanten Einrichtungen, die von deutschen Firmen mit deutschem Material aufgebaut werden sollen, bekanntzugeben: das Projekt wird an sich schon mit Sicherheit etliche Erörterungen auslösen.

... und schon wieder die Politik ...

Dass mit jenen drei Vorhaben das Interesse noch keineswegs erschöpft ist, wird allgemein überraschen. So wurde von gewisser französischer Seite im Interesse der Ausweitung des 819-Zeilen-Systems eine in ihren Perspektiven interessante Fühlung aufgenommen, die Ergebnisse allerdings noch nicht gezeitigt hat. Ferner trat eine Internationale, unter deutscher Führung stehende Gesellschaft auf den Plan, die mit Rundfunk, Post und Kommunalbehörden gemeinsam zu arbeiten gewillt ist und aufgrund ihres finanziellen Volumens, ihrer organisatorischen Beweglichkeit und ihres technischen Erfahrungsschatzes sehr wohl die beherrschende Stellung zu erringen und damit eine der allgemeinen Wirtschaftskraft nur dienliche Konzentrierung zu bewirken vermag.

... und die Berliner Stadtverwaltung ?

Die Berliner Stadtbehörden sahen jenem etwas "masslosen" Treiben mit erstaunlicher Gleichgültigkeit zu. Ihre beiden Exponenten auf diesem Gebiet ziehen nicht an einem Strang, die Post arbeitet aus eigener Machtvollkommenheit und der städtische Rundfunkbeauftragte, im Volksbildungsdezernat verankert und ursprünglich lediglich für die Vorbereitung eines eigenen Berliner Rundfunksenders eingesetzt, hat unzureichende Befugnisse.

Nun aber scheint eine Wandlung einzutreten - es soll keine behördliche, sondern von Fachleuten beratene Straffung und Erörterung aller auf dem Gebiet des Rundfunks und Fernsehens auftauchenden Fragen bei einer - auf kultureller Ebene liegenden - Instanz erfolgen, ohne auf den Programmbetrieb an sich Einfluss zu nehmen. Die technischen Aufgaben der Post sollen dabei ungeschmälert bleiben.

Berlins Wunschdenken im Jahr 1951

Berlin wird nach Ansicht Berliner Fernsehfachkreise die intensivste Fernsehstadt Deutschlands, ja vielleicht Europas werden. Gewisss die Sendetechnik eilt den anderen realen Möglichkeiten wieder einmal voraus. Ausgereifte und nicht unter dem "Druck der Beschleunigung" hergestellte Empfänger werden in diesem Jahr in grösseren Mengen noch nicht greifbar sein.

Berlin ist überdies arm und seine Bevölkerung wird sich Geräte, deren Beschaffungskosten aufgrund der steigenden Rohstoffpreise über den veranschlagten Sätzen liegen werden, nur in verhältnismässig geringem Umfange leisten können. Von der Berliner Entwicklung werden aber in jedem Fall kräftige Impulse ausgehen, die auch die weitere Entwicklung des Fernsehens in Deutschland und auf dem Kontinent nicht ohne Wirkungen bleiben werden.

FI-1951 / 2. Feb.-Ausgabe - DEUTSCHLAND - Notwendige Bemerkungen zur "Fernseh-Situation" in Süddeutschland«

"Das Problem des Fernsehens ist ein Problem, das alle Rundfunkstationen in der Bundesrepublik beschäftigt", erklärte dieser Tage der Intendant des Bayerischen Rundfunks, Rudolf von Scholtz, auf eine Anfrage der "Nürnberger Nachrichten". Das Fernsehen umfasse zwei technische Gebiete, auf der einen Seite die Sendung, auf der anderen den Empfang ......

Um die Versuche, die ausserordentlich kostspielig sind, wirkungsvoll durchführen zu können, hätten sich die Rundfunkstationen zu einer Arbeitsteilung entschlossen. Der Nordwestdeutsche Rundfunk beschäftige sich bei seinen Versuchen mit der Bildherstellung, während sich das Nürnberger Institut, das für die Stationen im amerikanischen Besatzungsgebiet arbeitet, den Fragen der Aufnahme- und Ausbreitungsmöglichkeiten besonders widme.
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Wenn Du nicht mehr weiter weisst, machst Du einen Arbeitskreis

Um die technischen Versuchsarbeiten zu prüfen und zu lenken, sei eine gemeinsame Fernsehkommission aller Stationen in der Bundesrepublik gebildet worden ...
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Intendant von Scholtz räumte ein, dass der NWDR für seine Versuche bereits erhebliche Gelder investiert und seine Arbeiten auch schon zu einem gewissen Abschluss gebracht habe, hob aber hervor, dass auch die Arbeiten der anderen Versuchsstellen keineswegs unterschätzt werden dürften .....

Soweit der Bericht der "Nürnberger Nachrichten" vom 16. Februar. In diesen Erklärungen des Intendanten des Bayerischen Rundfunks sind keinerlei neue Momente enthalten, die darauf schliessen Hessen, dass seit der Frankfurter Konferenz der westdeutschen Rundfunkintendanten, Mitte November 1950, hinsichtlich eines bayerischen Beitrages zur künftigen Gestaltung des deutschen Fernsehens weitere Fortschritte erzielt wurden.
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Und wieder geht es erst mal ums Geld

Obwohl die Fernsehentwicklung in Deutschland, nicht zuletzt auch durch die anerkennenswerte Aktivität der Bundespost, verhältnimässig schnell vor die Tore der süddeutschen Rundfunkgesellschaft rückt, hört man noch nichts davon, dass diese materielle Vorkehrungen für eine unausweichliche Entwicklung treffen, obwohl von ihnen immer wieder darauf hingewiesen wird, dass die Einführung des Fernsehens mit nicht unerheblichen Kosten verknüpft sein wird.

Man solle tricksen - so wie die Bayern

Dass die finanziellen Mittel auch der süddeutschen Rundfunkgesellschaften es erlauben würden, über den Ausbau des UKW-Netzes hinaus, wie es ihre Satzungen vorschreiben, weitere grössere Aufwendungen für Forschungs- und Entwicklungszwecke im Rahmen des Rundfunks und damit auch des Fernsehens zu machen, wird daraus ersichtlich, dass der Bayerische Rundfunkrat in seiner letzten Sitzung 2,5 Mill. DM zum Aufbau des Thronsaales in der Münchener Residenz zu einem Konzertsaal sowie 80.000 DM für den Aufbau der Würzburger Residenz zur Verfügung gestellt hat.

Diese im eigentlichen wohl "zweckentfremdeten" Mittel des Rundfunks haben in der Öffentlichkeit Kritik hervorgerufen und den Staatssekretär für das Flüchtlingswesen, Prof. Dr. Oberländer veranlasst, an den Rundfunkintendanten von Scholtz einen Brief zu richten, in dem er um einen Beitrag von 320.000 DM aus den Mitteln des Bayerischen Rundfunks für die Kulturarbeit der Vertriebenen ersucht.

Die Bayern müssten sich beeilen

Wenn der Bayerische Rundfunk nicht die ihm aus Rundfunkhörer-Geldern zur Verfügung stehenden Mittel für die ihm satzungsmässig auferlegten Zwecke beisammenhält, dann lässt sich leicht absehen, dass sich bei ihm die "Beihilfe-Ersuchen" für Aufgaben, deren Behandlung mehr oder minder Sache des Staates ist, noch weiter erheblich mehren werden.

Der neue Vorsitzende des Bayerischen Rundfunkrates, Staatssekretär a,D, Dr, Dieter Sattler, hat kürzlich bei der Konstituierung des neuen Rundfunkrates u.a. erklärt, dass er seine besondere Aufmerksamkeit der Vorbereitung des Fernsehfunks beim Bayerischen Rundfunk zuwenden werde. Diesen Worten sollten nun auch die Taten für die Vorbereitung des Fernsehfunks folgen. Da im nächsten Jahr aller Voraussicht nach die Dezimeterbrücken der Bundespost bis nach München reichen werden, ist die Zeit für die Vorbereitungen ohnehin kurz bemessen.

FI-1951 / 2. Feb.-Ausgabe - WIR SAHEN und HÖRTEN
Die britische Firma Pye spielt in Berlin auf Zeit

Ein Hinweis, der im Hinblick auf die Berliner Fernseh-Vorgänge von Interesse ist; Die bekannte britische Firma Pye, die im letzten Herbst im Rahmen der Berliner Industrie-Ausstellung der Berliner Bevölkerung praktisch die Entwicklung des britischen Fernsehens vorführte, hat bisher ihre technischen Anlagen noch nicht aus Deutschland abtransportiert.

FI-1951 / 1.März-Ausgabe - WIR SAHEN und HÖRTEN
Intendant Eberhardt Beckmann reist nach England

Die deutsche Fernseh-Kommission, deren Vorsitzender Intendant Eberhardt Beckmann vom Hessischen Rundfunk ist, ist auf Einladung der "British Broadcasting Corporation" nach England gereist. Sie wird dort die Einrichtungen und den Programmbetrieb der britischen Television studieren.

FI-1951 / 1.März-Ausgabe - WIR SAHEN und HÖRTEN
Tagung der Fernsehwissenschaftler in Hamburg

Am 12.März findet in Hamburg eine Tagung deutscher Fernsehwissenschaftler statt, an der Vertreter des NWDR, der Bundespost, ferner Prof. Kroebel und Dr. Röschlau (Universität Kiel), Dr. Möller und Dr. Rudert (Fernseh GmbH), Dr.Urtel (Lorenz), Graf Westarp (Philips), Dr. Andrieux (Telefunken) und andere Fachmänner teilnehmen werden.

Es sollen Fragen des Farbfernsehens besprochen werden, um einen allgemeinen Überblick über den jetzigen Stand der Entwicklung und die kommenden Möglichkeiten zu erhalten. Das bedeutet nicht, dass in diesem Zusammenhang an eine Änderung der 625-Zeilennorm oder an eine eventuell in naher Zukunft liegende Möglichkeit der Einführung des Farbfernsehens gedacht ist. Die Tagung hat einen informatorischen Charakter.

FI-1951 / 1.März-Ausgabe - WIR SAHEN und HÖRTEN
Mehrwöchige USA Informationsreise

Dr.Rudolf Küstermeier, Mitglied des Verwaltungsrates des NWDR, hat eine mehrwöchentliche Reise nach Nordamerika angetreten, um sich über verschiedene Fragen des organisatorischen Aufbaues der Fernsehgesellschaften in den USA, über Programmgestaltungs- und Finanzierungsfragen zu unterrichten. Er will vor Ende März zurück sein, um noch vor Beginn des neuen Haushaltsjahres einen Bericht zu erstatten. Die nordamerikanische 525-Zeilen-Norm entspricht bekanntlich der europäischen 625-Zeilen-Norm, sodass in vielen Punkten Analogieschlüsse gezogen werden können.

FI-1951 / 1.März-Ausgabe - WIR SAHEN und HÖRTEN
Schwarzhörer-Ermittlungsdienst des Bayerischen Rundfunks

Seit der Aufnahme der Tätigkeit des Schwarzhörer-Ermittlungsdienstes des Bayerischen Rundfunks konnten in Bayern rund 200.000 Schwarzhörer in zahlende Hörer "verwandelt" werden. Nach einer Mitteilung des Verwaltungs-Direktors Schmitt hat die Erfassung der Schwarzhörer dem Bayerischen Rundfunk bedeutende Summen eingebracht. Sie sollen u.a. für den viel kritisierten Ausbau des Thronsaales der Residenz, die Erschliessung des Mittel-Wellen-Sender- und UKW-Netzes und weitere neue Projekte verwendet werden. Es ist wohl anzunehmen, dass unter diesen "neuen Projekten" Vorbereitungen für die Aufnahme eines Fernsehfunks verstanden werden. Bekanntlich hat der NWDR in Hamburg beschlossen, erhebliche Mittel aus dem grossen zusätzlichen Aufkommen aus der Schwarzhörer-Erfassung für das Fernsehen zu verwenden.

FI-1951 / 2.März-Ausgabe
DEUTSCHLAND
Klärende Feststellungen auf der Fernsehtagung in Hamburg.

Farbfernsehen noch nicht aktuell. - 625-Zeilen Norm bleibt. Internationaler Programmaustausch durch neuentwickelten Zeilen-Transformator erleichert. - Von unserem Hamburger Mitarbeiter

In Hamburg fand, wie wir bereits in der März-Ausgabe ankündigten, am 12.3. eine Fernsehtagung statt, an der die Mitglieder der Fernsehkommission der deutschen Rundfunkanstalten, Fernsehwissenschaftler, Vertreter der Industrie und des Handels, der Bundespost und des Bundeswirtschaftsministeriums teilnahmen.

Auf dieser Fernsehtagung wurden folgende, für die weitere Entwicklung des Fernsehens in Westdeutschland wichtige Feststellungen getroffen:

  • 1. Das Farbfernsehsystem mit mechanischer Farbzerlegung durch rotierende Scheiben, über dessen eventuelle Einführung in den USA zur Zeit diskutiert wird, wird von allen Sitzungsteilnehmern als nicht den gegenwärtigen technischen Möglichkeiten angemessen erachtet. Seine Einführung in Deutschland kann deshalb nicht in Betracht gezogen werden.
  • 2. Die verschiedenen anderen Farbfernseh-Systeme, die zur Zeit entwickelt werden, benötigen noch mehrere Jahre zu ihrer Vervollkommnung. Erst nach mehreren Jahren kann übersehen werden, welches der verschiedenen Systeme sich zur allgemeinen Einführung eignet oder ob noch neue, bisher unbekannte Systeme entwickelt werden.
  • 3. Unter den verschiedenen Farbfernseh-Systemen, die sich in der Entwicklung befinden, gibt es solche, die es ermöglichen, vorhandene Schwarz-Weiß-Empfänger weiter zu benutzen, auch wenn in einigen Jahren sendeseitig auf ein Farbfernseh-System übergegangen wird.
  • 4. Die Farbfernseh-Systeme, die die Weiterbenutzung vorhandener Schwarz- Weiß-Empfangsgeräte ermöglichen, erscheinen so aussichtsreich, dass ihre Fertigentwicklung abgewartet werden kann, ohne dass für die Empfangsgeräte bei der Einführung eines Schwarz-Weiss-Fernsehens Befürchtungen einer Fehl-Investierung aufkommen können.
  • 5. Die im bisherigen Fernsehversuchsbetrieb gewonnenen Erfahrungen mit dem 625-Zeilen- Schwarz-Weiß-Bild sind so günstig, dass die Beibehaltung dieses Systems auch unter Würdigung aller Überlegungen der wirtschaftlichen, politischen, künstlerischen und technischen Vor- und Nachteile empfohlen wird. Die Anpassung der vor 2 Jahren beschlossenen 625-Zeilen-Norm an die CCIR-Empfehlung wird in notwendiger Modifikation erfolgen.
  • 6. Die Sitzungsteilnehmer empfehlen deshalb dem NWDR, bei seinen Vorbereitungen für einen Publikums-Fernsehbetrieb weiterhin das bisherige technische System zugrunde zu legen.
  • 7. Es wurde auch die Frage der technischen Möglichkeiten des internationalen Programmaustausches ausführlich diskutiert. Die gewählte 625-Zeilen-Norm ermöglicht einen direkten Programmaustausch mit den zahlreichen Ländern, die sich bereits ebenfalls auf diese Norm eingestellt haben. Dem ausserordentlich wichtigen internationalen Programmaustausch - so glauben die Tagungsteilnehmer - wird mit dieser Norm am besten gedient, weil - wie schon erwähnt - eine Reihe von Ländern diese Norm bereits anwendet und weil technische Vorrichtungen (ein in der Entwicklung befindliches elektrisches Gerät, dass die direkte Umformung einer Zeilenzahl in eine andere vornehmen soll - (Anmerkung: heute nennt man das einen Normenwandler) es in der Zukunft ermöglichen werden, auch Länder mit einer anderen Norm zu diesem Austausch heranzuziehen. Bis zum Einsatz dieses elektrischen Gerätes kann bereits ein Programmaustausch in Filmen stattfinden.

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Grundlagen für weitere Entwicklung des westdeutschen Fernsehens festgelegt

War eigentlich die Fernsehtagung, die der technische Direktor des NWDR, Dr. Werner Nestel, nach Hamburg einberufen hatte, notwendig ? War nicht im Herbst 1948, als nach mehrjähriger Verbotszeit im neuen Statut des NWDR zum erstenmal wieder niedergelegt worden war, dass auch die Beschäftigung mit Fernsehfragen wieder erlaubt sei, auf einer Tagung von Fachleuten beschlossen worden, einen kommenden Dienst auf die 625-Zeilen-Norm abzustellen ? Hatte sich inzwischen eigentlich etwas geändert ? Es wurde häufig vom "Unkraut der Meldungen" gesprochen, das ausgemerzt werden müsste ........

Unsicherheit jetzt beseitigt?

Es war tatsächlich eine Unsicherheit in der Fernsehentwicklung im Laufe des vergangenen halben Jahres eingetreten. Sie war auf politische und wirtschaftspolitische Vorstösse zurückzuführen, die vornehmlich in der französischen Zone, aber auch gelegentlich in der britischen vorgenommen wurden und z.B. von Paris über den Petersberg bis Bonn führten. Es handelte sich dabei um mehr als um eine Zeilenzahl, andere, weit höhere Zahlen standen im Hintergrund.

Inzwischen hatten sich schon eine ganze Reihe von Staaten für die 625-Zeilen-Norm entschlossen, auch Deutschland. Aber gerade in dem "Fernseh-Durchgangsland" Deutschland waren immer wieder Bedenken, Erwägungen und nur halbe Festlegungen laut geworden, oft durchaus nicht fachmännisch begründet. Zweifellos musste endlich Klarheit geschaffen werden, zumal neuerdings sogar das Problem des Farbfernsehens erstaunlich lebhaft diskutiert wurde.

Alle Entscheidungen hingen vom NWDR als der grössten Rundfunkgesellschaft und der einzigen mit praktischer Programmerfahrung ab, nicht zuletzt, weil der Verwaltungsrat des NWDR bis Ende März über den kommenden Fernsehetat Beschlüsse fassen mußte. Es ging nicht mehr, dass sich die Aufsichtsinstanzen auf die "ungeklärte Lage" berufen konnten, die Industrie auf fehlende Senderplanung, oder die Programmleute auf mangelnde Haushaltsmittel. Alle sahen das Unkraut, dass den Blick versperrte. Gesäht will es niemand haben; das soll ja wohl der Teufel in der Nacht tun. Lassen wir es also Tag werden, um ihm das Handwerk zu legen.

Ziel: Europäisches Fernsehen !

Der Beschluss, bei der 625-Zeilen-Norm zu beharren, ist nach sehr sorgsamer Prüfung der letzten Entwicklungen und der übersehbaren Zukunftswege gefasst. Er richtet sich gegen niemanden, hinter ihm steht der Gedanke an ein Europäisches Fernsehen, das nicht zuletzt in dem betonten Hinweis auf die Vorbereitungen zu einem internationalen Programmaustausch zum Ausdruck kommt.

Bemerkenswert ist das verantwortungsbewusste Abwägen der Möglichkeiten des Farbfernsehens - hier ist eine Zurückhaltung durchaus berechtigt, ebenso wie die Forderung, dass bei einer Einführung (selbst nach mehreren Jahren) die Schwarz-Weiß-Empfänger weiter benutzbar sein müssen. Diese Feststellungen trafen Vertreter von Rundfunkhandel, -Industrie und -Wirtschaft, der Bundespost und des Bundeswirtschaftsministeriums, der westdeutschen Rundfunkgesellschaften und der Wissenschaft.

Klarere Sicht für die Fernsehwirtschaft

In einer zwangslosen Aussprache wurde eine Reihe von Fragen diskutiert, die
sich für die Zukunft ergeben; die Antworten sind nicht verbindlich, zeigen aber interessante Überlegunggen und Ausblicke.

Im Frühjahr 1952 wird man mit Fernsehsendern, die einen Bezirk versorgen können, in Hamburg und Langenberg, evtl. auch Frankfurt rechnen können, mit Stadtsendern in Köln, Hannover und Westberlin (britischer Sektor). Zur gleichen Zeit hat die Bundespost die Verbindungen zwischen diesen Sendern fertiggestellt, eine unbedingte Notwendigkeit für den Programmdienst.

Die Interessen der Rundfunkindustrie

Besonders die Rundfunkindustrie wird sich über dieses Programm freuen, denn sie drängt in erster Linie auf Senderbauten, um eine Planung für den Empfängerbau vornehmen zu können. Mit den genannten Sendern könnten zwischen 12 und 15 Millionen Menschen erfasst werden, das ist eine Ausgangszahl für die Berechnungen der Empfängerserien. Die ersten dürften im Herbst dieses Jahres auf den Markt kommen, vielleicht 4- 5.000 Stück, deren Zahl für 1952 verzehnfacht werden kann.

Zur Zeit liegen keinerlei Schwierigkeiten bei der Materialbeschaffung vor. Wichtig wird es sein, tragbare Abzahlungsbedingungen zu schaffen, wobei die Anzahlung zwischen 25% und 30% liegen dürfte. Werden sich genügend Käufer für ein Gerät finden, das zunächst nicht wenig unter 1.000 DM kosten wird ? Ein Blick auf England zeigt, dass 75 Prozent der Fernsehempfänger von Menschen erworben werden, deren Monatseinkommen (umgerechnet) unter 500 DM liegt! Es kann möglich sein, dass in Deutschland bis 1957 rund 2 Millionen Empfänger abgesetzt werden, eine Zahl, die hoffentlich durch Exportaufträge erhebliche Steigerungen erfährt.

FI-1951 / 2.März-Ausgabe
Investierungen für die Fernsehentwicklung

Natürlich sind in der Anlaufszeit große Investierungen von der Sendeseite und
der Wirtschaft notwendig, wobei die Rundfunkgesellschaften auch erhebliche Beträge in den Programmaufbau stecken müssen, um den Bildinhalt so zu gestalten, dass er der technischen Güte des Bildes angepasst ist. Wenn der NWDR weiter solche Fortschritte in seinem Fernsehprogramm macht wie in den letzten zwei Monaten, dann dürfte dieses Ziel zum Jahresende erreichbar sein. Die Fernsehtagung hat die Grundlagen für die Weiterentwicklung festgelegt, nun sollten alle beteiligten Kreise genügend Geld in die Hände bekommen, um systematisch und ungestört arbeiten zu können. Wir wünschen nicht, dass wieder Unsicherheit in die Planungen hineingetragen wird, gleichgültig von welcher Seite sie kommen mag. Sie würde Verzögerungen bewirken, die nicht mehr zu verantworten sind, denn es ist bereits viel zu viel Zeit vertan worden.

FI-1951 / 2.März-Ausgabe
Die Aktivität beim Berliner Fernsehen

Interessante Vorbereitungen beim NWDR Berlin - Berlin, Mitte März

Es scheint, als ob ein kleiner Kreis von begeisterten und weitschauenden Männern im NWDR Berlin hinsichtlich der kommenden Fernsehentwicklung den richtigen Weg einschlägt. Im Studio II des Rundfunkhauses am Heidelberger Platz wird - wenn es nicht gerade für Sendungen benutzt wird - dreimal in der Woche "Fernsehen geprobt". An der Schmalseite des Senderaumes ist eine kleine "Bühne" aufgestellt, bei ihr befinden sich die Beleuchtungsanlagen, vor ihr steht eine Kamera. Rundfunkmänner machen Fernsehsendung "als ob"; sie kümmern sich nicht darum, dass ihre Versuche nicht über einen Sender ausgestrahlt werden, es genügt ihnen, daß ihre Bemühungen um eine Gestaltung an drei Kontrollempfängern verfolgt werden können. Die Kritiker sind streng: es sind NWDR-Angehörige, von denen einige schon aus den Jahren vor 1945 Fernseherfahrungen haben. Sie frischen sie auf, fügen neue Einfälle hinzu, stellen untereinander Interviews, kontrollieren die Ausleuchtung und die Kameraführung, überprüfen die Bildwirkungen, versuchen sich an schüchternen Aufbauten von Requisiten und Kulissen - und das alles ohne einen einzigen Pfennig Geld.

Gerüstet zu sein, wenn es los geht.

Es soll niemanden geben, der über dieses Treiben lächelt. Hier wird nicht Fernsehen gespielt, sondern hier werden aus dem Nichts, aber mit viel Begeisterung und Verantwortungsgefühl echte Versuche vorgenommen, um einmal gerüstet zu sein, wenn Forderungen nach einem Programm gestellt werden. Solche Proben können gar nicht früh genug beginnen; wenn erst ein Sender fertiggestellt ist, dann ist es bereits um Monate zu spät für eine Programmvorbereitung. Meist machen sich die Zuschauer keine Vorstellung davon, wie schwierig es allein ist, auch nur einige Gesetze für die Ausleuchtung zu finden und wie schwer, sich ganz locker und selbstverständlich vor der Kamera zu bewegen.

Was geschieht mit den Berliner Rundfunkgebühren ?

In den letzten Wochen ist immer wieder diskutiert worden, wann endlich die vom Berliner Magistrat eingezogenen und einbehaltenen Rundfunkgebühren für Rundfunkzwecke freigegeben werden. Die Fernsehentwicklung macht die Lösung dieses Problems nur noch dringlicher. Wir hoffen, dass bald eine befriedigende Lösung gefunden wird und dass dann auch für den Fernsehrundfunk in Berlin Mittel bereitgestellt werden. Vielleicht ist es möglich, bis dahin vom NWDR-Etat, gewissermaßen als Kredit oder Vorschuß, eine kleine Summe auszuwerfen, die den sehr begrüßenswerten Fernsehproben im Berliner Haus eine etwas größere Beweglichkeit erlaubt.

Wir dürfen nicht übersehen, dass in Berlin jede Sendung mit doppelt kritischen Augen betrachtet wird. Nicht nur, weil die Berliner an und für sich kritisch sind, sondern weil wahrscheinlich vom RIAS und ebenso vom Berliner Sowjet-Rundfunk Fernsehdienste in Angriff genommen werden und dann jederzeit Vergleichsmöglichkeiten für die einzelnen Leistungen gegeben sind. Ausserdem hat jede Rundfunkorganisation in Berlin ganz besondere Aufgaben zu erfüllen, und ferner wird es vom Hamburger Fernsehdienst einmal sehr begrüßt werden, wenn von Berlin aus z.B. aktuelle Sendungen in das Hamburger Programm eingefügt werden können. Diese Sendungen müssen dann den in Hamburg gestalteten absolut gleichwertig sein - und das ist nur durch grosse Übung zu erreichen.

FI-1951 / 2.März-Ausgabe
Die Errichtung von Fernseh-Sendehäusern in Westberlin
RIAS und NWDR im Wettbewerb

Um das Gelände westlich der Ausstellungshallen zwischen den S-Bahnhöfen Eichkamp und Heerstrasse sind zwischen dem NWDR und dem RIAS Differenzen entstanden. Beide Runfunkstationen wollen an dieser Stelle ein Fernsehsendehaus errichten. Während der NWDR für die Ausstrahlung seiner Sendungen die UKW-Antenne auf dem Funkturm benutzen will, plant RIAS einen 200-250 Meter hohen Mast an der S-Bahn nach Spandau zu errichten. Das Hauptamt für Stadtplanung hat bisher noch nicht erklärt, ob der Senat das Gelände hinter den Messehallen für die Errichtung eines Fernsehsenders zur Verfügung stellen wird.

Wie Dr. Blässer vom NWDR mitteilte, sei es nicht wahrscheinlich, dass der RIAS eine Sendeerlaubnis im britischen Sektor erhalten werde. Die britische Militärregierung stehe auf dem Standpunkt, daß der RIAS seine Übertragungen vom amerikanischen Sektor ausstrahlen solle. Außerdem würde von der Militärregierung eine Genehmigung für den Bau von Masten über 150 Meter Höhe nicht erteilt, da diese die Flugsicherheit gefährden würden.

laut NWDR - vorläufig täglich 2-3 Stunden

Der Bau eines Fernsehsendehauses für den NWDR wird sich, wie Dr. Blässer erklärte, in mehreren Abschnitten vollziehen. Der Baubeginn hinge auch davon ab, wie sich die Berliner zu den Versuchssendungen stellen, die im Sommer dieses Jahres beginnen sollen. Durch diese Versuchssendungen würden Industrie und Amateure Gelegenheit erhalten, durch Experimente die weitere Entwicklung zu fördern. Mehrere Fernsehstuben in verschiedenen Bezirken West-Berlins sollen die Berliner für das Fernsehen interessieren. Das Programm, das der NWDR vorläufig täglich 2-3 Stunden von seinem Studio am Heidelberger Platz senden werde, soll hauptsächlich aus aktuellen Reportagen aus dem Zeitgeschehen, Sportberichten sowie Aufnahmen aus Oper und Schauspiel bestehen. Mit dem Schillertheater ist über den Einbau der erforderliehen Aufnahmeanlagen verhandelt worden. Der Bau von Fernseh-Geräten wurde auch von der einschlägigen westberliner Industrie bereits in kleinerem Umfange begonnen.

FI-1951 / 2.März-Ausgabe
Das Arbeitsgebiet der Berliner Fernsehgesellschaft

In Berlin wurde, wie wir bereits berichteten, von einem Kreis von Radio- und Fernseh-Fachleuten, Wissenschaftlern und Publizisten die "Berliner Fernseh-Gesellschaft e.V." gegründet, die zur Zeit etwa 25 Mitglieder zählt. Diese Gesellschaft will dazu beitragen, dass Berlin, die "Geburtsstadt des Fernsehens", wieder aktiv in die deutsche Fernseh-Entwicklung eingeschaltet wird.

Das Arbeitsgebiet der Gesellschaft soll zunächst durch drei Aufgaben bestimmt sein: Die Empfangs-Verhältnisse in Berlin zu prüfen, eine sichere Kalkulationsgrundlage für die Kosten des Fernsehbetriebes zu gewinnen und Erfahrungen in der Programmgebung zu sammeln. Die Gesellschaft will auch darauf dringen, dass die in Berlin eingehenden Rundfunkgebühren, die bisher zum Ausgleich des Postetats dienten, wieder ihrem eigentlichen Zweck zugeführt und damit zum Teil auch für den Aufbau eines Berliner Fernseh-Rundfunks verwandt werden. Die Gesellschaft will auch Voraussetzungen schaffen helfen, die Produktion und den Absatz der Berliner Fernsehgeräte-Industrie fördern und dazu beitragen, dass die einschlägige Berliner Industrie an Hand eines praktischen Fernsehbetriebes die dringend benötigten Wachwuchskräfte in der Konstruktion und Fabrikation von Geräten heranbilden kann.

FI-1951 / 2.März-Ausgabe
Die Fernseh-Vorbereitungen in Südwestdeutschland

Ausserhalb des NWDR-Bereiches befasst sich gegenwärtig der Hessische Rundfunk am intensivsten mit Fernsehfragen. Er ist in der glücklichen Lage, daß vom Feldberg im Taunus, auf dem ein Fernsehsender errichtet werden soll, ein Bereich bestrichen werden kann, in dem sich eine Reihe von größeren Städten befindet und der wirtschaftlich als gut anzusprechen ist.

Die Post bereitet, wie wir bereits berichteten, zur Zeit eine Verbindung von Hamburg über Köln, Bonn nach Frankfurt vor. Wenn die Dezimeterbrücken bis hierher geschaffen sind, was spätestens im Frühjahr 1952 der Fall sein dürfte, wird auch hier der Sendebetrieb in ein praktisches Stadium treten. Dann will auch Frankfurt seinen ständigen Beitrag für die Programmgestaltung eines deutschen Fernsehfunks leisten. Vielleicht ist es bis dahin bereits möglich, einen Fernseh-Übertragungswagen anzuschaffen und zwei bis drei Kameras, die dann wenigstens für Zeitdienstsendungen eingesetzt werden können. Damit würde es auch möglich sein, ein kombiniertes Frankfurt-Hamburger Fernsehprogramm zu entwickeln.

Den Blick über den Sendebereich hinaus erweitern

Es ist immer vorteilhaft, wenn mögliche Entwicklungen früh diskutiert werden. Wir werden mit einem Fernseh-Zentrum in Westdeutschland nicht auf die Dauer auskommen. Das Erste in Hamburg entsteht unter günstigen Bedingungen: hier sind, was für die Programmgestaltung von Bedeutung ist, Theater- und Filmgesellschaften, die Darsteller, Kostüme und Requisiten aus reichem Fundus zur Verfügung stellen können, wodurch ein Fernsehdienst Großanlagen von Werkstätten ersparen könnte. Ein Blick über die Karte zeigt, daß sich in einer ähnlich günstigen Lage auch München befindet, ein Umstand, der nicht übersehen werden sollte.

Wenn oft erklärt wird, dass der UKW-Rundfunk den Blick der Runfunkmänner einengt, dann muss man trotz der gleichen technischen Voraussetzungen vom Fernsehen fordern, dass es den Blick über den Sendebereich hinaus erweitern soll. Ansätze zeichnen sich überall ab, man muss sie nur erkennen und - richtig zu fördern und zu nutzen wissen.

FI-1951 / 2.März-Ausgabe
Fernsehsendungen in die Kinos ?

Auf der Jahrestagung der Deutschen kinotechnischen Gesellschaft in Berlin teilte Dr. F. Below vom NWDR mit, daß voraussichtlich in nächster Zeit in den Lichtspieltheatern der Bundesrepublik und Westberlins Bilder aus direktübertragenen Fernsehsendungen gezeigt werden würden. Für diese Fernsehtagesschau würden die erforderlichen Apparate in den Lichtspielhäusern eingebaut werden. Zu bestimmten Zeiten, vielleicht von 21.00 - 21.05 Uhr sollen dann in den Kinos solche Direktübertragungen vom Fernsehsender gezeigt werden. Er teilte ferner mit, daß beim NWDR jetzt Versuche mit einer Fernsehkamera unternommen werden, die Bild und Ton vereint.

FI-1951 / 1.April-Ausgabe
WIR SAHEN UND HÖRTEN
Sitzung der Arbeitsgemeinschaft der Rundfunkanstalten

Die Arbeitsgemeinschaft der westdeutschen Rundfunkanstalten beschäftigte sich in ihrer letzten Sitzung in Frankfurt mit den internationalen Beziehungen des Rundfunks, wobei auch die Aufnahme von Verbindungen zur Europäischen Rundfunk-Union erörtert wurde. Ausserdem wurden Fragen des Urheberschutzes und des Arbeitsrechtes besprochen. "Ferner standen die Arbeitsergebnisse der Fernseh-Kommission zur Beratung" heißt es etwas allzu lapidar in der über diese Intendantentagung herausgegebenen Kurzinformation. Die deutsche Fernseh-Kommission besteht jetzt seit 6 Monaten. Es wäre gut, auch für die breitere, an der Entwicklung des Fernsehens in Deutschland, insbesondere in Süd- und Südwestdeutschland interessierte Öffentlichkeit von Bedeutung, über die bisherigen Arbeitsergebnisse der Fernseh-Kommission etwas ausführlicher unterrichtet zu werden.

Verteilung der Kosten auf mehrere Schultern

Zu den Aufgaben dieses deutschen Fernseh-Ausschusses gehört ja nicht nur die Fühlungnahme mit anderen europäischen Sendegesellschaften zwecks Herbeiführung eines europäischen Programmaustausches, sondern vor allem auch die Untersuchung der Frage, inwieweit die Kosten für den Aufbau eines deutschen Fernsehens auch auf die anderen Sender verteilt werden können, nachdem bisher der NWDR allein die finanziellen Risiken der ersten Fernsehentwicklung getragen hat.

Wir möchten, nachdem die kürzliche Fernseh-Tagung in Hamburg über wichtige grundsätzliche Fragen des deutschen Fernsehens Klarheit geschaffen hat, im Interesse eines zügigen Aufbaues des Fernsehwesens in der Bundesrepublik annehmen, dass die Mitglieder der Fernseh-Kommission auf der Frankfurter Intendantentagung nicht nur über die bei ihrer Studienreise nach Paris und London gewonnenen Eindrücke berichtet haben, sondern dass sie mit den süd- und südwestdeutschen Intendanten die recht dringlich gewordene Frage erörterten, welche Vorbereitungen diese Rundfunkanstalten für den süd- und südwestdeutschen Anschluss an die Fernsehentwicklung inzwischen getroffen haben.

Ist Paris verschnupft wegen der 625 Zeilen ?

Wie wir aus Paris erfahren, ist der Generaldirektor der Radiodiffusion & Television Francaise, Vladimir Porche, erkrankt. Mit dieser Begründung wurde seine vorgesehene Reise nach Hamburg, die einer Ausgestaltung der deutsch-französischen Fernseh-Beziehungen dienen sollte, abgesagt. Sollten die Beschlüsse der kürzlich in Hamburg durchgeführten deutschen Fernsehtagung, die eine endgültige Festlegung auf die 625-Zeilen-Norm brachten, Paris verschnupft haben?

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